Hochrindl in Frankreich
Vor 200 Jahren teilten die französischen Besatzer Kärnten: Oberkärnten kam als Teil der Illyrischen Provinzen zum französischen Königreich. Die Grenze verlief auf der Hochrindl und Weitensfeld profitierte vom Schmuggel nach „Frankreich“.
Das Jahr 1809 war ein Schicksalsjahr für Kärnten. Französische Truppen besetzten das Land; schon 1797 und 1805 waren Napoléons Soldaten in Kärnten. Nachdem Österreichs Kaiser Franz I. den Franzosen am 9. April 1809 den Krieg erklärt hatte, kam es unter anderem zu Schlachten bei Malborghet und auf dem Predil. Hauptmann Ing. Friedrich Hensel verteidigte mit seiner Truppe vergeblich Malborghet und Hauptmann Johann Hermann von Hermannsdorf stand am Predilpass mit 200 Mann 5.000 Franzosen gegenüber. Hermann und fast alle seine Mitstreiter fielen. Erzherzog Johann traf am 18. Mai mit einem Teil seiner Truppen aus Tirol in Kärnten ein, zog aber weiter Richtung Ungarn. Die Offiziere Hensel und Hermann hatten die Aufgabe, die nachrückenden französischen Truppen aufzuhalten.
Nach der gewonnen Schlacht von Aspern bei Wien gab es in Kärnten Aufbruchstimmung. Am 6. Juni 1809 kam es im Raum Klagenfurt zu Kämpfen zwischen österreichischen und französischen Soldaten.
Die französischen Truppen waren für Plünderungen und Zerstörungen verantwortlich. Den Kärntnern wurden hohe Reparationszahlungen abverlangt.
Mit dem „Frieden von Schönbrunn“ endete die Besatzung. Im Dezember 1809 verließen die Besetzer die Stadt Klagenfurt und sie sprengten die Befestigungsanlagen. Schon im September waren viele Häuser in Wallnähe geschleift worden. Bei der Sprengung der Mauern am St. Veiter Tor wurden mehrere Menschen getötet und es gab an vielen Häusern Schäden. Von den vier Toren blieb nur das Völkermarkter Tor von der Zerstörung verschont. Dieses Bauwerk wurde 1876 abgetragen, es galt als Verkehrshindernis und Verunzierung.
Teilung Kärntens
Nach dem Friedensabschluss wurde Kärnten geteilt: Der „Villacher Kreis“ (Oberkärnten) kam zum französischen Imperium; er bildete das „Département Carinthie“ in den „Illyrischen Provinzen“, zu denen auch Krain, Kroatien, Istrien sowie die Provinzen Fiume und Triest gehörten. Verwaltungssitz der Illyrischen Provinzen und zugleich Sitz des französischen Generalgouverneurs war Laibach. In Oberkärnten galten ab 1. Jänner 1812 die französischen Gesetze, darunter der „Code Civil“. Dieses 1804 in Frankreich in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch ist Grundlage für das heutige Zivilrecht in Frankreich, Belgien und Luxemburg. Der Code Napoléon war Vorbild für die Rechtsordnung in vielen anderen Ländern der Welt.
Anstatt der Magistrate gab es Friedensrichter und Tribunale. Die Verwaltung funktionierte effizienter und schneller. Währung war der Franc anstatt des Guldens und es wurden auch die französischen Maße und Gewichte eingeführt. Es herrschte Glaubensfreiheit und weitgehende Gewerbefreiheit, viele Vorrechte des Adels wurden aufgehoben, ebenso die Naturalsteuern und das Untertanenverhältnis. Die Region erlebte einen starken wirtschaftlichen Aufschwung.
Ab 1811 erfolgte die Neuorganisation Oberkärntens zu einer Zivilprovinz mit Kantonen, die wiederum in Arrondissements oder Mairien unterteilt waren. Die Mairien (Bürgermeistereien) hatten vor allem Verwaltungs- und juristische Aufgaben.
Die neue Ära hatte auch Schattenseiten: Im Februar 1811 wurde die Aufstellung eines illyrischen Regiments angeordnet und es wurden zwischen 600 und 1.200 Kärntner zum Militärdienst eingezogen. Das Regiment zog kurz darauf mit der französischen Armee nach Russland. Dieser Feldzug sollte das Reich ausdehnen und das Sprungbrett schaffen für die Eroberung weiterer asiatischer Gebiete. 400.000 Soldaten aus Frankreich und vielen eroberten Ländern überschritten Ende Juni 1812 die Memel, um Russland zu erobern. Der Feldzug geriet zum Desaster; die „Große Armee“ wurde wegen der Kriegstaktik der Russen, des kalten Winters und des fehlenden Nachschubs zum Rückzug gezwungen. Die meisten in Soldaten kamen um, darunter fast alle Oberkärntner. Auch in der Völkerschlacht von Leipzig 1813 kämpften viele Oberkärntner auf der Seite Frankreichs.
Schmugglermarkt Weitensfeld
Anders als in Oberkärnten verlief die Entwicklung in Unterkärnten, dem „Klagenfurter Kreis“, der dem Grazer Gubernium unterstellt und von Graz aus verwaltet wurde. Schon Kaiser Joseph II. hatte die Kärntner Landeshauptmannschaft aufgehoben und Kärnten dem Gubernium in Graz unterstellt.
Teile des oberen Gurktals waren französisch. Die neue Grenze reichte bis an das Gebiet der früheren Großgemeinde Weitensfeld heran. Auf der Hochrindl verlief ein Teil der Grenze zwischen den Kaiserreichen Österreich und Frankreich. An der Goggausee-Landesstraße bei Steuerberg befindet sich ein Gedenkstein, der an diese Grenze erinnert. Die Jahreszahl in der Inschrift „Franconia – Austria 1808“ ist allerdings historisch falsch und müsste „1809“ lauten.
Die Inflation war gewaltig, die Preise für Lebensmittel außerordentlich hoch. Im Februar 1811 kam es zum Staatsbankrott; der Wert alter Bankozettel fiel auf ein Fünftel, es wurden neue Einlösungsscheine ausgegeben. Das Wohlstandsgefälle zwischen Ober- und Unterkärnten führte zu einem Aufschwung eines speziellen Erwerbszweigs – des Schmuggels verschiedener Waren. Weitensfeld profitierte vom Schmuggel – etwa in das französische Himmelberg – und es ging den Weitensfeldern in diesen Jahren besser als vielen anderen Unterkärntnern.
Das Ende des französischen Kärntens
Das Russlandabenteuer war der Anfang vom Ende des großen Diktators. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 schlug das alliierte Heer Österreichs, Russlands, Preußens, Großbritanniens und Schwedens die französische Armee. 1814 zogen die Alliierten in Paris ein, Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen; die Siegermächte ließen ihm die Insel Elba als souveränes Gebiet. Ein Fehler: 1815 kehrte Napoleon mit einer Armee nach Paris zurück. In der Schlacht bei Waterloo wurde er schließlich vernichtend geschlagen und auf die britische Insel St. Helena im Atlantik verbannt, wo er 1821 vermutlich an Magenkrebs starb. 1840 brachte man mit Genehmigung der Briten seinen Leichnam nach Paris, wo er im Invalidendom bestattet wurde.
Nach dem Scheitern des Russland-Feldzugs und dem Rückzug der Franzosen begann sich auch in Kärnten das Blatt zu wenden. Im Jahr 1813 griffen österreichische Truppen die illyrische Armee an der Drau an. Es gab Kämpfe in Feistritz im Rosental und in Villach, wo viele Häuser in Flammen aufgingen. Im September und Oktober 1813 gelang es den Österreichern, die Besetzer zu vertreiben. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig wurden die Illyrischen Provinzen wieder unter österreichische Verwaltung gestellt. Mit dem Friedensvertrag von Paris am 30. Mai 1814 wurden die alten Grenzen Kärnten bestätigt. Oberkärnten war wieder ein Teil Österreichs. Die Verwaltung erfolgte aber noch von Laibach aus.1825 wurde auch der Klagenfurter Kreis dem Gubernium Laibach angeschlossen. Erst nach der Revolution 1848 wurde Kärnten wieder selbstständig – als Kronland mit der Hauptstadt Klagenfurt.
Den Ereignissen im Schicksalsjahr 1809 ist die Ausstellung „Karambolage 1809 – Kärnten und der Franzosenkaiser“ im Landesmuseum Klagenfurt gewidmet. Die Ausstellung ist bis 26. November 2009 zu sehen.
Werner Sabitzer
Der Großbrand in Weitensfeld 1814
Der Sieg über Napoleon sollte ein Freudentag für Österreich werden. Für Weitensfeld war es eine Katastrophe. Ein Großbrand zerstörte viele Häuser im Ort.
17. April 1814: Nach dem Sieg der Allierten über Napoleons Heer in der Völkerschlacht bei Leipzig zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, in Paris ein. Europa hatte sich vom Joch des französischen Diktators befreit. Die Österreicher feierten diesen Tag überschwänglich; auch in Weitensfeld trafen die Bewohner zu einer Feier zusammen.
Um halb acht Uhr abends kam es zur Katastrophe: Im Stallgebäude des Hauses Nr. 25; dem heutigen Pfandlhaus, brach ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Stallungen. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand.
Der Anwalt Anton Balthasar und der Gurker Dechand Leopold Anton Praskowitz leiteten mit einigen anderen beherzten Gurktalern die Löscharbeiten. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige Häuser in der Nähe des Gotteshauses, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 auch die Schule befand. Auch einige Häuser am Platz blieben vom Feuer verschont, hier war die Feuerspritze aus Gurk im Einsatz.
Am nächsten Tag zogen die Bewohner die schreckliche Bilanz der Brandkatastrophe: In einem Gewölbe im Haus Nr. 26 verbrannten drei Menschen. Die Häuser Nummer 1 bis 45 waren samt den Ställen zerstört. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Der Fleischhauer Johann Witzling, der im Herzele-Haus utnergebracht war, hatte allein einen Schaden von 28.000 Gulden; im Haus des Marktrichters und Kaufmanns Johann Gorton verbrannten auch viele Wertgegenstände und Bargeld; er erlitt einen Schaden von 16.700 Gulden.
In den Tagen und Wochen danach setzte eine Hilfsbereitschaft ein. Die Pfarren in den Nachbargemeinden, der Landrichter von Straßburg, der Pfleger von Albeck und viele wohlhabende Kärntner spendeten Lebensmittel und Getreide. Es gab Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten der Geschädigten der Brandkatastrophe.
Johann Gorton verzichtete auf seinen Anteil aus den Spenden, ebenso Johann Pfandl, Josef und Johann Witzeling sowie Anton und Simon Marko.
Eine Lehre wurde aus dem Großbrand in Weitensfeld gezogen: Die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk verfügte, dass künftig kein Holzhaus gebaut werden dürfe. Die Steinhäuser waren relativ brandsicher.
Quellen:
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Bericht des Bezirkskommissärs von Weitensfeld und Wullroß, Josef Mitterdorfer am 6.2.1816 zu Gurk


