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Neues Leben auf Burg Taggenbrunn

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Alfred Riedls Weingut: Andre Hellers „Weinhexe“ unter der Ruine Taggenbrunn.

Die Ruine Taggenbrunn, einst mächtige Burg der Salzburger Fürsterzbischöfe, ist nach der Neugestaltung des Burgbergs ein Wahrzeichen im Raum St. Veit an der Glan geworden.

Auf einem felsigen Hügel östlich von St. Veit an der Glan befindet sich die Burgruine Taggenbrunn. Aus dem verbliebenen Mauerwerk lässt sich erahnen, dass es sich um eine mächtige Festung handelte. Taggenbrunn zählte im Spätmittelalter und in der beginnenden Neuzeit zu den bedeutendsten Burgen im Herzogtum Kärnten.

Die Burg steht auf historischem Boden: Auf dem Felshügel befand sich im 6. Jahrhundert vor Christus eine keltische Siedlung. Auch die Römer siedelten auf dem Berg.

Taggenbrunn befand sich im Besitz des Erzstiftes Salzburg, das in Kärnten mehrere Besitzungen hatte, darunter die Herrschaften Friesach, Hüttenberg, Althofen und Maria Saal. Die Besitzungen Salzburgs in Kärnten gehen auf eine Schenkung des ostfränkischen Königs Ludwig II. („der Deutsche“) im Jahr 860 zurück. Die Kirche St. Peter in der Nähe der Burg wurde im Mai 927 urkundlich erwähnt. St. Peter bei Taggenbrunn zählt somit zu den ältesten Pfarrkirchen Kärntens.

Die Burg Taggenbrunn wurde im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Salzburger Erzbischöfe hatten die Burg (Hoch-)Osterwitz während des Investiturstreits durch „Vergessen des Lehensbandes“ an den Herzog von Kärnten verloren und wollten einen neuen Verwaltungsstützpunkt in der Nähe der Herzogstadt St. Veit an der Glan errichten. Erbauer war der salzburgische Ministeriale Tageno (Tagenus) von Pongau, der von der neuen Burg aus die Herrschaft verwaltete und sich „von Taggenbrunn“ nannte. Die Burg wurde 1157 als „Castrum Takenbrunne“ erstmals urkundlich erwähnt. Ein „Rahuinus de Takkenbrunnen“ scheint in einer Urkunde aus 1142 auf. Im 12. Jahrhundert erwähnt wurden auch Rudgerus und Otto von Taggenbrunn. Tagenos Nachfahren hatten die Burg bis zum Aussterben der Familie im Jahr 1240 als Lehen inne, danach verwalteten verschiedene salzburgische Pfleger, Vögte und Burggrafen die Herrschaft Taggenbrunn. Der erste war Engelbert(us) Buzzo (Puzzo). Er stammte aus einer Ministerialenfamilie, die für die Gurker Bischöfe die Burg Straßburg verwaltete. Der Name geht auf ihren Stammsitz, dem Putzenhof unter der Burg Straßburg zurück. Die Buzzonen starben im 14. Jahrhundert aus.

Zerstörungen der Burg

Im Jahr 1258 wurde die Burg Taggenbrunn im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen dem erwählten Bischof von Salzburg, Philipp II. von Spanheim, und Bischof Ulrich von Seckau stark beschädigt. Philipps Bruder, Herzog Ulrich III. von Kärnten, hatte die Burg eingenommen. Im Frieden von St. Radegund 1268 erhielt der Salzburger Erzbischof Wladislaus von Schlesien die Burg wieder zurück. Erzbischof Wladislaus ließ die Schäden beheben und die Burg ausbauen.

Ein knappes Vierteljahrhundert später kam es zur nächsten Zerstörung der Burg. Nach dem Tod König Rudolfs I. von Habsburg lehnten sich Kärntner und steirische Adelige mit Unterstützung des Erzbischofs von Salzburg und des Bistums Bamberg im Jahr 1292 gegen den Landesfürsten aus dem Haus Görz-Tirol auf, angeführt vom mächtigen Kärntner Graf Ulrich von Heunburg. Die Aufständischen überfielen die Herzogstadt St. Veit und nahmen Ludwig, den Sohn des Landesfürsten Meinhard von Görz-Tirol gefangen. Meinhard hatte St. Veit als Herzogssitz bestimmt und seinen Sohn nach Kärnten geschickt. Ludwig wurde nach seiner Gefangennahme auf der Burg Taggenbrunn festgehalten. Als sich herzogliche Truppen Kärnten näherten, wurde Ludwig von Görz-Tirol auf die Burg (Hohen-)Werfen in Salzburg gebracht, die dem Erzbistum Salzburg gehörte. Der salzburgische Pfleger auf Taggenbrunn ließ die Burg in Brand setzen und flüchtete nach Salzburg. Der Adelsaufstand wurde 1293 niedergeschlagen.

