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Der „kärntnerische Johann Strauß“

Der Gurktaler Johann Strauß, bekannt als „Hansl mit der Dukatengeige“, war ein vielseitiger Künstler.

Der Bauernsohn Johann Strauß, geboren am 27. Dezember 1756, wuchs beim „Madleninger“ bei St. Jakob ob Gurk auf. Ein Handwerker auf der Walz, der die letzten Lebensjahre beim Madleninger verbrachte, lehrte Johann Strauß das Schreiben, Lesen, Rechnen und das Geigenspiel. Der junge Gurktaler war sehr begabt, spielte auf der Violine und beherrschte auch andere Musikinstrumente wie die Zimbel, das Hackbrett und das Waldhorn.
Kurz vor seinem Tod schenkte der Handwerker dem jungen Johann die Geige. Der Gurker Pater Siegmund von Hohenwart (1745 – 1826) wurde auf den Bauernsohn und seine außergewöhnliche Auffassungsgabe aufmerksam. Er erteilte Johann Strauß weiteren Unterricht und stellte ihm Bücher und Landkarten zur Verfügung. Siegmund von Hohenwart war später Generalvikar unter Fürstbischof Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheid (1749 – 1822), dem Erstbesteiger des Großglockners im Jahr 1800. Salm verlegte 1787 das Domkapitel von Gurk nach Klagenfurt. Sigmund von Hohenwart galt als treibende Kraft hinter der Großglocker-Expedition. Später war er Bischof in Linz.

Siegmund von Hohenwart förderte auch das musikalische Talent von Johann Strauß und vermittelte Musikabende. Den Erzählungen nach soll ein gewisser Baron Reichenau aus Wien, ein Musikkenner, dem Gurktaler eintausend Gulden für die Geige geboten haben, Johann Strauß habe aber sein Instrument trotz dieser hohen Summe nicht hergegeben. „Hansl mit der Dukatengeige“ nannte man Johann Strauß nach dem abgelehnten Angebot. Die Violine stammte vom berühmten Tiroler Geigenmacher Jakob Stainer, fand Siegmund von Hohenwart heraus. Stainer (1617 – 1683) dürfte sein Handwerk bei den bekannten Geigenbaumeistern in Cremona gelernt haben. Er galt als Begründer der mitteleuropäischen Geigenbaukunst; seine Instrumente waren besonders klangschön; vergleichbar mit den italienischen Meistergeigen von Amati. Jakob Stainer war ab 1658 Hofgeigenmacher und betrieb am 1656 eine Werkstätte in Absam. Wie der wandernde Handwerker zur Stainer-Geige kam, blieb unbekannt. Das Instrument dürfte in den Wirren der Franzosenzeit abhanden gekommen sein.

Johann Strauß war ein gefragter Musikant und Musiklehrer, auch seine Schwester Katharina spielte außerordentlich gut Geige. Sie heiratete einen Bauern, der Bühnenstücke verfasste. Für diese komponierte Strauß die Musik. Die Begabung des „Hansl mit der Dukatengeige“ äußerte sich auch in anderen künstlerischen Fächern: Er schnitzte, zeichnete und malte. Vielen Kästen und Kleidertruhen, aber auch Bienenstöcke verschönerte Strauß mit Szenen aus dem Landleben. Er gilt als „Vater der bemalten Blumenstöcke“. Eines seiner Hobby war die Astronomie. In den klaren Nächten beobachtete er die Sterne.
Johann Strauß war auch bekannt als Sportler. Beim Wettringen auf der Flattnitz blieb er angeblich sieben Jahre hintereinander ungeschlagen.

Der vielseitige Gurktaler heiratete eine Flattnitzerin und übernahm den Bauernhof seines Vaters, die „Straußhube“. Er kultivierte die Bienenzucht und den Obstbau, wurde ein Meister des Veredelns. Am Bauernhaus baute er zwei Sonnenuhren.
Wohlhabend geworden, erwarb Johann Strauß im Jahr 1805 das „Ferchergut“ bei Althofen. Das alte Fercher-Wohnhaus ziert noch heute eine Sonnenuhr von Johann Strauß, angebracht über der etwa 500 Jahre alten, Eisen beschlagenen Eingangstür.
Hoch angesehen starb der kärntnerische Johann Strauß, der „Hansl mit der Dukatengeige“ im Jahr 1812.

Werner Sabitzer

Quelle: Albert Kreiner: vlg. Fercher in Althofen

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , | Noch keine Kommentare