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Das Hochwasser in Weitensfeld im Jahr 1909

Vor 100 Jahren, vom 7. bis 9. Oktober 1909, kam es in Weitensfeld zu einer der größten Überschwemmungen in der Geschichte der Marktgemeinde.

In der Nacht auf den 7. Oktober 1909 regnete es ununterbrochen in Strömen. Die Gurk stieg langsam an, trat an einigen Stellen über die Ufer und am Vormittag wurden die ersten Sägehölzer angeschwemmt. Es regnete weiter. Feuerwehrhauptmann-Stellvertreter Ferdinand Gorton und Oberlehrer Ferdinand Schwarz alarmierten um zehn Uhr die Feuerwehr; Bürgermeister Josef Rettl befand sich nicht in Weitensfeld. Inzwischen stand die Mühlwiese, die Gorton-Mühle, das Elektrizitätswerk, die Säge, die Trattenschmiede und einige Häuser auf der „Tratten“ unter Wasser. Feuerwehrleute, Gendarmeriebeamte und Freiwillige bargen die Getreide- und Mehlvorräte aus der Gorton-Mühle und brachten auch die Bewohner und das Vieh aus dem gefährdeten Gebiet. Urban Begusch, Besitzer des Bärenwirts, rettete Kinder und zwei alte Frauen aus den Fluten, die ihm bis zur Hüfte standen.

Dammbruch wegen Verklausung

Bei den Brücken und Wehren wurde versucht, Verklausungen durch angeschwemmtes Holz zu verhindern. Die Fluten rissen Tausende Sagstöcke von Holzlagern in Kleinglödnitz mit.
Wegen einer Verklausung brach der Damm der Gurk oberhalb der Herzele-Säge und die Fluten strömten an der Kirche vorbei durch die Kirchgasse und die Gärten des Sattler-, Tischler- und Pfandl-Hauses in den Markt – 30 Häuser standen innerhalb einer halben Stunde unter Wasser. Die Bewohner konnten sich in die oberen Stockwerke retten. Die Geschäfte Filipowsky (heute: Mosser), Gutzelnig (heute: Bernhard-Haus) und Großmann (heute: Hlebcar-Haus) wurden überflutet, ebenso die Häuser des Gerbermeisters Veit Anderiasch, des Schuhmachers Eusebius Seitlinger, des Wagnermeisters Anton Burger und des Distriktsarztes Freiherr von Jabornegg (heute: Napotnik-Haus). An vielen weiteren Häusern entstanden große Schäden, unter anderem beim Bärenwirt, beim Gorton-Haus und in der Bäckerei Lukas Smrekar (heute: Hochsteiner-/Ortner-Haus). Die Bäckerei wurde unterspült und musste gegen das Mosser-Haus gestützt werden musste.
Um zwei Uhr stand der Telegraphenapparat in der Post im Kalsberger-Haus (heute: Terkl-Haus) unter Wasser. Es regnete weiter und das Hochwasser stieg an. Um zehn Uhr nachts wurde beim Smrekar-Haus ein Wasserstand von 178 Zentimetern gemessen.
Der Bezirkshauptmann von St. Veit/Glan kam am Abend mit dem Gurktaler Zug nach Weitensfeld; er übernahm die Leitung über den Katastropheneinsatz. Inzwischen war auch Bürgermeister Josef Rettl nach Weitensfeld zurückgekehrt. Mit provisorisch zusammengebauten Flößen wurde versucht, zu den in den Häusern eingeschlossenen Bewohnern zu kommen. Dabei kam es in den reißenden Fluten zu lebensgefährlichen Situationen.
Am 8. Oktober gelang es mutigen Helfern, die Verklausung bei der Herzele-Säge zu lösen, das Hochwasser konnte dadurch besser abfließen. Der Wasserstand begann sich zu senken. Am Nachmittag konnten die Eingeschlossenen im unteren Markt mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden.

Enorme Schäden im Gurktal

Als sich am 9. Oktober die Situation normalisierte, wurde das Ausmaß der Schäden ersichtlich: In vielen Häusern waren Fußboden herausgerissen, Türen und Fenster sowie viele Einrichtungsgegenstände waren fortgeschwemmt. Auch die Gurktalbahn war vom Hochwasser betroffen. Bei der Dürrmühle war der Gleiskörper unterspült.
Auch in Gurk und Strassburg gab es schwere Schäden durch die Fluten. In Mellach wurde ein Müller in der Zechner-Mühle vom Hochwasser eingeschlossen. Drei Tage musste er darin ohne Nahrung ausharren, bis er am 9. Oktober vom Prosseggerwirt Alois Wintschnig gerettet wurde. Wintschnig band sich ein Seil um den Körper und schwamm zur Mühle. Mit dem Strick konnte ein Drahtseil zur Mühle gezogen werden, das Wintschnig auf dem Giebel der Mühle befestigte. Der Müller wurde auf einem Brett festgeschnallt und auf dem Drahtseil in Sicherheit gezogen. Auch Wintschnig rettete sich auf dem Drahtseil ans Ufer.
Am 10. Oktober, einem Sonntag, kam eine Infanterie-Einheit ins Gurktal, später auch ein Pionierzug. Die Soldaten errichteten in Strassburg, Gurk und Weitensfeld Notstege über den Fluss. Von den 18 Brücken und Stegen in Weitensfeld blieben nur die alte Pirkerbrücke in Kleinglödnitz und die Brücke beim Brückenschmied stehen, alle anderen wurden von den Fluten fortgerissen. Zwischen Gurk und Pöckstein blieben ebenfalls nur zwei Brücken stehen – beim Pratz und in St. Magdalen.
Der Kärntner Landespräsident Robert Freiherr von Hein besuchte Weitensfeld und versprach Hilfe des Landes Kärnten und des Reichs. Ferdinand Gorton verzichtete auf seinen Anteil am Entschädigungsgeld zugunsten ärmerer Weitensfelder. Die Reste des Herzele-Wehrs wurden abgebaut.

Bau des Hochwasserschutzdamms

Im September 1919 gab es in Weitensfeld eine weitere schwere Überschwemmung, die wiederum großen Schaden anrichtete. Zwei Jahre später wurde endlich mit dem Bau eines wirksamen Hochwasserschutzdamms begonnen. Der inzwischen zum Landesrat avancierte Josef Rettl und sein Nachfolger als Bürgermeister, Laurenz Knaflitsch, leisteten bei den Landesbehörden Überzeugungsarbeit.
Josef Rettl (1858 – 1945) war Gastwirt, Bürgermeister von Weitensfeld von 1897 bis 1919 sowie Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von 1886 bis 1900 und von 1904 bis 1910, außerdem war er Gründer und Obmann der Raiffeisenkasse Weitensfeld. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in die provisorische Landesversammlung berufen, wo er bis Juli 1921 Landtagsabgeordneter war. Danach war er Landesrat-Stellvertreter und von November 1923 bis Mai 1927 wieder Landtagsabgeordneter. Ab 1919 war er Bezirksvertreter des Landbunds. Oberveterinärrat Laurenz Knaflitsch (1871 – 1945) war Tierarzt und von 1920 bis 1924 Bürgermeister von Weitensfeld.
Im Sommer 1921 begannen etwa 50 Arbeiter mit dem Bau des Uferschutzdamms, der im Spätherbst 1921 abgeschlossen wurde. Gleichzeitig wurde die Gurkbrücke bei der Brückenschmiede erneuert und die Wasserwehre bei der Gortonmühle tiefer gelegt und mit Schleusen versehen. Ein Drittel der Kosten in der Höhe von neun Millionen Kronen musste die Marktkommune beitragen. Josef Rettl wurde wegen seiner Bemühungen zum Dammbau und anderer Verdienste im Jahr 1921 zum Ehrenbürger der Gemeinde Weitensfeld ernannt.
1939/40 wurde der Damm von der Firma Elias Merl verstärkt und erhöht. Dadurch fiel der Schaden beim Hochwasser im Frühsommer 1946, bei dem der höchste jemals gemessene Wasserstand der Gurk erreicht wurde, nicht allzu hoch aus. Nach diesem Hochwasser wurde der Uferschutzdamm um einen halben Meter erhöht – mit Mitteln aus dem Katastrophenfonds des Landes Kärnten und durch Sonderzuteilung von Baumaterial.

Werner Sabitzer

Quellen:
Brachmeier, Hartmut: Hochwässer und Hochwasserschutz in Weitensfeld, in: Weitensfelder Kulturbote, Nr. 4/2001, S. 4-8.
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Zeloth, Thomas (Hg.): Weitensfeld. Eine Marktgemeinde im Herzen des Gurktales. Klagenfurt, 2008.

September 28, 2009 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | , , , , | Noch keine Kommentare

Der Großbrand in Weitensfeld 1814

Der Sieg über Napoleon sollte ein Freudentag für Österreich werden. Für Weitensfeld war es eine Katastrophe. Ein Großbrand zerstörte viele Häuser im Ort.

17. April 1814: Nach dem Sieg der Allierten über Napoleons Heer in der Völkerschlacht bei Leipzig zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, in Paris ein. Europa hatte sich vom Joch des französischen Diktators befreit. Die Österreicher feierten diesen Tag überschwänglich; auch in Weitensfeld trafen die Bewohner zu einer Feier zusammen.

Um halb acht Uhr abends kam es zur Katastrophe: Im Stallgebäude des Hauses Nr. 25; dem heutigen Pfandlhaus, brach ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Stallungen. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand.

Der Anwalt Anton Balthasar und der Gurker Dechand Leopold Anton Praskowitz leiteten mit einigen anderen beherzten Gurktalern die Löscharbeiten. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige Häuser in der Nähe des Gotteshauses, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 auch die Schule befand. Auch einige Häuser am Platz blieben vom Feuer verschont, hier war die Feuerspritze aus Gurk im Einsatz.

Am nächsten Tag zogen die Bewohner die schreckliche Bilanz der Brandkatastrophe: In einem Gewölbe im Haus Nr. 26 verbrannten drei Menschen. Die Häuser Nummer 1 bis 45 waren samt den Ställen zerstört. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Der Fleischhauer Johann Witzling, der im Herzele-Haus utnergebracht war, hatte allein einen Schaden von 28.000 Gulden; im Haus des Marktrichters und Kaufmanns Johann Gorton verbrannten auch viele Wertgegenstände und Bargeld; er erlitt einen Schaden von 16.700 Gulden.

In den Tagen und Wochen danach setzte eine Hilfsbereitschaft ein. Die Pfarren in den Nachbargemeinden, der Landrichter von Straßburg, der Pfleger von Albeck und viele wohlhabende Kärntner spendeten Lebensmittel und Getreide. Es gab Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten der Geschädigten der Brandkatastrophe.
Johann Gorton verzichtete auf seinen Anteil aus den Spenden, ebenso Johann Pfandl, Josef und Johann Witzeling sowie Anton und Simon Marko.

Eine Lehre wurde aus dem Großbrand in Weitensfeld gezogen: Die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk verfügte, dass künftig kein Holzhaus gebaut werden dürfe. Die Steinhäuser waren relativ brandsicher.

Werner Sabitzer

Quellen:
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Bericht des Bezirkskommissärs von Weitensfeld und Wullroß, Josef Mitterdorfer am 6.2.1816 zu Gurk

Januar 30, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , | Noch keine Kommentare

Die „Herrin von Murau“

Anna Neumann von Wasserleonburg, die „Herrin von Murau“, war eine der reichsten Frauen Österreichs zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Ihre Vorfahren stammen aus dem Raum Weitensfeld.

Anna Neumann wurde am 25. November 1535 in Villach als Tochter einer reichen Bürger- und Gewerkenfamilie geboren. Ihre beiden Großväter stammten aus dem Raum Weitensfeld.
Annas Vater Wilhelm Neumann war vermutlich der Sohn von Michael Neumann (des Jüngeren), eines Weitensfelder Bürgers, schreibt der Murauer Archivar Wolfgang Wieland in seiner Biografie über Anna Neumann unter Hinweis auf den Historiker Leopold von Beckh-Widmanstetter („Michel Newman als Bürger zu Weitensfeld in Kärnten“). Wilhelm Neumann besaß um 1530 Erbgüter in Weitensfeld. Seinen Reichtum erwarb er hauptsächlich durch die Erträge aus Quecksilbergruben in Idria (heute: Idrija) und Bleigruben in Bleiberg. Er war von 1516 bis 1518 Stadtrichter (Bürgermeister) in Villach. Kaiser Maximilian ernannte ihn 1515 zum Bergrichter in Idria und erlaubte ihm im selben Jahr neuerlich die Führung eines Wappens. Eine Erhebung in den Adelsstand war damit nicht verbunden. Neumanns Unternehmen handelte auch mit Textilien, Gewürzen und Glaswaren.
Annas Mutter Barbara, eine geborene Rumpf von Wullross, hatte Wilhelm Neumann im Jahr 1528 geheiratet, nachdem dessen erste Frau Praxedis Strigl verstorben war. Barbara Neumann war eine äußerst geschäftstüchtige Frau; ihr wurde Geiz und übersteigertes Besitzstreben nachgesagt. Ihr Vater Wilhelm Rumpf von Wullross war der bedeutendste Herr auf der Burg Wullross im Wimitztal nahe Weitensfeld. Rumpf von Wullross wurde zum Ritter geschlagen, erwarb 1515 die Herrschaft Tentschach und war erster ständischer Burggraf in Klagenfurt. Er hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. das Amt des Truchsess inne. Seine Frau Barbara entstammte der angesehenen Kärntner Familie von Keutschach.
Nach dem Tod ihres Mannes Wilhelm Neumann heiratete Barbara den vermögenden und einflussreichen Adeligen Hans Seenuß, der von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach war.
Einer der Schuldner Barbara Neumanns war Otto VII. von Liechtenstein-Murau, der schließlich die Herrschaft Treffen samt Landgericht am 1. Mai 1552 an die Familie Neumann verkaufen musste. Die Herrschaft Treffen gehörte – mit einer kurzen Unterbrechung – seit 1368 der Familie Liechtenstein-Murau.

Die ersten Ehen

Anna Neumann verbrachte ihre Kindheit auf Schloss Wasserleonburg, das ihr Vater 1522 von den Brüdern Hans, Andreas und Christoph von Ungnad übernommen hatte. Es handelte sich um eine reichsunmittelbare Herrschaft mit 92 Huben, 11 Zulehnen und 126 Keuschen. Als 21-Jährige heiratete Anna im November 1557 den vermögenden Hans Jakob Freiherr von Thannhausen, den Bruder des Kärntner Landeshauptmanns. Dieser Ehe entstammten zwei Töchter, Elisabeth und Barbara. Hans Jakob Freiherr von Thannhausen starb schon nach knapp dreijähriger Ehe am 23. September 1560. Er wurde in der Dominikanerkirche in Friesach beigesetzt.
Annas ehrgeizige Mutter Barbara legte den Grundstein, dass Anna als „Herrin von Murau“ zu einer der reichsten Frauen Österreich wurde und schließlich in den Hochadel aufstieg: Die Wullrosserin sorgte dafür, dass die junge Witwe Anfang 1566 den steirischen Adeligen Christoph von Liechtenstein-Murau heiratete, dessen Familie seit drei Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Das Geschlecht nannte sich nach der Burg Liechtenstein bei Judenburg (heute eine Ruine). Christophs Vater Otto VII. heiratete Benigna aus der gleichnamigen Familie Liechtenstein-Nikolsburg. Diese Familie, seit 1623 im Fürstenstand, war mit den steirischen Liechtensteins nicht verwandt. Einer der Nachkommen ist der Fürst von und zu Liechtenstein. Die steirische Familie Liechtenstein starb bereits 1619 aus.

Die Herrschaft Murau

Das Murauer Gebiet gehörte im Hochmittelalter zum Herzogtum Kärnten. Die Burg Obermurau wurde zwischen 1232 und 1250 von den Herren von Liechtenstein erbaut, die damals den Raum des oberen Murtals kontrollierten. Im Jahr 1250 erhielt der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein vom Kärntner Herzog die Landgerichtsbarkeit für seine Burg „Mvrowe“, die er kurz zuvor von seinem Vater übernommen hatte, sowie 1256 Schurfrechte in der Umgebung. Ulrich von Liechtenstein bevorzugte als Wohnsitz aber die Frauenburg in Unzmarkt.
1269 wurde die Burg Murau von König Przemysl Ottokar II. teilweise zerstört. Er fühlte sich als rechtmäßiger Erbe des Herzogtums Kärntens nach dem Tod seines Schwagers, des letzten Spanheimer Herzogs Ulrich. Der steirische Adel lehnte sich aber den Böhmenkönig auf. Die böhmischen Besatzer blieben bis zu ihrer endgültigen Vertreibung im Jahr 1276 in Murau. Danach kam die Herrschaft an der oberen Mur an den Sohn Ulrichs von Liechtenstein, Otto II. zurück, der mit dem Wiederaufbau begann. 1298 erhielt die Siedlung unter der Burg das Stadtrecht. 1312 kam es in der Familie Liechtenstein zu einer Trennung in eine Frauenburger und eine Murauer Linie. Der Murauer Zweig brachte es zu größerem Besitz im Herzogtum Kärnten und hatte dort auch das Marschallamt inne, eines der erblichen Hofämter. In der Steiermark stellten die Liechtensteiner die Kämmerer.
Der Niedergang der einst mächtigen Liechtensteiner begann Ende des 14. Jahrhunderts. Friedrich II. von Liechtenstein musste wegen hoher Schulden die Herrschaft Murau 1392 an Wulfing von Stubenberg verpfänden.
Während der Ungarneinfälle stellte Niklas von Liechtenstein 1487 Murau dem ungarischen König als Stützpunkt zur Verfügung, worauf er von Kaiser Friedrich III. 1490 geächtet wurde. Murau wurde danach von einem Pfleger des Kärntner Herzogs verwaltet. Zwar erhielten die Liechtensteiner 1495 ihre Besitzungen von König Maximilian I. wieder zurück, doch waren ihre finanziellen Verhältnisse so schlecht, dass es immer wieder zu größeren Abverkäufen kam. Hauptgläubigerin war die Familie Neumann von Wasserleonburg.

Reiches Erbe

Nach der Hochzeit mit Christophs II. von Liechtenstein zog Anna in das Schloss Murau. Da ihre Brüder inzwischen ohne Nachkommen verstorben waren, erbte sie 1569 nach dem Tod ihrer Mutter Barbara die Kärntner Besitzungen Wasserleonburg, Treffen, Leonstein in Pörtschach und Vordernberg im Gailtal sowie die Bergwerksanteile in Idria und Bleiberg. Dazu kamen Bargeld und Pfandbriefe. Anna, nun Hauptgläuberin der Herren von Liechtenstein-Murau, erwarb 1574 den Murauer Besitz von ihrem Mann und dessen Brüdern sowie deren Güter in Niederösterreich und im Burgenland. Im Gegensatz zu ihrer geizigen Mutter war Anna sozial eingestellt. Sie ließ unter anderem im Jahr 1576 das Spitalsgebäude in Murau erweitern und unterstützte mittellose Menschen.
Nach dem Tod Christoph II. von Liechtenstein-Murau im Jahr 1580 heiratete Anna zwei Jahre später einen langjährigen Bekannten und ebenfalls Schuldner der Familie Neumann, Ludwig Freiherr Ungnad von Sonnegg, Sohn des Landeshauptmanns der Steiermark. Ludwig Ungnad war unter anderem Mundschenk des späteren Königs Maximilians II. und 1570 Burggraf in Klagenfurt. Nach drei Jahren Ehe starb Ludwig in Klagenfurt.
Der vierte Ehemann der Herrin von Murau war ihr vermögender Gutsnachbar im oberen Murtal, Carl Freiherr von Teuffenbach, den sie 1586 ehelichte. Wie sein Vorgänger Ludwig Ungnad war auch er evangelisch. Anna vermehrte in den kommenden Jahren ihr Vermögen weiter. Als sie bereits 75 Jahre alt war, wurde sie zum vierten Mal Witwe.

Als „Hexe“ verleumdet

Die reiche Herrin von Murau hatte wegen ihres Vermögens viele Neider. Auch der Umstand, dass sie mehrmals Witwe geworden war, gab Anlass zu Spekulationen und Verleumdungen. Man dichtete ihr eine „weiße Leber“ an und sie war zweimal in einen Hexenprozess verwickelt. Ihr wurde vorgeworfen, sie hätte „Hexen“ und „Zauberer“ zum „Wettermachen“ angestiftet, damit sie auf ihren Gütern eine reiche Ernte hätte. Die Beschuldigungen reichten aber nicht zu einer Verurteilung der Murauer Herrin.

Keine Nachkommen

Annas ältere Tochter Elisabeth heiratete 1576 den angesehenen Adeligen Leonhard von Kollnitz und nach dessen Tod Christoph Freiherrn von Auersperg aus der gefürsteten Linie der Auerspergs. Sie verstarb am 14. Mai 1592 kinderlos. Die jüngere Tochter Barbara verschied bereits am 28. November 1578 – sie war ledig. Anna Neumann hatte dadurch keine Nachkommen. Denn außer mit ihrem ersten Gemahl hatte sie mit keinem ihrer weiteren Ehemänner Kinder. Die Herrin von Murau fasste daher den Entschluss, das riesige Vermögen einer hochadeligen Familie weiterzugeben. Eine Adoption war damals nicht vorgesehen, es war nur eine weitere Ehe möglich.
Der dafür Auserkorene war der 30 Jahre alte Ferdinand Graf zu Ortenburg-Salamanca, den sie nach einem Trauerjahr am 1. November 1611 auf Schloss Murau heiratete. Ferdinands Vater Gabriel, der von Erzherzog Ferdinand mit der Grafschaft Ortenburg in Kärnten belehnt worden war, ließ das heutige Schloss Porcia in Spittal an der Drau errichten.
Für Anna, nun Gräfin von Ortenburg, war es nicht die letzte Ehe: Fünf Jahre nach der Hochzeit mit dem kränkelnden Grafen wurde sie 1616 zum fünften Mal Witwe.
Nun sollte der Besitz an die hochadelige Familie Schwarzenberg gehen. Die bereits 81-jährige Anna heiratete am 25. Juli 1617 den um fast 50 Jahre jüngeren Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg. Der am 24. Dezember 1586 geborene, spätere kaiserliche Gesandte stammte aus einer traditionsreichen Adelsfamilie. Sein Vater war Graf Christoph zu Schwarzenberg (1550 – 1596), seine Mutter Anna (1153 – 1622) entstammte der Familie Kärgl zu Furth. Vermittelt wurde die Ehe vom Ratgeber des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand, Johann Ulrich Freiherr zu Eggenburg. Einen Monat nach der Hochzeit verfügte Anna, dass ihr junger Mann nach ihrem Tod die Herrschaft Murau erben sollte. Schwarzenberg blieb weiterhin im Dienst des Kaisers Ferdinand, er kehrte erst kurz vor dem Tod Annas nach Murau zurück.

Der Tod der Murauerin

Als Anna am 18. Dezember 1623 im hohen Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ihrem jungen Mann nicht nur großen Besitz, sondern auch erhebliche Forderungen: So schuldete ihr unter anderem Kaiser Ferdinand II. die riesige Summe von 220.000 Gulden. Auch der Erzbischof von Salzburg, Marcus Sitticus, zählte zu den Schuldnern.
Als Angehörige des Augsburger Bekenntnisses wurde sie nicht in der katholischen Pfarrkirche Murau begraben. Erst einen Monat nach dem Tod wurde die Leiche in einem Grab in der Elisabeth-Spitalkirche in Murau beigesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sterblichen Überreste der Herrin von Murau in die Kapuzinerklosterkirche überführt und im Grab ihres letzten Ehemanns Georg Ludwig zu Schwarzenberg bestattet.
Der Kärntner Besitz der „Neumanin“, die Herrschaften Wasserleonburg und Treffen, gelangte nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren an den Erben des Urenkels ihrer Halbschwester Katharina Neumann, Christian Proy von Burgwalden, der im Juni 1625 bei einem Grundstücksstreit auf der Göriacher Alm erschlagen worden war. Anna hatte ihn im Testament mit der Herrschaft Wasserleonburg bedacht und auch mit dem Gedanken gespielt, ihm ihr ganzes Vermögen zu übertragen. Christians Sohn Georg Philipp Proy von Burgwalden war ab Juli 1635 Herr auf Wasserleonburg und Treffen.

Schwarzenberg auf Schloss Murau

Georg Ludwig zu Schwarzenberg ließ zwischen 1628 und 1641 vom süddeutschen Baumeister Valentin Kaut neben dem gotischen Gebäude das heutige Schloss Murau errichten. Das alte Schloss wurde abgetragen. Der Erbe von Annas riesigem Vermögen starb am 22. Juli 1646 in Freudenau – ohne Nachkommen. Der Murauer Besitz gelangte an seinen Cousin Johann Adolf Graf zu Schwarzenberg aus der rheinischen Linie. Er wurde 1670 in den Fürstenstand erhoben. Der Schwarzenbergische Besitz vergrößerte sich im Lauf der nächsten Jahrhunderte enorm. Der Hauptbesitz lag in Böhmen; er wurde 1947 vom kommunistischen Staat Tschechoslowakei enteignet („Lex Schwarzenberg“).
1965 übernahm Karl Johannes Schwarzenberg den reichen Besitz in Österreich von seinem Adoptivvater; nach dem Tod des älteren Bruders seines Adoptivvaters 1979 wurde er Oberhaupt des Hauses Schwarzenberg (12. Fürst von und zu Schwarzenberg, Herzog von Krumau, Graf von Sulz, gefürsteter Landgraf im Klettgau). Seit 2007 ist Karl Schwarzenberg Außenminister Tschechiens, vor einigen Jahren erhielt seine Familie Teile des enteigneten Besitzes in Tschechien wieder zurück.

Werner Sabitzer


Quellen:
Beckh-Widmannstetter, Leopold von: Studien an den Grabstätten alter Geschlechter der Steiermark und Kärntens, Berlin 1877/78.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.
Wieland, Wolfgang: Anna Neumann von Wasserleonburg. Die Herrin von Murau, Murau, 1999.

Januar 27, 2008 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , , , | Noch keine Kommentare

Der Bürgereid von Weitensfeld

Der Weitensfelder Marktschreiber Leonhard Zemäsch, beschrieb im Jahr 1765 auf acht Blättern den „Bürgereid von Weitensfeld“.

Das historisch wertvolle Rechtsdokument des Bürgereides von Weitensfeld fand sich im Nachlass des 1930 verstorbenen Literaturhistorikers und Volkskundlers Hofrat Dr. Anton Schlossar (Graz) und wurde vom Steirischen Volkskundemuseum in Graz erworben.
Beim „Bürgereid von Weitensfeld“ handelte sich um einen „Versprechenseid“ für Jungbürger und neue Bürger des Ortes. Der Bürgereid musste mit drei Fingern der rechten Hand geleistet werden und forderte Gehorsam ein gegenüber dem Pfarrer und Dompropst zu Gurk sowie dem Marktrichter beziehungsweise Gerichtsverwalter.
Der Schwur enthielt auch Pflichten wie die Mantelpflicht für Ratsleute, das Zusammentrommeln, die Entschuldigungsgründe für das Fernbleiben von Versammlungen, die Märkte, das Austragen der „Freyung“ und das wichtige Gebot der regelmäßigen Rauchfang-Kontrolle zur Brandverhütung – die meisten Dächer waren damals aus Stroh.
Der Bürgereid entspricht im weitesten Sinne einem Versprechenseid (promissorischer Eid), wie sie heute von Staatsoberhäuptern, Regierungsmitgliedern und Abgeordneten, aber auch von Beamten geleistet werden.
Bürgereide sind in der Rechtsgeschichte selten dokumentiert. Überliefert sind unter anderem Bürgereid-Texte des 17. und 18. Jahrhunderts in der Steiermark. So gab es etwa Bürgereidformeln in Weißkirchen bei Judenburg (Eid mit der Konfessionsformel und Ermahnungen gegen leichtfertiges Schwören, für die Feuersicherheit und gegen das unerlaubte Striezelbacken usw.), Frohnleiten und Mürzzuschlag.

Werner Sabitzer

Der handschriftliche Bürgereid von Weitensfeld im Originaltext:

„Eyd Schbur Vor Einen jeden Jungen / Vnd Ney aufgenomener Bürger, Wie sich solcher / solang er das Burger Reht auf Ime hat / Zuuerhalten Hat, Wie Nachfolgent Zu Vernemen ist“

Erünnerungs Vortrag /

Ihr Werdet Angeloben Vnd Schbören, dass Ihr Ihro Hochwirden Vnd gnaden Herren Hern Dombrobsten Zu gurgg pp: Als Vnsern gnedig Vnd Hochgebietenden Herrn, Auch Einen Hochadl: Domb Capitull p: , Einen Herrn Anbold, Wie auch Einen Vorgesezten Herrn Markt Richter oder gerichts Verwalter, Allen fer Vnterworfen Sind, allen gebierenten gehorsamb gebertig Sein, Vnd Leisten, Vnd gegen Einen Jeden Rats Freind gebierenten Respect Erweisen, des Markt Weitensfeld freyheiten, alle guete alte gewonheiten Vnsere gerechtigkeiten Vnd Nuzen getreilich Zubefördern Helffen, Vnd Einhalten, /
Allen schaden Vnd Nachteil Nach Eiern Verstand Vnd Vermögen Warnen, Vnd Wenden Helffen, Auch ohne Vorwisung des Markt ghts in Keine Verpindnus Aufwirung, oder Nachteillige Sachen Einlassen, Auch so fers Erfarret dem Selben, der obrigkeit, als Richter Vnd Rath Vorstöllig Machen, Vnd anbringen, desgleichen, Wider Keinen Burger /: Vor Einen fremden: / Vor gericht Stehen, oder Einen Beystand abgeben, so fer aber Mit Einen Mit Burger in Irrung oder Zank Kummet, Solet Err Vor alhierigen Markt geriht als Erster Instanz Clagbar anbringen, Selbe Nicht Preteriern, des Marks Freyheiten, Recht, Vnd ordnungen halten, Vnd solang Err des Burger aits Vnd Pflichten Nicht Entlassen, oder Entlödiget, Keinen andern schirm Herrn Suehen, Noch Annemen, Vnd wan Irr Iwer Kurz oder Lang /: so Nach Eirem Belieben :/ auß der Burgerschaft Ziechen Wollet, so Sollet Ihr Vor Einen ganzen Rath Widerumb Vrlaub Nehmen, Vnd Sein gelibt aufsagen, Vnd Seines Verhaltens dem abschied Nehmen In Ibrigen Sich Halten, Thuen Vnd Lassen dass was Einen Ehr Vnd gottliebenten Krist Catholischen Vnd auferbeylichen Mann an, Vnd Zuestehet, Vnd Von Rechts wegen Ein Burger Zuhalten schuldig ist.
Auch ist ein Ein Burger am Mantags als Einen Wochen Markt Tag, wie auch am anderen Freymarkt Vnd Kirchtags Zeiten, Bey dem Markt gericht Zuerscheinen oder darzue Begert zu werden, niht schuldig, Ausgenomen in gottes gewalt, Feuers Noth, Vnd Herrschafft: oder Eines Sonderlichen Kauffs Halber, oder Eines duel Halber dem gericht Zu Hilff Komen Mues, sogar den H: gottes dienst in großen fällen Zuentschlagen hat.

Aufftragungs Bunckhten

Ein Jeder Burger Seinen Vorgesezten Markt Richter oder ghts Verwalter, auf allmaliges Begern, Erscheinen, oder Christen, so Es anders Sein Kann, in das Werk Zu Stöllen schuldig.
Zugebirenter Zeit, die Steyer Vnd gibigkeit, ohne abgang abrichten, Vnd Keinen Austand ansezen, oder anwachsen Lassen.
Wan das Zeichen Mit der drumbl geschlagen wierd, Mit dem Mantl in das ghts Haus Zuerscheinen, Vnd bey auß Vnd Eintragung der Freyheit Beyzuwohnen, Vnd so er gewise Verwendungen Vorzubringen Hat, sodan Erlaubnuß Nemen.
Ist Ewenmesig aufgetragen, das er auf das liebe Feyer Höchst obbacht tragen Vnd alle quartal Zum wenigsten obacht Tragen, absonderlich, wie Bey Theils, Hantwerchern Erfordert, die Rauchfang Seibern, Vnd Buzen, damit Niht durch Nachlesigkeit, Ein schaden Entstehen Möchte.
Da Ihr ohne der gegebenen Burgl: Wollen Keinen Zu Rats freinde, Noch Vill weniger Zu Einen Markt Richter, oder ghts Verwalter Lasset, Hingegen Habt Irr all Burgl: Reht Vnd gerehtigkeiten Zugebrauchen, ohne alle Nachteill Vnd schaden, aller Reht Vnd gerehtigkeit Seines Neben Nachparn.

An jetzt Sollen Sie 3 finger aufröken, Mit der Rehten Hant, Vnd Wird Verstanden, der Daum, gott Vatter, der Zeiger gott Sohn, der Mittelfinger, der H. geist, der abgebogene gold finger Bedeutet die Menschliche Seel. Vnd der Kleine finger den Menschlichen Leib, das Irr solches Vor gott Bezeuget.

Folgendes Jurament ist Nachzuspröchen

Alles das Jenige Was Mier aniezto ist Vorgelessen Worden, das gelobe, Versprich, Vnd Verbinde Mich, in allen alten gueten Herkomen, auh allen gehorsam Vnserer gnedig Vnd Hochgebietenten obrigkeit Zu gurgg p: Wie auch dem Befindenten Vnd Jeztigen, als Künfftigen Markt Richter oder ghts Verwalter Vnd gesamten Rath, allen denen ganz Vnterthönig Vnd gehorsambst Nachzuleben, als war Mier gott Helffe Vnd alle Liebe Heilige, das Verleihe gott Vatter, Sohn, Vnd H. geist. Amen.

Beschriben Worden durch Leonhart Zemäsch derzeit Markschreiber alda Zu Weitensfeld 1765.

Teitscher Aidt Schwur Zum Lehrnen.

Ihr Werdet Zu gott Einen aidt Schwören das Ihr in der Sach darumben Ihr Befragt, Vnd Eich Vorgehalten wird, die Bure Lautere Vnd grindliche Warheit anzeigen wollet, dieselbe Nicht verhalten, oder Verschweigen, es Seye von Miet, oder gab, freind oder fendschaffzt (sic!), oder auß Keiner anderen Vrsach sondern Eüere Kundschafft Thuen, als Einen Erliebenten, fromen, aufrichtig, Vnd Redlichen gemieth Von Rehts Vnd der Warheit wegen Zu thuen gebiret, Vnd Ihr solches ohne Verderbnus Eüerer Seelligkeit gegen gott den Allmehtigen an Jingsten Taga zuuerantworten wisset.

Ausslegung des aidts

Ein Jeder wisse, Ehe Vnd Zuuor er Einen aidt schwöret, was derselbe, so Einen falschen ait schwäret, fir Eine Straff Von gott dem Allmechtigen Zugewarten Hat, Ein Jeder Zeig so Ein Rechten gelerten aüdt Thuen will, soll auf Heben drey finger, Bey den Ersten das ist der Daum, ist Zuuerstechen gott der Vatter, Bey dem anderen gott der Sohn, Bey dem driten gott der H. geist, die andern zwey finger in der Hand, Der Eine Vnter sich geneigte finger Bedeitet die Cristliche Seel; als Sie Verborgen ist Vnter der menschheit, Vnd der fünffte finger Bedeitet den Leib als der geringste Zuschezen gegen der Edlen Seele, Bey der ganzen Hand, aber wird Bedeitet, Ein gott Vnd schöpfer aller Menschen Vnd Creaturen, der Himel Vnd Erden gemachet, Vnd Erschaffen, Had.
Welcher Mensch Nun aber so gottlos Verlangen, Vnd Jene Selbst Feind ist, das Er Einen falschen aidt Schwur ableget, der Rödet Vnd schwöret in solcher Weis Vnd gestalt, als ob er wider Sich Selbsten spreche, alß ich heut disen Tag falsch schwörr, oder wider Mein gewisen Ein Vnreht außag Thue, als Bitte ich wider Mich Selbsten gott dem Vatter, gott dem Sohn, gott den H. geist Vnd die ganze Heil: Dreyfaltigkeit, das ich außgeschloßen Vnd abgesondert Werde auß der gemein, Vnd güetheit der Christenheit. Das Mier dieselbe güetheit Seye Ein fluch Meines Leibs Vnd der Seele.
Zum anderten schwöret der Meinaidige gottloße Verfluehte Mensch also, das ich Heind faslch schwöre, so Helffe Mier gott der Vatter, gott der Sohn, Vnd gott der H. geeist, das Mier die Mimermer Zuhilff komen. Zu der Zeit, da Sich mein Leib Vnd Seel Von Einander scheiden werden.
Zum driten, So Einer falsch Schwöret, der Rödet wider sich Selbsten, als ob er spröche, Was ich Heind falsch schwöre, oder Einen Vnrehte Außag wider Mein gewissen Thue, so Bitte ich gott dem Vatter, gott den Sohn, Vnd gott den H. geist, Vnd den Kostbarlichen Fronleichnam Vnsers Herrn Jesu Christi, das Seine grundlose Barmherzigkeit, Sein H. geburd, Sein H. Schweiß, angst Vnd Noth, Sein Vnschuldiges Leiden, Vnd Sterben, Blueth Vergiesung, Sein Harter Strenger Tott, Höll Vnd Himelfard Sein H. Vnd H. Vrstend Vnd Sendung des H. geistes, Vnd alles Vnd alles (sic!) was Einen armen Sinder Zu Heill Vnd Trost Komen Solle, Von Mier ganz Vnd gar Entzogen Vnd Verlohren werde.
Zum Vierten, so Einer falsch Schwöret, der Redet also ob Er spreche, als ich Heind falsch Schwöre, so Soll Mein arme Seele, die Bedeitet wierd durch den Vierten finger, Vnd Mein Leib so Bedeitet wierd durch den finfften finger, mit Einander Verlohren, Vnd Verdamet Sein, am Jingsten Tag, Vnd Lezten gericht, So ich Mein-Eidiger Mensch Stehen werde. Vor dem Strengen Richterstul Jesu Christi, dem Nichts Verborgen ist, Vnd Solt auch ausgetilget, Vnd gescheidet Sein Von aller gemeinschafft Vnd freiden aller Heilligen, Vnd so auch Leztlich Verzichen Sein, des Begierlichen anschauung des angesichts Vnsers Lieben Herrn Vnd Heyland Jesu Christij Imer Vnd Ewiglichen.
Darumen gedenke Nun Du o Mensch Wie Ein Erschröcklich grausames Vrteil Du mit Schwörung Eines falsch aits Iber Dich Selbsten, sprichest, Vnd Bedenke Dich gar wohl, Zuuor, was Du Redest, Vnd Thuest, dabey Mag auch Ein Jeder, so disen Hörer, Vnd Zugögen ist, Mörken was Ein falscher aitschwur in Sich haltet, Vnd wie der Mensch gotts des almechtigen durch dem falschen ait Beraubet, Vnd Ewig Verlaßen ist. Darnach Sich ein Jeder Cristen Mensch Bilich Hieten Solle, Bey Verlierung Seiner Sellen Seligkeit.

Ayd Schwur

Wüe Mier Jezund Firgehalden Vnd Ich Zuthuen Beschaiden Bin Worden demselben Will Ich Treylich Nach Komen Vnd gehorsammen : Alß War Mier gott Hilfft, die ubergebenedeite ohne Mackl Empfangene Jungfrau Vnd Muetter gottes Maria Vnd alle Liebe Heilige Amen.
Quellen:
Ebel, W.: Der Bürgereid als Geltungsgrund und Gestaltungsprinzip des deutschen mittelalterlichen Stadtrechts. Weimar 1958.
Kretzenbacher, L.: Ein Bürgereid aus Weitensfeld im Gurktal, 1765.

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , | Noch keine Kommentare

800 Jahre Weitensfeld

Weitensfeld im Gurktal besteht seit 800 Jahren. Der neue Markt, eine Schenkung der Babenberger an das Domstift Gurk, entstand zwischen 1203 und 1207.

Zentrum des Gurktals im 12. Jahrhundert war das Gurker Domkapitel mit dem von Bischof Roman (1131 – 1167) erbauten Dom in Gurk und dem Bischofssitz auf der Strassburg. Einige Anhöhen im Raum oberen Gurktal wie Mödring und Zammelsberg waren bereits seit langem besiedelt, es gab einige Burgen wie Albeck (1155 erstmals erwähnt), Waldeck (beim heutigen Hardeggerhof in Glödnitz) und Braunsberg, andere befestigte Anlagen, eine Reihe von Amthöfen und einige Orte wie Sirnitz, Glödnitz und Griffen.
„Wietensuelt“ wurde erstmals im Jahr 1131 urkundlich erwähnt und lag an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt. Die Ansiedlung befand sich in steirischem Besitz; und kam 1192 an die Babenberger, die ihn im Jahr 1202 dem Domstift Gurk schenkten.

Der neue Markt

Zwischen 1203 und 1207 gestattete König Philipp dem Gurker Kapitel die Gründung eines neuen Marktes etwa drei Kilometer abwärts gurkabwärts. Das Stift ließ den neuen Ort „Wietensuelt“ errichten; der ursprüngliche Ort wurde als „alter Markt“ (später: „Altenmarkt“) bezeichnet. Hier dürfte sich auch die römische Poststation „Beliandrum“ befunden haben. Beliandrum und Tarnasicae (vermutlich auf der Passhöhe der Flattnitz) waren zwei Stationen auf der befestigten Römerstraße von Virunum (Zollfeld) nach Juvavum (Salzburg). Das geht aus der Peutingerschen Tafel (Tabula Peutingeriana) hervor, einer Kopie einer römischen Straßenkarte auf Pergament aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um eine grafische Darstellung der wichtigsten Straßen im Römischen Reich. Auch Reste von Bauten aus der Römerzeit finden sich im Gurktal, Fragmente von römischen Grabbauten. Einige bearbeitete Steine aus der Römerzeit sind in Gebäuden des Stiftes Gurk eingebaut worden.

Spanheimer in Kärnten

In Kärnten übernahm im Jahr 1202 der Spanheimer Bernhard II. die Herzogwürde von seinem verstorbenen Bruder Ulrich II., schon Jahre vorher hatte er die Amtsgeschäfte anstelle seines schwer kranken Bruders geführt. Der staufertreue Bernhard unterstützte „seinen“ König Philipp und hielt sich im Frühjahr 1203 auch bei ihm in Nürnberg auf. Im Jänner 1205 ließ sich Philipp erneut zum König wählen, diesmal auch mit den Stimmen der niederrheinischen Fürsten, die an der ersten Wahl 1198 nicht teilgenommen hatten. Die Krönung erfolgte diesmal am rechtmäßigen Ort Aachen. Ein Jahr später besiegte Philipp den Gegenkönig Otto, der sich auf seine Güter in Braunschweig zurückzog.
Wie damals üblich, sah es Philipp als Verpflichtung, sich bei seinen Anhängern mit Schenkungen, Belehnungen und Zugeständnissen zu bedanken. Zu den Begünstigten zählte auch der Erzbischof von Salzburg, der sein Gebiet erweitern konnte.
Vorteile erwartete sich auch Herzog Bernhard II., der sich im Ende1207 neuerlich bei König Philipp aufhielt. Ein Jahr später wurde aber Philipp vom gewalttätigen Pfalzgraf Otto von Wittelsbach erschlagen; sein einstiger Gegner Otto IV. wurde zum König gewählt. Der Erzbischof von Salzburg wandte sich an die Seite Otto IV, der dafür die Salzburger Hoheitsrechte über das „Eigenbistum“ Gurk bestätigte. Auch Herzog Bernhard II. von Kärnten anerkannte den neuen König.
Politisch gesehen war Kärnten damals ein „Fleckerl-Teppich“. So besaßen etwa die Bistümer Brixen, Bamberg und Salzburg große Besitzungen in Kärnten. Die regierenden Spanheimer hatten kaum Besitz, das beschränkte auch ihre Macht.

Marktbestätigungsurkunde

Herzog Bernhard II., der bedeutendste Spanheimer, bestätigte am 17. Dezember 1211 in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behielt sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Diese Bestätigung ist auch ein erster Hinweis auf eine landesfürstliche Gesetzgebung: Die Bürger sollten sich beim Kauf und Verkauf an jene Vorschriften halten, die der Herzog mit dem Rat erfahrener Leute seines Gefolges und seines Landes erlassen hatte.
Die Marktbestätigungsurkunde von Weitensfeld ist auch ein Beweis dafür, dass Herzog Bernhard eine neue zentrale Behörde, eine Art herzögliche Kanzlei, geschaffen und die Verwaltung in seinem Machtbereich reorganisiert hat. An der Spitze der geistlichen und weltlichen Zeugen steht ein „Magister Poncius, Arzt und Schreiber des Herzogs“. Unter Bernhards Vorgänger und Bruder Ulrich waren vorwiegend Mönche des Klosters Viktring für die Ausstellung herzöglicher Urkunden herangezogen worden.
Das Marktprivileg von Weitensfeld spielte auch eine Rolle im Streit zwischen dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. und „seinem“ Gurker Bischof, der nach Unabhängigkeit strebte. Obwohl Papst Innozenz III. den Markt dem Gurker Domkapitel bestätigte, belegte Erzbischof Eberhard den Gurker Bischof Walther und das Kapitel mit Bann. Die Streitenden sandten im Jahr 1211 Vertreter nach Rom. Aus Gurk kamen Probst Otto und zwei Domherren, die der Papst vom Bann lossagte. Die anderen musste der Salzburger Erzbischof „absolvieren“.
Weitensfeld war ein eigener Burgfried (Gerichtsbarkeit). Domstiftliche Richter übten in Weitensfeld die niedere Gerichtsbarkeit aus; die „Blutgerichtsbarkeit“ oblag dem Gurker Bischof.

Kunstwerk im Kirchlein

Eines der bedeutendsten Werke der Glaskunst Österreich stammt aus dem Weitensfelder Kirchlein St. Magdalen, das 1264 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Magdalenenscheibe, das älteste Glasgemälde in Österreich, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Heute befindet sich in der Filialkirche St. Magdalen bei Weitensfeld eine Kopie dieser Scheibe, das Original wird aus Sicherheitsgründen im Diözesanmuseum in Klagenfurt aufbewahrt.

Naturkatastrophen

Naturkatastrophen, Seuchen und Kämpfe brachten immer wieder Unheil über Weitensfeld. Das Jahr 1348 ging als das Katastrophenjahr in die Kärntner Geschichte ein. Ein gewaltiges Erdbeben am 25. Jänner 1348 führte zum Absturz eines Teils des Dobratschs, es gab Heuschreckenschwärme und wieder einmal bedrohte eine tödliche Seuche die Bewohner – die erste verheerende Pest-Epidemie im Spätmittelalter. In Europa kamen bis 1352 etwa 25 Millionen Menschen an der Pest um, jeder dritte Bewohner des Kontinents.

„Renner und Brenner“

Im Jahr 1473 erlebte Kärnten den ersten Einfall der Türken. Jakob Unrest, Pfarrer in St. Martin am Techelsberg, berichtete darüber in seiner „Österreichischen Chronik“, dass die Invasoren aus dem Orient „von demselben mittag hinz zu der nacht das Jaunthal zwischen Pleyburg und Volckenmarckt die armen leut der pawerschafft in denselben revieren den mehrerntheil jung und alt, weib unnd kind gefangen und erschlagen“ haben. Die Eindringlinge kamen über den Seebergsattel, eroberten den Raum um den Wörthersee und zogen weiter nach Moosburg und Feldkirchen.1476 errichteten die Eroberer in der Wernberger Drauschlinge ein Lager, von dort aus unternahmen sie Raubzüge, unter anderem drangen sie noch im selben Jahr bis nach Sirnitz vor.
Am 4. August 1478 kamen die türkischen Horden von Feldkirchen, das sie niedergebrannt hatten, über den Zammelsberg in das Gurktal und wollten am 4. August 1478 die Kirche in Altenmarkt stürmen, scheiterten aber. Es gelang ihnen auch nicht, das befestigte Gotteshaus anzuzünden. Danach zogen die Krieger nach Weitensfeld und brannten die Häuser nieder. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. „Sy kamen darnach in das Kurckentall, da verpranten sy den Marckt Weythensveldt“, berichtete Chronist Unrest. An die „Renner und Brenner“ erinnern heute das „Tatarmandl“ auf der Hochrindl und die Türkenbrunnen in Weitensfeld und Zweinitz. Im Jahr 1480 kamen die Orientalen mit 24.000 Mann abermals nach Kärnten; das Gurktal blieb aber diesmal von den Raubzügen verschont. Den letzten Einfall in Kärntner Gebiete gab es 1483.

Wasserwehrkirche

Die Invasion der Türken führte zu einem Ausbau der Gotteshäuser zu Wehrkirchen. In Weitensfeld wurde anstelle der von den Türken 1478 zerstörten Kirche im 16. Jahrhundert eine Wasserwehrkirche errichtet. Derartige Bauten waren selten. Die ursprüngliche Kirche wurde erstmals 1285 urkundlich erwähnt; das Kirchlein St. Magdalen bereits 1264. Der Karner, ein gotischer Oktogon, dürfte 1451 geweiht worden sein. Die Kirche in Weitensfeld wurde erst 1753 eine eigene Pfarrkirche, bis dahin war sie eine Filialkirche von Altenmarkt. Vorausgegangen war ein langer Streit zwischen Altenmarkt und dem domstiftlichen Markt Weitensfeld, der vom Gurker Bischof Josef von Thun mit der Urkunde vom 28. Juni 1753 über die Errichtung einer eigenen Pfarre in Weitensfeld beendet wurde. Patronat und Vogtei der Pfarre wurden vom Landesfürsten dem Domkapitel überlassen. Erster Pfarrer in Weitensfeld war Franz X. von Kellerberg; er trat bereits am 18. Oktober 1752 das Amt an. Der Pfarrer von Altenmarkt war seit dem 14. Jahrhundert verpflichtet gewesen, in Weitensfeld einen eigenen Sonntagsgottesdienst abzuhalten. Nach dem Spruchbrief von Probst Lorenz vom 1. Mai 1460 zwischen dem Altenmarkter Pfarrer Purgleutner und der Bürgerschaft von Weitensfeld wurde der Priester bzw. seine Helfer verpflichtet, den Weitensfeldern in ihrem Markt die Sakramente zu reichen. Die Weitensfelder Bürgerschaft hatte sich wiederholt beklagt, sodass Bischof Johannes von Goes im Jahr 1689 verfügte, dass der Pfarrer von Altenmarkt die Messe an Sonn- und Feiertagen in Weitensfeld durch einen anderen Priester bzw. einen eigenen Kaplan lesen lassen musste. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert bestand in Weitensfeld eine Pfarrschule.

Schwarze Seuche

Im 17. und 18. Jahrhundert wütete die Pest neuerlich in Kärnten. Nachgewiesen ist das Auftreten der Pest in den Jahren 1614 und 1646 sowie von 1713 bis 1716. Zur Bekämpfung der todbringenden Epidemie wurden die Grenzen Kärntens besonders überwacht. Reisende, die nicht nachweisen konnten, dass sie aus einem pestfreien Ort kamen, durften nicht ins Land. Bettler, Vagabunden und verdächtige Personen wurden zurückgewiesen. Die Behörden richteten „Contumazorte“ für die Quarantäne ein.
Im Jahr 1614 berichteten Richter und Rat von St. Veit nach Klagenfurt, dass die Pest in Straßburg aufgetreten sei „vnnd daselbst grausamblich grassiere“.
Im Spätsommer 1713 verbreitete sich die Pest von Wien aus über die Steiermark nach Kärnten. Die „Kärntnerische Hauptkommission“ bereitete sich auf die Epidemie mit einer Reihe von Maßnahmen vor. Die Grenze zur Steiermark wurde geschlossen und die „Grenz-Confinen“ überwacht. An wichtigen Übergängen standen Wachtposten, unter anderem auf der Flattnitz.
Die Hauptkommission sowie die Stadt- und Marktrichter wurden über den Verlauf der Krankheit in Kärnten von Vertrauensmännern mit regelmäßigen Berichten („Diarien“) informiert. Im Sommer 1715 breitete sich die Pest im mittleren Gurktal aus. Der Bischof von Gurk als Landgerichtsinhaber stellte Pest-Wachposten auf. In Glödnitz starben einige hundert Bewohner. Ein Bettler, der aus Glödnitz nach Weitensfeld kam, dürfte die Krankheit in den Ort mitgebracht haben. Stark betroffen von der Seuche waren auch Gurk und Straßburg. Franz Otto von Kochler, der Dompropst von Gurk, berichtete am 13. November 1715 der Hauptkommission, dass in Weitensfeld innerhalb kurzer Zeit 15 Menschen gestorben seien. Laut dem Marktschreiber von Weitensfeld seien zwei oder drei von ihnen an Hunger zugrunde gegangen. Die Kommission glaubte an Vertuschung der Ausmaße der Pest und drohte dem Marktschreiber Bestrafung an. Der Gurker Ratsbürger Andre Gottlieb Struz wurde zum Unterkommissär für Weitensfeld bestellt. Er starb kurz darauf an der Pest. Am 8. Februar 1716 berichtete der Hauptkommissär dem Domprobst, dass in Weitensfeld zwei weitere Bewohner an der Pest verstorben seien. Der Kommissär vermutete, dass der Domprobst diese Toten verschwiegen hätte, um den Ort nicht absperren zu müssen. Von Juni 1715 bis Ende Februar 1716 starben in Weitensfeld 69 Menschen an der Seuche; das entsprach etwa einem Viertel der Bewohner; in Glödnitz gab es in dieser Zeit 319 Pesttote, in Altenmarkt 56, in Gurk 16 und in Straßburg 35.

Das Kranzelreiten entsteht

Einer der schönsten und ältesten Bräuche Österreichs, das Kranzelreiten in Weitensfeld, dürfte im 16. Jahrhundert entstanden sein. Der Sage nach rottete die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bevölkerung aus; in Weitensfeld hätten nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ überlebt. Die Überlebenden hätten sich auf einen Wettkampf geeinigt: Wer von den drei Burschen bei einem Wettlauf als Sieger hervorgeht, soll das Mädchen heiraten. In Erinnerung daran gibt es jedes Jahr zu Pfingsten das Kranzelreiten mit dem Wettlauf der drei „Bürgersöhne“. Das Brauchtumsfest müsse jedes Jahr stattfinden, sonst drohe der Sage nach dem Ort Unheil: In der Nacht würden die Pesttoten über die Marktstraße reiten.
In Berichten der „Carinthia“, der ältesten Zeitschrift Kärntens, wird der Beginn des Brauchs mit 1567 datiert. Das Kranzelreiten hat auch germanische Elemente: Es ähnelt den früheren Frühlingsfesten, bei denen der Kampf des Sonnengottes mit dem Winter dargestellt wurden. Bei diesen Festen gab es auch ein Wettrennen; der Sieger ging als „Maikönig“ hervor. Der Brauch könnte auch das „Einholen der geschmückten Maibraut“ bedeuten, die im Sommer Glück und Fruchtbarkeit bringen soll. So heißt es in einem Bericht in der „Carinthia I“ im Jahr 1914: „Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern.“

Marktprivilegien und Wappen

Am 4. Oktober 1629 verlieh Kaiser Ferdinand II. dem Ort ein Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt …“ Außerdem gewährte der Kaiser die Abhaltung eines Jahrmarkts „auf den dritten Sonntag nach Egidi“.
Der Gurker Domprobst hatte das Recht, auf dem Gurk-Fluss Fischer einzusetzen. Von Weitensfeld bis zum Steinpauer durfte er zwei Fischer beschäftigen, in der Fastenzeit vier. Der Probst hatte auch das Recht der Pechbohrung, des „Raissgejaid und der Wilpan“ und bestimmte Rechte bei den Kirchtagen in Weitensfeld. Die Händler mussten Maut an den Probst oder seinen Mautnern abführen; ausgenommen waren Dinge für den Hausgebrauch, wenn der „Jahresschilling“ entrichtet wurde.
Am 30. April 1841 erhielt Weitensfeld vom Kaiser Ferdinand I. das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten: am St. Mathäus-Tag und an den St. Johann Evangelistentagen.
Im Jahr 1929 wurde der Gemeinde ein eigenes Wappen verliehen. Weitensfeld führt die älteste noch erhaltene Gemeindefahne in Kärnten. Sie stammt aus der Barockzeit.

Der Bürgereid von Weitensfeld

Jahrhundertelang, vor allem im Mittelalter, war es in vielen Städten und Märkten üblich, einen „Bürgereid“ abzulegen. Ein seltenes Dokument eines solchen Schwurs stammt aus Weitensfeld. Marktschreiber Leonhard Zemäsch hat im Jahr 1765 den „Bürgereid von Weitensfeld“ niedergeschrieben. Es handelte sich um einen „Versprechenseid“ für Jungbürger und neue Bürger des Ortes („Eyd Schbur Vor Einen jeden Jungen / Vnd Ney aufgenomener Bürger, Wie sich solcher / solang er das Burger Reht auf Ime hat / Zuuerhalten Hat, Wie Nachfolgent Zu Vernemen ist“). Der Bürgereid musste mit drei Fingern der rechten Hand geleistet werden und forderte Gehorsam ein gegenüber dem Pfarrer und Dompropst zu Gurk, dem Marktrichter oder Gerichtsverwalter und dem Rat. Der Schwur umfasste bestimmte Pflichten wie die Teilnahme an Ratsversammlungen, die Aufgaben an den Markttagen, das Austragen der „Freyung“ und das wichtige Gebot der regelmäßigen Rauchfang-Kontrolle zur Brandverhütung.

Hochrindl in „Frankreich“

In den Jahren 1797, 1805 und 1809 marschierten französische Truppen in Kärnten ein. Plünderungen und Zerstörungen waren die Folge. Die Besatzer forderten von den Stadtverwaltungen Klagenfurt und Villach hohe Summen. In Klagenfurt wurden Mitglieder der Landesverwaltung als Geiseln genommen, um die Geldforderungen schneller durchsetzen zu können. Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt (1749 – 1822), Fürstbischof von Gurk, bewahrte durch Zahlung von 30.000 Gulden an die Franzosen das letzte der vier Stadttore Klagenfurts vor der Zerstörung. Salm-Reifferscheidt war der letzte Bischof von Gurk, der auch im Gurktal residierte, bevor er 1786 nach der Diözesan-Regulierung den Amtssitz vom Schloss Pöckstein nach Klagenfurt verlegte.
Nach dem „Frieden von Schönbrunn“ im Oktober 1809 wurde Kärnten in zwei Teile geteilt. Der Klagenfurter Kreis (Unterkärnten) wurde dem napoleonischen Königreich Italien unterstellt und von Graz aus verwaltet. Schon Kaiser Joseph II. hatte die Kärntner Landeshauptmannschaft aufgehoben und Kärnten dem Gubernium in Graz unterstellt. Der Villacher Kreis (oberkärntner Gebiete) und Gebiete südlich der Save wurden als „Illyrische Provinz“ Frankreich unterstellt. Es galt der „Code Civil“, ein modernes bürgerliches Gesetzbuch; die Währung war der Franc anstatt des Guldens und es wurden auch die französischen Maße und Gewichte eingeführt. Es herrschte Glaubensfreiheit und weitgehende Gewerbefreiheit, viele Vorrechte des Adels wurden aufgehoben, ebenso die Naturalsteuern und das Untertanenverhältnis. Teile des oberen Gurktals wurden französisch. Die neue Grenze reichte bis an das Gebiet der früheren Großgemeinde Weitensfeld heran. Auf der Hochrindl verlief ein Teil der Grenze zwischen den Reichen Österreich und Frankreich. Die unterschiedlichen Rechts- und Wirtschaftssysteme führten zu einem Aufschwung eines speziellen Erwerbszweigs, dem Schmuggel verschiedener Waren. Weitensfeld erlebte in diesen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. An der Goggausee-Landesstraße bei Steuerberg befindet sich ein Gedenkstein, der an diese Grenze erinnert. Die Jahreszahl in der Inschrift „Franconia – Austria 1808“ ist allerdings historisch falsch und müsste „1809“ lauten. Ab 1811 erfolgte die Neuorganisation des Villacher Kreises zu einer Zivilprovinz mit Kantonen, die wiederum in Arrondissements oder Mairien unterteilt waren. Im Februar 1811 wurden mehr als 600 Kärntner für das illyrische Regiment rekrutiert, das mit der französischen Armee nach Russland zog. Die meisten von ihnen kamen im Russlandfeldzug um. Im Jahr 1813 griffen österreichische Truppen die illyrische Armee an der Drau an. Es gab Kämpfe in Feistritz im Rosental und in Villach, wo viele Häuser in Flammen aufgingen. Im September und Oktober 1813 gelang es den Österreichern, die Besetzer zu vertreiben. Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wurden die Illyrischen Provinzen wieder unter österreichische Verwaltung gestellt. Mit dem Friedensvertrag von Paris am 30. Mai 1814 wurden die alten Grenzen Kärnten bestätigt. Oberkärnten war wieder ein Teil Österreichs. Die Verwaltung erfolgte aber noch von Laibach aus.1825 wurde auch der Klagenfurter Kreis dem Gubernium Laibach angeschlossen. Erst nach der Revolution 1848 wurde Kärnten wieder selbstständig – als Kronland mit der Hauptstadt Klagenfurt.

Ein Räuberhauptmann in Weitensfeld

In die Franzosenzeit fällt auch die Geschichte des Räuberhauptmanns Simon Kramer, bekannt als „Krapfenbäck Simale“. Sie ist bezeichnend für die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Situation Ende des 18. Jahrhunderts in Kärnten. Die Armut schaffte viele Räuber und Diebe; die Kriminalität war hoch. Ein geordnetes Polizeiwesen gab es nicht; das Rechtssystem stützte sich auf die Theresianische Halsgerichtsordnung aus dem Jahr 1769. Die Folter war üblich, ebenso die Todesstrafe und Körperstrafen. Erst später wurden vermehrt langjährige Kerkerstrafen verhängt. In Weitensfeld gab es einen Marktrichter, der für alle Gerichtsfälle außer der hohen Gerichtsbarkeit („Blutgerichtsbarkeit“) zuständig war. Die hohe Gerichtsbarkeit stand dem Bischof von Gurk zu.
In einigen Werken wird „Krapfenbäck Simale“ fälschlicherweise als „Bäckersohn aus Weitensfeld“ bezeichnet, so auch in der Gemeindechronik von St. Urban. Tatsächlich stammte der Spitzname von der „Krapfenböck“-Keusche, die sein Vater besaß. Auch Kramers Image als Kärntner „Robin Hood“, der den Reichen nahm und den Armen gab, bzw. als Kämpfer gegen die französischen Besatzer, stimmte nicht mit der Wirklichkeit überein. Simon Kramer, 1785 in Möderndorf im Zollfeld geboren, wurde aus eigennützigen Motiven kriminell und beteiligte sich schon als Jugendlicher an Diebstählen und Raubzügen. Die Beute war meist gering, oft bestand sie aus Nahrungsmitteln und Kleidung. Kramers „Spezialität“ waren Überfälle in der Nacht, oder Diebstouren auf Bauernhöfen am Sonntag vormittag, wenn die Bauersleute in der Kirche waren.
Simon Kramer war mehrmals in Weitensfeld. Einmal brachte er mit einem Fuhrwerk Zwetschken nach Weitensfeld, um sie hier zu verkaufen; das Pferd hatte ein Komplize auf dem alten Platz in Klagenfurt gestohlen.
Am 22. Juni 1807 zechte Simon Kramer mit seinem Kumpanen Philipp „Lipp“ Schuster in einem Weitensfelder Gasthaus. Tags zuvor hatten die Beiden in der Nähe von Neumarkt einen Bauern überfallen und ihm 228 Gulden geraubt. Die Räuber wurden erkannt und in den Kotter des Marktgerichts Weitensfeld gesperrt. Sie hatten Beutestücke bei sich, die vom Überfall in Neumarkt und von einem Raubzug in Brückl stammten. Kramer gelang es in der Nacht auf den 26. Juni, mit einem schmalen Brett das Schloss seines Fußeisens abzudrehen. Danach brach er den morschen Fußboden auf, schlug ein Loch in die dünne Mauer und gelangte ins Freie. Sein Komplize Lipp blieb in der Zelle, er wurde am nächsten Tag in das Landgericht Albeck überstellt und am 7. Dezember in das Landgericht Straßburg gebracht, weil man einen Befreiungsversuch durch Simon Kramer befürchtete. Dieser hatte knapp drei Wochen vorher seine Gefährtin Juliana Regenfelder aus dem Arrest im Schloss Margaregg bei Klagenfurt befreit. Sie war mit zwei Komplizen verhaftet und in den Arrest gesteckt worden, bewacht von zwei unbewaffneten Bauern. Kramer und einige seiner Leute verschafften sich am 19. November 1807 unter einem Vorwand Zugang zum Kerkerraum und überwältigten die Wächter und die Amtsdienerin. „Krapfenbäck-Simale“ schlug seiner Freundin die Fußeisen ab und flüchtete mit ihr.
Kriminalrichter Ferdinand von Litzelhofen ließ sich vom Marktgericht Weitensfeld die Personsbeschreibung des Flüchtigen zusenden und fertigte einen Steckbrief an: „Personsbeschreibung: Eines herumstreichenden, sehr diebsgefährlichen Burschen, der Krapfenbacker Simele genannt, welcher mit dem hier verhafteteten berüchtigten Dieb Laurenz Strauß gemeinhin Priditsch in einer Verbindung zu seyn beinzichtigt wird. Dieser Mensch ist aus der hierländischen Stadt St. Veit gebürtig, bei 20 Jahre alt, und zimlich grosser untersezter Statur, hat ein rundes, gut gefarbtes Angesicht, schwarze Augen, braune Haare und einwärts gebogene Knie. Am Leibe trug er lezthin ein kurzes braunes Jankerl, ein blaulich zeugenes Leibl, schwarzlederne kurze Hosen, Stiefel und einen runden hohgupfigen Hut.“
Kurze Zeit später wurde Simon Kramer endgültig gefasst. Der vom Bistum Gurk im Landgericht Albeck eingesetzte Gerichtspfleger Josef Marx hatte erfahren, dass sich Mitglieder der Kramer-Bande öfters an der Wegscheide bei Hoch St. Paul, „dann am Zamelsberg im Burgfried Wullroß, besonders in der Kreuzwirth-Keusche, aufhilten“ .Am 17. September 1809 endete das Leben des wohl berüchtigsten Räubers der Kärntner Kriminalgeschichte. Simon Kramer wurde von der Landgerichtswache im Gasthaus Wegscheider beim Kartenspiel angetroffen. Er wehrte sich gegen die Festnahme und zog ein Messer. Daraufhin wurde er von einem Wächter in den Hals geschossen. Der Räuberhauptmann starb 24-jährig an dieser Wunde. Drei Tage später hängten französischen Besatzer die Leiche auf dem „Galgenbichl“ nördlich von Klagenfurt auf.

Wasser und Feuer

Im Lauf der Jahrhunderte wurde Weitensfeld von einer Reihe von Katastrophen heimgesucht, vor allem durch Großbrände und Überschwemmungen. Im 20. Jahrhundert waren es die Hochwasser der Jahre 1909 und 1919, die schwere Schäden im Ort anrichteten. Die folgenschwerste Brandkatastrophe des 19. Jahrhunderts geschah am 17. April 1814. Nach dem Sieg über Napoleon und der Zerschlagung seines Reichs zogen die siegreichen Truppen, darunter viele österreichische Soldaten, am 17. April 1814 in Paris ein. In Österreich wurde an diesem Tag ausgiebig gefeiert; auch in Weitensfeld. Am Abend brach in einem Stall im Ort ein Feuer aus, das innerhalb kurzer Zeit auf die angrenzenden Gebäude übergriff. Stunden später brannten 45 Häuser und die dazugehörigen Ställe. „Der rote Himmel in Weitensfeld störte die gleiche Feier in Gurk“, heißt es in einer Aufzeichnung über den Großbrand. Vor den Flammen gerettet werden konnten die Kirche und einige umliegende Häuser, darunter das Mesnerhaus, in dem sich seit 1790 die Schule befand. Auch einige Häuser am Marktplatz blieben vom Feuer verschont. Drei Menschen kamen ums Leben. Der Schaden wurde mit mehr als 185.000 Gulden berechnet. Nach dem Großbrand in Weitensfeld verfügte die Bezirksobrigkeit und Munizipalherrschaft Gurk, dass künftig nur mehr Steinhäuser und keine Holzbauten mehr errichtet werden durften.
Die Kirche im neuen Ort Weitensfeld war nicht eigenständig, sondern eine Filialkirche von Altenmarkt. Erst ein halbes Jahrtausend nach der Gründung, im Jahr 1753, vor genau 250 Jahren, wurde sie eine eigene Pfarrkirche.
Nach der Revolution 1848 gab es in Österreich umfangreiche politische Veränderungen. Kärnten wurde selbstständiges Kronland; der Kärntner Landtag wurde erstmals frei gewählt. Die Grundherrschaften hörten auf zu bestehen. Mehrere Herrschaften wurden vereinigt; sie bildeten die Bezirkshauptmannschaften. 1949 entstanden die Gemeinden, darunter die Ortsgemeinde Weitensfeld.

Werner Sabitzer

Quellen:

Dopsch, Heinz; Brunner, Karl; Weltin, Maximilian: Österreichische Geschichte 1122-1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter, Wien, 1999.
Frick, Karl R.: Geschichte der Medizin in Kärnten im Überblick I: Von den Anfängen bis zum Jahre 1804. Das Kärntner Landesarchiv 14. Klagenfurt, 1987.
Geschichtsverein für Kärnten (Hg.): Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Geleitet von Gotbert Moro, 52. Band. Klagenfurt, 1958.
Jaksch, August: Geschichte Kärntens bis 1335. I. und II. Band. Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt 1928 bzw. 1929.
Kafka, Karl: Wehrkirchen Kärntens II. Wien, 1972.
Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Weitensfeld 1998.
Meir, Alice: Aus dem Leben der Gurker in vergangenen Jahrhunderten; in: Marktgemeinde Gurk, Das goldene Buch von Gurk, 1998.
Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.
Piccottini, Gernot, Die Römer in Kärnten. Ein Carinthia-Führer, Carinthia, Klagenfurt 1989
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Schinegger, Maria: St. Urban im Wandel der Zeiten. Eine Chronik, herausgegeben von der Gemeinde St. Urban, Klagenfurt 1991.
Weingand, Hans-Peter: Krapfenbäck Simerl. Leben und Sterben eines legendären Kärntner Räubers. Graz 1996.

Kurzchronik Weitensfeld
(12. bis 19. Jahrhundert)

1131: „Wietensuelt“ wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt an der Stelle des heutigen Ortes Altenmarkt.
1192: Das Gebiet Weitensfeld geht neben nach dem Tod Herzog Ottokar I. von Steiermark Anfang Mai 1192 aus steirischem Besitz in den Besitz der Babenberger über.
1202: Die Babenberger schenken das Gebiet um Weitensfeld dem Domstift. Herzog Leopold VI. von Österreich bestätigt 1202 die Schenkung des Marktes Weitensfeld durch seinen steirischen Ministerialen Otto von Teuffenbach an das Gurker Domkapitel.
1203/07: Der neue Markt Weitensfeld mit den entsprechenden Marktprivilegien entsteht an der heutigen Stelle.
1211: Der Spanheimer Herzog Bernhard II. bestätigt in der Herzogstadt St. Veit die Rechte des Gurker Domkapitels im Markt „Weytensueld“, behält sich aber die Blutgerichtsbarkeit vor. Das Weitensfelder Marktprivilegium, ausgestellt am 17. Dezember 1211, enthält u.a. Statuten über den Warenein- und Verkauf.
1264: Das Kirchlein St. Magdalen bei Weitensfeld wird erstmals urkundlich erwähnt. Die Magdalenenscheibe ist das älteste Glasgemälde in Österreich.
1478: Die Türken brennen den Markt nieder. Auch die Kirche wird zerstört.
1629: Kaiser Ferdinand II. verleiht am 4. Oktober Weitensfeld einen Jahrmarkt und das Wappen mit einem „roten Schildt, darinnen ein Hirsch in einem grünen Feld zwischen vier Weidenbaimb gegen die rechte Seite zum Sprunge geschickt“.
1753: Die Kirche in Weitensfeld, bisher eine Filialkirche von Altenmarkt, wird eine eigene Pfarrkirche.
1813: Ein Großbrand zerstört die Häuser mit den Nummern 1 bis 45 und die dazugehörenden Ställe im Ort.
1849: Der Markt Weitensfeld wird eine Gemeinde.

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , | Noch keine Kommentare

Das Kranzelreiten von Weitensfeld

Das Kranzelreiten in Weitensfeld zählt zu den schönsten und ältesten Bräuchen Österreichs. Der Sage nach erinnert die jährliche Veranstaltung an die Pest; tatsächlich dürfte es sich um einen alten Maibrauch handeln.

Vor langer Zeit, als die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bevölkerung ausrottete, sollen in Weitensfeld nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ überlebt haben. Die Überlebenden bemühten sich um das Mädchen und einigten sich auf einen Wettkampf: Wer von den dreien bei einem Wettlauf als Sieger hervorgeht, soll das Mädchen heiraten.
In Erinnerung an diese Sage gibt es jedes Jahr zu Pfingsten in Weitensfeld in Kärnten das Kranzelreiten mit dem Wettlauf von drei „Bürgersöhnen“.
Das Brauchtumsfest muss jedes Jahr stattfinden, heißt es in der Überlieferung; sonst bricht der Sage nach Unheil über den Markt herein: In der Nacht stehen die Pesttoten auf und reiten über die Marktstraße.

Der Brauch dürfte bis ins 16. Jahrhundert zurück gehen. Der Brauchtumsforscher Leopold Kretzenbacher vermutet, dass das Kranzelreiten genauso wie das Kufenstechen, das zu Pfingsten in verschiedenen Orten des Gailtals stattfindet, aus adeligen Reiterspielen hervor gegangen sein könnte. In Berichten der „Carinthia“, der ältesten Zeitschrift Kärntens, wird der Beginn der Brauchtumsveranstaltung mit 1567 datiert.
Die „Carinthia“ brachte 1867 einen Bericht über „die Maibraut bei der dreihundertjährigen Jubiläumserinnerungsfeier am Pfingstmontag, dem 10. Juni 1867“. Der Verfasser Dr. Wenger beschrieb das Fest, bei dem eine lebende „Maibraut“ die Hauptrolle spielte: „Von der Straßburger Fahrtstraße her erschien sie auf einem milchweißen Zelter in raschem Trabe, von ihren Paldinen umgeben, ein Mädchen im weißen modischen Damenreitkleide, mit fliegenden Lockenhaaren, das Haupt mit einem Hütchen im vollen Einklange mit dem Kostüm bedeckt. Soviel ich von meinem Standpunkte ersah, war es ein schönes, edel geformtes Mädchengesicht, in dem einige Kühnheit stak, dies Wagnis der öffentlichen Schaustellung zu unternehmen. Die Kopf an Kopf gedrängte Menge teilte sich, eifrigst eine Gasse bildend, vor der lieblichen Erscheinung … Mutige und gewandte Reiter hatten nach vorausgegangenen Böllerschüssen mittels graziösem Traversieren die Gasse geöffnet. Und so begann das eigentliche Festspiel. Die Jungfrau, ebenso sicher als mutig heransprengend, hatte zu beiden Seiten gleich mutige Reiter, in ihrem nächsten Geleite zwei muntere Knaben, wie man mir sagte, Söhne des dortigen Wundarztes. An diese schönen Bilder einer jugendlich kräftigen Menschheit schlossen sich viele und abermals viele Reiter jeglichen Alters und Standes an. Es sei nun noch bemerkt, daß die reitende Jungfrau Carolina Brunner, Tochter des Josef Brunner vlg. Vöstl in Hafendorf, und die sie begleitenden Jünglinge Switwert und Oswin Seywald waren…“

Der Brauch des Kranzelreitens hat germanische Wurzeln: Das Pfingstfest ähnelt den früheren Frühlingsfesten, bei denen der Kampf des Sonnengottes mit dem Winter dargestellt wurde. Bei diesen Festen gab es auch ein Wettrennen; der Sieger ging als „Maikönig“ hervor. Volkstumsforscher meinen, dass der Brauch das „Einholen der geschmückten Maibraut“ bedeutet, die im Sommer Glück und Fruchtbarkeit bringen soll. So heißt es in einem Bericht in der „Carinthia I“ im Jahr 1914: „Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern.“

„Gstanzlsingen“ am Pfingstsonntag

Am Pfingstsonntag treffen sich die Kranzelreiter mittags vor dem „Herzelehof“ beim Marktplatz. Von dort reiten die Teilnehmer mit den geschmückten Pferden jährlich wechselnd in die benachbarten Orte Altenmarkt und Zweinitz, ursprünglich, um die Bewohner zum Fest am nächsten Tag einzuladen. In einem Bericht aus dem Jahr 1891 wird erstmals der Ausritt nach Zweinitz erwähnt.
Nach einer Rast beginnt das so genannte „Gstanzlsingen“: Die Musikkapelle Zweinitz, die seit Jahrzehnten die Kranzelreiter begleitet, spielt einen „Tusch“ vor jedem Haus. Danach singen die Reiter die „Gstanzln“, gereimte Vierzeiler, die ein humorvolles oder sonst erwähnenswertes Ereignis zum Inhalt haben. Manche Bürger empfinden die Reime als unangenehm, das ist ihnen aber lieber, als dass die Reiter kein Gstanzl über sie singen.
Die Tracht der Kranzelreiter besteht aus einer schwarzen oder dunklen Reithose, schwarzen Reitstiefeln und einem weißen Lodenrock mit dunkelbraunen Kragen und dunkelbraunen Aufschlägen an verschiedenen Stellen. Die Reiter tragen ein Seidenhalstuch und einen schwarzen Hut mit grünem Band und einer Feder; früher war es ein echter Birkhahnstoß, heute ist es eine künstlich gebogene Feder.

Wettlauf um die Jungfrau

Am Pfingstmontag findet das Hauptereignis statt. Die Musikkapelle zieht durch den Ort und „weckt“ die Bürger. Am Vormittag gibt es ein Konzert auf dem Marktplatz.
Die steinerne Jungfrau auf dem Marktplatz ist mit einem weißen Kleid mit roter Schärpe geschmückt; auf dem Haupt trägt sie den Brautkranz, in der rechten Hand hält sie einen Pfingstrose und in der linken einen Schlüsselbund.
Um 14 Uhr beginnt das Fest. Der „Dorfrichter“ verliest die „Proklamation“ mit dem Ablauf des Kranzelreitens. Bänderhut-Frauen „bewachen“ die Jungfrauen-Statue, seit 1981 sind sie Bestandteil des Festes. Dreimal reiten die Pfingstreiter die Marktstraße auf und ab, um die „Pest auszutreiben“ oder vor ihr zu flüchten. Danach geht es im Trab, voran die Musikkapelle, zum alten Gemeindehaus, wo die drei Läufer in weißer Tracht mit roter Schärpe warten. Ein Reiter erhält die „Beste-Stange“, auf der sich die Preise für die Läufer befinden.
Die Wettläufer werden von neuen Wirtschaftstreibenden oder Hausbesitzern gestellt.
Gemeinsam geht es zum Marktplatz. Zunächst reiten drei Kranzelreiter mit ihren Rössern um die Wette, danach beginnt der Wettlauf der „Bürgersöhne“. Auf ein Kommando auf die kräfteraubende, etwa 300 Meter lange, leicht bergauf führende Strecke. Der Gewinner des Laufs steigt auf das Siegerpferd; dann geht es wieder Richtung Marktplatz, angeführt von den Zweinitzer Musikanten. Auf dem Marktplatz werden die Preise („Beste“) an die Läufer übergeben: Der Sieger erhält ein „Kranzl“ und ein Seidentuch, der Zweite einen Myrtenstrauß und ein Wolltuch und der Letzte des Wettlaufs muss mit einem Kattuntüchlein und Sauborsten Vorlieb nehmen.
Der Sieger steigt auf einer Leiter zur steinernen Jungfrau auf dem Marktplatz und küsst sie unter dem Applaus der Besucher. Danach schenken die Läufer die „Beste“ ihren Begleiterinnen. Das Brauchtumsfest endet mit dem „Gurktaler Walzer“, der von Karl Kummer eigens für das Kranzelreiten komponiert worden ist.

Jubiläumskranzelreiten

Alle 50 Jahre, seit Ende des Zweiten Weltkriegs alle 25 Jahre, gibt es ein besonderes Fest: Anstelle der steinernen Jungfrau wird ein Mädchen aus dem Ort ausgewählt, um das die Wettläufer kämpfen.
Zu Pfingsten 1922 fand ein solches Jubiläumskranzelreiten statt. Es hätte ursprünglich im Jahr 1917 stattfinden sollen, wurde aber wegen des Kriegs verschoben. Schuldirektor Ferdinand Schwarz beschrieb in einem Kurzbericht das Fest am 5. Juni 1922: „Diesmal, am Jubiläumspfingstreiten, war anstatt der hölzernen Statue eine lebendige, reizende Jungfrau in der Gestalt des lieblichen, reizenden Töchterchens unseres allverehrten Herrn Bürgermeisters und Marktvorstandes, Frl. Minna Knaflitsch. Sieger der Läufer war Mathias Filipowsky. Die sehr stattliche Reiterschar in der Stärke von 45 Mann hoch zu Roß mit prächtigen, schön geschmückten Pferden mit altem wertvollem Sattelzeug holte zunächst die Jungfrau aus ihrer Wohnung ab und geleitete dieselbe, einen schönen Wallach reitend, mit Musik zu ihrem Ehrenplatze. Nun erfolgte das Kranzelreiten in der Art und Weise, wie es sonst auch geschieht. Der Obmann der Kärntner Landsmannschaft, Oberbaurat R. Pierl, überreichte als Zeichen der besonderen Befriedigung und Auszeichnung dem Markte Weitensfeld die höchste Ehrung der Kärntner Landsmannschaft, die silberne Ehrenkette. Die Jungfrau setzte sich auf das Pferd und ritt an der Seite des Siegers, begleitet von der Reiterschaft, mit Musik durch den reich und schön geschmückten Markt. Vollauf befriedigt zerstreuten sich die Zuschauer. Eine solche Menschenmenge hatte Weitensfeld noch nicht gesehen. Gering geschätzt wurde diese mit 12.000 bis 15.000 Menschen angenommen. Wenn man die Ehrenjungfrau fragte, was bei diesem Feste das Schönste für sie war, so sagte sie immer: ,Am schönsten war der Empfang bei der Familie Funder auf Schloß Turnhof`“.
25 Jahre später, zum Pfingsten 1947, gab es das nächste Jubiläumskranzelreiten mit einer lebenden Jungfrau. Der damalige Bürgermeister veranstaltete mit dem Weitensfeldern nach den furchtbaren Kriegsjahren ein „außerordentliches Kranzelreiten mit einer lebenden Jungfrau“. Die Wahl fiel damals auf Karla Dörfler, der späteren „Bärenwirtin“ in Weitensfeld. Seit damals findet das Jubiläumskranzelreiten alle 25 Jahre statt.
Im Jahr 1972 wählte das Festkomitee Heidi Meier als „Maibraut“ aus. Das Stadttheater Klagenfurt stellte das Kostüm zur Verfügung. Werner Müller, der in früheren Jahren schon zweimal den Wettlauf gewonnen hatte, siegte auch im Jubiläumslauf vor Franz Dörfler und Gerd Lassnig. Volksschuldirektor Franz Pirker schrieb darüber in der Chronik über den Ort Weitensfeld: „Müller war über seinen Sieg sichtlich erfreut. Nach allen Seiten hin fröhlich winkend, schritt er zu der stehend auf ihn wartenden Maibraut, um Kuß und Schlüssel von ihr zu empfangen und sie dann zum Ehrentanz zu führen, an dem sich später dann auch die beiden anderen Läufer mit ihren Ehrenjungfrauen beteiligten. Heidi Maier knüpfte dann noch ein Erinnerungsband an die Gemeindefahne, wobei sie folgende Worte sprach: ,Nehmt dieses Band als Dank aus meinen Händen, den Kranzelreitern und dem Heimatort zur Ehr will ich es spenden!´ Danach bestiegen Müller und Heidemarie Maier die bereitgestellten Pferde und, begleitet von Musik, Kranzelreitern und Zuschauern ritten sie zum Festplatz, wo es dann noch lange lustig herging.“

„Ehrbar Jungfer Eva Bianca“

Das bisher letzte Jubiläumskranzelreiten fand zu Pfingsten 1997 statt. Das Festkomitee wählte die 17-jährige Eva Bianca Treppo, Tochter des Besitzers von Schloss Thurnhof in Zweinitz, Franz Treppo, als Ehrenjungfrau. Am Pfingstsonntag holten die Kranzelreiter das „Burgfräulein“ vom Schloss Thurnhof ab. Ein Reiter verlas die „Beschlisung in Jahre des Hern 1997, am 18. Mai“: „Wir, die Reyter von Weitensvelt seind komen heint zu Burgg und Schlos Thurnhoff zu pitten den Burgherrn Franz Treppo und seyn Gemahl´, um zu geben di ehrbar Jungfer Eva Bianca uns Reytern von Weitensvelt, damit wyr sy bringen diselb in den Ort, wo daselbst morgen wirt seyn ein Laufen dreyer Jüngling in Streit um sy. Der Besst sull freyen sy, damit weyterr bestanden blyb das Volk daselbst in Weitensvelt. Eva Bianca soll komen in unser Orth, da is Wonne vill.“
Den Wettlauf um „di ehrbar Jungfer Eva Bianca“ am nächsten Tag gewann Christian Leitgeb vor Thomas Bischofter und Frank Telsnig. Leitgeb setzte der Braut das Siegerkranzel auf das Haupt und küsste sie vor den Tausenden Besuchern des alten Brauchtumsfestes.

Werner Sabitzer


Quellen:
Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Weitensfeld 1998.
Kretzenbacher, Leopold: Ringreiten, Rolandspiel und Kufenstechen. Sportliches Reiterbrauchtum als Erbe aus abendländischer Kulturgeschichte. Klagenfurt 1966.

Dezember 14, 2007 Verfasst von sabitzer | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten | , | Noch keine Kommentare