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Khevenhüller auf der Straßburg

Marmorgrabplatte von Christoph Khevenhüller.

Marmorgrabplatte von Christoph Khevenhüller.

Khevenhüllertor auf der Burg Hochosterwitz: 1582 errichtet; mit dem Khevenhüllerwappen und einem Relief des Erbauers der Burg, Georg II. von Khevenhüller.

Khevenhüllertor auf der Burg Hochosterwitz: 1582 errichtet; mit dem Khevenhüllerwappen und einem Relief des Erbauers der Burg, Georg II. von Khevenhüller.

Augustin Khevenhüller war Verwalter auf Schloss Straßburg im Gurktal. Mit seinem in Straßburg geborenen Sohn Christoph begann vor 500 Jahren der Aufstieg der Familie Khevenhüller zu einer der führenden Adelsfamilien in Kärnten.

Die eindrucksvolle Burg Hochosterwitz mit 14 Torbauten in der Gemeinde St. Georgen am Längsee ist das Wahrzeichen Kärntens. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts befand sich die Burg im Besitz des Erzbistums Salzburg; danach fiel sie an den Kärntner Landesfürsten. Lehensnehmer der Burgherrschaft über mehrere Jahrhunderte waren die Schenken von Osterwitz. Georg Schenk von Osterwitz führte 1475 in der Schlacht gegen die Türken bei Rann eine Truppe von Rittern aus Kärnten, der Steiermark und Krain an, wurde gefangen genommen und nach Konstantinopel gebracht, wo er starb – bevor das Lösegeld aufgebracht werden konnte. Sein gleichnamiger Sohn starb am 30. Mai 1478, mit ihm erlosch das Geschlecht der Schenken von Osterwitz. Im November 1541 wurde die Burg vom Landesfürsten an Christoph Khevenhüller zu Aichelberg verpfändet – als Dank für die Unterstützung Khevenhüllers im Kampf gegen die Türken. Seitdem befindet sich die Burg im Besitz der später in den Fürstenstand erhobenen Familie Khevenhüller.

Mit dem im Gurktal geborenen Christoph Khevenhüller zu Aichelberg begann vor 500 Jahren der Aufstieg des Geschlechtes der Khevenhüller zu einer der mächtigsten Adelsfamilien in Kärnten. Schon seine Vorfahren hatten als Handelsherren und Bürger in Villach nach und nach den Besitz in Kärnten vermehrt, Verdienste für das Land Kärnten erworben und in Adelsfamilien eingeheiratet. Der Villacher Bürger Hans Khevenhüller erhielt 1427 vom Landesfürsten die Burg Aichelberg bei Wernberg als Pfand und 1431 als erbliches Lehen. Er führte daraufhin den Namenszusatz „zu Aichelberg“.

Christophs Großvater Hans Khevenhüller zu Aichelberg diente Kaiser Friedrich III. und stand ihm bei, als er in der Burg Wiener Neustadt von aufständischen Bürgern belagert wurde. Hans erlitt bei diesen Auseinandersetzungen schwere Verletzungen. 1452 wurde er von Friedrich III. zum Ritter geschlagen. Hans Khevenhüller zu Aichelberg starb 1480. Mit seiner Frau Christine von Zillnhart hatte er drei Kinder: Ludwig, Augustin und Florentia, die Nonne wurde. Ludwig starb unverheiratet.

