Der „kärntnerische Johann Strauß“
Der Gurktaler Johann Strauß, bekannt als „Hansl mit der Dukatengeige“, war ein vielseitiger Künstler.
Der Bauernsohn Johann Strauß, geboren am 27. Dezember 1756, wuchs beim „Madleninger“ bei St. Jakob ob Gurk auf. Ein Handwerker auf der Walz, der die letzten Lebensjahre beim Madleninger verbrachte, lehrte Johann Strauß das Schreiben, Lesen, Rechnen und das Geigenspiel. Der junge Gurktaler war sehr begabt, spielte auf der Violine und beherrschte auch andere Musikinstrumente wie die Zimbel, das Hackbrett und das Waldhorn.
Kurz vor seinem Tod schenkte der Handwerker dem jungen Johann die Geige. Der Gurker Pater Siegmund von Hohenwart (1745 – 1826) wurde auf den Bauernsohn und seine außergewöhnliche Auffassungsgabe aufmerksam. Er erteilte Johann Strauß weiteren Unterricht und stellte ihm Bücher und Landkarten zur Verfügung. Siegmund von Hohenwart war später Generalvikar unter Fürstbischof Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheid (1749 – 1822), dem Erstbesteiger des Großglockners im Jahr 1800. Salm verlegte 1787 das Domkapitel von Gurk nach Klagenfurt. Sigmund von Hohenwart galt als treibende Kraft hinter der Großglocker-Expedition. Später war er Bischof in Linz.
Siegmund von Hohenwart förderte auch das musikalische Talent von Johann Strauß und vermittelte Musikabende. Den Erzählungen nach soll ein gewisser Baron Reichenau aus Wien, ein Musikkenner, dem Gurktaler eintausend Gulden für die Geige geboten haben, Johann Strauß habe aber sein Instrument trotz dieser hohen Summe nicht hergegeben. „Hansl mit der Dukatengeige“ nannte man Johann Strauß nach dem abgelehnten Angebot. Die Violine stammte vom berühmten Tiroler Geigenmacher Jakob Stainer, fand Siegmund von Hohenwart heraus. Stainer (1617 – 1683) dürfte sein Handwerk bei den bekannten Geigenbaumeistern in Cremona gelernt haben. Er galt als Begründer der mitteleuropäischen Geigenbaukunst; seine Instrumente waren besonders klangschön; vergleichbar mit den italienischen Meistergeigen von Amati. Jakob Stainer war ab 1658 Hofgeigenmacher und betrieb am 1656 eine Werkstätte in Absam. Wie der wandernde Handwerker zur Stainer-Geige kam, blieb unbekannt. Das Instrument dürfte in den Wirren der Franzosenzeit abhanden gekommen sein.
Johann Strauß war ein gefragter Musikant und Musiklehrer, auch seine Schwester Katharina spielte außerordentlich gut Geige. Sie heiratete einen Bauern, der Bühnenstücke verfasste. Für diese komponierte Strauß die Musik. Die Begabung des „Hansl mit der Dukatengeige“ äußerte sich auch in anderen künstlerischen Fächern: Er schnitzte, zeichnete und malte. Vielen Kästen und Kleidertruhen, aber auch Bienenstöcke verschönerte Strauß mit Szenen aus dem Landleben. Er gilt als „Vater der bemalten Blumenstöcke“. Eines seiner Hobby war die Astronomie. In den klaren Nächten beobachtete er die Sterne.
Johann Strauß war auch bekannt als Sportler. Beim Wettringen auf der Flattnitz blieb er angeblich sieben Jahre hintereinander ungeschlagen.
Der vielseitige Gurktaler heiratete eine Flattnitzerin und übernahm den Bauernhof seines Vaters, die „Straußhube“. Er kultivierte die Bienenzucht und den Obstbau, wurde ein Meister des Veredelns. Am Bauernhaus baute er zwei Sonnenuhren.
Wohlhabend geworden, erwarb Johann Strauß im Jahr 1805 das „Ferchergut“ bei Althofen. Das alte Fercher-Wohnhaus ziert noch heute eine Sonnenuhr von Johann Strauß, angebracht über der etwa 500 Jahre alten, Eisen beschlagenen Eingangstür.
Hoch angesehen starb der kärntnerische Johann Strauß, der „Hansl mit der Dukatengeige“ im Jahr 1812.
Werner Sabitzer
Quelle: Albert Kreiner: vlg. Fercher in Althofen
Burgruine Glanegg
Die Burg Glanegg zählt zu den ältesten und imposantesten Wehranlagen Kärntens. Türken und Ungarn scheiterten an der Eroberung der Festung im Glantal.
Auf einem Bergrücken oberhalb des Orts Mautbrücken im Glantal befinden sich die Reste der drittgrößten Burg Kärntens nach den Khevenhüller-Festungen Hochosterwitz und Landskron.
Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine Burg, erbaut vermutlich von den Salzburger Bischöfen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die strategisch wichtige Anlage im Glantal im Jahr 1121; damals kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Truppen des Herzogs von Kärnten, Heinrich III. von Eppenstein, und des Salzburger Erzbischofs Konrad, der von seinem Gurker Hilfsbischof Hiltebold unterstützt wurde. Während sich Erzbischof Konrad im Exil in Bayern befand, konfiszierte Herzog Heinrich Gebiete des Salzburger Bischofs, unter anderem im Kanaltal. Erzbischof Konrad marschierte daraufhin mit 1.000 Mann nach Kärnten. Heinrich hatte die Gegend um Glanegg geplündert und operierte von der Burg Glanegg aus. Im Krappfeld kam es zur Konfrontation. Angesichts der Übermacht des Gegners unterwarf sich Heinrich. Er musste demütigend barfuß und im Büßergewand um Frieden bitten.
Die Burg Glanegg dürfte aber im Besitz der Eppensteiner geblieben sein. Verwaltet wurde die nun landesfürstliche Burg von Ministerialen, die sich „von Glanekke“ nannten.
Das Herzogtum Kärnten (seit 976) reichte damals bis in das Gebiet des heutigen Niederösterreich und war kein politisch geschlossenes Gebiet, sondern aufgeteilt: Das geistige und weltliche Fürstentum Salzburg hatte großen Grundbesitz in Kärnten, dem Bischof von Gurk, zunächst ein Salzburger Hilfsbischof, gehörten unter anderem das Gurk- und Metnitztal; und das Bistum Bamberg besaß große Gebiete im Raum Feldkirchen, Villach und Griffen sowie im Lavanttal. Die Eppensteiner, die bayrischen Adeligen zu Beginn des elften Jahrhunderts als Herzöge von Kärnten folgten, waren das erste einheimische Geschlecht an der Spitze des Herzogtums. Immer wieder kam es in Kärnten zu Auseinandersetzungen zwischen den Herzögen, den Salzburger Bischöfen und den Bambergern.
Im Jahr 1122, nach dem Tod des letzten Eppensteiner Herzogs Heinrichs, übernahmen die Spanheimer die Geschicke Kärntens. Heinrichs Neffe Graf Bernhard von Spanheim erbte die Herrschaft Glanegg, danach ging die Burg wiederum im Erbweg auf Bernhards Neffen Markgraf Ottokar II. von Steyr über, dem späteren Herzog der Steiermark. Die steirischen Ministerialen, die nun die Burg verwalteten, nannten sich „Herren von Glanegg“. 1136 war ein „Walther de Glanheche“ auf der Burg.
Meuchelmord an Reimbert von Glanegg
Nach dem Tod des Markgrafen Ottokar II. im Jahr 1185 erbte der Babenberger Herzog Leopold V. die Burg; er gab sie an Reinprecht von Mureck als Lehen weiter. Ihm folgte als Lehensherr Rudolf von Ras. Stammsitz der Ministerialenfamilie Ras war die gleichnamige Burg bei St. Jakob im Rosental, von der heute noch Gebäudereste zu sehen sind. Der Nachfolger von Rudolf von Ras, Reimbert von Ras, der sich ebenfalls als „von Glanegg“ bezeichnete, fiel einem Mordanschlag zum Opfer: Im Jahr 1292 kam es zu einem Aufstand von Adeligen aus Kärnten und der Steiermark gegen den neuen Landesherrn. König Rudolf I. von Habsburg hatte seinen Schwiegersohn und treuen Gefährten im Kampf gegen Ottokar II. von Böhmen, Graf Meinhard von Görz-Tirol, mit dem Herzogtum Kärnten belehnt. Mit Unterstützung des Salzburger Erzbischofs Konrad überfielen die Aufständischen unter der Führung des bedeutenden Kärntner Grafen Ulrich III. von Heunburg die Herzogstadt St. Veit und nahmen den Sohn des Landesherrn Meinhard von Görz-Tirol, Ludwig, gefangen. Ludwig wurde zunächst auf Burg Taggenbrunn und später auf Burg Werfen festgehalten. Beide Wehranlagen gehörten zu Salzburg. Während des Gegenschlags der Grafen von Görz-Tirol gemeinsam mit dem Habsburger Herzog Albrecht I. wurde Reimbert von Glanegg im März 1293 bei Griffen von einem Speer getroffen. Er hatte das Kommando bei der Belagerung der Bamberger Burg Griffen geführt, auf die sich Ulrich III. von Heunburg zurückgezogen hatte.
In der „Reimchronik“ hieß es über den Meuchelmord an Reimbert von Glanegg:
„Eines tages er reit
für Griven nach gewonheit
und suochte, daz er vant
Do wart er an gerant
Und do er kerte gegen in her,
do stach einer ein sper
hinden durch in,
daz im Kraft unde sin
entweich an der stat
Von dem orse viel er drat
Nider uf daz graz.“
Der Täter blieb unbekannt. Der Umstand, dass der vom Herzog eingesetzte neue Kärntner Landeshauptmann, der Tiroler Konrad von Auffenstein, die Witwe des ermordeten Glanegger Burgherrn heiratete, führte zu Gerüchten, Auffenstein könnte hinter dem Attentat auf Reimbert Ras stecken.
Nach Reimberts Tod übernahm sein Sohn die Burg Glanegg. Im Jahr 1374 starb mit Wilhelm der letzte männliche Nachkomme der Ras. Herzog Leopold III. von Österreich erbte Glanegg. In der Urkunde ist von Vorder- und Hinterglanegg die Rede; mit Hinterglanegg dürfte ein Turm oberhalb von Glanegg in Rothenthurn gemeint gewesen sein. Herzog Leopold III. setzte für die Verwaltung der Burg Pfleger ein.
Landgericht ab 1424
Bis zum Jahr 1424 war die Herrschaft Glanegg an Franz von Carrara verpfändet, danach wurde sie wieder von landesfürstlichen Pflegern betreut. Ab diesem Jahr war Glanegg Landgericht unter dem Habsburger Herzog Wilhelm. Nach Wilhelm folgte Ernst der Eiserne als Besitzer der Burg Glanegg, er vererbte sie seinem Sohn Friedrich III., dem späteren deutschen Kaiser. Unter den Verwaltern der Burg befanden sich Andreas Gutensteiner, Konrad Farbes und Johann Hanneberg. Als kaiserlicher Beamter fungierte damals unter anderem Eberhard von Deutzfeld.
1473 und 1478 versuchten durchs Glantal ziehende Türken, die Burg zu erobern. Später scheiterten auch die Ungarn an der Festung. Von 1478 bis 1492 waren die Färber Pfleger auf Glanegg.
Ernau auf Glanegg
Kaiser Friedrich III. vererbte die Burg seinem Sohn Kaiser Maximilian I. Von diesem ging die Herrschaft an seinen Enkel Kaiser Ferdinand I, der Festung und Landgericht im Jahr 1534 Ulrich von Ernau für seine treuen Dienste als Pfand auf Lebenszeit überließ – für ein Darlehen von 6.000 Gulden. Ulrich von Ernau hatte bereits Kaiser Maximilian I. mit Geld ausgeholfen und dadurch einen Anspruch auf die Burg gewahrt. Er war als kaiserlicher Feldhauptmann Führer der Kärntner Streitmacht. Der neue Burgherr musste sich verpflichten, mindestens 1.000 Gulden in den Aus- und Umbau der desolaten Burganlage zu investieren. Ulrich von Ernau baute zwei Ringmauern, einige Wirtschaftsgebäude und einen Turm beim äußeren Tor. Die Familie Ernau stammte aus der Steiermark.
Nach dem Tod seines Bruders Leonhard im Jahr 1533, der die neue Moosburg ausgebaut hatte, kam Ulrich von Ernau auch in den (Pfand-)Besitz von Schloss und Amt Moosburg.
Nach Zahlung der Ablöse von 6.000 Gulden übernahm Bernhard Khevenhüller kurzzeitig die Burg Glanegg. Er ließ die von Bischof Leonhard von Lavant eingerichtete Kapelle zu einem Prunksaal umbauen. Später kam die Herrschaft wieder an die Familie Ernau. 1573 überprüfte eine Kommission die Anlage, daraufhin musste der baufällige Westtrakt und ein Teil der Ringmauer erneuert werden. Von den alten Gebäuden blieben nur der Bergfried und einige Mauern.
Die protestantisch gewordene Familie Ernau musste wie viele andere adelige Familien Kärnten im Zuge der Gegenreformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts verlassen. Laut einem Visitationsbericht von 1586 hatten die Ernau die Burg Glanegg allen Leuten aus der Umgebung geöffnet, die den protestantischen Gottesdienst besuchen wollten. 1629/30 verließen die Ernau das Herzogtum Kärnten; Hektor von Ernau veräußerte im Jahr 1930 die Burgen Glanegg und Moosburg an den kaiserlichen Rat und Landschaftssekretär Johann Weber von Ehrenthal. Dieser gab die Herrschaft Glanegg an Johann Friedrich Freiherr von Seenuß weiter, dessen Familie auch Liebenfels besaß. Seenuß verkaufte die Burg 1681 an Wilhelm von Kronegg. Die Familie Kronegg besaß nun wie ehemals die Familie Ernau sowohl Glanegg als auch Moosburg.
1688 war Glanegg im Besitz von Georg Ludwig Graf Windischgrätz; 1706 kam die Festung an die Herren von Aschau. Im Jahr 1713 erwarb der Gewerke Graf Stampfer die Liegenschaft. Er besaß in Oberkärnten ein Kupferbergwerk, errichtete unter der Burg einen Kupferhammer und ließ eine Straße durch das Glantal bauen; für die Glanüberquerung wurde bis 1775 Maut eingehoben („Mautbrücken“).
1802 ging die Herrschaft Glanegg durch Kauf an die Familie Kirn. Vier Jahre später besaß Theodor Graf Batthyany die Burg und 1818 schien als Besitzer Hofrichter Hirzegger von Ossiach auf, dessen Tochter Josefine die Herrschaft als Heiratsgut erhielt. Ihr Mann Andreas Klinzer baute 1830 das Gut Mautbrücken, das aus einem Herrenhaus, einer Bierbrauerei, Ställen, einer Kegelbahn, einer Schießstätte und einer Mühle bestand. Das Gut war damals ein beliebtes Ausflugsziel.
Niedergang der Burg
1848, nach Auflösung der Feudalherrschaft, endete auch das Landgericht auf Burg Glanegg. Die Familie Klinzer verkaufte Schloss und Gutshof im Jahr 1860 an den Bregenzer Bürgermeister Ferdinand Kinz. Bilder und Zeichnungen aus Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen die Burg noch als intakt. Die „Dachsteuer“, von Joseph II. eingeführt, besiegelte das Schicksal vieler alter Bauten in Österreich und bedeutete auch das Ende der im 19. Jahrhundert noch bewohnten Burg Glanegg. Kinz ließ die Dächer abtragen, um sich die Steuer zu ersparen. Er ließ auch die Holzteile entfernen. Der rasche Verfall der Anlage begann.
1906 erwarb Josef Odelga die imposante ehemalige Wehranlage, weitere Besitzer waren Marie Edle von Marquet (ab 1915) und Leo Rainer (ab 1918). 1937 kam die Ruine in das Eigentum der Familie Mayer, deren Nachkommen, die Familie Zwillink, die Anlage seit 1982 besitzen.
Burgverein Glanegg
Im Jahr 1996 pachtete die Gemeinde Glanegg die Ruine; seitdem revitalisiert der „Burgverein Glanegg“ die Wehranlage. Viele Tonnen Schutt wurden aus dem Inneren der einst mächtigen Burg entfernt. Einige Räume wurden für Besucher hergerichtet, darunter der ehemalige Speicher und die Säulenhalle im Untergeschoss. Im Burghof finden Veranstaltungen statt. Im Bergfried befinden sich drei Signalfenster. Die Mittelsäule eines romanischen Fensters mit einem dorischen Kapitell wurde vor dem Zweiten Weltkrieg gestohlen. Demnächst soll der Burgbrunnen mit seinen Auswölbungen freigelegt werden. Unmittelbar unterhalb der Burg befinden sich Mauerreste der Meierei, eines Stalles und des Pförtnerhauses.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Henckel-Donnersmarck, Hugo: Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt, 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Klagenfurt, Feldkirchen und Völkermarkt. (Kärnten – II), Wien, 1965.
Burg Griffen: Bambergs beste Burg
Auf einem Kalkfelsen über dem Markt Griffen sind die Reste einer ausgedehnten Burganlage zu sehen, die als uneinnehmbar galt.
Der Ort Griffen steht auf geschichtsträchtigem Boden; die ältesten Spuren einer Besiedelung in Kärnten stammen aus der Tropfsteinhöhle im Griffner Burgberg; zwei Feuerstellen und Werkzeugteile dürften in der Altsteinzeit um 30.000 vor Christi entstanden sein. Außerdem wurden Knochen von Höhlenbären und einem Mammut gefunden.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 822. Im Jahr 1090 wurde in einer Urkunde anlässlich der Dotierung des Spanheimer-Hausklosters St. Paul ein „Stadelhof Griffen“ („stabulariam curtim Griuina“) erwähnt. Der bambergische Markt Griffen, 1237 erstmals genannt, war mit der Festung durch Mauern verbunden.
Im Jahr 1236 stiftete Bischof Ekbert von Bamberg aus Gütern seines verstorbenen Bruders Berthold, des Markgrafen von Istrien, die Prämonstratenser-Abtei St. Maria im Griffental. Die Abtei wurde von Mönchen aus einem Kloster im Bistum Würzburg besiedelt.
Die Burg Griffen auf einem 130 Meter hohen Kalkfelsen dürfte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert von den Bamberger Bischöfen errichtet worden sein. Beim Regierungsantritt des Bamberger Bischofs Eberhard II. im Jahr 1146 war die Festung mit großer Wahrscheinlichkeit schon vorhanden. Am 14. Februar 1160 ließ sich Bischof Eberhard in Pavia von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) bestätigen, dass einige Bamberger Burgen niemals als Lehen ausgegeben werden dürfen. Griffen wurde darunter als eine Burg genannt, die schon „de antiquo“ („von alters her“) dem Bistum Bamberg gehörte. „Deinem gerechten Bitten stimmen Wir gerne zu und nehmen alle jene Burgen von jeder Lehensvergabe aus, die Du als Deinen Besitz erweisen kannst, sowohl jene, welche Deine Kirche schon vor Deinem Pontifikat besaß, wie jene, welche Dein eigener Eifer hinzugefügt hat. Namentlich befehlen Wir hier aufzuzählen … von altersher Grivena“, hieß es (übersetzt) in der kaiserlichen Urkunde.
Zwischen 1242 und 1311 hatten die Bamberger in Griffen das Münzrecht inne („Friesacher Gepräge“).
Die militärische Bedeutung der Burg war groß. Von hier aus wurde der Weg ins obere Lavanttal kontrolliert; Burg Griffen war bis Mitte des 14. Jahrhunderts Verwaltungssitz für die bambergischen Besitzungen in Kärnten. Dazu zählten neben dem oberen Lavanttal Villach, Bleiberg und Feldkirchen. Aus Urkunden geht hervor, dass zwischen 1147 und 1178 auch die Herzogstadt St. Veit im Besitz Bambergs gewesen sein könnte.
Eine besondere Rolle spielte die Burg Griffen während des Aufstands von Kärntner und steirischen Adligen gegen den Landesfürsten aus dem Haus Görz-Tirol nach dem Tod Königs Rudolf von Habsburg. Der König hatte nach dem Aussterben der Spanheimer Herzöge Meinhard von Görz-Tirol im Jahr 1286 als Kärntner Herzog eingesetzt. Graf Ulrich von Heunburg, der als einer der mächtigsten Kärntner Grafen Herzog von Kärnten werden wollte, führte die Aufständischen an. Er residierte auf der Bleiburg und beherrschte die Gegend um das Jauntal. Sitz der Heunburger in Kärnten war ursprünglich die Rauterburg (Altheunburg) und später die Heunburg in der Nähe von Völkermarkt. Die Heunburger besaßen Gebiete in Unterkärnten, der Untersteiermark und Krain (Cilli) sowie Lehen im Murtal und zahlreiche weitere Güter. Ulrich von Heunburg wurde von König Wenzel von Böhmen, vom Salzburger Erzbischof und vom Bistum Bamberg unterstützt. Die Kämpfe begannen mit einem Überfall auf die Herzogstadt St. Veit/Glan, in der sich der Sohn Meinhards von Tirol befand. Er wurde als Geisel genommen, zunächst auf Burg Glanegg und später auf der salzburgischen Burg Hohenwerfen festgehalten. Der bambergische Hauptmann auf Burg Griffen, Gottfried von Birkenbach, schloss mit Ulrich von Heunburg einen Bündnisvertrag und überließ dem aufständischen Grafen im Jahr 1292 die Griffener Burg. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen wurden unter anderem die zu Salzburg gehörenden Städte Friesach und St. Andrä zweimal zerstört. Am 14. März 1293 wurden die Putschisten in der Schlacht am Wallersberg von den Truppen des Habsburgers Albrecht I. von Österreich besiegt. Kämpfe gab es auch in der Nähe von Griffen. Am 3. Mai 1293 übergab Ulrich von Heunburg die Burg Griffen an Walter von Gutenstein, einem Vertrauensmann des bambergischen Bischofs Arnold. Ulrich von Heunburg wurde in Wiener Neustadt gefangen gehalten, er erreichte aber im Juni 1293 einen Friedensvertrag mit Albrecht I. von Österreich, konnte nach Kärnten zurück und erhielt einige seiner Güter zurück.
Ulrich von Heunburg gilt durch bedeutende Güterschenkungen als „zweiter Stifter“ des Klosters Griffen. Die männlichen Heunburger starben 1322 mit dem Tod von Ulrichs Sohn Hermann aus; ihre Besitzungen gingen vor allem an die verwandten Grafen von Ortenburg und die Freien von Sannegg, die als „Grafen von Cilli“ das Wappen der Heunburger übernahmen.
Die Burg Griffen wurde im 12. Jahrhundert von Burggrafen („Herren von Griffen“) verwaltet. Ab dem 13. Jahrhundert stand an der Spitze der bambergischen Güterverwaltung in Kärnten der „Vizedom“, der zunächst auf Burg Griffen und ab der Zeit Bischof Wernthos (1328 – 1335) auf Burg Wolfsberg residierte.
Ab 1504 setzte der bambergische Vizedom auf der Burg Griffen Pfleger ein, denen auch die Landgerichtspflege zustand. Zu den bekanntesten Pflegern von Griffen gehörte Heinrich von Gutenberg, der 1506 auf der Burg starb. Sein Epitaph befindet sich in der Stadtpfarrkirche Wolfsberg. Burg Griffen besaß nicht die „hohe Gerichtsbarkeit“ (Blutgerichtsbarkeit), diese war dem Landgericht Weißenegg übertragen. Die Burg Weißenegg bei Ruden, heute eine Ruine, war ursprünglich im Besitz der Bamberger, wechselte dann den Besitzer und kam 1425 bei einem Gebietstausch von den Grafen von Cilli wieder an die Bamberger. 1491 wurde das Weißenegger Landgericht an Griffen übertragen.
Im 13. und frühen 14. Jahrhundert war der bambergische Hauptmann für militärische und polizeiliche Aufgaben zuständig.
Im 16. Jahrhundert wurde Burg Griffen ausgebaut und weiter befestigt. Das Bauwerk war so gut befestigt, dass es weder von den Türken, noch von den Ungarn eingenommen werden konnte. Im Jahr 1666 wurde der kaiserliche Ingenieuradjunkt Michael Possaner damit beauftragt, Vorschläge für einen Ausbau der Festung vorzulegen. Die Arbeiten wurden aber nicht ausgeführt.
Im Jahr 1688 war die Burg noch in gutem Zustand und bewohnt. Danach begann der Verfall; im 18. Jahrhundert waren nur mehr einige Räume bewohnt. Der Kastner wohnte bereits in dem 1672 gekauften „Stöckel“ unter der Burg. Der letzte Gottesdienst in der Burgkapelle wurde am 15. Juli 1768 gefeiert. Ende des 18. Jahrhunderts zerfiel die einst uneinnehmbare Burg weiter. Im Jahr 1840 wurden die Dächer abgerissen und damit das Bauwerk dem endgültigen Verfall preisgegeben.
Am 15. Juni 1759 ging das bambergische Griffen unter der Monarchin Maria Theresia an den österreichischen Staat und wurde dem Herzogtum Kärnten einverleibt. Auch der übrige bambergische Besitz in Kärnten kam in den Besitz Österreichs.
1785 erwarb Max Thaddäus Graf Egger die Burg; später kamen die Güter an die Freiherren von Helldorff, die den Besitz an die Familie Leitgeb aus Kühnsdorf verkauften. Seit Dezember 1999 befindet sich das 10,5 Hektar große Areal des Schlossbergs samt der Tropfsteinhöhle im Besitz der Marktgemeinde Griffen. Zwischen 2000 und 2003 wurde die Ruine teilweise saniert.
Bistum Bamberg: Besitzungen in Kärnten
Das Bistum Bamberg wurde im Jahr 1007 von Kaiser Heinrich II. (1002 – 1024) gegründet. Er schenkte „seinem“ Bistum unter anderem Gebiete im Herzogtum Kärnten: im Jahr 1014 einen schmalen Landstrich mit drei Orten zwischen Pontafel und der Gail und im Jahr 1060 Villach und Umgebung. Kurz davor kam Bamberg durch einen Tausch zwischen Bischof Adalbero von Bamberg und seinem Bruder Marchward von Eppenstein in den Besitz des oberen Lavanttals.
Dadurch war das Bistum Bamberg nach dem Erzbistum Salzburg der größte Grundherr in Kärnten. Das Bistum genoss Steuerfreiheit und andere bedeutende Rechte; es war auch unabhängig gegenüber den örtlichen Gerichts- und Verwaltungseinrichtungen. Kaiser Heinrich II. wurde 1147 heilig gesprochen.
Die Schenkungen in Kärnten hatten eine strategische Bedeutung für die wichtigen Verkehrs- und Handelswege nach Italien. Damals beschenkten die römisch-deutschen Kaiser bevorzugt kirchliche Einrichtungen mit diesen Gebieten, da sie Lehen an Adlige für zu unbeständig hielten. So erhielten die Bischöfe von Brixen und Trient Gebiete an der Brennerstrecke. Die bambergischen Gebiete in Kärnten wurden zunächst von der Burg Griffen aus verwaltet und später von Burg Wolfsberg.
Am 27. Jänner 1535 wurde nach einer längeren zivilrechtlichen Auseinandersetzung der habsburgisch-bambergische „Rezess“ unterzeichnet. Das Bistum Bamberg wurde dem Kärntner Landrecht untergeordnet; es musste für seine Güter in Kärnten Steuern zahlen und sich an der Landesverteidigung beteiligen. Durch den „Ewigen Rezess“ im Jahr 1674 wurde der Kärntner Besitz des Bistums Bamberg dem Land Kärnten untergeordnet und im 1759 erwarb der Staat die bambergischen Besitzungen.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Die Länder und das Reich – Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Österreichische Geschichte 1122 – 1278, hg. Von Herwig Wolfram, Wien, 1999.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994.
Henckel-Donnersmarck, Hugo: Burgen und Schlösser in Kärnten. 1964
Kohla, Franz X.; v. Metnitz, Gustav Adolf; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde I und II, Klagenfurt 1973.
Koller-Neumann, Irmtraud: Die Lehen des Bistums Bamberg in Kärnten bis 1400. Klagenfurt, 1982.
Die vergessene Burg Steuerberg
Die Herrschaft Steuerberg war im Hochmittelalter ein bedeutendes Machtzentrum in der Region Mittelkärnten.
An der Gurktal-Bundesstraße nach der oberen Gurk führt beim Gasthaus Neuwirt in Wabl ein Wanderweg auf eine Felskuppe, auf der sich die Mauerreste der Burg Steuerberg befinden. Seit vielen Jahrzehnten ist die Felskuppe bewaldet; die Ruine vom Tal nicht einsehbar. Nur wenige Bewohner der Region kennen die Ruine, die auch als „Marbauer Schloss“ bezeichnet wurde.
Die Mauerreste lassen erahnen, wie die Burg einmal ausgesehen haben muss. Das ummauerte Bauwerk war 70 Meter lang in nord-/südlicher Ausrichtung und bis zu 20 Meter breit. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1603 heißt es: Das Schloss liege in einer „ziemblichen Höh“, es sei das höchste Schloss in Kärnten und „um und um mit einer guten, starken, hohen Mauer umfangen“. Es befinde sich auf einem „herrlichen Ort“ und „hat auf alle Enden allenthalben herum ein schön weites Aussehen.“ Obwohl hoch oben, könne man „gar in das Schloß reiten und fahren.“
Nach dieser Beschreibung bestand die Anlage vor vier Jahrhunderten aus drei Teilen: Im Südteil das eigentliche „Schloss“ mit den Hauptgebäuden, in der Mitte der Eingang, die Kapelle und der Graben; und im Norden der Burghof mit Stall und Wehrgang. Das Schloss hatte in seiner gesamten Breite einen in den Felsen gehauenen Keller, in dem man „50 Startin Wein“ lagern konnte. Ein „steirisches Startin“ hatte damals 566 Liter. Daneben gab es zwei kleinere gewölbte Keller. Auf der hölzernen, mit Säulen gestützten Kellerdecke befanden sich die „unteren Räume“: Über dem großen Keller befand sich der Getreidekasten, daneben das Küchengewölbe und die Gesindestube. Im Anschluss daran befanden sich zwei Zimmer, die unter anderem als Lager dienten. In die unteren Zimmer fiel – aus einem kleinen Innenhof zwischen zwei Seitenmauern – nur wenig Licht. Eine Stiege führte zu den oberen Zimmern mit dem „Mueßhaus“, dem Speisesaal, der wie die meisten anderen Zimmer zwei Fenster hatte. Auf der Vorderseite befand sich die Hauptstube mit vier schönen Fenstern, aus denen man zum Meierhof und auf die Gründe hinunter sehen konnte. Vom Speisesaal führte eine Stiege unter das Dach. Die Ecken auf der Vorderseite wurden mit hölzernen Erkern abgeschlossen.
Im Nordteil der Anlage befand sich der Stall für 20 Pferde. Darüber war ein Getreidekasten und unter dem Dach war Heu und Stroh gelagert. Der Eingang befand sich im Westen in der Mitte der Ringmauer. Die Burg betrat man durch eine schwere Holztüre. Der Graben mit einer Zugbrücke trennte den Südteil mit den Hauptgebäuden vom Rest der Burg. Im Graben befand sich eine gemauerte Zisterne.
Die Burgkapelle dürfte im 12. Jahrhundert erbaut worden sein. Der ursprüngliche Bau stand weiter östlich, wobei die Apsis in die Ringmauer integriert war. Vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts dürfte die Kapelle etwas weiter nach Westen verlegt worden sein. Teile der alten Kapellenmauer dienten als Fundament für die neuen Außenmauern.
Die Herren von „Touernich“
Die Herrschaft Steuerberg, unweit der Burg Albeck, war im Hochmittelalter ein bedeutendes Machtzentrum. Bis zur Mitte des 12. Jahrhundert lautete die Bezeichnung der Burg „Touernich“ (Dovernik). Burgher „Reginher“, in anderen Quellen auch „Reinher“ genannt, scheint erstmals 1140 urkundlich auf. Er stammte aus dem Geschlecht der Hollenburger und war mit Petrissa verheiratet, einer Tochter der Judith von Feistritz (Steiermark). Als Reginhers einziger Sohn Liutold in das Kloster Admont eintrat, schenkte er dem Kloster Besitzungen im Raum Steuerberg. Reginher hatte Liutold schon früh dem Kloster Admont zur Erziehung übergeben. In einer Urkunde scheint Liutold im Jahr 1160 als Priester auf. Am 1. Juli 1165 wählten ihn die Mönche zum Abt und am 17. April 1166 erhielt er vom Salzburger Erzbischof Konrad II. die Abtweihe. Bevor Reginher de Touernich um 1147 zum Kreuzzug von König Konrad III. nach Palästina aufbrach, beschenkte er das Kloster Admont wieder mit Landbesitz; diesmal mit zwei Huben im Raum Glödnitz und einem Gasthaus bei Steuerberg. Nach der glücklichen Rückkehr vom Heiligen Krieg überließ Reginher dem Kloster Admont weitere Besitzungen, darunter eine Wiese zu „Chronke“ (Krön) bei Pisweg.
Auch der Lehensherr von Reginher, Graf Bernhard von Spanheim, nahm am dritten Kreuzzug im Jahr 1147 teil. Die aus Rheinfranken stammenden Spanheimer waren zwischen 1122 und 1269 Herzöge von Kärnten. Bernhard von Spanheim, der 1142 das Kloster Viktring gründete, kam am 16. November 1147 auf dem Weg ins „Heilige Land“ um, mit ihm die meisten seiner Ritter.
Die Ländereien Herzog Bernhards erbte daraufhin Markgraf Otakar III. von Steyr; ein Neffe von Bernhards Frau. Zu ihm fielen auch die Ministerialen (ritterliche Dienstmannen) der Spanheimer. Auch Reginher von Touernich hatte nun einen neuen neuen Lehensherrn. Nach den neuen Besitzern, den Markgrafen von Steyr, wurde die Burg Touernich „Steyerberg“ („Styrberch“) genannt. Die Umbennung erfolgte zwischen 1147 und 1169. In einer am 24. März 1169 ausgestellten Gurker Urkunde wurde der Burgherr erstmals als „Reinherus de Styrberch“ bezeichnet. Der Name Touernich dürfte aber noch bis ins 13. Jahrhundert gebräuchlich gewesen sein.
Neben den Steuerbergern wurden auch weitere wichtige Ministeriale vom steirischen Markgraf Otakar übernommen, unter ihnen die Herren von Trixen, die Glanegger, Hollenburger, Ras-Rosegger, Reifnitzer und Weißensteiner. Die steirischen Markgrafen hatten damit einen großen Einfluss in Kärnten.
Reginher von Touernich trat kurz vor seinem Tod in das Kloster Admont ein, dem sein Sohn Liutold vorstand. Zum Kloster hatte er sich bereits zwischen 1140 und 1145 gebunden. Damals schenkte er dem Kloster unter anderem das Gut Dalling und weitere Huben am Zammelsberg („Zumoltsperge“), in Steuerberg und Glödnitz. Reginhers Gattin Petrissa trat in das Admonter Frauenkloster ein. Auch Reginhers Bruder Gebhard sowie die Schwiegermutter Judith von Feistritz und ihre zwei Töchter Wendilburg und Kunigunde gingen in das Kloster.
Nach dem Tod von Reginhers einzigem Sohn Luitold, kam die Verwaltung der Burg und Herrschaft Steuerberg an Otto, einem Sohn von Swiker von Hollenburg, dem Bruder Reginhers. Mit dem im Jahr 1238 genannten Brüdern Amelrich und Heinrich dürften die Steuerberger ausgestorben sein.
Ministeriale und Burggrafen auf Steuerberg
Später verwalteten Burggrafen die Herrschaft Steuerberg. Auf einer Urkunde des Jahres 1305 ist erstmals ein Wappensiegel überliefert. Das Schild zeigt drei kleine Schilde, mit einem Riemen an einem Buckelring befestigt. Dieses Wappenschild diente als Grundlage für das Wappen der Gemeinde Steuerberg, das noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts „Steierberg“ hieß und umgangsprachlich auch heute noch so genannt wird.
In die Burg Steuerberg flüchteten während der Jahrzehnte dauernden Erbschaftskämpfe um die benachbarte Burg Albeck im Jahr 1260 die Peggauer-Pfannberger, nachdem die Vasallen des Gurker Bischofs sie aus der Burg Albeck vertrieben hatten. Heinrich von Pfannberg unternahm von der Burg Steuerberg aus mehrere Raubzüge gegen Besitzungen der Gurker Kirche. Graf Friedrich von Ortenburg, damals Inhaber der Herrschaft Steuerberg, war ein Verwandter Heinrichs von Pfannberg. Nach einem neuerlichen Angriff der Peggauer auf Gurker Besitzungen stürmten die Vasallen des Gurker Bischofs die Burg Steuerberg und setzten sie in Brand.
Im Jahr 1418 fiel die Burg an die Grafen von Cilli. 1456 übernahmen die Habsburger die Herrschaft Steuerberg. Kaiser Maximilian I. überließ sie 1517 dem Orden der St. Georgs-Ritter in Millstatt. Der Orden, der zur Türkenabwehr gegründet worden war, bewährte sich nicht und verfiel rasch; die Besitzungen wurden kommissarisch verwaltet. Im Jahr 1588 sorgte Erzherzog Karl dafür, dass die Burg seinem Hofkammerrat Hans von Basseyo bis zum Tod seiner „katholischen Söhne“ verpfändet wurde. Der Landesfürst hatte Schulden bei seinem Hofbeamten. 1598 kam Steuerberg an die Jesuiten, den Rechtsnachfolgern der St. Georgs-Ritter; ab 1607 dürfte die Burg wieder von der Herrschaft Millstatt verwaltet worden sein.
„Altes Schloss“
Johann Weickhard Valvasor beschreibt in seiner Topographie des Erzherzogtums Kärnten im Jahr 1688 die Burg Steuerberg nur im Zusammenhang mit der Burg Albeck: „… Unweit davon aber auf einem hohen Berg/ ist das Schloß Steyerberg/auf Mülstatt denen Herren P. P. Societatis Jesu gehörig.“
Damals dürfte die Burg Steuerberg nicht mehr bewohnt gewesen sein. 1745 wurde das herrschaftliche Meierhaus in Wabl unter der Burg zu einem bäuerlichen Gut.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1773 verwaltete die Studienfondsherrschaft Millstatt als Nachfolgerin der Jesuiten den Besitz Steuerberg. Der Ertrag der Herrschaft diente zur Finanzierung der Universität Graz. Die Fondsherrschaft verkaufte die Herrschaft Steuerberg, zu der neben Bauernhöfen in Albeck und Deutsch Griffen rund 20 Anwesen im Gebiet der heutigen Gemeinde Steuerberg gehörten, 1797 an den Gurker Fürstbischof Salm-Reifferscheidt. Bis dahin übte der Herrschaftssitz auch die Gerichtsbarkeit im „Burgfried“ Steuerberg aus.
Matthias Liebenwein, Besitzer der Herrschaft Poitschach, erwarb im Jahr 1825 aus dem Nachlass von Fürstbischof Salm-Reifferscheidt die Besitzung Steuerberg mit der damals schon verfallenen Burg.
Leben im Hochmittelalter
Die Burgen waren im Hochmittelalter die Machtzentren. Die adligen Burgherren waren Grundbesitzer, verfügten über Waffen und Soldaten, die „hörigen Bauern“ waren Leibeigene, die einen Teil der Ernte an den Grundherrn abliefern und für ihn an bestimmten Tagen Frondienste leisten mussten. Sie zahlten auch für die Benützung von Mühlen, Brücken und Weinpressen (im Mittelalter gab es in Kärnten Weinbau).
Der Grundherr sorgte für den militärischen Schutz des Gebiets, für die öffentliche Sicherheit und er übte (meist durch Richter) die (niedere) Gerichtsbarkeit aus.
Ministeriale waren höhere Verwaltungsbeamte, die dem Markgrafen unterstanden und selber Grundherren mit „festen Häusern“ (meist Burgen) waren.
Diese Strukturen währten im Großen und Ganzen bis zur „Bauernbefreiung“ Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug im Mittelalter etwa 35 Jahre. Viele Krankheiten waren damals lebensgefährlich. Mitte des 12. Jahrhunderts tauchten auch Fälle der aus dem Orient eingeschleppten Lepra auf. Die Medizin war gegen die meisten Krankheiten hilflos, am Land bediente man sich der Naturheilkunde. Das erste öffentliche Spital im heutigen Österreich dürfte im Jahr 1130 im Stift Göttweig errichtet worden sein.
Zum Beleuchten der Burgen und Häuser dienten Pech- und Herzfackeln, Kienspäne und Talgkerzen. Es gab keine Herbergen. „Beruflich“ Reisende übernachteten in Burgen und in Klöstern. Die erste Herberge wurde 1160 am Semmering errichtet. Man reiste auf der Donau per Schiff, sonst auf dem Pferd oder zu Fuß.
Werner Sabitzer
Quellen:
Eichert, Stefan: Die Burgruine Steuerberg; in: Wadl, Wilhelm: Steuerberg. Verstecktes Paradies im Herzen Kärntens. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt, 2001.
Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1999.
Krause, Adalbert, Das steirische Benediktinerstift Admont in seinen Beziehungen zu Kärnten, in: Carinthia I. Zeitschrift für geistliche Landeskunde von Kärnten. Festgabe zum 900-Jahrjubiläum des Bistums Gurk 1072 –1972. Verlag des Geschichtsvereines Kärnten, Klagenfurt 1972.
Stejskal, Herbert, Kärnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt, 1985.
Ruine Wullross
Auf einer steilen bewaldeten Anhöhe, einige hundert Meter oberhalb der „inneren Wimitz“, sind die Reste mehrerer Steinbauten zu sehen. Hier standen einst Burg und Schloss Wullross.
Die romanische Burg Wullross (auch: Woldris, Wuldres, Wuldreis, Wuelroß) auf 860 Meter Seehöhe, benannt nach ihrem Erbauer Wolrich, wurde urkundlich erstmals im Jahr 1200 in einem Urbar (Verzeichnis über Besitzrechte eines Grundherrn und Leistungen von Untertanen) des Domkapitels Gurk genannt. Waltherus de Woldris hatte damals die Burg als Lehen. Im Jahr 1279 war Pilgrim de Woldrich auf der Burg. Er bezeugte eine Schenkung der Brüder von Freiberg. Von Pilgrim ist eine Auseinandersetzung dokumentiert, die er im Jahr 1304 mit seinem Enkel Niklas hatte, der auf Burg Nussberg saß.
Die „Paben von Wullross“ führten ein Wappen, das ein gehörntes Tier mit einem Nasenring zeigte. Pabo von Wullross verzichtete am 13. Mai 1392 zugunsten des Bischofs Johann von Gurk auf seine Rechte am „Stain zu Sawrek“ in der Reichenau.
Die Wullrosser heirateten im Lauf der Zeit in viele andere Kärntner Adelsfamilien ein und bekleideten eine Reihe von höheren Ämtern im Land. Pabos Sohn Christof stand im Dienst der Herren von Kraig und war 1430 und 1434 Pfleger in Kärnten – anstelle seines Herrn Konrad von Kraig, des Landeshauptmanns von Kärnten. 1436 war Christof von Wullross Verweser der Hauptmannschaft in Kärnten. Er starb 1444 und wurde in der Pfarrkirche St. Veit beigesetzt.
Katharina von Wullross war 1402 Äbtissin des adeligen Nonnenklosters St. Georgen am Längsee. Ein Wilheld von Wullross war als Hauptmann in Straßburg im Dienst des Gurker Bischofs.
Leonhard war der letzte männliche Nachkomme der Herren „von Wuelroß“. Seine Tochter Kathrey heiratete im Jahr 1444 Dietrich Linzer, dessen Familie sich danach „zu Wuelroß“ nannte.
Wilhelm Rumpf von Wullross
Der bedeutendste „Wullrosser“ war Wilhelm Rumpf. Er stammte aus Friesach. Ihm fiel ihm die Burg Wullross als Erbe zu; er war mit dem Vorbesitzer Linzer verschwägert. 1480 musste Rumpf die Burg an Bischof Lorenz von Gurk veräußern. 1483 wird von Schäden berichtet, die Bischof Lorenz durch das Schloss Wullross zugefügt wurden. Die Rumpf nannten sich auch nach der Weitergabe der Burg „von Wuelroß“. Von Rumpf ist unter anderem dokumentiert, dass er ein Haus in Friesach 1516 an den Bergrichter Hans Aigner verkaufte.
Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen und erwarb 1515 von Wolfgang Pibriach(er) die Herrschaft Tentschach. Er war Mitglied des von Siegmund von Dietrichstein gegründeten Mäßigkeitsordens und 1518 auch Pfleger auf Osterwitz. Nach Kaiser Maximilians Tod im Jahr 1519 war er im inneren ständischen Rat und später erster ständischer Burggraf in Klagenfurt.
Wilhelm Rumpf nahm 1520 als Procurator Siegmunds von Dietrichstein beim Hoftaiding (Gerichtsversammlung des Landesfürsten) in St. Veit teil und hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. die hohe Stelle eines Truchsess inne. 1533 erhielt Wilhelm Rumpf von Wullross gegen Bezahlung von 3.600 Gulden die Heunburg bei Völkermarkt als Pfand. Er war mit Barbara von Keutschach verheiratet; seine Tochter Barbara heiratete den Gewerken Wilhelm Neumann, der von der adeligen Familie Ungnad das Schloss Wasserleonburg kaufte. Dorothea, eine weitere Tochter des Rumpf, war 1533 Äbtissin im Stift St. Georgen.
Rumpfs Tochter Barbara galt als „Paradegeschäftsfrau“ des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Barbara Neumann den Adeligen Hans Seenuß, Mitglied einer um 1400 aus Krain zugezogenen Familie, die 1538 geadelt wurde und im Herzogtum Kärnten sehr vermögend und einflussreich geworden war. Hans Seenuß war von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach.
Barbaras Tochter Anna Neumann von Wasserleonburg (1535 – 1623) ging als „Herrin von Murau“ in die Geschichte ein. Sie war sechsmal verheiratet und kam dadurch zu einem großen Vermögen, sodass sie unter anderem Geld an das Kaiserhaus verleihen konnte. Ihr zweiter Mann war Freiherr Christoph II. von Liechtenstein, dessen Familie seit mehreren Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Ihr sechster und letzter Ehemann war Reichsgraf Georg Ludwig von Schwarzenberg, den sie 1617 im Alter von 81 Jahren heiratete. Noch im selben Jahr übertrug sie dem um vier Jahrzehnte jüngeren Gemahl die Stadt und Herrschaft Murau. Dass die Fürsten Schwarzenberg heute noch riesigen Grundbesitz im Raum Murau haben, ist somit einer „Wullrosserin“ zu verdanken. Das heutige Schwarzenberg-Schloss Murau ist im 17. Jahrhundert errichtet worden.
Moritz, ein Sohn des Wilhelm Rumpf, erhielt 1569 Tentschach vom Landesfürsten als Lehen verleihen. Von Moritz Rumpf kam Tentschach 1582 an Hans Pruggmayer, dessen Mutter Gertraud eine geborene Rumpf von Wullross war.
