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Ein Räuberhauptmann in Weitensfeld

Vor genau 200 Jahren starb der bekannteste Räuber der Kärntner Geschichte, Simon Kramer, genannt Krapfenbäck Simele. Er trieb auch im Gurktal sein Unwesen und brach aus dem Gemeindekotter in Weitensfeld aus.

Seit zwei Jahren war er hinter ihm her, nun sollte er endlich gefasst werden: Anton Lackner, Pfleger der Landgerichte Kraig und Nussberg bei St. Veit an der Glan, hatte Hinweise erhalten, dass sich der berüchtigte Räuberhauptmann Simon Kramer, genannt Krapfenbäck Simele, in den Bergen südlich des Wimitzgrabens aufhalten sollte. Lackner stellte aus zwölf Kärntnern eine Landgerichtswache zusammen und durchsuchte mit seinen Leuten am 17. September 1809 Hütten, Schupfen und Keuschen in dieser Gegend. Gegen 22 Uhr kam die Wache zum Gasthaus Wegscheider bei Hoch St. Paul, das noch gut besucht war. Im Gastzimmer spielten einige Burschen Karten, andere sahen ihnen zu, unter anderem der gesuchte Simon Kramer.
Landgerichtspfleger Lackner schrieb die folgenden Ereignisse in einem Rechtfertigungsbericht nieder: „Gleich beim Eintritt erkannte ich den berüchtigten Mörder und Strassenräuber-Anführer Simon Kramer, gemeinhin Krapfenbacher Simerl … Ich ergriff den Missethäter rasch und entschlossen bei der Brust, rufte ihn zu, sich nicht zu rühren, sich der anwesenden Gerichtswache zu ergeben, als in widrigen, wenn er zu entweichen, zu Waffen greifen oder gar sich zur Gegenwehr zu rüsten Mühen machen werde, ich ihn auf der Stelle erschüssen lassen werde.“ Laut Lackner hätte Kramer ihn sofort weggestoßen, ein Messer aus der Tasche gezogen und wäre auf die Wache losgegangen. „So verschwand alle Hoffnung, den Missethäter lebendig oder auch nur schwer verwundet zur Bahre zu bringen. Wenn nicht im Augenblicke, während er mich und meinen Nebenmann auf die Seite schmieß, sein Stillet zog und sich damit in den Haufen werfen wollte, ein Schuß von den unsrigen Wächtern gefallen wäre, der ihn an der rechten Seite des Halses getroffen und ihn zu Boden fallen machte, so wären nicht einer oder der andere sondern die meisten von uns unglücklich entweder schwer verwundet oder gar tod gestochen worden“, heißt es im Bericht Lackners. Die Bleikugel riss eine große Wunde in den Hals des 24-jährigen Simon Kramer. Der berüchtigte Kärntner Räuber verblutete in der Wirtsstube.
Lackner und seine Wache erhielten 100 Gulden, die als Belohnung auf die Ergreifung Kramers ausgesetzt waren; die Landesadministration versicherte dem Landesgerichtspfleger „die diesseitige vollkommene Zufriedenheit mit seinem eben so klugen als muthvollen Benehmen“. In Klagenfurt befahl General Freiherr von Rusca, „daß der todte Körper hieher verschafft, auf der Strasse zwischen hier und Maria Saal unfern des Weges ein Galgen errichtet, und auf selben der todte Körper aufgehangen, daneben ein Pfahl errichtet, auf selben der Nahmen dieses Verbrechers mit Benennung des Orts seiner Anhaltung resp. Tödtung und mit ausdrücklichen Beisatz, daß dies auf Befehl des Herrn Generals geschehe, aufgestellt werde“.
Am 19. September wurde der Leichnam nach Klagenfurt verschafft, am nächsten Tag hängten ihn die Franzosen auf dem Galgenbichl bei Annabichl auf. Der Tote dürfte mehrere Tage zur Abschreckung am Galgen gehangen haben.
So schändlich endete das kurze Leben Simon Kramers, der berüchtigsten Räubergestalt Kärntens.

Diebsunterricht beim Vater

In Erzählungen und Sagen wird Simerl als „Bäckerssohn aus Weitensfeld“ bezeichnet. In Franz Pirkers Sammlung von Sagen in und um Weitensfeld heißt es, Krapfenbäck Simale sei ein Weitensfelder gewesen, sein Vater habe eine Bäckerei besessen, die heute noch Rannerbäck heißen soll. Das stimmt nicht, wies der Grazer Hans-Peter Weingand nach, der über den Räuber eine Biographie schrieb: Simon Kramer wurde 1785 in der „Rinderkeische“ in Möderndorf im Zollfeld geboren und am 16. Jänner 1785 vom Tanzenberger Kooperator getauft. Sein Vater Sebastian Kramer war Besitzer der „Krapfenböck“-Keusche in der Nähe von Pörtschach an der Straße nach St. Veit bei der Abzweigung nach Möderndorf. Die Familie ließ sich später in St. Veit an der Glan nieder und wohnte in einem Haus in der Bräuhausgasse 19.
Schon als Jugendlicher beteiligte sich Simon Kramer an Diebstählen und Raubzügen. Er sagte später vor Gericht aus, bei seinem Vater hätten sich Diebe und Räuber versteckt, er habe sie reden hören; sein Vater habe ihm einen Dietrich in die Hand gedrückt und gesagt, er solle davon Gebrauch machen.
Simons Freundin, Juliana Regenfelder, Tochter eines Kürschners in Sörg, arbeitete schon mit zehn Jahren als Dienstmagd auf Bauernhöfen, brachte ein Kind zur Welt, und lernte schließlich den wesentlich jüngeren Kramer kennen und lieben.
Viele Komplizen Kramers stammten aus desolaten Verhältnissen und mussten schon als Kinder arbeiten. Die Bauern hatten das Recht, Adoptivkinder auszubeuten, als „Entschädigung für die Kosten“, wie es in einem Hofdekret hieß.
Die Kriminalität war um 1800 hoch, mehr als die Hälfte der Bewohner Kärntens war am Existenzminimum. Diebe und Räuber wurden von den Einheimischen oft versteckt. Es gab viele Deserteure, Herumtreiber.
Simon Kramers „Spezialität“ waren Überfälle in der Nacht. Er und seine Komplizen besuchten die Bauernhöfe auch am Sonntagvormittag, wenn die Bauersleute in der Kirche waren. Meist waren es Dienstmägde, die am Hof angetroffen und überfallen wurden.

Ausbruch aus dem Weitensfelder Gemeindekotter

Mehrmals dürfte Simerl in Weitensfeld gewesen sein. Einmal brachte er mit einem Fuhrwerk Zwetschken nach Weitensfeld; das Pferd hatte ein Komplize auf dem alten Platz in Klagenfurt gestohlen.
Am 22. Juni 1807 zechte Simon Kramer mit seinem Kumpanen Philipp „Lipp“ Schuster in einem Gasthaus in Weitensfeld. Lipp war das unehelich geborene Kind einer Gurkerin und nannte sich auch Jakob Tschreiter. Am Tag davor hatten die beiden Männer in der Nähe von Neumarkt einen Bauern überfallen und ihm unter anderem 228 Gulden geraubt. Die Räuber wurden aufgegriffen und in den Kotter des Marktgerichts Weitensfeld gesperrt. Kramer und Schuster hatten noch Geld und Gegenstände bei sich, die vom Überfall in Neumarkt und von einem Raubzug in Brückl stammten.
Simon Kramer konnte in der Nacht auf den 26. Juni aus der Zelle flüchten. Es gelang ihm, mit einem schmalen Brett das Schloss seines Fußeisens abzudrehen. Danach brach er den morschen Fußboden auf, schlug ein Loch in die schwache Mauer und gelangte ins Freie. Er tauchte im Raum Villach unter. Sein Komplize Lipp blieb in der Zelle, er wurde am nächsten Tag in das sichere Landgericht Albeck überstellt und am 7. Dezember in das Landgericht Straßburg gebracht, weil man einen Befreiungsversuch durch Simon Kramer befürchtete. Dieser hatte knapp drei Wochen vorher seine Freundin Juliana aus dem Arrest im Schloss Margaregg bei Klagenfurt befreit. Sie war mit zwei Tiroler Komplizen verhaftet und in den Arrest gesteckt worden, bewacht von zwei unbewaffneten Bauern. Kramer und einige Freunde verschafften sich am 19. November 1807 am Vormittag unter einem Vorwand Zugang zum Kerkerraum, überwältigten die beiden Wächter und die Amtsdienerin. Simerl schlug die Fußeisen seiner Freundin ab und flüchtete mit ihr.

Der erste Steckbrief

Nach der Flucht ließ sich Kriminalrichter Ferdinand von Litzelhofen die Personsbeschreibung des Simerl vom Marktgericht Weitensfeld zusenden und fertigte einen Steckbrief an; den wahrscheinlich ersten über Simon Kramer:
„Personsbeschreibung: Eines herumstreichenden, sehr diebsgefährlichen Burschen, der Krapfenbacker Simele genannt, welcher mit dem hier verhafteten berüchtigten Dieb Laurenz Strauß gemeinhin Priditsch in einer Verbindung zu seyn beinzichtigt wird.
Dieser Mensch ist aus der hierländischen Stadt St. Veit gebürtig, bei 20 Jahre alt, und zimlich grosser untersezter Statur, hat ein rundes, gut gefarbtes Angesicht, schwarze Augen, braune Haare und einwärts gebogene Knie.
Am Leibe trug er lezthin ein kurzes braunes Jankerl, ein blaulich zeugenes Leibl, schwarzlederne kurze Hosen, Stiefel und einen runden hohgupfigen Hut.“
Der vom Bistum Gurk im Landgericht Albeck eingesetzte Gerichtspfleger Josef Marx hatte erfahren, dass sich Mitglieder der Kramer-Diebsbande öfters an der Wegscheide bei Hoch St. Paul und beim Kreuzwirt am Zammelsberg aufhielten. Die beiden Gegenden wurden am 13. und 14. Dezember abgesucht und Häuser durchsucht.
Zwei Wochen später, am 30. Dezember 1807 wurde Simon Kramer in einem Wirtshaus beim verbotenen Kartenspiel gefasst. Er wehrte sich, ein Amtsdiener wurde dabei leicht verletzt. Am 2. Jänner 1808 wurde der Steckbrief widerrufen. Am 9. Jänner brachte man den Krapfenbäck Simele in das Landgericht Klagenfurt; vier Tage später begann die Untersuchung. Auch einige Komplizen Kramers wurden nach Klagenfurt überstellt. Seine Geliebte Juliana Regenfelder wurde am 16. April in der Nähe von Althofen festgenommen.

