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Die „Herrin von Murau“

Anna Neumann von Wasserleonburg, die „Herrin von Murau“, war eine der reichsten Frauen Österreichs zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Ihre Vorfahren stammen aus dem Raum Weitensfeld.

Anna Neumann wurde am 25. November 1535 in Villach als Tochter einer reichen Bürger- und Gewerkenfamilie geboren. Ihre beiden Großväter stammten aus dem Raum Weitensfeld.
Annas Vater Wilhelm Neumann war vermutlich der Sohn von Michael Neumann (des Jüngeren), eines Weitensfelder Bürgers, schreibt der Murauer Archivar Wolfgang Wieland in seiner Biografie über Anna Neumann unter Hinweis auf den Historiker Leopold von Beckh-Widmanstetter („Michel Newman als Bürger zu Weitensfeld in Kärnten“). Wilhelm Neumann besaß um 1530 Erbgüter in Weitensfeld. Seinen Reichtum erwarb er hauptsächlich durch die Erträge aus Quecksilbergruben in Idria (heute: Idrija) und Bleigruben in Bleiberg. Er war von 1516 bis 1518 Stadtrichter (Bürgermeister) in Villach. Kaiser Maximilian ernannte ihn 1515 zum Bergrichter in Idria und erlaubte ihm im selben Jahr neuerlich die Führung eines Wappens. Eine Erhebung in den Adelsstand war damit nicht verbunden. Neumanns Unternehmen handelte auch mit Textilien, Gewürzen und Glaswaren.
Annas Mutter Barbara, eine geborene Rumpf von Wullross, hatte Wilhelm Neumann im Jahr 1528 geheiratet, nachdem dessen erste Frau Praxedis Strigl verstorben war. Barbara Neumann war eine äußerst geschäftstüchtige Frau; ihr wurde Geiz und übersteigertes Besitzstreben nachgesagt. Ihr Vater Wilhelm Rumpf von Wullross war der bedeutendste Herr auf der Burg Wullross im Wimitztal nahe Weitensfeld. Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen, erwarb 1515 die Herrschaft Tentschach und war erster ständischer Burggraf in Klagenfurt. Er hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. das Amt des Truchsess inne. Seine Frau Barbara entstammte der angesehenen Kärntner Familie von Keutschach.
Nach dem Tod ihres Mannes Wilhelm Neumann heiratete Barbara den vermögenden und einflussreichen Adeligen Hans Seenuß, der von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach war.
Einer der Schuldner Barbara Neumanns war Otto VII. von Liechtenstein-Murau, der schließlich die Herrschaft Treffen samt Landgericht am 1. Mai 1552 an die Familie Neumann verkaufen musste. Die Herrschaft Treffen gehörte – mit einer kurzen Unterbrechung – seit 1368 der Familie Liechtenstein-Murau.

Die ersten Ehen

Anna Neumann verbrachte ihre Kindheit auf Schloss Wasserleonburg, das ihr Vater 1522 von den Brüdern Hans, Andreas und Christoph von Ungnad übernommen hatte. Es handelte sich um eine reichsunmittelbare Herrschaft mit 92 Huben, 11 Zulehnen und 126 Keuschen. Als 21-Jährige heiratete Anna im November 1557 den vermögenden Hans Jakob Freiherr von Thannhausen, den Bruder des Kärntner Landeshauptmanns. Dieser Ehe entstammten zwei Töchter, Elisabeth und Barbara. Hans Jakob Freiherr von Thannhausen starb schon nach knapp dreijähriger Ehe am 23. September 1560. Er wurde in der Dominikanerkirche in Friesach beigesetzt.
Annas ehrgeizige Mutter Barbara legte den Grundstein, dass Anna als „Herrin von Murau“ zu einer der reichsten Frauen Österreich wurde und schließlich in den Hochadel aufstieg: Die Wullrosserin sorgte dafür, dass die junge Witwe Anfang 1566 den steirischen Adeligen Christoph von Liechtenstein-Murau heiratete, dessen Familie seit drei Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Das Geschlecht nannte sich nach der Burg Liechtenstein bei Judenburg (heute eine Ruine). Christophs Vater Otto VII. heiratete Benigna aus der gleichnamigen Familie Liechtenstein-Nikolsburg. Diese Familie, seit 1623 im Fürstenstand, war mit den steirischen Liechtensteins nicht verwandt. Einer der Nachkommen ist der Fürst von und zu Liechtenstein. Die steirische Familie Liechtenstein starb bereits 1619 aus.

