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Imma und Hemma von Gurk

Gräfin Imma von Lieding und ihre Nachfahrin Hemma von Gurk zählten im beginnenden Hochmittelalter zu den reichsten und mächtigsten Frauen im Ostalpenraum.

 Die reiche Witwe Imma wurde im Hochmittelalter vom Kaiser mit Privilegien ausgestattet, um Lieding zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum in Kärnten zu machen. Ihren Reichtum verdankte sie Königsschenkungen an ihre Vorfahren Ende des 9. Jahrhunderts.

König Arnulf (von Kärnten) schenkte im Jahr 895 dem Adeligen Waltuni reichlichen Grundbesitz, darunter Güter im Trixnertal mit zwei Burgen, in Diex, in Reichenburg und Gurkfeld im heutigen Slowenien sowie in Intering in der Obersteiermark. Zwei weitere Königsschenkungen erfolgten im Jahr 898: Der Edle Zwentibold (Zwentibolch), wie Waltuni ein Gefolgsmann des bayerischen Markgrafen Luitpold, erhielt von Arnulf, der 894 in Rom zum Kaiser gekrönt worden war, einerseits den Hof Gurk, der vermutlich in der Gegend des heutigen Orts Lieding stand, den größten Teil des Gurktals und den Ort Zeltschach und mit der zweiten Schenkung das Metnitztal und die Nebentäler. Die Schenkungen Arnulfs an Waltuni und Zwentibold könnten schon unter deren Nachfahrin Imma in einer Hand gewesen sein.

Imma entstammte vermutlich dem hochadeligen Geschlecht der Luitpoldinger, die bayerische Herzöge waren. Kaiser Otto II. erlaubte Imma mit einer Urkunde vom 11. Juni 975, ausgestellt auf einer Pfalz in Sachsen, in „Livbedinga“ (Lieding) einen Markt abzuhalten, eine Münzstätte zu betreiben und einen Marktzoll einzuheben. Diese Privilegien wurden auf das Kloster „in loco qui dicitur Livbedinga“ (im Ort, der Lieding genannt wird) übertragen. Die Verleihung dieser bedeutenden Privilegien deutet darauf hin, dass Imma eine besondere Nähe zum Kaiser hatte. Ob das Kloster Lieding damals bereits bestand oder sich erst in der Errichtungsphase befand, ist nicht bekannt. Der Klosterbau dürfte vermutlich wegen des Widerstands des Salzburger Erzbischofs und/oder anderer starker politscher Kräfte nicht vollendet worden sein. Es sind keine Quellen über das Kloster bekannt, die Urkunden dürften möglicherweise im Zuge des Gurker Bistumsstreits vernichtet worden sein.

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Gurker Dom

Hemma von Gurk

Immas Enkelin Hemma wurde zu einer Volksheiligen in Kärnten, um die sich viele Legenden ranken. Hemma, geboren zwischen 980 und 990, war mit Markgraf Wilhelm II. verheiratet. Er verwaltete die Grafschaften Friesach und an der Sann. Der deutsche König und spätere Kaiser Konrad II. beschenkte Wilhelm II. großzügig mit Grundbesitz. Hemmas Mann starb nicht, wie in Legenden verbreitet, auf der Rückkehr von einer aus Reue unternommenen Pilgerreise, weil er aufständische Knappen niedermetzeln lassen hatte, die seine beiden Söhne erschlagen hatten, sondern er wurde ziemlich wahrscheinlich Opfer eines Konflikts zwischen Konrad II. und Adalbero von Eppenstein, dem Herzog von Kärnten. Dieser wurde in einem Hofgerichtsverfahren im Juni 1035 wegen einer Verschwörung gegen den Kaiser als Kärntner Herrscher abgesetzt und verlor sämtliche Reichsämter. Bei den Kämpfen wurden im Jahr 1035 auch der kaisertreue Wilhelm II. und vermutlich auch dessen gleichnamiger Sohn getötet. Wilhelm II. und Hemma dürften einen zweiten Sohn mit dem Namen Hartwig gehabt haben, dieser dürfte ebenfalls früh gestorben sein.

Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Söhne zählte Hemma zu den reichsten Frauen im Ostalpenraum. Ihre Besitzungen erstreckten sich von Friaul über die Ober- und Untersteiermark in das Sanntal und in den Raum Cilli. Da sie keine Erben hatte, beabsichtigte sie, zwei Klöster zu gründen. Für die Errichtung eines Männerklosters in Admont übergab sie an Salzburgs Erzbischof Balduin Güter im oberen Ennstal. Allerdings wurde das Kloster erst drei Jahrzehnte nach Hemmas Tod von Erzbischof Gebhard im Jahr 1074 gegründet. Der Erzbischof bezeichnete zudem nicht Hemma, sondern sich selber als Stifter und machte Admont zu einem Eigenkloster der Salzburger Erzbischöfe.

Das von Hemma in Gurk gegründete und mit ihrem Besitz in Kärnten und in Krain ausgestattete Nonnenkloster wurde am 15. August 1043 vom Salzburger Erzbischof Balduin eingeweiht. Benediktinerinnen vom Salzburger Nonnberg bezogen das Kloster; die erste Äbtissin hieß Ita. Hemma dürfte selbst als Laienschwester in das Kloster eingetreten sein. Sie starb am 29. Juni, das Todesjahr ist nicht genau bekannt, in einer Quelle wird das Jahr 1045 genannt.

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Hemma-Grab in der Krypta des Gurker Doms

Auflösung des Hemma-Klosters

Nach dem Tod der Äbtissin Ita folgte ihr Himzila. Sie war die letzte Leiterin des adeligen Damenstifts. Denn im Jahr 1072 löste Salzburgs Erzbischof Gebhard das Kloster wegen „Zuchtlosigkeit“ und „Regelwidrigkeit“ auf. Möglicherweise wurde das Kloster den Interessen Salzburgs geopfert. Denn mit der Auflösung des Klosters hatte man die finanziellen Mittel, einen Hilfsbischof im Gurktal einzurichten. Schon am 21. März 1070 hatte sich Erzbischof Gebhard von Papst Alexander II. die Erlaubnis geholt, ein Bistum zu gründen – noch ohne Ortsangabe. Am 4. Februar 1072 stimmte auch der deutsche König Heinrich IV. der geplanten Bistumsgründung in Gurk zu. Am 6. März 1072 weihte der Salzburger Erzbischof in der Marienkirche in Gurk Gunther von Krappfeld zum ersten Bischof von Gurk. Dieser hatte weder eine Diözese noch ein Domkapitel, sondern er bezog seine Einkünfte aus den Gütern der Hemmastiftung.

Der dritte Bischof von Gurk, Hiltebold, der das Amt von 1106 bis 1131 innehatte, führte in Gurk Augustinerchorherren-Regel ein und richtete 1124 ein eigenes Domkapitel ein, dem er einen Teil der ehemaligen Hemma-Güter zuwies. Danach begannen die Loslösungsversuche vom Fürsterzbistum Salzburg, eine Entwicklung, die zeitweilig zu Kämpfen führte und die Gurker auch dazu verleitete, mit gefälschten Urkunden die Selbstständigkeit herbeizuführen.

Hemma gründete neben dem Stift Gurk auch eine Reihe von Kirchen, darunter in Gurk, Lieding, Glödnitz, Grafendorf bei Friesach, St. Radegund am Hohenfeld, Lorenzenberg bei Micheldorf, St. Georgen am Weinberg und St. Margarethen bei Töllerberg sowie vermutlich auch die Kirchen in Pisweg, St. Georgen bei Straßburg, auf der Krassnitz sowie in Wieting.

Hemma-Verehrung

Hemmas Grab befindet sich seit 1174 in der Krypta des Gurker Domes. In einer Ecke der Krypta befindet sich seit dem 17. Jahrhundert der Hemma-Stein, der davor vor dem Dom stand. Spätestens ab dem 13. Jahrhundert wurde Hemma verehrt. Ihr wurden Wunderheilungen zugeschrieben. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts versuchten Gurker Bischöfe, die Heiligsprechung Hemmas zu erreichen. Bischof Valentin Wiery wandte sich im Dezember 1879 mit einem Gesuch an Papst Leo XIII., allerdings starb Wiery 1881, sodass die Bemühungen wieder zum Erliegen kamen. Pater Josef Löw brachte Anfang der 1930er-Jahre mit seinen Hemma-Forschungen wieder Bewegung in den Heiligsprechungsprozess. Er wurde von den Bischöfen von Gurk, Lavant/Maribor und Ljubljana unterstützt. Am 5. Jänner 1938 bestätigte Papst Pius XI. die Heiligsprechung Hemmas, zwei Monate vor dem Einmarsch der nationalsozialistischen Truppen in Österreich. Sie gilt als Volksheilige Kärntens, wird aber auch außerhalb Kärntens verehrt, hauptsächlich in Slowenien und in der Steiermark. Auch in Wien gibt es zwei Hemma-Pfarren, in denen jedes Jahr ein Augensegen abgehalten wird – in der Pfarre Mariahilf im sechsten Bezirk und in der Hemma-Pfarre in der Wattmanngasse im 13. Bezirk.

Werner Sabitzer

 Quellen/Literatur:

Dopsch, Heinz: Hemma von Gurk – Eine Stifterin zwischen Legende und Wirklichkeit. In: Hemma von Gurk. Katalog zur Ausstellung auf Schloss Straßburg/Kärnten vom 14. Mai bis 26. Oktober 1988, Klagenfurt, 1988, S. 11-23.

Jaksch, August von: Geschichte Kärntens bis 1335, Klagenfurt, 1928/29.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Prenner-Walzl, Irene Maria: Das Leben der Heiligen Hemma von Gurk und dessen künstlerische Ausdeutung im Laufe der Geschichte. Diplomarbeit, Universität Graz, 1987.

Sacherer, Johannes, Untersuchungen zum Kloster der Witwe Imma in Lieding, in: Carinthia I, 196. Jahrgang, 2006, S. 255 – 277.

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Gurker Dom und Propsthof

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Januar 21, 2018 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar