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Schloss Thurnhof: Juwel des Gurktals

Schloss Thurnhof in Zweinitz hat eine interessante Geschichte. Schon im frühen 12. Jahrhundert stand hier ein Wehrturm. Das heutige Schloss wurde im 16. Jahrhundert errichtet.

Am Waldrand von Zweinitz im Gurktal befindet sich das kleine Schloss Thurnhof. Das an einen gotischen Wehrturm angebaute, fast rechteckige Schloss mit den drei Ecktürmchen besteht aus drei Stockwerken. Unter dem Dach befindet sich eine weitere, allerdings niedrigere Etage mit kleinen Fenstern. Dieses Dachgeschoß diente früher als Speicher.

Über dem Renaissanceportal an der Nordseite befindet sich unter einem kleinen Holzdach ein Fresko, das zwei Soldaten zeigt, einen davon in türkischer Kleidung, sowie die Jahreszahl 1585, vermutlich das Jahr der Fertigstellung des Schlossgebäudes. Zwischen den Figuren befinden sich in einem Relief die Wappen der Familien Jochner und Raidhaupt. An der Nord- und an der Südseite sind jeweils ein Renaissancefenster erhalten. Unter dem Schloss befinden sich Reste einer Zinnenmauer.

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Franziszeischer Katastater von Zweinitz mit Thurnhof

In Thurnhof dürfte schon im frühen 12. Jahrhundert eine Befestigungsanlage gestanden haben, die als „Turm“ bezeichnet wurde. Später setzte sich der Name „Pregrad“ (auch „Prägrad“) durch. Der slawische Name bedeutet „Vorburg“ bzw. „Gebiet vor der Burg“. Das deutet darauf hin, dass ein zweites Bauwerk bestanden haben könnte, es gibt aber davon keine Spuren.

Erstmals erwähnt wurde die Burg in einer Urkunde des Gurker Bischofs Roman I. vom 25. März 1140. Roman I. († 1167) war der dritte Bischof von Gurk und ließ unter anderem den Gurker Dom und das Schloss Straßburg errichten. Im Jahr 1178 wurden ein Meinhalm de Pregrad und sein Sohn Herbort urkundlich erwähnt. Beide verwalteten als Ministeriale des Bistums Gurk die bischöflichen Waldgebiete. Einige Ministeriale  nannten sich nach dem Turm „de Turris“ (vom Turm).1246 und 1269 scheint ein Engelbert de Turris in Urkunden auf. Ministeriale waren Dienstleute, die Herrschaften verwalteten. Sie erhielten (Dienst-)Lehen und stiegen im späten Mittelalter zum niederen Adel auf.

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Thurnhof: Schloss und Bergfried

Die Herren Hofmann von Wald

Im 14. und 15. Jahrhundert war der Turm im Besitz verschiedener Amtmänner und Anwälte des Domstiftes Gurk. Die bedeutendste Ministerialenfamilie in diesen beiden Jahrhunderten war die Familie Hofman, die sich auch „von Wald“ nannte. Gottfried Hofmann erwarb 1359 den Hälfteanteil seiner, mit Hans von Fohnsdorf verheirateten Schwester Katharina und war damit Alleinbesitzer von Pregrad. Andere Mitglieder der Familie Hofmann hatten in Kärnten nicht unbedeutende Ämter inne: Martin Hofmann war von 1385 bis 1390 Burggraf auf Hochkraig und Wilhelm Hofmann war 1431 Dechant in Gurk. 1463 wird Liebhart Hofmann von Pregrad als Zeuge in einer Urkunde des Blasius Rumpold von Aich genannt. Er war Landrichter des Gurker Bischofs im Gurktal. Nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommens der Hofman gelangte die Herrschaft an das Bistum Gurk zurück.

Jochner von Pregrad

Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts kam Prägrad in den Besitz der aus dem Lungau zugezogenen Familie Jochner, die sich danach Jochner „von Pregrad“ nannte. Veith Jochner von Pregrad, Amtmann und Anwalt des Domstiftes Gurk, besaß die Herrschaft bis 1618. Er ließ den Turm, einen aus Ende des 14. Jahrhunderts stammenden Bergfried, adaptieren und anstelle des zerstörten Palas ein Schloss anbauen, das 1585 fertiggestellt worden sein dürfte. Veit Jochner war mit Barbara, geb. Raidhaupt verheiratet, deshalb befinden sich die Wappen beider Familien über dem Portal. Sohn Christoph musste aber schon 1619 die Herrschaft wegen hoher Schulden wieder an den Bischof von Gurk veräußern.

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Industrielle auf Thurnhof

Um 1700 gelangte der Turmhof als Lehensbesitz an die Familie Egger. Der aus Leoben stammende Paul Egger jun. (1658 – 1733) hatte eine Floßhütte (Hochofen) in Treibach und Erzgruben in Hüttenberg erworben und den Aufstieg der Familie zu einer der bedeutendsten Eisenindustriellen-Dynastien in Kärnten begründet. Paul Egger ließ das Schloss Thurnhof umgestalten – damals dürfte das Bauwerk das heutige Aussehen erhalten haben.

Nach dem Niedergang der Bergwerks- und Hüttenindustrie in Kärnten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veräußerte die 1785 in den Grafenstand aufgestiegene Familie Egger eine Reihe ihrer Betriebe und Güter. Das Treibacher Werksgelände und ein großer Teil des Grundbesitzes, darunter Thurnhof, ging an die Holzfirma Ujlaky-Hirschler & Sohn. Im Jahr 1899 erwarb der Holzindustrielle Karl Funder das Gut Thurnhof. In der Industriellenfamilie Funder blieb der Besitz knapp 100 Jahre. 1980 übernahm Karl Funder den Besitzanteil von Dipl.-Ing. Adolf Funder.

Am 26. September 1989 erwarb Franz Wilhelm Treppo von Karl Funder das Schloss Thurnhof. Treppo, 1941 in Klagenfurt geboren, war Unternehmer in Mailand. Sein Vater betrieb ein Schotterwerk in Völkermarkt und seine Mutter stammte aus der Mölltaler Familie Aicher von Aichenegg. Ahnherren dieser Familie waren die Brüder Hans und Georg Christoph Aicher, Söhne eines Salzschreibers in Hall, die um 1600 von Kaiser Leopold nach Kärnten geholt und als Steuer- und Mauteinnehmer in Döllach (Großkirchheim) und Winklern im Mölltal eingesetzt worden waren. Die Familie wurde 1677 geadelt (Prädikat „von Aichenegg“). Ein bedeutender Vertreter der Familie, der Notar, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Joseph Aicher von Aichenegg (1848 – 1899), besaß unter anderem den Mautturm Winklern und die Herrschaft Großkirchheim, zu der das Großglockner-Gebiet auf der Kärntner Seite mit dem Pasterzengletscher gehörte. Seine 1884 geborene Tochter und Teilerbin Maria heiratete den Holzindustriellen Albert Wirth. Dieser gilt als Pionier der Nationalpark-Idee, indem er 1914 von seinen Schwägerinnen deren Anteile am Großglockner-Besitz erwarb und das Gebiet 1918 dem Deutschen Alpenverein mit der Auflage schenkte, es vor weiterer Erschließung zu schützen.

Franz Wilhelm Treppos starb am 6. November 2014 in Klagenfurt. Seine Frau Ruth, mit der er seit 1971 verheiratet war, stammt aus der geadelten Familie Stacher aus Stachen im Thurgau (Schweiz).

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Schloss Thurnhof in Zweinitz

Das Jungfräulein von Thurnhof

Schloss Thurnhof spielt beim Weitensfelder Kranzelreiten eine besondere Rolle: Der Sage nach sollen vor langer Zeit, als die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bewohner ausrottete,  in Weitensfeld nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ vom Schloss Thurnhof überlebt haben. Die Überlebenden bemühten sich um das Mädchen und einigten sich auf einen Wettkampf: Wer bei einem Lauf als Sieger hervorgeht, darf das Mädchen heiraten. In Erinnerung an diese Sage gibt es jedes Jahr zu Pfingsten in Weitensfeld das Kranzelreiten mit dem Wettlauf von drei Burschen. Der Sieger darf die steinerne Jungfrau auf dem Marktplatz küssen. Alle 25 Jahre, bis 1922 alle 50 Jahre, wird anstelle der steinernen Jungfrau ein Mädchen aus dem Ort ausgewählt, um das die Wettläufer kämpfen. Das bisher letzte Jubiläumskranzelreiten fand zu Pfingsten 1997 statt – mit der damals 17-jährigen Eva Bianca Treppo als „lebende Jungfrau“, der Tochter von Franz Wilhelm und Ruth Treppo.

Das neue „Schloss Pregrad“

Als der bedeutende Topograph und Historiker Johann Weichard Valvasor Freiherr zu Galleneck und Neudorff (1641 – 1693) Ende des 17. Jahrhunderts das Gurktal bereiste und Zeichnungen und Skizzen von Burgen, Schlössern und Orten anfertigte, zeichnete er im Jahr 1681 auch das Schloss Thurnhof, das er fälschlicherweise als „Pregern“ statt „Pregrad“ bezeichnete. „Das Schloss Pregern ligt im Gurgger Viertheil / zwischen Gurgg und Weittensfeld / auf einer zimlichen Höhe / an einem lustigen Ort. Gehört dem Erz-Bistum Salzburg“, beschrieb Valvasor das kleine Schloss in Zweinitz. Seine Skizzen wurden unter anderem von Andreas Trost in Kupferstichen verarbeitet, die 1688 in der „Topographia Archiducatus Carinthiae antiquae & modernae completa“ und in anderen Werken abgedruckt wurden; Valvasors grafische Sammlung wurde in der 17-bändigen „Inconotheca Valvasoriana“ zusammengefasst.

Auf Valvasors Zeichnung befinden sich neben dem Schloss Thurnhof weitere Gebäude, unter anderem ein Torbau und ein Herrenhaus, vermutlich das Pflegerhaus. Wann diese Gebäude verschwanden, ist nicht bekannt.

Thurnhof-Besitzer Franz Wilhelm Treppo ließ in Anlehnung an den Valvasor-Stich neben dem Schloss ein Herrenhaus errichten, genannt „Pregrad“. Über dem Eingang ließ Treppo ein Wappen anbringen, das aus Elementen der Wappen der Familien seiner Frau Ruth (Stacher aus Thurgau) und seiner Mutter (Aicher von Aichenegg) zusammengesetzt ist. Darunter befindet sich eine Tafel mit dem Leitspruch Treppos, „LABOR – OMNIA  – VINCIT “ („Arbeit besiegt alles“), sowie den Jahreszahlen 1681 (Jahr der Valvasor-Zeichnung) und 1995 (Baubeginn des Herrenhauses).

Der Hang zur Geschichte des Schlossbesitzers zeigt sich unter anderem im Vestibül: Dort befindet sich eine Nachbildung des „Jünglings vom Magdalensberg“. Diese römische Bronzestatue aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert wurde im Jahr 1502 von einem Bauern beim Pflügen auf dem Magdalensberg gefunden. Als der Gurker Bischof Matthäus Lang von Wellenburg Erzbischof von Salzburg wurde, nahm er die Statue 1519 nach Salzburg mit. 1551 gelangte die Bronzestatue in den Besitz des Königs Ferdinand I., später befand sie sich im königlichen Schloss von Aranjuez in Spanien. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist das Original verschollen. Ein Abguss aus dem 16. Jahrhundert befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Druckzentrum St. Veit, Weitensfeld 1998.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).

Treppo, Franco: Chronik von Schloss Thurnhof und deren Besitzer, 1993 (unveröffentlicht).

Zeloth, Thomas (Hg.): Weitensfeld. Eine Marktgemeinde im Herzen des Gurktales. Klagenfurt, 2008.

 

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Februar 4, 2018 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Imma und Hemma von Gurk

Gräfin Imma von Lieding und ihre Nachfahrin Hemma von Gurk zählten im beginnenden Hochmittelalter zu den reichsten und mächtigsten Frauen im Ostalpenraum.

 Die reiche Witwe Imma wurde im Hochmittelalter vom Kaiser mit Privilegien ausgestattet, um Lieding zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum in Kärnten zu machen. Ihren Reichtum verdankte sie Königsschenkungen an ihre Vorfahren Ende des 9. Jahrhunderts.