Lebenslanger, schwerer Kerker

Ende 1808 schloss das Klagenfurter Kriminalgericht die Untersuchung ab. Zahlreiche Mittäter und Mitwisser, darunter Kramers Vater, wurden angeklagt, einige von ihnen waren bereits verurteilt worden. Insgesamt zählte das Gericht 43 Personen zum Kreis des Simon Kramer. 35 Straftaten in den Jahren 1806 und 1807 wurden dem Räuberhauptmann vorgeworfen, darunter acht Raubüberfälle und 23 Diebstähle. Dazu kamen ein Mord, ein Raub und weitere sechs Diebstähle, an denen seine Komplizen beteiligt waren. Bei einem großen Teil der Diebstähle wurden lediglich Lebensmittel erbeutet, wie Speck und Fleisch, sowie Kleidungsstücke.
Simerl und einige Komplizen überfielen unter anderem zwei nicht besonders begüterte Bauern in Sörg auf brutale Weise und drangen in der Nacht des 17. November 1807 in den Pfarrhof Außerteuchen ein. Dort überwältigten sie die Magd und stahlen 250 Gulden. Ein Gulden entsprach im Jahr 1807 dem Wert von etwa fünf Euro.
Das Kriminalgericht als erste Instanz verurteilte Kramer zu lebenslangem schweren Kerker, verbunden mit öffentlicher Arbeit in Eisen und Ausstellung auf der Schandbühne. Der gewalttätige Klement Obernosterer, der bei den Raubzügen die treibende Kraft war und eine Frau erschlagen hatte, wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Appellationsgerichts änderte das Todesurteil in lebenslangen, schweren Kerker sowie zur Aufstellung auf der Schandbühne.

„Sehr gefährliche Flüchtlinge“

Simon Kramer und seine „Julerl“ konnten am 23. Februar 1809 aus dem Kriminalgericht Klagenfurt flüchten. Tags darauf veröffentlichte die k. k. Kärntner Polizeidirektion in Klagenfurt einen Steckbrief mit der Personsbeschreibung der beiden Geflüchteten: „Personsbeschreibungen
Des Simon Krammer gemeinhin Krapfenbackersimerl, und der Juliana Regenfelderin, welch beide wegen Raub und Diebstahl hier in der Untersuchung gestanden, und gestern Abends aus dem hiesigen Kriminalgefängniß entflohen sind.
Er ist aus der hierländigen Stadt St. Veit gebürtig, etwas über 20 Jahre alt, und grosser untersezter Statur, hat ein rundes, volles Angesicht, braune Augen, dunkelbraune abgeschnittene Haare, und einwärts gebogene Knie.
Am Leibe hatte er bei der Entweichung: ein altes grüntuchenes Jankerl, ein brauntuchenes Leibl, schwarzlederne Hosen mit grünem Hosenträger, weißbaumwollene Strümpfe, Stiefel, ein roth und weiß gewürfelt – seidenes Halstuch, dann ein grünsametnes Kapel ohne Bräm. Sie ist zu Sörg im hierländigen Burgfried Gradenegg gebürtig, 34 Jahr alt, ledig, und mitlerer, zimlich untersezter Statur, hat ein etwas länglicht – gut gefarbtes, glates Angesicht, dunkebraune haare, derley Augen auch Augenbräume und Mangel der vordern obern Zähne. An Kleidung hatte selbe bei ihrer Entweichung: ein grünlicht tuchenes Karsetl, einen weißkottunenen Kittel mit braunen Blümeln, ein blau und weiß gewürfelt – leinwandenes Mieder, ein weisses, auch blaues Vortuch, ein blau und weiß gewürfelt – baumwollenes Halstuch, weißwollene gestreifte Strümpfe, schwarzlederne Schuhe und einen schwarzen hohgupfigen Hut.
Ist diesen sehr gefährlichen Flüchtlingen mit allem Fleiße nachzuspüren, und bei Betretten die Anzeige davon sogleich hieher zu machen.“
Zwei Komplizen Kramers konnten später aus dem Gefängnis ausbrechen. Die französischen Besatzer hatten aus „Fortifikationsrücksichten“ angeordnet, Teile der Befestigungsanlagen und einige andere Gebäude in Klagenfurt und vor der Stadt zu sprengen, unter anderem das auf dem heutigen Waagplatz gelegene Kriminalarresthaus. Die Häftlinge mussten innerhalb von 24 Stunden verlegt werden. Sie kamen in das Militärstockhaus der Stadtkaserne am heutigen Domplatz. Als der Kerkermeister am 6. September 1809 in der Früh die Zellen kontrollierte, waren die beiden Mittäter des Räuberhauptmanns und drei andere Häftlinge verschwunden. Sie hatten mit Nägeln aus einem Brettergestell die nur etwa 30 Zentimeter dicke Mauer des Gefängnisses durchbrochen und waren nach dem Öffnen der Stadttore um sechs Uhr früh aus Klagenfurt geflüchtet.

Vergeltungsmaßnahmen der Besatzer

Simerl Kramer dürfte nach seiner neuerlichen Flucht aus dem Gefängnis weiterhin Diebstähle und Raubüberfälle begangen haben. In einigen Sagen wird Kramer als „Räuber vom Wolschartwald“ genannt. Nicht gesichert sind auch Überlieferungen, Simerl habe Überfälle auf die französischen Besatzer verübt und die Kriegskasse geraubt. Nach einem Überfall auf einen französischen Korporal im Wolschartwald Anfang September 1809 brachte Landgerichtspfleger Lackner in Erfahrung, die Täter seien „der berüchtigte Verbrecher Krapfenbäck Simmerl mit seinen Laster Gespänen, die bekanntermaßen bald hier, bald da ihr Wesen auf der Strassen treiben, und besonders auf Reisende lauern.“ Ein ähnlicher Überfall ereignete sich kurze Zeit später zwischen Velden und Villach.
Die französischen Besatzer setzten daraufhin die Landesadministration unter Druck. In einem Aushang „an die Bewohner von Kärnten“, datiert mit 17. September 1809, wurde die Bevölkerung vom Divisionsgeneral Freiherr von Rusca aufgefordert, Überfälle auf französische Soldaten sofort zu melden, ansonsten drohten Vergeltungsmaßnahmen: „Diese Frevelthaten müssen in ihrer Geburt erstickt und mit der Wurzel ausgerottet werden; und um diesen Zweck zu erreichen, sehe ich mich nothgedrungen euer Schicksal mit dem ihrigen zu verbinden; eine Maßregel, welche zwar die Strenge eingiebt, welche aber das Wohl der Reisenden erfordert, und eure Gleichgültigkeit dabei, nothwendig macht.
In Folge dieses benachrichtige ich euch, daß so oft ein Militärist oder Beamte von der Armee; oder aber ein Kourier oder Reisende auf den Strassen der Provinz, entweder übel behandelt, oder gewaltsam angegriffen und bestohlen werden wird, die Gemeinde auf deren Gebieth das Verbrechen begangen worden ist, mit militärischer Exekution belegt werden solle. Indeß aber werde ich aus jenen Gegenden, allwo ein dergleichen Ereignis sich zugetragen hat, Geißeln ausheben; und auf diese werden die Strafen jener Verbrechen fallen, welche in diesen Tagen begangen werden, falls in einem Zeitraum von 14 Tagen die Schuldigen durch euer Bestreben nicht entdeckt und festgesetzt worden seien.“
Mit dem gewaltsamen Tod des Räuberhauptmanns Simon Kramers endete eine große Bedrohung in Kärnten. Nach und nach wurden seine Komplizen verurteilt; auch die Wirtsleute vom Wegscheiderwirt wurden wegen des Verdachts der Hehlerei festgenommen, sie dürften aber nur wenige Monate eingekerkert gewesen sein. Kramers Freundin Juliane Regenfelder starb am 14. Dezember 1832 in der Pfarre Sörg 60-jährig an einem Schlaganfall.

Rebell und Kärntner „Robin Hood“?

In Sagen und anderen Überlieferungen wird Simon Kramer als „Rebell“ gegen die Franzosen und als Kärntner „Robin Hood“ dargestellt. Er hätte den Reichen genommen und den Armen gegeben. Tatsächlich waren Kramer und seine Komplizen Kriminelle, die aus Eigennutz Diebstähle und brutale Raubüberfälle verübten.
Über das Leben des berüchtigten Krapfenbäck Simerle wurden Theaterstücke geschrieben und es gibt zahlreiche Sagen über den „Wohlscharträuber“; ein Filmprojekt scheiterte vor einigen Jahren an der Finanzierung. Anfang der 1950er-Jahre schrieb der Lehrer Ludwig Skumautz das Volksstück „Die Wolscharträuber“. Am Ende des Stücks stirbt Krapfenbäck Simerl durch eine Kugel. Später schrieb Skumautz das Stück um: Der Simerl sollte weiterleben. In der Neufassung springt Krapfenbäck auf und schreit: „Mit Mausdreck erschiaßt’s kan Gauner!“

Werner Sabitzer

Quellen:
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Chronik der Gemeinde St. Urban.
Pirker, Franz: Sagen in und um Weitensfeld, bearbeitet von Günther Biermann, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 2008.
Weingand, Hans-Peter: Krapfenbäck Simerl. Leben und Sterben eines legendären Kärntner Räubers.1996.
Zenegg-Scharffenstein, Emmerich: Krapfenbacher Simerl. Der Kärntner Räuberhauptmann. In: Freie Stimmen, Folge 186, 1931, S. 2-3.

