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Schloss Stadlhof im neuen Glanz

Das spätbarocke kleine Schloss Stadlhof bei St. Donat ist ein Juwel des Zollfeldes. Es wurde in den 1770er-Jahren errichtet.

Schloss Stadlhof wurde in den 1770er-Jahren errichtet.

Schloss Stadlhof wurde in den 1770er-Jahren errichtet.

An der alten Straße von St. Veit an der Glan nach Klagenfurt befindet sich nach St. Donat auf der linken Seite am Hang das kleine, in den letzten Jahren renovierte Schloss Stadlhof (auch: Stadelhof). Ursprünglich stand hier ein Gutshof des Klosters St. Georgen am Längsee. Der Name geht möglicherweise auf Hans Stadler zu Pach zurück, der hier, an der Landgerichtsgrenze zwischen Osterwitz und Maria Saal, ein Herrenhaus errichten ließ. Das Gut hieß damals Stadlerhof zu Pach.

Im 16. Jahrhundert war die Familie Jabornigg mit dem Stadlhof belehnt. 1599 ging das Gut an den Tanzenberger Schlossherr Siegmund von Keutschach. Er war einer der letzten einflussreichen Mitglieder der Adelsfamilie Keutschach, deren bedeutendster Vertreter Salzburgs Erzbischof Leonhard (um 1442 – 1519) war. Dieser ließ die Burg Taggenbrunn bei St. Veit an der Glan ausbauen und stattete die Anlage prachtvoll aus. Er erwarb 1502 von Kaiser Maximilian I. Stadt, Gericht und Herrschaft Gmünd und ließ auch das Stift Eberndorf befestigen. Die Machtfülle als Erzbischof ermöglichte es ihm, Güter zu erwerben, die er zum Teil seinen Neffen und anderen Verwandten zuschanzte, darunter die Herrschaften Tanzenberg, Feldsberg, Tiffen und Himmelberg. Die Familie Keutschach hatte auch das von Erzherzog Karl 1565 verliehene Amt des Erblandhofmeisters von Kärnten inne.

Nach dem Tod Siegmunds von Keutschach ging der Stadlhof an die Himmelberger. Als Georg Christof von Himmelberg 1616 starb, verkauften die Vertreter der Erben das Gut an Johann Weber von und zu Ehrental. Er war kaiserlicher Rat und Landschaftssekretär, hatte 1630 die Burg Glanegg und das Schloss Moosburg von Hektor von Ernau erworben, der als Protestant das Land verlassen musste. 1645 kam Weber von und zu Ehrental auch in den Besitz des nach ihm benannten Schlosses Ehrental bei Klagenfurt. Von Webers Tochter und Erbin Anna ging der Stadlhof an ihren Mann Erasmus Seyfried Khrüner von Khrünegg. Sohn Johann Melchior Khrüner von Khrünegg, der mit Maria Konstantia von Ruesdorf verheiratet war, erbte das Gut. Seine Erben verkauften den Besitz an die Familie von Hagenegg. 1716 erwarb Johann Andreas von Jauritsch zu Hertzfeldt (um 1648 – 1726) den Stadlhof. Er war mit der Familie Hagenegg verschwägert, wurde 1691 in den Ritterstand erhoben und war ab 1703 landschaftlicher Kassier in Klagenfurt. Danach kam der Gutshof an den Klagenfurter Juristen Alexander von Paßberg.

Der Umbau des Gutshofes zum heutigen Schloss erfolgte zwischen 1772 und 1780. Der Entwurf für den Bauplan stammt höchstwahrscheinlich von Johann Georg Hagenauer, der unter anderem Schloss Pöckstein und das Priesterseminar in Straßburg errichtete. Ein weiterer Schlossbesitzer war Erasmus Seyfried Kreiner vom Spiritushof. 1797 erwarb Vinzenzia Freiin von Schluga das Schloss, im Jahr darauf wurde Johann Mathias Freiherr von Koller neuer Besitzer. Koller hatte sich 1749 als Eisenhändler in St. Veit an der Glan niedergelassen, war 1769 geadelt und 1792 in den Freiherrenstand erhoben worden. 1784 war er Stadtrichter (Bürgermeister) in St. Veit an der Glan. Er ließ um 1780 am Hauptplatz in St. Veit ein Stadtpalais errichten. In diesem Gebäude ist heute die Bezirkshauptmannschaft untergebracht. Sein Sohn Franz Freiherr von Koller erbte den Stadlhof. 1846 ging der Besitz an Gustav Graf Egger, dessen Mutter Katharina aus der Familie Koller stammte.

Ab 1886 befand sich das Schlossgut im Besitz von Dionys Julius Craigher von Jachelutta, dem einzigen Sohn des Schriftstellers, Übersetzers und Diplomaten Jacob Nicolaus Craigher de Jachelutta. 1896 ging das Anwesen an Viktor Friedrich Ernst von Schönburg-Waldenburg, 1923 an Oskar Schneditz, 1953 an die Familie Dreihann-Holenia und 1975 an Elisabeth Fräss-Ehrfeld. Von 1991 bis 2001 gehörte das Schloss dem Grazer Industriellen Martin Auer, die Mitte der 1990er-Jahre mit der Renovierung begann. Im Jahr 2001 übernahm das Land Kärnten den Besitz. 2009 erwarb der Unternehmer Hermann Fleischhacker Schloss Stadlhof und setzte die Renovierungsarbeiten fort. Heute ist Schloss Stadlhof wieder ein Schmuckstück unter den historischen Bauwerken rund um St. Veit an der Glan.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.

Sabitzer, Werner: Adelige in Kärnten (unveröff.).

Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.

Nebengebäudes des Schlosses Stadlhof.

Nebengebäude des Schlosses Stadlhof.

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Mai 31, 2015 - Posted by | Uncategorized

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