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Das Blutwunder von Friesach

In der Heiligblutkirche in Friesach soll sich am Pfingstsonntag des Jahres 1238 ein Blutwunder ereignet haben.

Blutkirche in Friesach

Blutkirche in Friesach

In der mittelalterlichen Stadt Friesach gibt es nicht nur mehrere Burgen, sondern auch eine Reihe interessanter Kirchen – die Peterskirche auf dem Burgberg, die Reste der ehemaligen Kirche auf dem Virgilienberg, die Stadtpfarrkirche zum Heiligen Bartholomäus, die Deutschordenskirche auf dem Krankenhausgelände, die Dominikanerkirche (Kärntens längste Kirche), die neue evangelische Martin-Luther-Kirche und die Heiligblutkirche im „Sack“ genannten Stadtteil oberhalb des Hauptplatzes unter dem Rotturm.

Die Heiligblutkirche, auch Seminarkirche genannt, zählt zu den historisch interessantesten kirchlichen Bauten in Friesach. An der Stelle der heutigen Kirche befand sich eine 1194 geweihte Kapelle der Zisterziensermönche von Viktring; zwischen 1211 und 1215 gab es in der Kapelle einen Brand. 1217 ließen sich neben der Kapelle Dominikanerinnen nieder und errichteten eine Kirche und ein Klostergebäude.

Nach 1255 übersiedelten die Dominikaner in das neue Kloster außerhalb der Stadt; Kirche und Kloster wurden von den Zisterzienserinnen übernommen. Nach einem neuerlichen Stadtbrand im Jahr 1309 wurde die weitgehend zerstörte Kirche wieder aufgebaut. 1340 und 1582 gab es neuerlich schwere Brandschäden. Im Jahr 1608 wurde das Kloster vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau aufgehoben und im Klostergebäude ein Priesterseminar für acht Alumnen eingerichtet. Bereits 1627 wurde das Priesterseminar wieder aufgelassen und das Haus und die Kirche dem Kollegiatstift St. Bartholomäus übergeben; die Kirche wurde restauriert.

Der Verfall des Klosters begann bereits im 17. Jahrhunderts. Die Kirche und die Reste des Klosters fielen 1673 einem neuerlichen Stadtbrand zum Opfer. Daraufhin wurde das Seminargebäue abgetragen, aber die Kirche wurde 1684 wiederhergestellt – vor allem auch wegen des mit dem Gotteshaus verbundenen angeblichen Blutwunders, das sich am Pfingstsonntag des Jahres 1238 ereignet haben soll. Als der Dominikaner Wolbert bei einer Messfeier die Hostie brechen wollte, soll sie sich blutig gefärbt haben. Auch im Hostienkelch soll sich Blut befunden haben. Die Kirche wurde 1761 und zuletzt zwischen 1893 und 1896 restauriert. In der nördlichen Sakramentsnische der Kirche befindet sich das Heiligblutgefäß aus dem 14. Jahrhundert.

Auf einer alten Tafel in der Heiligenblutkirche wird das Blutwunder beschrieben, auf der Tafel ist allerdings (irrtümlich?) das Jahr 1230 angegeben:

„Es hat der göttlichen Allmacht gefallen, den christlichen, alleinseligmachenden katholischen Glauben Jesu Christi zu bestätigen und die wahrhafte Gegenwart der Gottheit und Menschheit, Leibes und der Seele, Fleisches und Blutes Christi unseres Erlösers in dem hochheiligsten Sakramente des Altares durch ein augenscheinliches Wunderwerk in diesem gegenwärtigen Gotteshaus unserer lieben Frau zu erweisen: Daß, als ein Pater Dominikaner an dem heiligen Pflingstsonntag um die dritte Stunde des Tages allda die hl. Messe las und nach dem Paternoster die hl. Hostie aufgehoben, um sie zu brechen, empfand er in derselben eine weiche Zartigkeit, wegen welcher er solche nicht konnte brechen. Schaute derohalben dieselbe mit weinenden Augen was stärker an und befund sie in seinen Händen ganz fleischig und blutfarben. So legte er sie mit Furcht und Zittern auf das Corporale neben den Kelch nieder und sah die andere gleich aufgelegte Hostie. Damit nun der Pater diese konnte angreifen, deckte er den Kelch ab, und wollte seine Finger, so von der wunderbarlich ins Fleisch verwandelten Hostie blutig waren, abwaschen. Und o großes Wunder! Darin ersahe er auch, das rosenfarbene Blut, welches in ihm noch größere Furcht und Entsetzung erweckte, also in großes Seufzen und Weinen ausbrach, auf das dann sein Mitbruder zugeloffen und das große Wunder gesehen. So nicht allein bei ihnen häufige Zäher (Zähren) sondern auch bei dem anwesenden Volk (deren bei 200 Menschen waren) eine große Furcht, Verwunderung und innerliche Bewegung verursacht hat. Es wurde auch berufen und kam darum der Pater Subprior, dem dieses Mirakel zweimal vorhero durch Erscheinung der hl. Bischöfe Nikolai und Udalrici ist offenbart worden; Welcher dann den beängstigten Priester befohlen, die weiße Hostie zu genießen samt dem Wein. Die noch in Fleisch verbliebene Hostie aber mit dem mirakulosen Blut, wie auch das von der Hostie blutig gemachte Corporale haben sie in einer herrlichen Procession, der Herr Propst am Virgilienberg, Herr Dechant zu Barthlmä sammt etlichen Canonicis des deutschen Ritterordens, Ritter, Brüder und Friesacher Bürgerschaft beigewohnt, hinauf in den Chor der Religiosen getragen. Welches wir aus alten Geschichten gezogen und geschehen am hl. Pfingstsonntag wie gemeldt im Jahr nach Christi Geburt 1230.“

 

Das Blutwunder in Stein im Drautal

Zur gleichen Zeit wie in Friesach soll sich bei einer Messe in Stein an der Drau ebenfalls ein Blutwunder ereignet haben. Demnach soll ein zweifelnder Priester am Jahrestag der heiligen Hildegard von Stein im Jahr 1238 bei einer Messe am Altar der Hildegard in der Pfarrkirche St. Laurenz zu Stein bemerkt haben, wie sich eine Hostie in Fleisch und der Wein in Blut verwandelt habe. Die wundersame Verwandlung sei von vierzehn Bischöfen für authentisch erklärt worden. Das Blutwunder von Stein hat wesentlich zum Kult um die heilige Hildegard von Stein beigetragen.

Agatha-Hildegardis von Stein ist neben Hemma von Gurk die bekannteste „Volksheilige“ Kärntens. Sie dürfte zwischen 980 und 990 gestorben sein. Ihr Mann Paulus stammte aus der Grafenfamilie Cilli und war Pfalzgraf in Kärnten mit Sitz auf der Burg Prosnitza auf einem Felsen am Drauufer gegenüber von Möchling. Von der Burg finden sich heute keine Spuren mehr. Der Legende nach soll der Bruder des Grafen seine Schwägerin Hildegard bedrängt haben, als sich der Graf längere Zeit auf einer Reise befunden haben soll. Hildegard habe die Annäherungsversuche zurückgewiesen. Daraufhin habe ihr Schwager mithilfe einer Magd dem zurückgekehrten Grafen eingeredet, seine Frau sei eine Ehebrecherin und habe sich während seiner Abwesenheit mit Liebhabern vergnügt. Daraufhin sei Graf Paulus in Rage geraten und habe seine Frau beschimpft, geschlagen, mit den Füßen getreten und sie schließlich aus einem Fenster der Burg den steilen Felsen hinuntergeworfen. Er habe auch die Kammerjungfrau Dorothea, die die Unschuld ihrer Herrin beteuert hätte, in den Abgrund geworfen. Hildegard und Dorothea seien aber durch Engel vor dem Tod gerettet worden. Die verleumderische Magd sei zu Stein erstarrt worden und der Graf habe sein Augenlicht verloren. Nach Bußreisen nach Rom, Compostela und in das heilige Land habe er wieder sehen können.

Werner Sabitzer

Quellen:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Grabmayer, Johannes: Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen Kärnten. Kulturstudien, Band 24. Böhlau-Verlag, Wien, Köln, Weimar, 1994.

Pagitz-Roscher Magda: Das Kloster der Cistercienserinnen im Sack zu Friesach, in: Carinthia I, 160. Jahrgang, 1970; S. 719-795.

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August 3, 2011 - Posted by | Kärnten - Geschichte

1 Kommentar »

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    Kommentar von keep bloging | September 25, 2012 | Antwort


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