750 Jahre Burg Braunsberg
Im Jahr 1258 wurde die Burg Braunsberg vor der „engen Gurk“ bei Kleinglödnitz erstmals urkundlich erwähnt. Von der einstigen kleinen Burg gibt es heute nur mehr wenige Spuren.
Von der Gurktal-Bundesstraße führt zwischen Klein-Glödnitz und der Abzweigung ins Glödnitztal ein Weg nach Braunsberg, einem ausgedehnten Hochplateau südlich des Gurk-Flusses mit einigen Häusern und Bauernhöfen. Am südlichen Ende des Plateaus, am Fuße des Zammelsbergs, befindet sich eine bewaldete Erhebung, die von den Bewohnern „Schlossriegel“ genannt wird.
Auf dem nach Süden und Osten steil abfallenden Schlossriegel befand sich einst eine kleine Burg. Vermutlich schon im 18. Jahrhundert haben die Bauern die Festung abgetragen und die Steine für den Bau von Häusern und Ställen verwendet. Mit Moos bewachsene Steine, Vertiefungen auf dem Plateau und ein Graben auf der West- und Nordseite zeigen noch von dem einstigen Edelmannsitz. Der Eingang zur Burg über eine Zugbrücke befand sich vermutlich auf der Westseite. Hier führt ein Weg den Hügel hinunter. Bei der Burg dürfte ein Saumweg über den Zammelsberg nach Feldkirchen vorbeigeführt haben.
Die Anfänge der Burg
Braunsberg war ein Lehen der Gurker Bischöfe. Die kleine Burg wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Bruno „de Bruneck“ errichtet. Erstmals erwähnt wurde das Anwesen im Jahr 1258 in einer Gurker Urkunde. Die Ministerialen, die das Lehen verwalteten, nannten sich im 13. und 14. Jahrhundert „von Braunsberg“, „Prawn von Braunsberg“ oder „Prawn von der Gurke“. 1260 wurde die Burg als „Pruneke“ bezeichnet, und für 1289 ist ein „Brunlinus de Brunsberch“ verbürgt. 1330 scheint ein Fritzle Proun, Sohn bei der Gurk, in den Dokumenten auf. Im Jahr 1338 wurde das Gebäude erneuert und 1360 saß hier ein „Praeun von Praunsberk“.
1519 waren auf Braunsberg Gurker Lehensleute mit den Namen Franz, Sigmund und Wilhelm.
Basseyo auf Braunsberg
Einen Aufschwung erlebte die Burg Braunsberg mit der Belehnung an die Familie Basseyo. Die Familie, in den Quellen auch als Basayo, Baseyo, Waseyo und Bascio genannt, stammte aus Venetien und zog im 15. Jahrhundert nach Kärnten, wo sie im Dienst der Gurker Bischöfe war.
Jacob Basseyo war im Jahr 1501 Amtmann zu Straßburg und 1512 Rentmeister des Bistums Gurk. 1518 war er Rat des Gurker Bischofs Matthäus Lang von Wellenburg.
Ein Nachfahre Jacobs, Hans von Basseyo, Regimentsrat von Erzherzog Karl, erhielt Braunsberg am 11. September 1572 vom Gurker Bischof Urban als Lehen verliehen. Das Gut, damals als öder „purgstal Prunsberg“ bezeichnet, wurde mit einem Burgfried (Gerichtsbezirk) ausgestattet und Hans von Basseyo erklärte sich bereit, Braunsberg zu einem Edelmannssitz auszubauen. Die Basseyos nannten sich daraufhin „von Braunsberg“. Hans, verheiratet mit Barbara von Hengstpach und in zweiter Ehe mit Euphrosine von Pranckh, hatte auch die Burg Steuerberg als Pfand. Als Regimentsrat Erzherzog Karls von Innerösterreich wollte er 1579 aus dem Amt ausscheiden. Daraufhin bewilligten ihm die Kärntner Verordneten eine Erhöhung seiner Jahreszubuße auf 200 Gulden. Hans Basseyo, zum Freiherrn geadelt, war ab 1593 Kärntner Landesverweser. Er wurde 1601 nach dem Tod des Landeshauptmanns Hans Graf Ortenburg mit der Verwaltung des Amtes betraut und stand auch auf der Kandidatenliste für den neuen Landeshauptmann, die Erzherzog Ferdinand unterbreitet wurde. Der Erzherzog entschied sich aber im Mai 1602 für einen Nicht-Kärntner – Georg Graf zu Nogarol, Hauptmann zu Triest. Hans Basseyo starb im Jahr 1607.
Sein Sohn Christof war mit Katharina Wucherer zu Drasendorf verheiratet; er war Landrat in Kärnten und 1616 Landesverweser.
Christofs Sohn Hans Ulrich lebte noch auf Braunsberg; Hans Ulrichs Tochter Regina Eleonore war von 1660 bis 1677 Äbtissin des Klosters St. Georgen am Längsee. Hans Ulrich wurde 1651 Pfleger auf Burg Albeck, die er instand setzen ließ. 1657 war er Landesvizedom und 1668 Landesverweser. Hans Ulrichs Sohn Hans Christof nannte sich „zu Praunsperg und Straußegg“. Mit dessen Sohn, den am 5. Februar 1671 in Straßburg geborenen Hans Wolf Christof, starb die Familie Basseyo im Freiherrenstand aus.
Die Burg Braunsberg dürfte Ende des 17. Jahrhunderts noch bewohnt gewesen sein, dann begann der Verfall.
Werner Sabitzer
Quellen:
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Willner, Heinz: Die Albecker Flur- und Ortsnamen. Hrsg. Vom Museum- und Schlossverein Schloss Albeck, Albeck, 2006.
Burgruine Glanegg
Die Burg Glanegg zählt zu den ältesten und imposantesten Wehranlagen Kärntens. Türken und Ungarn scheiterten an der Eroberung der Festung im Glantal.
Auf einem Bergrücken oberhalb des Orts Mautbrücken im Glantal befinden sich die Reste der drittgrößten Burg Kärntens nach den Khevenhüller-Festungen Hochosterwitz und Landskron.
Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine Burg, erbaut vermutlich von den Salzburger Bischöfen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die strategisch wichtige Anlage im Glantal im Jahr 1121; damals kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Truppen des Herzogs von Kärnten, Heinrich III. von Eppenstein, und des Salzburger Erzbischofs Konrad, der von seinem Gurker Hilfsbischof Hiltebold unterstützt wurde. Während sich Erzbischof Konrad im Exil in Bayern befand, konfiszierte Herzog Heinrich Gebiete des Salzburger Bischofs, unter anderem im Kanaltal. Erzbischof Konrad marschierte daraufhin mit 1.000 Mann nach Kärnten. Heinrich hatte die Gegend um Glanegg geplündert und operierte von der Burg Glanegg aus. Im Krappfeld kam es zur Konfrontation. Angesichts der Übermacht des Gegners unterwarf sich Heinrich. Er musste demütigend barfuß und im Büßergewand um Frieden bitten.
Die Burg Glanegg dürfte aber im Besitz der Eppensteiner geblieben sein. Verwaltet wurde die nun landesfürstliche Burg von Ministerialen, die sich „von Glanekke“ nannten.
Das Herzogtum Kärnten (seit 976) reichte damals bis in das Gebiet des heutigen Niederösterreich und war kein politisch geschlossenes Gebiet, sondern aufgeteilt: Das geistige und weltliche Fürstentum Salzburg hatte großen Grundbesitz in Kärnten, dem Bischof von Gurk, zunächst ein Salzburger Hilfsbischof, gehörten unter anderem das Gurk- und Metnitztal; und das Bistum Bamberg besaß große Gebiete im Raum Feldkirchen, Villach und Griffen sowie im Lavanttal. Die Eppensteiner, die bayrischen Adeligen zu Beginn des elften Jahrhunderts als Herzöge von Kärnten folgten, waren das erste einheimische Geschlecht an der Spitze des Herzogtums. Immer wieder kam es in Kärnten zu Auseinandersetzungen zwischen den Herzögen, den Salzburger Bischöfen und den Bambergern.
Im Jahr 1122, nach dem Tod des letzten Eppensteiner Herzogs Heinrichs, übernahmen die Spanheimer die Geschicke Kärntens. Heinrichs Neffe Graf Bernhard von Spanheim erbte die Herrschaft Glanegg, danach ging die Burg wiederum im Erbweg auf Bernhards Neffen Markgraf Ottokar II. von Steyr über, dem späteren Herzog der Steiermark. Die steirischen Ministerialen, die nun die Burg verwalteten, nannten sich „Herren von Glanegg“. 1136 war ein „Walther de Glanheche“ auf der Burg.