Die Staudacher auf Wullross
Vom Gurker Bischof wurde die Burg Wullross 1484 für kurze Zeit an den Söldnerführer Andrä Berger, genannt „Katzanderl“ als Lehen vergeben. Danach ging die Herrschaft an Burkhart Muntpratt, der aus Schwaben stammte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam Wullross als Lehen an die Manndorfer und danach an die Herren von Staudach, die im Dienst des Gurker Bischofs standen. Die Mandorfer oder Staudacher dürften nordwestlich neben der alten Burg das schlossartige Gebäude errichtet haben, möglicherweise war aber ein früherer Besitzer Erbauer des Schlosses; 1573 wurde der Neubau als „Schloss Wuollros“ erwähnt. 1666 bezeichnete sich Konrad von Staudach als „Herr auf Wullross und Dalling“. Die Barbara-Kapelle im Schloss Wullross wurde 1578 urkundlich erwähnt.
Die Staudacher auf Wullross (und Meiselding) waren protestantisch; sie strengten ein bis 1621 währendes Gerichtsverfahren gegen das Bistum Gurk an. Das Wappen der Staudacher auf Wullross zeigte eine Jakobsmuschel, die auch auf dem Flügelaltar von Flitschl bei Tarvis vorkommt und auf die Stifter hinweist. Der Flügelaltar befindet sich im Diözesanmuseum in Klagenfurt.
1747 erwarb Ferdinand von Egger das Anwesen. 1818 wurde das Schloss vom Blitz getroffen; der Dachstuhl brannte aus. Die Mauern wurden mit einem Notdach geschützt, das aber 1820 einstürzte; die Bauten verfielen rasch. Heute stehen noch Mauerreste der Burg und des Schlosses; Gebäudeteile, Gräben und Erdwälle lassen auf das Ausmaß der ehemaligen Festung im Wimitztal schließen. Die ehemalige Herrschaft Wullross befindet sich im Eigentum der Bundesforste.
Wullrosser Kirche
Die romanische Kirche St. Thomas am Wullross befindet sich nicht beim Schloss, sondern beim Forsthaus. Sie wurde 1362 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber viel älter. Das kleine Gotteshaus war eine Filialkirche von Zammelsberg, deren Pfarrer waren aufgrund eines alten Stiftsbriefs viermal in der Woche zur Abhaltung des Gottesdienstes verpflichtet. Nach einem Brand 1558 wurde das Kirchlein wieder aufgebaut. 1836 erfolgte die Weihe des neuen Friedhofs bei der Wullrosser Kirche; er wird aber seit 1916 nicht mehr benützt.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.
Kampf um Burg Albeck
Vor acht Jahrhunderten kämpften die Gurker Bischöfe mit den Grafen von Peggau-Pfannberg um die Burg und Herrschaft Albeck
„Das veste Schloß Halbegg liegt im Gurgger Viertheil/zwischen Weitensfeld/und Steyerberg/gleich an der Strassen/auf einem recht wilden/ und Abscheulichen Ort/und hohen felsigen Berg; gehört dem Bistum Gurgg oder Straßburg. Unweit davon aber auf einem hohen Berg/ ist das Schloß Steyerberg/auf Mülstatt denen Herren P. P. Societatis Jesu gehörig.“ So beschrieb Johann Weickhard Valvasor in seiner Topographie des Erzherzogtums Kärnten im Jahr 1688 die Burg Albeck.
Heute sind von dem im Mittelalter bedeutenden Bauwerk nur mehr Mauerreste zu sehen.
Die Burg Albeck an einem steilen Berghang in der „Engen Gurk“ dürfte bereits im zehnten Jahrhundert errichtet worden sein. Kaiser Arnulf von Kärnten schenkte im Jahr 898 das Gebiet dem „edlen Herrn Zwentibolch“, der aus dem Geschlecht der Liutpoldinger stammte. Zwentibolch war ein Vorfahre Hemmas, die mit dem Markgrafen Wilhelm (990 – 1036) verheiratet war.
Die später heilig gesprochene Hemma stattete mit dem Besitz im oberen Gurktal 1043 das von ihr gegründete Nonnenkloster in Gurk aus. Schon knapp drei Jahrzehnte später, im Jahr 1072, löste der Salzburger Erzbischof Gebhard das Kloster wegen „Zuchtlosigkeit“ und „Regelwidrigkeit“ auf. Er setzte in Gurk einen Bischof ein, um die Gegend besser verwalten zu können.
Im Jahr 1155 wurde die Burg und Burgherr Rudolf von Albeck (Rudolfus de Albekke) erstmals urkundlich erwähnt. Er hatte drei Kinder: die Söhne Rudolf II. und Poppo sowie Kunigunde, die 1196 den norditalienischen Adligen Friedrich von Caporiacco heiratete.
Der Sohn Rudolfs II., Poppo von Albeck, nahm 1190 unter der Führung des Kaisers Friedrich Barbarossa am dritten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Zur Finanzierung des Kreuzzugs hatte Rudolf II. von seinem zweiten Sohn, dem Gurker Bischof Dietrich, ein Kirchendarlehen von rund 100 Friesacher Mark erhalten. Im Darlehensvertrag wurde vereinbart, dass Albeck dem Bistum Gurk zugeschlagen werde, wenn Poppo kinderlos sterben sollte. Poppo starb während des Kreuzzugs.
Sein Bruder Dietrich von Albeck war von 1175 bis 1179 Dompropst und danach bis zu seinem Tod im März 1194 Bischof von Gurk. Er musste sein Amt gegen den 1179 eingesetzten „Gegenbischof“ Hermann von Ortenburg (1179-1180) verteidigen. Mit dem Tod Dietrichs starben die Freien von Albeck aus.
Im Jahr 1191 übernahm das Bistum Gurk unter Bischof Dietrich den Albecker Lehenbesitz.
Bischof Eckhard (1195-1200), zweiter Nachfolger Bischof Dietrichs, wollte auch das Erbteil der Kunigunde von Albeck erwerben. Deren Ehemann hatte aber die Mitgift an Wichard von Karlsberg verkauft.
Gurk in Flammen
Die steirischen Grafen von Peggau-Pfannberg waren mit der Übernahme der Herrschaft Albeck durch den Gurker Bischof nicht einverstanden und meldeten als Verwandte der Albecker Erbansprüche an. Liutpold von Peggau, ein Neffe Rudolfs von Albeck, versuchte mit seinen Söhnen, den Albecker Besitz zurückzuerhalten. Die Gurker Kirche war aber dazu nicht bereit. Im Jahr 1234 versuchte Herzog Bernhard von Kärnten, bei einer Tagung in Meiselding die Peggauer dazu zu überreden, auf ihre Forderungen zu verzichten und bedrohte sie mit der Verhängung von Bußgeld und Kirchenbann. Ulrich von Peggau, der erste Graf von Pfannberg, beanspruchte mit seinem Bruder weiterhin die Herrschaft Albeck. Herzog Bernhard vermittelte abermals. Ulrich von Peggau-Pfannberg erschien aber nicht zu einer Besprechung in Völkermarkt; die Vermittlungen scheiterten. Auch die Versuche Papst Gregors IX., den Streit zu beenden, schlugen fehl. Ulrich von Peggau-Pfannberg wurde exkommuniziert und ihm nach seinem Tod die Beisetzung im Kloster St. Paul verwehrt.
Nach dem Tod des Salzburger Erzbischofs Eberhard II. (1200-1246), kam es zu schweren Kämpfen zwischen der Gurker Kirche und den Söhnen Ulrichs von Peggau-Pfannberg, Bernhard und Heinrich. Güter und Kirchen des Bistums Gurk gingen in Flammen auf; viele Gebäude im Gurktaler Raum wurden zerstört.
Während der Kämpfe stellten sich auch Gurker Dienstmannen gegen ihren Bischof Ulrich I. und traten auf die Seite der Pfannberger über. Bischof Ulrich wurde gefangen genommen. Die Ministeriale nahmen dem Bischof die Straßburg und den Kirchenschatz weg und verwüsteten fast alle Kirchengüter zwischen Gurk und Metnitz. Papst Urban IV. belegte die Brandschatzer mit dem Kirchenbann.
Die Brüder Bernhard und Heinrich von Pfannberg machten eine Wallfahrt nach Gurk und versprachen Frieden. Es kam aber zu neuerlichen Kämpfen um das Gebiet Albeck. Zeitweise zogen sich die Peggauer auf die in der Nähe Albecks gelegene Burg Steuerberg zurück, nachdem die Soldaten des Gurker Bischofs Albeck eingenommen hatten. Auf Burg Steuerberg saß damals Graf Friedrich von Ortenburg, ein Verwandter der Peggauer.
Heinrich von Pfannberg unternahm von der Burg Steuerberg aus mehrere Raubzüge gegen Besitzungen der Gurker Kirche. Unter anderem plünderten seine Männer Gehöfte in Pölling und Feldkirchen und brachten zwei Gurker Vasallen um. Die Peggauer wurden von ihren Verwandten unterstützt, die Besitzungen der Gurker in der Südsteiermark angriffen.
Fast alle Brandleger und Plünderer wurden mit Kirchenbann belegt. Der Gurker Bischof Dietrich II. erhielt aber von Papst Urban IV. die Vollmacht, reuige Täter vom Kirchenbann loszusprechen, ohne dass diese nach Rom pilgern mussten. Das eingesparte Reisegeld mussten sie der Kirche für das „Heilige Land“ spenden.
Vergleich im Erbstreit
Herzog Ulrich III. von Kärnten, ein Sohn Herzogs Bernhard, konnte die Streitenden zu einem Vergleich überreden. Bei einem Gerichtstag am 10. Dezember 1264 in Landstraß in Krain einigten sich Peggauer und Gurker. Die Peggauer Brüder und ihre Schwester Sophie sowie ihre Neffen verzichteten auf die Herrschaft Albeck und erhielten als Ausgleich von der Gurker Kirche 350 Mark Friesacher Pfennige und eine persönliche Zuwendung des Bischofs Dietrich II. von 30 Mark als Lehen. Herzog Ulrich III. und drei Gurker Persönlichkeiten verpflichteten sich, die Bürgschaft für die Einhaltung des Vergleichs zu übernehmen. Der lange Erbschaftsstreit war beigelegt.
Pfleger auf Albeck
Die Burg und das Gebiet Albeck kamen unter die Verwaltung der Gurker Kirche. Die Bischöfe setzten auf Albeck Ministeriale als Verwalter ein, zunächst Burggrafen, später „Pfleger“. Diese nannten sich meist nach der Burg. In den Urkunden werden unter anderem „Otto dictus de Albekke“ (1279) und „Ditricus dictus Permannuns“, auch „Juch in der Helle“ als Pfleger genannt. Juch in der Helle baute unterhalb der Burg ohne Genehmigung der Gurker Kirche einen Turm. Er wurde kurze Zeit später im Auftrag Gurks niedergerissen. Juch in der Helle musste sich laut Schiedsspruch vom 26. Mai 1300 verpflichten, den Turm „an der Eben“ nicht wieder aufzubauen. Juch in der Helle war auch in Auseinandersetzungen mit den Herren von Metnitz verwickelt. Der Verwalter Berthold von Albeck wurde von den Metnitzern gefangen genommen und erst nach Zahlung eines Lösgelds von 40 Mark Silber wieder freigelassen. Die Metnitzer überfielen und beraubten Reisende, nahmen auch den bischöflichen Schreiber von Gurk gefangen und verletzten den Gurker Marschall.
Bischof Heinrich von Gurk und der Straßburger Burggraf eroberten daraufhin im Jahr 1301 die Burg Metnitz. Die Metnitzer ergaben sich und wurden von einem Gericht in Judenburg zu Schadenersatz verpflichtet. Als sie den Ersatz nicht leisteten, zerstörten die Gurker die Burg bis auf Grundreste.
Die Pfleger (Burgvögte) von Albeck hoben den „Zehent“ ein, forderten „Hand- und Spanndienste“ und übten die Gerichtsbarkeit aus (zu „Haut und Haar“ und zu „Hals und Hand“). Der Pachtzins wurde in Geld und Naturalien bezahlt.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Pflegschaft von Albeck den Freibergern anvertraut. Zwischen 1556 und 1573 wurde der Burgturm von Albeck repariert und wieder bewohnbar gemacht.
Ein Nachfahre der Freiberger, Niklas von Freiberg, ließ die Burg umbauen und im Tal einen Meierhof errichten, den er 1636 dem Gurker Bischof Lorenz für 31 Mark überließ. 1640 wurde Niklas von Freiberg mit der Burghut von Albeck auf Lebenszeit belehnt.
Als weitere Pfleger auf Albeck sind Otto de Giel und Peter Feistritzer urkundlich bezeugt. Mitte des 15. Jahrhunderts folgten als Pfleger die Mitglieder der Familie Seidenschwanz. Leonhard Seidenschwanz widmete der Burgkapelle eine Hube in Sirnitz. Der Sirnitzer Pfarrer musste sich verpflichten, einmal wöchentlich in der Burgkapelle eine Messe zu lesen.
Als weitere Pfleger scheinen in den Urkunden die Herren Einhofer, Bruckdorfer, Rintfleisch, Staudacher und Raidhaupt auf. 1541 wurde Albeck als „Gschloss“ bezeichnet.
Nicht immer waren die Bewohner in der Herrschaft Albeck mit ihren Pflegern einverstanden. Im Jahr 1661 erhoben sich rund 500 Bauern gegen den Pfleger Jakob Sittig Ayrschmolz. Ausgelöst wurde der Streit vermutlich durch die vom Pfleger willkürlich eingehobene Personalsteuer: Jeder Bittsteller musste beim Pfleger einen Pfennig entrichten, ansonsten wurde er nicht zu ihm vorgelassen. Ayrschmolz wandte sich mit einem Brief vom 27. Oktober 1661 an seine Vorgesetzten um Hilfe. Die aufgebrachten Bauern, fürchtete er, hätten die Absicht, ihn zu steinigen oder totzuschlagen. Der Gurker Dompropst, Generalvikar und Weihbischof J. G. Müller, beendete die Auseinandersetzung. Er sprach mit den Bauern und versprach die Beschwerde zu überprüfen. Der Pfleger kam mit einer Rüge des Bischofs davon.
Gerichtsbarkeit in der Herrschaft Albeck
Das Bistum Gurk erhielt unter Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1280 die „Hohe Gerichtsbarkeit“ und konnte dadurch auch Leibes- und Todesstrafen verhängen. Damals galt die „Peinliche Halsgerichtsbarkeit“. 1472 wurde Albeck Sitz des Landgerichts. Die Gerichtsbarkeit und Steuerverwaltung des Bistums Gurk umfasste die vier Landgerichtsbezirke Dürnstein, Grades, Straßburg und Albeck. Der Gurker Bischof hatte das Recht, Richter zu ernennen und abzusetzen.
Der jeweilige Pfleger von Albeck war mit der Gerichtsbarkeit beauftragt. Die Rechtsprechung erfolgte im Namen des Bischofs. Die Grenzen des Landgerichtsbezirks Albeck verliefen vom Turracher Sattel über den Wintertaler Nock, Flattnitz, Mödringberg, Sirnitz, Gurk, Zammelsberg, Steinbühel, Krukenspitze, Eggenriegel, Reichenauer Gärten, Bretthöhe, Kaser Höhe und Schoberriegel wieder zur Turracher Höhe. Das Albecker Gericht grenzte an die Landgerichte Millstatt, Murau, Grades, Strassburg, Kraig, Glanegg und Himmelberg. Der Markt Weitensfeld war vom Albecker Gerichtsbezirk eingeschlossen. „Der Bezirk Albeck hat drei Tagesreisen im Umfange, und ist sohin der Ausdehnung nach größer, als manches selbstständige Fürstenthum in Deutschland“, schrieb Joseph Mitterdorfer in der „Carinthia“ vom 26. August 1820.
