800 Jahre Weitensfeld
Weitensfeld im Gurktal besteht seit 800 Jahren. Der neue Markt, eine Schenkung der Babenberger an das Domstift Gurk, entstand zwischen 1203 und 1207.
Zentrum des Gurktals im 12. Jahrhundert war das Gurker Domkapitel mit dem von Bischof Roman (1131 – 1167) erbauten Dom in Gurk und dem Bischofssitz auf der Strassburg. Einige Anhöhen im Raum oberen Gurktal wie Mödring und Zammelsberg waren bereits seit langem besiedelt, es gab einige Burgen wie Albeck (1155 erstmals erwähnt), Waldeck (beim heutigen Hardeggerhof in Glödnitz) und Braunsberg, andere befestigte Anlagen, eine Reihe von Amthöfen und einige Orte wie Sirnitz, Glödnitz und Griffen.
„Wietensuelt“ wurde erstmals im Jahr 1131 urkundlich erwähnt und lag an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt. Die Ansiedlung befand sich in steirischem Besitz; und kam 1192 an die Babenberger, die ihn im Jahr 1202 dem Domstift Gurk schenkten.
Der neue Markt
Zwischen 1203 und 1207 gestattete König Philipp dem Gurker Kapitel die Gründung eines neuen Marktes etwa drei Kilometer abwärts gurkabwärts. Das Stift ließ den neuen Ort „Wietensuelt“ errichten; der ursprüngliche Ort wurde als „alter Markt“ (später: „Altenmarkt“) bezeichnet. Hier dürfte sich auch die römische Poststation „Beliandrum“ befunden haben. Beliandrum und Tarnasicae (vermutlich auf der Passhöhe der Flattnitz) waren zwei Stationen auf der befestigten Römerstraße von Virunum (Zollfeld) nach Juvavum (Salzburg). Das geht aus der Peutingerschen Tafel (Tabula Peutingeriana) hervor, einer Kopie einer römischen Straßenkarte auf Pergament aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um eine grafische Darstellung der wichtigsten Straßen im Römischen Reich. Auch Reste von Bauten aus der Römerzeit finden sich im Gurktal, Fragmente von römischen Grabbauten. Einige bearbeitete Steine aus der Römerzeit sind in Gebäuden des Stiftes Gurk eingebaut worden.
Spanheimer in Kärnten
In Kärnten übernahm im Jahr 1202 der Spanheimer Bernhard II. die Herzogwürde von seinem verstorbenen Bruder Ulrich II., schon Jahre vorher hatte er die Amtsgeschäfte anstelle seines schwer kranken Bruders geführt. Der staufertreue Bernhard unterstützte „seinen“ König Philipp und hielt sich im Frühjahr 1203 auch bei ihm in Nürnberg auf. Im Jänner 1205 ließ sich Philipp erneut zum König wählen, diesmal auch mit den Stimmen der niederrheinischen Fürsten, die an der ersten Wahl 1198 nicht teilgenommen hatten. Die Krönung erfolgte diesmal am rechtmäßigen Ort Aachen. Ein Jahr später besiegte Philipp den Gegenkönig Otto, der sich auf seine Güter in Braunschweig zurückzog.
Wie damals üblich, sah es Philipp als Verpflichtung, sich bei seinen Anhängern mit Schenkungen, Belehnungen und Zugeständnissen zu bedanken. Zu den Begünstigten zählte auch der Erzbischof von Salzburg, der sein Gebiet erweitern konnte.
Vorteile erwartete sich auch Herzog Bernhard II., der sich im Ende1207 neuerlich bei König Philipp aufhielt. Ein Jahr später wurde aber Philipp vom gewalttätigen Pfalzgraf Otto von Wittelsbach erschlagen; sein einstiger Gegner Otto IV. wurde zum König gewählt. Der Erzbischof von Salzburg wandte sich an die Seite Otto IV, der dafür die Salzburger Hoheitsrechte über das „Eigenbistum“ Gurk bestätigte. Auch Herzog Bernhard II. von Kärnten anerkannte den neuen König.
Politisch gesehen war Kärnten damals ein „Fleckerl-Teppich“. So besaßen etwa die Bistümer Brixen, Bamberg und Salzburg große Besitzungen in Kärnten. Die regierenden Spanheimer hatten kaum Besitz, das beschränkte auch ihre Macht.
Marktbestätigungsurkunde
Herzog Bernhard II., der bedeutendste Spanheimer, bestätigte am 17. Dezember 1211 in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behielt sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Diese Bestätigung ist auch ein erster Hinweis auf eine landesfürstliche Gesetzgebung: Die Bürger sollten sich beim Kauf und Verkauf an jene Vorschriften halten, die der Herzog mit dem Rat erfahrener Leute seines Gefolges und seines Landes erlassen hatte.
Die Marktbestätigungsurkunde von Weitensfeld ist auch ein Beweis dafür, dass Herzog Bernhard eine neue zentrale Behörde, eine Art herzögliche Kanzlei, geschaffen und die Verwaltung in seinem Machtbereich reorganisiert hat. An der Spitze der geistlichen und weltlichen Zeugen steht ein „Magister Poncius, Arzt und Schreiber des Herzogs“. Unter Bernhards Vorgänger und Bruder Ulrich waren vorwiegend Mönche des Klosters Viktring für die Ausstellung herzöglicher Urkunden herangezogen worden.
Das Marktprivileg von Weitensfeld spielte auch eine Rolle im Streit zwischen dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. und „seinem“ Gurker Bischof, der nach Unabhängigkeit strebte. Obwohl Papst Innozenz III. den Markt dem Gurker Domkapitel bestätigte, belegte Erzbischof Eberhard den Gurker Bischof Walther und das Kapitel mit Bann. Die Streitenden sandten im Jahr 1211 Vertreter nach Rom. Aus Gurk kamen Probst Otto und zwei Domherren, die der Papst vom Bann lossagte. Die anderen musste der Salzburger Erzbischof „absolvieren“.
Weitensfeld war ein eigener Burgfried (Gerichtsbarkeit). Domstiftliche Richter übten in Weitensfeld die niedere Gerichtsbarkeit aus; die „Blutgerichtsbarkeit“ oblag dem Gurker Bischof.
Kunstwerk im Kirchlein
Eines der bedeutendsten Werke der Glaskunst Österreich stammt aus dem Weitensfelder Kirchlein St. Magdalen, das 1264 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Magdalenenscheibe, das älteste Glasgemälde in Österreich, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Heute befindet sich in der Filialkirche St. Magdalen bei Weitensfeld eine Kopie dieser Scheibe, das Original wird aus Sicherheitsgründen im Diözesanmuseum in Klagenfurt aufbewahrt.
Naturkatastrophen
Naturkatastrophen, Seuchen und Kämpfe brachten immer wieder Unheil über Weitensfeld. Das Jahr 1348 ging als das Katastrophenjahr in die Kärntner Geschichte ein. Ein gewaltiges Erdbeben am 25. Jänner 1348 führte zum Absturz eines Teils des Dobratschs, es gab Heuschreckenschwärme und wieder einmal bedrohte eine tödliche Seuche die Bewohner – die erste verheerende Pest-Epidemie im Spätmittelalter. In Europa kamen bis 1352 etwa 25 Millionen Menschen an der Pest um, jeder dritte Bewohner des Kontinents.
„Renner und Brenner“
Im Jahr 1473 erlebte Kärnten den ersten Einfall der Türken. Jakob Unrest, Pfarrer in St. Martin am Techelsberg, berichtete darüber in seiner „Österreichischen Chronik“, dass die Invasoren aus dem Orient „von demselben mittag hinz zu der nacht das Jaunthal zwischen Pleyburg und Volckenmarckt die armen leut der pawerschafft in denselben revieren den mehrerntheil jung und alt, weib unnd kind gefangen und erschlagen“ haben. Die Eindringlinge kamen über den Seebergsattel, eroberten den Raum um den Wörthersee und zogen weiter nach Moosburg und Feldkirchen.1476 errichteten die Eroberer in der Wernberger Drauschlinge ein Lager, von dort aus unternahmen sie Raubzüge, unter anderem drangen sie noch im selben Jahr bis nach Sirnitz vor.