Die Herrschaft Murau

Das Murauer Gebiet gehörte im Hochmittelalter zum Herzogtum Kärnten. Die Burg Obermurau wurde zwischen 1232 und 1250 von den Herren von Liechtenstein erbaut, die damals den Raum des oberen Murtals kontrollierten. Im Jahr 1250 erhielt der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein vom Kärntner Herzog die Landgerichtsbarkeit für seine Burg „Mvrowe“, die er kurz zuvor von seinem Vater übernommen hatte, sowie 1256 Schurfrechte in der Umgebung. Ulrich von Liechtenstein bevorzugte als Wohnsitz aber die Frauenburg in Unzmarkt.
1269 wurde die Burg Murau von König Przemysl Ottokar II. teilweise zerstört. Er fühlte sich als rechtmäßiger Erbe des Herzogtums Kärntens nach dem Tod seines Schwagers, des letzten Spanheimer Herzogs Ulrich. Der steirische Adel lehnte sich aber den Böhmenkönig auf. Die böhmischen Besatzer blieben bis zu ihrer endgültigen Vertreibung im Jahr 1276 in Murau. Danach kam die Herrschaft an der oberen Mur an den Sohn Ulrichs von Liechtenstein, Otto II. zurück, der mit dem Wiederaufbau begann. 1298 erhielt die Siedlung unter der Burg das Stadtrecht. 1312 kam es in der Familie Liechtenstein zu einer Trennung in eine Frauenburger und eine Murauer Linie. Der Murauer Zweig brachte es zu größerem Besitz im Herzogtum Kärnten und hatte dort auch das Marschallamt inne, eines der erblichen Hofämter. In der Steiermark stellten die Liechtensteiner die Kämmerer.
Der Niedergang der einst mächtigen Liechtensteiner begann Ende des 14. Jahrhunderts. Friedrich II. von Liechtenstein musste wegen hoher Schulden die Herrschaft Murau 1392 an Wulfing von Stubenberg verpfänden.
Während der Ungarneinfälle stellte Niklas von Liechtenstein 1487 Murau dem ungarischen König als Stützpunkt zur Verfügung, worauf er von Kaiser Friedrich III. 1490 geächtet wurde. Murau wurde danach von einem Pfleger des Kärntner Herzogs verwaltet. Zwar erhielten die Liechtensteiner 1495 ihre Besitzungen von König Maximilian I. wieder zurück, doch waren ihre finanziellen Verhältnisse so schlecht, dass es immer wieder zu größeren Abverkäufen kam. Hauptgläubigerin war die Familie Neumann von Wasserleonburg.