König Arnulf (von Kärnten) schenkte im Jahr 895 dem Adeligen Waltuni reichlichen Grundbesitz, darunter Güter im Trixnertal mit zwei Burgen, in Diex, in Reichenburg und Gurkfeld im heutigen Slowenien sowie in Intering in der Obersteiermark. Zwei weitere Königsschenkungen erfolgten im Jahr 898: Der Edle Zwentibold (Zwentibolch), wie Waltuni ein Gefolgsmann des bayerischen Markgrafen Luitpold, erhielt von Arnulf, der 894 in Rom zum Kaiser gekrönt worden war, einerseits den Hof Gurk, der vermutlich in der Gegend des heutigen Orts Lieding stand, den größten Teil des Gurktals und den Ort Zeltschach und mit der zweiten Schenkung das Metnitztal und die Nebentäler. Die Schenkungen Arnulfs an Waltuni und Zwentibold könnten schon unter deren Nachfahrin Imma in einer Hand gewesen sein.

Imma entstammte vermutlich dem hochadeligen Geschlecht der Luitpoldinger, die bayerische Herzöge waren. Kaiser Otto II. erlaubte Imma mit einer Urkunde vom 11. Juni 975, ausgestellt auf einer Pfalz in Sachsen, in „Livbedinga“ (Lieding) einen Markt abzuhalten, eine Münzstätte zu betreiben und einen Marktzoll einzuheben. Diese Privilegien wurden auf das Kloster „in loco qui dicitur Livbedinga“ (im Ort, der Lieding genannt wird) übertragen. Die Verleihung dieser bedeutenden Privilegien deutet darauf hin, dass Imma eine besondere Nähe zum Kaiser hatte. Ob das Kloster Lieding damals bereits bestand oder sich erst in der Errichtungsphase befand, ist nicht bekannt. Der Klosterbau dürfte vermutlich wegen des Widerstands des Salzburger Erzbischofs und/oder anderer starker politscher Kräfte nicht vollendet worden sein. Es sind keine Quellen über das Kloster bekannt, die Urkunden dürften möglicherweise im Zuge des Gurker Bistumsstreits vernichtet worden sein.

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Gurker Dom

Hemma von Gurk

Immas Enkelin Hemma wurde zu einer Volksheiligen in Kärnten, um die sich viele Legenden ranken. Hemma, geboren zwischen 980 und 990, war mit Markgraf Wilhelm II. verheiratet. Er verwaltete die Grafschaften Friesach und an der Sann. Der deutsche König und spätere Kaiser Konrad II. beschenkte Wilhelm II. großzügig mit Grundbesitz. Hemmas Mann starb nicht, wie in Legenden verbreitet, auf der Rückkehr von einer aus Reue unternommenen Pilgerreise, weil er aufständische Knappen niedermetzeln lassen hatte, die seine beiden Söhne erschlagen hatten, sondern er wurde ziemlich wahrscheinlich Opfer eines Konflikts zwischen Konrad II. und Adalbero von Eppenstein, dem Herzog von Kärnten. Dieser wurde in einem Hofgerichtsverfahren im Juni 1035 wegen einer Verschwörung gegen den Kaiser als Kärntner Herrscher abgesetzt und verlor sämtliche Reichsämter. Bei den Kämpfen wurden im Jahr 1035 auch der kaisertreue Wilhelm II. und vermutlich auch dessen gleichnamiger Sohn getötet. Wilhelm II. und Hemma dürften einen zweiten Sohn mit dem Namen Hartwig gehabt haben, dieser dürfte ebenfalls früh gestorben sein.

Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Söhne zählte Hemma zu den reichsten Frauen im Ostalpenraum. Ihre Besitzungen erstreckten sich von Friaul über die Ober- und Untersteiermark in das Sanntal und in den Raum Cilli. Da sie keine Erben hatte, beabsichtigte sie, zwei Klöster zu gründen. Für die Errichtung eines Männerklosters in Admont übergab sie an Salzburgs Erzbischof Balduin Güter im oberen Ennstal. Allerdings wurde das Kloster erst drei Jahrzehnte nach Hemmas Tod von Erzbischof Gebhard im Jahr 1074 gegründet. Der Erzbischof bezeichnete zudem nicht Hemma, sondern sich selber als Stifter und machte Admont zu einem Eigenkloster der Salzburger Erzbischöfe.

Das von Hemma in Gurk gegründete und mit ihrem Besitz in Kärnten und in Krain ausgestattete Nonnenkloster wurde am 15. August 1043 vom Salzburger Erzbischof Balduin eingeweiht. Benediktinerinnen vom Salzburger Nonnberg bezogen das Kloster; die erste Äbtissin hieß Ita. Hemma dürfte selbst als Laienschwester in das Kloster eingetreten sein. Sie starb am 29. Juni, das Todesjahr ist nicht genau bekannt, in einer Quelle wird das Jahr 1045 genannt.

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Hemma-Grab in der Krypta des Gurker Doms

Auflösung des Hemma-Klosters

Nach dem Tod der Äbtissin Ita folgte ihr Himzila. Sie war die letzte Leiterin des adeligen Damenstifts. Denn im Jahr 1072 löste Salzburgs Erzbischof Gebhard das Kloster wegen „Zuchtlosigkeit“ und „Regelwidrigkeit“ auf. Möglicherweise wurde das Kloster den Interessen Salzburgs geopfert. Denn mit der Auflösung des Klosters hatte man die finanziellen Mittel, einen Hilfsbischof im Gurktal einzurichten. Schon am 21. März 1070 hatte sich Erzbischof Gebhard von Papst Alexander II. die Erlaubnis geholt, ein Bistum zu gründen – noch ohne Ortsangabe. Am 4. Februar 1072 stimmte auch der deutsche König Heinrich IV. der geplanten Bistumsgründung in Gurk zu. Am 6. März 1072 weihte der Salzburger Erzbischof in der Marienkirche in Gurk Gunther von Krappfeld zum ersten Bischof von Gurk. Dieser hatte weder eine Diözese noch ein Domkapitel, sondern er bezog seine Einkünfte aus den Gütern der Hemmastiftung.

Der dritte Bischof von Gurk, Hiltebold, der das Amt von 1106 bis 1131 innehatte, führte in Gurk Augustinerchorherren-Regel ein und richtete 1124 ein eigenes Domkapitel ein, dem er einen Teil der ehemaligen Hemma-Güter zuwies. Danach begannen die Loslösungsversuche vom Fürsterzbistum Salzburg, eine Entwicklung, die zeitweilig zu Kämpfen führte und die Gurker auch dazu verleitete, mit gefälschten Urkunden die Selbstständigkeit herbeizuführen.

Hemma gründete neben dem Stift Gurk auch eine Reihe von Kirchen, darunter in Gurk, Lieding, Glödnitz, Grafendorf bei Friesach, St. Radegund am Hohenfeld, Lorenzenberg bei Micheldorf, St. Georgen am Weinberg und St. Margarethen bei Töllerberg sowie vermutlich auch die Kirchen in Pisweg, St. Georgen bei Straßburg, auf der Krassnitz sowie in Wieting.

Hemma-Verehrung

Hemmas Grab befindet sich seit 1174 in der Krypta des Gurker Domes. In einer Ecke der Krypta befindet sich seit dem 17. Jahrhundert der Hemma-Stein, der davor vor dem Dom stand. Spätestens ab dem 13. Jahrhundert wurde Hemma verehrt. Ihr wurden Wunderheilungen zugeschrieben. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts versuchten Gurker Bischöfe, die Heiligsprechung Hemmas zu erreichen. Bischof Valentin Wiery wandte sich im Dezember 1879 mit einem Gesuch an Papst Leo XIII., allerdings starb Wiery 1881, sodass die Bemühungen wieder zum Erliegen kamen. Pater Josef Löw brachte Anfang der 1930er-Jahre mit seinen Hemma-Forschungen wieder Bewegung in den Heiligsprechungsprozess. Er wurde von den Bischöfen von Gurk, Lavant/Maribor und Ljubljana unterstützt. Am 5. Jänner 1938 bestätigte Papst Pius XI. die Heiligsprechung Hemmas, zwei Monate vor dem Einmarsch der nationalsozialistischen Truppen in Österreich. Sie gilt als Volksheilige Kärntens, wird aber auch außerhalb Kärntens verehrt, hauptsächlich in Slowenien und in der Steiermark. Auch in Wien gibt es zwei Hemma-Pfarren, in denen jedes Jahr ein Augensegen abgehalten wird – in der Pfarre Mariahilf im sechsten Bezirk und in der Hemma-Pfarre in der Wattmanngasse im 13. Bezirk.

Werner Sabitzer

 Quellen/Literatur:

Dopsch, Heinz: Hemma von Gurk – Eine Stifterin zwischen Legende und Wirklichkeit. In: Hemma von Gurk. Katalog zur Ausstellung auf Schloss Straßburg/Kärnten vom 14. Mai bis 26. Oktober 1988, Klagenfurt, 1988, S. 11-23.

Jaksch, August von: Geschichte Kärntens bis 1335, Klagenfurt, 1928/29.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Prenner-Walzl, Irene Maria: Das Leben der Heiligen Hemma von Gurk und dessen künstlerische Ausdeutung im Laufe der Geschichte. Diplomarbeit, Universität Graz, 1987.

Sacherer, Johannes, Untersuchungen zum Kloster der Witwe Imma in Lieding, in: Carinthia I, 196. Jahrgang, 2006, S. 255 – 277.

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Gurker Dom und Propsthof

Januar 21, 2018 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Wolf Dietrich von Raitenau und Kärnten

Vor 400 Jahren starb Wolf Dietrich von Raitenau als Gefangener auf der Festung Salzburg. Der ehemalige Fürsterzbischof von Salzburg begründete den Besitz der Raitenauer in Kärnten.

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Festung Hohensalzburg

Er war einer der prunkvollsten Erzbischöfe in Salzburg, begründete das barocke Salzburg und für Salome Alt, die Mutter seiner 15 Kinder, ließ er in Salzburg einen Palast errichten. Er war nicht nur Kirchenfürst, sondern auch weltlicher Herr über das Erzstift Salzburg und seine Besitzungen in Kärnten: Wolf Dietrich von Raitenau, Erzbischof von Salzburg von 1587 bis 1612, hatte einen besonderen Bezug zu Kärnten.

Wolf Dietrich Graf von Raitenau wurde am 26. März 1559 im Schloss Hofen bei Bregenz geboren. Er studierte in Pavia und Rom und wurde bereits als 28-Jähriger zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Diese kirchliche Karriere wurde ihm unter anderem von seinem Großonkel Papst Pius IV. aus der Mailänder Adelsfamilie Medici ermöglicht.

1588 begann Wolf Dietrich von Raitenau, die Stadt Salzburg umzugestalten und er ließ anstelle kleinerer Häuser eine Reihe barocker Gebäude errichten. Die Residenz wurde umgestaltet und für seine Lebensgefährtin Salome Alt ließ er auf der anderen Seite der Salzach ein prunkvolles Palais erbauen – das Schloss Altenau, das später in Schloss Mirabell umbenannt wurde. Er führte ein prunkvolles Hofleben und regierte das Erzstift Salzburg autoritär.

Mit Salome Alt, der Tochter eines wohlhabenden Händlers in Salzburg, hatte Wolfdietrich von Raitenau 15 Kinder, darunter Hannibal, Helena, Euphemia, Maria Salome, Eusebia, Cäcilia, Anton, Wolf Dietrich, Viktor, Eberhard, Susanna. Der Erzbischof entschuldigte sein eheähnliches Verhältnis mit dem Umstand, seiner Meinung nach würde der Zölibat demnächst abgeschafft werden und er greife dieser päpstlichen Entscheidung nur vor. Er erreichte beim Kaiser, dass seine Frau und die gemeinsamen Kinder geadelt wurden (Adelsprädikat „von Altenau“).

Ruhmloses Ende

Im Oktober 1611 zeichnete sich das Ende der Macht des barocken Fürsterzbischofs ab. Nach einem Konflikt mit Bayern wegen des Salzabbaus („Salzkrieg“) flüchtete Wolf Dietrich von Raitenau aus Salzburg nach Gmünd. Schon auf Kärntner Boden wurde er von bayrischen Truppen gefangen genommen, auf die Burg Hohenwerfen gebracht und später auf die Feste Hohensalzburg überstellt. Er wurde genötigt, auf das Amt des Erzbischofs zu verzichten und Wolfdietrich von Raitenau dankte am 7. März 1612 ab. Sein Neffe Markus Sittikus Graf von Hohenems folgte ihm als Erzbischof von Salzburg nach. Er hielt aber seinen Onkel weiterhin gefangen. Wolf Dietrich von Raitenau starb am 16. Jänner 1617 auf der Festung Hohensalzburg. Er wurde im Mausoleum auf dem von ihm 1595 bis 1600 errichteten Sebastiansfriedhof in der Stadt Salzburg beigesetzt.

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Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau

Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems ließ Wolf Dietrichs Lebensgefährtin und die Kinder aus Schloss Altenau vertreiben. Er benannte das Schloss „Mirabell“, um den Namen Altenau zu tilgen. „Mirabell“ wurde in den 1720er-Jahren von Johann Lucas von Hildebrandt zu einem barocken Schloss umgebaut. Die heutige Form erhielt das 1818 bei einem Stadtbrand beschädigte Schloss von Johann Georg von Hagenauer.

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Burg Hohenwerfen

Raitenau-Besitz in Kärnten

Das Erzstift Salzburg besaß in Kärnten die Herrschaften Sachsenburg, Stall, Rottenfels, Lengberg, St. Andrä im Lavanttal, Taggenbrunn, Maria Saal, Friesach, Hüttenberg und Althofen. Friesach war das Verwaltungszentrum für die salzburgischen Besitzungen in Kärnten. Hier saß der salzburgische Vizedom (Statthalter).

1599 setzte Fürsterzbischolf Wolf Dietrich von Raitenau seinen Bruder Hans Ulrich als Vizodom in Friesach ein. Dieser wurde aber schon am 15. April 1600 von seinem Bruder Rudolf abgelöst. Der Bischof erwirkte, dass Hans Ulrich 1603 in den Deutschen Ritterorden aufgenommen und Kämmerer beim Deutschmeister Erzherzog Maximilian wurde. Hans Ulrich von Raitenau war Komtur und Statthalter des Ordens in Mergentheim und Regensburg, ab 1609 Komtur in Blumenthal bei Augsburg.

Rudolf von Raitenau, geboren 1575, war der jüngste Bruder des Erzbischofs. Von 1589 bis 1600 war er Pfleger auf Burg Taggenbrunn. 1599 heiratete er Maria Sidonia, geb. Freiin von Welsperg-Primör, verw. von Trautson. Sie starb am 17. Jänner 1646. Nach seiner Bestellung zum salzburgischen Vizedom in Kärnten übersiedelte Rudolf von Raitenau nach Friesach. 1605 erwarb er von der oberösterreichischen Familie Losenstein die kleine Herrschaft Rosegg mit dem Eigentumsrecht am Faaker See. 1610 kauft er das Schloss Kronegg im Maltatal von Anton von Kronegg. Im Jahr darauf erhielt Rudolf von Raitenau die Herrschaft Gmünd als Pfand und kaufte sie 1611 dem Kaiser ab. Von 1610 bis 1615 ließ er in Gmünd das neue Schloss erbauen. Im Februar 1632 erhob ihn Kaiser Ferdinand II. gemeinsam mit seinem Bruder Hans Werner IV. von Raitenau in den Grafenstand. Rudolf Graf von Raitenau starb am 3. Mai 1633 in Gmünd.

Sein Sohn Wolf Dietrich II. Graf von Raitenau, geboren 1611, erbte den Besitz in Kärnten. Er wohnte zeitweise in Rosegg, wo er das Schloss renovieren ließ. Er heiratete seine Cousine Maria Jakobe, geb. von Raitenau, Witwe von Graf Ernst Georg von Hohenzollern-Sigmaringen. Mit ihr hatte er zwei Kinder: Maria Anna Katharina (* 1631) und Rudolf Hannibal (* 1632). Wolf Dietrich II. von Raitenau starb schon 6. Juni 1639 in Rosegg. Nach seinem Tod verkaufte seine Mutter Maria Sidonia die Herrschaft Gmünd an Katharina Gräfin zu Lodron. Nachkommen der Adelsfamilie Lodron waren bis 1932 im Besitz des alten und des neuen Schlosses Gmünd.

Maria Anna Katharina Gräfin von Raitenau wurde nur 27 Jahre alt. Mit ihrem Mann Christoph Siegmund von Welsperg hatte sie zwei Söhne und drei Töchter. Mit dem Tod ihres einzigen Bruders Rudolf Hannibal im Jahr 1671 erlosch die Grafenfamilie Raitenau im Mannesstamm. Er war mit Benigna, geb. Freiin von Herberstein, verheiratet, hatte aber keine Kinder. Den Besitz erbten die fünf Kinder seiner Schwester; Name und Wappen ging an die Familie Welsperg über, die sich danach Welsperg von Primör und Raitenau nannte.

Hans Jakob von Reitenau

Ein weiterer Raitenauer wirkte ebenfalls in Kärnten: Der Vater des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, hatte zwei unehliche Kinder, die 1627 von Kaiser Ferdinand II. geadelt wurden und sich danach auch „von Raitenau“ nennen durften: Hans Jakob und Hans Leonhard. Hans Jakob, geboren 1591, studierte Theologie in Würzburg und wurde Priester. Die Primiz feierte feierte er in Gmünd in Oberkärnten. Bis 1632 war er Vikar in Pusarnitz, danach Pfarrer im Katschtal.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Beck, Alois: Die Familie von Raitenau in den Inventaren von Welsberg. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 26-31.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Heinisch, Reinhard R.: Wolf Dietrich und das Reich. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 60-65.

Heinisch, Reinhard R.: Die Zeit des Absolutismus. Die Persönlichkeit Wolf Dietrichs von Raitenau. In: Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger (Hg.): Geschichte Salzburgs-Stadt und Land, Bd. II/1. Salzburg, 1988, S. 167-244.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Koller-Neumann, Irmtraud: Wolf Dietrich und seine Brüder. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 45-54.

Mayer, Josef: Des Erzbischof Wolf Dietrichs Gefangenschaft und Tod. Sonderdruck aus dem 26. Programm des k. k. Staatsgeymnasiums in Salzburg. Salzburg, 1876.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Stahl, Eva: Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron. 3. Aufl. Wien, München, 1987.

 

(Weitensfelder Kulturbote, Nr. 2/2017, S. 11-13)

Dezember 30, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Schulstreik in Kraßnitz 1922

Im April 1922 weigerten sich Bauern in Kraßnitz im Gurktal, ihre Kinder in die Volksschule zu schicken. Der Grund: Der neue Lehrer war ein Sozialdemokrat.

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Ehemaliges Volksschulgebäude im Bergdorf Kraßnitz im Gurktal (Foto: Werner Sabitzer)

Es ist wohl der Alptraum eines jeden Dorfschullehrers: Es ist Unterricht und keiner geht hin. Genau das ist in der Zwischenkriegszeit in der einklassigen Volksschule in Kraßnitz in der Gemeinde Straßburg im Gurktal passiert.

Der Schulstreik begann am 21. April 1922. Die bäuerlichen Eltern verboten ihren Kindern, in die Schule zu gehen. Der Landbund, eine deutschnationale Bauernpartei, unterstützte dieses Vorgehen. Kein einziges Kind tauchte zu Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer auf.

Der Grund für diese außergewöhnliche Handlung lag beim neuen Lehrer Hans Pettauer. Er war Sozialdemokrat und Oppositionsführer in der Straßburger Gemeindevertretung. Pettauer sorgte für seine angeblichen „sozialistischen Erziehungsmethoden“ in der bäuerlichen Bevölkerung für Unruhe und Zorn. Dem Lehrer wurde vorgeworfen, er habe in den Klassen „Schülerräte“ gewählt, die unter anderem am Schluss der Stunde beantragt hätten, welche Strafe jene Schüler erhalten sollten, die den Unterricht gestört hatten. Noch dazu habe er den Schülern ein Mitspracherecht eingeräumt, welche Unterrichtsfächer vorgetragen werden sollten. Pettauer habe außerdem den Kindern zu Ostern und zu anderen kirchlichen Festen erzählt, dass die Geschichten vom „auferstandenen Heiland“, von der „unbefleckten Empfängnis“ und von anderen unumstößlichen katholischen „Wahrheiten“ nicht stimmten. Außerdem sei in der Schule nicht mehr gebetet worden.

Einige Väter wandten sich an den Landesschulrat, aber ihre Beschwerden blieben erfolglos. Vorsitzender im Landesschulrat war der konfessionslose sozialdemokratische Landeshauptmann Florian Gröger. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) hatte nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Armut, Verschuldung, Perspektivlosigkeit und der hohen Arbeitslosigkeit rasch an Mitgliedern und Stimmen bei Wahlen gewonnen. Die teilweise Ablehnung traditioneller gesellschaftlicher Strukturen führte zu Konflikten mit konservativen Bewohnern in ländlichen Regionen.

Das Ende des Schulstreiks

Nach einigen Streikwochen versammelte sich am 1. Juni 1922 in Weitensfeld die Lehrerschaft des Vereines „Gurktal“. Die Lehrer solidarisierten sich mit ihrem Kraßnitzer Kollegen und verfassten eine Entschließung, in der sie den Schulstreik auf der Kraßnitz „auf das Entschiedenste“ verurteilten. Die Lehrer verwahrten sich gegen „die Schädigung einer Lehrperson wegen seiner politischen Gesinnung und Weltanschauung in seiner Amtsstellung“ und verlangten, dass „die Angelegenheit in Kraßnitz eine Herrn Schulleiter Hans Pettauer vollkommen gerecht werdende eheste Erledigung finden soll. Die Behörde wird mit allem Nachdruck aufgefordert, in einem Wiederholungsfalle mit voller Nackensteife das Recht des Lehrers zu wahren.“

Die Lage in Kraßnitz beruhigte sich erst, nachdem Hans Pettauer im Juli 1922 nach Arnoldstein versetzt worden war. In einem Kommentar in der Zeitung „Arbeiterwille“ vom 1. August 1922, heißt es, Pettauer habe „nur mit aller Vorsicht Anlehnung an die Schulreform gesucht und nicht im entferntesten eine Ungesetzlichkeit begangen. Doch die Finsterlinge wollen nicht, daß ihre Kinder gescheiter werden, als sie selber sind, und jeder Lichtstrahl der neuen Zeit soll mit Kutten gebannt werden.“

Hans Pettauer wurde im September 1924 in Arnoldstein Obmann des Arbeiter-Turn-, -Spiel- und -Sportvereins „Freie Turnerschaft“. Am 8. Mai 1925 stellte er im Gemeindeamt den Antrag, den Religionsunterricht in den Schulen abzuschaffen.

Schulstreik in Pisweg

Ein Jahr nach dem Schulstreik in Kraßnitz kam es in Pisweg zu einer ähnlichen Aktion. Am Ostermontag im April 1923 rief der Ortsschulrat durch den Ortspfarrer einen Schulstreik aus. Der Streik richtete sich gegen die Lehrerin Maria Rosenzopf, die in der zweiten Klasse unterrichtete. Sie war – mit Unterbrechungen – seit 1. Juli 1917 in der Pisweger Schule, galt als gute Lehrerin und wurde von den Bewohnern geschätzt. Weil sie sich aber weigerte, am Sonntag die Messe zu besuchen und auch nicht mehr beichten ging, wollten die Pisweger sie mit dem Streik wieder „katholisch“ machen. Der Schulstreik in Pisweg wurde nach zwei Tagen vom Bezirksschulrat per Machtwort beendet. Schon 1919 hatte es in Pisweg einen Schulstreik gegeben.

Volksschule Kraßnitz

Das heute noch bestehende Volksschulgebäude in Kraßnitz wurde 1925 errichtet, drei Jahre nach dem Schulstreik. Erster Lehrer nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Stefan Knafl, der unter den Schülern wegen seiner schlagkräftigen Erziehungsmethoden gefürchtet war. Knafl wurde Landtagsabgeordneter, 1973 Landesrat und 1979 stellvertretender Landeshauptmann. Von 1993 bis zu seinem Tod 2005 war er Obmann des Österreichischen Seniorenbundes. Auf Knafl folgte 1950 Wilhelm Sabitzer als Lehrer in Kraßnitz. Er leitete die Schule bis 1967 und engagierte sich für die Weiterentwicklung des Dorfes. Unter anderem war er Obmann des Sängerbundes Kraßnitz und er verfasste Mundartgedichte.

1953 wurde die erste Telefonleitung von Straßburg nach Kraßnitz errichtet. Die öffentliche Telefonsprechstelle war beim Kraßnitzer Wirt. Im Dezember 1955 wurde ein E-Werk in Betrieb genommen, sodass es im Ort und auch in der Schule erstmals elektrisches Licht gab. Erst im April 1955 baute man eine Wasserleitung für das ganze Dorf; Leitungen wurden auch in das Mesnerhaus und in die Volksschule gelegt, sodass der Schulbrunnen vor dem Haus nicht mehr notwendig war. Das Bergdorf hätte schon viel früher mit Strom, Telefon und einer gemeinsamen Wasserleitung versorgt werden können. Aber einige streitbare Kraßnitzer Bauern wären sich nicht einig geworden, wie Schuldirektor Wilhelm Sabitzer in der Schulchronik vermerkte. Im Juni 1967 fuhr erstmals ein Autobus die enge und schlechte Straße nach Kraßnitz hinauf, um Kinder zu einem Schulausflug abzuholen.

Mit dem Rückgang der Zahl der Kinder verlor die Volksschule Kraßnitz an Bedeutung. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde sie kurze Zeit noch als Expositur der Volksschule Straßburg weitergeführt und schließlich aufgelassen.

Einklassige Volksschulen mit nur einem Lehrer gab es auch in den Gurktaler Bergdörfern Hausdorf, St. Jakob und Gunzenberg. Der jeweilige Schulleiter war nicht nur für den Unterricht, sondern auch für Reparaturen, die Brennholzbeschaffung und andere Tätigkeiten zuständig. Die Schließung der seit 1869 bestehenden Volksschule in Pisweg konnte verhindert werden, hier wird voraussichtlich noch bis 2021 unterrichtet; seit 1995 ist sie eine Expositur von Gurk.

Werner Sabitzer

(Beitrag erschienen in: Weitensfelder Kulturbote, Nr. 4/2017, S. 4-5)

Dezember 20, 2017 Posted by | Uncategorized | 2 Kommentare

Schloss Pöckstein: Klassizistisches Juwel

Schloss Pöckstein an der Mündung des Metnitzbaches in die Gurk ist eines der bedeutendsten frühklassizistischen Bauwerke Kärntens.

 

Die ursprüngliche Burg Pöckstein dürfte vom bedeutenden Gurker Bischof Roman I. (1132 – 1167) im Jahr 1147 errichtet worden sein – als Straßensperre zwischen Althofen und dem salzburgischen Ort Friesach. Die Burg dürfte schon früh zerstört worden oder verfallen sein.

Neben der alten Burg Pöckstein soll es hier im Hochmittelalter zwei weitere Burgen gegeben haben: Bullendorf und Rabenstein. Wo die Burg Buldorf (Bullendorf) stand, ist nicht genau bekannt. Möglicherweise befand sie sich südwestlich der alten Burg Pöckstein in der heutigen Ortschaft Buldorf. Dokumentiert ist für 1204 ein „Hainricus des Puolendorf“ und für 1216 „dominus Meinhardus et Heinricus de Pulndorf“. Die Burg wurde 1292 gestürmt und zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Die Burg Rabenstein zwischen Friesach und dem ebenfalls zum Erzstift Salzburg gehörenden Ort Althofen wurde von Meinhard von Görz-Tirol errichtet, der vom Habsburger Rudolf I. 1286 mit dem Herzogtum Kärnten belehnt worden war. Mit der Burg Rabenstein konnte Herzog Meinhard die Verbindung zwischen den beiden Orten kontrollieren.

Beim großen Aufstand des kärntnerischen und steirischen Adels gegen die Habsburger im Jahr 1292 nach dem Tod des Königs Rudolf von Habsburg wurde Rabenstein von salzburgischen Truppen eingenommen und zerstört. Graf Ulrich von Heunburg, der als einer der mächtigsten Kärntner Grafen Herzog von Kärnten werden wollte, führte die Aufständischen an. Ulrich von Heunburg wurde von König Wenzel von Böhmen, vom Salzburger Erzbischof und vom Bistum Bamberg unterstützt. Die Kämpfe begannen mit einem Überfall auf die Herzogstadt St. Veit an der Glan, in der sich der Sohn Meinhards von Tirol befand. Er wurde als Geisel genommen, zunächst auf Burg Glanegg und später auf der salzburgischen Burg Hohenwerfen festgehalten. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen wurden unter anderem Städte Friesach und St. Andrä im Lavanttal zerstört. Am 14. März 1293 wurden die Putschisten in der Schlacht am Wallersberg von den Truppen des Habsburgers Albrecht I. von Österreich besiegt. Ulrich von Heunburg wurde in Wiener Neustadt gefangen gehalten, er erreichte aber im Juni 1293 einen Friedensvertrag mit Albrecht I. von Österreich, konnte nach Kärnten zurück kehren und erhielt einige seiner Güter zurück.

Die Burg Rabenstein wurde wieder aufgebaut. Herzog Heinrich von Kärnten setzte Konrad von Schrankpaum als Burggraf auf Rabenstein ein. Im Krieg Heinrichs gegen König Albrecht stand der Erzbischof von Salzburg diesmal auf der Seite des Habsburgers. Burg Rabenstein wurde im Jahr 1307 abermals von den Salzburger Truppen belagert. Der Salzburger Erzbischof bestach Schrankpaum mit 200 Mark Silber. Daraufhin übergab der Schrankpaum die Burg Rabenstein nach einem Scheinangriff den Salzburgern. Schrankbaum konnte mit seinem Vermögen die Burg verlassen, bevor sie endgültig zerstört wurde. Die Steine wurden nach Althofen gebracht und dort für den Bau der Befestigung verwendet.

„Ze Friesach hört man predigen; swer von sünden erledigen sines vaters sele wolde, hin ze Rabenstein komen solde mit hacken und mit houwen, und swaz da waer gebouwen, das solt man ane sumen ab dem berge rumen“, schrieb Johann von Viktring. Der Geschichtsschreiber berichtete auch, dass der Verräter Schrankpaum den „gebührenden Lohn“ empfangen hätte: Die Produkte des Stoffwechsels hätten bei ihm nicht am natürlichen Ort ihren Ausgang gefunden, sondern über eine Öffnung an der Seite. Das hätte schließlich seinen Tod verursacht.

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Vom Herrenhaus zum Schloss Pöckstein

Im Juni 1606 bewilligte Erzherzog Ferdinand dem Gewerken Christoph Gschwind von Pöckstein die Errichtung eines Hammerwerks an der Mündung der Metnitz in die Gurk – „Zwischenwässern“ genannt. Das Erz stammte vom Bergbau im Raum Friesach.

Gschwind errichtete neben dem Hammerwerk ein Herrenhaus. Es handelte sich um den „adelychen Sitz Poksthein samt dabaygelegener mül mit sechs lauffern, stampf und saag“. Die Familie Gschwind war protestantisch, 1616 musste Gschwind daher das Hammerwerk und das Herrenhaus, den „adelychen Sitz Poksthein samt dabaygelegener mül mit sechs lauffern, stampf und saag“, an den Bischof von Gurk, Johann VII. Jakob Freiherr von Lamberg, verkaufen. Das Bistum Gurk führte den Hammerbetrieb in Zwischenwässern fort und erbaute in Hirt einen großen Hochofen.

Nachdem das Schloss Straßburg im Jahr 1767 durch ein Erdbeben stark beschädigt worden war, beschloss Bischof Josef II. Franz Anton von Auersperg, den Bischofsitz nach Pöckstein-Zwischenwässern zu verlegen. Er ließ das Herrenhaus der Familie Gschwind niederreißen und beauftragte den Salzburger Baumeister Johann Georg Hagenauer, ein Schloss mit vier Stockwerken im frühklassizistischen Stil zu errichten. Hagenauer, damals einer der bedeutendsten Architekten in Österreich, begann 1778 mit dem Schlossbau. „Gekrönt“ ist das Gebäude, das an drei Seiten Eingänge hat, mit einem Uhrtürmchen. Der Bruder des Baumeisters, Johann Baptist Hagenauer, stattete das Schloss mit Plastiken aus. Für die Innengestaltung waren der Maler Franz Wagner und der Stukkateur Martin Karl Keller verantwortlich.

Das Erdgeschoss war Wohn- und Arbeitsbereich für die Bediensteten, im ersten Stock befanden sich Wohnräume und der zweite Stock war die „Beletage“ mit prunkvollen Wohn- und Repräsentationsräumen. Die Wände des Speisesaals sind mit exotischen Motiven verziert. Im nordwestlichen Gebäudeteil befindet sich die Kapelle, die über den ersten Stock zugänglich ist und in den zweiten Stock reicht. Die verzierten Öfen in Stuckmarmornischen wurden 1780 vom St. Veiter Hafnermeister Franz Watzgo errichtet. Zwei Kaminöfen in der Beletage stammen von der Wiener Hafnermeisterin Clara Kemeterin. Die Verzierungen dafür schuf Johann Baptist Hagenauer. Im Norden und Osten des „Lustschlosses“ befand sich ein Park mit Nebengebäuden, darunter eine Sala Terrena mit Pfirsichhaus und ein Glashaus. Erhalten sind der Gartentempel, die Geräteschuppen und die Kegelbahn. Baumeister Johann Georg Hagenauer ließ ein ökonomisches Beheizungssystem installieren. Das Regenwasser wurde vom Dach in einen Behälter auf dem Dachboden geleitet und von dort wurden die Aborte gespült.

Bischof Auersperg konnte das Schloss 1783 beziehen; im selben Jahr wurde er zum Bischof von Passau ernannt und er verließ das Gurktal. Sein Nachfolger Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt-Krautheim residierte nur wenige Jahre im Schloss Pöckstein. Mit der Diözesanregulierung des Kaisers Joseph II. wurde der Bischofssitz 1786 nach Klagenfurt verlegt. Die Diözese Gurk wurde beträchtlich vergrößert und erstreckte sich nun auf ganz Kärnten, mit Ausnahme des Lavanttales, das dem Bischof von Lavant unterstand. Fürsterzbischof Kardinal Salm residierte in Klagenfurt zunächst im Viktringer Hof und übersiedelte im Frühjahr 1791 in ein Palais, das für Erzherzogin Maria Anna Habsburg von Lothringen errichtet worden war. Das prächtige Gebäude ist noch heute Residenz des Bischofs von Gurk. Kaiser Joseph II. soll bei der Durchreise gesagt haben, Schloss Pöckstein sehe einem „Kanarienvogelhäusel“ ähnlich.

Nach der Verlegung des Bischofsitzes nach Klagenfurt diente Schloss Pöckstein als Verwaltungssitz des Bistums Gurk. Hier befand sich nun die bischöfliche Temporalienverwaltung. Das Schloss diente zeitweise als Sommersitz der Bischöfe und später als Sitz der bischöflichen Forstverwaltung. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss durch Bombentreffer beschädigt, aber später wieder instandgesetzt.

Das Bistum Gurk verkaufte Schloss Pöckstein im Jahr 2007 an ein Unternehmen des Geschäftsmannes Dante Buzzi. 2012 wurde das traditionsreiche Gebäude von der zu diesem Zweck gegründeten „Pöckstein Vermietungs- und Verwertungsgesellschaft m.b.H.“ von Hartwig Warmuth und DI Thomas Telsnig) erworben. Heute gehört das Baujuwel der „Schloss Pöckstein Betriebs-GmbH.“ Gesellschafter sind Thomas und Irmgard Telsnig sowie der Architektur- und Immobilienbüro M&T Plan Telsnig GmbH. Das Ehepaar Telsnig gestaltet das Schloss zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum um. 2016 und 2017 gab es Konzerte im Rahmen des „Carinthischen Sommers“ und im Dezember 2017 gibt es im Schloss den „Winterzauber“, einen Adventmarkt mit Veranstaltungen (http://schloss-poeckstein.at).

Schloss Poeckstein_3.jpgDie Gewerkenfamilie Gschwind von Pöckstein

Mit Pöckstein eng verbunden war die Gewerkenfamilie Gschwind. Der gesellschaftliche Aufstieg der Familie begann im frühen 16. Jahrhundert mit der Eisenverarbeitung in Pöckstein. Das erste bedeutende Familienmitglied Hans Gschwind, Hammerbesitzer in Pöckstein: Er bediente bei der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1529 das grobe Geschütz auf den Stadtwällen. Damals halfen auch weitere Adelige aus Kärnten bei der Verteidigung der belagerten Stadt, darunter Georg von Kulmer, Pfleger auf Osterwitz und Erbauer des Schlosses Rosenbichl. Die Brüder Hans und Christoph Gschwind wurden 1601 in den Kärntner Landstand aufgenommen. 1606 errichtete Christoph Gschwind ein Hammerwerk bei der Mündung der Metnitz in die Gurk, musste es aber 1616 an den Bischof Johann VII. von Gurk verkaufen.

Wie viele andere Kärntner geadelte Familien waren auch die Gschwind Protestanten. Im Zuge der Gegenreformation wurden die protestantischen Familienmitglieder vor die Wahl gestellt, sich zum Katholizismus bekehren zu lassen oder das Land zu verlassen. Am 27. Juli 1627 intervenierten die evangelischen Kärntner Stände beim Hof unter anderem für die Familie Gschwind. Dennoch mussten einige Familienmitglieder vor 1629 nach Deutschland auswandern. Der landschaftliche Sekretär Franz von Gschwindt ging 1634 nach Regensburg ins Exil.

Von den in Kärnten verbliebenen Familienmitglieder ist der Eisengewerke Georg Ordolph von Gschwind erwähneswert. Er ließ im 17. Jahrhundert das kleine Barockschloss Töscheldorf bei Treibach errichten, dessen Festsaal vom bedeutendsten Kärntner Barockmaler Johann Ferdinand Fromiller (1693 – 1760) ausgestaltet wurde. An der Stelle des heutigen Schlosses stand im 14. Jahrhundert ein Herrenhaus. Hier saß ein salzburgischer Amtmann, der das Gut verwaltete.

Neben dem Schloss befindet sich eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, in der täglich für die Herrschaft und das Dienstpersonal Messen gelesen wurden. Der Wirtschaftshof neben dem Schloss wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Franz Josef Freiherr von Ottenfels-Gschwind und sein Sohn Xaver ließen das dreigeschossige Gebäude im 18. Jahrhundert ausgestalten.

Spätere Besitzer der Herrschaft Töscheldorf waren die Gewerken Josef Kochler von Jochenstein, Simon Grabuschnig und Franz Xaver von Knapitsch (ab 1803). 1856 erwarb der Eisenindustrielle Baron Eugen Dickmann das Schlossgut; 1889 ging der Besitz an Leon Ladislaus Freiherr von Lenval und später an die Grafen Czosnowski über. 1955 erwarb der Landwirt Franz Knafl das Gut Töscheldorf. Das Schloss diente als landwirtschaftliche Fachschule und ab 1965 eine Expositur des damaligen Musisch-Pädagogischen Bundes-Realgymnasiums Klagenfurt. Im Schuljahr 1969/70 wurde Töscheldorf ein eigenständiges Musisch-Pädagogisches Bundesrealgymnasium. 1980 übersiedelte das Gymnasium in das neu errichtete Bundes-Schulzentrum in Althofen. Das Schloss Töscheldorf dient seitdem als Schulgebäude für polytechnische Lehrgänge.

Johann Gschwind von Pöckstein besaß neben dem Familiensitz Töscheldorf unter anderem die Güter Posseldorf und Laabeck in Kärnten. 1651 wurde er Kaiserlicher Rat und General-Kriegszahlmeister in Wien. Mit seiner 1662 verstorbenen Frau Maria Magdalena, geb. Schreckinger, hatte er zwei Kinder: Johann Martin und Maria Margaretha, die mit dem k. k. Rats- und Kammeral-Hofbuchhalter Johann Adam Edlen von Fabrizi verheiratet war und 1716 starb.

Johann Gschwind von Pöckstein starb 1658. Sein Sohn Johann Martin, geboren am 10. Mai 1645 auf Schloss Wasserleonburg, wurde von seinem Vormund, dem  k. k. Oberst von Peverelli, erzogen. Johann Martin Gschwind von Pöckstein wurde wie sein Vater Offizier und erwarb sich Verdienste bei der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1683. Der k. k. Offizier war auch in Feldzügen in Ungarn, Deutschland und Italien erfolgreich und wurde 1705 zum Feldmarschall befördert. Er beschäftigte sich auch wissenschaftlich, besaß ein gut ausgestattetes physikalisches Labor und eine umfangreiche Bibliothek, die er testamentarisch der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die Bibliothek wurde 1785 mit der Universitätsbibliothek Wien vereinigt. 1708 wurde Johann Martin in den Reichsfreiherrenstand erhoben und 1720 in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen. Er starb 76-jährig am 10. April 1721 unverheiratet und kinderlos. Seinen Besitz erbte sein Neffen Wolfgang Franz Otto Ritter von Ottenfels. Dieser war Güterinspektor des Grafen Khevenhüller, ständischer Verordneter, Generaleinnehmer und Unterdirektor der kärntnerischen Landtafel und besaß die Güter Weißenfels, Gurnitz, Mörtenegg und Leifling.

Mit dem Erbe gingen auch Namen und Wappen der Familie Gschwind an Wolfgang Franz Otto von Ottenfels über: Er wurde von Kaiser Karl IV. in den Freiherrenstand erhoben und nannte sich von nun an Ottenfels-Gschwind.

Die Familie Otto von Ottenfels stammte aus dem Lavanttal. Hanns Sigmund Otto war Pfleger im Dienst Bambergs und nannte sich „von Ottenfels, von und zu Gurnitz“. Von 1620 bis 1632 war er bambergischer Vizedom in Wolfsberg und danach landschaftlicher Obersekretär. Am 30. Jänner 1643 wurde er Kärntner Landmann. Er erhielt den Titel Kaiserlicher Rat und war ab 1652 Lehenskommissär des Erzstifts Salzburgs in Kärnten. Johann Sigmund von Ottenfels fertigte 1650 eine Landkarte von Kärnten an. Er starb 1666. Seine Tochter Susanne Elisabeth heiratete1654 Dr. Sigmund Petribusch und sein Sohn Wolfgang Jakob von Ottenfels wurde 1705 landschaftlicher Sekretär in Kärnten. Er war mit Anna Eleonora, geb. von Mittnacht verheiratet. Ihr 1671 geborener Sohn Wolfgang Franz von Ottenfels erbte, wie oben erwähnt, das Vermögen des letzten männlichen Sprosses der Freiherrenfamilie Gschwind von Pöckstein.

Wolfgang Franz Freiherr von Ottenfels-Gschwind war in erster Ehe mit Franziska, geb. Freiin von Haideck und in zweiter Ehe Marianne Therese, geb. Freiin von Thürndl verheiratet. Sein Sohn aus erster Ehe, Franz Joseph Freiherr von Ottenfels-Gschwind, war kärntnerisch-ständischer Bauzahlmeister und besaß die Güter Leifling, Pöckstein und Töscheldorf. Er starb 62-jährig am 5. Februar 1764. Sein Nachfolger Franz Xaver Freiherr von Ottenfels-Gschwind war k. k. Kämmer und landeshauptmannschaftlicher Rat in Klagenfurt. Er heiratete Maria Aloisia, geb. Freiin von Kulmer. Ihr am 12. Juni 1778 geborener Sohn Franz Xaver Freiherr von Ottenfels-Gschwind trat nach einer wissenschaftlichen Ausbildung Wien in die Akademie der morgenländischen Sprachen ein und diente von 1802 bis 1819 als „Sprachknabe“ bei Ignaz von Stürmer in Istanbul. Er bereiste Kleinasien und einige Inseln; außerdem beschäftigte er sich mit orientalischer Philologie und Altertumskunde. Während der Befreiungskriege kam er nach Wien, wo er 1816 die Tochter des berühmten Generals von Schlaun heiratete. 1822 folgte er Graf Lützow als österreichischer Botschafter in Istanbul. Bei seinem Abschied als Diplomat in der Türkei erhielt er als erster fremder Diplomat die große Dekoration des ottomanischen Verdienstordens in Brillanten überreicht. Am 15. März 1833 verließ Freiherr von Ottenfels-Gschwind Istanbul an Bord eine k. k. Schiffes. Drei Wochen später erlitt er in der Nacht an der italienischen Küste Schiffbruch, die Mannschaft konnte aber gerettet werden.

Werner Sabitzer

 

Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Die Freiherren von Ottenfels-Gschwind. In: Carinthia, Nr. 44, vom 2. November 1833, S. 179-181.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Sabitzer Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.

Dezember 2, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Eine Kirche in der „Höll“

Die Kirche St. Leonhard in Höllein im Gurktal stammt aus dem 11. Jahrhundert. Hier befand sich im Mittelalter eine Knappensiedlung. Aus der Kirche stammt das wertvolle „Hölleiner Kruzifix“.

 

Unter dem Almgehöft vlg. „Fåsch in der Höll“ in Höllein bei Gundersdorf befindet sich eine kleine Kirche, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Das ursprünglich auch dem heiligen Lorenz geweihte Gotteshaus wurde im 11. Jahrhundert errichtet, aber erst 1404 erstmals urkundlich erwähnt.

Im Hochmittelalter wurde im Hölleiner Gebiet Silber abgebaut und hier befand sich eine schon 1045 urkundlich erwähnte Knappensiedlung. In einer Urkunde von 1513 wird der Ort „Dehelen“ genannt.

Als sich Kaiser Friedrich II. Barbarossa 1170 in Friesach aufhielt, überließ er Bischof Roman I. von Gurk den Besitz der Erzgruben in Höllein und von anderen Bergwerken auf Gurker Boden, die bis dahin dem Erzbistum Salzburg vorbehalten waren. Roman I. war der bedeutendste Gurker Bischof im Hochmittelalter. Er begann mit dem Bau des Gurker Doms und ließ die Straßburg errichten. Er gilt auch als Erbauer der Burg Pöckstein, von der heute keine Reste mehr zu sehen sind.

Die Leonhardskirche war früher eine Filialkirche von Friesach. Im Jahr 1780 wurde beantragt, in Höllein eine eigene Kuratie zu errichten. Die ehemalige Pfarrkirche am Petersberg hätte dazu mit einer höheren Geldsumme beitragen sollen. Da es aber zu wenig und weit verstreute Bewohner für die neu zu errichtende Seelsorgestation gab, kam es nicht dazu.

Die Kirche wurde 1993/94 renoviert und danach neu geweiht. Früher gab es auch einen jährlichen Kirchtag beim „Fåsch in der Höll“ der Landwirtsfamilie Mitterdorfer.

Kette um die Kirche

Eine Besonderheit der Leonhardskirche ist eine geschmiedete Kette, mit der Kirche umzogen ist – die sogenannte „Leonhardskette“. Der Sage nach soll diese Kette nach dem Türkeneinfall in das Gurktal von 1478 geschmiedet worden sein – als Folge eines Gelübdes und als Dank, dass der Ort von den Eindringlingen verschont worden sei. Der breite Vorhallenturm dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen und der hölzerne Aufbau ist jüngeren Datums.

Hölleiner Kruzifix

Aus der Kirche stammt eines der bedeutendsten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs – das „Hölleiner Kruzifix“ von 1170/80, ein „Vier-Nagel-Typus“. Die Beine des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ursprünglich war eine Fußstütze (Suppedaneum) vorhanden. Das knapp ein Meter hohe Kruzifix ist das einzige erhaltene romanische „Großkreuz“ Kärntens. Das schlichte, aber wertvolle Holzkreuz aus der Hölleiner Kirche ist in der „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof in Gurk ausgestellt.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Biedermann, Gottfried: Romanik in Kärnten. Reihe: Die Kunstgeschichte Kärntens, hg. von Gottfried Biedermann und Barbara Kienzl. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt, 1994.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Sabitzer Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

November 19, 2017 Posted by | Uncategorized | 1 Kommentar

Der Diebstahl der Magdalenenscheibe

Die Magdalenenscheibe aus Weitensfeld im Gurktal stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist das zweitälteste Glasgemälde Europas. 1931 wurde das wertvolle Kunstwerk gestohlen.