Meuchelmord an Reimbert von Glanegg
Nach dem Tod des Markgrafen Ottokar II. im Jahr 1185 erbte der Babenberger Herzog Leopold V. die Burg; er gab sie an Reinprecht von Mureck als Lehen weiter. Ihm folgte als Lehensherr Rudolf von Ras. Stammsitz der Ministerialenfamilie Ras war die gleichnamige Burg bei St. Jakob im Rosental, von der heute noch Gebäudereste zu sehen sind. Der Nachfolger von Rudolf von Ras, Reimbert von Ras, der sich ebenfalls als „von Glanegg“ bezeichnete, fiel einem Mordanschlag zum Opfer: Im Jahr 1292 kam es zu einem Aufstand von Adeligen aus Kärnten und der Steiermark gegen den neuen Landesherrn. König Rudolf I. von Habsburg hatte seinen Schwiegersohn und treuen Gefährten im Kampf gegen Ottokar II. von Böhmen, Graf Meinhard von Görz-Tirol, mit dem Herzogtum Kärnten belehnt. Mit Unterstützung des Salzburger Erzbischofs Konrad überfielen die Aufständischen unter der Führung des bedeutenden Kärntner Grafen Ulrich III. von Heunburg die Herzogstadt St. Veit und nahmen den Sohn des Landesherrn Meinhard von Görz-Tirol, Ludwig, gefangen. Ludwig wurde zunächst auf Burg Taggenbrunn und später auf Burg Werfen festgehalten. Beide Wehranlagen gehörten zu Salzburg. Während des Gegenschlags der Grafen von Görz-Tirol gemeinsam mit dem Habsburger Herzog Albrecht I. wurde Reimbert von Glanegg im März 1293 bei Griffen von einem Speer getroffen. Er hatte das Kommando bei der Belagerung der Bamberger Burg Griffen geführt, auf die sich Ulrich III. von Heunburg zurückgezogen hatte.
In der „Reimchronik“ hieß es über den Meuchelmord an Reimbert von Glanegg:
„Eines tages er reit
für Griven nach gewonheit
und suochte, daz er vant
Do wart er an gerant
Und do er kerte gegen in her,
do stach einer ein sper
hinden durch in,
daz im Kraft unde sin
entweich an der stat
Von dem orse viel er drat
Nider uf daz graz.“
Der Täter blieb unbekannt. Der Umstand, dass der vom Herzog eingesetzte neue Kärntner Landeshauptmann, der Tiroler Konrad von Auffenstein, die Witwe des ermordeten Glanegger Burgherrn heiratete, führte zu Gerüchten, Auffenstein könnte hinter dem Attentat auf Reimbert Ras stecken.
Nach Reimberts Tod übernahm sein Sohn die Burg Glanegg. Im Jahr 1374 starb mit Wilhelm der letzte männliche Nachkomme der Ras. Herzog Leopold III. von Österreich erbte Glanegg. In der Urkunde ist von Vorder- und Hinterglanegg die Rede; mit Hinterglanegg dürfte ein Turm oberhalb von Glanegg in Rothenthurn gemeint gewesen sein. Herzog Leopold III. setzte für die Verwaltung der Burg Pfleger ein.
Landgericht ab 1424
Bis zum Jahr 1424 war die Herrschaft Glanegg an Franz von Carrara verpfändet, danach wurde sie wieder von landesfürstlichen Pflegern betreut. Ab diesem Jahr war Glanegg Landgericht unter dem Habsburger Herzog Wilhelm. Nach Wilhelm folgte Ernst der Eiserne als Besitzer der Burg Glanegg, er vererbte sie seinem Sohn Friedrich III., dem späteren deutschen Kaiser. Unter den Verwaltern der Burg befanden sich Andreas Gutensteiner, Konrad Farbes und Johann Hanneberg. Als kaiserlicher Beamter fungierte damals unter anderem Eberhard von Deutzfeld.
1473 und 1478 versuchten durchs Glantal ziehende Türken, die Burg zu erobern. Später scheiterten auch die Ungarn an der Festung. Von 1478 bis 1492 waren die Färber Pfleger auf Glanegg.
Ernau auf Glanegg
Kaiser Friedrich III. vererbte die Burg seinem Sohn Kaiser Maximilian I. Von diesem ging die Herrschaft an seinen Enkel Kaiser Ferdinand I, der Festung und Landgericht im Jahr 1534 Ulrich von Ernau für seine treuen Dienste als Pfand auf Lebenszeit überließ – für ein Darlehen von 6.000 Gulden. Ulrich von Ernau hatte bereits Kaiser Maximilian I. mit Geld ausgeholfen und dadurch einen Anspruch auf die Burg gewahrt. Er war als kaiserlicher Feldhauptmann Führer der Kärntner Streitmacht. Der neue Burgherr musste sich verpflichten, mindestens 1.000 Gulden in den Aus- und Umbau der desolaten Burganlage zu investieren. Ulrich von Ernau baute zwei Ringmauern, einige Wirtschaftsgebäude und einen Turm beim äußeren Tor. Die Familie Ernau stammte aus der Steiermark.
Nach dem Tod seines Bruders Leonhard im Jahr 1533, der die neue Moosburg ausgebaut hatte, kam Ulrich von Ernau auch in den (Pfand-)Besitz von Schloss und Amt Moosburg.
Nach Zahlung der Ablöse von 6.000 Gulden übernahm Bernhard Khevenhüller kurzzeitig die Burg Glanegg. Er ließ die von Bischof Leonhard von Lavant eingerichtete Kapelle zu einem Prunksaal umbauen. Später kam die Herrschaft wieder an die Familie Ernau. 1573 überprüfte eine Kommission die Anlage, daraufhin musste der baufällige Westtrakt und ein Teil der Ringmauer erneuert werden. Von den alten Gebäuden blieben nur der Bergfried und einige Mauern.
Die protestantisch gewordene Familie Ernau musste wie viele andere adelige Familien Kärnten im Zuge der Gegenreformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts verlassen. Laut einem Visitationsbericht von 1586 hatten die Ernau die Burg Glanegg allen Leuten aus der Umgebung geöffnet, die den protestantischen Gottesdienst besuchen wollten. 1629/30 verließen die Ernau das Herzogtum Kärnten; Hektor von Ernau veräußerte im Jahr 1930 die Burgen Glanegg und Moosburg an den kaiserlichen Rat und Landschaftssekretär Johann Weber von Ehrenthal. Dieser gab die Herrschaft Glanegg an Johann Friedrich Freiherr von Seenuß weiter, dessen Familie auch Liebenfels besaß. Seenuß verkaufte die Burg 1681 an Wilhelm von Kronegg. Die Familie Kronegg besaß nun wie ehemals die Familie Ernau sowohl Glanegg als auch Moosburg.
1688 war Glanegg im Besitz von Georg Ludwig Graf Windischgrätz; 1706 kam die Festung an die Herren von Aschau. Im Jahr 1713 erwarb der Gewerke Graf Stampfer die Liegenschaft. Er besaß in Oberkärnten ein Kupferbergwerk, errichtete unter der Burg einen Kupferhammer und ließ eine Straße durch das Glantal bauen; für die Glanüberquerung wurde bis 1775 Maut eingehoben („Mautbrücken“).
1802 ging die Herrschaft Glanegg durch Kauf an die Familie Kirn. Vier Jahre später besaß Theodor Graf Batthyany die Burg und 1818 schien als Besitzer Hofrichter Hirzegger von Ossiach auf, dessen Tochter Josefine die Herrschaft als Heiratsgut erhielt. Ihr Mann Andreas Klinzer baute 1830 das Gut Mautbrücken, das aus einem Herrenhaus, einer Bierbrauerei, Ställen, einer Kegelbahn, einer Schießstätte und einer Mühle bestand. Das Gut war damals ein beliebtes Ausflugsziel.
Niedergang der Burg
1848, nach Auflösung der Feudalherrschaft, endete auch das Landgericht auf Burg Glanegg. Die Familie Klinzer verkaufte Schloss und Gutshof im Jahr 1860 an den Bregenzer Bürgermeister Ferdinand Kinz. Bilder und Zeichnungen aus Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen die Burg noch als intakt. Die „Dachsteuer“, von Joseph II. eingeführt, besiegelte das Schicksal vieler alter Bauten in Österreich und bedeutete auch das Ende der im 19. Jahrhundert noch bewohnten Burg Glanegg. Kinz ließ die Dächer abtragen, um sich die Steuer zu ersparen. Er ließ auch die Holzteile entfernen. Der rasche Verfall der Anlage begann.
1906 erwarb Josef Odelga die imposante ehemalige Wehranlage, weitere Besitzer waren Marie Edle von Marquet (ab 1915) und Leo Rainer (ab 1918). 1937 kam die Ruine in das Eigentum der Familie Mayer, deren Nachkommen, die Familie Zwillink, die Anlage seit 1982 besitzen.
Burgverein Glanegg
Im Jahr 1996 pachtete die Gemeinde Glanegg die Ruine; seitdem revitalisiert der „Burgverein Glanegg“ die Wehranlage. Viele Tonnen Schutt wurden aus dem Inneren der einst mächtigen Burg entfernt. Einige Räume wurden für Besucher hergerichtet, darunter der ehemalige Speicher und die Säulenhalle im Untergeschoss. Im Burghof finden Veranstaltungen statt. Im Bergfried befinden sich drei Signalfenster. Die Mittelsäule eines romanischen Fensters mit einem dorischen Kapitell wurde vor dem Zweiten Weltkrieg gestohlen. Demnächst soll der Burgbrunnen mit seinen Auswölbungen freigelegt werden. Unmittelbar unterhalb der Burg befinden sich Mauerreste der Meierei, eines Stalles und des Pförtnerhauses.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Henckel-Donnersmarck, Hugo: Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt, 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Klagenfurt, Feldkirchen und Völkermarkt. (Kärnten – II), Wien, 1965.
Burg Griffen: Bambergs beste Burg
Auf einem Kalkfelsen über dem Markt Griffen sind die Reste einer ausgedehnten Burganlage zu sehen, die als uneinnehmbar galt.
Der Ort Griffen steht auf geschichtsträchtigem Boden; die ältesten Spuren einer Besiedelung in Kärnten stammen aus der Tropfsteinhöhle im Griffner Burgberg; zwei Feuerstellen und Werkzeugteile dürften in der Altsteinzeit um 30.000 vor Christi entstanden sein. Außerdem wurden Knochen von Höhlenbären und einem Mammut gefunden.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 822. Im Jahr 1090 wurde in einer Urkunde anlässlich der Dotierung des Spanheimer-Hausklosters St. Paul ein „Stadelhof Griffen“ („stabulariam curtim Griuina“) erwähnt. Der bambergische Markt Griffen, 1237 erstmals genannt, war mit der Festung durch Mauern verbunden.
Im Jahr 1236 stiftete Bischof Ekbert von Bamberg aus Gütern seines verstorbenen Bruders Berthold, des Markgrafen von Istrien, die Prämonstratenser-Abtei St. Maria im Griffental. Die Abtei wurde von Mönchen aus einem Kloster im Bistum Würzburg besiedelt.
Die Burg Griffen auf einem 130 Meter hohen Kalkfelsen dürfte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert von den Bamberger Bischöfen errichtet worden sein. Beim Regierungsantritt des Bamberger Bischofs Eberhard II. im Jahr 1146 war die Festung mit großer Wahrscheinlichkeit schon vorhanden. Am 14. Februar 1160 ließ sich Bischof Eberhard in Pavia von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) bestätigen, dass einige Bamberger Burgen niemals als Lehen ausgegeben werden dürfen. Griffen wurde darunter als eine Burg genannt, die schon „de antiquo“ („von alters her“) dem Bistum Bamberg gehörte. „Deinem gerechten Bitten stimmen Wir gerne zu und nehmen alle jene Burgen von jeder Lehensvergabe aus, die Du als Deinen Besitz erweisen kannst, sowohl jene, welche Deine Kirche schon vor Deinem Pontifikat besaß, wie jene, welche Dein eigener Eifer hinzugefügt hat. Namentlich befehlen Wir hier aufzuzählen … von altersher Grivena“, hieß es (übersetzt) in der kaiserlichen Urkunde.
Zwischen 1242 und 1311 hatten die Bamberger in Griffen das Münzrecht inne („Friesacher Gepräge“).
Die militärische Bedeutung der Burg war groß. Von hier aus wurde der Weg ins obere Lavanttal kontrolliert; Burg Griffen war bis Mitte des 14. Jahrhunderts Verwaltungssitz für die bambergischen Besitzungen in Kärnten. Dazu zählten neben dem oberen Lavanttal Villach, Bleiberg und Feldkirchen. Aus Urkunden geht hervor, dass zwischen 1147 und 1178 auch die Herzogstadt St. Veit im Besitz Bambergs gewesen sein könnte.
Eine besondere Rolle spielte die Burg Griffen während des Aufstands von Kärntner und steirischen Adligen gegen den Landesfürsten aus dem Haus Görz-Tirol nach dem Tod Königs Rudolf von Habsburg. Der König hatte nach dem Aussterben der Spanheimer Herzöge Meinhard von Görz-Tirol im Jahr 1286 als Kärntner Herzog eingesetzt. Graf Ulrich von Heunburg, der als einer der mächtigsten Kärntner Grafen Herzog von Kärnten werden wollte, führte die Aufständischen an. Er residierte auf der Bleiburg und beherrschte die Gegend um das Jauntal. Sitz der Heunburger in Kärnten war ursprünglich die Rauterburg (Altheunburg) und später die Heunburg in der Nähe von Völkermarkt. Die Heunburger besaßen Gebiete in Unterkärnten, der Untersteiermark und Krain (Cilli) sowie Lehen im Murtal und zahlreiche weitere Güter. Ulrich von Heunburg wurde von König Wenzel von Böhmen, vom Salzburger Erzbischof und vom Bistum Bamberg unterstützt. Die Kämpfe begannen mit einem Überfall auf die Herzogstadt St. Veit/Glan, in der sich der Sohn Meinhards von Tirol befand. Er wurde als Geisel genommen, zunächst auf Burg Glanegg und später auf der salzburgischen Burg Hohenwerfen festgehalten. Der bambergische Hauptmann auf Burg Griffen, Gottfried von Birkenbach, schloss mit Ulrich von Heunburg einen Bündnisvertrag und überließ dem aufständischen Grafen im Jahr 1292 die Griffener Burg. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen wurden unter anderem die zu Salzburg gehörenden Städte Friesach und St. Andrä zweimal zerstört. Am 14. März 1293 wurden die Putschisten in der Schlacht am Wallersberg von den Truppen des Habsburgers Albrecht I. von Österreich besiegt. Kämpfe gab es auch in der Nähe von Griffen. Am 3. Mai 1293 übergab Ulrich von Heunburg die Burg Griffen an Walter von Gutenstein, einem Vertrauensmann des bambergischen Bischofs Arnold. Ulrich von Heunburg wurde in Wiener Neustadt gefangen gehalten, er erreichte aber im Juni 1293 einen Friedensvertrag mit Albrecht I. von Österreich, konnte nach Kärnten zurück und erhielt einige seiner Güter zurück.
Ulrich von Heunburg gilt durch bedeutende Güterschenkungen als „zweiter Stifter“ des Klosters Griffen. Die männlichen Heunburger starben 1322 mit dem Tod von Ulrichs Sohn Hermann aus; ihre Besitzungen gingen vor allem an die verwandten Grafen von Ortenburg und die Freien von Sannegg, die als „Grafen von Cilli“ das Wappen der Heunburger übernahmen.
Die Burg Griffen wurde im 12. Jahrhundert von Burggrafen („Herren von Griffen“) verwaltet. Ab dem 13. Jahrhundert stand an der Spitze der bambergischen Güterverwaltung in Kärnten der „Vizedom“, der zunächst auf Burg Griffen und ab der Zeit Bischof Wernthos (1328 – 1335) auf Burg Wolfsberg residierte.
Ab 1504 setzte der bambergische Vizedom auf der Burg Griffen Pfleger ein, denen auch die Landgerichtspflege zustand. Zu den bekanntesten Pflegern von Griffen gehörte Heinrich von Gutenberg, der 1506 auf der Burg starb. Sein Epitaph befindet sich in der Stadtpfarrkirche Wolfsberg. Burg Griffen besaß nicht die „hohe Gerichtsbarkeit“ (Blutgerichtsbarkeit), diese war dem Landgericht Weißenegg übertragen. Die Burg Weißenegg bei Ruden, heute eine Ruine, war ursprünglich im Besitz der Bamberger, wechselte dann den Besitzer und kam 1425 bei einem Gebietstausch von den Grafen von Cilli wieder an die Bamberger. 1491 wurde das Weißenegger Landgericht an Griffen übertragen.
Im 13. und frühen 14. Jahrhundert war der bambergische Hauptmann für militärische und polizeiliche Aufgaben zuständig.
Im 16. Jahrhundert wurde Burg Griffen ausgebaut und weiter befestigt. Das Bauwerk war so gut befestigt, dass es weder von den Türken, noch von den Ungarn eingenommen werden konnte. Im Jahr 1666 wurde der kaiserliche Ingenieuradjunkt Michael Possaner damit beauftragt, Vorschläge für einen Ausbau der Festung vorzulegen. Die Arbeiten wurden aber nicht ausgeführt.
Im Jahr 1688 war die Burg noch in gutem Zustand und bewohnt. Danach begann der Verfall; im 18. Jahrhundert waren nur mehr einige Räume bewohnt. Der Kastner wohnte bereits in dem 1672 gekauften „Stöckel“ unter der Burg. Der letzte Gottesdienst in der Burgkapelle wurde am 15. Juli 1768 gefeiert. Ende des 18. Jahrhunderts zerfiel die einst uneinnehmbare Burg weiter. Im Jahr 1840 wurden die Dächer abgerissen und damit das Bauwerk dem endgültigen Verfall preisgegeben.
Am 15. Juni 1759 ging das bambergische Griffen unter der Monarchin Maria Theresia an den österreichischen Staat und wurde dem Herzogtum Kärnten einverleibt. Auch der übrige bambergische Besitz in Kärnten kam in den Besitz Österreichs.
1785 erwarb Max Thaddäus Graf Egger die Burg; später kamen die Güter an die Freiherren von Helldorff, die den Besitz an die Familie Leitgeb aus Kühnsdorf verkauften. Seit Dezember 1999 befindet sich das 10,5 Hektar große Areal des Schlossbergs samt der Tropfsteinhöhle im Besitz der Marktgemeinde Griffen. Zwischen 2000 und 2003 wurde die Ruine teilweise saniert.
Bistum Bamberg: Besitzungen in Kärnten
Das Bistum Bamberg wurde im Jahr 1007 von Kaiser Heinrich II. (1002 – 1024) gegründet. Er schenkte „seinem“ Bistum unter anderem Gebiete im Herzogtum Kärnten: im Jahr 1014 einen schmalen Landstrich mit drei Orten zwischen Pontafel und der Gail und im Jahr 1060 Villach und Umgebung. Kurz davor kam Bamberg durch einen Tausch zwischen Bischof Adalbero von Bamberg und seinem Bruder Marchward von Eppenstein in den Besitz des oberen Lavanttals.
Dadurch war das Bistum Bamberg nach dem Erzbistum Salzburg der größte Grundherr in Kärnten. Das Bistum genoss Steuerfreiheit und andere bedeutende Rechte; es war auch unabhängig gegenüber den örtlichen Gerichts- und Verwaltungseinrichtungen. Kaiser Heinrich II. wurde 1147 heilig gesprochen.
Die Schenkungen in Kärnten hatten eine strategische Bedeutung für die wichtigen Verkehrs- und Handelswege nach Italien. Damals beschenkten die römisch-deutschen Kaiser bevorzugt kirchliche Einrichtungen mit diesen Gebieten, da sie Lehen an Adlige für zu unbeständig hielten. So erhielten die Bischöfe von Brixen und Trient Gebiete an der Brennerstrecke. Die bambergischen Gebiete in Kärnten wurden zunächst von der Burg Griffen aus verwaltet und später von Burg Wolfsberg.
Am 27. Jänner 1535 wurde nach einer längeren zivilrechtlichen Auseinandersetzung der habsburgisch-bambergische „Rezess“ unterzeichnet. Das Bistum Bamberg wurde dem Kärntner Landrecht untergeordnet; es musste für seine Güter in Kärnten Steuern zahlen und sich an der Landesverteidigung beteiligen. Durch den „Ewigen Rezess“ im Jahr 1674 wurde der Kärntner Besitz des Bistums Bamberg dem Land Kärnten untergeordnet und im 1759 erwarb der Staat die bambergischen Besitzungen.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Die Länder und das Reich – Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Österreichische Geschichte 1122 – 1278, hg. Von Herwig Wolfram, Wien, 1999.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994.
Henckel-Donnersmarck, Hugo: Burgen und Schlösser in Kärnten. 1964
Kohla, Franz X.; v. Metnitz, Gustav Adolf; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde I und II, Klagenfurt 1973.
Koller-Neumann, Irmtraud: Die Lehen des Bistums Bamberg in Kärnten bis 1400. Klagenfurt, 1982.
Die vergessene Burg Steuerberg
Die Herrschaft Steuerberg war im Hochmittelalter ein bedeutendes Machtzentrum in der Region Mittelkärnten.
An der Gurktal-Bundesstraße nach der oberen Gurk führt beim Gasthaus Neuwirt in Wabl ein Wanderweg auf eine Felskuppe, auf der sich die Mauerreste der Burg Steuerberg befinden. Seit vielen Jahrzehnten ist die Felskuppe bewaldet; die Ruine vom Tal nicht einsehbar. Nur wenige Bewohner der Region kennen die Ruine, die auch als „Marbauer Schloss“ bezeichnet wurde.
Die Mauerreste lassen erahnen, wie die Burg einmal ausgesehen haben muss. Das ummauerte Bauwerk war 70 Meter lang in nord-/südlicher Ausrichtung und bis zu 20 Meter breit. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1603 heißt es: Das Schloss liege in einer „ziemblichen Höh“, es sei das höchste Schloss in Kärnten und „um und um mit einer guten, starken, hohen Mauer umfangen“. Es befinde sich auf einem „herrlichen Ort“ und „hat auf alle Enden allenthalben herum ein schön weites Aussehen.“ Obwohl hoch oben, könne man „gar in das Schloß reiten und fahren.“
Nach dieser Beschreibung bestand die Anlage vor vier Jahrhunderten aus drei Teilen: Im Südteil das eigentliche „Schloss“ mit den Hauptgebäuden, in der Mitte der Eingang, die Kapelle und der Graben; und im Norden der Burghof mit Stall und Wehrgang. Das Schloss hatte in seiner gesamten Breite einen in den Felsen gehauenen Keller, in dem man „50 Startin Wein“ lagern konnte. Ein „steirisches Startin“ hatte damals 566 Liter. Daneben gab es zwei kleinere gewölbte Keller. Auf der hölzernen, mit Säulen gestützten Kellerdecke befanden sich die „unteren Räume“: Über dem großen Keller befand sich der Getreidekasten, daneben das Küchengewölbe und die Gesindestube. Im Anschluss daran befanden sich zwei Zimmer, die unter anderem als Lager dienten. In die unteren Zimmer fiel – aus einem kleinen Innenhof zwischen zwei Seitenmauern – nur wenig Licht. Eine Stiege führte zu den oberen Zimmern mit dem „Mueßhaus“, dem Speisesaal, der wie die meisten anderen Zimmer zwei Fenster hatte. Auf der Vorderseite befand sich die Hauptstube mit vier schönen Fenstern, aus denen man zum Meierhof und auf die Gründe hinunter sehen konnte. Vom Speisesaal führte eine Stiege unter das Dach. Die Ecken auf der Vorderseite wurden mit hölzernen Erkern abgeschlossen.
Im Nordteil der Anlage befand sich der Stall für 20 Pferde. Darüber war ein Getreidekasten und unter dem Dach war Heu und Stroh gelagert. Der Eingang befand sich im Westen in der Mitte der Ringmauer. Die Burg betrat man durch eine schwere Holztüre. Der Graben mit einer Zugbrücke trennte den Südteil mit den Hauptgebäuden vom Rest der Burg. Im Graben befand sich eine gemauerte Zisterne.
Die Burgkapelle dürfte im 12. Jahrhundert erbaut worden sein. Der ursprüngliche Bau stand weiter östlich, wobei die Apsis in die Ringmauer integriert war. Vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts dürfte die Kapelle etwas weiter nach Westen verlegt worden sein. Teile der alten Kapellenmauer dienten als Fundament für die neuen Außenmauern.
Die Herren von „Touernich“
Die Herrschaft Steuerberg, unweit der Burg Albeck, war im Hochmittelalter ein bedeutendes Machtzentrum. Bis zur Mitte des 12. Jahrhundert lautete die Bezeichnung der Burg „Touernich“ (Dovernik). Burgher „Reginher“, in anderen Quellen auch „Reinher“ genannt, scheint erstmals 1140 urkundlich auf. Er stammte aus dem Geschlecht der Hollenburger und war mit Petrissa verheiratet, einer Tochter der Judith von Feistritz (Steiermark). Als Reginhers einziger Sohn Liutold in das Kloster Admont eintrat, schenkte er dem Kloster Besitzungen im Raum Steuerberg. Reginher hatte Liutold schon früh dem Kloster Admont zur Erziehung übergeben. In einer Urkunde scheint Liutold im Jahr 1160 als Priester auf. Am 1. Juli 1165 wählten ihn die Mönche zum Abt und am 17. April 1166 erhielt er vom Salzburger Erzbischof Konrad II. die Abtweihe. Bevor Reginher de Touernich um 1147 zum Kreuzzug von König Konrad III. nach Palästina aufbrach, beschenkte er das Kloster Admont wieder mit Landbesitz; diesmal mit zwei Huben im Raum Glödnitz und einem Gasthaus bei Steuerberg. Nach der glücklichen Rückkehr vom Heiligen Krieg überließ Reginher dem Kloster Admont weitere Besitzungen, darunter eine Wiese zu „Chronke“ (Krön) bei Pisweg.