Am 4. August 1478 kamen die türkischen Horden von Feldkirchen, das sie niedergebrannt hatten, über den Zammelsberg in das Gurktal und wollten am 4. August 1478 die Kirche in Altenmarkt stürmen, scheiterten aber. Es gelang ihnen auch nicht, das befestigte Gotteshaus anzuzünden. Danach zogen die Krieger nach Weitensfeld und brannten die Häuser nieder. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. „Sy kamen darnach in das Kurckentall, da verpranten sy den Marckt Weythensveldt“, berichtete Chronist Unrest. An die „Renner und Brenner“ erinnern heute das „Tatarmandl“ auf der Hochrindl und die Türkenbrunnen in Weitensfeld und Zweinitz. Im Jahr 1480 kamen die Orientalen mit 24.000 Mann abermals nach Kärnten; das Gurktal blieb aber diesmal von den Raubzügen verschont. Den letzten Einfall in Kärntner Gebiete gab es 1483.
Wasserwehrkirche
Die Invasion der Türken führte zu einem Ausbau der Gotteshäuser zu Wehrkirchen. In Weitensfeld wurde anstelle der von den Türken 1478 zerstörten Kirche im 16. Jahrhundert eine Wasserwehrkirche errichtet. Derartige Bauten waren selten. Die ursprüngliche Kirche wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt; das Kirchlein St. Magdalen bereits 1264. Der Karner, ein gotischer Oktogon, dürfte 1451 geweiht worden sein. Die Kirche in Weitensfeld wurde erst 1753 eine eigene Pfarrkirche, bis dahin war sie eine Filialkirche von Altenmarkt. Vorausgegangen war ein langer Streit zwischen Altenmarkt und dem domstiftlichen Markt Weitensfeld, der vom Gurker Bischof Josef von Thun mit der Urkunde vom 28. Juni 1753 über die Errichtung einer eigenen Pfarre in Weitensfeld beendet wurde. Patronat und Vogtei der Pfarre wurden vom Landesfürsten dem Domkapitel überlassen. Erster Pfarrer in Weitensfeld war Franz X. von Kellerberg; er trat bereits am 18. Oktober 1752 das Amt an. Der Pfarrer von Altenmarkt war seit dem 14. Jahrhundert verpflichtet gewesen, in Weitensfeld einen eigenen Sonntagsgottesdienst abzuhalten. Nach dem Spruchbrief von Probst Lorenz vom 1. Mai 1460 zwischen dem Altenmarkter Pfarrer Purgleutner und der Bürgerschaft von Weitensfeld wurde der Priester bzw. seine Helfer verpflichtet, den Weitensfeldern in ihrem Markt die Sakramente zu reichen. Die Weitensfelder Bürgerschaft hatte sich wiederholt beklagt, sodass Bischof Johannes von Goes im Jahr 1689 verfügte, dass der Pfarrer von Altenmarkt die Messe an Sonn- und Feiertagen in Weitensfeld durch einen anderen Priester bzw. einen eigenen Kaplan lesen lassen musste. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert bestand in Weitensfeld eine Pfarrschule.
Schwarze Seuche
Im 17. und 18. Jahrhundert wütete die Pest neuerlich in Kärnten. Nachgewiesen ist das Auftreten der Pest in den Jahren 1614 und 1646 sowie von 1713 bis 1716. Zur Bekämpfung der todbringenden Epidemie wurden die Grenzen Kärntens besonders überwacht. Reisende, die nicht nachweisen konnten, dass sie aus einem pestfreien Ort kamen, durften nicht ins Land. Bettler, Vagabunden und verdächtige Personen wurden zurückgewiesen. Die Behörden richteten „Contumazorte“ für die Quarantäne ein.
Im Jahr 1614 berichteten Richter und Rat von St. Veit nach Klagenfurt, dass die Pest in Straßburg aufgetreten sei „vnnd daselbst grausamblich grassiere“.
Im Spätsommer 1713 verbreitete sich die Pest von Wien aus über die Steiermark nach Kärnten. Die „Kärntnerische Hauptkommission“ bereitete sich auf die Epidemie mit einer Reihe von Maßnahmen vor. Die Grenze zur Steiermark wurde geschlossen und die „Grenz-Confinen“ überwacht. An wichtigen Übergängen standen Wachtposten, unter anderem auf der Flattnitz.