TIPP: Simon Kramer in der Landesausstellung 2009

Die Geschichte des Räuberhauptmanns Simon Kramer ist Teil der Landesausstellung „Karambolage 1809“ im Landesmuseum Klagenfurt. Die Ausstellung ist bis 26. November 2009 zu besichtigen.
Landesmuseum Kärnten, 9021 Klagenfurt, Museumgasse 2, Telefon 050-536-30599, www.landesmuseum.ktn.at

Räuberhauptmann Simon Kramer

September 28, 2009 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | | Noch keine Kommentare

Das Hochwasser in Weitensfeld im Jahr 1909

Vor 100 Jahren, vom 7. bis 9. Oktober 1909, kam es in Weitensfeld zu einer der größten Überschwemmungen in der Geschichte der Marktgemeinde.

In der Nacht auf den 7. Oktober 1909 regnete es ununterbrochen in Strömen. Die Gurk stieg langsam an, trat an einigen Stellen über die Ufer und am Vormittag wurden die ersten Sägehölzer angeschwemmt. Es regnete weiter. Feuerwehrhauptmann-Stellvertreter Ferdinand Gorton und Oberlehrer Ferdinand Schwarz alarmierten um zehn Uhr die Feuerwehr; Bürgermeister Josef Rettl befand sich nicht in Weitensfeld. Inzwischen stand die Mühlwiese, die Gorton-Mühle, das Elektrizitätswerk, die Säge, die Trattenschmiede und einige Häuser auf der „Tratten“ unter Wasser. Feuerwehrleute, Gendarmeriebeamte und Freiwillige bargen die Getreide- und Mehlvorräte aus der Gorton-Mühle und brachten auch die Bewohner und das Vieh aus dem gefährdeten Gebiet. Urban Begusch, Besitzer des Bärenwirts, rettete Kinder und zwei alte Frauen aus den Fluten, die ihm bis zur Hüfte standen.

Dammbruch wegen Verklausung

Bei den Brücken und Wehren wurde versucht, Verklausungen durch angeschwemmtes Holz zu verhindern. Die Fluten rissen Tausende Sagstöcke von Holzlagern in Kleinglödnitz mit.
Wegen einer Verklausung brach der Damm der Gurk oberhalb der Herzele-Säge und die Fluten strömten an der Kirche vorbei durch die Kirchgasse und die Gärten des Sattler-, Tischler- und Pfandl-Hauses in den Markt – 30 Häuser standen innerhalb einer halben Stunde unter Wasser. Die Bewohner konnten sich in die oberen Stockwerke retten. Die Geschäfte Filipowsky (heute: Mosser), Gutzelnig (heute: Bernhard-Haus) und Großmann (heute: Hlebcar-Haus) wurden überflutet, ebenso die Häuser des Gerbermeisters Veit Anderiasch, des Schuhmachers Eusebius Seitlinger, des Wagnermeisters Anton Burger und des Distriktsarztes Freiherr von Jabornegg (heute: Napotnik-Haus). An vielen weiteren Häusern entstanden große Schäden, unter anderem beim Bärenwirt, beim Gorton-Haus und in der Bäckerei Lukas Smrekar (heute: Hochsteiner-/Ortner-Haus). Die Bäckerei wurde unterspült und musste gegen das Mosser-Haus gestützt werden musste.
Um zwei Uhr stand der Telegraphenapparat in der Post im Kalsberger-Haus (heute: Terkl-Haus) unter Wasser. Es regnete weiter und das Hochwasser stieg an. Um zehn Uhr nachts wurde beim Smrekar-Haus ein Wasserstand von 178 Zentimetern gemessen.
Der Bezirkshauptmann von St. Veit/Glan kam am Abend mit dem Gurktaler Zug nach Weitensfeld; er übernahm die Leitung über den Katastropheneinsatz. Inzwischen war auch Bürgermeister Josef Rettl nach Weitensfeld zurückgekehrt. Mit provisorisch zusammengebauten Flößen wurde versucht, zu den in den Häusern eingeschlossenen Bewohnern zu kommen. Dabei kam es in den reißenden Fluten zu lebensgefährlichen Situationen.
Am 8. Oktober gelang es mutigen Helfern, die Verklausung bei der Herzele-Säge zu lösen, das Hochwasser konnte dadurch besser abfließen. Der Wasserstand begann sich zu senken. Am Nachmittag konnten die Eingeschlossenen im unteren Markt mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden.

Enorme Schäden im Gurktal

Als sich am 9. Oktober die Situation normalisierte, wurde das Ausmaß der Schäden ersichtlich: In vielen Häusern waren Fußboden herausgerissen, Türen und Fenster sowie viele Einrichtungsgegenstände waren fortgeschwemmt. Auch die Gurktalbahn war vom Hochwasser betroffen. Bei der Dürrmühle war der Gleiskörper unterspült.
Auch in Gurk und Strassburg gab es schwere Schäden durch die Fluten. In Mellach wurde ein Müller in der Zechner-Mühle vom Hochwasser eingeschlossen. Drei Tage musste er darin ohne Nahrung ausharren, bis er am 9. Oktober vom Prosseggerwirt Alois Wintschnig gerettet wurde. Wintschnig band sich ein Seil um den Körper und schwamm zur Mühle. Mit dem Strick konnte ein Drahtseil zur Mühle gezogen werden, das Wintschnig auf dem Giebel der Mühle befestigte. Der Müller wurde auf einem Brett festgeschnallt und auf dem Drahtseil in Sicherheit gezogen. Auch Wintschnig rettete sich auf dem Drahtseil ans Ufer.
Am 10. Oktober, einem Sonntag, kam eine Infanterie-Einheit ins Gurktal, später auch ein Pionierzug. Die Soldaten errichteten in Strassburg, Gurk und Weitensfeld Notstege über den Fluss. Von den 18 Brücken und Stegen in Weitensfeld blieben nur die alte Pirkerbrücke in Kleinglödnitz und die Brücke beim Brückenschmied stehen, alle anderen wurden von den Fluten fortgerissen. Zwischen Gurk und Pöckstein blieben ebenfalls nur zwei Brücken stehen – beim Pratz und in St. Magdalen.
Der Kärntner Landespräsident Robert Freiherr von Hein besuchte Weitensfeld und versprach Hilfe des Landes Kärnten und des Reichs. Ferdinand Gorton verzichtete auf seinen Anteil am Entschädigungsgeld zugunsten ärmerer Weitensfelder. Die Reste des Herzele-Wehrs wurden abgebaut.

Bau des Hochwasserschutzdamms

Im September 1919 gab es in Weitensfeld eine weitere schwere Überschwemmung, die wiederum großen Schaden anrichtete. Zwei Jahre später wurde endlich mit dem Bau eines wirksamen Hochwasserschutzdamms begonnen. Der inzwischen zum Landesrat avancierte Josef Rettl und sein Nachfolger als Bürgermeister, Laurenz Knaflitsch, leisteten bei den Landesbehörden Überzeugungsarbeit.
Josef Rettl (1858 – 1945) war Gastwirt, Bürgermeister von Weitensfeld von 1897 bis 1919 sowie Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von 1886 bis 1900 und von 1904 bis 1910, außerdem war er Gründer und Obmann der Raiffeisenkasse Weitensfeld. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in die provisorische Landesversammlung berufen, wo er bis Juli 1921 Landtagsabgeordneter war. Danach war er Landesrat-Stellvertreter und von November 1923 bis Mai 1927 wieder Landtagsabgeordneter. Ab 1919 war er Bezirksvertreter des Landbunds. Oberveterinärrat Laurenz Knaflitsch (1871 – 1945) war Tierarzt und von 1920 bis 1924 Bürgermeister von Weitensfeld.
Im Sommer 1921 begannen etwa 50 Arbeiter mit dem Bau des Uferschutzdamms, der im Spätherbst 1921 abgeschlossen wurde. Gleichzeitig wurde die Gurkbrücke bei der Brückenschmiede erneuert und die Wasserwehre bei der Gortonmühle tiefer gelegt und mit Schleusen versehen. Ein Drittel der Kosten in der Höhe von neun Millionen Kronen musste die Marktkommune beitragen. Josef Rettl wurde wegen seiner Bemühungen zum Dammbau und anderer Verdienste im Jahr 1921 zum Ehrenbürger der Gemeinde Weitensfeld ernannt.
1939/40 wurde der Damm von der Firma Elias Merl verstärkt und erhöht. Dadurch fiel der Schaden beim Hochwasser im Frühsommer 1946, bei dem der höchste jemals gemessene Wasserstand der Gurk erreicht wurde, nicht allzu hoch aus. Nach diesem Hochwasser wurde der Uferschutzdamm um einen halben Meter erhöht – mit Mitteln aus dem Katastrophenfonds des Landes Kärnten und durch Sonderzuteilung von Baumaterial.

Werner Sabitzer

Quellen:
Brachmeier, Hartmut: Hochwässer und Hochwasserschutz in Weitensfeld, in: Weitensfelder Kulturbote, Nr. 4/2001, S. 4-8.
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Zeloth, Thomas (Hg.): Weitensfeld. Eine Marktgemeinde im Herzen des Gurktales. Klagenfurt, 2008.

September 28, 2009 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | , , , , | Noch keine Kommentare

Minister, Richter und Poet

Vor 200 Jahren wurde in Klagenfurt Adolf Ritter von Tschabuschnigg geboren. Er war einer der bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts in Österreich; heute ist er weitgehend vergessen.