Reiches Erbe

Nach der Hochzeit mit Christophs II. von Liechtenstein zog Anna in das Schloss Murau. Da ihre Brüder inzwischen ohne Nachkommen verstorben waren, erbte sie 1569 nach dem Tod ihrer Mutter Barbara die Kärntner Besitzungen Wasserleonburg, Treffen, Leonstein in Pörtschach und Vordernberg im Gailtal sowie die Bergwerksanteile in Idria und Bleiberg. Dazu kamen Bargeld und Pfandbriefe. Anna, nun Hauptgläuberin der Herren von Liechtenstein-Murau, erwarb 1574 den Murauer Besitz von ihrem Mann und dessen Brüdern sowie deren Güter in Niederösterreich und im Burgenland. Im Gegensatz zu ihrer geizigen Mutter war Anna sozial eingestellt. Sie ließ unter anderem im Jahr 1576 das Spitalsgebäude in Murau erweitern und unterstützte mittellose Menschen.
Nach dem Tod Christoph II. von Liechtenstein-Murau im Jahr 1580 heiratete Anna zwei Jahre später einen langjährigen Bekannten und ebenfalls Schuldner der Familie Neumann, Ludwig Freiherr Ungnad von Sonnegg, Sohn des Landeshauptmanns der Steiermark. Ludwig Ungnad war unter anderem Mundschenk des späteren Königs Maximilians II. und 1570 Burggraf in Klagenfurt. Nach drei Jahren Ehe starb Ludwig in Klagenfurt.
Der vierte Ehemann der Herrin von Murau war ihr vermögender Gutsnachbar im oberen Murtal, Carl Freiherr von Teuffenbach, den sie 1586 ehelichte. Wie sein Vorgänger Ludwig Ungnad war auch er evangelisch. Anna vermehrte in den kommenden Jahren ihr Vermögen weiter. Als sie bereits 75 Jahre alt war, wurde sie zum vierten Mal Witwe.

Als „Hexe“ verleumdet

Die reiche Herrin von Murau hatte wegen ihres Vermögens viele Neider. Auch der Umstand, dass sie mehrmals Witwe geworden war, gab Anlass zu Spekulationen und Verleumdungen. Man dichtete ihr eine „weiße Leber“ an und sie war zweimal in einen Hexenprozess verwickelt. Ihr wurde vorgeworfen, sie hätte „Hexen“ und „Zauberer“ zum „Wettermachen“ angestiftet, damit sie auf ihren Gütern eine reiche Ernte hätte. Die Beschuldigungen reichten aber nicht zu einer Verurteilung der Murauer Herrin.

Keine Nachkommen

Annas ältere Tochter Elisabeth heiratete 1576 den angesehenen Adeligen Leonhard von Kollnitz und nach dessen Tod Christoph Freiherrn von Auersperg aus der gefürsteten Linie der Auerspergs. Sie verstarb am 14. Mai 1592 kinderlos. Die jüngere Tochter Barbara verschied bereits am 28. November 1578 – sie war ledig. Anna Neumann hatte dadurch keine Nachkommen. Denn außer mit ihrem ersten Gemahl hatte sie mit keinem ihrer weiteren Ehemänner Kinder. Die Herrin von Murau fasste daher den Entschluss, das riesige Vermögen einer hochadeligen Familie weiterzugeben. Eine Adoption war damals nicht vorgesehen, es war nur eine weitere Ehe möglich.
Der dafür Auserkorene war der 30 Jahre alte Ferdinand Graf zu Ortenburg-Salamanca, den sie nach einem Trauerjahr am 1. November 1611 auf Schloss Murau heiratete. Ferdinands Vater Gabriel, der von Erzherzog Ferdinand mit der Grafschaft Ortenburg in Kärnten belehnt worden war, ließ das heutige Schloss Porcia in Spittal an der Drau errichten.
Für Anna, nun Gräfin von Ortenburg, war es nicht die letzte Ehe: Fünf Jahre nach der Hochzeit mit dem kränkelnden Grafen wurde sie 1616 zum fünften Mal Witwe.
Nun sollte der Besitz an die hochadelige Familie Schwarzenberg gehen. Die bereits 81-jährige Anna heiratete am 25. Juli 1617 den um fast 50 Jahre jüngeren Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg. Der am 24. Dezember 1586 geborene, spätere kaiserliche Gesandte stammte aus einer traditionsreichen Adelsfamilie. Sein Vater war Graf Christoph zu Schwarzenberg (1550 – 1596), seine Mutter Anna (1153 – 1622) entstammte der Familie Kärgl zu Furth. Vermittelt wurde die Ehe vom Ratgeber des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand, Johann Ulrich Freiherr zu Eggenburg. Einen Monat nach der Hochzeit verfügte Anna, dass ihr junger Mann nach ihrem Tod die Herrschaft Murau erben sollte. Schwarzenberg blieb weiterhin im Dienst des Kaisers Ferdinand, er kehrte erst kurz vor dem Tod Annas nach Murau zurück.

