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Österreichs erste „Hofrätin“

Vor 150 Jahren wurde Hertha Sprung geboren. Sie war die erste Frau in Österreich, die den Berufstitel „Hofrat“ verliehen bekam. Ihr Vater stammte aus St. Veit/Glan.

Henriette Hauser, „Hertha“ genannt, wurde am 4. Februar 1862 in Graz geboren. Ihre Mutter Anna, geb. Reichsfreiin von Risenfels, entstammte einer angesehenen Tiroler Adelsfamilie; ihr Vater Heinrich Hauser stammte aus St. Veit an der Glan in Kärnten, wo sein Vater Bürgermeister war. Heinrich Hauser wurde wegen besonderer Tapferkeit als Offizier 1850 mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet und in den Freiherrnstand erhoben. 1860 quittierte er den Militärdienst. Im Jahr 1875 zog die Familie von Klagenfurt nach Wien, wo Hertha die Mädchenschule des Frauenerwerbsvereins besuchte. Sie war sehr musikalisch, ließ sich im Gesang ausbilden und legte am Konservatorium in Wien die Staatsprüfung für Klavier mit Auszeichnung ab. Im Jahr 1890 heiratete sie den Rechtsanwalt und Volksbildner Dr. Franz von Sprung, der aus einer angesehen steirischen Familie stammte – sein Vater war Direktor der Mayr-Melnhofschen Eisenwerke in Donawitz sowie Landtags- und Reichsratsabgeordneter. Über ihren Mann lernte Hertha Marianne Hainisch kennen, die Mutter des ersten gewählten Bundespräsidenten Österreichs, Dr. Michael Hainisch.

Hertha Sprung und Marianne Hainisch waren im 1902 gegründeten Bund österreichischer Frauenvereine aktiv. Sprung war von 1919 bis 1932 Vorsitzende und später bis zu ihrem Tod Ehrenpräsidentin des Bundes. Der Bund setzte sich unter anderem dafür ein, Frauen berufliche Karrieren zu ermöglichen, die bis dahin Männern vorbehalten waren – wie zum Beispiel Führungsfunktionen im öffentlichen Dienst.

1919 adoptierten Hertha und ihr Mann den jüngsten Sohn ihres Bruders, der als Dreijähriger seine Mutter verloren hatte.

Eine Eingabe des Bundes österreichischer Frauenvereine und die Zustimmung eines Sektionschefs des damaligen Ministeriums für Kultus und Unterricht ermöglichte es Hertha Sprung, ab 1905 in diesem Ministerium zu arbeiten – als „außerordentliche Inspektionskommissärin“ für einen Anerkennungssold und Diäten. Sie erstellte Lehrpläne und arbeitete Schulformen für Mädchen und Frauen aus: 1906 entwickelte sie das Seminar zur Heranbildung von Koch- und Haushaltungsschullehrerinnen und die Koch- und Haushaltungsschule, 1908 die Frauengewerbeschulen, 1910 die Bildungsanstalt für Frauengewerbeschullehrerinnen, 1913 die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe, 1922 die gewerbliche Gartenbauschule. Außerdem ermöglichte sie Fortbildungskurse für Lehrerinnen der hauswirtschaftlichen und gewerblichen Fachrichtung. Auf Studienreisen nach Deutschland, Frankreich, in die Schweiz und in die USA lernte sie Bildungseinrichtungen für Frauen kennen.

Nachdem ihr Mann 1921 verstorben war, wurde Hertha Sprung im Handelsministerium in das Beamtenverhältnis übernommen, wo sie für Angelegenheiten der gewerblichen Unterrichtsverwaltung zuständig war. Im Jahr 1923 wurde sie Beamtin des höheren Verwaltungsdienstes und als erste Frau mit dem Titel „Regierungsrat“ ausgezeichnet. Anlässlich ihrer Pensionierung im Jahr 1925 wurde ihr der Berufstitel „Hofrat“ verliehen. Sie erhielt den Elisabeth-Orden II. Klasse und die Stadt Wien zeichnete sie mit dem Goldenen Ehrenzeichen aus. Hofrätin Hertha Sprung starb im 100. Lebensjahr am 8. Mai 1961 in Wien.

Werner Sabitzer

Quellen:

Geyling, Margarete: Hertha Sprung als Pionierin für die gewerbliche und hauswirtschaftliche Frauenbildung. In: Die Österreicherin, V. Jg., Nr. 2, 1932, S. 2)

Laube, Grete: Hofrat Hertha von Sprung: 4.2.1862 – 8.5.1961. – In: 60 Jahre Bund Österreichischer Frauenvereine. – Wien, o. J.

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September 25, 2012 - Posted by | Uncategorized

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