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Wolf Dietrich von Raitenau und Kärnten

Vor 400 Jahren starb Wolf Dietrich von Raitenau als Gefangener auf der Festung Salzburg. Der ehemalige Fürsterzbischof von Salzburg begründete den Besitz der Raitenauer in Kärnten.

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Festung Hohensalzburg

Er war einer der prunkvollsten Erzbischöfe in Salzburg, begründete das barocke Salzburg und für Salome Alt, die Mutter seiner 15 Kinder, ließ er in Salzburg einen Palast errichten. Er war nicht nur Kirchenfürst, sondern auch weltlicher Herr über das Erzstift Salzburg und seine Besitzungen in Kärnten: Wolf Dietrich von Raitenau, Erzbischof von Salzburg von 1587 bis 1612, hatte einen besonderen Bezug zu Kärnten.

Wolf Dietrich Graf von Raitenau wurde am 26. März 1559 im Schloss Hofen bei Bregenz geboren. Er studierte in Pavia und Rom und wurde bereits als 28-Jähriger zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Diese kirchliche Karriere wurde ihm unter anderem von seinem Großonkel Papst Pius IV. aus der Mailänder Adelsfamilie Medici ermöglicht.

1588 begann Wolf Dietrich von Raitenau, die Stadt Salzburg umzugestalten und er ließ anstelle kleinerer Häuser eine Reihe barocker Gebäude errichten. Die Residenz wurde umgestaltet und für seine Lebensgefährtin Salome Alt ließ er auf der anderen Seite der Salzach ein prunkvolles Palais erbauen – das Schloss Altenau, das später in Schloss Mirabell umbenannt wurde. Er führte ein prunkvolles Hofleben und regierte das Erzstift Salzburg autoritär.

Mit Salome Alt, der Tochter eines wohlhabenden Händlers in Salzburg, hatte Wolfdietrich von Raitenau 15 Kinder, darunter Hannibal, Helena, Euphemia, Maria Salome, Eusebia, Cäcilia, Anton, Wolf Dietrich, Viktor, Eberhard, Susanna. Der Erzbischof entschuldigte sein eheähnliches Verhältnis mit dem Umstand, seiner Meinung nach würde der Zölibat demnächst abgeschafft werden und er greife dieser päpstlichen Entscheidung nur vor. Er erreichte beim Kaiser, dass seine Frau und die gemeinsamen Kinder geadelt wurden (Adelsprädikat „von Altenau“).

Ruhmloses Ende

Im Oktober 1611 zeichnete sich das Ende der Macht des barocken Fürsterzbischofs ab. Nach einem Konflikt mit Bayern wegen des Salzabbaus („Salzkrieg“) flüchtete Wolf Dietrich von Raitenau aus Salzburg nach Gmünd. Schon auf Kärntner Boden wurde er von bayrischen Truppen gefangen genommen, auf die Burg Hohenwerfen gebracht und später auf die Feste Hohensalzburg überstellt. Er wurde genötigt, auf das Amt des Erzbischofs zu verzichten und Wolfdietrich von Raitenau dankte am 7. März 1612 ab. Sein Neffe Markus Sittikus Graf von Hohenems folgte ihm als Erzbischof von Salzburg nach. Er hielt aber seinen Onkel weiterhin gefangen. Wolf Dietrich von Raitenau starb am 16. Jänner 1617 auf der Festung Hohensalzburg. Er wurde im Mausoleum auf dem von ihm 1595 bis 1600 errichteten Sebastiansfriedhof in der Stadt Salzburg beigesetzt.

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Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau

Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems ließ Wolf Dietrichs Lebensgefährtin und die Kinder aus Schloss Altenau vertreiben. Er benannte das Schloss „Mirabell“, um den Namen Altenau zu tilgen. „Mirabell“ wurde in den 1720er-Jahren von Johann Lucas von Hildebrandt zu einem barocken Schloss umgebaut. Die heutige Form erhielt das 1818 bei einem Stadtbrand beschädigte Schloss von Johann Georg von Hagenauer.

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Burg Hohenwerfen

Raitenau-Besitz in Kärnten

Das Erzstift Salzburg besaß in Kärnten die Herrschaften Sachsenburg, Stall, Rottenfels, Lengberg, St. Andrä im Lavanttal, Taggenbrunn, Maria Saal, Friesach, Hüttenberg und Althofen. Friesach war das Verwaltungszentrum für die salzburgischen Besitzungen in Kärnten. Hier saß der salzburgische Vizedom (Statthalter).

1599 setzte Fürsterzbischolf Wolf Dietrich von Raitenau seinen Bruder Hans Ulrich als Vizodom in Friesach ein. Dieser wurde aber schon am 15. April 1600 von seinem Bruder Rudolf abgelöst. Der Bischof erwirkte, dass Hans Ulrich 1603 in den Deutschen Ritterorden aufgenommen und Kämmerer beim Deutschmeister Erzherzog Maximilian wurde. Hans Ulrich von Raitenau war Komtur und Statthalter des Ordens in Mergentheim und Regensburg, ab 1609 Komtur in Blumenthal bei Augsburg.

Rudolf von Raitenau, geboren 1575, war der jüngste Bruder des Erzbischofs. Von 1589 bis 1600 war er Pfleger auf Burg Taggenbrunn. 1599 heiratete er Maria Sidonia, geb. Freiin von Welsperg-Primör, verw. von Trautson. Sie starb am 17. Jänner 1646. Nach seiner Bestellung zum salzburgischen Vizedom in Kärnten übersiedelte Rudolf von Raitenau nach Friesach. 1605 erwarb er von der oberösterreichischen Familie Losenstein die kleine Herrschaft Rosegg mit dem Eigentumsrecht am Faaker See. 1610 kauft er das Schloss Kronegg im Maltatal von Anton von Kronegg. Im Jahr darauf erhielt Rudolf von Raitenau die Herrschaft Gmünd als Pfand und kaufte sie 1611 dem Kaiser ab. Von 1610 bis 1615 ließ er in Gmünd das neue Schloss erbauen. Im Februar 1632 erhob ihn Kaiser Ferdinand II. gemeinsam mit seinem Bruder Hans Werner IV. von Raitenau in den Grafenstand. Rudolf Graf von Raitenau starb am 3. Mai 1633 in Gmünd.

Sein Sohn Wolf Dietrich II. Graf von Raitenau, geboren 1611, erbte den Besitz in Kärnten. Er wohnte zeitweise in Rosegg, wo er das Schloss renovieren ließ. Er heiratete seine Cousine Maria Jakobe, geb. von Raitenau, Witwe von Graf Ernst Georg von Hohenzollern-Sigmaringen. Mit ihr hatte er zwei Kinder: Maria Anna Katharina (* 1631) und Rudolf Hannibal (* 1632). Wolf Dietrich II. von Raitenau starb schon 6. Juni 1639 in Rosegg. Nach seinem Tod verkaufte seine Mutter Maria Sidonia die Herrschaft Gmünd an Katharina Gräfin zu Lodron. Nachkommen der Adelsfamilie Lodron waren bis 1932 im Besitz des alten und des neuen Schlosses Gmünd.

Maria Anna Katharina Gräfin von Raitenau wurde nur 27 Jahre alt. Mit ihrem Mann Christoph Siegmund von Welsperg hatte sie zwei Söhne und drei Töchter. Mit dem Tod ihres einzigen Bruders Rudolf Hannibal im Jahr 1671 erlosch die Grafenfamilie Raitenau im Mannesstamm. Er war mit Benigna, geb. Freiin von Herberstein, verheiratet, hatte aber keine Kinder. Den Besitz erbten die fünf Kinder seiner Schwester; Name und Wappen ging an die Familie Welsperg über, die sich danach Welsperg von Primör und Raitenau nannte.

Hans Jakob von Reitenau

Ein weiterer Raitenauer wirkte ebenfalls in Kärnten: Der Vater des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, hatte zwei unehliche Kinder, die 1627 von Kaiser Ferdinand II. geadelt wurden und sich danach auch „von Raitenau“ nennen durften: Hans Jakob und Hans Leonhard. Hans Jakob, geboren 1591, studierte Theologie in Würzburg und wurde Priester. Die Primiz feierte feierte er in Gmünd in Oberkärnten. Bis 1632 war er Vikar in Pusarnitz, danach Pfarrer im Katschtal.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Beck, Alois: Die Familie von Raitenau in den Inventaren von Welsberg. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 26-31.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.

Heinisch, Reinhard R.: Wolf Dietrich und das Reich. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 60-65.

Heinisch, Reinhard R.: Die Zeit des Absolutismus. Die Persönlichkeit Wolf Dietrichs von Raitenau. In: Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger (Hg.): Geschichte Salzburgs-Stadt und Land, Bd. II/1. Salzburg, 1988, S. 167-244.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Koller-Neumann, Irmtraud: Wolf Dietrich und seine Brüder. In: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Gründer des barocken Salzburg. Band zur 4. Salzburger Landesausstellung vom 16. Mai bis 26. Oktober 1987 in Salzburg. Salzburg, 1987; S. 45-54.

Mayer, Josef: Des Erzbischof Wolf Dietrichs Gefangenschaft und Tod. Sonderdruck aus dem 26. Programm des k. k. Staatsgeymnasiums in Salzburg. Salzburg, 1876.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Stahl, Eva: Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron. 3. Aufl. Wien, München, 1987.

 

(Weitensfelder Kulturbote, Nr. 2/2017, S. 11-13)

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Dezember 30, 2017 - Posted by | Uncategorized

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