Der zweite Sohn Augustin Khevenhüller zu Aichelberg, geboren um 1460 auf Burg Landskron, war Reichshofrat und Kämmerer des Kaisers Maximilian I. Er heiratete Siguna von Weißpriach, die ihr reiches Erbe in die Ehe einbrachte. Das Familienwappen der Weißpriach wurde mit jenem der Khevenhüller vereinigt. Unter Kardinal Raimund Peraudi, dem ersten Ausländer unter den Gurker Bischöfen, war Augustin Khevenhüller Anwalt des Bischofs und hatte einen Wohnsitz auf Schloss Straßburg. Er vertrat den Kardinal bei Streitigkeiten mit dem mächtigen Gurker Dompropst Wilhelm Welzer von Eberstein. Als Kardinal Peraudi 1501 Matthäus Lang von Wellenburg zu seinem Koadjutor ernannte und ihm auch das Recht der Nachfolge einräumte, bestimmte Lang unter anderem Augustin Khevenhüller als seinen bevollmächtigten Prokurator und Anwalt für die Übernahme des neuen Amtes. Matthäus Lang wurde 1505 Bischof von Gurk und 1519 zum Erzbischof von Salzburg ernannt. Er war auch Diplomat am Kaiserhof. Augustin Khevenhüller führte einige Jahre lang mit anderen Räten die weltlichen Regierungsgeschäfte des Bischofs und war auch Verwalter der Gurker Herrschaft Waisenberg im Trixental. Ab 1510 gehörte er als Vertreter Kärntens dem Wiener Regiment an. Augustin besaß neben der Stammburg Aichelberg bei Wernberg und dem Stadthaus in Villach weitere Realitäten. Seine Frau Siguna von Weißpriach brachte die Herrschaft Hardegg bei Zweikirchen in die Ehe ein. Diesen Besitz veräußerte Augustin 1509 an die reiche Villacher Handelsfamilie Leininger (zu Hardegg).

Um den Venezianerkrieg zu finanzieren, berief Kaiser Maximilian im Februar 1519 Delegationen aus den Erbländern nach Salzburg. Der Kärntner Vertretung gehörte Augustin Khevenhüller an.

Augustin Khevenhüller zu Aichelberg hatte mehrere Söhne, darunter Christoph und Siegmund. Christoph wurde der Stammvater der Frankenburger Linie und Siegmund der Stammvater der Hochosterwitzer Linie.

Relief des Christoph Khevenhüller und seiner beider Ehefrauen in der Hauptstadtpfarrkirche Villach (Renaissance-Epitaph).

Relief des Christoph Khevenhüller und seiner beider Ehefrauen in der Hauptstadtpfarrkirche Villach (Renaissance-Epitaph).

Christoph Khevenhüller zu Aichelberg

Augustins Sohn Christoph wurde am 24. Dezember 1503 auf Schloss Straßburg geboren und verbrachte hier seine Kindheitsjahre. Er studierte in Wien und Padua und machte seine Kavalierstour durch Italien, Frankreich, die Niederlande und Deutschland. 1533 heiratete er auf Schloss Straßburg die erst 14-jährige Elisabeth Mannsdorfer, die aus einer sehr vermögenden Oberkärntner Familie stammte. Ihr Vater Hans Mannsdorfer war Vizedom der Grafschaft Ortenburg, danach „Urbarer“ des Landesfürsten in Oberkärnten und schließlich Finanzverwalter des Landes Kärnten. Nach seinem Tod 1535 trat Elisabeth das reiche Erbe an. 1537 ließen Christoph und Elisabeth auf dem ererbten Grundstück in Spittal an der Drau gegenüber dem gerade entstehenden Schloss Porcia einen Wohnsitz erbauen. Das stattliche Anwesen bestand neben der Residenz aus Nebengebäuden, einem Ziergarten und einem „Baumgarten“. Der verbliebene Teil des Haupthauses dient seit 1936 als Rathaus der Stadtgemeinde Spittal an der Drau. In Villach kaufte Christoph zwei weitere Häuser. Eines befand sich am Hauptplatz beim oberen Tor und ging nach der Erbteilung an Christophs Bruder Siegmund. Dessen Sohn Georg, der auch die Burg Hochosterwitz ausbaute, ließ das Haus um 1570 zu einem prächtigen Stadtpalais umgestalten. Es war ab der Mitte des 17. Jahrhunderts Sitz der Familie Canal, ab 1889 Rathaus und wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört.

Christoph Khevenhüller war auch erfolgreicher Unternehmer: Mit anderen Unternehmern betrieb er ab 1538 mit Bewilligung des Salzburger Erzbischofs Matthias Lang von Wellenburg ab 1538 ein Eisenbergwerk in der Krems bei Gmünd. Das Konsortium errichtete in Kremsbrücke den ersten Floßofen in Österreich. Ab 1541 war Christoph Inhaber einer Seifensiederei in Spittal an der Drau, der einzigen in Oberkärnten. Er verpachtete den Betrieb.

Christoph Khevenhüller war ein enger Gefolgsmann des gleichaltrigen Erzherzogs Ferdinand, eines Bruders des Kaisers Karl V. Erzherzog Ferdinand war ab 1521 Erzherzog von Österreich und erhielt durch die Reichsteilung die habsburgischen Erblande, darunter Innerösterreich mit Kärnten. 1526 wurde Ferdinand König von Böhmen und 1527 König von Kroatien und Ungarn. Im Jänner 1531 wurde er in Köln zum römisch-deutschen König gewählt und 1558 folgte er seinem Bruder Karl V. nach dessen Amtsverzicht als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nach.

Erzherzog Ferdinand bestellte Christoph Khevenhüller 1525 zum Verwalter (Vizedom) der bedeutenden Grafschaft Ortenburg. Christoph Khevenhüller war an der Niederschlagung des Bauernaufstands 1525 beteiligt und er erwarb sich Verdienste bei Kämpfen gegen die Osmanen in Ungarn.

Sein Reichtum ermöglichte es ihm, seinem Landesfürsten Ferdinand Kredite zu gewähren, sodass er in dessen Gunst stieg. 1537 wurde er Rat in der Hofkammer und 1546 Hofkammerpräsident. Er war Abgesandter auf den Reichstagen und bei Kaiser Karl V. Er war auch Generalkriegskommissär und 1540 wurde er Landeshauptmann von Kärnten. Da er weiterhin in der Hofkammer diente und auch mit diplomatischen Missionen beauftragt wurde, führte sein späterer Schwiegervater Moritz Welzer auf Frauenstein als Landesverweser die Geschäfte in Kärnten.

Mit Pfandbrief vom 22. November 1541 erhielt Christoph, wie erwähnt, vom Landesfürsten die Burgherrschaft Hochosterwitz und das Amt Kraig als Pfand. König Ferdinand behielt sich das Rückkaufrecht vor, verzichtete aber später mit Zusatzvertrag darauf. Hochosterwitz und Kraig waren 1509 von Ferdinands Vater, Kaiser Maximilian I., an Bischof Matthäus Lang von Wellenburg verpfändet worden.

Am 8. Juli 1542 erhielt Christoph Khevenhüller vom St.-Georgs-Ritterorden die durch einen Brand schwer beschädigte Burg Landskron. Er nannte sich daraufhin „Khevenhüller Freiherr zu Aichelberg und Landskron“ und begann, die Burg Landskron instandzusetzen. Durch Zukäufe wurde Landskron eine große Grundherrschaft. Christoph Khevenhüller vergrößerte seinen Besitz mit den Ämtern Reichenau und Lieserhofen, dem Hof Fresach und weiteren Grundstücken in Oberkärnten. 1551 erwarb er das Amt und Gericht Himmelberg sowie das Amt Sommeregg. Später kamen die Ämter Sternberg und Hohenwart hinzu. Ein Privileg Ferdinands I. aus dem Jahr 1555 berechtigte Christoph, sich „von Aichelberg auf Landskron und Sommeregg“ zu nennen.

In Villach kaufte er 1548 ein stattliches Gebäude am Hauptplatz und 1553 ein angrenzendes Haus. Hier quartierte sich im Mai und Juni 1552 Kaiser Karl V. ein, der sich beim Fürstenaufstand vor seinem Widersacher Moritz von Sachsen auf der Flucht aus Innsbruck befand. Khevenhüller war in Innsbruck gewesen und hatte Karl V. die Zuflucht offeriert. Heute dient das Haus als „Hotel Post“. Der Fürstenaustand wurde mit dem Kompromissfrieden von Passau 1552 beendet.

Christophs Frau Elisabeth starb 1541 in Wiener Neustadt an den Folgen einer schweren Geburt. Vier Jahre später heiratete Christoph Khevenhüller Anna Maria Welzer auf Frauenstein.

Nach dem Tod des Gurker Bischofs Johannes VI. von Schönburg am 9. Jänner 1555 betraute König Ferdinand I. nicht wie üblich den Gurker Dompropst mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Einsetzung des neuen Bischofs, sondern Christoph Khevenhüller und den Vizedom in Kärnten, Georg Paradeiser. Nach einem Protest des Dompropstes wurden die Geschäfte aber diesem übertragen. Christoph Khevenhüller war zu dieser Zeit schon an Gicht erkrankt und hatte deshalb 1555 um seine Entlassung aus seinen öffentlichen Ämtern gebeten. Er starb am 3. April 1557 auf Schloss Landskron und wurde in der Stadtpfarrkirche Villach beigesetzt. In der Khevenhüllerkapelle der Stadtpfarrkirche befindet sich ein Renaissance-Epitaph mit einem Relief, das ihn und seine beiden Ehefrauen darstellt.

Christoph hatte acht Kinder: Aus der ersten Ehe stammten die Söhne Hans und Barthlmä sowie die Töchter Emerentiana, Ursula und Anna. Emerentiana starb als Kind, Ursula heiratete Mauritz Freiherrn von Dietrichstein und Anna wurde die Ehefrau von Achatz Freiherr von Paradeiser. Mit seiner zweiten Frau Anna hatte Christoph den Sohn Moritz und die beiden Töchter Genoveva und Maria. Genoveva heiratete Johann Adam Freiherr von Jörger; Maria ehelichte Bartholomä von Egkh und nach dessen Tod Friedrich Freiherr von Paradeiser.

 

Totenschild Christoph Khevenhüllers (Stadtmuseum Villach).

Totenschild Christoph Khevenhüllers (Stadtmuseum Villach).

Hans Graf Khevenhüller von Frankenburg

Nach dem Tod von Christoph Khevenhüller spaltete sich die Adelsfamilie in zwei Linien: Sein ältester Sohn Hans begründete die Frankenburger Linie. Er wurde am 16. April 1538 in Spittal an der Drau geboren und studierte ab 1549 mit seinem Bruder Barthlmä acht Jahre lang in Padua. 1558 trat er in den Dienst des Erzherzogs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian II., dessen Truchsess er im Jahr darauf wurde. 1563 erhielt Hans Khevenhüller die Kämmerer-Würde. Er unternahm mehrere diplomatische Missionen und wurde 1570 Hofmeister und oberster Kämmerer bei den Erzherzögen Matthias und Maximilian, den Söhnen Maximilians II. 1571 reiste er zum vierten Mal als Sondergesandter nach Spanien; 1572 wurde er kaiserlicher Gesandter und ständiger Botschafter am spanischen Hof. 1581 erhielt er anstelle eines Gehalts die Herrschaft Frankenburg mit Kammer und Kogl am Attersee als erbliches Lehen. Die Herrschaft Frankenburg wurde am 19. Juli 1593 zur Grafschaft erhoben. Hans Khevenhüller zu Aichelberg wurde damit zum Reichsgrafen Khevenhüller zu Frankenburg. 1587 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ.

Der kunstsinnige Diplomat starb am 4. Mai 1606 in Madrid, wo er bis zu seinem Tod Botschafter war. Er blieb unverheiratet und war kinderlos. Die Grafschaft Frankenburg und der Grafentitel gingen nach seinem Tod an seinen um ein Jahr jüngeren Bruder Barthlmä über. Die Grafschaft Frankenburg blieb bis ins frühe 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Khevenhüller.

Moritz Khevenhüller zu Aichelberg

Christophs jüngster Sohn Moritz Christoph, geboren am 24. November 1549 in Villach, spielte eine weniger bedeutende Rolle. Er erhielt 1570 bei der Erbteilung die Herrschaft Sommeregg. Er heiratete 1576 in Graz Sybilla von Montfort. 1587 übernahm er die Herrschaft Paternion pfandweise und 1592 erwarb er sie endgültig. Das benachbarte Amt Töplitsch brachte er in die Herrschaft Paternion ein. Als Moritz Christoph Khevenhüller am 7. August 1596 in St. Johann im Pongau starb, hinterließ er seinem Sohn Augustin Schulden. Dieser verkaufte die Herrschaft Paternion 1599 seinem Onkel Barthlmä.

Barthlmä Reichsgraf Khevenhüller

Barthlmä Khevenhüller, geboren am 22. August 1539 Villach studierte mit seinem Bruder Hans in Padua und unternahm eine längere Kavalierstour nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Italien und schließlich in das Heilige Land. Im März 1562 kehrte er nach Kärnten zurück. Wie sein Bruder Hans diente er später am Hof und nahm an den Krönungsfeiern Maximilians II. in Prag und Frankfurt teil. Ab 1563 versah er Dienst bei Erzherzog Karl und 1564 kämpfte er als Rittmeister unter Wilhelm von Grasswein gegen türkische und siebenbürgische Truppen; 1565 gelang dem Regiment die Eroberung von Tokaj.

1566 wurde er Mundschenk und Kämmerer des Erzherzogs und er beteiligte sich am Feldzug Maximilians II. gegen die Türken. 1571 begleitete er Erzherzog Karl nach Gastein zum Empfang von dessen Braut Maria von Bayern. Außerdem begleitete er Kaiserin Maria und Erzherzogin Margarete auf ihren Reisen durch Kärnten. Es folgten diplomatische Missionen und weitere Feldzüge. Barthlmä Khevenhüller, seit 1593 Freiherr auf Landskron und Wernberg, war von 1581 bis 1607 ständiger Burggraf in Klagenfurt. Er ließ zwischen 1590 und 1603 Schloss Velden als Alterssitz errichten.

1605 wurde Barthlmä in den Reichsgrafenstand erhoben.1606 wurde er Sprecher der Landstände. Er baute ein Wirtschaftsimperium auf und führte moderne Methoden im Bergbau ein.

Barthlmä Graf Khevenhüller lebte auf Schloss Landskron und war dreimal verheiratet. 1570 verehelichte er sich mit Anna, geb. von Schernberg-Goldegg, 1582 heiratete er Blanka Ludmilla, geb. Gräfin von Thurn und Valsassina und 1596 Regina, geb. von Thannhausen. Insgesamt hatte er 18 Kinder, aber nur vier Töchter und drei Söhne überlebten ihn.

Als Barthlmä am 16. August 1613 in Spittal starb, war sein Sohn und Haupterbe Hans aus seiner dritten Ehe noch nicht volljährig. Deshalb führte die Witwe Regina die Geschäfte vorerst weiter. Hans heiratete Maria Elisabeth von Dietrichstein.

Schicksalsjahr 1629

Wie ein Großteil des Kärntner Adels waren auch die meisten Angehörigen der Familie Khevenhüller Protestanten geworden. Barthlmä galt als Oberhaupt der Protestanten in Kärnten. Angesichts der Türkengefahr wurde dem Kärntner Adel 1578 die Religionsfreiheit zugesichert. Mächtige protestantische Adelige halfen zudem dem Landesfürsten mit Darlehen aus. 1598 wurde Barthlmä Khevenhüller mit seinem Cousin Franz nach Graz zitiert, weil sie sich geweigert hatten, in Kraig einen katholischen Pfarrer einzusetzen.

Während der Gegenreformation erließ Ferdinand II. 1628 ein folgenschweres Generalmandat. Es sah vor, dass alle Adeligen, die sich weigerten, katholisch zu werden, das Land verlassen mussten.

Barthlmäs Sohn und Erbe Hans Graf Khevenhüller weigerte sich, zum Katholizisimus zu konvertieren und musste 1629 Kärnten verlassen. Seine Herrschaft Paternion erwarb Hans Widmann, ein Kaufmann aus Villach, der als Händler in Venedig reich geworden war. Das Schloss Paternion und großer Grundbesitz im Raum Paternion befinden sich noch heute im Besitz der (Grafen-)Familie Foscari-Widmann-Rezzonico. Das von Christoph erworbene zweite Haus in Villach, das heutige „Hotel Post“, ging nach der Auswanderung Paul Khevenhüllers ebenfalls an Hans Widmann. Von Paul Khevenhüller erwarb Widmann 1628 die Herrschaft Sommeregg. Das Villacher Stammhaus und die Herrschaft Landskron wurden von der Familie Dietrichstein übernommen. Die von Barthlmä Khevenhüller 1591 erworbene Burg Mannsberg wurde 1627 an das Domkapitel Gurk veräußert. Die Stammburg Aichelberg ging in den Besitz von Hans Siegmund Graf von Wagensberg über. Den in Kärnten verbliebenen Khevenhüllers blieben nur mehr Hochosterwitz, Schloss Annabichl und ein Stadthaus in Klagenfurt.

Die Hochosterwitzer Linie

 Christophs Bruder Siegmund, geboren am 2. Mai 1507 auf der Burg Hardegg bei Zweikirchen, war ab 1543 landesfürstlicher Vizedom in Kärnten. 1529 war er unter den Kärntner Adeligen, die bei der Verteidigung der Stadt Wien gegen die türkischen Belagerer unterstützen. 1530 folgte er seinem Bruder Christoph als Hauptmann von Ortenburg nach und heiratete im gleichen Jahr Katharina von Gleinitz. Er war auch Pfleger der Landgerichte Pittersberg und Goldenstein. 1542 erbte er die Stammburg Aichelberg und ließ sie instand setzen. Siegmund erhielt auch eines der Häuser in Villach. Er besaß weiters einen Hof bei St. Martin in Villach, den er 1546 zum Schloss Mörtenegg ausbauen ließ. Ab 1550 hatte er die Herrschaft Karlsberg als Pfand inne.

Das Pfandrecht auf die Burgherrschaft Hochosterwitz ging nach Christoph Khevenhüllers Tod 1557 an seinen ältesten Sohn Hans über. Da sich dieser aber als Diplomat meist in Spanien aufhielt, trat er das Pfandrecht an seinen Cousin Georg II. Khevenhüller ab, den Sohn von Siegmund.

Georg, geboren am 5. März 1534, war einer der bedeutendsten Vertreter der Familie Khevenhüller. Schon als 23-Jähriger wurde er Landesverweser, davor war er Landesvizedom, und von 1565 bis zu seinem Tod am 9. September 1587 in Klagenfurt war er Landeshauptmann von Kärnten. Er machte auch Karriere am Hof des Erzherzogs Karl von Innerösterreich in Graz und wurde 1568 Geheimer Rat. Außerdem war er Präsident der Hofkammer, die für die Finanzen Innerösterreichs zuständig war. Er kaufte von Erzherzog Karl am 18. März 1571 die Burg Hochosterwitz, die er, wie erwähnt, schon als Pfand inne gehabt hatte. Er ließ die Burg von 1570/71 bis 1583 zur heutigen Gestalt um- und ausbauen. 1565 erhielt Georg von Erzherzog Karl II. die Ehrenfunktion des erblichen Oberststallmeisters von Kärnten verliehen – gemeinsam mit seinen drei Cousins Hans, Bartholomäus und Moritz. Solche Hofämter wurden grundsätzlich an alte, verdiente Adelsfamilien vergeben. Kaiser Maximilian II. erhob 1566 Georg und seine drei Cousins in den erblichen Reichsfreiherrenstand mit dem Namenszusatz „auf Landskron und Wernberg“. Die Adelserhebung erfolgte „in Anbetracht der getreuen Dienste, welche die Khevenhüller als ehrliche Ritterliche vom Adel von uralten Zeiten an seinen Vorfahren bewiesen haben“, wie es in der Begründung hieß. Georg war auch Hauptmann der Grafschaft Pisino. Er übernahm das Schloss Mörtenegg in St. Martin bei Villach, das Amt Kraig, Schoss Freyenthurn, die Weidenburg bei Mauthen im Gailtal und das Venezianerhaus am Hauptplatz in Villach. 1586 kaufte er die Herrschaft Karlsberg, die er als Pfand erhalten hatte. 1573 erwarb er die Burg Dürnstein an der kärntnerisch-steirischen Grenze, 1574 die Grafschaft Mitterburg/Pazin in Istrien, 1576 die Herrschaft Obertrixen, 1577 das Gericht zu Annabichl, 1578 Schloss Weißenfels bei Tarvis, 1580 die Herrschaft und Stadt Gmünd, 1581 die Herrschaft Mahrenberg in der Untersteiermark und 1587, kurz vor seinem Tod, die Herrschaft Neudenstein. Am Neuen Platz in Klagenfurt ließ er 1568 als Landeshauptmann seine Residenz errichten. Dazu kamen Mautrechte und andere Privilegien. Schloss Freudenberg verkaufte Georg an seinen Schwager Mechisedech Seenuß und die Herrschaft Himmelberg-Piberstein übergab er seinem Cousin Hans, der dafür auf seinen Anteil an Wernberg verzichtete. Georg wurde Obersthofmeister bei Erzherzog Karl und erwarb sich auch Verdienste bei Kämpfen in Kroatien gegen osmanische Truppen. 1572 wurden ihm die Güter der Propstei Maria Wörth verpfändet.

Für seine zweite Frau Anna ließ er das kleine Schloss Annabichl in Klagenfurt errichten. Auch Georg war Protestant. Auf seiner Burg Hochosterwitz wirkte der Prädikant Michael Gothard Christalnick. Der katholische Erzherzog Karl II. stand seinem protestantischen Obersthofmeister Georg tolerant gegenüber. 1580 quittierte Georg Khevenhüller seine Ämter in der innerösterreichischen Regierung in Graz und blieb in Kärnten.

Schwindel bei der Ahnengalerie

Als Hans Khevenhüller, der spätere Reichsgraf von Frankenburg, von Maximilian II. die Kämmerer-Würde erhalten sollte, wurde er 1562 von Neidern angeschwärzt, er könne die Position nicht bekleiden, weil die Khevenhüller noch nicht lange dem Adel angehörten. Voraussetzung für diese hohe Auszeichnung war neben außerordentlichen Verdiensten der Nachweis von je acht väterlichen und mütterlichen adeligen Ahnen. Hans Khevenhüller reiste daraufhin zu seinem Cousin Georg, der damals noch Landesverweser in Kärnten war. Georg Khevenhüller erstellte einen Stammbaum der Familie mit einer schriftlichen Erklärung, aus der hervorging, dass die Familie Khevenhüller schon seit 300 Jahre lang adelig sei und Angehörige der Familie seit 200 Jahren viele Ehrenämter für die Habsburger innegehabt hätten. In seinem 1568 fertiggestellten Stammbaum, in einem zweiten Stammbaum von 1571 und in seiner 1583/84 verfassten Abhandlung „Der Herren Khevenhüller Lebens-Beschreibung“ setzte Georg Khevenhüller den Beginn der Geschichte seiner Familie in Kärnten im 12. Jahrhunderts an – mit dem „Stammvater Siegmund“. Dass Georg keine Dokumente bzw. andere Quellen nennen konnte, erklärte er damit, dass die Unterlagen beim schweren Erdbeben von 1348 im Raum Villach und beim Villacher Stadtbrand 1524 vernichtet worden seien. Georg stellte fälschlicherweise auch eine Verwandtschaft zum mächtigen Adelsgeschlecht der Aufensteiner her und bezeichnete dieses als Vorbesitzer der Hochosterwitz und Verteidiger der Burg gegen die Truppen der Gräfin Margarete Maultasch. „Stammvater Siegmund“ soll laut Georgs „Ahnenforschung“ mit einer Aufensteinerin verheiratet gewesen sein.

Allerdings kamen die Aufensteiner erst eineinhalb Jahrhunderte später von Tirol nach Kärnten und waren nie auf der Burg Hochosterwitz. Dort saßen, wie erwähnt, bis 1478 die Schenken von Osterwitz. Die Khevenhüller stammen vermutlich aus Khevenhüll in der Oberpfalz und dürften erst im späten 14. Jahrhundert nach Kärnten gekommen sein – als Dienstleute des Bischofs von Bamberg. Das Bistum Bamberg hatte in Kärnten großen Grundbesitz: Villach und das Kanaltal, Feldkirchen, Griffen und das obere Lavanttal.

Dennoch billigte Erzherzog Karl von Innerösterreich Georg Khevenhüller mit dem Kauf der Hochosterwitz zu, das Uhu-Wappen der Aufensteiner zu führen und Hans Khevenhüller erhielt 1563 von Maximilian II. die Kämmerer-Würde.

Hochosterwitz Georg Khevenhüller Tafel 1576

Die katholischen Khevenhüller auf Hochosterwitz

Georg Khevenhüllers Sohn und Erbe Franz II. (1562–1607) übernahm die Burg Hochosterwitz. Sein Vater hatte bestimmt, dass die Burg niemals veräußert werden dürfe. Franz II. hatte drei Söhne: Barthelmä (1594–1649), Siegmund (1597–1656) und Franz III. (1598–1636). Letzterer erbte 1619 die Burg Hochosterwitz und deklarierte sich 1628 als Katholik. Er starb kinderlos. Ehrenreich Khevenhüller (1640–1675), ein Sohn des als Protestant ins Exil gegangenen Siegmund, konvertierte 1666 zum Katholizismus und konnte so den Hochosterwitzer Besitz fortführen. Er wurde am 27. Juni 1673 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Sein Enkel Johann Joseph (1706–1776) Johann Joseph war Diplomat und hatte höchste Hofämter inne. Er war Obersthofmeister in Österreich unter der Enns, Oberstkämmerer und Obersthofmarschall. Zudem war er Mitglied des elitären Ordens zum goldenen Vließ. 1728 heiratete er Karolina, geb. Gräfin von Metsch, Tochter und Erbin des letzten Reichsgrafen von Metsch. 1751 wurde Johann Joseph gestattet, auch den Familiennamen seines Schwiegervaters zu führen. Den Namen Khevenhüller-Metsch führen auch seine Nachkommen.

Oberhaupt der Hochosterwitzer Linie der Khevenhüller ist seit dem Tod seines Vaters Maximilian im Jahr 2010 Johannes (X. Reichsfürst von) Khevenhüller-Metsch, geboren 1956. Da er aber mit seiner Familie in Rom lebt, überließ er die Burg Hochosterwitz und den dazugehörigen Grundbesitz seinem drei Jahre jüngeren Bruder Karl (Graf) Khevenhüller-Metsch.

In Klagenfurt, Villach, Pörtschach am Wörther See und Spittal an der Drau erinnern Straßenbezeichnungen an herausragende Vertreter der einst mächtigen Adelsfamilie Khevenhüller.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Aelschker, Eduard: Geschichte Kärntens I und II. Verlag Johann Leon, Klagenfurt, 1885.

Clam-Martinic, Georg: Österreichisches Burgenlexikon. Burgen und Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais. 2. Auflage. Landesverlag, Linz, 1992.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien, 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt, 1994.

Ginhart, Karl: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten. Filser, Wien 1927.

Grueber, Paul: Die Burg Hochosterwitz. Verlag Kollitsch, Klagenfurt, 1925.

Khevenhüller-Metsch, Georg: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten und ihre Geschichte. Selbstverlag. Hochosterwitz, 1953.

Khevenhüller-Metsch, Georg; Ginhart, Karl: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten. Selbstverlag, Klagenfurt, 1939.

Khevenhüller-Metsch, Rudolf; Schlitter, Hanns (Hg.): Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch, Kaiserlichen Obersthofmeisters 1742 – 1776. Verlag Adolf Holzhausen, Wien, 1907.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Leitner, Friedrich W.: Anmerkungen zu den Inschriftenträgern im Bezirk St. Veit an der Glan – die Inschriften an Gebäuden, kirchlicher Ausstattung und Geräten, Rechtsdenkmälern – Flurdenkmälern. In: Rudolfinum, 2004, S. 295-315.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Sabitzer, Werner: Adelige in Kärnten (unveröff. Manuskript).

Sabitzer, Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten, Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

Webernig, Evelyne: Der Landeshauptmann von Kärnten. Ein historisch-politischer Überblick. Klagenfurt, 1983.

Webernig, Evelyne: Landeshauptmann und Vizedomamt in Kärnten bis zum Beginn der Neuzeit. Ein historisch-politischer Überblick. Klagenfurt, 1987.

Wiessner, Hermann; Seebach, Gerhard: Burgen und Schlösser in Kärnten: Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt (Kärnten II). Wien, 1965.

Wißgrill, Franz Karl; Odelga, Karl von (Fortsetzung): Schauplatz des landsässigen Nieder-Österreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande von dem XI. Jahrhundert an, bis auf jetzige Zeiten. Fünfter Band. Druckerei Christian Fridrich Wappler, Wien, 1804.

Wurzbach, Constantin von: Khevenhüller, Johann (VII.) Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 11. Verlag L. C. Zamarski, Wien, 1864.

Schloss Straßburg

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Teil 19 einer 24-teiligen Serie über Adel im Gurktal in der Quartalszeitschrift „Weitensfelder Kulturbote“.

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Mai 31, 2015 - Posted by | Uncategorized

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