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Eine Kirche in der „Höll“

Die Kirche St. Leonhard in Höllein im Gurktal stammt aus dem 11. Jahrhundert. Hier befand sich im Mittelalter eine Knappensiedlung. Aus der Kirche stammt das wertvolle „Hölleiner Kruzifix“.

 

Unter dem Almgehöft vlg. „Fåsch in der Höll“ in Höllein bei Gundersdorf befindet sich eine kleine Kirche, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Das ursprünglich auch dem heiligen Lorenz geweihte Gotteshaus wurde im 11. Jahrhundert errichtet, aber erst 1404 erstmals urkundlich erwähnt.

Im Hochmittelalter wurde im Hölleiner Gebiet Silber abgebaut und hier befand sich eine schon 1045 urkundlich erwähnte Knappensiedlung. In einer Urkunde von 1513 wird der Ort „Dehelen“ genannt.

Als sich Kaiser Friedrich II. Barbarossa 1170 in Friesach aufhielt, überließ er Bischof Roman I. von Gurk den Besitz der Erzgruben in Höllein und von anderen Bergwerken auf Gurker Boden, die bis dahin dem Erzbistum Salzburg vorbehalten waren. Roman I. war der bedeutendste Gurker Bischof im Hochmittelalter. Er begann mit dem Bau des Gurker Doms und ließ die Straßburg errichten. Er gilt auch als Erbauer der Burg Pöckstein, von der heute keine Reste mehr zu sehen sind.

Die Leonhardskirche war früher eine Filialkirche von Friesach. Im Jahr 1780 wurde beantragt, in Höllein eine eigene Kuratie zu errichten. Die ehemalige Pfarrkirche am Petersberg hätte dazu mit einer höheren Geldsumme beitragen sollen. Da es aber zu wenig und weit verstreute Bewohner für die neu zu errichtende Seelsorgestation gab, kam es nicht dazu.

Die Kirche wurde 1993/94 renoviert und danach neu geweiht. Früher gab es auch einen jährlichen Kirchtag beim „Fåsch in der Höll“ der Landwirtsfamilie Mitterdorfer.

Kette um die Kirche

Eine Besonderheit der Leonhardskirche ist eine geschmiedete Kette, mit der Kirche umzogen ist – die sogenannte „Leonhardskette“. Der Sage nach soll diese Kette nach dem Türkeneinfall in das Gurktal von 1478 geschmiedet worden sein – als Folge eines Gelübdes und als Dank, dass der Ort von den Eindringlingen verschont worden sei. Der breite Vorhallenturm dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen und der hölzerne Aufbau ist jüngeren Datums.

Hölleiner Kruzifix

Aus der Kirche stammt eines der bedeutendsten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs – das „Hölleiner Kruzifix“ von 1170/80, ein „Vier-Nagel-Typus“. Die Beine des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ursprünglich war eine Fußstütze (Suppedaneum) vorhanden. Das knapp ein Meter hohe Kruzifix ist das einzige erhaltene romanische „Großkreuz“ Kärntens. Das schlichte, aber wertvolle Holzkreuz aus der Hölleiner Kirche ist in der „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof in Gurk ausgestellt.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Biedermann, Gottfried: Romanik in Kärnten. Reihe: Die Kunstgeschichte Kärntens, hg. von Gottfried Biedermann und Barbara Kienzl. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt, 1994.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Sabitzer Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

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November 19, 2017 - Posted by | Uncategorized

1 Kommentar »

  1. Danke fuer diesen lehrreichen Artikel. Ich habe viel gelernt.

    Kommentar von alfredlaggner | November 19, 2017 | Antwort


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