Der Großbrand in Weitensfeld 1814
Der Sieg über Napoleon sollte ein Freudentag für Österreich werden. Für Weitensfeld war es eine Katastrophe. Ein Großbrand zerstörte viele Häuser im Ort.
17. April 1814: Nach dem Sieg der Allierten über Napoleons Heer in der Völkerschlacht bei Leipzig zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, in Paris ein. Europa hatte sich vom Joch des französischen Diktators befreit. Die Österreicher feierten diesen Tag überschwänglich; auch in Weitensfeld trafen die Bewohner zu einer Feier zusammen.
Um halb acht Uhr abends kam es zur Katastrophe: Im Stallgebäude des Hauses Nr. 25; dem heutigen Pfandlhaus, brach ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Stallungen. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand.
Der Anwalt Anton Balthasar und der Gurker Dechand Leopold Anton Praskowitz leiteten mit einigen anderen beherzten Gurktalern die Löscharbeiten. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige Häuser in der Nähe des Gotteshauses, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 auch die Schule befand. Auch einige Häuser am Platz blieben vom Feuer verschont, hier war die Feuerspritze aus Gurk im Einsatz.
Am nächsten Tag zogen die Bewohner die schreckliche Bilanz der Brandkatastrophe: In einem Gewölbe im Haus Nr. 26 verbrannten drei Menschen. Die Häuser Nummer 1 bis 45 waren samt den Ställen zerstört. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Der Fleischhauer Johann Witzling, der im Herzele-Haus utnergebracht war, hatte allein einen Schaden von 28.000 Gulden; im Haus des Marktrichters und Kaufmanns Johann Gorton verbrannten auch viele Wertgegenstände und Bargeld; er erlitt einen Schaden von 16.700 Gulden.
In den Tagen und Wochen danach setzte eine Hilfsbereitschaft ein. Die Pfarren in den Nachbargemeinden, der Landrichter von Straßburg, der Pfleger von Albeck und viele wohlhabende Kärntner spendeten Lebensmittel und Getreide. Es gab Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten der Geschädigten der Brandkatastrophe.
Johann Gorton verzichtete auf seinen Anteil aus den Spenden, ebenso Johann Pfandl, Josef und Johann Witzeling sowie Anton und Simon Marko.
Eine Lehre wurde aus dem Großbrand in Weitensfeld gezogen: Die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk verfügte, dass künftig kein Holzhaus gebaut werden dürfe. Die Steinhäuser waren relativ brandsicher.
Quellen:
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Bericht des Bezirkskommissärs von Weitensfeld und Wullroß, Josef Mitterdorfer am 6.2.1816 zu Gurk


