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Schloss Thurnhof: Juwel des Gurktals

Schloss Thurnhof in Zweinitz hat eine interessante Geschichte. Schon im frühen 12. Jahrhundert stand hier ein Wehrturm. Das heutige Schloss wurde im 16. Jahrhundert errichtet.

Am Waldrand von Zweinitz im Gurktal befindet sich das kleine Schloss Thurnhof. Das an einen gotischen Wehrturm angebaute, fast rechteckige Schloss mit den drei Ecktürmchen besteht aus drei Stockwerken. Unter dem Dach befindet sich eine weitere, allerdings niedrigere Etage mit kleinen Fenstern. Dieses Dachgeschoß diente früher als Speicher.

Über dem Renaissanceportal an der Nordseite befindet sich unter einem kleinen Holzdach ein Fresko, das zwei Soldaten zeigt, einen davon in türkischer Kleidung, sowie die Jahreszahl 1585, vermutlich das Jahr der Fertigstellung des Schlossgebäudes. Zwischen den Figuren befinden sich in einem Relief die Wappen der Familien Jochner und Raidhaupt. An der Nord- und an der Südseite sind jeweils ein Renaissancefenster erhalten. Unter dem Schloss befinden sich Reste einer Zinnenmauer.

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Franziszeischer Katastater von Zweinitz mit Thurnhof

In Thurnhof dürfte schon im frühen 12. Jahrhundert eine Befestigungsanlage gestanden haben, die als „Turm“ bezeichnet wurde. Später setzte sich der Name „Pregrad“ (auch „Prägrad“) durch. Der slawische Name bedeutet „Vorburg“ bzw. „Gebiet vor der Burg“. Das deutet darauf hin, dass ein zweites Bauwerk bestanden haben könnte, es gibt aber davon keine Spuren.

Erstmals erwähnt wurde die Burg in einer Urkunde des Gurker Bischofs Roman I. vom 25. März 1140. Roman I. († 1167) war der dritte Bischof von Gurk und ließ unter anderem den Gurker Dom und das Schloss Straßburg errichten. Im Jahr 1178 wurden ein Meinhalm de Pregrad und sein Sohn Herbort urkundlich erwähnt. Beide verwalteten als Ministeriale des Bistums Gurk die bischöflichen Waldgebiete. Einige Ministeriale  nannten sich nach dem Turm „de Turris“ (vom Turm).1246 und 1269 scheint ein Engelbert de Turris in Urkunden auf. Ministeriale waren Dienstleute, die Herrschaften verwalteten. Sie erhielten (Dienst-)Lehen und stiegen im späten Mittelalter zum niederen Adel auf.

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Thurnhof: Schloss und Bergfried

Die Herren Hofmann von Wald

Im 14. und 15. Jahrhundert war der Turm im Besitz verschiedener Amtmänner und Anwälte des Domstiftes Gurk. Die bedeutendste Ministerialenfamilie in diesen beiden Jahrhunderten war die Familie Hofman, die sich auch „von Wald“ nannte. Gottfried Hofmann erwarb 1359 den Hälfteanteil seiner, mit Hans von Fohnsdorf verheirateten Schwester Katharina und war damit Alleinbesitzer von Pregrad. Andere Mitglieder der Familie Hofmann hatten in Kärnten nicht unbedeutende Ämter inne: Martin Hofmann war von 1385 bis 1390 Burggraf auf Hochkraig und Wilhelm Hofmann war 1431 Dechant in Gurk. 1463 wird Liebhart Hofmann von Pregrad als Zeuge in einer Urkunde des Blasius Rumpold von Aich genannt. Er war Landrichter des Gurker Bischofs im Gurktal. Nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommens der Hofman gelangte die Herrschaft an das Bistum Gurk zurück.

Jochner von Pregrad

Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts kam Prägrad in den Besitz der aus dem Lungau zugezogenen Familie Jochner, die sich danach Jochner „von Pregrad“ nannte. Veith Jochner von Pregrad, Amtmann und Anwalt des Domstiftes Gurk, besaß die Herrschaft bis 1618. Er ließ den Turm, einen aus Ende des 14. Jahrhunderts stammenden Bergfried, adaptieren und anstelle des zerstörten Palas ein Schloss anbauen, das 1585 fertiggestellt worden sein dürfte. Veit Jochner war mit Barbara, geb. Raidhaupt verheiratet, deshalb befinden sich die Wappen beider Familien über dem Portal. Sohn Christoph musste aber schon 1619 die Herrschaft wegen hoher Schulden wieder an den Bischof von Gurk veräußern.

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Industrielle auf Thurnhof

Um 1700 gelangte der Turmhof als Lehensbesitz an die Familie Egger. Der aus Leoben stammende Paul Egger jun. (1658 – 1733) hatte eine Floßhütte (Hochofen) in Treibach und Erzgruben in Hüttenberg erworben und den Aufstieg der Familie zu einer der bedeutendsten Eisenindustriellen-Dynastien in Kärnten begründet. Paul Egger ließ das Schloss Thurnhof umgestalten – damals dürfte das Bauwerk das heutige Aussehen erhalten haben.

Nach dem Niedergang der Bergwerks- und Hüttenindustrie in Kärnten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veräußerte die 1785 in den Grafenstand aufgestiegene Familie Egger eine Reihe ihrer Betriebe und Güter. Das Treibacher Werksgelände und ein großer Teil des Grundbesitzes, darunter Thurnhof, ging an die Holzfirma Ujlaky-Hirschler & Sohn. Im Jahr 1899 erwarb der Holzindustrielle Karl Funder das Gut Thurnhof. In der Industriellenfamilie Funder blieb der Besitz knapp 100 Jahre. 1980 übernahm Karl Funder den Besitzanteil von Dipl.-Ing. Adolf Funder.

Am 26. September 1989 erwarb Franz Wilhelm Treppo von Karl Funder das Schloss Thurnhof. Treppo, 1941 in Klagenfurt geboren, war Unternehmer in Mailand. Sein Vater betrieb ein Schotterwerk in Völkermarkt und seine Mutter stammte aus der Mölltaler Familie Aicher von Aichenegg. Ahnherren dieser Familie waren die Brüder Hans und Georg Christoph Aicher, Söhne eines Salzschreibers in Hall, die um 1600 von Kaiser Leopold nach Kärnten geholt und als Steuer- und Mauteinnehmer in Döllach (Großkirchheim) und Winklern im Mölltal eingesetzt worden waren. Die Familie wurde 1677 geadelt (Prädikat „von Aichenegg“). Ein bedeutender Vertreter der Familie, der Notar, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Joseph Aicher von Aichenegg (1848 – 1899), besaß unter anderem den Mautturm Winklern und die Herrschaft Großkirchheim, zu der das Großglockner-Gebiet auf der Kärntner Seite mit dem Pasterzengletscher gehörte. Seine 1884 geborene Tochter und Teilerbin Maria heiratete den Holzindustriellen Albert Wirth. Dieser gilt als Pionier der Nationalpark-Idee, indem er 1914 von seinen Schwägerinnen deren Anteile am Großglockner-Besitz erwarb und das Gebiet 1918 dem Deutschen Alpenverein mit der Auflage schenkte, es vor weiterer Erschließung zu schützen.

Franz Wilhelm Treppos starb am 6. November 2014 in Klagenfurt. Seine Frau Ruth, mit der er seit 1971 verheiratet war, stammt aus der geadelten Familie Stacher aus Stachen im Thurgau (Schweiz).

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Schloss Thurnhof in Zweinitz

Das Jungfräulein von Thurnhof

Schloss Thurnhof spielt beim Weitensfelder Kranzelreiten eine besondere Rolle: Der Sage nach sollen vor langer Zeit, als die Pest in Kärnten einen großen Teil der Bewohner ausrottete,  in Weitensfeld nur drei Burschen und ein „Edelfräulein“ vom Schloss Thurnhof überlebt haben. Die Überlebenden bemühten sich um das Mädchen und einigten sich auf einen Wettkampf: Wer bei einem Lauf als Sieger hervorgeht, darf das Mädchen heiraten. In Erinnerung an diese Sage gibt es jedes Jahr zu Pfingsten in Weitensfeld das Kranzelreiten mit dem Wettlauf von drei Burschen. Der Sieger darf die steinerne Jungfrau auf dem Marktplatz küssen. Alle 25 Jahre, bis 1922 alle 50 Jahre, wird anstelle der steinernen Jungfrau ein Mädchen aus dem Ort ausgewählt, um das die Wettläufer kämpfen. Das bisher letzte Jubiläumskranzelreiten fand zu Pfingsten 1997 statt – mit der damals 17-jährigen Eva Bianca Treppo als „lebende Jungfrau“, der Tochter von Franz Wilhelm und Ruth Treppo.

Das neue „Schloss Pregrad“

Als der bedeutende Topograph und Historiker Johann Weichard Valvasor Freiherr zu Galleneck und Neudorff (1641 – 1693) Ende des 17. Jahrhunderts das Gurktal bereiste und Zeichnungen und Skizzen von Burgen, Schlössern und Orten anfertigte, zeichnete er im Jahr 1681 auch das Schloss Thurnhof, das er fälschlicherweise als „Pregern“ statt „Pregrad“ bezeichnete. „Das Schloss Pregern ligt im Gurgger Viertheil / zwischen Gurgg und Weittensfeld / auf einer zimlichen Höhe / an einem lustigen Ort. Gehört dem Erz-Bistum Salzburg“, beschrieb Valvasor das kleine Schloss in Zweinitz. Seine Skizzen wurden unter anderem von Andreas Trost in Kupferstichen verarbeitet, die 1688 in der „Topographia Archiducatus Carinthiae antiquae & modernae completa“ und in anderen Werken abgedruckt wurden; Valvasors grafische Sammlung wurde in der 17-bändigen „Inconotheca Valvasoriana“ zusammengefasst.

Auf Valvasors Zeichnung befinden sich neben dem Schloss Thurnhof weitere Gebäude, unter anderem ein Torbau und ein Herrenhaus, vermutlich das Pflegerhaus. Wann diese Gebäude verschwanden, ist nicht bekannt.

Thurnhof-Besitzer Franz Wilhelm Treppo ließ in Anlehnung an den Valvasor-Stich neben dem Schloss ein Herrenhaus errichten, genannt „Pregrad“. Über dem Eingang ließ Treppo ein Wappen anbringen, das aus Elementen der Wappen der Familien seiner Frau Ruth (Stacher aus Thurgau) und seiner Mutter (Aicher von Aichenegg) zusammengesetzt ist. Darunter befindet sich eine Tafel mit dem Leitspruch Treppos, „LABOR – OMNIA  – VINCIT “ („Arbeit besiegt alles“), sowie den Jahreszahlen 1681 (Jahr der Valvasor-Zeichnung) und 1995 (Baubeginn des Herrenhauses).

Der Hang zur Geschichte des Schlossbesitzers zeigt sich unter anderem im Vestibül: Dort befindet sich eine Nachbildung des „Jünglings vom Magdalensberg“. Diese römische Bronzestatue aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert wurde im Jahr 1502 von einem Bauern beim Pflügen auf dem Magdalensberg gefunden. Als der Gurker Bischof Matthäus Lang von Wellenburg Erzbischof von Salzburg wurde, nahm er die Statue 1519 nach Salzburg mit. 1551 gelangte die Bronzestatue in den Besitz des Königs Ferdinand I., später befand sie sich im königlichen Schloss von Aranjuez in Spanien. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist das Original verschollen. Ein Abguss aus dem 16. Jahrhundert befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Marktgemeinde Weitensfeld (Hrsg.): Das Weitensfelder Kranzelreiten, Druckzentrum St. Veit, Weitensfeld 1998.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).

Treppo, Franco: Chronik von Schloss Thurnhof und deren Besitzer, 1993 (unveröffentlicht).

Zeloth, Thomas (Hg.): Weitensfeld. Eine Marktgemeinde im Herzen des Gurktales. Klagenfurt, 2008.

 

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Februar 4, 2018 - Posted by | Uncategorized

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