Kaiser Karl V. erhob am 25. Juli 1532 auf dem Reichstag zu Regensburg die „Constitutio Criminalis Carolina“ (Halsgerichtsordnung) zum Reichsgesetz. 1578 wurde eine Landgerichtsordnung für das Bistum Gurk erlassen, die das Strafrecht im Bistum regelte.
Schloss Neualbeck
1651 setzte Pfleger Johann Ulrich von Basayo die Burg Albeck instand. Nach 1675 waren weitere umfangreiche Reparaturen notwendig. Um 1688 dürfte die Burg noch bewohnt gewesen sein. Aber schon vor 1700 begann der Niedergang der Burg Albeck. Die Burgkapelle dürfte damals noch gut erhalten gewesen sein. Der Gurker Bischof Joseph Maria Graf von Thun (1741-1761) stiftete der Kapelle ein goldgeschnittenes Missale in rotem Leder. Teile der Burg wurden abgetragen und mit dem Material zwei Kilometer weiter „an der Eben“ das Schloss Albeck („Niederalbeck“) und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Im Jahr 1729 wurde dieses Schloss als Amtssitz des bischöflichen Pflegers erstmals genannt. Damals residierte in Neualbeck der Pfleger Johann Andrä Stuttner. Im Jahr 1800 wurde das Dienerhaus erbaut.
Josef Mitterdörfer beschrieb in seinem Aufsatz „Das Schloss Albeck mit seinem Bezirke“, erschienen am 26. August 1820 in der „Carinthia“ die Umgebung der Burg Albeck als „schauerliche Öde“: „In dieser Grauen erregenden Gegend vom linken Ufer der Gurk, hart am Wege, der sich aus dem Gurktal nach Oberkärnten hinaus windet, liegen auf einem trotzigen Felsenhügel die Ruinen von Alt-Albeck.“ 1860 nannte Orep Altalbeck als Burgruine und Neualbeck als Schloss.
Im Jahr 1848, nach der vom Abgeordneten Hans Kudlich initiierten „Bauernbefreiung“ (Aufhebung der Grundherrschaft), wurde das Pflegamt Albeck durch die Landreform aufgelöst. Vor dem Gurker Dom erinnert ein Denkmal an den Bauernbefreier Kudlich. Der letzte Albecker Pfleger Johann Drasch (1845 – 1850) wurde Landesgerichtsassessor in Klagenfurt. Der letzte Steuerbeamte und Grundbuchführer Spieß (1848 –1850) erhielt eine Stelle in Gurk.
Das Schloss diente danach als bischöfliches Forstamt; später wohnten darin Forstarbeiter. Der steinerne Torbogen mit einem Steinmetzzeichen stammt aus der alten Burg.
Im Jahr 1987 kaufte die damalige Handelsakademie-Direktorin Dr. Elisabeth Sickl die verwahrlosten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude vom Bistum Gurk ab und ließ sie restaurieren. Sickl, sie war 2000/01 Bundesministerin für soziale Sicherheit und Generationen, erhielt für die Renovierung den „Landespreis für gutes Bauen“. Im Schloss befinden sich heute ein Restaurant und Tagungsräume; im Biedermeierstöckl, dem ehemaligen Dienerhaus, gibt es Ausstellungen.
Werner Sabitzer
Quellen:
Gemeinde Sirnitz (Hrsg.), 1000 Jahre Sirnitz. Eine Reise durch die Zeit. Graphischer Betrieb Carinthia, Klagenfurt, 1993.
Henkel, Hugo, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964
Wiener/Seebach, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1980.
Krause, Adalbert, Das steirische Benediktinerstift Admont in seinen Beziehungen zu Kärnten, in: Carinthia I. Zeitschrift für geistliche Landeskunde von Kärnten. Festgabe zum 900-Jahrjubiläum des Bistums Gurk 1072 –1972. Verlag des Geschichtsvereines Kärnten, Klagenfurt 1972.
Marktgemeinde Gurk (Hrsg.), Das Goldene Buch von Gurk, Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt, 1998.
Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 199.
Stejskal, Herbert, Kärnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt, 1985.
Der Bürgereid von Weitensfeld
Der Weitensfelder Marktschreiber Leonhard Zemäsch, beschrieb im Jahr 1765 auf acht Blättern den „Bürgereid von Weitensfeld“.
Das historisch wertvolle Rechtsdokument des Bürgereides von Weitensfeld fand sich im Nachlass des 1930 verstorbenen Literaturhistorikers und Volkskundlers Hofrat Dr. Anton Schlossar (Graz) und wurde vom Steirischen Volkskundemuseum in Graz erworben.
Beim „Bürgereid von Weitensfeld“ handelte sich um einen „Versprechenseid“ für Jungbürger und neue Bürger des Ortes. Der Bürgereid musste mit drei Fingern der rechten Hand geleistet werden und forderte Gehorsam ein gegenüber dem Pfarrer und Dompropst zu Gurk sowie dem Marktrichter beziehungsweise Gerichtsverwalter.
Der Schwur enthielt auch Pflichten wie die Mantelpflicht für Ratsleute, das Zusammentrommeln, die Entschuldigungsgründe für das Fernbleiben von Versammlungen, die Märkte, das Austragen der „Freyung“ und das wichtige Gebot der regelmäßigen Rauchfang-Kontrolle zur Brandverhütung – die meisten Dächer waren damals aus Stroh.
Der Bürgereid entspricht im weitesten Sinne einem Versprechenseid (promissorischer Eid), wie sie heute von Staatsoberhäuptern, Regierungsmitgliedern und Abgeordneten, aber auch von Beamten geleistet werden.
Bürgereide sind in der Rechtsgeschichte selten dokumentiert. Überliefert sind unter anderem Bürgereid-Texte des 17. und 18. Jahrhunderts in der Steiermark. So gab es etwa Bürgereidformeln in Weißkirchen bei Judenburg (Eid mit der Konfessionsformel und Ermahnungen gegen leichtfertiges Schwören, für die Feuersicherheit und gegen das unerlaubte Striezelbacken usw.), Frohnleiten und Mürzzuschlag.
Werner Sabitzer
Der handschriftliche Bürgereid von Weitensfeld im Originaltext:
„Eyd Schbur Vor Einen jeden Jungen / Vnd Ney aufgenomener Bürger, Wie sich solcher / solang er das Burger Reht auf Ime hat / Zuuerhalten Hat, Wie Nachfolgent Zu Vernemen ist“
Erünnerungs Vortrag /
Ihr Werdet Angeloben Vnd Schbören, dass Ihr Ihro Hochwirden Vnd gnaden Herren Hern Dombrobsten Zu gurgg pp: Als Vnsern gnedig Vnd Hochgebietenden Herrn, Auch Einen Hochadl: Domb Capitull p: , Einen Herrn Anbold, Wie auch Einen Vorgesezten Herrn Markt Richter oder gerichts Verwalter, Allen fer Vnterworfen Sind, allen gebierenten gehorsamb gebertig Sein, Vnd Leisten, Vnd gegen Einen Jeden Rats Freind gebierenten Respect Erweisen, des Markt Weitensfeld freyheiten, alle guete alte gewonheiten Vnsere gerechtigkeiten Vnd Nuzen getreilich Zubefördern Helffen, Vnd Einhalten, /
Allen schaden Vnd Nachteil Nach Eiern Verstand Vnd Vermögen Warnen, Vnd Wenden Helffen, Auch ohne Vorwisung des Markt ghts in Keine Verpindnus Aufwirung, oder Nachteillige Sachen Einlassen, Auch so fers Erfarret dem Selben, der obrigkeit, als Richter Vnd Rath Vorstöllig Machen, Vnd anbringen, desgleichen, Wider Keinen Burger /: Vor Einen fremden: / Vor gericht Stehen, oder Einen Beystand abgeben, so fer aber Mit Einen Mit Burger in Irrung oder Zank Kummet, Solet Err Vor alhierigen Markt geriht als Erster Instanz Clagbar anbringen, Selbe Nicht Preteriern, des Marks Freyheiten, Recht, Vnd ordnungen halten, Vnd solang Err des Burger aits Vnd Pflichten Nicht Entlassen, oder Entlödiget, Keinen andern schirm Herrn Suehen, Noch Annemen, Vnd wan Irr Iwer Kurz oder Lang /: so Nach Eirem Belieben :/ auß der Burgerschaft Ziechen Wollet, so Sollet Ihr Vor Einen ganzen Rath Widerumb Vrlaub Nehmen, Vnd Sein gelibt aufsagen, Vnd Seines Verhaltens dem abschied Nehmen In Ibrigen Sich Halten, Thuen Vnd Lassen dass was Einen Ehr Vnd gottliebenten Krist Catholischen Vnd auferbeylichen Mann an, Vnd Zuestehet, Vnd Von Rechts wegen Ein Burger Zuhalten schuldig ist.
Auch ist ein Ein Burger am Mantags als Einen Wochen Markt Tag, wie auch am anderen Freymarkt Vnd Kirchtags Zeiten, Bey dem Markt gericht Zuerscheinen oder darzue Begert zu werden, niht schuldig, Ausgenomen in gottes gewalt, Feuers Noth, Vnd Herrschafft: oder Eines Sonderlichen Kauffs Halber, oder Eines duel Halber dem gericht Zu Hilff Komen Mues, sogar den H: gottes dienst in großen fällen Zuentschlagen hat.
Aufftragungs Bunckhten
Ein Jeder Burger Seinen Vorgesezten Markt Richter oder ghts Verwalter, auf allmaliges Begern, Erscheinen, oder Christen, so Es anders Sein Kann, in das Werk Zu Stöllen schuldig.
Zugebirenter Zeit, die Steyer Vnd gibigkeit, ohne abgang abrichten, Vnd Keinen Austand ansezen, oder anwachsen Lassen.
Wan das Zeichen Mit der drumbl geschlagen wierd, Mit dem Mantl in das ghts Haus Zuerscheinen, Vnd bey auß Vnd Eintragung der Freyheit Beyzuwohnen, Vnd so er gewise Verwendungen Vorzubringen Hat, sodan Erlaubnuß Nemen.
Ist Ewenmesig aufgetragen, das er auf das liebe Feyer Höchst obbacht tragen Vnd alle quartal Zum wenigsten obacht Tragen, absonderlich, wie Bey Theils, Hantwerchern Erfordert, die Rauchfang Seibern, Vnd Buzen, damit Niht durch Nachlesigkeit, Ein schaden Entstehen Möchte.
Da Ihr ohne der gegebenen Burgl: Wollen Keinen Zu Rats freinde, Noch Vill weniger Zu Einen Markt Richter, oder ghts Verwalter Lasset, Hingegen Habt Irr all Burgl: Reht Vnd gerehtigkeiten Zugebrauchen, ohne alle Nachteill Vnd schaden, aller Reht Vnd gerehtigkeit Seines Neben Nachparn.
An jetzt Sollen Sie 3 finger aufröken, Mit der Rehten Hant, Vnd Wird Verstanden, der Daum, gott Vatter, der Zeiger gott Sohn, der Mittelfinger, der H. geist, der abgebogene gold finger Bedeutet die Menschliche Seel. Vnd der Kleine finger den Menschlichen Leib, das Irr solches Vor gott Bezeuget.
Folgendes Jurament ist Nachzuspröchen
Alles das Jenige Was Mier aniezto ist Vorgelessen Worden, das gelobe, Versprich, Vnd Verbinde Mich, in allen alten gueten Herkomen, auh allen gehorsam Vnserer gnedig Vnd Hochgebietenten obrigkeit Zu gurgg p: Wie auch dem Befindenten Vnd Jeztigen, als Künfftigen Markt Richter oder ghts Verwalter Vnd gesamten Rath, allen denen ganz Vnterthönig Vnd gehorsambst Nachzuleben, als war Mier gott Helffe Vnd alle Liebe Heilige, das Verleihe gott Vatter, Sohn, Vnd H. geist. Amen.
Beschriben Worden durch Leonhart Zemäsch derzeit Markschreiber alda Zu Weitensfeld 1765.
Teitscher Aidt Schwur Zum Lehrnen.
Ihr Werdet Zu gott Einen aidt Schwören das Ihr in der Sach darumben Ihr Befragt, Vnd Eich Vorgehalten wird, die Bure Lautere Vnd grindliche Warheit anzeigen wollet, dieselbe Nicht verhalten, oder Verschweigen, es Seye von Miet, oder gab, freind oder fendschaffzt (sic!), oder auß Keiner anderen Vrsach sondern Eüere Kundschafft Thuen, als Einen Erliebenten, fromen, aufrichtig, Vnd Redlichen gemieth Von Rehts Vnd der Warheit wegen Zu thuen gebiret, Vnd Ihr solches ohne Verderbnus Eüerer Seelligkeit gegen gott den Allmehtigen an Jingsten Taga zuuerantworten wisset.
Ausslegung des aidts
Ein Jeder wisse, Ehe Vnd Zuuor er Einen aidt schwöret, was derselbe, so Einen falschen ait schwäret, fir Eine Straff Von gott dem Allmechtigen Zugewarten Hat, Ein Jeder Zeig so Ein Rechten gelerten aüdt Thuen will, soll auf Heben drey finger, Bey den Ersten das ist der Daum, ist Zuuerstechen gott der Vatter, Bey dem anderen gott der Sohn, Bey dem driten gott der H. geist, die andern zwey finger in der Hand, Der Eine Vnter sich geneigte finger Bedeitet die Cristliche Seel; als Sie Verborgen ist Vnter der menschheit, Vnd der fünffte finger Bedeitet den Leib als der geringste Zuschezen gegen der Edlen Seele, Bey der ganzen Hand, aber wird Bedeitet, Ein gott Vnd schöpfer aller Menschen Vnd Creaturen, der Himel Vnd Erden gemachet, Vnd Erschaffen, Had.
Welcher Mensch Nun aber so gottlos Verlangen, Vnd Jene Selbst Feind ist, das Er Einen falschen aidt Schwur ableget, der Rödet Vnd schwöret in solcher Weis Vnd gestalt, als ob er wider Sich Selbsten spreche, alß ich heut disen Tag falsch schwörr, oder wider Mein gewisen Ein Vnreht außag Thue, als Bitte ich wider Mich Selbsten gott dem Vatter, gott dem Sohn, gott den H. geist Vnd die ganze Heil: Dreyfaltigkeit, das ich außgeschloßen Vnd abgesondert Werde auß der gemein, Vnd güetheit der Christenheit. Das Mier dieselbe güetheit Seye Ein fluch Meines Leibs Vnd der Seele.
Zum anderten schwöret der Meinaidige gottloße Verfluehte Mensch also, das ich Heind faslch schwöre, so Helffe Mier gott der Vatter, gott der Sohn, Vnd gott der H. geeist, das Mier die Mimermer Zuhilff komen. Zu der Zeit, da Sich mein Leib Vnd Seel Von Einander scheiden werden.
Zum driten, So Einer falsch Schwöret, der Rödet wider sich Selbsten, als ob er spröche, Was ich Heind falsch schwöre, oder Einen Vnrehte Außag wider Mein gewissen Thue, so Bitte ich gott dem Vatter, gott den Sohn, Vnd gott den H. geist, Vnd den Kostbarlichen Fronleichnam Vnsers Herrn Jesu Christi, das Seine grundlose Barmherzigkeit, Sein H. geburd, Sein H. Schweiß, angst Vnd Noth, Sein Vnschuldiges Leiden, Vnd Sterben, Blueth Vergiesung, Sein Harter Strenger Tott, Höll Vnd Himelfard Sein H. Vnd H. Vrstend Vnd Sendung des H. geistes, Vnd alles Vnd alles (sic!) was Einen armen Sinder Zu Heill Vnd Trost Komen Solle, Von Mier ganz Vnd gar Entzogen Vnd Verlohren werde.
