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Minister, Richter und Poet

Vor 200 Jahren wurde in Klagenfurt Adolf Ritter von Tschabuschnigg geboren. Er war einer der bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts in Österreich; heute ist er weitgehend vergessen.

Adolf Ignaz Ritter von Tschabuschnigg wurde am 20. Juli 1809 in Klagenfurt geboren. Sein Vater Leonhard hatte in Klagenfurt ein Haus geerbt. Die kleinadelige Familie Tschabuschnigg stammte aus Oberkärnten. Im Jahr 1637 wurde in Kreuzen Paul Tschabuschnigg geboren, als Sohn eines Hackenschmieds. Mit Unterstützung einer Stiftung des Grafen von Ortenburg konnte der talentierte Bursche im Ausland studieren. Er war wirtschaftlich erfolgreich und wurde 1682 in den Adelsstand erhoben. Einer seiner Söhne, Johann Baptist, war Gewerke und kaufte von den Herren von Leobenegg das Gut Raknitzhof. Er wurde „Reichsritter von Zabuesnig“ und seine Nachfolger waren Handelsherrn in Augsburg und Venedig. Johann Christoph von Zabuesnig (1747 – 1827) war Kaufmann, Schriftsteller, Übersetzer und Bürgermeister in Augsburg. 1817 wurde er mit 72 Jahren zum Priester geweiht.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg studierte ab 1826 Rechtswissenschaften an der Universität Wien und war ab 1832 im Staatsdienst tätig. Er unternahm viele Reisen. 1836 kam er als Gerichtspraktikant nach Triest, wo er acht Jahre blieb und sich mit Francesco Dall’Ongaro anfreundete, einem Lyriker und Herausgeber der Kulturzeitschrift „La Favilla“. Seine Eindrücke in Triest hat Tschabuschnigg in zwei Kapiteln seines 1842 erschienenen „Buchs der Reisen“ festgehalten – einen Beitrag über die „Sartorelle“, die Nähmädchen, und einen Text über den Hafen und den Handel. 1844 kam Tschabuschnigg nach Klagenfurt zurück, wo er eine Stelle bei Gericht bekam.
Im Revolutionsjahr 1848 befürwortete er Reformen. In den „Wiener Sonntagsblättern“ schrieb er angesichts des drohenden Zerfalls der Monarchie einen Essay über die Nationalitätenfrage.
1850 wurde er Oberlandesgerichtsrat in Klagenfurt, ab 1854 war er beim Oberlandesgericht Graz tätig und 1859 wurde er Hofrat beim Obersten Gerichtshof in Wien.

Karriere als Schriftsteller

Seine Karriere als Schriftsteller begann mit der Veröffentlichung seiner „Gedichte“ im Jahr 1833. Weitere Gedichte erschienen ab 1838 in der Zeitschrift „Carniola“, einer deutschsprachigen Publikation in Laibach. Das 1841 erschienene Werk „Ironie des Lebens“ war die erste längere Novelle. Die Werke Heinrich Heines hatten einen starken Einfluss auf den Kärntner Literaten.
1846 erschien Tschabuschniggs Erzählung „Das Haus der Grafen Owinski“. In seinen Romanen „Die Industriellen“ (1854) und „Sünder und Thoren“ (zwei Bände 1875) kritisierte der großbürgerliche Liberale die sozialen Missstände in der Monarchie. In „Sünder und Thoren“ beschreibt Tschabuschnigg neue Formen der Geldwirtschaft und die Folgeprobleme. Die zweite Auflage von „Die Industriellen“ erschien 1876 unter dem Titel „Fabrikanten und Arbeiter“. Weitere Werke waren „Buch der Reisen“ (1842), „Neue Gedichte“ (1851), „Aus dem Zauberwalde“ (1856), „Der moderne Eulenspiegel“ (zwei Bände, 1846) und „Grafenpfalz“ (1862).
Die „Gesammelten Werke“ Tschabuschniggs, der auch unter dem auch dem Pseudonym „A. V. T. Süd“ schrieb, erschienen zwischen 1875 und 1877 in sechs Bänden.

„Im Wandel unwandelbar“

Tschabuschniggs politische Karriere begann im Revolutionsjahr 1848 als Mitglied des Kärntner Landtags. 1861 wurde er von den Großgrundbesitzern Kärntens als Abgeordneter in den Reichsrat gewählt und 1870 wurde er Justizminister der Monarchie im Kabinett des Ministerpräsidenten Alfred Graf Potocki. Ab 1870 war er auch Mitglied des Herrenhauses im Parlament in Wien auf Lebenszeit.
Mit seiner Köchin Maria Stephaner hatte er eine Tochter, die den Königlich-Bayrischen Kommerzialrat Benedikt von Zabuesnig in Landshut heiratete.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg starb am 1. November 1877 in Wien. Er wurde auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt begraben. Auf dem Grabstein steht: „Im Wandel unwandelbar.“ Die Stadt Klagenfurt benannte eine Straße nach dem fast vergessenen Dichter und Staatsmann.

Werner Sabitzer

Quellen und weiterführende Literatur:
Hügel, Erika: Adolf I. Ritter von Tschabuschnigg: Nachlass und dichterisches Schaffen. Diss. Wien, 1950.
Kabusch, Josef:  Die Chronik von Sachsenburg, 1956.
Kucher, Primus Heinz (Hrsg.): Adolf Ritter von Tschabuschnigg (1809-1877), Wien, 2006.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg
Tod und Tödin

Wer ist so spät noch fleißig wach?
und schlägt und plätschert laut im Bach?
Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.

Die Nacht ist schön, voll Mondenschein,
heut mags nicht schwer zu sterben sein.
Die Tödin rührt sich ohne Ruh’n,
als gäb’s noch viel für sie zu tun.

Sie ist ein schönes blasses Weib,
nur fast zu zart der schlanke Leib;
das Aug‘ ist ernst und traurig schön!
hat viele brechend wohl geseh’n.

Doch nie hat’s, wie’s noch nie gelacht,
je eine Träne feucht gemacht.
Die ist so spät noch fleißig wach,
und schlägt und plätschert laut im Bach.

Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.
Da schaut der Tod aus seinem Haus
im Freithofgrün, und ruft heraus:

„Du frommes Weib, bist du bereit?
Nun hab‘ ich Ruh‘, ’s ist Schlafenszeit.“
Leis winkt sie, deckt die Linnen aus,
und schleicht dann still hinein ins Haus.

Der Tod greint sänftiglich sie an,
man sieht’s, er ist ein guter Mann,
Der Haushalt fördert Jahr für Jahr,
’sist gar ein emsig wackres Paar.

Er streckt die Toten in den Schrein,
sie hüllt sie blank in Linnen ein.
Er scharrt sie finster tief hinab,
doch sie pflanzt Blumen auf das Grab.

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Mai 2, 2009 - Posted by | Kärnten - Geschichte

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