Kampf um Burg Albeck
Vor acht Jahrhunderten kämpften die Gurker Bischöfe mit den Grafen von Peggau-Pfannberg um die Burg und Herrschaft Albeck
„Das veste Schloß Halbegg liegt im Gurgger Viertheil/zwischen Weitensfeld/und Steyerberg/gleich an der Strassen/auf einem recht wilden/ und Abscheulichen Ort/und hohen felsigen Berg; gehört dem Bistum Gurgg oder Straßburg. Unweit davon aber auf einem hohen Berg/ ist das Schloß Steyerberg/auf Mülstatt denen Herren P. P. Societatis Jesu gehörig.“ So beschrieb Johann Weickhard Valvasor in seiner Topographie des Erzherzogtums Kärnten im Jahr 1688 die Burg Albeck.
Heute sind von dem im Mittelalter bedeutenden Bauwerk nur mehr Mauerreste zu sehen.
Die Burg Albeck an einem steilen Berghang in der „Engen Gurk“ dürfte bereits im zehnten Jahrhundert errichtet worden sein. Kaiser Arnulf von Kärnten schenkte im Jahr 898 das Gebiet dem „edlen Herrn Zwentibolch“, der aus dem Geschlecht der Liutpoldinger stammte. Zwentibolch war ein Vorfahre Hemmas, die mit dem Markgrafen Wilhelm (990 – 1036) verheiratet war.
Die später heilig gesprochene Hemma stattete mit dem Besitz im oberen Gurktal 1043 das von ihr gegründete Nonnenkloster in Gurk aus. Schon knapp drei Jahrzehnte später, im Jahr 1072, löste der Salzburger Erzbischof Gebhard das Kloster wegen „Zuchtlosigkeit“ und „Regelwidrigkeit“ auf. Er setzte in Gurk einen Bischof ein, um die Gegend besser verwalten zu können.
Im Jahr 1155 wurde die Burg und Burgherr Rudolf von Albeck (Rudolfus de Albekke) erstmals urkundlich erwähnt. Er hatte drei Kinder: die Söhne Rudolf II. und Poppo sowie Kunigunde, die 1196 den norditalienischen Adligen Friedrich von Caporiacco heiratete.
Der Sohn Rudolfs II., Poppo von Albeck, nahm 1190 unter der Führung des Kaisers Friedrich Barbarossa am dritten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Zur Finanzierung des Kreuzzugs hatte Rudolf II. von seinem zweiten Sohn, dem Gurker Bischof Dietrich, ein Kirchendarlehen von rund 100 Friesacher Mark erhalten. Im Darlehensvertrag wurde vereinbart, dass Albeck dem Bistum Gurk zugeschlagen werde, wenn Poppo kinderlos sterben sollte. Poppo starb während des Kreuzzugs.
Sein Bruder Dietrich von Albeck war von 1175 bis 1179 Dompropst und danach bis zu seinem Tod im März 1194 Bischof von Gurk. Er musste sein Amt gegen den 1179 eingesetzten „Gegenbischof“ Hermann von Ortenburg (1179-1180) verteidigen. Mit dem Tod Dietrichs starben die Freien von Albeck aus.
Im Jahr 1191 übernahm das Bistum Gurk unter Bischof Dietrich den Albecker Lehenbesitz.
Bischof Eckhard (1195-1200), zweiter Nachfolger Bischof Dietrichs, wollte auch das Erbteil der Kunigunde von Albeck erwerben. Deren Ehemann hatte aber die Mitgift an Wichard von Karlsberg verkauft.
Gurk in Flammen
Die steirischen Grafen von Peggau-Pfannberg waren mit der Übernahme der Herrschaft Albeck durch den Gurker Bischof nicht einverstanden und meldeten als Verwandte der Albecker Erbansprüche an. Liutpold von Peggau, ein Neffe Rudolfs von Albeck, versuchte mit seinen Söhnen, den Albecker Besitz zurückzuerhalten. Die Gurker Kirche war aber dazu nicht bereit. Im Jahr 1234 versuchte Herzog Bernhard von Kärnten, bei einer Tagung in Meiselding die Peggauer dazu zu überreden, auf ihre Forderungen zu verzichten und bedrohte sie mit der Verhängung von Bußgeld und Kirchenbann. Ulrich von Peggau, der erste Graf von Pfannberg, beanspruchte mit seinem Bruder weiterhin die Herrschaft Albeck. Herzog Bernhard vermittelte abermals. Ulrich von Peggau-Pfannberg erschien aber nicht zu einer Besprechung in Völkermarkt; die Vermittlungen scheiterten. Auch die Versuche Papst Gregors IX., den Streit zu beenden, schlugen fehl. Ulrich von Peggau-Pfannberg wurde exkommuniziert und ihm nach seinem Tod die Beisetzung im Kloster St. Paul verwehrt.
Nach dem Tod des Salzburger Erzbischofs Eberhard II. (1200-1246), kam es zu schweren Kämpfen zwischen der Gurker Kirche und den Söhnen Ulrichs von Peggau-Pfannberg, Bernhard und Heinrich. Güter und Kirchen des Bistums Gurk gingen in Flammen auf; viele Gebäude im Gurktaler Raum wurden zerstört.
Während der Kämpfe stellten sich auch Gurker Dienstmannen gegen ihren Bischof Ulrich I. und traten auf die Seite der Pfannberger über. Bischof Ulrich wurde gefangen genommen. Die Ministeriale nahmen dem Bischof die Straßburg und den Kirchenschatz weg und verwüsteten fast alle Kirchengüter zwischen Gurk und Metnitz. Papst Urban IV. belegte die Brandschatzer mit dem Kirchenbann.
Die Brüder Bernhard und Heinrich von Pfannberg machten eine Wallfahrt nach Gurk und versprachen Frieden. Es kam aber zu neuerlichen Kämpfen um das Gebiet Albeck. Zeitweise zogen sich die Peggauer auf die in der Nähe Albecks gelegene Burg Steuerberg zurück, nachdem die Soldaten des Gurker Bischofs Albeck eingenommen hatten. Auf Burg Steuerberg saß damals Graf Friedrich von Ortenburg, ein Verwandter der Peggauer.
Heinrich von Pfannberg unternahm von der Burg Steuerberg aus mehrere Raubzüge gegen Besitzungen der Gurker Kirche. Unter anderem plünderten seine Männer Gehöfte in Pölling und Feldkirchen und brachten zwei Gurker Vasallen um. Die Peggauer wurden von ihren Verwandten unterstützt, die Besitzungen der Gurker in der Südsteiermark angriffen.
Fast alle Brandleger und Plünderer wurden mit Kirchenbann belegt. Der Gurker Bischof Dietrich II. erhielt aber von Papst Urban IV. die Vollmacht, reuige Täter vom Kirchenbann loszusprechen, ohne dass diese nach Rom pilgern mussten. Das eingesparte Reisegeld mussten sie der Kirche für das „Heilige Land“ spenden.
Vergleich im Erbstreit
Herzog Ulrich III. von Kärnten, ein Sohn Herzogs Bernhard, konnte die Streitenden zu einem Vergleich überreden. Bei einem Gerichtstag am 10. Dezember 1264 in Landstraß in Krain einigten sich Peggauer und Gurker. Die Peggauer Brüder und ihre Schwester Sophie sowie ihre Neffen verzichteten auf die Herrschaft Albeck und erhielten als Ausgleich von der Gurker Kirche 350 Mark Friesacher Pfennige und eine persönliche Zuwendung des Bischofs Dietrich II. von 30 Mark als Lehen. Herzog Ulrich III. und drei Gurker Persönlichkeiten verpflichteten sich, die Bürgschaft für die Einhaltung des Vergleichs zu übernehmen. Der lange Erbschaftsstreit war beigelegt.
Pfleger auf Albeck
Die Burg und das Gebiet Albeck kamen unter die Verwaltung der Gurker Kirche. Die Bischöfe setzten auf Albeck Ministeriale als Verwalter ein, zunächst Burggrafen, später „Pfleger“. Diese nannten sich meist nach der Burg. In den Urkunden werden unter anderem „Otto dictus de Albekke“ (1279) und „Ditricus dictus Permannuns“, auch „Juch in der Helle“ als Pfleger genannt. Juch in der Helle baute unterhalb der Burg ohne Genehmigung der Gurker Kirche einen Turm. Er wurde kurze Zeit später im Auftrag Gurks niedergerissen. Juch in der Helle musste sich laut Schiedsspruch vom 26. Mai 1300 verpflichten, den Turm „an der Eben“ nicht wieder aufzubauen. Juch in der Helle war auch in Auseinandersetzungen mit den Herren von Metnitz verwickelt. Der Verwalter Berthold von Albeck wurde von den Metnitzern gefangen genommen und erst nach Zahlung eines Lösgelds von 40 Mark Silber wieder freigelassen. Die Metnitzer überfielen und beraubten Reisende, nahmen auch den bischöflichen Schreiber von Gurk gefangen und verletzten den Gurker Marschall.
Bischof Heinrich von Gurk und der Straßburger Burggraf eroberten daraufhin im Jahr 1301 die Burg Metnitz. Die Metnitzer ergaben sich und wurden von einem Gericht in Judenburg zu Schadenersatz verpflichtet. Als sie den Ersatz nicht leisteten, zerstörten die Gurker die Burg bis auf Grundreste.
Die Pfleger (Burgvögte) von Albeck hoben den „Zehent“ ein, forderten „Hand- und Spanndienste“ und übten die Gerichtsbarkeit aus (zu „Haut und Haar“ und zu „Hals und Hand“). Der Pachtzins wurde in Geld und Naturalien bezahlt.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Pflegschaft von Albeck den Freibergern anvertraut. Zwischen 1556 und 1573 wurde der Burgturm von Albeck repariert und wieder bewohnbar gemacht.
Ein Nachfahre der Freiberger, Niklas von Freiberg, ließ die Burg umbauen und im Tal einen Meierhof errichten, den er 1636 dem Gurker Bischof Lorenz für 31 Mark überließ. 1640 wurde Niklas von Freiberg mit der Burghut von Albeck auf Lebenszeit belehnt.
Als weitere Pfleger auf Albeck sind Otto de Giel und Peter Feistritzer urkundlich bezeugt. Mitte des 15. Jahrhunderts folgten als Pfleger die Mitglieder der Familie Seidenschwanz. Leonhard Seidenschwanz widmete der Burgkapelle eine Hube in Sirnitz. Der Sirnitzer Pfarrer musste sich verpflichten, einmal wöchentlich in der Burgkapelle eine Messe zu lesen.
Als weitere Pfleger scheinen in den Urkunden die Herren Einhofer, Bruckdorfer, Rintfleisch, Staudacher und Raidhaupt auf. 1541 wurde Albeck als „Gschloss“ bezeichnet.
Nicht immer waren die Bewohner in der Herrschaft Albeck mit ihren Pflegern einverstanden. Im Jahr 1661 erhoben sich rund 500 Bauern gegen den Pfleger Jakob Sittig Ayrschmolz. Ausgelöst wurde der Streit vermutlich durch die vom Pfleger willkürlich eingehobene Personalsteuer: Jeder Bittsteller musste beim Pfleger einen Pfennig entrichten, ansonsten wurde er nicht zu ihm vorgelassen. Ayrschmolz wandte sich mit einem Brief vom 27. Oktober 1661 an seine Vorgesetzten um Hilfe. Die aufgebrachten Bauern, fürchtete er, hätten die Absicht, ihn zu steinigen oder totzuschlagen. Der Gurker Dompropst, Generalvikar und Weihbischof J. G. Müller, beendete die Auseinandersetzung. Er sprach mit den Bauern und versprach die Beschwerde zu überprüfen. Der Pfleger kam mit einer Rüge des Bischofs davon.
Gerichtsbarkeit in der Herrschaft Albeck
Das Bistum Gurk erhielt unter Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1280 die „Hohe Gerichtsbarkeit“ und konnte dadurch auch Leibes- und Todesstrafen verhängen. Damals galt die „Peinliche Halsgerichtsbarkeit“. 1472 wurde Albeck Sitz des Landgerichts. Die Gerichtsbarkeit und Steuerverwaltung des Bistums Gurk umfasste die vier Landgerichtsbezirke Dürnstein, Grades, Straßburg und Albeck. Der Gurker Bischof hatte das Recht, Richter zu ernennen und abzusetzen.
Der jeweilige Pfleger von Albeck war mit der Gerichtsbarkeit beauftragt. Die Rechtsprechung erfolgte im Namen des Bischofs. Die Grenzen des Landgerichtsbezirks Albeck verliefen vom Turracher Sattel über den Wintertaler Nock, Flattnitz, Mödringberg, Sirnitz, Gurk, Zammelsberg, Steinbühel, Krukenspitze, Eggenriegel, Reichenauer Gärten, Bretthöhe, Kaser Höhe und Schoberriegel wieder zur Turracher Höhe. Das Albecker Gericht grenzte an die Landgerichte Millstatt, Murau, Grades, Strassburg, Kraig, Glanegg und Himmelberg. Der Markt Weitensfeld war vom Albecker Gerichtsbezirk eingeschlossen. „Der Bezirk Albeck hat drei Tagesreisen im Umfange, und ist sohin der Ausdehnung nach größer, als manches selbstständige Fürstenthum in Deutschland“, schrieb Joseph Mitterdorfer in der „Carinthia“ vom 26. August 1820.
Kaiser Karl V. erhob am 25. Juli 1532 auf dem Reichstag zu Regensburg die „Constitutio Criminalis Carolina“ (Halsgerichtsordnung) zum Reichsgesetz. 1578 wurde eine Landgerichtsordnung für das Bistum Gurk erlassen, die das Strafrecht im Bistum regelte.
Schloss Neualbeck
1651 setzte Pfleger Johann Ulrich von Basayo die Burg Albeck instand. Nach 1675 waren weitere umfangreiche Reparaturen notwendig. Um 1688 dürfte die Burg noch bewohnt gewesen sein. Aber schon vor 1700 begann der Niedergang der Burg Albeck. Die Burgkapelle dürfte damals noch gut erhalten gewesen sein. Der Gurker Bischof Joseph Maria Graf von Thun (1741-1761) stiftete der Kapelle ein goldgeschnittenes Missale in rotem Leder. Teile der Burg wurden abgetragen und mit dem Material zwei Kilometer weiter „an der Eben“ das Schloss Albeck („Niederalbeck“) und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Im Jahr 1729 wurde dieses Schloss als Amtssitz des bischöflichen Pflegers erstmals genannt. Damals residierte in Neualbeck der Pfleger Johann Andrä Stuttner. Im Jahr 1800 wurde das Dienerhaus erbaut.
Josef Mitterdörfer beschrieb in seinem Aufsatz „Das Schloss Albeck mit seinem Bezirke“, erschienen am 26. August 1820 in der „Carinthia“ die Umgebung der Burg Albeck als „schauerliche Öde“: „In dieser Grauen erregenden Gegend vom linken Ufer der Gurk, hart am Wege, der sich aus dem Gurktal nach Oberkärnten hinaus windet, liegen auf einem trotzigen Felsenhügel die Ruinen von Alt-Albeck.“ 1860 nannte Orep Altalbeck als Burgruine und Neualbeck als Schloss.
Im Jahr 1848, nach der vom Abgeordneten Hans Kudlich initiierten „Bauernbefreiung“ (Aufhebung der Grundherrschaft), wurde das Pflegamt Albeck durch die Landreform aufgelöst. Vor dem Gurker Dom erinnert ein Denkmal an den Bauernbefreier Kudlich. Der letzte Albecker Pfleger Johann Drasch (1845 – 1850) wurde Landesgerichtsassessor in Klagenfurt. Der letzte Steuerbeamte und Grundbuchführer Spieß (1848 –1850) erhielt eine Stelle in Gurk.
Das Schloss diente danach als bischöfliches Forstamt; später wohnten darin Forstarbeiter. Der steinerne Torbogen mit einem Steinmetzzeichen stammt aus der alten Burg.
Im Jahr 1987 kaufte die damalige Handelsakademie-Direktorin Dr. Elisabeth Sickl die verwahrlosten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude vom Bistum Gurk ab und ließ sie restaurieren. Sickl, sie war 2000/01 Bundesministerin für soziale Sicherheit und Generationen, erhielt für die Renovierung den „Landespreis für gutes Bauen“. Im Schloss befinden sich heute ein Restaurant und Tagungsräume; im Biedermeierstöckl, dem ehemaligen Dienerhaus, gibt es Ausstellungen.
Werner Sabitzer
Quellen:
Gemeinde Sirnitz (Hrsg.), 1000 Jahre Sirnitz. Eine Reise durch die Zeit. Graphischer Betrieb Carinthia, Klagenfurt, 1993.
Henkel, Hugo, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964
Wiener/Seebach, Burgen und Schlösser in Kärnten, 1980.
Krause, Adalbert, Das steirische Benediktinerstift Admont in seinen Beziehungen zu Kärnten, in: Carinthia I. Zeitschrift für geistliche Landeskunde von Kärnten. Festgabe zum 900-Jahrjubiläum des Bistums Gurk 1072 –1972. Verlag des Geschichtsvereines Kärnten, Klagenfurt 1972.
Marktgemeinde Gurk (Hrsg.), Das Goldene Buch von Gurk, Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt, 1998.
Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 199.
Stejskal, Herbert, Kärnten. Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten, Universitätsverlag Carinthia. Klagenfurt, 1985.