Zum Vierten, so Einer falsch Schwöret, der Redet also ob Er spreche, als ich Heind falsch Schwöre, so Soll Mein arme Seele, die Bedeitet wierd durch den Vierten finger, Vnd Mein Leib so Bedeitet wierd durch den finfften finger, mit Einander Verlohren, Vnd Verdamet Sein, am Jingsten Tag, Vnd Lezten gericht, So ich Mein-Eidiger Mensch Stehen werde. Vor dem Strengen Richterstul Jesu Christi, dem Nichts Verborgen ist, Vnd Solt auch ausgetilget, Vnd gescheidet Sein Von aller gemeinschafft Vnd freiden aller Heilligen, Vnd so auch Leztlich Verzichen Sein, des Begierlichen anschauung des angesichts Vnsers Lieben Herrn Vnd Heyland Jesu Christij Imer Vnd Ewiglichen.
Darumen gedenke Nun Du o Mensch Wie Ein Erschröcklich grausames Vrteil Du mit Schwörung Eines falsch aits Iber Dich Selbsten, sprichest, Vnd Bedenke Dich gar wohl, Zuuor, was Du Redest, Vnd Thuest, dabey Mag auch Ein Jeder, so disen Hörer, Vnd Zugögen ist, Mörken was Ein falscher aitschwur in Sich haltet, Vnd wie der Mensch gotts des almechtigen durch dem falschen ait Beraubet, Vnd Ewig Verlaßen ist. Darnach Sich ein Jeder Cristen Mensch Bilich Hieten Solle, Bey Verlierung Seiner Sellen Seligkeit.
Ayd Schwur
Wüe Mier Jezund Firgehalden Vnd Ich Zuthuen Beschaiden Bin Worden demselben Will Ich Treylich Nach Komen Vnd gehorsammen : Alß War Mier gott Hilfft, die ubergebenedeite ohne Mackl Empfangene Jungfrau Vnd Muetter gottes Maria Vnd alle Liebe Heilige Amen.
Quellen:
Ebel, W.: Der Bürgereid als Geltungsgrund und Gestaltungsprinzip des deutschen mittelalterlichen Stadtrechts. Weimar 1958.
Kretzenbacher, L.: Ein Bürgereid aus Weitensfeld im Gurktal, 1765.
800 Jahre Weitensfeld
Weitensfeld im Gurktal besteht seit 800 Jahren. Der neue Markt, eine Schenkung der Babenberger an das Domstift Gurk, entstand zwischen 1203 und 1207.
Zentrum des Gurktals im 12. Jahrhundert war das Gurker Domkapitel mit dem von Bischof Roman (1131 – 1167) erbauten Dom in Gurk und dem Bischofssitz auf der Strassburg. Einige Anhöhen im Raum oberen Gurktal wie Mödring und Zammelsberg waren bereits seit langem besiedelt, es gab einige Burgen wie Albeck (1155 erstmals erwähnt), Waldeck (beim heutigen Hardeggerhof in Glödnitz) und Braunsberg, andere befestigte Anlagen, eine Reihe von Amthöfen und einige Orte wie Sirnitz, Glödnitz und Griffen.
„Wietensuelt“ wurde erstmals im Jahr 1131 urkundlich erwähnt und lag an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt. Die Ansiedlung befand sich in steirischem Besitz; und kam 1192 an die Babenberger, die ihn im Jahr 1202 dem Domstift Gurk schenkten.
Der neue Markt
Zwischen 1203 und 1207 gestattete König Philipp dem Gurker Kapitel die Gründung eines neuen Marktes etwa drei Kilometer abwärts gurkabwärts. Das Stift ließ den neuen Ort „Wietensuelt“ errichten; der ursprüngliche Ort wurde als „alter Markt“ (später: „Altenmarkt“) bezeichnet. Hier dürfte sich auch die römische Poststation „Beliandrum“ befunden haben. Beliandrum und Tarnasicae (vermutlich auf der Passhöhe der Flattnitz) waren zwei Stationen auf der befestigten Römerstraße von Virunum (Zollfeld) nach Juvavum (Salzburg). Das geht aus der Peutingerschen Tafel (Tabula Peutingeriana) hervor, einer Kopie einer römischen Straßenkarte auf Pergament aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um eine grafische Darstellung der wichtigsten Straßen im Römischen Reich. Auch Reste von Bauten aus der Römerzeit finden sich im Gurktal, Fragmente von römischen Grabbauten. Einige bearbeitete Steine aus der Römerzeit sind in Gebäuden des Stiftes Gurk eingebaut worden.
Spanheimer in Kärnten
In Kärnten übernahm im Jahr 1202 der Spanheimer Bernhard II. die Herzogwürde von seinem verstorbenen Bruder Ulrich II., schon Jahre vorher hatte er die Amtsgeschäfte anstelle seines schwer kranken Bruders geführt. Der staufertreue Bernhard unterstützte „seinen“ König Philipp und hielt sich im Frühjahr 1203 auch bei ihm in Nürnberg auf. Im Jänner 1205 ließ sich Philipp erneut zum König wählen, diesmal auch mit den Stimmen der niederrheinischen Fürsten, die an der ersten Wahl 1198 nicht teilgenommen hatten. Die Krönung erfolgte diesmal am rechtmäßigen Ort Aachen. Ein Jahr später besiegte Philipp den Gegenkönig Otto, der sich auf seine Güter in Braunschweig zurückzog.
Wie damals üblich, sah es Philipp als Verpflichtung, sich bei seinen Anhängern mit Schenkungen, Belehnungen und Zugeständnissen zu bedanken. Zu den Begünstigten zählte auch der Erzbischof von Salzburg, der sein Gebiet erweitern konnte.
Vorteile erwartete sich auch Herzog Bernhard II., der sich im Ende1207 neuerlich bei König Philipp aufhielt. Ein Jahr später wurde aber Philipp vom gewalttätigen Pfalzgraf Otto von Wittelsbach erschlagen; sein einstiger Gegner Otto IV. wurde zum König gewählt. Der Erzbischof von Salzburg wandte sich an die Seite Otto IV, der dafür die Salzburger Hoheitsrechte über das „Eigenbistum“ Gurk bestätigte. Auch Herzog Bernhard II. von Kärnten anerkannte den neuen König.
Politisch gesehen war Kärnten damals ein „Fleckerl-Teppich“. So besaßen etwa die Bistümer Brixen, Bamberg und Salzburg große Besitzungen in Kärnten. Die regierenden Spanheimer hatten kaum Besitz, das beschränkte auch ihre Macht.
Marktbestätigungsurkunde
Herzog Bernhard II., der bedeutendste Spanheimer, bestätigte am 17. Dezember 1211 in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behielt sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Diese Bestätigung ist auch ein erster Hinweis auf eine landesfürstliche Gesetzgebung: Die Bürger sollten sich beim Kauf und Verkauf an jene Vorschriften halten, die der Herzog mit dem Rat erfahrener Leute seines Gefolges und seines Landes erlassen hatte.
Die Marktbestätigungsurkunde von Weitensfeld ist auch ein Beweis dafür, dass Herzog Bernhard eine neue zentrale Behörde, eine Art herzögliche Kanzlei, geschaffen und die Verwaltung in seinem Machtbereich reorganisiert hat. An der Spitze der geistlichen und weltlichen Zeugen steht ein „Magister Poncius, Arzt und Schreiber des Herzogs“. Unter Bernhards Vorgänger und Bruder Ulrich waren vorwiegend Mönche des Klosters Viktring für die Ausstellung herzöglicher Urkunden herangezogen worden.
Das Marktprivileg von Weitensfeld spielte auch eine Rolle im Streit zwischen dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. und „seinem“ Gurker Bischof, der nach Unabhängigkeit strebte. Obwohl Papst Innozenz III. den Markt dem Gurker Domkapitel bestätigte, belegte Erzbischof Eberhard den Gurker Bischof Walther und das Kapitel mit Bann. Die Streitenden sandten im Jahr 1211 Vertreter nach Rom. Aus Gurk kamen Probst Otto und zwei Domherren, die der Papst vom Bann lossagte. Die anderen musste der Salzburger Erzbischof „absolvieren“.
Weitensfeld war ein eigener Burgfried (Gerichtsbarkeit). Domstiftliche Richter übten in Weitensfeld die niedere Gerichtsbarkeit aus; die „Blutgerichtsbarkeit“ oblag dem Gurker Bischof.
Kunstwerk im Kirchlein
Eines der bedeutendsten Werke der Glaskunst Österreich stammt aus dem Weitensfelder Kirchlein St. Magdalen, das 1264 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Magdalenenscheibe, das älteste Glasgemälde in Österreich, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Heute befindet sich in der Filialkirche St. Magdalen bei Weitensfeld eine Kopie dieser Scheibe, das Original wird aus Sicherheitsgründen im Diözesanmuseum in Klagenfurt aufbewahrt.
Naturkatastrophen
Naturkatastrophen, Seuchen und Kämpfe brachten immer wieder Unheil über Weitensfeld. Das Jahr 1348 ging als das Katastrophenjahr in die Kärntner Geschichte ein. Ein gewaltiges Erdbeben am 25. Jänner 1348 führte zum Absturz eines Teils des Dobratschs, es gab Heuschreckenschwärme und wieder einmal bedrohte eine tödliche Seuche die Bewohner – die erste verheerende Pest-Epidemie im Spätmittelalter. In Europa kamen bis 1352 etwa 25 Millionen Menschen an der Pest um, jeder dritte Bewohner des Kontinents.
„Renner und Brenner“
Im Jahr 1473 erlebte Kärnten den ersten Einfall der Türken. Jakob Unrest, Pfarrer in St. Martin am Techelsberg, berichtete darüber in seiner „Österreichischen Chronik“, dass die Invasoren aus dem Orient „von demselben mittag hinz zu der nacht das Jaunthal zwischen Pleyburg und Volckenmarckt die armen leut der pawerschafft in denselben revieren den mehrerntheil jung und alt, weib unnd kind gefangen und erschlagen“ haben. Die Eindringlinge kamen über den Seebergsattel, eroberten den Raum um den Wörthersee und zogen weiter nach Moosburg und Feldkirchen.1476 errichteten die Eroberer in der Wernberger Drauschlinge ein Lager, von dort aus unternahmen sie Raubzüge, unter anderem drangen sie noch im selben Jahr bis nach Sirnitz vor.
Am 4. August 1478 kamen die türkischen Horden von Feldkirchen, das sie niedergebrannt hatten, über den Zammelsberg in das Gurktal und wollten am 4. August 1478 die Kirche in Altenmarkt stürmen, scheiterten aber. Es gelang ihnen auch nicht, das befestigte Gotteshaus anzuzünden. Danach zogen die Krieger nach Weitensfeld und brannten die Häuser nieder. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. „Sy kamen darnach in das Kurckentall, da verpranten sy den Marckt Weythensveldt“, berichtete Chronist Unrest. An die „Renner und Brenner“ erinnern heute das „Tatarmandl“ auf der Hochrindl und die Türkenbrunnen in Weitensfeld und Zweinitz. Im Jahr 1480 kamen die Orientalen mit 24.000 Mann abermals nach Kärnten; das Gurktal blieb aber diesmal von den Raubzügen verschont. Den letzten Einfall in Kärntner Gebiete gab es 1483.
Wasserwehrkirche
Die Invasion der Türken führte zu einem Ausbau der Gotteshäuser zu Wehrkirchen. In Weitensfeld wurde anstelle der von den Türken 1478 zerstörten Kirche im 16. Jahrhundert eine Wasserwehrkirche errichtet. Derartige Bauten waren selten. Die ursprüngliche Kirche wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt; das Kirchlein St. Magdalen bereits 1264. Der Karner, ein gotischer Oktogon, dürfte 1451 geweiht worden sein. Die Kirche in Weitensfeld wurde erst 1753 eine eigene Pfarrkirche, bis dahin war sie eine Filialkirche von Altenmarkt. Vorausgegangen war ein langer Streit zwischen Altenmarkt und dem domstiftlichen Markt Weitensfeld, der vom Gurker Bischof Josef von Thun mit der Urkunde vom 28. Juni 1753 über die Errichtung einer eigenen Pfarre in Weitensfeld beendet wurde. Patronat und Vogtei der Pfarre wurden vom Landesfürsten dem Domkapitel überlassen. Erster Pfarrer in Weitensfeld war Franz X. von Kellerberg; er trat bereits am 18. Oktober 1752 das Amt an. Der Pfarrer von Altenmarkt war seit dem 14. Jahrhundert verpflichtet gewesen, in Weitensfeld einen eigenen Sonntagsgottesdienst abzuhalten. Nach dem Spruchbrief von Probst Lorenz vom 1. Mai 1460 zwischen dem Altenmarkter Pfarrer Purgleutner und der Bürgerschaft von Weitensfeld wurde der Priester bzw. seine Helfer verpflichtet, den Weitensfeldern in ihrem Markt die Sakramente zu reichen. Die Weitensfelder Bürgerschaft hatte sich wiederholt beklagt, sodass Bischof Johannes von Goes im Jahr 1689 verfügte, dass der Pfarrer von Altenmarkt die Messe an Sonn- und Feiertagen in Weitensfeld durch einen anderen Priester bzw. einen eigenen Kaplan lesen lassen musste. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert bestand in Weitensfeld eine Pfarrschule.
Schwarze Seuche
Im 17. und 18. Jahrhundert wütete die Pest neuerlich in Kärnten. Nachgewiesen ist das Auftreten der Pest in den Jahren 1614 und 1646 sowie von 1713 bis 1716. Zur Bekämpfung der todbringenden Epidemie wurden die Grenzen Kärntens besonders überwacht. Reisende, die nicht nachweisen konnten, dass sie aus einem pestfreien Ort kamen, durften nicht ins Land. Bettler, Vagabunden und verdächtige Personen wurden zurückgewiesen. Die Behörden richteten „Contumazorte“ für die Quarantäne ein.
Im Jahr 1614 berichteten Richter und Rat von St. Veit nach Klagenfurt, dass die Pest in Straßburg aufgetreten sei „vnnd daselbst grausamblich grassiere“.
Im Spätsommer 1713 verbreitete sich die Pest von Wien aus über die Steiermark nach Kärnten. Die „Kärntnerische Hauptkommission“ bereitete sich auf die Epidemie mit einer Reihe von Maßnahmen vor. Die Grenze zur Steiermark wurde geschlossen und die „Grenz-Confinen“ überwacht. An wichtigen Übergängen standen Wachtposten, unter anderem auf der Flattnitz.
Die Hauptkommission sowie die Stadt- und Marktrichter wurden über den Verlauf der Krankheit in Kärnten von Vertrauensmännern mit regelmäßigen Berichten („Diarien“) informiert. Im Sommer 1715 breitete sich die Pest im mittleren Gurktal aus. Der Bischof von Gurk als Landgerichtsinhaber stellte Pest-Wachposten auf. In Glödnitz starben einige hundert Bewohner. Ein Bettler, der aus Glödnitz nach Weitensfeld kam, dürfte die Krankheit in den Ort mitgebracht haben. Stark betroffen von der Seuche waren auch Gurk und Straßburg. Franz Otto von Kochler, der Dompropst von Gurk, berichtete am 13. November 1715 der Hauptkommission, dass in Weitensfeld innerhalb kurzer Zeit 15 Menschen gestorben seien. Laut dem Marktschreiber von Weitensfeld seien zwei oder drei von ihnen an Hunger zugrunde gegangen. Die Kommission glaubte an Vertuschung der Ausmaße der Pest und drohte dem Marktschreiber Bestrafung an. Der Gurker Ratsbürger Andre Gottlieb Struz wurde zum Unterkommissär für Weitensfeld bestellt. Er starb kurz darauf an der Pest. Am 8. Februar 1716 berichtete der Hauptkommissär dem Domprobst, dass in Weitensfeld zwei weitere Bewohner an der Pest verstorben seien. Der Kommissär vermutete, dass der Domprobst diese Toten verschwiegen hätte, um den Ort nicht absperren zu müssen. Von Juni 1715 bis Ende Februar 1716 starben in Weitensfeld 69 Menschen an der Seuche; das entsprach etwa einem Viertel der Bewohner; in Glödnitz gab es in dieser Zeit 319 Pesttote, in Altenmarkt 56, in Gurk 16 und in Straßburg 35.