Der Tod der Murauerin

Als Anna am 18. Dezember 1623 im hohen Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ihrem jungen Mann nicht nur großen Besitz, sondern auch erhebliche Forderungen: So schuldete ihr unter anderem Kaiser Ferdinand II. die riesige Summe von 220.000 Gulden. Auch der Erzbischof von Salzburg, Marcus Sitticus, zählte zu den Schuldnern.
Als Angehörige des Augsburger Bekenntnisses wurde sie nicht in der katholischen Pfarrkirche Murau begraben. Erst einen Monat nach dem Tod wurde die Leiche in einem Grab in der Elisabeth-Spitalkirche in Murau beigesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sterblichen Überreste der Herrin von Murau in die Kapuzinerklosterkirche überführt und im Grab ihres letzten Ehemanns Georg Ludwig zu Schwarzenberg bestattet.
Der Kärntner Besitz der „Neumanin“, die Herrschaften Wasserleonburg und Treffen, gelangte nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren an den Erben des Urenkels ihrer Halbschwester Katharina Neumann, Christian Proy von Burgwalden, der im Juni 1625 bei einem Grundstücksstreit auf der Göriacher Alm erschlagen worden war. Anna hatte ihn im Testament mit der Herrschaft Wasserleonburg bedacht und auch mit dem Gedanken gespielt, ihm ihr ganzes Vermögen zu übertragen. Christians Sohn Georg Philipp Proy von Burgwalden war ab Juli 1635 Herr auf Wasserleonburg und Treffen.

Schwarzenberg auf Schloss Murau

Georg Ludwig zu Schwarzenberg ließ zwischen 1628 und 1641 vom süddeutschen Baumeister Valentin Kaut neben dem gotischen Gebäude das heutige Schloss Murau errichten. Das alte Schloss wurde abgetragen. Der Erbe von Annas riesigem Vermögen starb am 22. Juli 1646 in Freudenau – ohne Nachkommen. Der Murauer Besitz gelangte an seinen Cousin Johann Adolf Graf zu Schwarzenberg aus der rheinischen Linie. Er wurde 1670 in den Fürstenstand erhoben. Der Schwarzenbergische Besitz vergrößerte sich im Lauf der nächsten Jahrhunderte enorm. Der Hauptbesitz lag in Böhmen; er wurde 1947 vom kommunistischen Staat Tschechoslowakei enteignet („Lex Schwarzenberg“).
1965 übernahm Karl Johannes Schwarzenberg den reichen Besitz in Österreich von seinem Adoptivvater; nach dem Tod des älteren Bruders seines Adoptivvaters 1979 wurde er Oberhaupt des Hauses Schwarzenberg (12. Fürst von und zu Schwarzenberg, Herzog von Krumau, Graf von Sulz, gefürsteter Landgraf im Klettgau). Seit 2007 ist Karl Schwarzenberg Außenminister Tschechiens, vor einigen Jahren erhielt seine Familie Teile des enteigneten Besitzes in Tschechien wieder zurück.

Werner Sabitzer


Quellen:
Beckh-Widmannstetter, Leopold von: Studien an den Grabstätten alter Geschlechter der Steiermark und Kärntens, Berlin 1877/78.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Wieland, Wolfgang: Anna Neumann von Wasserleonburg. Die Herrin von Murau, Murau, 1999.

Januar 27, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , , | Noch keine Kommentare

„Robinson Crusoe“ aus dem Gurktal

Der aus Gurk stammende Leonhard Eisenschmied erlebte vor 200 Jahren phantastische Abenteuer im Mittelmeer-Raum – zumindest in seinen Erzählungen.

Mehrmals desertiert, als einziger Überlebender nach einem Schiffbruch auf eine unbewohnte Insel verschlagen, wo er 21 Monate verbrachte, von Piraten gerettet, versklavt, entflohen und schließlich nach Kärnten zurückgekehrt. Diese außergewöhnlichen Erlebnisse schilderte Leonhard Eisenschmied in seinem Buch „Merkwürdige Land- und Seereisen durch Europa, Afrika und Asien. Eine wahre Geschichte aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts.“ Dr. Wilhelm Wadl, Leiter des Kärntner Landesarchivs, hat im Jahr 2000 die Erzählungen Eisenschmieds in einer bearbeiteten und kommentierten Fassung im Verlag Johannes Heyn neu herausgegeben.

Leonhard Eisenschmied stammte aus Gurk. Sein Vater Nikolaus Eisenschmied dürfte um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Kunstgärtner nach Kärnten gekommen sein, war Bediensteter des Fürsten Porcia in Spittal und heiratete 1759 eine Kaufmannstochter aus Paternion. 1763 trat Nikolaus Eisenschmied in den Dienst des Gurker Domkapitels. Das Ehepaar hatte fünf Kinder; das jüngste, Leonhard, kam am 22. November 1770 im so genannten „Gartnerhaus“ des Domkapitels zur Welt. Das Geburtshaus wurde ein Jahrhundert später mit dem Nachbarhaus, dem „Waschhaus“ des Stifts, zusammengelegt; es handelt sich heute um das Gebäude Hauptstraße 3 und 5 in der Nähe des Gurker Doms.
Leonhard Eisenschmied war erst 17 Monate alt, als sein Vater 44-jährig starb. Die Einsegnung erfolgte von Sigismund von Hohenwart (1745 – 1825), dem späteren Generalvikar des Bistums Gurk und Bischof von Linz. Sigismund von Hohenwart galt gemeinsam mit seinem Lehrer Franz Xaver Wulfen als Pionier der naturwissenschaftlichen Forschung in Kärnten, vor allem der Botanik.
Leonhard Eisenschmied wuchs in Gurk auf und reiste als 13-Jähriger nach Laibach, wo ihm ein Gurker Domherr, vermutlich Sigismund von Hohenwart, eine Stelle als Handelslehrling vermittelte.

Drei Jahre lang diente der junge Gurktaler dem Kaufmann, der seinen Lehrling äußerst schlecht behandelt haben dürfte. Eisenschmied entschloss sich, Laibach dem Rücken zu kehren und nach Triest zu reisen, „um mich von meinem Vaterland auf immer zu entfernen und in anderen Weltgegenden mein Glück zu finden“, wie er schreibt.

In Triest begann das Abenteuer des jungen Gurktalers, der später vom Schriftsteller Franz Carl Weidmann in seinem Nachruf als „kärntnerischer Robinson“ bezeichnet wurde. Tatsache ist, dass Leonhard Eisenschmied einige Zeit auf Schiffen durch das Mittelmeer segelte und andere Länder kennenlernte. Bei seinen Erzählungen dürfte er allerdings ziemlich „geflunkert“ haben. Zu diesem Schluss kommt auch Historiker Wilhelm Wadl: „Die Robinsonade ist am meisten anzuzweifeln. Sie könnte durchaus ein bloßes Zugeständnis an die Erwartungshaltung von Eisenschmieds Zuhörern bzw. späteren Leser sein.“

Eisenschmied dürfte das 1720 auch in Deutsch erschienene Buch „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe (1661 – 1731) gekannt haben und sich daraus oder von einer der vielen Abhandlungen dieser Erzählung „geistige Anleihen“ genommen haben. Defoe schildert die Erlebnisse des Oberbootsmanns Alexander Selkirk, der 1705 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf einer Insel im Pazifik ausgesetzt worden war und dort vier Jahre gelebt hatte.
Der „Gurktaler Robinson“ heuerte nach seiner Flucht aus Laibach im Sommer 1787 unter falschem Namen auf einem holländischen Handelsschiff an, kam im Mittelmeer in einen schweren Sturm und strandete vor einer kleinen Insel in der Nähe von Kreta. Seinen Erzählungen nach überlebte Eisenschmied als einziger den Schiffbruch. Fast zwei Jahre verbrachte er auf der unbewohnten Insel, dann wurde er von Seeräubern gerettet. Einige Wochen später nahm eine venezianische Schiffsbesatzung die Piraten gefangen; Leonhard Eisenschmied konnte seine Unschuld glaubhaft vorbringen und trat in die venezianische Marine ein.

Die nächsten Schiffsreisen führten den Abenteurer an die nordafrikanische Küste – nach Algier und Marokko. Im Februar 1792 desertierte der Gurktaler und fuhr auf einem maltesischen Schiff weiters. Wenige Wochen später geriet er in Gefangenschaft und landete als Sklave in Algier. Im Oktober 1792 gelang ihm die Flucht aus der Sklaverei. An Bord eines Handelsschiffs segelte er nach Marokko und Tunesien, danach trat er wieder in die maltesische Marine ein. Im Februar 1793 wurde Eisenschmied als venezianischer Deserteur aufgegriffen und einige Monate ins Gefängnis gesteckt. Nach der Strafverbüßung kam er auf einem venezianischen Kriegsschiff nach Korfu, flüchtete dort und wurde Sklave bei einem „vornehmen Türken“. Im Sommer 1794 entließ ihn sein Herr aus dem Dienst. Leonhard Eisenschmied kehrte auf venezianisches Gebiet zurück, unterwegs überfielen ihn Räuber. Nach einem neuerlichen Gefängnisaufenthalt wegen Desertion trat der inzwischen 25-jährige Kärntner wieder in den Dienst der venezianischen Marine ein. Im Juni 1797 besetzten Franzosen Korfu; im September darauf flüchtete Eisenschmied von Korfu nach Albanien, wo er als Eseltreiber im Sklavendienst arbeiten musste. Von Albanien gelang ihm im Jänner 1798 die Flucht; er wurde von der Besatzung eines kroatischen Handelsschiffs gerettet. Ende Februar 1798 kam Eisenschmied in Venedig an. Am 23. März 1798 später trat er zu Fuß seine Reise nach Kärnten an; vier Tage traf er in Unterloibl ein.

Das Wiedersehen mit seiner Mutter in Gurk schildert Leonhard Eisenschmied in eindrucksvoller Weise: „Als ich die Spitze der Kirchtürme erblickte, konnte ich mich der Tränen nicht enthalten. Mein Herz schlug immer heftiger, bis wir vor der Wohnung meiner Mutter Halt machten. Sie stand schon unter dem Haustor; allein, ich kannte sie nicht eher, bis es mir mein Bruder sagte. Dann floh ich aus dem Wagen in ihre Arme. Sie drückte mich fest an ihren Busen, ohne ein Wort hervorbringen zu können. Die Heftigkeit der Gefühle nach ihr alle Worte. Sie sank in eine Ohnmacht…“

Leonhard Eisenschmied galt von nun an in Kärnten als Attraktion, er wurde herumgereicht, erzählte seine „Erlebnisse“ und schrieb sie schließlich auf. 1806 heiratete der Abenteurer in Schwarzenbach im Mießtal – gegen den Willen ihrer Eltern – seine langjährige Freundin Johanna Nepomuzena Edle von Guschgy, mit der er einen sechsjährigen Sohn hatte. Dieser wurde Priester und starb 1840 als Pfarrer in der Untersteiermark.1807 erschienen seine Erzählungen unter dem Titel: „Merkwürdige Land- und Seereisen durch Europa, Afrika und Asien. Eine wahre Geschichte aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts“. Die beiden Bände stießen auf reges Interesse; fünf Jahre später gab es eine zweite Auflage.
Leonhard Eisenschmieds weiteres Leben blieb unspektakulär. Er erhielt eine Stelle als Mauteinnehmer an der Mießbrücke in Unterdrauburg, wo er im Frühjahr 1824 starb.

Werner Sabitzer

Januar 27, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , | Noch keine Kommentare