Adolf Ignaz Ritter von Tschabuschnigg wurde am 20. Juli 1809 in Klagenfurt geboren. Sein Vater Leonhard hatte in Klagenfurt ein Haus geerbt. Die kleinadelige Familie Tschabuschnigg stammte aus Oberkärnten. Im Jahr 1637 wurde in Kreuzen Paul Tschabuschnigg geboren, als Sohn eines Hackenschmieds. Mit Unterstützung einer Stiftung des Grafen von Ortenburg konnte der talentierte Bursche im Ausland studieren. Er war wirtschaftlich erfolgreich und wurde 1682 in den Adelsstand erhoben. Einer seiner Söhne, Johann Baptist, war Gewerke und kaufte von den Herren von Leobenegg das Gut Raknitzhof. Er wurde „Reichsritter von Zabuesnig“ und seine Nachfolger waren Handelsherrn in Augsburg und Venedig. Johann Christoph von Zabuesnig (1747 – 1827) war Kaufmann, Schriftsteller, Übersetzer und Bürgermeister in Augsburg. 1817 wurde er mit 72 Jahren zum Priester geweiht.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg studierte ab 1826 Rechtswissenschaften an der Universität Wien und war ab 1832 im Staatsdienst tätig. Er unternahm viele Reisen. 1836 kam er als Gerichtspraktikant nach Triest, wo er acht Jahre blieb und sich mit Francesco Dall’Ongaro anfreundete, einem Lyriker und Herausgeber der Kulturzeitschrift „La Favilla“. Seine Eindrücke in Triest hat Tschabuschnigg in zwei Kapiteln seines 1842 erschienenen „Buchs der Reisen“ festgehalten – einen Beitrag über die „Sartorelle“, die Nähmädchen, und einen Text über den Hafen und den Handel. 1844 kam Tschabuschnigg nach Klagenfurt zurück, wo er eine Stelle bei Gericht bekam.
Im Revolutionsjahr 1848 befürwortete er Reformen. In den „Wiener Sonntagsblättern“ schrieb er angesichts des drohenden Zerfalls der Monarchie einen Essay über die Nationalitätenfrage.
1850 wurde er Oberlandesgerichtsrat in Klagenfurt, ab 1854 war er beim Oberlandesgericht Graz tätig und 1859 wurde er Hofrat beim Obersten Gerichtshof in Wien.

Karriere als Schriftsteller

Seine Karriere als Schriftsteller begann mit der Veröffentlichung seiner „Gedichte“ im Jahr 1833. Weitere Gedichte erschienen ab 1838 in der Zeitschrift „Carniola“, einer deutschsprachigen Publikation in Laibach. Das 1841 erschienene Werk „Ironie des Lebens“ war die erste längere Novelle. Die Werke Heinrich Heines hatten einen starken Einfluss auf den Kärntner Literaten.
1846 erschien Tschabuschniggs Erzählung „Das Haus der Grafen Owinski“. In seinen Romanen „Die Industriellen“ (1854) und „Sünder und Thoren“ (zwei Bände 1875) kritisierte der großbürgerliche Liberale die sozialen Missstände in der Monarchie. In „Sünder und Thoren“ beschreibt Tschabuschnigg neue Formen der Geldwirtschaft und die Folgeprobleme. Die zweite Auflage von „Die Industriellen“ erschien 1876 unter dem Titel „Fabrikanten und Arbeiter“. Weitere Werke waren „Buch der Reisen“ (1842), „Neue Gedichte“ (1851), „Aus dem Zauberwalde“ (1856), „Der moderne Eulenspiegel“ (zwei Bände, 1846) und „Grafenpfalz“ (1862).
Die „Gesammelten Werke“ Tschabuschniggs, der auch unter dem auch dem Pseudonym „A. V. T. Süd“ schrieb, erschienen zwischen 1875 und 1877 in sechs Bänden.

„Im Wandel unwandelbar“

Tschabuschniggs politische Karriere begann im Revolutionsjahr 1848 als Mitglied des Kärntner Landtags. 1861 wurde er von den Großgrundbesitzern Kärntens als Abgeordneter in den Reichsrat gewählt und 1870 wurde er Justizminister der Monarchie im Kabinett des Ministerpräsidenten Alfred Graf Potocki. Ab 1870 war er auch Mitglied des Herrenhauses im Parlament in Wien auf Lebenszeit.
Mit seiner Köchin Maria Stephaner hatte er eine Tochter, die den Königlich-Bayrischen Kommerzialrat Benedikt von Zabuesnig in Landshut heiratete.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg starb am 1. November 1877 in Wien. Er wurde auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt begraben. Auf dem Grabstein steht: „Im Wandel unwandelbar.“ Die Stadt Klagenfurt benannte eine Straße nach dem fast vergessenen Dichter und Staatsmann.

Werner Sabitzer

Quellen und weiterführende Literatur:
Hügel, Erika: Adolf I. Ritter von Tschabuschnigg: Nachlass und dichterisches Schaffen. Diss. Wien, 1950.
Kabusch, Josef:  Die Chronik von Sachsenburg, 1956.
Kucher, Primus Heinz (Hrsg.): Adolf Ritter von Tschabuschnigg (1809-1877), Wien, 2006.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg
Tod und Tödin

Wer ist so spät noch fleißig wach?
und schlägt und plätschert laut im Bach?
Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.

Die Nacht ist schön, voll Mondenschein,
heut mags nicht schwer zu sterben sein.
Die Tödin rührt sich ohne Ruh’n,
als gäb’s noch viel für sie zu tun.

Sie ist ein schönes blasses Weib,
nur fast zu zart der schlanke Leib;
das Aug’ ist ernst und traurig schön!
hat viele brechend wohl geseh’n.

Doch nie hat’s, wie’s noch nie gelacht,
je eine Träne feucht gemacht.
Die ist so spät noch fleißig wach,
und schlägt und plätschert laut im Bach.

Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.
Da schaut der Tod aus seinem Haus
im Freithofgrün, und ruft heraus:

„Du frommes Weib, bist du bereit?
Nun hab’ ich Ruh’, ’s ist Schlafenszeit.“
Leis winkt sie, deckt die Linnen aus,
und schleicht dann still hinein ins Haus.

Der Tod greint sänftiglich sie an,
man sieht’s, er ist ein guter Mann,
Der Haushalt fördert Jahr für Jahr,
’sist gar ein emsig wackres Paar.

Er streckt die Toten in den Schrein,
sie hüllt sie blank in Linnen ein.
Er scharrt sie finster tief hinab,
doch sie pflanzt Blumen auf das Grab.

Mai 2, 2009 Verfasst von sabitzer | Kärnten - Geschichte | | Noch keine Kommentare

Neues Polizeilexikon mit vielen historischen Informationen

Herausgeber des Lexikons der inneren Sicherheit

Das neue „Lexikon der inneren Sicherheit“ von Werner Sabitzer enthält auch viele Begriffe zur Polizei- und Kriminalgeschichte.

Erstmals ist in Österreich ein umfassendes Polizeilexikon erschienen. Über 4.000 Begriffe aus allen Bereichen der inneren Sicherheit werden im „Lexikon der inneren Sicherheit“ auf 608 Seiten erklärt: Polizeiorganisationen, Kriminalität, Kriminalitätsbekämpfung, Prävention, Kriminalistik und Kriminologie, Terrorismus, Krisenmanagement und Katastrophenschutz, Asyl-, Grenz- und Fremdenangelegenheiten, Waffen und Sprengmittel, Integration, Sicherheitstechnik und andere Themen, die in die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Inneres bzw. der Sicherheitsbehörden fallen.

Im Nachschlagewerk finden sich auch Kurzbeschreibungen bedeutender ausländischer Polizeieinrichtungen und Nachrichtendienste sowie von internationalen Organisationen; außerdem gibt es kurze Beschreibungen über Terrororganisationen und kriminelle Vereinigungen. Im Buch finden sich auch die für die Polizei wesentlichen Bestimmungen des Sicherheitspolizeigesetzes, des Strafrechts und des am 1. Jänner 2008 in Kraft getretenen Strafprozessreformgesetzes.

Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Inhalts befasst sich mit der Polizei- und Kriminalgeschichte, unter anderem wird die Geschichte der Sicherheitswache, der Gendarmerie, des Kriminaldienstes und der Zollwache kurz erläutert. Dazu kommen Aufsehen erregende Kriminalfälle der österreichischen Geschichte. so ist im Polizeilexikon ist nachzulesen,

• dass es in Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts „eiserne Wachhäuser“ gab;

• dass der berüchtigte NS-Kriegsverbrecher Ernst Kaltenbrunner auch Polizeipräsident von Wien war;

• dass eine der größten kriminellen Organisationen in Österreich die „Simon-Platte“ war, die in den Nachkriegsjahren ihr Unwesen trieb;

• dass im Wiener Kanalnetz Obdachlose hausten und „Kanalstrotter“ und „Fettfischer“ nach verwertbaren Gegenständen suchten;

• dass es in Wien in der Zwischenkriegszeit ein eigenes Polizeispital gab;

• das der Einführung der Kennzeichentafeln für Autos im Jahr 1906 eine lange Diskussion in den Zeitungen vorangegangen war und der „Nummernzwang“ vor allem von den aristokratischen Autobesitzer als unangebracht und zum Teil als persönliche Beleidigung empfunden wurde,

• und dass es in der 1920er-Jahren in Wien ein „Institut für kriminaltelepathische Forschung“ gab, dem ein schriftstellerisch tätiger Polizeijurist vorstand, und das sich unter anderem mit Telepathie und Hellsehen im Zusammenhang mit polizeilicher Aufklärungsarbeit beschäftigte.

Das Nachschlagewerk ist auch eine Fundgrube für Krimiautoren, die hier Informationen über die polizeiliche und kriminelle  Welt finden.

Im Anhang gibt es ein umfangreiches Abkürzungsverzeichnis. Internet-Adressen von Polizeiorganisationen sowie von privaten Organisationen und Unternehmen mit Sicherheitsbezug erleichtern das Auffinden dieser Einrichtungen im Internet.

Der Autor:

Werner Sabitzer, 52, ist PR-Referent im Bundesministerium für Inneres und seit 1988 Chefredakteur der Fachzeitschrift „Öffentliche Sicherheit“. Er ist Co-Autor von Sicherheitsfachbüchern und Verfasser zahlreicher Beiträge zu den Themen Polizeiwesen, Kriminalität, Terrorismus und Polizeigeschichte.

Werner Sabitzer: Lexikon der inneren Sicherheit. Neuer wissenschaftlicher Verlag, Wien, Graz, 2008. 978-3-7083-0549-3, 608 Seiten, gebunden, 48,80 €; Bestellung: www.nwv.at (Webshop, spesenfrei).

Dezember 8, 2008 Verfasst von sabitzer | Polizeigeschichte | | Noch keine Kommentare

750 Jahre Burg Braunsberg

Im Jahr 1258 wurde die Burg Braunsberg vor der „engen Gurk“ bei Kleinglödnitz erstmals urkundlich erwähnt. Von der einstigen kleinen Burg gibt es heute nur mehr wenige Spuren.

Von der Gurktal-Bundesstraße führt zwischen Klein-Glödnitz und der Abzweigung ins Glödnitztal ein Weg nach Braunsberg, einem ausgedehnten Hochplateau südlich des Gurk-Flusses mit einigen Häusern und Bauernhöfen. Am südlichen Ende des Plateaus, am Fuße des Zammelsbergs, befindet sich eine bewaldete Erhebung, die von den Bewohnern „Schlossriegel“ genannt wird.
Auf dem nach Süden und Osten steil abfallenden Schlossriegel befand sich einst eine kleine Burg. Vermutlich schon im 18. Jahrhundert haben die Bauern die Festung abgetragen und die Steine für den Bau von Häusern und Ställen verwendet. Mit Moos bewachsene Steine, Vertiefungen auf dem Plateau und ein Graben auf der West- und Nordseite zeigen noch von dem einstigen Edelmannsitz. Der Eingang zur Burg über eine Zugbrücke befand sich vermutlich auf der Westseite. Hier führt ein Weg den Hügel hinunter. Bei der Burg dürfte ein Saumweg über den Zammelsberg nach Feldkirchen vorbeigeführt haben.

Die Anfänge der Burg

Braunsberg war ein Lehen der Gurker Bischöfe. Die kleine Burg wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Bruno „de Bruneck“ errichtet. Erstmals erwähnt wurde das Anwesen im Jahr 1258 in einer Gurker Urkunde. Die Ministerialen, die das Lehen verwalteten, nannten sich im 13. und 14. Jahrhundert „von Braunsberg“, „Prawn von Braunsberg“ oder „Prawn von der Gurke“. 1260 wurde die Burg als „Pruneke“ bezeichnet, und für 1289 ist ein „Brunlinus de Brunsberch“ verbürgt. 1330 scheint ein Fritzle Proun, Sohn bei der Gurk, in den Dokumenten auf. Im Jahr 1338 wurde das Gebäude erneuert und 1360 saß hier ein „Praeun von Praunsberk“.
1519 waren auf Braunsberg Gurker Lehensleute mit den Namen Franz, Sigmund und Wilhelm.

Basseyo auf Braunsberg

Einen Aufschwung erlebte die Burg Braunsberg mit der Belehnung an die Familie Basseyo. Die Familie, in den Quellen auch als Basayo, Baseyo, Waseyo und Bascio genannt, stammte aus Venetien und zog im 15. Jahrhundert nach Kärnten, wo sie im Dienst der Gurker Bischöfe war.
Jacob Basseyo war im Jahr 1501 Amtmann zu Straßburg und 1512 Rentmeister des Bistums Gurk. 1518 war er Rat des Gurker Bischofs Matthäus Lang von Wellenburg.

Ein Nachfahre Jacobs, Hans von Basseyo, Regimentsrat von Erzherzog Karl, erhielt Braunsberg am 11. September 1572 vom Gurker Bischof Urban als Lehen verliehen. Das Gut, damals als öder „purgstal Prunsberg“ bezeichnet, wurde mit einem Burgfried (Gerichtsbezirk) ausgestattet und Hans von Basseyo erklärte sich bereit, Braunsberg zu einem Edelmannssitz auszubauen. Die Basseyos nannten sich daraufhin „von Braunsberg“. Hans, verheiratet mit Barbara von Hengstpach und in zweiter Ehe mit Euphrosine von Pranckh, hatte auch die Burg Steuerberg als Pfand. Als Regimentsrat Erzherzog Karls von Innerösterreich wollte er 1579 aus dem Amt ausscheiden. Daraufhin bewilligten ihm die Kärntner Verordneten eine Erhöhung seiner Jahreszubuße auf 200 Gulden. Hans Basseyo, zum Freiherrn geadelt, war ab 1593 Kärntner Landesverweser. Er wurde 1601 nach dem Tod des Landeshauptmanns Hans Graf Ortenburg mit der Verwaltung des Amtes betraut und stand auch auf der Kandidatenliste für den neuen Landeshauptmann, die Erzherzog Ferdinand unterbreitet wurde. Der Erzherzog entschied sich aber im Mai 1602 für einen Nicht-Kärntner – Georg Graf zu Nogarol, Hauptmann zu Triest. Hans Basseyo starb im Jahr 1607.
Sein Sohn Christof war mit Katharina Wucherer zu Drasendorf verheiratet; er war Landrat in Kärnten und 1616 Landesverweser.

Christofs Sohn Hans Ulrich lebte noch auf Braunsberg; Hans Ulrichs Tochter Regina Eleonore war von 1660 bis 1677 Äbtissin des Klosters St. Georgen am Längsee. Hans Ulrich wurde 1651 Pfleger auf Burg Albeck, die er instand setzen ließ. 1657 war er Landesvizedom und 1668 Landesverweser. Hans Ulrichs Sohn Hans Christof nannte sich „zu Praunsperg und Straußegg“. Mit dessen Sohn, den am 5. Februar 1671 in Straßburg geborenen Hans Wolf Christof, starb die Familie Basseyo im Freiherrenstand aus.

Die Burg Braunsberg dürfte Ende des 17. Jahrhunderts noch bewohnt gewesen sein, dann begann der Verfall.

Werner Sabitzer


Quellen:
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Willner, Heinz: Die Albecker Flur- und Ortsnamen. Hrsg. Vom Museum- und Schlossverein Schloss Albeck, Albeck, 2006.

Mai 26, 2008 Verfasst von sabitzer | Burgen und Schlösser in Kärnten, Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | | Noch keine Kommentare

Der Großbrand in Weitensfeld 1814

Der Sieg über Napoleon sollte ein Freudentag für Österreich werden. Für Weitensfeld war es eine Katastrophe. Ein Großbrand zerstörte viele Häuser im Ort.

17. April 1814: Nach dem Sieg der Allierten über Napoleons Heer in der Völkerschlacht bei Leipzig zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, in Paris ein. Europa hatte sich vom Joch des französischen Diktators befreit. Die Österreicher feierten diesen Tag überschwänglich; auch in Weitensfeld trafen die Bewohner zu einer Feier zusammen.

Um halb acht Uhr abends kam es zur Katastrophe: Im Stallgebäude des Hauses Nr. 25; dem heutigen Pfandlhaus, brach ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Stallungen. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand.

Der Anwalt Anton Balthasar und der Gurker Dechand Leopold Anton Praskowitz leiteten mit einigen anderen beherzten Gurktalern die Löscharbeiten. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige Häuser in der Nähe des Gotteshauses, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 auch die Schule befand. Auch einige Häuser am Platz blieben vom Feuer verschont, hier war die Feuerspritze aus Gurk im Einsatz.

Am nächsten Tag zogen die Bewohner die schreckliche Bilanz der Brandkatastrophe: In einem Gewölbe im Haus Nr. 26 verbrannten drei Menschen. Die Häuser Nummer 1 bis 45 waren samt den Ställen zerstört. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Der Fleischhauer Johann Witzling, der im Herzele-Haus utnergebracht war, hatte allein einen Schaden von 28.000 Gulden; im Haus des Marktrichters und Kaufmanns Johann Gorton verbrannten auch viele Wertgegenstände und Bargeld; er erlitt einen Schaden von 16.700 Gulden.

In den Tagen und Wochen danach setzte eine Hilfsbereitschaft ein. Die Pfarren in den Nachbargemeinden, der Landrichter von Straßburg, der Pfleger von Albeck und viele wohlhabende Kärntner spendeten Lebensmittel und Getreide. Es gab Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten der Geschädigten der Brandkatastrophe.
Johann Gorton verzichtete auf seinen Anteil aus den Spenden, ebenso Johann Pfandl, Josef und Johann Witzeling sowie Anton und Simon Marko.

Eine Lehre wurde aus dem Großbrand in Weitensfeld gezogen: Die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk verfügte, dass künftig kein Holzhaus gebaut werden dürfe. Die Steinhäuser waren relativ brandsicher.

Werner Sabitzer

Quellen:
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Bericht des Bezirkskommissärs von Weitensfeld und Wullroß, Josef Mitterdorfer am 6.2.1816 zu Gurk

Januar 30, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , | Noch keine Kommentare

Die „Herrin von Murau“

Anna Neumann von Wasserleonburg, die „Herrin von Murau“, war eine der reichsten Frauen Österreichs zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Ihre Vorfahren stammen aus dem Raum Weitensfeld.

Anna Neumann wurde am 25. November 1535 in Villach als Tochter einer reichen Bürger- und Gewerkenfamilie geboren. Ihre beiden Großväter stammten aus dem Raum Weitensfeld.
Annas Vater Wilhelm Neumann war vermutlich der Sohn von Michael Neumann (des Jüngeren), eines Weitensfelder Bürgers, schreibt der Murauer Archivar Wolfgang Wieland in seiner Biografie über Anna Neumann unter Hinweis auf den Historiker Leopold von Beckh-Widmanstetter („Michel Newman als Bürger zu Weitensfeld in Kärnten“). Wilhelm Neumann besaß um 1530 Erbgüter in Weitensfeld. Seinen Reichtum erwarb er hauptsächlich durch die Erträge aus Quecksilbergruben in Idria (heute: Idrija) und Bleigruben in Bleiberg. Er war von 1516 bis 1518 Stadtrichter (Bürgermeister) in Villach. Kaiser Maximilian ernannte ihn 1515 zum Bergrichter in Idria und erlaubte ihm im selben Jahr neuerlich die Führung eines Wappens. Eine Erhebung in den Adelsstand war damit nicht verbunden. Neumanns Unternehmen handelte auch mit Textilien, Gewürzen und Glaswaren.
Annas Mutter Barbara, eine geborene Rumpf von Wullross, hatte Wilhelm Neumann im Jahr 1528 geheiratet, nachdem dessen erste Frau Praxedis Strigl verstorben war. Barbara Neumann war eine äußerst geschäftstüchtige Frau; ihr wurde Geiz und übersteigertes Besitzstreben nachgesagt. Ihr Vater Wilhelm Rumpf von Wullross war der bedeutendste Herr auf der Burg Wullross im Wimitztal nahe Weitensfeld. Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen, erwarb 1515 die Herrschaft Tentschach und war erster ständischer Burggraf in Klagenfurt. Er hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. das Amt des Truchsess inne. Seine Frau Barbara entstammte der angesehenen Kärntner Familie von Keutschach.
Nach dem Tod ihres Mannes Wilhelm Neumann heiratete Barbara den vermögenden und einflussreichen Adeligen Hans Seenuß, der von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach war.
Einer der Schuldner Barbara Neumanns war Otto VII. von Liechtenstein-Murau, der schließlich die Herrschaft Treffen samt Landgericht am 1. Mai 1552 an die Familie Neumann verkaufen musste. Die Herrschaft Treffen gehörte – mit einer kurzen Unterbrechung – seit 1368 der Familie Liechtenstein-Murau.