Die Hauptkommission sowie die Stadt- und Marktrichter wurden über den Verlauf der Krankheit in Kärnten von Vertrauensmännern mit regelmäßigen Berichten („Diarien“) informiert. Im Sommer 1715 breitete sich die Pest im mittleren Gurktal aus. Der Bischof von Gurk als Landgerichtsinhaber stellte Pest-Wachposten auf. In Glödnitz starben einige hundert Bewohner. Ein Bettler, der aus Glödnitz nach Weitensfeld kam, dürfte die Krankheit in den Ort mitgebracht haben. Stark betroffen von der Seuche waren auch Gurk und Straßburg. Franz Otto von Kochler, der Dompropst von Gurk, berichtete am 13. November 1715 der Hauptkommission, dass in Weitensfeld innerhalb kurzer Zeit 15 Menschen gestorben seien. Laut dem Marktschreiber von Weitensfeld seien zwei oder drei von ihnen an Hunger zugrunde gegangen. Die Kommission glaubte an Vertuschung der Ausmaße der Pest und drohte dem Marktschreiber Bestrafung an. Der Gurker Ratsbürger Andre Gottlieb Struz wurde zum Unterkommissär für Weitensfeld bestellt. Er starb kurz darauf an der Pest. Am 8. Februar 1716 berichtete der Hauptkommissär dem Domprobst, dass in Weitensfeld zwei weitere Bewohner an der Pest verstorben seien. Der Kommissär vermutete, dass der Domprobst diese Toten verschwiegen hätte, um den Ort nicht absperren zu müssen. Von Juni 1715 bis Ende Februar 1716 starben in Weitensfeld 69 Menschen an der Seuche; das entsprach etwa einem Viertel der Bewohner; in Glödnitz gab es in dieser Zeit 319 Pesttote, in Altenmarkt 56, in Gurk 16 und in Straßburg 35.
Das Kranzelreiten entsteht
Einer der schönsten und ältesten Bräuche Österreichs, das Kranzelreiten in Weitensfeld, dürfte im 16. Jahrhundert entstanden sein. Der Sage nach rottete die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bevölkerung aus; in Weitensfeld hätten nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ überlebt. Die Überlebenden hätten sich auf einen Wettkampf geeinigt: Wer von den drei Burschen bei einem Wettlauf als Sieger hervorgeht, soll das Mädchen heiraten. In Erinnerung daran gibt es jedes Jahr zu Pfingsten das Kranzelreiten mit dem Wettlauf der drei „Bürgersöhne“. Das Brauchtumsfest müsse jedes Jahr stattfinden, sonst drohe der Sage nach dem Ort Unheil: In der Nacht würden die Pesttoten über die Marktstraße reiten.
In Berichten der „Carinthia“, der ältesten Zeitschrift Kärntens, wird der Beginn des Brauchs mit 1567 datiert. Das Kranzelreiten hat auch germanische Elemente: Es ähnelt den früheren Frühlingsfesten, bei denen der Kampf des Sonnengottes mit dem Winter dargestellt wurden. Bei diesen Festen gab es auch ein Wettrennen; der Sieger ging als „Maikönig“ hervor. Der Brauch könnte auch das „Einholen der geschmückten Maibraut“ bedeuten, die im Sommer Glück und Fruchtbarkeit bringen soll. So heißt es in einem Bericht in der „Carinthia I“ im Jahr 1914: „Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern.“
Marktprivilegien und Wappen
Am 4. Oktober 1629 verlieh Kaiser Ferdinand II. dem Ort ein Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt …“ Außerdem gewährte der Kaiser die Abhaltung eines Jahrmarkts „auf den dritten Sonntag nach Egidi“.
Der Gurker Domprobst hatte das Recht, auf dem Gurk-Fluss Fischer einzusetzen. Von Weitensfeld bis zum Steinpauer durfte er zwei Fischer beschäftigen, in der Fastenzeit vier. Der Probst hatte auch das Recht der Pechbohrung, des „Raissgejaid und der Wilpan“ und bestimmte Rechte bei den Kirchtagen in Weitensfeld. Die Händler mussten Maut an den Probst oder seinen Mautnern abführen; ausgenommen waren Dinge für den Hausgebrauch, wenn der „Jahresschilling“ entrichtet wurde.
Am 30. April 1841 erhielt Weitensfeld vom Kaiser Ferdinand I. das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten: am St. Mathäus-Tag und an den St. Johann Evangelistentagen.
Im Jahr 1929 wurde der Gemeinde ein eigenes Wappen verliehen. Weitensfeld führt die älteste noch erhaltene Gemeindefahne in Kärnten. Sie stammt aus der Barockzeit.
Der Bürgereid von Weitensfeld
Jahrhundertelang, vor allem im Mittelalter, war es in vielen Städten und Märkten üblich, einen „Bürgereid“ abzulegen. Ein seltenes Dokument eines solchen Schwurs stammt aus Weitensfeld. Marktschreiber Leonhard Zemäsch hat im Jahr 1765 den „Bürgereid von Weitensfeld“ niedergeschrieben. Es handelte sich um einen „Versprechenseid“ für Jungbürger und neue Bürger des Ortes („Eyd Schbur Vor Einen jeden Jungen / Vnd Ney aufgenomener Bürger, Wie sich solcher / solang er das Burger Reht auf Ime hat / Zuuerhalten Hat, Wie Nachfolgent Zu Vernemen ist“). Der Bürgereid musste mit drei Fingern der rechten Hand geleistet werden und forderte Gehorsam ein gegenüber dem Pfarrer und Dompropst zu Gurk, dem Marktrichter oder Gerichtsverwalter und dem Rat. Der Schwur umfasste bestimmte Pflichten wie die Teilnahme an Ratsversammlungen, die Aufgaben an den Markttagen, das Austragen der „Freyung“ und das wichtige Gebot der regelmäßigen Rauchfang-Kontrolle zur Brandverhütung.
Hochrindl in „Frankreich“
In den Jahren 1797, 1805 und 1809 marschierten französische Truppen in Kärnten ein. Plünderungen und Zerstörungen waren die Folge. Die Besatzer forderten von den Stadtverwaltungen Klagenfurt und Villach hohe Summen. In Klagenfurt wurden Mitglieder der Landesverwaltung als Geiseln genommen, um die Geldforderungen schneller durchsetzen zu können. Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt (1749 – 1822), Fürstbischof von Gurk, bewahrte durch Zahlung von 30.000 Gulden an die Franzosen das letzte der vier Stadttore Klagenfurts vor der Zerstörung. Salm-Reifferscheidt war der letzte Bischof von Gurk, der auch im Gurktal residierte, bevor er 1786 nach der Diözesan-Regulierung den Amtssitz vom Schloss Pöckstein nach Klagenfurt verlegte.
Nach dem „Frieden von Schönbrunn“ im Oktober 1809 wurde Kärnten in zwei Teile geteilt. Der Klagenfurter Kreis (Unterkärnten) wurde dem napoleonischen Königreich Italien unterstellt und von Graz aus verwaltet. Schon Kaiser Joseph II. hatte die Kärntner Landeshauptmannschaft aufgehoben und Kärnten dem Gubernium in Graz unterstellt. Der Villacher Kreis (oberkärntner Gebiete) und Gebiete südlich der Save wurden als „Illyrische Provinz“ Frankreich unterstellt. Es galt der „Code Civil“, ein modernes bürgerliches Gesetzbuch; die Währung war der Franc anstatt des Guldens und es wurden auch die französischen Maße und Gewichte eingeführt. Es herrschte Glaubensfreiheit und weitgehende Gewerbefreiheit, viele Vorrechte des Adels wurden aufgehoben, ebenso die Naturalsteuern und das Untertanenverhältnis. Teile des oberen Gurktals wurden französisch. Die neue Grenze reichte bis an das Gebiet der früheren Großgemeinde Weitensfeld heran. Auf der Hochrindl verlief ein Teil der Grenze zwischen den Reichen Österreich und Frankreich. Die unterschiedlichen Rechts- und Wirtschaftssysteme führten zu einem Aufschwung eines speziellen Erwerbszweigs, dem Schmuggel verschiedener Waren. Weitensfeld erlebte in diesen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. An der Goggausee-Landesstraße bei Steuerberg befindet sich ein Gedenkstein, der an diese Grenze erinnert. Die Jahreszahl in der Inschrift „Franconia – Austria 1808“ ist allerdings historisch falsch und müsste „1809“ lauten. Ab 1811 erfolgte die Neuorganisation des Villacher Kreises zu einer Zivilprovinz mit Kantonen, die wiederum in Arrondissements oder Mairien unterteilt waren. Im Februar 1811 wurden mehr als 600 Kärntner für das illyrische Regiment rekrutiert, das mit der französischen Armee nach Russland zog. Die meisten von ihnen kamen im Russlandfeldzug um. Im Jahr 1813 griffen österreichische Truppen die illyrische Armee an der Drau an. Es gab Kämpfe in Feistritz im Rosental und in Villach, wo viele Häuser in Flammen aufgingen. Im September und Oktober 1813 gelang es den Österreichern, die Besetzer zu vertreiben. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wurden die Illyrischen Provinzen wieder unter österreichische Verwaltung gestellt. Mit dem Friedensvertrag von Paris am 30. Mai 1814 wurden die alten Grenzen Kärnten bestätigt. Oberkärnten war wieder ein Teil Österreichs. Die Verwaltung erfolgte aber noch von Laibach aus.1825 wurde auch der Klagenfurter Kreis dem Gubernium Laibach angeschlossen. Erst nach der Revolution 1848 wurde Kärnten wieder selbstständig – als Kronland mit der Hauptstadt Klagenfurt.
Ein Räuberhauptmann in Weitensfeld
In die Franzosenzeit fällt auch die Geschichte des Räuberhauptmanns Simon Kramer, bekannt als „Krapfenbäck Simale“. Sie ist bezeichnend für die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Situation Ende des 18. Jahrhunderts in Kärnten. Die Armut schaffte viele Räuber und Diebe; die Kriminalität war hoch. Ein geordnetes Polizeiwesen gab es nicht; das Rechtssystem stützte sich auf die Theresianische Halsgerichtsordnung aus dem Jahr 1769. Die Folter war üblich, ebenso die Todesstrafe und Körperstrafen. Erst später wurden vermehrt langjährige Kerkerstrafen verhängt. In Weitensfeld gab es einen Marktrichter, der für alle Gerichtsfälle außer der hohen Gerichtsbarkeit („Blutgerichtsbarkeit“) zuständig war. Die hohe Gerichtsbarkeit stand dem Bischof von Gurk zu.
In einigen Werken wird „Krapfenbäck Simale“ fälschlicherweise als „Bäckersohn aus Weitensfeld“ bezeichnet, so auch in der Gemeindechronik von St. Urban. Tatsächlich stammte der Spitzname von der „Krapfenböck“-Keusche, die sein Vater besaß. Auch Kramers Image als Kärntner „Robin Hood“, der den Reichen nahm und den Armen gab, bzw. als Kämpfer gegen die französischen Besatzer, stimmte nicht mit der Wirklichkeit überein. Simon Kramer, 1785 in Möderndorf im Zollfeld geboren, wurde aus eigennützigen Motiven kriminell und beteiligte sich schon als Jugendlicher an Diebstählen und Raubzügen. Die Beute war meist gering, oft bestand sie aus Nahrungsmitteln und Kleidung. Kramers „Spezialität“ waren Überfälle in der Nacht, oder Diebstouren auf Bauernhöfen am Sonntag vormittag, wenn die Bauersleute in der Kirche waren.
Simon Kramer war mehrmals in Weitensfeld. Einmal brachte er mit einem Fuhrwerk Zwetschken nach Weitensfeld, um sie hier zu verkaufen; das Pferd hatte ein Komplize auf dem alten Platz in Klagenfurt gestohlen.
Am 22. Juni 1807 zechte Simon Kramer mit seinem Kumpanen Philipp „Lipp“ Schuster in einem Weitensfelder Gasthaus. Tags zuvor hatten die Beiden in der Nähe von Neumarkt einen Bauern überfallen und ihm 228 Gulden geraubt. Die Räuber wurden erkannt und in den Kotter des Marktgerichts Weitensfeld gesperrt. Sie hatten Beutestücke bei sich, die vom Überfall in Neumarkt und von einem Raubzug in Brückl stammten. Kramer gelang es in der Nacht auf den 26. Juni, mit einem schmalen Brett das Schloss seines Fußeisens abzudrehen. Danach brach er den morschen Fußboden auf, schlug ein Loch in die dünne Mauer und gelangte ins Freie. Sein Komplize Lipp blieb in der Zelle, er wurde am nächsten Tag in das Landgericht Albeck überstellt und am 7. Dezember in das Landgericht Straßburg gebracht, weil man einen Befreiungsversuch durch Simon Kramer befürchtete. Dieser hatte knapp drei Wochen vorher seine Gefährtin Juliana Regenfelder aus dem Arrest im Schloss Margaregg bei Klagenfurt befreit. Sie war mit zwei Komplizen verhaftet und in den Arrest gesteckt worden, bewacht von zwei unbewaffneten Bauern. Kramer und einige seiner Leute verschafften sich am 19. November 1807 unter einem Vorwand Zugang zum Kerkerraum und überwältigten die Wächter und die Amtsdienerin. „Krapfenbäck-Simale“ schlug seiner Freundin die Fußeisen ab und flüchtete mit ihr.
Kriminalrichter Ferdinand von Litzelhofen ließ sich vom Marktgericht Weitensfeld die Personsbeschreibung des Flüchtigen zusenden und fertigte einen Steckbrief an: „Personsbeschreibung: Eines herumstreichenden, sehr diebsgefährlichen Burschen, der Krapfenbacker Simele genannt, welcher mit dem hier verhafteteten berüchtigten Dieb Laurenz Strauß gemeinhin Priditsch in einer Verbindung zu seyn beinzichtigt wird. Dieser Mensch ist aus der hierländischen Stadt St. Veit gebürtig, bei 20 Jahre alt, und zimlich grosser untersezter Statur, hat ein rundes, gut gefarbtes Angesicht, schwarze Augen, braune Haare und einwärts gebogene Knie. Am Leibe trug er lezthin ein kurzes braunes Jankerl, ein blaulich zeugenes Leibl, schwarzlederne kurze Hosen, Stiefel und einen runden hohgupfigen Hut.“
Kurze Zeit später wurde Simon Kramer endgültig gefasst. Der vom Bistum Gurk im Landgericht Albeck eingesetzte Gerichtspfleger Josef Marx hatte erfahren, dass sich Mitglieder der Kramer-Bande öfters an der Wegscheide bei Hoch St. Paul, „dann am Zamelsberg im Burgfried Wullroß, besonders in der Kreuzwirth-Keusche, aufhilten“ .Am 17. September 1809 endete das Leben des wohl berüchtigsten Räubers der Kärntner Kriminalgeschichte. Simon Kramer wurde von der Landgerichtswache im Gasthaus Wegscheider beim Kartenspiel angetroffen. Er wehrte sich gegen die Festnahme und zog ein Messer. Daraufhin wurde er von einem Wächter in den Hals geschossen. Der Räuberhauptmann starb 24-jährig an dieser Wunde. Drei Tage später hängten französischen Besatzer die Leiche auf dem „Galgenbichl“ nördlich von Klagenfurt auf.
Wasser und Feuer
Im Lauf der Jahrhunderte wurde Weitensfeld von einer Reihe von Katastrophen heimgesucht, vor allem durch Großbrände und Überschwemmungen. Im 20. Jahrhundert waren es die Hochwasser der Jahre 1909 und 1919, die schwere Schäden im Ort anrichteten. Die folgenschwerste Brandkatastrophe des 19. Jahrhunderts geschah am 17. April 1814. Nach dem Sieg über Napoleon und der Zerschlagung seines Reichs zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, am 17. April 1814 in Paris ein. In Österreich wurde an diesem Tag ausgiebig gefeiert; auch in Weitensfeld. Am Abend brach in einem Stall im Ort ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Ställe. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige umliegende Häuser, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 die Schule befand. Auch einige Häuser am Marktplatz blieben vom Feuer verschont. Drei Menschen kamen ums Leben. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Nach dem Großbrand in Weitensfeld verfügte die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk, dass künftig nur mehr Steinhäuser und keine Holzbauten mehr errichtet werden durften.
Die Kirche im neuen Ort Weitensfeld war nicht eigenständig, sondern eine Filialkirche von Altenmarkt. Erst ein halbes Jahrtausend nach der Gründung, im Jahr 1753, vor genau 250 Jahren, wurde sie eine eigene Pfarrkirche.
Nach der Revolution 1848 gab es in Österreich umfangreiche politische Veränderungen. Kärnten wurde selbstständiges Kronland; der Kärntner Landtag wurde erstmals frei gewählt. Die Grundherrschaften hörten auf zu bestehen. Mehrere Herrschaften wurden vereinigt; sie bildeten die Bezirkshauptmannschaften. 1949 entstanden die Gemeinden, darunter die Ortsgemeinde Weitensfeld.
Werner Sabitzer
Quellen:
Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter, Wien, 1999.
Frick, Karl R.: Geschichte der Medizin in Kärnten im Überblick I: Von den Anfängen bis zum Jahre 1804. Das Kärntner Landesarchiv 14. Klagenfurt, 1987.
Geschichtsverein für Kärnten (Hg.): Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Geleitet von Gotbert Moro, 52. Band. Klagenfurt, 1958.
Jaksch, August: Geschichte Kärntens bis 1335. I. und II. Band. Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt 1928 bzw. 1929.
Kafka, Karl: Wehrkirchen Kärntens II. Wien, 1972.
Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Weitensfeld 1998.
Meir, Alice: Aus dem Leben der Gurker in vergangenen Jahrhunderten; in: Marktgemeinde Gurk, Das goldene Buch von Gurk, 1998.
Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.
Piccottini, Gernot, Die Römer in Kärnten. Ein Carinthia-Führer, Carinthia, Klagenfurt 1989
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Schinegger, Maria: St. Urban im Wandel der Zeiten. Eine Chronik, herausgegeben von der Gemeinde St. Urban, Klagenfurt 1991.
Weingand, Hans-Peter: Krapfenbäck Simerl. Leben und Sterben eines legendären Kärntner Räubers. Graz 1996.
Kurzchronik Weitensfeld
(12. bis 19. Jahrhundert)
1131: „Wietensuelt“ wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt.
1192: Das Gebiet Weitensfeld geht neben nach dem Tod Herzog Ottokar I. von Steiermark Anfang Mai 1192 aus steirischem Besitz in den Besitz der Babenberger über.
1202: Die Babenberger schenken das Gebiet um Weitensfeld dem Domstift. Herzog Leopold VI. von Österreich bestätigt 1202 die Schenkung des Marktes Weitensfeld durch seinen steirischen Ministerialen Otto von Teuffenbach an das Gurker Domkapitel.
1203/07: Der neue Markt Weitensfeld mit den entsprechenden Marktprivilegien entsteht an der heutigen Stelle.
1211: Der Spanheimer Herzog Bernhard II. bestätigt in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behält sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Das Weitensfelder Marktprivilegium, ausgestellt am 17. Dezember 1211, enthält u.a. Statuten über den Warenein- und Verkauf.
1264: Das Kirchlein St. Magdalen bei Weitensfeld wird erstmals urkundlich erwähnt. Die Magdalenenscheibe ist das älteste Glasgemälde in Österreich.
1478: Die Türken brennen den Markt nieder. Auch die Kirche wird zerstört.
1629: Kaiser Ferdinand II. verleiht am 4. Oktober Weitensfeld einen Jahrmarkt und das Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt“.
1753: Die Kirche in Weitensfeld, bisher eine Filialkirche von Altenmarkt, wird eine eigene Pfarrkirche.
1813: Ein Großbrand zerstört die Häuser mit den Nummern 1 bis 45 und die dazugehörenden Ställe im Ort.
1849: Der Markt Weitensfeld wird eine Gemeinde.