Das Kranzelreiten entsteht
Einer der schönsten und ältesten Bräuche Österreichs, das Kranzelreiten in Weitensfeld, dürfte im 16. Jahrhundert entstanden sein. Der Sage nach rottete die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bevölkerung aus; in Weitensfeld hätten nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ überlebt. Die Überlebenden hätten sich auf einen Wettkampf geeinigt: Wer von den drei Burschen bei einem Wettlauf als Sieger hervorgeht, soll das Mädchen heiraten. In Erinnerung daran gibt es jedes Jahr zu Pfingsten das Kranzelreiten mit dem Wettlauf der drei „Bürgersöhne“. Das Brauchtumsfest müsse jedes Jahr stattfinden, sonst drohe der Sage nach dem Ort Unheil: In der Nacht würden die Pesttoten über die Marktstraße reiten.
In Berichten der „Carinthia“, der ältesten Zeitschrift Kärntens, wird der Beginn des Brauchs mit 1567 datiert. Das Kranzelreiten hat auch germanische Elemente: Es ähnelt den früheren Frühlingsfesten, bei denen der Kampf des Sonnengottes mit dem Winter dargestellt wurden. Bei diesen Festen gab es auch ein Wettrennen; der Sieger ging als „Maikönig“ hervor. Der Brauch könnte auch das „Einholen der geschmückten Maibraut“ bedeuten, die im Sommer Glück und Fruchtbarkeit bringen soll. So heißt es in einem Bericht in der „Carinthia I“ im Jahr 1914: „Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern.“
Marktprivilegien und Wappen
Am 4. Oktober 1629 verlieh Kaiser Ferdinand II. dem Ort ein Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt …“ Außerdem gewährte der Kaiser die Abhaltung eines Jahrmarkts „auf den dritten Sonntag nach Egidi“.
Der Gurker Domprobst hatte das Recht, auf dem Gurk-Fluss Fischer einzusetzen. Von Weitensfeld bis zum Steinpauer durfte er zwei Fischer beschäftigen, in der Fastenzeit vier. Der Probst hatte auch das Recht der Pechbohrung, des „Raissgejaid und der Wilpan“ und bestimmte Rechte bei den Kirchtagen in Weitensfeld. Die Händler mussten Maut an den Probst oder seinen Mautnern abführen; ausgenommen waren Dinge für den Hausgebrauch, wenn der „Jahresschilling“ entrichtet wurde.
Am 30. April 1841 erhielt Weitensfeld vom Kaiser Ferdinand I. das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten: am St. Mathäus-Tag und an den St. Johann Evangelistentagen.
Im Jahr 1929 wurde der Gemeinde ein eigenes Wappen verliehen. Weitensfeld führt die älteste noch erhaltene Gemeindefahne in Kärnten. Sie stammt aus der Barockzeit.
Der Bürgereid von Weitensfeld
Jahrhundertelang, vor allem im Mittelalter, war es in vielen Städten und Märkten üblich, einen „Bürgereid“ abzulegen. Ein seltenes Dokument eines solchen Schwurs stammt aus Weitensfeld. Marktschreiber Leonhard Zemäsch hat im Jahr 1765 den „Bürgereid von Weitensfeld“ niedergeschrieben. Es handelte sich um einen „Versprechenseid“ für Jungbürger und neue Bürger des Ortes („Eyd Schbur Vor Einen jeden Jungen / Vnd Ney aufgenomener Bürger, Wie sich solcher / solang er das Burger Reht auf Ime hat / Zuuerhalten Hat, Wie Nachfolgent Zu Vernemen ist“). Der Bürgereid musste mit drei Fingern der rechten Hand geleistet werden und forderte Gehorsam ein gegenüber dem Pfarrer und Dompropst zu Gurk, dem Marktrichter oder Gerichtsverwalter und dem Rat. Der Schwur umfasste bestimmte Pflichten wie die Teilnahme an Ratsversammlungen, die Aufgaben an den Markttagen, das Austragen der „Freyung“ und das wichtige Gebot der regelmäßigen Rauchfang-Kontrolle zur Brandverhütung.
Hochrindl in „Frankreich“
In den Jahren 1797, 1805 und 1809 marschierten französische Truppen in Kärnten ein. Plünderungen und Zerstörungen waren die Folge. Die Besatzer forderten von den Stadtverwaltungen Klagenfurt und Villach hohe Summen. In Klagenfurt wurden Mitglieder der Landesverwaltung als Geiseln genommen, um die Geldforderungen schneller durchsetzen zu können. Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt (1749 – 1822), Fürstbischof von Gurk, bewahrte durch Zahlung von 30.000 Gulden an die Franzosen das letzte der vier Stadttore Klagenfurts vor der Zerstörung. Salm-Reifferscheidt war der letzte Bischof von Gurk, der auch im Gurktal residierte, bevor er 1786 nach der Diözesan-Regulierung den Amtssitz vom Schloss Pöckstein nach Klagenfurt verlegte.
Nach dem „Frieden von Schönbrunn“ im Oktober 1809 wurde Kärnten in zwei Teile geteilt. Der Klagenfurter Kreis (Unterkärnten) wurde dem napoleonischen Königreich Italien unterstellt und von Graz aus verwaltet. Schon Kaiser Joseph II. hatte die Kärntner Landeshauptmannschaft aufgehoben und Kärnten dem Gubernium in Graz unterstellt. Der Villacher Kreis (oberkärntner Gebiete) und Gebiete südlich der Save wurden als „Illyrische Provinz“ Frankreich unterstellt. Es galt der „Code Civil“, ein modernes bürgerliches Gesetzbuch; die Währung war der Franc anstatt des Guldens und es wurden auch die französischen Maße und Gewichte eingeführt. Es herrschte Glaubensfreiheit und weitgehende Gewerbefreiheit, viele Vorrechte des Adels wurden aufgehoben, ebenso die Naturalsteuern und das Untertanenverhältnis. Teile des oberen Gurktals wurden französisch. Die neue Grenze reichte bis an das Gebiet der früheren Großgemeinde Weitensfeld heran. Auf der Hochrindl verlief ein Teil der Grenze zwischen den Reichen Österreich und Frankreich. Die unterschiedlichen Rechts- und Wirtschaftssysteme führten zu einem Aufschwung eines speziellen Erwerbszweigs, dem Schmuggel verschiedener Waren. Weitensfeld erlebte in diesen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. An der Goggausee-Landesstraße bei Steuerberg befindet sich ein Gedenkstein, der an diese Grenze erinnert. Die Jahreszahl in der Inschrift „Franconia – Austria 1808“ ist allerdings historisch falsch und müsste „1809“ lauten. Ab 1811 erfolgte die Neuorganisation des Villacher Kreises zu einer Zivilprovinz mit Kantonen, die wiederum in Arrondissements oder Mairien unterteilt waren. Im Februar 1811 wurden mehr als 600 Kärntner für das illyrische Regiment rekrutiert, das mit der französischen Armee nach Russland zog. Die meisten von ihnen kamen im Russlandfeldzug um. Im Jahr 1813 griffen österreichische Truppen die illyrische Armee an der Drau an. Es gab Kämpfe in Feistritz im Rosental und in Villach, wo viele Häuser in Flammen aufgingen. Im September und Oktober 1813 gelang es den Österreichern, die Besetzer zu vertreiben. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wurden die Illyrischen Provinzen wieder unter österreichische Verwaltung gestellt. Mit dem Friedensvertrag von Paris am 30. Mai 1814 wurden die alten Grenzen Kärnten bestätigt. Oberkärnten war wieder ein Teil Österreichs. Die Verwaltung erfolgte aber noch von Laibach aus.1825 wurde auch der Klagenfurter Kreis dem Gubernium Laibach angeschlossen. Erst nach der Revolution 1848 wurde Kärnten wieder selbstständig – als Kronland mit der Hauptstadt Klagenfurt.
Ein Räuberhauptmann in Weitensfeld
In die Franzosenzeit fällt auch die Geschichte des Räuberhauptmanns Simon Kramer, bekannt als „Krapfenbäck Simale“. Sie ist bezeichnend für die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Situation Ende des 18. Jahrhunderts in Kärnten. Die Armut schaffte viele Räuber und Diebe; die Kriminalität war hoch. Ein geordnetes Polizeiwesen gab es nicht; das Rechtssystem stützte sich auf die Theresianische Halsgerichtsordnung aus dem Jahr 1769. Die Folter war üblich, ebenso die Todesstrafe und Körperstrafen. Erst später wurden vermehrt langjährige Kerkerstrafen verhängt. In Weitensfeld gab es einen Marktrichter, der für alle Gerichtsfälle außer der hohen Gerichtsbarkeit („Blutgerichtsbarkeit“) zuständig war. Die hohe Gerichtsbarkeit stand dem Bischof von Gurk zu.
In einigen Werken wird „Krapfenbäck Simale“ fälschlicherweise als „Bäckersohn aus Weitensfeld“ bezeichnet, so auch in der Gemeindechronik von St. Urban. Tatsächlich stammte der Spitzname von der „Krapfenböck“-Keusche, die sein Vater besaß. Auch Kramers Image als Kärntner „Robin Hood“, der den Reichen nahm und den Armen gab, bzw. als Kämpfer gegen die französischen Besatzer, stimmte nicht mit der Wirklichkeit überein. Simon Kramer, 1785 in Möderndorf im Zollfeld geboren, wurde aus eigennützigen Motiven kriminell und beteiligte sich schon als Jugendlicher an Diebstählen und Raubzügen. Die Beute war meist gering, oft bestand sie aus Nahrungsmitteln und Kleidung. Kramers „Spezialität“ waren Überfälle in der Nacht, oder Diebstouren auf Bauernhöfen am Sonntag vormittag, wenn die Bauersleute in der Kirche waren.
Simon Kramer war mehrmals in Weitensfeld. Einmal brachte er mit einem Fuhrwerk Zwetschken nach Weitensfeld, um sie hier zu verkaufen; das Pferd hatte ein Komplize auf dem alten Platz in Klagenfurt gestohlen.
Am 22. Juni 1807 zechte Simon Kramer mit seinem Kumpanen Philipp „Lipp“ Schuster in einem Weitensfelder Gasthaus. Tags zuvor hatten die Beiden in der Nähe von Neumarkt einen Bauern überfallen und ihm 228 Gulden geraubt. Die Räuber wurden erkannt und in den Kotter des Marktgerichts Weitensfeld gesperrt. Sie hatten Beutestücke bei sich, die vom Überfall in Neumarkt und von einem Raubzug in Brückl stammten. Kramer gelang es in der Nacht auf den 26. Juni, mit einem schmalen Brett das Schloss seines Fußeisens abzudrehen. Danach brach er den morschen Fußboden auf, schlug ein Loch in die dünne Mauer und gelangte ins Freie. Sein Komplize Lipp blieb in der Zelle, er wurde am nächsten Tag in das Landgericht Albeck überstellt und am 7. Dezember in das Landgericht Straßburg gebracht, weil man einen Befreiungsversuch durch Simon Kramer befürchtete. Dieser hatte knapp drei Wochen vorher seine Gefährtin Juliana Regenfelder aus dem Arrest im Schloss Margaregg bei Klagenfurt befreit. Sie war mit zwei Komplizen verhaftet und in den Arrest gesteckt worden, bewacht von zwei unbewaffneten Bauern. Kramer und einige seiner Leute verschafften sich am 19. November 1807 unter einem Vorwand Zugang zum Kerkerraum und überwältigten die Wächter und die Amtsdienerin. „Krapfenbäck-Simale“ schlug seiner Freundin die Fußeisen ab und flüchtete mit ihr.
Kriminalrichter Ferdinand von Litzelhofen ließ sich vom Marktgericht Weitensfeld die Personsbeschreibung des Flüchtigen zusenden und fertigte einen Steckbrief an: „Personsbeschreibung: Eines herumstreichenden, sehr diebsgefährlichen Burschen, der Krapfenbacker Simele genannt, welcher mit dem hier verhafteteten berüchtigten Dieb Laurenz Strauß gemeinhin Priditsch in einer Verbindung zu seyn beinzichtigt wird. Dieser Mensch ist aus der hierländischen Stadt St. Veit gebürtig, bei 20 Jahre alt, und zimlich grosser untersezter Statur, hat ein rundes, gut gefarbtes Angesicht, schwarze Augen, braune Haare und einwärts gebogene Knie. Am Leibe trug er lezthin ein kurzes braunes Jankerl, ein blaulich zeugenes Leibl, schwarzlederne kurze Hosen, Stiefel und einen runden hohgupfigen Hut.“
Kurze Zeit später wurde Simon Kramer endgültig gefasst. Der vom Bistum Gurk im Landgericht Albeck eingesetzte Gerichtspfleger Josef Marx hatte erfahren, dass sich Mitglieder der Kramer-Bande öfters an der Wegscheide bei Hoch St. Paul, „dann am Zamelsberg im Burgfried Wullroß, besonders in der Kreuzwirth-Keusche, aufhilten“ .Am 17. September 1809 endete das Leben des wohl berüchtigsten Räubers der Kärntner Kriminalgeschichte. Simon Kramer wurde von der Landgerichtswache im Gasthaus Wegscheider beim Kartenspiel angetroffen. Er wehrte sich gegen die Festnahme und zog ein Messer. Daraufhin wurde er von einem Wächter in den Hals geschossen. Der Räuberhauptmann starb 24-jährig an dieser Wunde. Drei Tage später hängten französischen Besatzer die Leiche auf dem „Galgenbichl“ nördlich von Klagenfurt auf.
Wasser und Feuer
Im Lauf der Jahrhunderte wurde Weitensfeld von einer Reihe von Katastrophen heimgesucht, vor allem durch Großbrände und Überschwemmungen. Im 20. Jahrhundert waren es die Hochwasser der Jahre 1909 und 1919, die schwere Schäden im Ort anrichteten. Die folgenschwerste Brandkatastrophe des 19. Jahrhunderts geschah am 17. April 1814. Nach dem Sieg über Napoleon und der Zerschlagung seines Reichs zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, am 17. April 1814 in Paris ein. In Österreich wurde an diesem Tag ausgiebig gefeiert; auch in Weitensfeld. Am Abend brach in einem Stall im Ort ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Ställe. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige umliegende Häuser, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 die Schule befand. Auch einige Häuser am Marktplatz blieben vom Feuer verschont. Drei Menschen kamen ums Leben. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Nach dem Großbrand in Weitensfeld verfügte die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk, dass künftig nur mehr Steinhäuser und keine Holzbauten mehr errichtet werden durften.
Die Kirche im neuen Ort Weitensfeld war nicht eigenständig, sondern eine Filialkirche von Altenmarkt. Erst ein halbes Jahrtausend nach der Gründung, im Jahr 1753, vor genau 250 Jahren, wurde sie eine eigene Pfarrkirche.
Nach der Revolution 1848 gab es in Österreich umfangreiche politische Veränderungen. Kärnten wurde selbstständiges Kronland; der Kärntner Landtag wurde erstmals frei gewählt. Die Grundherrschaften hörten auf zu bestehen. Mehrere Herrschaften wurden vereinigt; sie bildeten die Bezirkshauptmannschaften. 1949 entstanden die Gemeinden, darunter die Ortsgemeinde Weitensfeld.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter, Wien, 1999.
Frick, Karl R.: Geschichte der Medizin in Kärnten im Überblick I: Von den Anfängen bis zum Jahre 1804. Das Kärntner Landesarchiv 14. Klagenfurt, 1987.
Geschichtsverein für Kärnten (Hg.): Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Geleitet von Gotbert Moro, 52. Band. Klagenfurt, 1958.
Jaksch, August: Geschichte Kärntens bis 1335. I. und II. Band. Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt 1928 bzw. 1929.
Kafka, Karl: Wehrkirchen Kärntens II. Wien, 1972.
Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Weitensfeld 1998.
Meir, Alice: Aus dem Leben der Gurker in vergangenen Jahrhunderten; in: Marktgemeinde Gurk, Das goldene Buch von Gurk, 1998.
Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.
Piccottini, Gernot, Die Römer in Kärnten. Ein Carinthia-Führer, Carinthia, Klagenfurt 1989
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Schinegger, Maria: St. Urban im Wandel der Zeiten. Eine Chronik, herausgegeben von der Gemeinde St. Urban, Klagenfurt 1991.
Weingand, Hans-Peter: Krapfenbäck Simerl. Leben und Sterben eines legendären Kärntner Räubers. Graz 1996.
Kurzchronik Weitensfeld
(12. bis 19. Jahrhundert)
1131: „Wietensuelt“ wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt.
1192: Das Gebiet Weitensfeld geht neben nach dem Tod Herzog Ottokar I. von Steiermark Anfang Mai 1192 aus steirischem Besitz in den Besitz der Babenberger über.
1202: Die Babenberger schenken das Gebiet um Weitensfeld dem Domstift. Herzog Leopold VI. von Österreich bestätigt 1202 die Schenkung des Marktes Weitensfeld durch seinen steirischen Ministerialen Otto von Teuffenbach an das Gurker Domkapitel.
1203/07: Der neue Markt Weitensfeld mit den entsprechenden Marktprivilegien entsteht an der heutigen Stelle.
1211: Der Spanheimer Herzog Bernhard II. bestätigt in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behält sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Das Weitensfelder Marktprivilegium, ausgestellt am 17. Dezember 1211, enthält u.a. Statuten über den Warenein- und Verkauf.
1264: Das Kirchlein St. Magdalen bei Weitensfeld wird erstmals urkundlich erwähnt. Die Magdalenenscheibe ist das älteste Glasgemälde in Österreich.
1478: Die Türken brennen den Markt nieder. Auch die Kirche wird zerstört.
1629: Kaiser Ferdinand II. verleiht am 4. Oktober Weitensfeld einen Jahrmarkt und das Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt“.
1753: Die Kirche in Weitensfeld, bisher eine Filialkirche von Altenmarkt, wird eine eigene Pfarrkirche.
1813: Ein Großbrand zerstört die Häuser mit den Nummern 1 bis 45 und die dazugehörenden Ställe im Ort.
1849: Der Markt Weitensfeld wird eine Gemeinde.
Das Kranzelreiten von Weitensfeld
Das Kranzelreiten in Weitensfeld zählt zu den schönsten und ältesten Bräuchen Österreichs. Der Sage nach erinnert die jährliche Veranstaltung an die Pest; tatsächlich dürfte es sich um einen alten Maibrauch handeln.
Vor langer Zeit, als die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bevölkerung ausrottete, sollen in Weitensfeld nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ überlebt haben. Die Überlebenden bemühten sich um das Mädchen und einigten sich auf einen Wettkampf: Wer von den dreien bei einem Wettlauf als Sieger hervorgeht, soll das Mädchen heiraten.
In Erinnerung an diese Sage gibt es jedes Jahr zu Pfingsten in Weitensfeld in Kärnten das Kranzelreiten mit dem Wettlauf von drei „Bürgersöhnen“.
Das Brauchtumsfest muss jedes Jahr stattfinden, heißt es in der Überlieferung; sonst bricht der Sage nach Unheil über den Markt herein: In der Nacht stehen die Pesttoten auf und reiten über die Marktstraße.
Der Brauch dürfte bis ins 16. Jahrhundert zurück gehen. Der Brauchtumsforscher Leopold Kretzenbacher vermutet, dass das Kranzelreiten genauso wie das Kufenstechen, das zu Pfingsten in verschiedenen Orten des Gailtals stattfindet, aus adeligen Reiterspielen hervor gegangen sein könnte. In Berichten der „Carinthia“, der ältesten Zeitschrift Kärntens, wird der Beginn der Brauchtumsveranstaltung mit 1567 datiert.
Die „Carinthia“ brachte 1867 einen Bericht über „die Maibraut bei der dreihundertjährigen Jubiläumserinnerungsfeier am Pfingstmontag, dem 10. Juni 1867“. Der Verfasser Dr. Wenger beschrieb das Fest, bei dem eine lebende „Maibraut“ die Hauptrolle spielte: „Von der Straßburger Fahrtstraße her erschien sie auf einem milchweißen Zelter in raschem Trabe, von ihren Paldinen umgeben, ein Mädchen im weißen modischen Damenreitkleide, mit fliegenden Lockenhaaren, das Haupt mit einem Hütchen im vollen Einklange mit dem Kostüm bedeckt. Soviel ich von meinem Standpunkte ersah, war es ein schönes, edel geformtes Mädchengesicht, in dem einige Kühnheit stak, dies Wagnis der öffentlichen Schaustellung zu unternehmen. Die Kopf an Kopf gedrängte Menge teilte sich, eifrigst eine Gasse bildend, vor der lieblichen Erscheinung … Mutige und gewandte Reiter hatten nach vorausgegangenen Böllerschüssen mittels graziösem Traversieren die Gasse geöffnet. Und so begann das eigentliche Festspiel. Die Jungfrau, ebenso sicher als mutig heransprengend, hatte zu beiden Seiten gleich mutige Reiter, in ihrem nächsten Geleite zwei muntere Knaben, wie man mir sagte, Söhne des dortigen Wundarztes. An diese schönen Bilder einer jugendlich kräftigen Menschheit schlossen sich viele und abermals viele Reiter jeglichen Alters und Standes an. Es sei nun noch bemerkt, daß die reitende Jungfrau Carolina Brunner, Tochter des Josef Brunner vlg. Vöstl in Hafendorf, und die sie begleitenden Jünglinge Switwert und Oswin Seywald waren…“
Der Brauch des Kranzelreitens hat germanische Wurzeln: Das Pfingstfest ähnelt den früheren Frühlingsfesten, bei denen der Kampf des Sonnengottes mit dem Winter dargestellt wurde. Bei diesen Festen gab es auch ein Wettrennen; der Sieger ging als „Maikönig“ hervor. Volkstumsforscher meinen, dass der Brauch das „Einholen der geschmückten Maibraut“ bedeutet, die im Sommer Glück und Fruchtbarkeit bringen soll. So heißt es in einem Bericht in der „Carinthia I“ im Jahr 1914: „Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern.“
„Gstanzlsingen“ am Pfingstsonntag
Am Pfingstsonntag treffen sich die Kranzelreiter mittags vor dem „Herzelehof“ beim Marktplatz. Von dort reiten die Teilnehmer mit den geschmückten Pferden jährlich wechselnd in die benachbarten Orte Altenmarkt und Zweinitz, ursprünglich, um die Bewohner zum Fest am nächsten Tag einzuladen. In einem Bericht aus dem Jahr 1891 wird erstmals der Ausritt nach Zweinitz erwähnt.
Nach einer Rast beginnt das so genannte „Gstanzlsingen“: Die Musikkapelle Zweinitz, die seit Jahrzehnten die Kranzelreiter begleitet, spielt einen „Tusch“ vor jedem Haus. Danach singen die Reiter die „Gstanzln“, gereimte Vierzeiler, die ein humorvolles oder sonst erwähnenswertes Ereignis zum Inhalt haben. Manche Bürger empfinden die Reime als unangenehm, das ist ihnen aber lieber, als dass die Reiter kein Gstanzl über sie singen.
Die Tracht der Kranzelreiter besteht aus einer schwarzen oder dunklen Reithose, schwarzen Reitstiefeln und einem weißen Lodenrock mit dunkelbraunen Kragen und dunkelbraunen Aufschlägen an verschiedenen Stellen. Die Reiter tragen ein Seidenhalstuch und einen schwarzen Hut mit grünem Band und einer Feder; früher war es ein echter Birkhahnstoß, heute ist es eine künstlich gebogene Feder.
Wettlauf um die Jungfrau
Am Pfingstmontag findet das Hauptereignis statt. Die Musikkapelle zieht durch den Ort und „weckt“ die Bürger. Am Vormittag gibt es ein Konzert auf dem Marktplatz.
Die steinerne Jungfrau auf dem Marktplatz ist mit einem weißen Kleid mit roter Schärpe geschmückt; auf dem Haupt trägt sie den Brautkranz, in der rechten Hand hält sie einen Pfingstrose und in der linken einen Schlüsselbund.
Um 14 Uhr beginnt das Fest. Der „Dorfrichter“ verliest die „Proklamation“ mit dem Ablauf des Kranzelreitens. Bänderhut-Frauen „bewachen“ die Jungfrauen-Statue, seit 1981 sind sie Bestandteil des Festes. Dreimal reiten die Pfingstreiter die Marktstraße auf und ab, um die „Pest auszutreiben“ oder vor ihr zu flüchten. Danach geht es im Trab, voran die Musikkapelle, zum alten Gemeindehaus, wo die drei Läufer in weißer Tracht mit roter Schärpe warten. Ein Reiter erhält die „Beste-Stange“, auf der sich die Preise für die Läufer befinden.
Die Wettläufer werden von neuen Wirtschaftstreibenden oder Hausbesitzern gestellt.
Gemeinsam geht es zum Marktplatz. Zunächst reiten drei Kranzelreiter mit ihren Rössern um die Wette, danach beginnt der Wettlauf der „Bürgersöhne“. Auf ein Kommando auf die kräfteraubende, etwa 300 Meter lange, leicht bergauf führende Strecke. Der Gewinner des Laufs steigt auf das Siegerpferd; dann geht es wieder Richtung Marktplatz, angeführt von den Zweinitzer Musikanten. Auf dem Marktplatz werden die Preise („Beste“) an die Läufer übergeben: Der Sieger erhält ein „Kranzl“ und ein Seidentuch, der Zweite einen Myrtenstrauß und ein Wolltuch und der Letzte des Wettlaufs muss mit einem Kattuntüchlein und Sauborsten Vorlieb nehmen.
Der Sieger steigt auf einer Leiter zur steinernen Jungfrau auf dem Marktplatz und küsst sie unter dem Applaus der Besucher. Danach schenken die Läufer die „Beste“ ihren Begleiterinnen. Das Brauchtumsfest endet mit dem „Gurktaler Walzer“, der von Karl Kummer eigens für das Kranzelreiten komponiert worden ist.
Jubiläumskranzelreiten
Alle 50 Jahre, seit Ende des Zweiten Weltkriegs alle 25 Jahre, gibt es ein besonderes Fest: Anstelle der steinernen Jungfrau wird ein Mädchen aus dem Ort ausgewählt, um das die Wettläufer kämpfen.
Zu Pfingsten 1922 fand ein solches Jubiläumskranzelreiten statt. Es hätte ursprünglich im Jahr 1917 stattfinden sollen, wurde aber wegen des Kriegs verschoben. Schuldirektor Ferdinand Schwarz beschrieb in einem Kurzbericht das Fest am 5. Juni 1922: „Diesmal, am Jubiläumspfingstreiten, war anstatt der hölzernen Statue eine lebendige, reizende Jungfrau in der Gestalt des lieblichen, reizenden Töchterchens unseres allverehrten Herrn Bürgermeisters und Marktvorstandes, Frl. Minna Knaflitsch. Sieger der Läufer war Mathias Filipowsky. Die sehr stattliche Reiterschar in der Stärke von 45 Mann hoch zu Roß mit prächtigen, schön geschmückten Pferden mit altem wertvollem Sattelzeug holte zunächst die Jungfrau aus ihrer Wohnung ab und geleitete dieselbe, einen schönen Wallach reitend, mit Musik zu ihrem Ehrenplatze. Nun erfolgte das Kranzelreiten in der Art und Weise, wie es sonst auch geschieht. Der Obmann der Kärntner Landsmannschaft, Oberbaurat R. Pierl, überreichte als Zeichen der besonderen Befriedigung und Auszeichnung dem Markte Weitensfeld die höchste Ehrung der Kärntner Landsmannschaft, die silberne Ehrenkette. Die Jungfrau setzte sich auf das Pferd und ritt an der Seite des Siegers, begleitet von der Reiterschaft, mit Musik durch den reich und schön geschmückten Markt. Vollauf befriedigt zerstreuten sich die Zuschauer. Eine solche Menschenmenge hatte Weitensfeld noch nicht gesehen. Gering geschätzt wurde diese mit 12.000 bis 15.000 Menschen angenommen. Wenn man die Ehrenjungfrau fragte, was bei diesem Feste das Schönste für sie war, so sagte sie immer: ,Am schönsten war der Empfang bei der Familie Funder auf Schloß Turnhof`“.
25 Jahre später, zum Pfingsten 1947, gab es das nächste Jubiläumskranzelreiten mit einer lebenden Jungfrau. Der damalige Bürgermeister veranstaltete mit dem Weitensfeldern nach den furchtbaren Kriegsjahren ein „außerordentliches Kranzelreiten mit einer lebenden Jungfrau“. Die Wahl fiel damals auf Karla Dörfler, der späteren „Bärenwirtin“ in Weitensfeld. Seit damals findet das Jubiläumskranzelreiten alle 25 Jahre statt.
Im Jahr 1972 wählte das Festkomitee Heidi Meier als „Maibraut“ aus. Das Stadttheater Klagenfurt stellte das Kostüm zur Verfügung. Werner Müller, der in früheren Jahren schon zweimal den Wettlauf gewonnen hatte, siegte auch im Jubiläumslauf vor Franz Dörfler und Gerd Lassnig. Volksschuldirektor Franz Pirker schrieb darüber in der Chronik über den Ort Weitensfeld: „Müller war über seinen Sieg sichtlich erfreut. Nach allen Seiten hin fröhlich winkend, schritt er zu der stehend auf ihn wartenden Maibraut, um Kuß und Schlüssel von ihr zu empfangen und sie dann zum Ehrentanz zu führen, an dem sich später dann auch die beiden anderen Läufer mit ihren Ehrenjungfrauen beteiligten. Heidi Maier knüpfte dann noch ein Erinnerungsband an die Gemeindefahne, wobei sie folgende Worte sprach: ,Nehmt dieses Band als Dank aus meinen Händen, den Kranzelreitern und dem Heimatort zur Ehr will ich es spenden!´ Danach bestiegen Müller und Heidemarie Maier die bereitgestellten Pferde und, begleitet von Musik, Kranzelreitern und Zuschauern ritten sie zum Festplatz, wo es dann noch lange lustig herging.“
„Ehrbar Jungfer Eva Bianca“
Das bisher letzte Jubiläumskranzelreiten fand zu Pfingsten 1997 statt. Das Festkomitee wählte die 17-jährige Eva Bianca Treppo, Tochter des Besitzers von Schloss Thurnhof in Zweinitz, Franz Treppo, als Ehrenjungfrau. Am Pfingstsonntag holten die Kranzelreiter das „Burgfräulein“ vom Schloss Thurnhof ab. Ein Reiter verlas die „Beschlisung in Jahre des Hern 1997, am 18. Mai“: „Wir, die Reyter von Weitensvelt seind komen heint zu Burgg und Schlos Thurnhoff zu pitten den Burgherrn Franz Treppo und seyn Gemahl´, um zu geben di ehrbar Jungfer Eva Bianca uns Reytern von Weitensvelt, damit wyr sy bringen diselb in den Ort, wo daselbst morgen wirt seyn ein Laufen dreyer Jüngling in Streit um sy. Der Besst sull freyen sy, damit weyterr bestanden blyb das Volk daselbst in Weitensvelt. Eva Bianca soll komen in unser Orth, da is Wonne vill.“
Den Wettlauf um „di ehrbar Jungfer Eva Bianca“ am nächsten Tag gewann Christian Leitgeb vor Thomas Bischofter und Frank Telsnig. Leitgeb setzte der Braut das Siegerkranzel auf das Haupt und küsste sie vor den Tausenden Besuchern des alten Brauchtumsfestes.
Werner Sabitzer
Quellen:
Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Weitensfeld 1998.
Kretzenbacher, Leopold: Ringreiten, Rolandspiel und Kufenstechen. Sportliches Reiterbrauchtum als Erbe aus abendländischer Kulturgeschichte. Klagenfurt 1966.