Die ersten Ehen

Anna Neumann verbrachte ihre Kindheit auf Schloss Wasserleonburg, das ihr Vater 1522 von den Brüdern Hans, Andreas und Christoph von Ungnad übernommen hatte. Es handelte sich um eine reichsunmittelbare Herrschaft mit 92 Huben, 11 Zulehnen und 126 Keuschen. Als 21-Jährige heiratete Anna im November 1557 den vermögenden Hans Jakob Freiherr von Thannhausen, den Bruder des Kärntner Landeshauptmanns. Dieser Ehe entstammten zwei Töchter, Elisabeth und Barbara. Hans Jakob Freiherr von Thannhausen starb schon nach knapp dreijähriger Ehe am 23. September 1560. Er wurde in der Dominikanerkirche in Friesach beigesetzt.
Annas ehrgeizige Mutter Barbara legte den Grundstein, dass Anna als „Herrin von Murau“ zu einer der reichsten Frauen Österreich wurde und schließlich in den Hochadel aufstieg: Die Wullrosserin sorgte dafür, dass die junge Witwe Anfang 1566 den steirischen Adeligen Christoph von Liechtenstein-Murau heiratete, dessen Familie seit drei Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Das Geschlecht nannte sich nach der Burg Liechtenstein bei Judenburg (heute eine Ruine). Christophs Vater Otto VII. heiratete Benigna aus der gleichnamigen Familie Liechtenstein-Nikolsburg. Diese Familie, seit 1623 im Fürstenstand, war mit den steirischen Liechtensteins nicht verwandt. Einer der Nachkommen ist der Fürst von und zu Liechtenstein. Die steirische Familie Liechtenstein starb bereits 1619 aus.

Die Herrschaft Murau

Das Murauer Gebiet gehörte im Hochmittelalter zum Herzogtum Kärnten. Die Burg Obermurau wurde zwischen 1232 und 1250 von den Herren von Liechtenstein erbaut, die damals den Raum des oberen Murtals kontrollierten. Im Jahr 1250 erhielt der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein vom Kärntner Herzog die Landgerichtsbarkeit für seine Burg „Mvrowe“, die er kurz zuvor von seinem Vater übernommen hatte, sowie 1256 Schurfrechte in der Umgebung. Ulrich von Liechtenstein bevorzugte als Wohnsitz aber die Frauenburg in Unzmarkt.
1269 wurde die Burg Murau von König Przemysl Ottokar II. teilweise zerstört. Er fühlte sich als rechtmäßiger Erbe des Herzogtums Kärntens nach dem Tod seines Schwagers, des letzten Spanheimer Herzogs Ulrich. Der steirische Adel lehnte sich aber den Böhmenkönig auf. Die böhmischen Besatzer blieben bis zu ihrer endgültigen Vertreibung im Jahr 1276 in Murau. Danach kam die Herrschaft an der oberen Mur an den Sohn Ulrichs von Liechtenstein, Otto II. zurück, der mit dem Wiederaufbau begann. 1298 erhielt die Siedlung unter der Burg das Stadtrecht. 1312 kam es in der Familie Liechtenstein zu einer Trennung in eine Frauenburger und eine Murauer Linie. Der Murauer Zweig brachte es zu größerem Besitz im Herzogtum Kärnten und hatte dort auch das Marschallamt inne, eines der erblichen Hofämter. In der Steiermark stellten die Liechtensteiner die Kämmerer.
Der Niedergang der einst mächtigen Liechtensteiner begann Ende des 14. Jahrhunderts. Friedrich II. von Liechtenstein musste wegen hoher Schulden die Herrschaft Murau 1392 an Wulfing von Stubenberg verpfänden.
Während der Ungarneinfälle stellte Niklas von Liechtenstein 1487 Murau dem ungarischen König als Stützpunkt zur Verfügung, worauf er von Kaiser Friedrich III. 1490 geächtet wurde. Murau wurde danach von einem Pfleger des Kärntner Herzogs verwaltet. Zwar erhielten die Liechtensteiner 1495 ihre Besitzungen von König Maximilian I. wieder zurück, doch waren ihre finanziellen Verhältnisse so schlecht, dass es immer wieder zu größeren Abverkäufen kam. Hauptgläubigerin war die Familie Neumann von Wasserleonburg.

Reiches Erbe

Nach der Hochzeit mit Christophs II. von Liechtenstein zog Anna in das Schloss Murau. Da ihre Brüder inzwischen ohne Nachkommen verstorben waren, erbte sie 1569 nach dem Tod ihrer Mutter Barbara die Kärntner Besitzungen Wasserleonburg, Treffen, Leonstein in Pörtschach und Vordernberg im Gailtal sowie die Bergwerksanteile in Idria und Bleiberg. Dazu kamen Bargeld und Pfandbriefe. Anna, nun Hauptgläuberin der Herren von Liechtenstein-Murau, erwarb 1574 den Murauer Besitz von ihrem Mann und dessen Brüdern sowie deren Güter in Niederösterreich und im Burgenland. Im Gegensatz zu ihrer geizigen Mutter war Anna sozial eingestellt. Sie ließ unter anderem im Jahr 1576 das Spitalsgebäude in Murau erweitern und unterstützte mittellose Menschen.
Nach dem Tod Christoph II. von Liechtenstein-Murau im Jahr 1580 heiratete Anna zwei Jahre später einen langjährigen Bekannten und ebenfalls Schuldner der Familie Neumann, Ludwig Freiherr Ungnad von Sonnegg, Sohn des Landeshauptmanns der Steiermark. Ludwig Ungnad war unter anderem Mundschenk des späteren Königs Maximilians II. und 1570 Burggraf in Klagenfurt. Nach drei Jahren Ehe starb Ludwig in Klagenfurt.
Der vierte Ehemann der Herrin von Murau war ihr vermögender Gutsnachbar im oberen Murtal, Carl Freiherr von Teuffenbach, den sie 1586 ehelichte. Wie sein Vorgänger Ludwig Ungnad war auch er evangelisch. Anna vermehrte in den kommenden Jahren ihr Vermögen weiter. Als sie bereits 75 Jahre alt war, wurde sie zum vierten Mal Witwe.

Als „Hexe“ verleumdet

Die reiche Herrin von Murau hatte wegen ihres Vermögens viele Neider. Auch der Umstand, dass sie mehrmals Witwe geworden war, gab Anlass zu Spekulationen und Verleumdungen. Man dichtete ihr eine „weiße Leber“ an und sie war zweimal in einen Hexenprozess verwickelt. Ihr wurde vorgeworfen, sie hätte „Hexen“ und „Zauberer“ zum „Wettermachen“ angestiftet, damit sie auf ihren Gütern eine reiche Ernte hätte. Die Beschuldigungen reichten aber nicht zu einer Verurteilung der Murauer Herrin.

Keine Nachkommen

Annas ältere Tochter Elisabeth heiratete 1576 den angesehenen Adeligen Leonhard von Kollnitz und nach dessen Tod Christoph Freiherrn von Auersperg aus der gefürsteten Linie der Auerspergs. Sie verstarb am 14. Mai 1592 kinderlos. Die jüngere Tochter Barbara verschied bereits am 28. November 1578 – sie war ledig. Anna Neumann hatte dadurch keine Nachkommen. Denn außer mit ihrem ersten Gemahl hatte sie mit keinem ihrer weiteren Ehemänner Kinder. Die Herrin von Murau fasste daher den Entschluss, das riesige Vermögen einer hochadeligen Familie weiterzugeben. Eine Adoption war damals nicht vorgesehen, es war nur eine weitere Ehe möglich.
Der dafür Auserkorene war der 30 Jahre alte Ferdinand Graf zu Ortenburg-Salamanca, den sie nach einem Trauerjahr am 1. November 1611 auf Schloss Murau heiratete. Ferdinands Vater Gabriel, der von Erzherzog Ferdinand mit der Grafschaft Ortenburg in Kärnten belehnt worden war, ließ das heutige Schloss Porcia in Spittal an der Drau errichten.
Für Anna, nun Gräfin von Ortenburg, war es nicht die letzte Ehe: Fünf Jahre nach der Hochzeit mit dem kränkelnden Grafen wurde sie 1616 zum fünften Mal Witwe.
Nun sollte der Besitz an die hochadelige Familie Schwarzenberg gehen. Die bereits 81-jährige Anna heiratete am 25. Juli 1617 den um fast 50 Jahre jüngeren Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg. Der am 24. Dezember 1586 geborene, spätere kaiserliche Gesandte stammte aus einer traditionsreichen Adelsfamilie. Sein Vater war Graf Christoph zu Schwarzenberg (1550 – 1596), seine Mutter Anna (1153 – 1622) entstammte der Familie Kärgl zu Furth. Vermittelt wurde die Ehe vom Ratgeber des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand, Johann Ulrich Freiherr zu Eggenburg. Einen Monat nach der Hochzeit verfügte Anna, dass ihr junger Mann nach ihrem Tod die Herrschaft Murau erben sollte. Schwarzenberg blieb weiterhin im Dienst des Kaisers Ferdinand, er kehrte erst kurz vor dem Tod Annas nach Murau zurück.

