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Rebellische Gurktaler: Der Steueraufstand 1931

Im November 1931 beschlossen die Bürgermeister der sieben Gemeinden des Gurktals bei einer Protestversammlung in Weitensfeld, keine Steuern und Abgaben mehr zu zahlen.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929, die hohe Arbeitslosigkeit in Österreich, hohe Reparationszahlungen als Folge des Ersten Weltkriegs und die enorme Verschuldung des Staates führte zu einer schweren wirtschaftlichen Krise auch im Gurktal. Viele Bauern waren verschuldet, Höfe wurden versteigert und die Gurktaler Gemeinden waren kaum mehr in der Lage, den finanziellen Forderungen nachzukommen.

Im Herbst 1931 eskalierte die Lage. Die Bürgermeister der sieben Gurktaler Gemeinden Albeck, Deutsch-Griffen, Glödnitz, Weitensfeld, Gurk, Straßburg und Pisweg sowie Gemeinderäte, Bauern und Vertreter der Wirtschaft kamen am 11. November 1931 in Weitensfeld zu einer Protestversammlung zusammen. Die Gemeindevertreter erklärten sich für zahlungsunfähig und es wurde der einstimmige Beschluss gefasst, bis auf Weiteres keine Steuern, Abgaben und Kreditzinszahlungen an das Land Kärnten und an den Bund zu entrichten.

Protestbrief an den Innenminister

Bei der Protestversammlung wurde eine Entschließung an den – unter anderem für Gemeindeangelegenheiten zuständigen – Bundesminister für innere Angelegenheiten Franz Winkler gerichtet. Die von den sieben Gurktaler Bürgermeistern unterschriebene Entschließung hatte folgenden Wortlaut:

„Da sämtliche bisher gefassten Entschließungen und Forderungen, die zum Aufleben unserer Wirtschaft und zur Milderung der Wirtschaftsnot beigetragen hätten, bisher ohne jeden Erfolg geblieben sind, und anderseits die von der Regierung getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, uns über das Wirtschaftselend hinwegzuhelfen, sehen sich die Bürgermeister aus dem Gurktale auf Drängen der gesamten Steuerträger ihrer Gemeinden gezwungen, nachstehende Entschließung zu überreichen: Die Steuerträger aus den Gemeinden Albeck, Deutsch-Griffen, Groß-Glödnitz, Weitensfeld, Gurk, Straßburg und Pisweg erklären sich für zahlungsunfähig. Es werden von heute an keinerlei Steuern, Landes- und Bundesabgaben, soziale Lasten, Krankenkassenleistungen, Hypothekarzinsen und Darlehenszahlungen mehr geleistet. Gleichzeitig wird die sofortige Einstellung sämtlicher laufenden obgenannte Zahlungen betreffenden Exekutionen gefordert. Sollten die Exekutionen trotzdem – und wenn auch mit Staatsexekutiven – durchgeführt werden, so lehnen wir jede Verantwortung, die sich aus einer solchen Handlungsweise ergeben sollte, entschieden ab und warnen vor einem solchen Schritt!“

Der letzte Satz enthielt die indirekte Drohung, dass einem behördlichen Zwang mit Gewalt reagiert werden könnte.

Auch in der Steiermark beschlossen einige kleine Gemeinden, Zahlungen von Bundes- und Landesabgaben einzustellen.

Niederschlagung des Steuerstreiks

Der Steuerstreik hielt nicht lange an. Die Kärntner Landessteuerdirektion stellte bald den Großteil des Gurktals unter Zwangsverwaltung, insgesamt waren es über 50 bäuerliche Siedlungen und Gehöfte. Ein Wirtschaftsfachmann aus Klagenfurt wurde zur Vollstreckung der Zwangsverwaltung nach Straßburg geschickt. Wütende Bauern verhinderten aber vielfach die Durchsetzung von Zwangsvollstreckungen. Als etwa 1932 bei einigen Bauern in Glödnitz Vieh beschlagnahmt werden sollte, um Steuerschulden zu begleichen, rotteten sich Bauern zusammen und verhinderten den Abtransport des Viehs.

Die wirtschaftliche Not im Gurktal blieb bestehen. Immer mehr Bauernhöfe wurden zwangsversteigert. Von der wirtschaftlichen Not profitierten die Nationalsozialisten, die vor allem im oberen Gurktal viele Anhänger fanden. Zwei Jahre nach der Niederschlagung des Steuerstreiks kam es im Juli 1934 zu einem Putschversuch der illegalen Nationalsozialisten, der in der Gemeinde Weitensfeld neun Tote forderte. Und als am 12. März 1938 nationalsozialistische Truppen in Österreich einmarschierten, jubelte fast das ganze Gurktal.

Werner Sabitzer

 

 

 

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Mai 8, 2016 Posted by | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Geschichte, Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar