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Vor 500 Jahren: Rachemord in Villach

Vor 500 Jahren wurde der friaulische Adelige Antonio Savorgnan vor der Pfarrkirche in Villach erschlagen. Es handelte sich um einen Racheakt.

Als Graf Antonio Savorgnan am 27. März 1512 die Stadtpfarrkirche Villach verließ, warteten seine Feinde vor dem Tor. Als ein Schlag seinen Schädel spaltete, fiel der friaulische Adelige zum Boden. Dann soll laut einem zeitgenössischen Bericht ein großer Hund zum Sterbenden gekommen sein und begonnen haben, ausgetretene Gehirnteile zu fressen.
Die Mörder rächten sich mit dieser grausamen Tat für den Tod ihrer Verwandten im Jahr davor.
Im Jahr 1420 hatten venezianische Truppen Udine erobert; seitdem herrschte die Republik Venezien über Friaul. Die meisten adeligen Feudalherren hatten sich aber mit der neuen Macht arrangiert. Aber die Bevölkerung litt unter der Herrschaft, den hohen Steuern, der Wehrpflicht und anderen Auswüchsen des Feudalsystems. Klerus und Adel hatten Privilegien; adelige Familien stritten auch untereinander um Machtzuwachs. So war die friaulische Grafenfamilie Savorgnan mit einer Reihe anderer adeliger Grundbesitzer verfeindet. Die Savorgnans beuteten die Bauern auf ihrem Herrschaftsgebiet aus, umgekehrt sorgten sie aber auch für sie, wenn es beispielsweise eine Missernte gab.
Die Aufstände der unzufriedenen Bauern und Proletarier begannen im Jahr 1509. Bewaffnete Bauern nahmen die Burg Sterpo ein und zerstörten sie. Ein Hauptziel der Aufständischen war die Burg der reichen Adelsfamilie Colloredo. 1510 kam es zu Kämpfen zwischen friaulischen Adeliger, die von Venezien zurückkehrten, und aufständischen Bauern.

Der Faschingsdienstag-Aufstand

Im Jahr darauf eskalierte die Situation. Und der 1457 geborene Antonio Savorgnan wollte durch die Unruhen profitieren. Der charismatische Feudalherr, der sich mit den venezianischen Besatzern arrangiert hatte, inszenierte am Faschingsdienstag, den 27. Februar 1511 einen Angriff vermeintlicher „venezianischer“ Truppen auf Udine. Die Angreifer wurden von seinem Neffen kommandiert. Graf Savorgnan forderte die Bewohner auf, die Stadt zu verteidigen und den Besitz der mit den Savorgnans verfeindeten Familie della Torre zu plündern. Die Bewohner begannen darauf, auch andere Adelspaläste zu plündern, nur der Besitz von Savorgnan blieb verschont. Viele Mitglieder der adeligen Familien von Udine wurden von den Rebellen ermordet, die Leichen wurden geschändet. Dann zogen die Aufständischen die prunkvollen Kleider der Adeligen an und feierten in dieser Maskerade „Fasching“
Antonio Savorgnans hatte ein wesentliches Ziel erreicht – viele seiner adeligen Rivalen waren tot oder geflüchtet. Um zu verhindern, dass seine Aktion, die die blutigen Aufständen ausgelöst hatten, verraten wurde, ermordete er zwei seiner Kämpfer sowie einen dritten Zeugen und warf die Leichen in einen Brunnen.
Einige Tage später kam eine reguläre militärische Truppe nach Udine, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Inzwischen hatten aufständische Bauern eine Reihe von Burgen belagert und eingenommen. Die offiziellen Truppen besiegten nach und nach die Rebellen.
Die venezianische Regierung verurteilte die wesentlichen Führer der Aufständischen zum Tod. Antonio Savorgnan flüchtete in das Herzogtum Kärnten und versteckte sich in Villach. Die friaulischen Adeligen Spilimbergo und Colloredo spürten ihn in der Draustadt auf und erschlugen ihn vor der Kirche.

Werner Sabitzer

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Dezember 30, 2012 - Posted by | Uncategorized

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