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Schatzkammer Gurk: Kunstschätze im Propsthof

In der neuen „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof neben dem Gurker Dom sind 275 sakrale Kunstgegenstände aus dem früheren Diözesanmuseum Klagenfurt ausgestellt.

 

Propsthof Gurk

Propsthof Gurk

Gurker Fastentuch

Pieta

Pieta

Monstranzen und Kelche

Monstranzen und Kelche

Magdalenenscheibe von Weitensfeld: Älteste Glasmalerei Österreichs

Magdalenenscheibe von Weitensfeld: Älteste Glasmalerei Österreichs

Die Magdalenenscheibe aus Weitensfeld, um 1170 entstanden, ist das älteste Glasgemälde Österreichs. Das 58 Zentimeter hohe Kunstwerk stellt Maria Magdalena dar – mit Salbgefäß und einem vergoldeten Weihrauchgefäß, wie es zur Zeit der Entstehung der Scheibe verwendet wurde. Fast wäre die wertvolle Glasmalerei für immer verloren gewesen. Am 12. Jänner 1931 zeigte der Weitensfelder Pfarrer an, dass die Magdalenenscheibe aus der Filialkirche St. Magdalen fehlte. Zunächst verdächtigten die Ermittler den Pfarrer, die Scheibe verkauft zu haben, aber bald wurden die tatsächlichen Täter verhaftet. Das Kunstwerk war im Dezember 1930 gestohlen und nach Berlin gebracht worden, wo die Scheibe sichergestellt wurde. Der Dieb und der Auftraggeber wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Magdalenenscheibe wurde restauriert und kam in das Diözesanmuseum nach Klagenfurt. Im Kirchlein St. Magdalen befindet sich ein Duplikat. Heuer übersiedelte die Magdalenenscheibe wieder in das Gurktal.

Das romanische Glasgemälde ist eines der wertvollsten Exponate in der neuen „Schatzkammer Gurk“, in der sich nun die Schätze des 2012 geschlossenen Diözesanmuseums Klagenfurt befinden. Anlass für die Gründung des Diözesanmuseums im Jahr 1917 war die Bedrohung von kirchlichen Kunstwerken und sakralen Gegenständen durch Verfall, Verkauf und Diebstahl. Aus Dachböden, Sakristeien und entlegenen Kirchen wurden Kunstgegenstände geborgen und restauriert. Ab 1937 war das Museum in der bischöflichen Residenz in Klagenfurt öffentlich zugänglich. 1974 übersiedelte das Museum in das neue Haus beim Dom, das anstelle der alten Jesuitenkaserne errichtet wurde. Die Museumsräume im dritten Stock waren allerdings nur über einen kleinen Lift und eine unansehnliche Stiege erreichbar. Deshalb begab man sich auf die Suche nach einem neuen Quartier für die kirchlichen Schätze.

Als 2008 die Salvatorianer aus Gurk abzogen, suchte man nach einer Nachnutzung des ehemaligen Propsteigebäudes. Die gotisch und barock gewölbten Räume im Erdgeschoß wurden als geeignete Museumsräume betrachtet. Nach einem Architekturwettbewerb wurde 2012 das Siegerprojekt des Architekturbüros „Winkler + Ruck“ präsentiert. Nach der Restaurierung und Adaptierung der Räume im Propsthof wurden die Kunstwerke transportsicher verpackt und in das Gurktal gebracht. Die Kosten für die Errichtung des Museums und der Arrondierungsmaßnahmen im Außenbereich betrugen rund von 1,5 Millionen Euro. Leiter der Schatzkammer ist Diözesankonservator Dr. Eduard Mahlknecht.

„Bereicherung der Seele“

Die Schatzkammer wurde am 30. April 2014 vom Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz und vom Gurker Stiftspfarrer Monsignore Mag. Gerhard Christoph Kalidz offiziell eröffnet. „Mit dieser Schatzkammer sichern wir europäische Kultur und stärken das Selbstbewusstsein, das sich aus der Geschichte der Religion und der Kultur speist“, sagte Bischof Schwarz bei der Eröffnung und Segnung des neuen Museums. Die Exponate würden die „Kraft der Spiritualität vieler Jahrhunderte“ atmen und vor allem auf Jesus Christus verweisen. Die Schatzkammer Gurk solle die Glaubensgeschichte Kärntens in sakralen Kunstwerken sichtbar machen und die Besucherinnen und Besucher sollten eine „Bereicherung der Seele“ erfahren, betonte der Bischof. Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser würdigte bei der Eröffnungsfeier die Bedeutung der Katholischen Kirche als Kunst- und Kulturträger. Das neue Museum sei eine „große Bereicherung für die Kultur unseres Landes“.