Der Tod der Murauerin

Als Anna am 18. Dezember 1623 im hohen Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ihrem jungen Mann nicht nur großen Besitz, sondern auch erhebliche Forderungen: So schuldete ihr unter anderem Kaiser Ferdinand II. die riesige Summe von 220.000 Gulden. Auch der Erzbischof von Salzburg, Marcus Sitticus, zählte zu den Schuldnern.
Als Angehörige des Augsburger Bekenntnisses wurde sie nicht in der katholischen Pfarrkirche Murau begraben. Erst einen Monat nach dem Tod wurde die Leiche in einem Grab in der Elisabeth-Spitalkirche in Murau beigesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sterblichen Überreste der Herrin von Murau in die Kapuzinerklosterkirche überführt und im Grab ihres letzten Ehemanns Georg Ludwig zu Schwarzenberg bestattet.
Der Kärntner Besitz der „Neumanin“, die Herrschaften Wasserleonburg und Treffen, gelangte nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren an den Erben des Urenkels ihrer Halbschwester Katharina Neumann, Christian Proy von Burgwalden, der im Juni 1625 bei einem Grundstücksstreit auf der Göriacher Alm erschlagen worden war. Anna hatte ihn im Testament mit der Herrschaft Wasserleonburg bedacht und auch mit dem Gedanken gespielt, ihm ihr ganzes Vermögen zu übertragen. Christians Sohn Georg Philipp Proy von Burgwalden war ab Juli 1635 Herr auf Wasserleonburg und Treffen.

Schwarzenberg auf Schloss Murau

Georg Ludwig zu Schwarzenberg ließ zwischen 1628 und 1641 vom süddeutschen Baumeister Valentin Kaut neben dem gotischen Gebäude das heutige Schloss Murau errichten. Das alte Schloss wurde abgetragen. Der Erbe von Annas riesigem Vermögen starb am 22. Juli 1646 in Freudenau – ohne Nachkommen. Der Murauer Besitz gelangte an seinen Cousin Johann Adolf Graf zu Schwarzenberg aus der rheinischen Linie. Er wurde 1670 in den Fürstenstand erhoben. Der Schwarzenbergische Besitz vergrößerte sich im Lauf der nächsten Jahrhunderte enorm. Der Hauptbesitz lag in Böhmen; er wurde 1947 vom kommunistischen Staat Tschechoslowakei enteignet („Lex Schwarzenberg“).
1965 übernahm Karl Johannes Schwarzenberg den reichen Besitz in Österreich von seinem Adoptivvater; nach dem Tod des älteren Bruders seines Adoptivvaters 1979 wurde er Oberhaupt des Hauses Schwarzenberg (12. Fürst von und zu Schwarzenberg, Herzog von Krumau, Graf von Sulz, gefürsteter Landgraf im Klettgau). Seit 2007 ist Karl Schwarzenberg Außenminister Tschechiens, vor einigen Jahren erhielt seine Familie Teile des enteigneten Besitzes in Tschechien wieder zurück.

Werner Sabitzer


Quellen:
Beckh-Widmannstetter, Leopold von: Studien an den Grabstätten alter Geschlechter der Steiermark und Kärntens, Berlin 1877/78.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Wieland, Wolfgang: Anna Neumann von Wasserleonburg. Die Herrin von Murau, Murau, 1999.

Januar 27, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , , | Noch keine Kommentare

„Robinson Crusoe“ aus dem Gurktal

Der aus Gurk stammende Leonhard Eisenschmied erlebte vor 200 Jahren phantastische Abenteuer im Mittelmeer-Raum – zumindest in seinen Erzählungen.

Mehrmals desertiert, als einziger Überlebender nach einem Schiffbruch auf eine unbewohnte Insel verschlagen, wo er 21 Monate verbrachte, von Piraten gerettet, versklavt, entflohen und schließlich nach Kärnten zurückgekehrt. Diese außergewöhnlichen Erlebnisse schilderte Leonhard Eisenschmied in seinem Buch „Merkwürdige Land- und Seereisen durch Europa, Afrika und Asien. Eine wahre Geschichte aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts.“ Dr. Wilhelm Wadl, Leiter des Kärntner Landesarchivs, hat im Jahr 2000 die Erzählungen Eisenschmieds in einer bearbeiteten und kommentierten Fassung im Verlag Johannes Heyn neu herausgegeben.

Leonhard Eisenschmied stammte aus Gurk. Sein Vater Nikolaus Eisenschmied dürfte um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Kunstgärtner nach Kärnten gekommen sein, war Bediensteter des Fürsten Porcia in Spittal und heiratete 1759 eine Kaufmannstochter aus Paternion. 1763 trat Nikolaus Eisenschmied in den Dienst des Gurker Domkapitels. Das Ehepaar hatte fünf Kinder; das jüngste, Leonhard, kam am 22. November 1770 im so genannten „Gartnerhaus“ des Domkapitels zur Welt. Das Geburtshaus wurde ein Jahrhundert später mit dem Nachbarhaus, dem „Waschhaus“ des Stifts, zusammengelegt; es handelt sich heute um das Gebäude Hauptstraße 3 und 5 in der Nähe des Gurker Doms.
Leonhard Eisenschmied war erst 17 Monate alt, als sein Vater 44-jährig starb. Die Einsegnung erfolgte von Sigismund von Hohenwart (1745 – 1825), dem späteren Generalvikar des Bistums Gurk und Bischof von Linz. Sigismund von Hohenwart galt gemeinsam mit seinem Lehrer Franz Xaver Wulfen als Pionier der naturwissenschaftlichen Forschung in Kärnten, vor allem der Botanik.
Leonhard Eisenschmied wuchs in Gurk auf und reiste als 13-Jähriger nach Laibach, wo ihm ein Gurker Domherr, vermutlich Sigismund von Hohenwart, eine Stelle als Handelslehrling vermittelte.

Drei Jahre lang diente der junge Gurktaler dem Kaufmann, der seinen Lehrling äußerst schlecht behandelt haben dürfte. Eisenschmied entschloss sich, Laibach dem Rücken zu kehren und nach Triest zu reisen, „um mich von meinem Vaterland auf immer zu entfernen und in anderen Weltgegenden mein Glück zu finden“, wie er schreibt.

In Triest begann das Abenteuer des jungen Gurktalers, der später vom Schriftsteller Franz Carl Weidmann in seinem Nachruf als „kärntnerischer Robinson“ bezeichnet wurde. Tatsache ist, dass Leonhard Eisenschmied einige Zeit auf Schiffen durch das Mittelmeer segelte und andere Länder kennenlernte. Bei seinen Erzählungen dürfte er allerdings ziemlich „geflunkert“ haben. Zu diesem Schluss kommt auch Historiker Wilhelm Wadl: „Die Robinsonade ist am meisten anzuzweifeln. Sie könnte durchaus ein bloßes Zugeständnis an die Erwartungshaltung von Eisenschmieds Zuhörern bzw. späteren Leser sein.“

Eisenschmied dürfte das 1720 auch in Deutsch erschienene Buch „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe (1661 – 1731) gekannt haben und sich daraus oder von einer der vielen Abhandlungen dieser Erzählung „geistige Anleihen“ genommen haben. Defoe schildert die Erlebnisse des Oberbootsmanns Alexander Selkirk, der 1705 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf einer Insel im Pazifik ausgesetzt worden war und dort vier Jahre gelebt hatte.
Der „Gurktaler Robinson“ heuerte nach seiner Flucht aus Laibach im Sommer 1787 unter falschem Namen auf einem holländischen Handelsschiff an, kam im Mittelmeer in einen schweren Sturm und strandete vor einer kleinen Insel in der Nähe von Kreta. Seinen Erzählungen nach überlebte Eisenschmied als einziger den Schiffbruch. Fast zwei Jahre verbrachte er auf der unbewohnten Insel, dann wurde er von Seeräubern gerettet. Einige Wochen später nahm eine venezianische Schiffsbesatzung die Piraten gefangen; Leonhard Eisenschmied konnte seine Unschuld glaubhaft vorbringen und trat in die venezianische Marine ein.

Die nächsten Schiffsreisen führten den Abenteurer an die nordafrikanische Küste – nach Algier und Marokko. Im Februar 1792 desertierte der Gurktaler und fuhr auf einem maltesischen Schiff weiters. Wenige Wochen später geriet er in Gefangenschaft und landete als Sklave in Algier. Im Oktober 1792 gelang ihm die Flucht aus der Sklaverei. An Bord eines Handelsschiffs segelte er nach Marokko und Tunesien, danach trat er wieder in die maltesische Marine ein. Im Februar 1793 wurde Eisenschmied als venezianischer Deserteur aufgegriffen und einige Monate ins Gefängnis gesteckt. Nach der Strafverbüßung kam er auf einem venezianischen Kriegsschiff nach Korfu, flüchtete dort und wurde Sklave bei einem „vornehmen Türken“. Im Sommer 1794 entließ ihn sein Herr aus dem Dienst. Leonhard Eisenschmied kehrte auf venezianisches Gebiet zurück, unterwegs überfielen ihn Räuber. Nach einem neuerlichen Gefängnisaufenthalt wegen Desertion trat der inzwischen 25-jährige Kärntner wieder in den Dienst der venezianischen Marine ein. Im Juni 1797 besetzten Franzosen Korfu; im September darauf flüchtete Eisenschmied von Korfu nach Albanien, wo er als Eseltreiber im Sklavendienst arbeiten musste. Von Albanien gelang ihm im Jänner 1798 die Flucht; er wurde von der Besatzung eines kroatischen Handelsschiffs gerettet. Ende Februar 1798 kam Eisenschmied in Venedig an. Am 23. März 1798 später trat er zu Fuß seine Reise nach Kärnten an; vier Tage traf er in Unterloibl ein.