Auch der Lehensherr von Reginher, Graf Bernhard von Spanheim, nahm am dritten Kreuzzug im Jahr 1147 teil. Die aus Rheinfranken stammenden Spanheimer waren zwischen 1122 und 1269 Herzöge von Kärnten. Bernhard von Spanheim, der 1142 das Kloster Viktring gründete, kam am 16. November 1147 auf dem Weg ins „Heilige Land“ um, mit ihm die meisten seiner Ritter.
Die Ländereien Herzog Bernhards erbte daraufhin Markgraf Otakar III. von Steyr; ein Neffe von Bernhards Frau. Zu ihm fielen auch die Ministerialen (ritterliche Dienstmannen) der Spanheimer. Auch Reginher von Touernich hatte nun einen neuen neuen Lehensherrn. Nach den neuen Besitzern, den Markgrafen von Steyr, wurde die Burg Touernich „Steyerberg“ („Styrberch“) genannt. Die Umbennung erfolgte zwischen 1147 und 1169. In einer am 24. März 1169 ausgestellten Gurker Urkunde wurde der Burgherr erstmals als „Reinherus de Styrberch“ bezeichnet. Der Name Touernich dürfte aber noch bis ins 13. Jahrhundert gebräuchlich gewesen sein.
Neben den Steuerbergern wurden auch weitere wichtige Ministeriale vom steirischen Markgraf Otakar übernommen, unter ihnen die Herren von Trixen, die Glanegger, Hollenburger, Ras-Rosegger, Reifnitzer und Weißensteiner. Die steirischen Markgrafen hatten damit einen großen Einfluss in Kärnten.
Reginher von Touernich trat kurz vor seinem Tod in das Kloster Admont ein, dem sein Sohn Liutold vorstand. Zum Kloster hatte er sich bereits zwischen 1140 und 1145 gebunden. Damals schenkte er dem Kloster unter anderem das Gut Dalling und weitere Huben am Zammelsberg („Zumoltsperge“), in Steuerberg und Glödnitz. Reginhers Gattin Petrissa trat in das Admonter Frauenkloster ein. Auch Reginhers Bruder Gebhard sowie die Schwiegermutter Judith von Feistritz und ihre zwei Töchter Wendilburg und Kunigunde gingen in das Kloster.
Nach dem Tod von Reginhers einzigem Sohn Luitold, kam die Verwaltung der Burg und Herrschaft Steuerberg an Otto, einem Sohn von Swiker von Hollenburg, dem Bruder Reginhers. Mit dem im Jahr 1238 genannten Brüdern Amelrich und Heinrich dürften die Steuerberger ausgestorben sein.
Ministeriale und Burggrafen auf Steuerberg
Später verwalteten Burggrafen die Herrschaft Steuerberg. Auf einer Urkunde des Jahres 1305 ist erstmals ein Wappensiegel überliefert. Das Schild zeigt drei kleine Schilde, mit einem Riemen an einem Buckelring befestigt. Dieses Wappenschild diente als Grundlage für das Wappen der Gemeinde Steuerberg, das noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts „Steierberg“ hieß und umgangsprachlich auch heute noch so genannt wird.
In die Burg Steuerberg flüchteten während der Jahrzehnte dauernden Erbschaftskämpfe um die benachbarte Burg Albeck im Jahr 1260 die Peggauer-Pfannberger, nachdem die Vasallen des Gurker Bischofs sie aus der Burg Albeck vertrieben hatten. Heinrich von Pfannberg unternahm von der Burg Steuerberg aus mehrere Raubzüge gegen Besitzungen der Gurker Kirche. Graf Friedrich von Ortenburg, damals Inhaber der Herrschaft Steuerberg, war ein Verwandter Heinrichs von Pfannberg. Nach einem neuerlichen Angriff der Peggauer auf Gurker Besitzungen stürmten die Vasallen des Gurker Bischofs die Burg Steuerberg und setzten sie in Brand.
Im Jahr 1418 fiel die Burg an die Grafen von Cilli. 1456 übernahmen die Habsburger die Herrschaft Steuerberg. Kaiser Maximilian I. überließ sie 1517 dem Orden der St. Georgs-Ritter in Millstatt. Der Orden, der zur Türkenabwehr gegründet worden war, bewährte sich nicht und verfiel rasch; die Besitzungen wurden kommissarisch verwaltet. Im Jahr 1588 sorgte Erzherzog Karl dafür, dass die Burg seinem Hofkammerrat Hans von Basseyo bis zum Tod seiner „katholischen Söhne“ verpfändet wurde. Der Landesfürst hatte Schulden bei seinem Hofbeamten. 1598 kam Steuerberg an die Jesuiten, den Rechtsnachfolgern der St. Georgs-Ritter; ab 1607 dürfte die Burg wieder von der Herrschaft Millstatt verwaltet worden sein.
„Altes Schloss“
Johann Weickhard Valvasor beschreibt in seiner Topographie des Erzherzogtums Kärnten im Jahr 1688 die Burg Steuerberg nur im Zusammenhang mit der Burg Albeck: „… Unweit davon aber auf einem hohen Berg/ ist das Schloß Steyerberg/auf Mülstatt denen Herren P. P. Societatis Jesu gehörig.“
Damals dürfte die Burg Steuerberg nicht mehr bewohnt gewesen sein. 1745 wurde das herrschaftliche Meierhaus in Wabl unter der Burg zu einem bäuerlichen Gut.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1773 verwaltete die Studienfondsherrschaft Millstatt als Nachfolgerin der Jesuiten den Besitz Steuerberg. Der Ertrag der Herrschaft diente zur Finanzierung der Universität Graz. Die Fondsherrschaft verkaufte die Herrschaft Steuerberg, zu der neben Bauernhöfen in Albeck und Deutsch Griffen rund 20 Anwesen im Gebiet der heutigen Gemeinde Steuerberg gehörten, 1797 an den Gurker Fürstbischof Salm-Reifferscheidt. Bis dahin übte der Herrschaftssitz auch die Gerichtsbarkeit im „Burgfried“ Steuerberg aus.
Matthias Liebenwein, Besitzer der Herrschaft Poitschach, erwarb im Jahr 1825 aus dem Nachlass von Fürstbischof Salm-Reifferscheidt die Besitzung Steuerberg mit der damals schon verfallenen Burg.
Leben im Hochmittelalter
Die Burgen waren im Hochmittelalter die Machtzentren. Die adligen Burgherren waren Grundbesitzer, verfügten über Waffen und Soldaten, die „hörigen Bauern“ waren Leibeigene, die einen Teil der Ernte an den Grundherrn abliefern und für ihn an bestimmten Tagen Frondienste leisten mussten. Sie zahlten auch für die Benützung von Mühlen, Brücken und Weinpressen (im Mittelalter gab es in Kärnten Weinbau).
Der Grundherr sorgte für den militärischen Schutz des Gebiets, für die öffentliche Sicherheit und er übte (meist durch Richter) die (niedere) Gerichtsbarkeit aus.
Ministeriale waren höhere Verwaltungsbeamte, die dem Markgrafen unterstanden und selber Grundherren mit „festen Häusern“ (meist Burgen) waren.
Diese Strukturen währten im Großen und Ganzen bis zur „Bauernbefreiung“ Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug im Mittelalter etwa 35 Jahre. Viele Krankheiten waren damals lebensgefährlich. Mitte des 12. Jahrhunderts tauchten auch Fälle der aus dem Orient eingeschleppten Lepra auf. Die Medizin war gegen die meisten Krankheiten hilflos, am Land bediente man sich der Naturheilkunde. Das erste öffentliche Spital im heutigen Österreich dürfte im Jahr 1130 im Stift Göttweig errichtet worden sein.
Zum Beleuchten der Burgen und Häuser dienten Pech- und Herzfackeln, Kienspäne und Talgkerzen. Es gab keine Herbergen. „Beruflich“ Reisende übernachteten in Burgen und in Klöstern. Die erste Herberge wurde 1160 am Semmering errichtet. Man reiste auf der Donau per Schiff, sonst auf dem Pferd oder zu Fuß.
Werner Sabitzer
Quellen:
Eichert, Stefan: Die Burgruine Steuerberg; in: Wadl, Wilhelm: Steuerberg. Verstecktes Paradies im Herzen Kärntens. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt, 2001.
Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1999.
Krause, Adalbert, Das steirische Benediktinerstift Admont in seinen Beziehungen zu Kärnten, in: Carinthia I. Zeitschrift für geistliche Landeskunde von Kärnten. Festgabe zum 900-Jahrjubiläum des Bistums Gurk 1072 –1972. Verlag des Geschichtsvereines Kärnten, Klagenfurt 1972.
Stejskal, Herbert, Kärnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt, 1985.
Ruine Wullross
Auf einer steilen bewaldeten Anhöhe, einige hundert Meter oberhalb der „inneren Wimitz“, sind die Reste mehrerer Steinbauten zu sehen. Hier standen einst Burg und Schloss Wullross.
Die romanische Burg Wullross (auch: Woldris, Wuldres, Wuldreis, Wuelroß) auf 860 Meter Seehöhe, benannt nach ihrem Erbauer Wolrich, wurde urkundlich erstmals im Jahr 1200 in einem Urbar (Verzeichnis über Besitzrechte eines Grundherrn und Leistungen von Untertanen) des Domkapitels Gurk genannt. Waltherus de Woldris hatte damals die Burg als Lehen. Im Jahr 1279 war Pilgrim de Woldrich auf der Burg. Er bezeugte eine Schenkung der Brüder von Freiberg. Von Pilgrim ist eine Auseinandersetzung dokumentiert, die er im Jahr 1304 mit seinem Enkel Niklas hatte, der auf Burg Nussberg saß.
Die „Paben von Wullross“ führten ein Wappen, das ein gehörntes Tier mit einem Nasenring zeigte. Pabo von Wullross verzichtete am 13. Mai 1392 zugunsten des Bischofs Johann von Gurk auf seine Rechte am „Stain zu Sawrek“ in der Reichenau.
Die Wullrosser heirateten im Lauf der Zeit in viele andere Kärntner Adelsfamilien ein und bekleideten eine Reihe von höheren Ämtern im Land. Pabos Sohn Christof stand im Dienst der Herren von Kraig und war 1430 und 1434 Pfleger in Kärnten – anstelle seines Herrn Konrad von Kraig, des Landeshauptmanns von Kärnten. 1436 war Christof von Wullross Verweser der Hauptmannschaft in Kärnten. Er starb 1444 und wurde in der Pfarrkirche St. Veit beigesetzt.
Katharina von Wullross war 1402 Äbtissin des adeligen Nonnenklosters St. Georgen am Längsee. Ein Wilheld von Wullross war als Hauptmann in Straßburg im Dienst des Gurker Bischofs.
Leonhard war der letzte männliche Nachkomme der Herren „von Wuelroß“. Seine Tochter Kathrey heiratete im Jahr 1444 Dietrich Linzer, dessen Familie sich danach „zu Wuelroß“ nannte.
Wilhelm Rumpf von Wullross
Der bedeutendste „Wullrosser“ war Wilhelm Rumpf. Er stammte aus Friesach. Ihm fiel ihm die Burg Wullross als Erbe zu; er war mit dem Vorbesitzer Linzer verschwägert. 1480 musste Rumpf die Burg an Bischof Lorenz von Gurk veräußern. 1483 wird von Schäden berichtet, die Bischof Lorenz durch das Schloss Wullross zugefügt wurden. Die Rumpf nannten sich auch nach der Weitergabe der Burg „von Wuelroß“. Von Rumpf ist unter anderem dokumentiert, dass er ein Haus in Friesach 1516 an den Bergrichter Hans Aigner verkaufte.
Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen und erwarb 1515 von Wolfgang Pibriach(er) die Herrschaft Tentschach. Er war Mitglied des von Siegmund von Dietrichstein gegründeten Mäßigkeitsordens und 1518 auch Pfleger auf Osterwitz. Nach Kaiser Maximilians Tod im Jahr 1519 war er im inneren ständischen Rat und später erster ständischer Burggraf in Klagenfurt.
Wilhelm Rumpf nahm 1520 als Procurator Siegmunds von Dietrichstein beim Hoftaiding (Gerichtsversammlung des Landesfürsten) in St. Veit teil und hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. die hohe Stelle eines Truchsess inne. 1533 erhielt Wilhelm Rumpf von Wullross gegen Bezahlung von 3.600 Gulden die Heunburg bei Völkermarkt als Pfand. Er war mit Barbara von Keutschach verheiratet; seine Tochter Barbara heiratete den Gewerken Wilhelm Neumann, der von der adeligen Familie Ungnad das Schloss Wasserleonburg kaufte. Dorothea, eine weitere Tochter des Rumpf, war 1533 Äbtissin im Stift St. Georgen.
Rumpfs Tochter Barbara galt als „Paradegeschäftsfrau“ des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Barbara Neumann den Adeligen Hans Seenuß, Mitglied einer um 1400 aus Krain zugezogenen Familie, die 1538 geadelt wurde und im Herzogtum Kärnten sehr vermögend und einflussreich geworden war. Hans Seenuß war von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach.
Barbaras Tochter Anna Neumann von Wasserleonburg (1535 – 1623) ging als „Herrin von Murau“ in die Geschichte ein. Sie war sechsmal verheiratet und kam dadurch zu einem großen Vermögen, sodass sie unter anderem Geld an das Kaiserhaus verleihen konnte. Ihr zweiter Mann war Freiherr Christoph II. von Liechtenstein, dessen Familie seit mehreren Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Ihr sechster und letzter Ehemann war Reichsgraf Georg Ludwig von Schwarzenberg, den sie 1617 im Alter von 81 Jahren heiratete. Noch im selben Jahr übertrug sie dem um vier Jahrzehnte jüngeren Gemahl die Stadt und Herrschaft Murau. Dass die Fürsten Schwarzenberg heute noch riesigen Grundbesitz im Raum Murau haben, ist somit einer „Wullrosserin“ zu verdanken. Das heutige Schwarzenberg-Schloss Murau ist im 17. Jahrhundert errichtet worden.
Moritz, ein Sohn des Wilhelm Rumpf, erhielt 1569 Tentschach vom Landesfürsten als Lehen verleihen. Von Moritz Rumpf kam Tentschach 1582 an Hans Pruggmayer, dessen Mutter Gertraud eine geborene Rumpf von Wullross war.
Die Staudacher auf Wullross
Vom Gurker Bischof wurde die Burg Wullross 1484 für kurze Zeit an den Söldnerführer Andrä Berger, genannt „Katzanderl“ als Lehen vergeben. Danach ging die Herrschaft an Burkhart Muntpratt, der aus Schwaben stammte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam Wullross als Lehen an die Manndorfer und danach an die Herren von Staudach, die im Dienst des Gurker Bischofs standen. Die Mandorfer oder Staudacher dürften nordwestlich neben der alten Burg das schlossartige Gebäude errichtet haben, möglicherweise war aber ein früherer Besitzer Erbauer des Schlosses; 1573 wurde der Neubau als „Schloss Wuollros“ erwähnt. 1666 bezeichnete sich Konrad von Staudach als „Herr auf Wullross und Dalling“. Die Barbara-Kapelle im Schloss Wullross wurde 1578 urkundlich erwähnt.
Die Staudacher auf Wullross (und Meiselding) waren protestantisch; sie strengten ein bis 1621 währendes Gerichtsverfahren gegen das Bistum Gurk an. Das Wappen der Staudacher auf Wullross zeigte eine Jakobsmuschel, die auch auf dem Flügelaltar von Flitschl bei Tarvis vorkommt und auf die Stifter hinweist. Der Flügelaltar befindet sich im Diözesanmuseum in Klagenfurt.
1747 erwarb Ferdinand von Egger das Anwesen. 1818 wurde das Schloss vom Blitz getroffen; der Dachstuhl brannte aus. Die Mauern wurden mit einem Notdach geschützt, das aber 1820 einstürzte; die Bauten verfielen rasch. Heute stehen noch Mauerreste der Burg und des Schlosses; Gebäudeteile, Gräben und Erdwälle lassen auf das Ausmaß der ehemaligen Festung im Wimitztal schließen. Die ehemalige Herrschaft Wullross befindet sich im Eigentum der Bundesforste.
Wullrosser Kirche
Die romanische Kirche St. Thomas am Wullross befindet sich nicht beim Schloss, sondern beim Forsthaus. Sie wurde 1362 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber viel älter. Das kleine Gotteshaus war eine Filialkirche von Zammelsberg, deren Pfarrer waren aufgrund eines alten Stiftsbriefs viermal in der Woche zur Abhaltung des Gottesdienstes verpflichtet. Nach einem Brand 1558 wurde das Kirchlein wieder aufgebaut. 1836 erfolgte die Weihe des neuen Friedhofs bei der Wullrosser Kirche; er wird aber seit 1916 nicht mehr benützt.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.
Kampf um Burg Albeck
Vor acht Jahrhunderten kämpften die Gurker Bischöfe mit den Grafen von Peggau-Pfannberg um die Burg und Herrschaft Albeck
„Das veste Schloß Halbegg liegt im Gurgger Viertheil/zwischen Weitensfeld/und Steyerberg/gleich an der Strassen/auf einem recht wilden/ und Abscheulichen Ort/und hohen felsigen Berg; gehört dem Bistum Gurgg oder Straßburg. Unweit davon aber auf einem hohen Berg/ ist das Schloß Steyerberg/auf Mülstatt denen Herren P. P. Societatis Jesu gehörig.“ So beschrieb Johann Weickhard Valvasor in seiner Topographie des Erzherzogtums Kärnten im Jahr 1688 die Burg Albeck.
Heute sind von dem im Mittelalter bedeutenden Bauwerk nur mehr Mauerreste zu sehen.
Die Burg Albeck an einem steilen Berghang in der „Engen Gurk“ dürfte bereits im zehnten Jahrhundert errichtet worden sein. Kaiser Arnulf von Kärnten schenkte im Jahr 898 das Gebiet dem „edlen Herrn Zwentibolch“, der aus dem Geschlecht der Liutpoldinger stammte. Zwentibolch war ein Vorfahre Hemmas, die mit dem Markgrafen Wilhelm (990 – 1036) verheiratet war.
Die später heilig gesprochene Hemma stattete mit dem Besitz im oberen Gurktal 1043 das von ihr gegründete Nonnenkloster in Gurk aus. Schon knapp drei Jahrzehnte später, im Jahr 1072, löste der Salzburger Erzbischof Gebhard das Kloster wegen „Zuchtlosigkeit“ und „Regelwidrigkeit“ auf. Er setzte in Gurk einen Bischof ein, um die Gegend besser verwalten zu können.
Im Jahr 1155 wurde die Burg und Burgherr Rudolf von Albeck (Rudolfus de Albekke) erstmals urkundlich erwähnt. Er hatte drei Kinder: die Söhne Rudolf II. und Poppo sowie Kunigunde, die 1196 den norditalienischen Adligen Friedrich von Caporiacco heiratete.
Der Sohn Rudolfs II., Poppo von Albeck, nahm 1190 unter der Führung des Kaisers Friedrich Barbarossa am dritten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Zur Finanzierung des Kreuzzugs hatte Rudolf II. von seinem zweiten Sohn, dem Gurker Bischof Dietrich, ein Kirchendarlehen von rund 100 Friesacher Mark erhalten. Im Darlehensvertrag wurde vereinbart, dass Albeck dem Bistum Gurk zugeschlagen werde, wenn Poppo kinderlos sterben sollte. Poppo starb während des Kreuzzugs.
Sein Bruder Dietrich von Albeck war von 1175 bis 1179 Dompropst und danach bis zu seinem Tod im März 1194 Bischof von Gurk. Er musste sein Amt gegen den 1179 eingesetzten „Gegenbischof“ Hermann von Ortenburg (1179-1180) verteidigen. Mit dem Tod Dietrichs starben die Freien von Albeck aus.
Im Jahr 1191 übernahm das Bistum Gurk unter Bischof Dietrich den Albecker Lehenbesitz.
Bischof Eckhard (1195-1200), zweiter Nachfolger Bischof Dietrichs, wollte auch das Erbteil der Kunigunde von Albeck erwerben. Deren Ehemann hatte aber die Mitgift an Wichard von Karlsberg verkauft.
Gurk in Flammen
Die steirischen Grafen von Peggau-Pfannberg waren mit der Übernahme der Herrschaft Albeck durch den Gurker Bischof nicht einverstanden und meldeten als Verwandte der Albecker Erbansprüche an. Liutpold von Peggau, ein Neffe Rudolfs von Albeck, versuchte mit seinen Söhnen, den Albecker Besitz zurückzuerhalten. Die Gurker Kirche war aber dazu nicht bereit. Im Jahr 1234 versuchte Herzog Bernhard von Kärnten, bei einer Tagung in Meiselding die Peggauer dazu zu überreden, auf ihre Forderungen zu verzichten und bedrohte sie mit der Verhängung von Bußgeld und Kirchenbann. Ulrich von Peggau, der erste Graf von Pfannberg, beanspruchte mit seinem Bruder weiterhin die Herrschaft Albeck. Herzog Bernhard vermittelte abermals. Ulrich von Peggau-Pfannberg erschien aber nicht zu einer Besprechung in Völkermarkt; die Vermittlungen scheiterten. Auch die Versuche Papst Gregors IX., den Streit zu beenden, schlugen fehl. Ulrich von Peggau-Pfannberg wurde exkommuniziert und ihm nach seinem Tod die Beisetzung im Kloster St. Paul verwehrt.
Nach dem Tod des Salzburger Erzbischofs Eberhard II. (1200-1246), kam es zu schweren Kämpfen zwischen der Gurker Kirche und den Söhnen Ulrichs von Peggau-Pfannberg, Bernhard und Heinrich. Güter und Kirchen des Bistums Gurk gingen in Flammen auf; viele Gebäude im Gurktaler Raum wurden zerstört.
Während der Kämpfe stellten sich auch Gurker Dienstmannen gegen ihren Bischof Ulrich I. und traten auf die Seite der Pfannberger über. Bischof Ulrich wurde gefangen genommen. Die Ministeriale nahmen dem Bischof die Straßburg und den Kirchenschatz weg und verwüsteten fast alle Kirchengüter zwischen Gurk und Metnitz. Papst Urban IV. belegte die Brandschatzer mit dem Kirchenbann.
Die Brüder Bernhard und Heinrich von Pfannberg machten eine Wallfahrt nach Gurk und versprachen Frieden. Es kam aber zu neuerlichen Kämpfen um das Gebiet Albeck. Zeitweise zogen sich die Peggauer auf die in der Nähe Albecks gelegene Burg Steuerberg zurück, nachdem die Soldaten des Gurker Bischofs Albeck eingenommen hatten. Auf Burg Steuerberg saß damals Graf Friedrich von Ortenburg, ein Verwandter der Peggauer.
Heinrich von Pfannberg unternahm von der Burg Steuerberg aus mehrere Raubzüge gegen Besitzungen der Gurker Kirche. Unter anderem plünderten seine Männer Gehöfte in Pölling und Feldkirchen und brachten zwei Gurker Vasallen um. Die Peggauer wurden von ihren Verwandten unterstützt, die Besitzungen der Gurker in der Südsteiermark angriffen.
Fast alle Brandleger und Plünderer wurden mit Kirchenbann belegt. Der Gurker Bischof Dietrich II. erhielt aber von Papst Urban IV. die Vollmacht, reuige Täter vom Kirchenbann loszusprechen, ohne dass diese nach Rom pilgern mussten. Das eingesparte Reisegeld mussten sie der Kirche für das „Heilige Land“ spenden.
Vergleich im Erbstreit
Herzog Ulrich III. von Kärnten, ein Sohn Herzogs Bernhard, konnte die Streitenden zu einem Vergleich überreden. Bei einem Gerichtstag am 10. Dezember 1264 in Landstraß in Krain einigten sich Peggauer und Gurker. Die Peggauer Brüder und ihre Schwester Sophie sowie ihre Neffen verzichteten auf die Herrschaft Albeck und erhielten als Ausgleich von der Gurker Kirche 350 Mark Friesacher Pfennige und eine persönliche Zuwendung des Bischofs Dietrich II. von 30 Mark als Lehen. Herzog Ulrich III. und drei Gurker Persönlichkeiten verpflichteten sich, die Bürgschaft für die Einhaltung des Vergleichs zu übernehmen. Der lange Erbschaftsstreit war beigelegt.
Pfleger auf Albeck
Die Burg und das Gebiet Albeck kamen unter die Verwaltung der Gurker Kirche. Die Bischöfe setzten auf Albeck Ministeriale als Verwalter ein, zunächst Burggrafen, später „Pfleger“. Diese nannten sich meist nach der Burg. In den Urkunden werden unter anderem „Otto dictus de Albekke“ (1279) und „Ditricus dictus Permannuns“, auch „Juch in der Helle“ als Pfleger genannt. Juch in der Helle baute unterhalb der Burg ohne Genehmigung der Gurker Kirche einen Turm. Er wurde kurze Zeit später im Auftrag Gurks niedergerissen. Juch in der Helle musste sich laut Schiedsspruch vom 26. Mai 1300 verpflichten, den Turm „an der Eben“ nicht wieder aufzubauen. Juch in der Helle war auch in Auseinandersetzungen mit den Herren von Metnitz verwickelt. Der Verwalter Berthold von Albeck wurde von den Metnitzern gefangen genommen und erst nach Zahlung eines Lösgelds von 40 Mark Silber wieder freigelassen. Die Metnitzer überfielen und beraubten Reisende, nahmen auch den bischöflichen Schreiber von Gurk gefangen und verletzten den Gurker Marschall.
Bischof Heinrich von Gurk und der Straßburger Burggraf eroberten daraufhin im Jahr 1301 die Burg Metnitz. Die Metnitzer ergaben sich und wurden von einem Gericht in Judenburg zu Schadenersatz verpflichtet. Als sie den Ersatz nicht leisteten, zerstörten die Gurker die Burg bis auf Grundreste.
Die Pfleger (Burgvögte) von Albeck hoben den „Zehent“ ein, forderten „Hand- und Spanndienste“ und übten die Gerichtsbarkeit aus (zu „Haut und Haar“ und zu „Hals und Hand“). Der Pachtzins wurde in Geld und Naturalien bezahlt.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Pflegschaft von Albeck den Freibergern anvertraut. Zwischen 1556 und 1573 wurde der Burgturm von Albeck repariert und wieder bewohnbar gemacht.
Ein Nachfahre der Freiberger, Niklas von Freiberg, ließ die Burg umbauen und im Tal einen Meierhof errichten, den er 1636 dem Gurker Bischof Lorenz für 31 Mark überließ. 1640 wurde Niklas von Freiberg mit der Burghut von Albeck auf Lebenszeit belehnt.
Als weitere Pfleger auf Albeck sind Otto de Giel und Peter Feistritzer urkundlich bezeugt. Mitte des 15. Jahrhunderts folgten als Pfleger die Mitglieder der Familie Seidenschwanz. Leonhard Seidenschwanz widmete der Burgkapelle eine Hube in Sirnitz. Der Sirnitzer Pfarrer musste sich verpflichten, einmal wöchentlich in der Burgkapelle eine Messe zu lesen.
Als weitere Pfleger scheinen in den Urkunden die Herren Einhofer, Bruckdorfer, Rintfleisch, Staudacher und Raidhaupt auf. 1541 wurde Albeck als „Gschloss“ bezeichnet.
Nicht immer waren die Bewohner in der Herrschaft Albeck mit ihren Pflegern einverstanden. Im Jahr 1661 erhoben sich rund 500 Bauern gegen den Pfleger Jakob Sittig Ayrschmolz. Ausgelöst wurde der Streit vermutlich durch die vom Pfleger willkürlich eingehobene Personalsteuer: Jeder Bittsteller musste beim Pfleger einen Pfennig entrichten, ansonsten wurde er nicht zu ihm vorgelassen. Ayrschmolz wandte sich mit einem Brief vom 27. Oktober 1661 an seine Vorgesetzten um Hilfe. Die aufgebrachten Bauern, fürchtete er, hätten die Absicht, ihn zu steinigen oder totzuschlagen. Der Gurker Dompropst, Generalvikar und Weihbischof J. G. Müller, beendete die Auseinandersetzung. Er sprach mit den Bauern und versprach die Beschwerde zu überprüfen. Der Pfleger kam mit einer Rüge des Bischofs davon.
Gerichtsbarkeit in der Herrschaft Albeck
Das Bistum Gurk erhielt unter Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1280 die „Hohe Gerichtsbarkeit“ und konnte dadurch auch Leibes- und Todesstrafen verhängen. Damals galt die „Peinliche Halsgerichtsbarkeit“. 1472 wurde Albeck Sitz des Landgerichts. Die Gerichtsbarkeit und Steuerverwaltung des Bistums Gurk umfasste die vier Landgerichtsbezirke Dürnstein, Grades, Straßburg und Albeck. Der Gurker Bischof hatte das Recht, Richter zu ernennen und abzusetzen.
Der jeweilige Pfleger von Albeck war mit der Gerichtsbarkeit beauftragt. Die Rechtsprechung erfolgte im Namen des Bischofs. Die Grenzen des Landgerichtsbezirks Albeck verliefen vom Turracher Sattel über den Wintertaler Nock, Flattnitz, Mödringberg, Sirnitz, Gurk, Zammelsberg, Steinbühel, Krukenspitze, Eggenriegel, Reichenauer Gärten, Bretthöhe, Kaser Höhe und Schoberriegel wieder zur Turracher Höhe. Das Albecker Gericht grenzte an die Landgerichte Millstatt, Murau, Grades, Strassburg, Kraig, Glanegg und Himmelberg. Der Markt Weitensfeld war vom Albecker Gerichtsbezirk eingeschlossen. „Der Bezirk Albeck hat drei Tagesreisen im Umfange, und ist sohin der Ausdehnung nach größer, als manches selbstständige Fürstenthum in Deutschland“, schrieb Joseph Mitterdorfer in der „Carinthia“ vom 26. August 1820.
Kaiser Karl V. erhob am 25. Juli 1532 auf dem Reichstag zu Regensburg die „Constitutio Criminalis Carolina“ (Halsgerichtsordnung) zum Reichsgesetz. 1578 wurde eine Landgerichtsordnung für das Bistum Gurk erlassen, die das Strafrecht im Bistum regelte.
Schloss Neualbeck
1651 setzte Pfleger Johann Ulrich von Basayo die Burg Albeck instand. Nach 1675 waren weitere umfangreiche Reparaturen notwendig. Um 1688 dürfte die Burg noch bewohnt gewesen sein. Aber schon vor 1700 begann der Niedergang der Burg Albeck. Die Burgkapelle dürfte damals noch gut erhalten gewesen sein. Der Gurker Bischof Joseph Maria Graf von Thun (1741-1761) stiftete der Kapelle ein goldgeschnittenes Missale in rotem Leder. Teile der Burg wurden abgetragen und mit dem Material zwei Kilometer weiter „an der Eben“ das Schloss Albeck („Niederalbeck“) und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Im Jahr 1729 wurde dieses Schloss als Amtssitz des bischöflichen Pflegers erstmals genannt. Damals residierte in Neualbeck der Pfleger Johann Andrä Stuttner. Im Jahr 1800 wurde das Dienerhaus erbaut.
Josef Mitterdörfer beschrieb in seinem Aufsatz „Das Schloss Albeck mit seinem Bezirke“, erschienen am 26. August 1820 in der „Carinthia“ die Umgebung der Burg Albeck als „schauerliche Öde“: „In dieser Grauen erregenden Gegend vom linken Ufer der Gurk, hart am Wege, der sich aus dem Gurktal nach Oberkärnten hinaus windet, liegen auf einem trotzigen Felsenhügel die Ruinen von Alt-Albeck.“ 1860 nannte Orep Altalbeck als Burgruine und Neualbeck als Schloss.
Im Jahr 1848, nach der vom Abgeordneten Hans Kudlich initiierten „Bauernbefreiung“ (Aufhebung der Grundherrschaft), wurde das Pflegamt Albeck durch die Landreform aufgelöst. Vor dem Gurker Dom erinnert ein Denkmal an den Bauernbefreier Kudlich. Der letzte Albecker Pfleger Johann Drasch (1845 – 1850) wurde Landesgerichtsassessor in Klagenfurt. Der letzte Steuerbeamte und Grundbuchführer Spieß (1848 –1850) erhielt eine Stelle in Gurk.
Das Schloss diente danach als bischöfliches Forstamt; später wohnten darin Forstarbeiter. Der steinerne Torbogen mit einem Steinmetzzeichen stammt aus der alten Burg.
Im Jahr 1987 kaufte die damalige Handelsakademie-Direktorin Dr. Elisabeth Sickl die verwahrlosten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude vom Bistum Gurk ab und ließ sie restaurieren. Sickl, sie war 2000/01 Bundesministerin für soziale Sicherheit und Generationen, erhielt für die Renovierung den „Landespreis für gutes Bauen“. Im Schloss befinden sich heute ein Restaurant und Tagungsräume; im Biedermeierstöckl, dem ehemaligen Dienerhaus, gibt es Ausstellungen.
Werner Sabitzer
Quellen:
Gemeinde Sirnitz (Hrsg.), 1000 Jahre Sirnitz. Eine Reise durch die Zeit. Graphischer Betrieb Carinthia, Klagenfurt, 1993.
Henkel, Hugo, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964
Wiener/Seebach, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1980.
Krause, Adalbert, Das steirische Benediktinerstift Admont in seinen Beziehungen zu Kärnten, in: Carinthia I. Zeitschrift für geistliche Landeskunde von Kärnten. Festgabe zum 900-Jahrjubiläum des Bistums Gurk 1072 –1972. Verlag des Geschichtsvereines Kärnten, Klagenfurt 1972.
Marktgemeinde Gurk (Hrsg.), Das Goldene Buch von Gurk, Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt, 1998.
Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 199.
Stejskal, Herbert, Kärnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt, 1985.