275 Exponate in zehn Ausstellungsräumen

Mit der neuen „Schatzkammer“ hat Gurk als Zentrum der Hemma-Verehrung neben dem berühmten romanischen Dom eine weitere bedeutende Kunsteinrichtung und touristische Attraktion. In zehn Räumen sind auf 920 Quadratmetern Fläche 275 Exponate ausgestellt – nach Epochen gegliedert.

Im ersten Raum sind wechselnde Ausstellungen vorgesehen. Derzeit ist hier das Werden der Schatzkammer dokumentiert. Die angrenzende ehemalige Dreifaltigkeitskapelle der Propstei mit dem Sternrippengewölbe beherbergt Glasgemälde und liturgische Kleidung. Bei der Restaurierung der Kapelle wurden Wand- und Dekormalereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert freigelegt.

Im anschließenden Raum wird das wertvolle Gurker Fastentuch aufbewahrt, das in der Fastenzeit im Dom hängt. Es ist das älteste und größte Fastentuch Kärntens. Angefertigt wurde es vom Maler Konrad in Friesach im Auftrag des Gurker Dompropstes Johann III. Hinderkircher. Meister Konrad vollendete das Werk 1458. Das 80 Quadratmeter große Kunstwerk zeigt Bilder aus dem Alten und Neuen Testament.

Im Romanik-Raum befinden sich die wertvollsten Exponate der Schatzkammer. Neben der Magdalenenscheibe ist hier das „Hölleiner Kruzifix“ ausgestellt. Es stammt aus dem ehemaligen Knappenkirchlein Höllein im Gurktal und ist eines der berühmtesten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs. Die um 1170/80 entstandene Figur ist ein „Vier-Nagel-Typus“ – die Füße des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ein weiteres wertvolles romanisches Relikt aus dem Gurktal ist ein Wachssiegel des Gurker Bischofs Roman I., der den Gurker Dom und das Schloss Straßburg erbauen ließ. Das im Durchmesser sieben Zentimeter große Siegel wurde 2013 bei der Sanierung des Hanserkirchleins in Altenmarkt in einem Reliquienbehältnis entdeckt. Das aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Behältnis befand sich in einer Altar-Vertiefung, die mit einem Stein mit römischen Inschriften verschlossen war. Im Romanikraum hängt eine der ältesten Glocken Österreichs. Sie stammt aus der Kirche in Flatschach und wurde im 11. Jahrhundert gegossen.

In der Schatzkammer befinden sich viele weitere sakrale Wertgegenstände aus dem Gurktal, darunter das Fastentuch von Steuerberg. Es entstand um 1530 und zeigt auf 25 Bildern die Passionsgeschichte Christi. Aus der Flattnitzer Kirche stammt eine Kreuzigungsdarstellung und aus dem Schloss Straßburg eine 1490 geschnitzte Figur aus Lindenholz, die den heiligen Sebastian mit Pfeileinschüssen darstellt.

Der fünfte Raum ist der Gotik gewidmet – in Kärnten gibt es viele gotische Fresken und Flügelaltäre. In zwei weiteren Räumen sind Weihnachtskrippen und Heilige ausgestellt. Im Raum acht sind sakrale Kunstwerke aus der Renaissance zu sehen und im neunten Raum befinden sich Exponate aus der Barockzeit, ebenso Gegenstände, die einen Einblick in die Volksfrömmigkeit und Hemma-Verehrung geben. Im letzten Ausstellungsraum gibt es liturgische Kostbarkeiten, wie Monstranzen, Kreuze, Kelche und Messbücher (Missale). Der abschließende Gewölbesaal ist für Vorträge und andere Veranstaltungen gedacht.

Werner Sabitzer

SCHATZKAMMER GURK (Diözesanmuseum): Propsthof, 9342 Gurk, www.dom-zu-gurk.at. Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober: täglich von 10 bis 18 Uhr; 1. November bis 30. April: Besichtigung nur nach Vereinbarung für Gruppen. Eintrittspreise: Erwachsene 6,00 €, ermäßigt 5,00 €, Kinder und Jugendliche (6 bis 16 Jahre) 2,50 €, Familien zahlen nur für ein Kind, Gruppen (ab 15 Personen) 3,50 €, Schulklassen 2 € pro Schüler/-in, mit Führung 3 €, Führungen: 2,50 €, für Gruppen ab 15 Personen: 1,00 €.

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Mai 31, 2015 - Posted by | Uncategorized

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