Das Wiedersehen mit seiner Mutter in Gurk schildert Leonhard Eisenschmied in eindrucksvoller Weise: „Als ich die Spitze der Kirchtürme erblickte, konnte ich mich der Tränen nicht enthalten. Mein Herz schlug immer heftiger, bis wir vor der Wohnung meiner Mutter Halt machten. Sie stand schon unter dem Haustor; allein, ich kannte sie nicht eher, bis es mir mein Bruder sagte. Dann floh ich aus dem Wagen in ihre Arme. Sie drückte mich fest an ihren Busen, ohne ein Wort hervorbringen zu können. Die Heftigkeit der Gefühle nach ihr alle Worte. Sie sank in eine Ohnmacht…“

Leonhard Eisenschmied galt von nun an in Kärnten als Attraktion, er wurde herumgereicht, erzählte seine „Erlebnisse“ und schrieb sie schließlich auf. 1806 heiratete der Abenteurer in Schwarzenbach im Mießtal – gegen den Willen ihrer Eltern – seine langjährige Freundin Johanna Nepomuzena Edle von Guschgy, mit der er einen sechsjährigen Sohn hatte. Dieser wurde Priester und starb 1840 als Pfarrer in der Untersteiermark.1807 erschienen seine Erzählungen unter dem Titel: „Merkwürdige Land- und Seereisen durch Europa, Afrika und Asien. Eine wahre Geschichte aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts“. Die beiden Bände stießen auf reges Interesse; fünf Jahre später gab es eine zweite Auflage.
Leonhard Eisenschmieds weiteres Leben blieb unspektakulär. Er erhielt eine Stelle als Mauteinnehmer an der Mießbrücke in Unterdrauburg, wo er im Frühjahr 1824 starb.

Werner Sabitzer

Januar 27, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , | Noch keine Kommentare

1000 Jahre Bistum Bamberg

Im Jahr 1007 gründete Kaiser Heinrich II. das Bistum Bamberg. Das Bistum war einer der größten Grundbesitzer in Kärnten.

Vor 1000 Jahren, im Jahr 1007, gründeten der tief religiöse Kaiser Heinrich II. (1002 – 1024) und seine Frau Kunigunde das Bistum Bamberg. Heinrich, der 1147 heilig gesprochen wurde, schenkte „seinem“ Bistum weit entfernt vom fränkischen Kernland unter anderem Gebiete im Herzogtum Kärnten – im Jahr 1014 einen schmalen Landstrich mit drei Orten zwischen Pontafel und der Gail und im Jahr 1060 Villach und Umgebung. Kurz davor kam Bamberg durch einen Tausch zwischen Bischof Adalbero von Bamberg und seinem Bruder Marchward von Eppenstein in den Besitz des oberen Lavanttals. Auch der Raum Feldkirchen und Bleiburg wurden bambergisch.
Laut dem Kärntner Historiker Gotbert Moro könnte das Gebiet um Villach bis Pontafel bereits im Gründungsjahr 1007 an Bamberg gekommen sein.
Aus Urkunden geht hervor, dass bis 1176 auch die Herzogstadt St. Veit im Besitz Bambergs gewesen sein könnte.
Die Schenkungen in Kärnten hatten eine strategische Bedeutung für die wichtigen Verkehrs- und Handelswege nach Italien. Damals beschenkten die römisch-deutschen Kaiser bevorzugt kirchliche Einrichtungen mit diesen Gebieten, da sie Lehen an Adlige für zu unbeständig hielten. So erhielten die Bischöfe von Brixen und Trient Gebiete an der Brennerstrecke.

Zweitgrößter Grundherr in Kärnten

Bamberg war durch die Schenkungen in Kärnten nach dem Erzbistum Salzburg der größte Grundherr im Herzogtum Kärnten. Das Bistum erwirtschaftete Erträge aus dem Bergbau im Lavanttal und aus dem Handel und Verkehr in Villach. Der bambergische Besitz in Villach reichte von der Villacher Brücke bis Pontafel – es handelte sich um den wichtigen „schrägen Durchgang“ nach Italien.
Bamberg verwaltete den Kärntner Besitz zunächst von Villach aus. Ab dem 13. Jahrhundert stand an der Spitze der bambergischen Güterverwaltung in Kärnten der „Vizedom“, der zunächst auf Burg Griffen und ab der Zeit Bischof Wernthos (1328 – 1335) auf Burg Wolfsberg residierte.

Besondere Privilegien

Das Bistum Bamberg genoss Steuerfreiheit und andere bedeutende Rechte; es hatte Immunität, es war also unabhängig gegenüber den örtlichen Gerichts- und Verwaltungseinrichtungen.
Am 27. Jänner 1535 wurde nach einer längeren zivilrechtlichen Auseinandersetzung der habsburgisch-bambergische „Rezess“ unterzeichnet. Das Bistum Bamberg wurde dem Kärntner Landrecht untergeordnet; es musste für seine Güter in Kärnten Steuern zahlen und sich an der Landesverteidigung beteiligen. Durch den „Ewigen Rezess“ im Jahr 1674 musste das Bistum auf weitere Sonderrechte verzichten. Der Kärntner Besitz wurde dem Land Kärnten untergeordnet.
Am 15. Juni 1759 verkaufte das Bistum Bamberg seine Besitzungen in Kärnten und in den anderen habsburgischen Ländern um eine Million Gulden an den österreichischen Staat. Villach, Bleiberg, Feldkirchen und das obere Lavanttal waren von nun an nicht nur geografisch, sondern auch politisch Bestandteil des Herzogtums Kärnten.

Werner Sabitzer


Quellen:
Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Die Länder und das Reich – Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Österreichische Geschichte 1122 – 1278, hg. Von Herwig Wolfram, Wien, 1999.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994.
Kohla, Franz X.; v. Metnitz, Gustav Adolf; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde I und II, Klagenfurt 1973.
Koller-Neumann, Irmtraud: Die Lehen des Bistums Bamberg in Kärnten bis 1400. Klagenfurt, 1982.

Januar 5, 2008 Verfasst von sabitzer | Uncategorized | | Noch keine Kommentare

Der „kärntnerische Johann Strauß“

Der Gurktaler Johann Strauß, bekannt als „Hansl mit der Dukatengeige“, war ein vielseitiger Künstler.

Der Bauernsohn Johann Strauß, geboren am 27. Dezember 1756, wuchs beim „Madleninger“ bei St. Jakob ob Gurk auf. Ein Handwerker auf der Walz, der die letzten Lebensjahre beim Madleninger verbrachte, lehrte Johann Strauß das Schreiben, Lesen, Rechnen und das Geigenspiel. Der junge Gurktaler war sehr begabt, spielte auf der Violine und beherrschte auch andere Musikinstrumente wie die Zimbel, das Hackbrett und das Waldhorn.
Kurz vor seinem Tod schenkte der Handwerker dem jungen Johann die Geige. Der Gurker Pater Siegmund von Hohenwart (1745 – 1826) wurde auf den Bauernsohn und seine außergewöhnliche Auffassungsgabe aufmerksam. Er erteilte Johann Strauß weiteren Unterricht und stellte ihm Bücher und Landkarten zur Verfügung. Siegmund von Hohenwart war später Generalvikar unter Fürstbischof Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheid (1749 – 1822), dem Erstbesteiger des Großglockners im Jahr 1800. Salm verlegte 1787 das Domkapitel von Gurk nach Klagenfurt. Sigmund von Hohenwart galt als treibende Kraft hinter der Großglocker-Expedition. Später war er Bischof in Linz.

Siegmund von Hohenwart förderte auch das musikalische Talent von Johann Strauß und vermittelte Musikabende. Den Erzählungen nach soll ein gewisser Baron Reichenau aus Wien, ein Musikkenner, dem Gurktaler eintausend Gulden für die Geige geboten haben, Johann Strauß habe aber sein Instrument trotz dieser hohen Summe nicht hergegeben. „Hansl mit der Dukatengeige“ nannte man Johann Strauß nach dem abgelehnten Angebot. Die Violine stammte vom berühmten Tiroler Geigenmacher Jakob Stainer, fand Siegmund von Hohenwart heraus. Stainer (1617 – 1683) dürfte sein Handwerk bei den bekannten Geigenbaumeistern in Cremona gelernt haben. Er galt als Begründer der mitteleuropäischen Geigenbaukunst; seine Instrumente waren besonders klangschön; vergleichbar mit den italienischen Meistergeigen von Amati. Jakob Stainer war ab 1658 Hofgeigenmacher und betrieb am 1656 eine Werkstätte in Absam. Wie der wandernde Handwerker zur Stainer-Geige kam, blieb unbekannt. Das Instrument dürfte in den Wirren der Franzosenzeit abhanden gekommen sein.

Johann Strauß war ein gefragter Musikant und Musiklehrer, auch seine Schwester Katharina spielte außerordentlich gut Geige. Sie heiratete einen Bauern, der Bühnenstücke verfasste. Für diese komponierte Strauß die Musik. Die Begabung des „Hansl mit der Dukatengeige“ äußerte sich auch in anderen künstlerischen Fächern: Er schnitzte, zeichnete und malte. Vielen Kästen und Kleidertruhen, aber auch Bienenstöcke verschönerte Strauß mit Szenen aus dem Landleben. Er gilt als „Vater der bemalten Blumenstöcke“. Eines seiner Hobby war die Astronomie. In den klaren Nächten beobachtete er die Sterne.
Johann Strauß war auch bekannt als Sportler. Beim Wettringen auf der Flattnitz blieb er angeblich sieben Jahre hintereinander ungeschlagen.

Der vielseitige Gurktaler heiratete eine Flattnitzerin und übernahm den Bauernhof seines Vaters, die „Straußhube“. Er kultivierte die Bienenzucht und den Obstbau, wurde ein Meister des Veredelns. Am Bauernhaus baute er zwei Sonnenuhren.
Wohlhabend geworden, erwarb Johann Strauß im Jahr 1805 das „Ferchergut“ bei Althofen. Das alte Fercher-Wohnhaus ziert noch heute eine Sonnenuhr von Johann Strauß, angebracht über der etwa 500 Jahre alten, Eisen beschlagenen Eingangstür.
Hoch angesehen starb der kärntnerische Johann Strauß, der „Hansl mit der Dukatengeige“ im Jahr 1812.

Werner Sabitzer

Quelle: Albert Kreiner: vlg. Fercher in Althofen

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , | Noch keine Kommentare