Als 1308 Otto III. von Liechtenstein-Murau Landeshauptmann von Kärnten wurde, erhielt er vom Erzbischof von Salzburg die Erlaubnis, auf Taggenbrunn zu residieren. Das Herzogtum Kärnten wurde nun bis zu zum Tod Ottos im Jahr 1211 von der Burg Taggenbrunn aus verwaltet.

Um 1354 war die Burg offenbar Lehen der Grafen Pfannberg. In diesem Jahr ließ sich Salzburgs Erzbischof Ortolf eine Bestätigung des Grafen Zacharias von Hohenrain ausstellen, derzufolge das Erzbistum Salzburg die Herrschaft Taggenbrunn nach dem Aussterben der Pfannberger wieder zurückbekommen werde. Von den Pfannbergern dürfte Taggenbrunn an die verschwägerte Grafenfamilie Montfort übergegangen sein, die es bis 1460 als Lehen innehatten.

Bei den drei Türkeneinfällen 1473, 1475 und 1478 diente die Burg als Fluchtort für die Bevölkerung. Die Türken verzichteten bei ihren Raubzügen auf die Belagerung und Erstürmung Taggenbrunns.

1480 drangen während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich III. und Matthias Corvinus ungarische Truppen mit Unterstützung des Salzburger Erzbischofs in Kärnten ein. Der Erzbischof hatte ihnen 1479 die Burg Taggenbrunn als Stützpunkt zur Verfügung gestellt. Kaiserliche und Kärntner Truppen eroberten daraufhin die Burg und zerstörten sie. 1482 dankte Erzbischof Bernhard von Rohr ab, der Streit um Taggenbrunn ging weiter. 1485 versuchte der Hauspfleger von Taggenbrunn, Albrecht, ein unehelicher Sohn des letzten Burgschenken von Osterwitz, Burg Hochosterwitz an sich zu reisen, es misslang ihm und er wurde in St. Veit an der Glan geköpft.

1490 verließen die ungarischen Besatzer das Herzogtum Kärnten. Nach dem Ende der Auseinandersetzungen mit den Ungarn waren die Salzburger Besitzungen in Kärnten und in der Steiermark weitgehend zerstört oder beschädigt. Maximilian I., Sohn und Nachfolger des Kaisers Friedrich III., gab Taggenbrunn 1494 wieder dem Erzbistum Salzburg zurück.

Burgausbau unter Leonhard von Keutschach

Einen Aufschwung erfuhr die Herrschaft Taggenbrunn unter dem Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach. Er ließ die Burg zwischen 1497 und 1503 ausbauen und aufwändig befestigen – mit mächtigen Mauern und drei Rundtürmen für Geschütze. Er stattete die Burg prachtvoll aus und ließ unterhalb der Burg das Marhaus, das Pfleghaus und einen dreigeschoßigen Schüttkasten (Getreidespeicher) errichten. Am Schüttkasten befindet sich ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1503. Leonhard von Keutschach ließ auch die Festung Hohensalzburg zu ihrer heutigen Größe ausbauen. Die Herrschaft Taggenbrunn ging in den Pfandbesitz der Neffen des Erzbischofs, Wolfgang II. und Siegmund von Keutschach, über und blieb noch einige Zeit als erzbischöfliches Lehen bei deren Nachfahren.

1688 zeichnete Johann Weichard Valvasor Burg Taggenbrunn von der Nordseite. 1692 verlegte Pfleger Georg Adam von Goldberg den Amtssitz von Taggenbrunn nach Maria Saal. Die Burg war danach nicht mehr ständig bewohnt und verfiel nach und nach. 1770 wurden in der Burgkapelle St. Johannes noch regelmäßig Messen gelesen und der Zustand der Burg wurde als „leidlich“ beschrieben. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die bereits beschädigte Burgkapelle säkularisiert und das frühgotische Abendmahlrelief kam nach St. Peter bei Taggenbrunn. Drei Kanonen sowie Gewehre, Rüstungen und Schwerter wurden nach Maria Saal gebracht. Steinerne Tür- und Fensterstöcke und andere Teile der Burg dienten Bewohnern in St. Veit und in der Umgebung als Baumaterial.

Mehrmaliger Besitzerwechsel

Als 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss das Fürsterzbistum Salzburg als souveränes Fürstentum aufgelöst wurde, kamen Taggenbrunn und die anderen salzburgischen Besitzungen zur Habsburg-Monarchie. Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert war Taggenbrunn Staatsdomäne. Antonie Edle von Rayer kaufte Taggenbrunn am 16. Dezember 1858 vom k. k. Kameralamt. Ihr Sohn Franz Freiherr von Rayer, ein k. k. Legationssekretär, übernahm im April 1859 die Herrschaft. 1883 erwarb Peter Paulitsch das Gut und verkaufte es noch im selben Jahr an den Großgrundbesitzer und Unternehmer Stefan Kleinszig.

Stefan Kleinszig (Clanscig), geboren am 22. Dezember 1822 in der Nähe von Görz, übersiedelte mit seinem Cousin Johann in den 1840er-Jahren nach Kärnten. Johann errichtete in Twimberg ein Sägewerk und Stefan arbeitete als Landarbeiter in Treffen und später als Holzknecht in Afritz. Mit seiner ersten Frau Anna betrieb er mehrere Kohlenmailer und pachtete einen Bauernhof in Bodensdorf. Für den Eisenbahnbau durch Kärnten lieferte er Lärchenschwellen. Er errichtete in Triest einen Lagerplatz und lieferte Holz in die Mittelmeerländer. Am Südufer des Ossiacher Sees baute er das Hotel „Annenheim“. Als Stefan Kleinszig 1883 das Gut Taggenbrunn kaufte, war er bereits Großgrundbesitzer und besaß Hunderte Hektar Wald, unter anderem in Wolschart und in der Wimitz. Er ließ neben der Ruine Taggenbrunn ein Herrenhaus errichten. Das Gut Taggenbrunn blieb fast 130 Jahre im Besitz der Familie Kleinszig.

Stefan Kleinszig starb am 11. August 1897. Sein Sohn Josef aus der zweiten Ehe, geboren am 4. September 1891 in Taggenbrunn, übernahm das Gut 1919, nachdem er als Oberleutnant aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war. Er starb am 21. Juni 1962. Im Jahr darauf übernahm sein Sohn Ing. Heinz Kleinszig das landtäfliche Gut Taggenbrunn. Er arbeitete in der Bundeswirtschaftskammer in Wien und heiratete 1965 Heidemarie Possek aus der Gemeinde Weitensfeld, eine Nachfahrin des Sensenindustriellen Johann Spitzer in Kleinglödnitz. Heinz Kleinszig begann 1973 mit der Revitalisierung der Ruine. 1975 eröffnete er eine Burgschenke. In der Ruine errichtete er unter anderem Wohnräume und einen Veranstaltungsraum. Nach dem frühen Tod von Heinz Kleinszig wurde es wieder ruhig auf Taggenbrunn. Ab 2003 versuchte Leopold Fasching, der Ruine etwas Leben einzuhauchen.

Weingut Taggenbrunn

Im Jahr 2011 erwarb der bekannte Kärntner Unternehmer Franz Riedl den Burgberg mit der Ruine und den historischen Nebengebäuden. Der Gründer und Inhaber des Uhrenkonzerns „Jacques Lemans“ ließ den Waldbewuchs auf dem Burgberg entfernen und nach aufwändiger Bodenbearbeitung 2014 auf zwölf Hektar 60.000 Weinstöcke pflanzen. Die Ruine ist nun weithin sichtbar und ein neues Wahrzeichen in der Region geworden.

Die Arbeiten auf der Burgruine sind noch im Gang; in den alten Mauern soll unter anderem ein Uhrenmuseum entstehen. Das ehemalige Marhaus, der große Stall aus 1803 und weitere Bauten strahlen im neuen Glanz und der über 500 Jahre alten Getreidespeicher wurde ebenfalls restauriert. Dort gibt es zwei Veranstaltungsräume und im Kreuzgewölbe lagern Weinfässer. Die „Weinresidenz“ mit 40 Zimmern und Suiten und der Heurige werden am 1. Juli 2017 eröffnet. In der Nähe ist ein zwei Hektar großer Skulpturenpark geplant; der Künstler André Heller entwarf die 15 Meter hohe Figur „Zeitgöttin“.

Werner Sabitzer

 

Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien, 2001.

Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land. Salzburg, 1988.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kleinszig, Heinz: 1883 – 1983. 100 Jahr Taggenbrunn im Familienbesitz. Dareb Druck, Klagenfurt, 1983.

Sabitzer, Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten, Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt, 1985.

Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit. Birkenverlag (Kärnten – I ), Wien, 1964.

 

 

Eigentümer von Taggenbrunn

1140: Erzstift Salzburg

1152: Fürsterzbistum Salzburg

1480: Kaiserlicher Besitz

1494: Fürsterzbistum Salzburg

1803: Staat Österreich

1858: Antonie Edle von Rayer

1859: Franz Freiherr von Rayer

1883: Peter Paulitsch

1883: Familie Kleinszig

2011: Alfred Riedl

 

 

 

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Oktober 20, 2017 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar