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Ruine Wullross

Auf einer steilen bewaldeten Anhöhe, einige hundert Meter oberhalb der „inneren Wimitz“, sind die Reste mehrerer Steinbauten zu sehen. Hier standen einst Burg und Schloss Wullross.

Die romanische Burg Wullross (auch: Woldris, Wuldres, Wuldreis, Wuelroß) auf 860 Meter Seehöhe, benannt nach ihrem Erbauer Wolrich, wurde urkundlich erstmals im Jahr 1200 in einem Urbar (Verzeichnis über Besitzrechte eines Grundherrn und Leistungen von Untertanen) des Domkapitels Gurk genannt. Waltherus de Woldris hatte damals die Burg als Lehen. Im Jahr 1279 war Pilgrim de Woldrich auf der Burg. Er bezeugte eine Schenkung der Brüder von Freiberg. Von Pilgrim ist eine Auseinandersetzung dokumentiert, die er im Jahr 1304 mit seinem Enkel Niklas hatte, der auf Burg Nussberg saß.
Die „Paben von Wullross“ führten ein Wappen, das ein gehörntes Tier mit einem Nasenring zeigte. Pabo von Wullross verzichtete am 13. Mai 1392 zugunsten des Bischofs Johann von Gurk auf seine Rechte am „Stain zu Sawrek“ in der Reichenau.
Die Wullrosser heirateten im Lauf der Zeit in viele andere Kärntner Adelsfamilien ein und bekleideten eine Reihe von höheren Ämtern im Land. Pabos Sohn Christof stand im Dienst der Herren von Kraig und war 1430 und 1434 Pfleger in Kärnten – anstelle seines Herrn Konrad von Kraig, des Landeshauptmanns von Kärnten. 1436 war Christof von Wullross Verweser der Hauptmannschaft in Kärnten. Er starb 1444 und wurde in der Pfarrkirche St. Veit beigesetzt.
Katharina von Wullross war 1402 Äbtissin des adeligen Nonnenklosters St. Georgen am Längsee. Ein Wilheld von Wullross war als Hauptmann in Straßburg im Dienst des Gurker Bischofs.
Leonhard war der letzte männliche Nachkomme der Herren „von Wuelroß“. Seine Tochter Kathrey heiratete im Jahr 1444 Dietrich Linzer, dessen Familie sich danach „zu Wuelroß“ nannte.

Wilhelm Rumpf von Wullross

Der bedeutendste „Wullrosser“ war Wilhelm Rumpf. Er stammte aus Friesach. Ihm fiel ihm die Burg Wullross als Erbe zu; er war mit dem Vorbesitzer Linzer verschwägert. 1480 musste Rumpf die Burg an Bischof Lorenz von Gurk veräußern. 1483 wird von Schäden berichtet, die Bischof Lorenz durch das Schloss Wullross zugefügt wurden. Die Rumpf nannten sich auch nach der Weitergabe der Burg „von Wuelroß“. Von Rumpf ist unter anderem dokumentiert, dass er ein Haus in Friesach 1516 an den Bergrichter Hans Aigner verkaufte.
Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen und erwarb 1515 von Wolfgang Pibriach(er) die Herrschaft Tentschach. Er war Mitglied des von Siegmund von Dietrichstein gegründeten Mäßigkeitsordens und 1518 auch Pfleger auf Osterwitz. Nach Kaiser Maximilians Tod im Jahr 1519 war er im inneren ständischen Rat und später erster ständischer Burggraf in Klagenfurt.
Wilhelm Rumpf nahm 1520 als Procurator Siegmunds von Dietrichstein beim Hoftaiding (Gerichtsversammlung des Landesfürsten) in St. Veit teil und hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. die hohe Stelle eines Truchsess inne. 1533 erhielt Wilhelm Rumpf von Wullross gegen Bezahlung von 3.600 Gulden die Heunburg bei Völkermarkt als Pfand. Er war mit Barbara von Keutschach verheiratet; seine Tochter Barbara heiratete den Gewerken Wilhelm Neumann, der von der adeligen Familie Ungnad das Schloss Wasserleonburg kaufte. Dorothea, eine weitere Tochter des Rumpf, war 1533 Äbtissin im Stift St. Georgen.
Rumpfs Tochter Barbara galt als „Paradegeschäftsfrau“ des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Barbara Neumann den Adeligen Hans Seenuß, Mitglied einer um 1400 aus Krain zugezogenen Familie, die 1538 geadelt wurde und im Herzogtum Kärnten sehr vermögend und einflussreich geworden war. Hans Seenuß war von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach.
Barbaras Tochter Anna Neumann von Wasserleonburg (1535 – 1623) ging als „Herrin von Murau“ in die Geschichte ein. Sie war sechsmal verheiratet und kam dadurch zu einem großen Vermögen, sodass sie unter anderem Geld an das Kaiserhaus verleihen konnte. Ihr zweiter Mann war Freiherr Christoph II. von Liechtenstein, dessen Familie seit mehreren Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Ihr sechster und letzter Ehemann war Reichsgraf Georg Ludwig von Schwarzenberg, den sie 1617 im Alter von 81 Jahren heiratete. Noch im selben Jahr übertrug sie dem um vier Jahrzehnte jüngeren Gemahl die Stadt und Herrschaft Murau. Dass die Fürsten Schwarzenberg heute noch riesigen Grundbesitz im Raum Murau haben, ist somit einer „Wullrosserin“ zu verdanken. Das heutige Schwarzenberg-Schloss Murau ist im 17. Jahrhundert errichtet worden.
Moritz, ein Sohn des Wilhelm Rumpf, erhielt 1569 Tentschach vom Landesfürsten als Lehen verleihen. Von Moritz Rumpf kam Tentschach 1582 an Hans Pruggmayer, dessen Mutter Gertraud eine geborene Rumpf von Wullross war.

Die Staudacher auf Wullross

Vom Gurker Bischof wurde die Burg Wullross 1484 für kurze Zeit an den Söldnerführer Andrä Berger, genannt „Katzanderl“ als Lehen vergeben. Danach ging die Herrschaft an Burkhart Muntpratt, der aus Schwaben stammte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam Wullross als Lehen an die Manndorfer und danach an die Herren von Staudach, die im Dienst des Gurker Bischofs standen. Die Mandorfer oder Staudacher dürften nordwestlich neben der alten Burg das schlossartige Gebäude errichtet haben, möglicherweise war aber ein früherer Besitzer Erbauer des Schlosses; 1573 wurde der Neubau als „Schloss Wuollros“ erwähnt. 1666 bezeichnete sich Konrad von Staudach als „Herr auf Wullross und Dalling“. Die Barbara-Kapelle im Schloss Wullross wurde 1578 urkundlich erwähnt.
Die Staudacher auf Wullross (und Meiselding) waren protestantisch; sie strengten ein bis 1621 währendes Gerichtsverfahren gegen das Bistum Gurk an. Das Wappen der Staudacher auf Wullross zeigte eine Jakobsmuschel, die auch auf dem Flügelaltar von Flitschl bei Tarvis vorkommt und auf die Stifter hinweist. Der Flügelaltar befindet sich im Diözesanmuseum in Klagenfurt.
1747 erwarb Ferdinand von Egger das Anwesen. 1818 wurde das Schloss vom Blitz getroffen; der Dachstuhl brannte aus. Die Mauern wurden mit einem Notdach geschützt, das aber 1820 einstürzte; die Bauten verfielen rasch. Heute stehen noch Mauerreste der Burg und des Schlosses; Gebäudeteile, Gräben und Erdwälle lassen auf das Ausmaß der ehemaligen Festung im Wimitztal schließen. Die ehemalige Herrschaft Wullross befindet sich im Eigentum der Bundesforste.

Wullrosser Kirche

Die romanische Kirche St. Thomas am Wullross befindet sich nicht beim Schloss, sondern beim Forsthaus. Sie wurde 1362 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber viel älter. Das kleine Gotteshaus war eine Filialkirche von Zammelsberg, deren Pfarrer waren aufgrund eines alten Stiftsbriefs viermal in der Woche zur Abhaltung des Gottesdienstes verpflichtet. Nach einem Brand 1558 wurde das Kirchlein wieder aufgebaut. 1836 erfolgte die Weihe des neuen Friedhofs bei der Wullrosser Kirche; er wird aber seit 1916 nicht mehr benützt.

Werner Sabitzer

Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Burgen und Schlösser in Kärnten | | Noch keine Kommentare