Karl Hauser, Pfarrer in Weitensfeld im Gurktal, informierte am 12. Jänner 1931 die Gendarmerie, dass die kostbare Magdalenenscheibe aus der Filialkirche St. Magdalen gestohlen worden war. Es handelt sich um eine der wertvollsten Glasmalereien in Europa.

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Magdalenen-scheibe 

Das um 1170 entstandene und vermutlich aus Salzburg stammende Kunstwerk ist 58 Zentimeter hoch und 13 Zentimeter breit und stellt Maria Magdalena dar – mit Salbgefäß und einem vergoldeten Weihrauchgefäß, wie es zur Zeit der Entstehung der Scheibe verwendet wurde. Es handelt sich um das älteste Glasgemälde Österreichs und um die zweitälteste erhaltene Glasmalerei im deutschsprachigen Raum; älter sind nur die Prophetenscheiben im Augsburger Dom, die um 1135 bemalt wurden.

 

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Alter und der Wert der romanischen Scheibe bekannt; der Kunsthistoriker Max Dvorak beschrieb 1912 das Kunstwerk erstmals in einer Publikation. Der Wert der Scheibe wurde auf bis zu 100.000 Schilling geschätzt; nach heutiger Kaufkraft mehrere Hunderttausend Euro.

Kärntens Diözesankonservator Dr. Eduard Mahlknecht schrieb über die Magdalenenscheibe: „Der mittelalterlichen Ästhetik entsprechend kommt allen Farbwerten neben der kompositorischen eine symbolische Bedeutung zu: das Rot, das hier als Weinrot (am Schleier, an den breiten Bordüren) vertreten ist, gilt als Sinnbild der Liebe und des Märtyrertodes, das Geld als Sinnbild der Transzendenz und des göttlichen Lichtes, Grün (am Mantel) als Sinnbild der Hoffnung. Eine besonders akzentuierte Sinnbildlichkeit kennzeichnet hierbei das auf eine einzige Stelle konzentrierte Violett des Salbgefäßes: denn dieses stellt die Farbe des Überganges vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben dar und gibt zudem einen deutlichen Hinweis auf die Salbung Christi durch Magdalena, wobei dieser Hinweis auf das Begräbnisritual, als Vorbereitung auf die Auferstehung, durch das von der heiligen gehaltene Weihrauchfass noch verstärkt wird.“

Nachdem bekannt geworden war, wie wertvoll die Magdalenenscheibe ist, wandten sich auch einige Kunsthändler an den Weitensfelder Pfarrer, in der Hoffnung, dieser würde das Kunstwerk günstig verkaufen. Einer der Interessenten war der Wiener Kunst- und Antiquitätenhändler Adolf Bauer.

Pfarrer unschuldig in U-Haft

Der Diebstahlsverdacht richtete sich zunächst gegen Pfarrer Hauser, der in Teilen der Pfarrgemeinde unbeliebt war. Er war ab 1. Februar 1913 Pfarrer in Weitensfeld und gehörte für die Christlich-soziale Partei der Gemeindevertretung an. Am 15. Mai 1932 verließ er Weitensfeld und wurde Pfarrer in Raibl bei Tarvis.

Hauser verbrachte einige Tage in Untersuchungshaft, bis sich seine Unschuld herausstellte. Ein Kunsthändler aus Wollanig, der wegen Diebstählen aus Kirchen amtsbekannt war, führte die Ermittler auf die richtige Spur: Der Villacher Fotograf Friedrich Dostler hätte ihn ersucht, die Magdalenenscheibe in Weitensfeld zu stehlen und ihm dafür 1.500 Schilling versprochen. Dostler hätte ihm Auftrag des Antiquitätenhändlers Adolf Bauer gehandelt, der ihm einen „Vorschuss“ gegeben hätte. Der Fotograf hatte vor dem Diebstahl den Weitensfelder Pfarrer gebeten, das Glaskunstwerk fotografieren zu dürfen. Ein Kunsthändler hatte zudem Bauer mit dem Pfarrer zusammengebracht, um über einen eventuellen Verkauf der Magdalenenscheibe zu verhandeln. Die Gendarmen verhafteten Dostler und in Wien wurde der vermutliche Auftraggeber Adolf Bauer festgenommen, genannt „Monokelbauer“.

Bauer gab an, Dostler ersucht zu haben, ihm das Glasgemälde zu „bringen“, aber nicht zu „stehlen“. Dostler gestand, die mit Bleistreben eingefasste Scheibe Mitte Dezember 1930 aus der Fensternische herausgeschnitten und Bauer gegeben zu haben. Dostler und Bauer brachten die Magdalenenscheibe nach München. Bauer rief einen Studenten in Berlin an, der das Kunstwerk in München abholte und nach Berlin brachte, wo die Scheibenteile durch Zufall im Besitz von Christina Bondy-Bey, der Frau eines Generalkonsuls, sichergestellt wurden.

Kerkerstrafen

Friedrich Dostler wurde im Jänner 1932 im Landesgericht Klagenfurt wegen des Diebstahls der Magdalenenscheibe sowie einer Marienstatue aus der Kirche in Seltschach zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Der Auftraggeber Adolf Bauer erhielt eine fünfmonatige Kerkerstrafe. Der Student wurde freigesprochen. Er konnte glaubhaft versichern, dass er nicht gewusst habe, dass die Glasmalerei gestohlen worden war.

Magdalenenkirchlein 1

Magdalenenkirchlein in Weitensfeld

Die Magdalenenscheibe wurde nach dem Wiederauffinden restauriert und kam 1931 in das Diözesanmuseum in Klagenfurt. Im Magdalenenkirchlein befindet sich ein Duplikat.

Seit 2014 kann das romanische Kunstwerk in der „Schatzkammer“ im Gurker Propsthof besichtigt werden, in der die sakrale Schätze des 2012 geschlossenen Klagenfurter Diözesanmuseums ausgestellt sind.

Werner Sabitzer

 

 

Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien, 2001.

Frodl, Walter: Glasmalerei in Kärnten (1150 – 1500), Wien, 1950.

Mahlknecht, Eduard: Die Magdalenenscheibe aus St. Magdalena bei Weitensfeld um 1170; in: Geschichtsverein für Kärnten, Programm – Erstes Halbjahr 2007, S 11.

Sabitzer, Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten, Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

 

 

 

Oktober 29, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Neues Leben auf Burg Taggenbrunn

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Alfred Riedls Weingut: Andre Hellers „Weinhexe“ unter der Ruine Taggenbrunn.

Die Ruine Taggenbrunn, einst mächtige Burg der Salzburger Fürsterzbischöfe, ist nach der Neugestaltung des Burgbergs ein Wahrzeichen im Raum St. Veit an der Glan geworden.

Auf einem felsigen Hügel östlich von St. Veit an der Glan befindet sich die Burgruine Taggenbrunn. Aus dem verbliebenen Mauerwerk lässt sich erahnen, dass es sich um eine mächtige Festung handelte. Taggenbrunn zählte im Spätmittelalter und in der beginnenden Neuzeit zu den bedeutendsten Burgen im Herzogtum Kärnten.

Die Burg steht auf historischem Boden: Auf dem Felshügel befand sich im 6. Jahrhundert vor Christus eine keltische Siedlung. Auch die Römer siedelten auf dem Berg.

Taggenbrunn befand sich im Besitz des Erzstiftes Salzburg, das in Kärnten mehrere Besitzungen hatte, darunter die Herrschaften Friesach, Hüttenberg, Althofen und Maria Saal. Die Besitzungen Salzburgs in Kärnten gehen auf eine Schenkung des ostfränkischen Königs Ludwig II. („der Deutsche“) im Jahr 860 zurück. Die Kirche St. Peter in der Nähe der Burg wurde im Mai 927 urkundlich erwähnt. St. Peter bei Taggenbrunn zählt somit zu den ältesten Pfarrkirchen Kärntens.

Die Burg Taggenbrunn wurde im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Salzburger Erzbischöfe hatten die Burg (Hoch-)Osterwitz während des Investiturstreits durch „Vergessen des Lehensbandes“ an den Herzog von Kärnten verloren und wollten einen neuen Verwaltungsstützpunkt in der Nähe der Herzogstadt St. Veit an der Glan errichten. Erbauer war der salzburgische Ministeriale Tageno (Tagenus) von Pongau, der von der neuen Burg aus die Herrschaft verwaltete und sich „von Taggenbrunn“ nannte. Die Burg wurde 1157 als „Castrum Takenbrunne“ erstmals urkundlich erwähnt. Ein „Rahuinus de Takkenbrunnen“ scheint in einer Urkunde aus 1142 auf. Im 12. Jahrhundert erwähnt wurden auch Rudgerus und Otto von Taggenbrunn. Tagenos Nachfahren hatten die Burg bis zum Aussterben der Familie im Jahr 1240 als Lehen inne, danach verwalteten verschiedene salzburgische Pfleger, Vögte und Burggrafen die Herrschaft Taggenbrunn. Der erste war Engelbert(us) Buzzo (Puzzo). Er stammte aus einer Ministerialenfamilie, die für die Gurker Bischöfe die Burg Straßburg verwaltete. Der Name geht auf ihren Stammsitz, dem Putzenhof unter der Burg Straßburg zurück. Die Buzzonen starben im 14. Jahrhundert aus.

Zerstörungen der Burg

Im Jahr 1258 wurde die Burg Taggenbrunn im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen dem erwählten Bischof von Salzburg, Philipp II. von Spanheim, und Bischof Ulrich von Seckau stark beschädigt. Philipps Bruder, Herzog Ulrich III. von Kärnten, hatte die Burg eingenommen. Im Frieden von St. Radegund 1268 erhielt der Salzburger Erzbischof Wladislaus von Schlesien die Burg wieder zurück. Erzbischof Wladislaus ließ die Schäden beheben und die Burg ausbauen.

Ein knappes Vierteljahrhundert später kam es zur nächsten Zerstörung der Burg. Nach dem Tod König Rudolfs I. von Habsburg lehnten sich Kärntner und steirische Adelige mit Unterstützung des Erzbischofs von Salzburg und des Bistums Bamberg im Jahr 1292 gegen den Landesfürsten aus dem Haus Görz-Tirol auf, angeführt vom mächtigen Kärntner Graf Ulrich von Heunburg. Die Aufständischen überfielen die Herzogstadt St. Veit und nahmen Ludwig, den Sohn des Landesfürsten Meinhard von Görz-Tirol gefangen. Meinhard hatte St. Veit als Herzogssitz bestimmt und seinen Sohn nach Kärnten geschickt. Ludwig wurde nach seiner Gefangennahme auf der Burg Taggenbrunn festgehalten. Als sich herzogliche Truppen Kärnten näherten, wurde Ludwig von Görz-Tirol auf die Burg (Hohen-)Werfen in Salzburg gebracht, die dem Erzbistum Salzburg gehörte. Der salzburgische Pfleger auf Taggenbrunn ließ die Burg in Brand setzen und flüchtete nach Salzburg. Der Adelsaufstand wurde 1293 niedergeschlagen.

Als 1308 Otto III. von Liechtenstein-Murau Landeshauptmann von Kärnten wurde, erhielt er vom Erzbischof von Salzburg die Erlaubnis, auf Taggenbrunn zu residieren. Das Herzogtum Kärnten wurde nun bis zu zum Tod Ottos im Jahr 1211 von der Burg Taggenbrunn aus verwaltet.

Um 1354 war die Burg offenbar Lehen der Grafen Pfannberg. In diesem Jahr ließ sich Salzburgs Erzbischof Ortolf eine Bestätigung des Grafen Zacharias von Hohenrain ausstellen, derzufolge das Erzbistum Salzburg die Herrschaft Taggenbrunn nach dem Aussterben der Pfannberger wieder zurückbekommen werde. Von den Pfannbergern dürfte Taggenbrunn an die verschwägerte Grafenfamilie Montfort übergegangen sein, die es bis 1460 als Lehen innehatten.

Bei den drei Türkeneinfällen 1473, 1475 und 1478 diente die Burg als Fluchtort für die Bevölkerung. Die Türken verzichteten bei ihren Raubzügen auf die Belagerung und Erstürmung Taggenbrunns.

1480 drangen während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich III. und Matthias Corvinus ungarische Truppen mit Unterstützung des Salzburger Erzbischofs in Kärnten ein. Der Erzbischof hatte ihnen 1479 die Burg Taggenbrunn als Stützpunkt zur Verfügung gestellt. Kaiserliche und Kärntner Truppen eroberten daraufhin die Burg und zerstörten sie. 1482 dankte Erzbischof Bernhard von Rohr ab, der Streit um Taggenbrunn ging weiter. 1485 versuchte der Hauspfleger von Taggenbrunn, Albrecht, ein unehelicher Sohn des letzten Burgschenken von Osterwitz, Burg Hochosterwitz an sich zu reisen, es misslang ihm und er wurde in St. Veit an der Glan geköpft.

1490 verließen die ungarischen Besatzer das Herzogtum Kärnten. Nach dem Ende der Auseinandersetzungen mit den Ungarn waren die Salzburger Besitzungen in Kärnten und in der Steiermark weitgehend zerstört oder beschädigt. Maximilian I., Sohn und Nachfolger des Kaisers Friedrich III., gab Taggenbrunn 1494 wieder dem Erzbistum Salzburg zurück.

Burgausbau unter Leonhard von Keutschach

Einen Aufschwung erfuhr die Herrschaft Taggenbrunn unter dem Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach. Er ließ die Burg zwischen 1497 und 1503 ausbauen und aufwändig befestigen – mit mächtigen Mauern und drei Rundtürmen für Geschütze. Er stattete die Burg prachtvoll aus und ließ unterhalb der Burg das Marhaus, das Pfleghaus und einen dreigeschoßigen Schüttkasten (Getreidespeicher) errichten. Am Schüttkasten befindet sich ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1503. Leonhard von Keutschach ließ auch die Festung Hohensalzburg zu ihrer heutigen Größe ausbauen. Die Herrschaft Taggenbrunn ging in den Pfandbesitz der Neffen des Erzbischofs, Wolfgang II. und Siegmund von Keutschach, über und blieb noch einige Zeit als erzbischöfliches Lehen bei deren Nachfahren.

1688 zeichnete Johann Weichard Valvasor Burg Taggenbrunn von der Nordseite. 1692 verlegte Pfleger Georg Adam von Goldberg den Amtssitz von Taggenbrunn nach Maria Saal. Die Burg war danach nicht mehr ständig bewohnt und verfiel nach und nach. 1770 wurden in der Burgkapelle St. Johannes noch regelmäßig Messen gelesen und der Zustand der Burg wurde als „leidlich“ beschrieben. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die bereits beschädigte Burgkapelle säkularisiert und das frühgotische Abendmahlrelief kam nach St. Peter bei Taggenbrunn. Drei Kanonen sowie Gewehre, Rüstungen und Schwerter wurden nach Maria Saal gebracht. Steinerne Tür- und Fensterstöcke und andere Teile der Burg dienten Bewohnern in St. Veit und in der Umgebung als Baumaterial.

Mehrmaliger Besitzerwechsel

Als 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss das Fürsterzbistum Salzburg als souveränes Fürstentum aufgelöst wurde, kamen Taggenbrunn und die anderen salzburgischen Besitzungen zur Habsburg-Monarchie. Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert war Taggenbrunn Staatsdomäne. Antonie Edle von Rayer kaufte Taggenbrunn am 16. Dezember 1858 vom k. k. Kameralamt. Ihr Sohn Franz Freiherr von Rayer, ein k. k. Legationssekretär, übernahm im April 1859 die Herrschaft. 1883 erwarb Peter Paulitsch das Gut und verkaufte es noch im selben Jahr an den Großgrundbesitzer und Unternehmer Stefan Kleinszig.

Stefan Kleinszig (Clanscig), geboren am 22. Dezember 1822 in der Nähe von Görz, übersiedelte mit seinem Cousin Johann in den 1840er-Jahren nach Kärnten. Johann errichtete in Twimberg ein Sägewerk und Stefan arbeitete als Landarbeiter in Treffen und später als Holzknecht in Afritz. Mit seiner ersten Frau Anna betrieb er mehrere Kohlenmailer und pachtete einen Bauernhof in Bodensdorf. Für den Eisenbahnbau durch Kärnten lieferte er Lärchenschwellen. Er errichtete in Triest einen Lagerplatz und lieferte Holz in die Mittelmeerländer. Am Südufer des Ossiacher Sees baute er das Hotel „Annenheim“. Als Stefan Kleinszig 1883 das Gut Taggenbrunn kaufte, war er bereits Großgrundbesitzer und besaß Hunderte Hektar Wald, unter anderem in Wolschart und in der Wimitz. Er ließ neben der Ruine Taggenbrunn ein Herrenhaus errichten. Das Gut Taggenbrunn blieb fast 130 Jahre im Besitz der Familie Kleinszig.

Stefan Kleinszig starb am 11. August 1897. Sein Sohn Josef aus der zweiten Ehe, geboren am 4. September 1891 in Taggenbrunn, übernahm das Gut 1919, nachdem er als Oberleutnant aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war. Er starb am 21. Juni 1962. Im Jahr darauf übernahm sein Sohn Ing. Heinz Kleinszig das landtäfliche Gut Taggenbrunn. Er arbeitete in der Bundeswirtschaftskammer in Wien und heiratete 1965 Heidemarie Possek aus der Gemeinde Weitensfeld, eine Nachfahrin des Sensenindustriellen Johann Spitzer in Kleinglödnitz. Heinz Kleinszig begann 1973 mit der Revitalisierung der Ruine. 1975 eröffnete er eine Burgschenke. In der Ruine errichtete er unter anderem Wohnräume und einen Veranstaltungsraum. Nach dem frühen Tod von Heinz Kleinszig wurde es wieder ruhig auf Taggenbrunn. Ab 2003 versuchte Leopold Fasching, der Ruine etwas Leben einzuhauchen.

Weingut Taggenbrunn

Im Jahr 2011 erwarb der bekannte Kärntner Unternehmer Franz Riedl den Burgberg mit der Ruine und den historischen Nebengebäuden. Der Gründer und Inhaber des Uhrenkonzerns „Jacques Lemans“ ließ den Waldbewuchs auf dem Burgberg entfernen und nach aufwändiger Bodenbearbeitung 2014 auf zwölf Hektar 60.000 Weinstöcke pflanzen. Die Ruine ist nun weithin sichtbar und ein neues Wahrzeichen in der Region geworden.

Die Arbeiten auf der Burgruine sind noch im Gang; in den alten Mauern soll unter anderem ein Uhrenmuseum entstehen. Das ehemalige Marhaus, der große Stall aus 1803 und weitere Bauten strahlen im neuen Glanz und der über 500 Jahre alten Getreidespeicher wurde ebenfalls restauriert. Dort gibt es zwei Veranstaltungsräume und im Kreuzgewölbe lagern Weinfässer. Die „Weinresidenz“ mit 40 Zimmern und Suiten und der Heurige werden am 1. Juli 2017 eröffnet. In der Nähe ist ein zwei Hektar großer Skulpturenpark geplant; der Künstler André Heller entwarf die 15 Meter hohe Figur „Zeitgöttin“.

Werner Sabitzer

 

Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien, 2001.

Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land. Salzburg, 1988.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kleinszig, Heinz: 1883 – 1983. 100 Jahr Taggenbrunn im Familienbesitz. Dareb Druck, Klagenfurt, 1983.

Sabitzer, Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten, Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt, 1985.

Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.

 

 

Eigentümer von Taggenbrunn

1140: Erzstift Salzburg

1152: Fürsterzbistum Salzburg

1480: Kaiserlicher Besitz

1494: Fürsterzbistum Salzburg

1803: Staat Österreich

1858: Antonie Edle von Rayer

1859: Franz Freiherr von Rayer

1883: Peter Paulitsch

1883: Familie Kleinszig

2011: Alfred Riedl

 

 

 

Oktober 20, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

„Rast ich, so rost ich!“

Vor 200 Jahren wurde in Eisentratten Hans Gasser geboren. Er war einer der bedeutendsten Bildhauer des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa.

Die weltberühmte Staatsoper in Wien wird von zwei Monumentalbrunnen begrenzt, die vor 150 Jahren vom Kärntner Bildhauer Hans Gasser geschaffen wurden. Er zählte zu den bedeutendsten Bildhauern des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa. In Wien gibt es weitere Werke der Bildhauerkunst an Gasser, darunter die Kaiserin-Elisabeth-Statue im Westbahnhof, das „Donauweibchen“ im Stadtpark, Statuen im Arsenal und das Grabdenkmal Wolfgang Mozarts auf dem sehenswerten Biedermeier-Friedhof St. Marx. In Kärnten schuf er unter anderem die Christus-Statue in der Lodron-Gruft in Gmünd und das Christalnigg-Grabmonument in St. Michael im Zollfeld.

Kindheit in Eisentratten

Hans Gasser wurde am 2. Oktober 1817 in Eisentratten bei Gmünd geboren, wo sein Vater Jakob Gasser Tischlermeister und Holzschnitzer war. Schon als Volksschüler in Gmünd schnitzte Hans Figuren, unter anderem für Weihnachtskrippen.

Konstantin Graf Lodron-Laterano, Schlossherr in Gmünd, und seine kunstsinnige Frau Aloisia (Luise) förderten den talentierten Burschen. Über Lodrons Vermittlung kam Gasser im Frühjahr 1838 nach Wien, wo er im November 1838 an der Akademie der bildenden Künste zu studieren begann. Zwei seiner vier Brüder wohnten ebenfalls in Wien, bei einem konnte er die erste Zeit wohnen. Über Vermittlung des Fürsten Lobkowitz, Komtur des Deutschen Ordens in Wien, erhielt Gasser freie Unterkunft und ein Atelier in einem Gebäude des Deutschen Ordens in der Singerstraße.

1839 erhielt Gasser den ersten Bildhauerpreis, ein weiterer folgte 1840. Ab 1840 studierte er an der Kunstakademie in München. Er unternahm Studienreisen nach Nürnberg und Regensburg, wo er unter anderem mit dem Bildhauer Ludwig von Schwanthaler und dem Maler Wilhelm von Kaulbach in Kontakt war.

Ab 1846 war Gasser wieder in Wien, wo er unter anderem vom Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst Metternich Aufträge erhielt. Von Dezember 1850 bis Oktober 1851 lehrte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Danach mehrten sich die Aufträge. Gasser wirkte an der Ausstattung der großen Ringstraßenbauten in Wien mit. Er schuf Kunstwerke in Wiener Neustadt, Graz, Budapest, Triest, London, Oxford und in anderen Städten. Im Auftrag des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen-Weimar fertigte Gasser in Weimar das Denkmal für den Dichter Christoph Martin Wieland (1733 – 1813). Das Modell entstand 1854 im Wiener Atelier. Die Statue wurde in der königlichen Gießerei in München in Erz gegossen und am 3. September 1857 in Weimar enthüllt. Der Künstler wurde Ehrenbürger der Stadt Weimar. Gasser benützte auch ein Atelier im ehemaligen Palais Thun-Valsassina, in der Rainergasse 22 in Wien-Wieden.

Hans Gasser kaufte ein Grundstück in Wien-Margareten, wo er ein Wohnhaus und ein Atelier errichten ließ. Er sammelte Bilder, Antiquitäten und andere Kunstwerke aus verschiedenen Ländern. Die Sammelleidenschaft führte zu seiner Verschuldung, sodass er einen Teil seiner Kunstsammlung verkaufen musste.

Hans Gasser verletzte sich 1867 bei Steinarbeiten an der rechten Hand. Die Verletzung führte zu einem Wundbrand. Der Künstler zog sich Pest (Budapest) zurück, wo er am 24. April 1868 im 51. Lebensjahr starb. Der Leichnam wurde nach Villach überführt und dort bestattet. Sein Nachlass, darunter über 800 Kunstgegenstände seiner Sammlung, wurde versteigert. Auf dem Hans-Gasser-Platz in Villach wurde ihm zu Ehren 1870 eine Statue des Katschtaler Bildhauers und Gasser-Schülers Josef Messner aufgestellt. In Wien erinnert die Gassergasse im 5. Bezirk und eine Replik der Villacher Gasser-Statue am Margaretengürtel 18 an den großen Künstler aus Kärnten. Hans Gassers Wahlspruch war: „Rast ich, so rost ich!“

Werner Sabitzer

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Hans-Gasser-Statue am Margarengürtel 18 in Wien

 

Oktober 19, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

400 Jahre Schwarzenberg in Murau

Im Jahr 1617 heiratete die „Herrin von Murau“ Anna Neumann den Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg. Seit damals gehört der große Murauer Besitz der Adelsfamilie Schwarzenberg. Anna Neumanns Vorfahren stammen aus Weitensfeld.

Mit einer Ausstellung in der Altstadt und einer Reihe von Veranstaltungen feierte man heuer in Murau das Jubiläum „400 Jahre Schwarzenberg in Murau“. Die „Herrin von Murau“ Anna Neumann von Wasserleonburg hatte 1617 den jungen Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg geheiratet, um ihren enormen Besitz einer aufstrebenden Adelsfamilie zu übergeben.

Anna Neumann wurde am 25. November 1535 in Villach geboren. Ihre beiden Großväter stammten aus Weitensfeld. Annas Vater Wilhelm Neumann war vermutlich der Sohn von Michael Neumann (des Jüngeren), eines Weitensfelder Bürgers, schreibt der Murauer Archivar Wolfgang Wieland in seiner Biografie über Anna Neumann unter Hinweis auf den Historiker Leopold von Beckh-Widmanstetter („Michel Newman als Bürger zu Weitensfeld in Kärnten“). Nach anderen Quellen soll Wilhelm der Sohn des Weitensfelder Bürgers Jakob Neumann gewesen sein. Wilhelm Neumann besaß um 1530 Erbgüter in Weitensfeld. Seinen Reichtum erwarb er hauptsächlich durch die Erträge aus Quecksilbergruben in Idria (heute: Idrija) und Bleigruben in Bleiberg. Er war von 1516 bis 1518 Stadtrichter (Bürgermeister) in Villach und 1515 Bergrichter in Idria.

Annas Mutter Barbara war eine geschäftstüchtige Frau. Ihr Vater Wilhelm Rumpf von Wullross war der bedeutendste Herr auf der Burg Wullross bei Weitensfeld. Rumpf von Wullross erwarb 1515 die Herrschaft Tentschach und war erster ständischer Burggraf in Klagenfurt. Er hatte am Hof des Kaisers Ferdinand I. das Amt des Truchsess inne.

Nach dem Tod ihres Mannes Wilhelm Neumann heiratete Barbara den einflussreichen Adeligen Hans Seenuß, der von 1531 bis 1569 Burgamtmann in Villach war.

Einer der Schuldner Barbaras war Otto VII. von Liechtenstein-Murau, der die Herrschaft Treffen samt Landgericht am 1. Mai 1552 an die Familie Neumann verkaufen musste.

Anna Neumann von Wasserleonburg

Anna Neumann von Wasserleonburg

Annas sechs Ehemänner

Anna Neumann verbrachte ihre Kindheit auf Schloss Wasserleonburg, das ihr Vater 1522 von den Brüdern Hans, Andreas und Christoph von Ungnad übernommen hatte. Als 21-Jährige heiratete  Anna im November 1557 den vermögenden Hans Jakob Freiherr von Thannhausen, den Bruder des Kärntner Landeshauptmanns. Dieser Ehe entstammten zwei Töchter, Elisabeth und Barbara. Thannhausen starb nach knapp dreijähriger Ehe am 23. September 1560.

Annas ehrgeizige Mutter Barbara sorgte dafür, dass die junge Witwe Anfang 1566 den steirischen Adeligen Christoph II. von Liechtenstein-Murau heiratete, dessen Familie seit drei Jahrhunderten auf der Burg Murau saß. Das Geschlecht nannte sich nach der Burg Liechtenstein bei Judenburg (heute eine Ruine). Die steirische Familie Liechtenstein starb 1619 aus.

Nach der Hochzeit mit Christophs II. von Liechtenstein zog Anna in das Schloss Murau. Da ihre Brüder inzwischen ohne Nachkommen verstorben waren, erbte sie 1569 nach dem Tod ihrer Mutter Barbara die Kärntner Besitzungen Wasserleonburg, Treffen, Leonstein in Pörtschach und Vordernberg im Gailtal sowie die Bergwerksanteile in Idria und Bleiberg. Dazu kamen Bargeld und Pfandbriefe. Anna, nun Hauptgläuberin der Herren von Liechtenstein-Murau, erwarb 1574 den Murauer Besitz von ihrem Mann und dessen Brüdern sowie deren Güter in Niederösterreich und im Burgenland. Im Gegensatz zu ihrer geizigen Mutter war Anna sozial eingestellt. Sie ließ unter anderem im Jahr 1576 das Spitalsgebäude in Murau erweitern und unterstützte mittellose Menschen.

Nach dem Tod Christoph II. von Liechtenstein-Murau im Jahr 1580 heiratete Anna zwei Jahre später einen langjährigen Bekannten, Ludwig Freiherr Ungnad von Sonnegg, Sohn des Landeshauptmanns der Steiermark. Ungnad war unter anderem Mundschenk des späteren Königs Maximilians II. und 1570 Burggraf in Klagenfurt. Nach drei Jahren Ehe starb er in Klagenfurt.

Der vierte Ehemann der Herrin von Murau war ihr vermögender Herrschaftsnachbar im oberen Murtal, Carl Freiherr von Teuffenbach, den sie 1586 ehelichte. Wie sein Vorgänger Ludwig Ungnad war er evangelisch. Als 75-Jährige wurde Anna zum vierten Mal Witwe.

Annas ältere Tochter Elisabeth heiratete 1576 Leonhard von Kollnitz und nach dessen Tod Christoph von Auersperg. Sie starb am 14. Mai 1592 kinderlos. Die jüngere Tochter Barbara verschied unverheiratet am 28. November 1578. Anna Neumann hatte dadurch keine Nachkommen. Denn außer ihren Töchtern aus der ersten Ehe hatte sie mit keinem ihrer weiteren Ehemänner Kinder. Die Herrin von Murau fasste daher den Entschluss, das riesige Vermögen einer hochadeligen Familie weiterzugeben. Eine Adoption war damals nicht vorgesehen, es war nur eine weitere Ehe möglich.

Der Auserkorene war der 30 Jahre alte Ferdinand Graf zu Ortenburg-Salamanca, den sie nach einem Trauerjahr am 1. November 1611 auf Schloss Murau heiratete. Ferdinands Vater Gabriel, der von Erzherzog Ferdinand mit der Grafschaft Ortenburg in Kärnten belehnt worden war, ließ das Schloss Porcia in Spittal an der Drau errichten.

Georg Ludwig Reichsgraf zu Schwarzenberg

Fünf Jahre nach der Hochzeit mit dem kränkelnden Grafen wurde Anna 1616 zum fünften Mal Witwe. Die bereits 81-Jährige heiratete daher am 25. Juli 1617 den um 50 Jahre jüngeren Reichsgrafen Georg Ludwig zu Schwarzenberg, geboren am 24. Dezember 1586. Vermittelt wurde die Ehe vom Ratgeber des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand, Johann Ulrich Freiherr zu Eggenburg. Einen Monat nach der Hochzeit verfügte Anna, dass ihr junger Mann nach ihrem Tod die Herrschaft Murau erben sollte. Schwarzenberg blieb weiterhin im Dienst des Kaisers Ferdinand, er reiste erst kurz vor dem Tod Annas nach Murau.

Als Anna am 18. Dezember 1623 im hohen Alter von 89 Jahren starb, hinterließ sie ihrem jungen Mann nicht nur großen Besitz, sondern auch erhebliche Forderungen: So schuldeten ihr unter anderem Kaiser Ferdinand II. und der Erzbischof von Salzburg, Marcus Sitticus, hohe Geldsummen.

Als Angehörige des Augsburger Bekenntnisses wurde Anna nicht in der katholischen Pfarrkirche Murau begraben. Erst einen Monat nach dem Tod wurde die Leiche in einem Grab in der Elisabeth-Spitalkirche in Murau beigesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sterblichen Überreste der „Herrin von Murau“ in die Kapuzinerkirche überführt und im Grab ihres letzten Ehemanns Georg Ludwig zu Schwarzenberg bestattet.

Der Kärntner Besitz Annas, die Herrschaften Wasserleonburg und Treffen, gelangte nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren an den Erben des Urenkels ihrer Halbschwester Katharina Neumann, Christian Proy von Burgwalden. Dieser wurde im Juni 1625 bei einem Grundstücksstreit auf der Göriacher Alm erschlagen.

Die Herrschaft Murau

Das Murauer Gebiet gehörte im Hochmittelalter zum Herzogtum Kärnten. Die Burg Obermurau wurde zwischen 1232 und 1250 von den Herren von Liechtenstein erbaut, die damals das obere Murtal kontrollierten.

1269 wurde die Burg Murau von König Przemysl Ottokar II. teilweise zerstört. Er fühlte sich als rechtmäßiger Erbe des Herzogtums Kärntens nach dem Tod seines Schwagers, des letzten Spanheimer Herzogs Ulrich. Der steirische Adel lehnte sich aber gegen den Böhmenkönig auf. Die böhmischen Besatzer blieben bis zu ihrer endgültigen Vertreibung im Jahr 1276 in Murau. Danach kam die Herrschaft an der oberen Mur an den Sohn Ulrichs von Liechtenstein, Otto II., der mit dem Wiederaufbau begann. 1298 erhielt die Siedlung unter der Burg das Stadtrecht. 1312 kam es in der Familie Liechtenstein zu einer Trennung in eine Frauenburger und eine Murauer Linie. Der Murauer Zweig brachte es zu größerem Besitz im Herzogtum Kärnten und hatte dort auch das Marschallamt inne, eines der erblichen Hofämter. In der Steiermark hatten die Liechtensteiner die Kämmerer-Funktion inne.

Der Niedergang der einst mächtigen Liechtensteiner begann Ende des 14. Jahrhunderts. Friedrich II. von Liechtenstein musste wegen hoher Schulden die Herrschaft Murau 1392 an Wulfing von Stubenberg verpfänden.

Während der Ungarneinfälle stellte Niklas von Liechtenstein 1487 dem ungarischen König Murau als Stützpunkt zur Verfügung, worauf er von Kaiser Friedrich III. 1490 geächtet wurde. Murau wurde danach von einem Pfleger des Kärntner Herzogs verwaltet. Zwar erhielten die Liechtensteiner 1495 ihre Besitzungen von König Maximilian I. wieder zurück, doch waren ihre finanziellen Verhältnisse so schlecht, dass es immer wieder zu größeren Abverkäufen kam.

Christophs II. von Liechtenstein war der letzte Liechtensteiner in Murau. Die Herrschaft ging über seine Witwe Anna an deren letzten Mann Georg Ludwig zu Schwarzenberg. Dieser ließ zwischen 1628 und 1641 neben dem gotischen Gebäude das heutige Schloss Murau errichten. Das alte Schloss wurde abgetragen. Georg Ludwig zu Schwarzenberg starb kinderlos am 22. Juli 1646 in Freudenau. Der Murauer Besitz gelangte an seinen Cousin Johann Adolf Graf zu Schwarzenberg aus der rheinischen Familienlinie. Er wurde 1670 in den Fürstenstand erhoben. Der Schwarzenbergische Besitz vergrößerte sich im Lauf der Jahrhunderte. Der Hauptbesitz lag in Böhmen; er wurde 1947 vom kommunistischen Staat Tschechoslowakei enteignet.

1965 übernahm Karel Schwa

Schloss Murau

Schloss Murau

rzenberg den reichen Besitz in Österreich von seinem Adoptivvater; nach dem Tod des älteren Bruders seines Adoptivvaters 1979 wurde er Familienoberhaupt des historischen Fürstenhauses Schwarzenberg (12. Fürst von und zu Schwarzenberg, Herzog von Krumau, Graf von Sulz, gefürsteter Landgraf im Klettgau). Karel Schwarzenberg war von 2007 bis 2009 und von 2010 bis 2013 Außenminister Tschechiens.

Werner Sabitzer

 

 

Quellen:

Beckh-Widmannstetter, Leopold von: Studien an den Grabstätten alter Geschlechter der Steiermark und Kärntens, Berlin 1877/78.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. 2. Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. 2. Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Wieland, Wolfgang: Anna Neumann von Wasserleonburg. Die Herrin von Murau. Murau, 1999.

Oktober 19, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar