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Schloss Straßburg: Residenz der Bischöfe

Schloss Straßburg im Gurktal war sieben Jahrhunderte lang Residenz der Bischöfe von Gurk und ein wichtiges Verwaltungszentrum in Kärnten.

Die ersten Gurker Bischöfe waren Hilfsbischöfe des Erzbischofs von Salzburg Sie residierten in Gurk und Friesach. Roman I., Bischof von Gurk von 1131 bis 1167, begann mit dem Bau des Gurker Doms und ließ auch eine neue Residenz errichten. Der Hügel über dem Talboden in der Mitte des Gurktals bot sich als geeigneter Platz für den Bau einer repräsentativen Festung an. Hier könnte schon vorher ein befestigter Bau der Salzburger Erzbischöfe gestanden sein.

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Schloss Stra0burg im Gurktal

Die „Burg an der Straße“ mit einer mächtigen Ringmauer wurde 1147 erstmals urkundlich erwähnt. Das erste Bauwerk innerhalb der inneren Ringmauer (Bering) war der Bergfried (Faulturm). Im dritten Geschoß bestand ein Wehrgang und im Untergeschoß befand sich das nur spärlich beleuchtete Verließ. Salzburgs Erzbischof Eberhard I. besuchte 1161 die Straßburg. Während der Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof von Gurk und dem Erzbischof von Salzburg wurde die Straßburg, auf der sich der Gegenbischof Hermann von Ortenburg verschanzt hatte, 1179 und 1180 eingenommen und 1180 zerstört, ebenso wie die Siedlung Straßburg unterhalb der Burg.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand im Süden des Burgareals der 30 Meter lange und 13 Meter breite, ursprünglich zweigeschoßige Palas, ein repräsentativer Wohnsitz. 1368 vernichtete ein Brand einen Großteil der Burg und das Archiv. Es erfolgte ein Neuaufbau und an die nördliche Außenseite der Ringmauer wurden zwei Türme angebaut. Die hohe Zwingmauer in der heutigen Form stammt aus dem 15. Jahrhundert und hatte wahrscheinlich einen Torturm. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der zweigeschoßige Westtrakt mit dem Kapellenraum und den beiden Nordtürmen erbaut. 1478 wurde die Burg beim Einfall der Türken beschädigt. Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es weitere Um- und Ausbauten. Bischof Antonius Salamanca-Hoyos ließ 1545 einen neuen Mauergürtel und die halbrunden Bastionen bauen. Johann Anton Verda, der auch das Landhaus in Klagenfurt fertigstellte, plante im Auftrag von Christoph Andreas von Spaur das dreigeschoßige Stall- und Kastengebäude, das der Werkmeister Andrea dell’Allio 1583/84 baute.

Spaurs Nachfolger Johann Jakob von Lamberg ließ die Burg um zwei Stockwerke erhöhen. 1611 entstand ein Stiegenaufgang zum Palas. Im 17. Jahrhundert wurde das Stall- und Kastengebäude mit einem Arkadentrakt mit der inneren Burg verbunden. Die Gestaltung des Innenhofs mit den Arkadenreihen erfolgte um 1685 unter Johannes VIII. Kardinal Goëss. Der Bischof ließ an der Stelle des ehemaligen Torturms das Hauptportal errichten. Die Arbeiten erfolgten vom Bildhauer Johannes Payr aus St. Lambrecht. Kardinal Goëss ließ die Kapelle mit Stuck und Fresken neu ausstatten und sich im Hauptportal mit einer Nischenstatue und einer Inschrift im Aufsatz verewigen.

Im frühen 18. Jahrhundert befand sich im Schloss ein Barocktheater und um 1724 eine Apotheke.

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Arkaden im Schlosshof

Beim Erdbeben am 21. November 1767 wurde die Burg stark beschädigt; der Verfall begann. 1783 übersiedelte Bischof Josef II. (Franz Anton) Graf von Auersperg in die neu errichtete Residenz in Pöckstein. Bis dahin residierten 51 Bischöfe in Straßburg. Das Schloss wurde geplündert, Steine, Tür- und Fensterstöcke wurden abgetragen und für Haus- und Stallbauten in der Stadt verwendet. 1856 brach nach einem Blitzschlag in der Straßburg ein Brand aus, das Holzdach wurde ein Raub der Flammen. Damit schien das Schicksal der Burg besiegelt zu sein. Mit einem Notdach wurde versucht, den weiteren Verfall der Anlage zu verhindern. 1864/65 erwog man, in der Burg eine Landesirrenanstalt einzurichten und nach dem Ersten Weltkrieg plante man ein Invalidenheim. 1910 und 1915 stürzten Teile des Palas ein.

1920 wurde der „Ortsausschuss zur Erhaltung des Schlosses Straßburg“ gegründet. Aber 1954 wurde aus Sicherheitsgründen mittels Bescheid der Abbruch des Schlosses angeordnet. Der 1955 gegründete „Verein der Freunde der Straßburg“ ließ mit Unterstützung des Bistums Gurk Rettungs- und Sanierungsmaßnahmen durchführen und rettete das geschichtsträchtige Bauwerk vor dem Abbruch. Bauteile wurden stabilisiert, Mauerschäden beseitigt, neue Dächer errichtet und die teilweise eingestürzten Arkaden wiedererrichtet. Heute befinden sich auf der Straßburg ein Museum mit volkskundlichen Sammlungen sowie Ausstellungsräume. Der 1994 gegründete „Kulturring Schloss Straßburg“ organisiert kulturelle Veranstaltungen und Kurse im Schloss.

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Schloss Straßburg: Zeichnung von Valvassor

Straßburger Ministeriale

Auf der Burg und in der Stadt gab es Ministeriale, die als Burggrafen, Vizedome und Hauptleute fungierten und die Hofämter des Gurker Bischofs wahrnahmen. Ministeriale waren ursprünglich unfreie Verwalter und Sicherer des Besitzes der adeligen und geistlichen Grundherren. Ab dem 13. Jahrhundert wurden die Ministerialen zum niederen Adel gezählt. Seit dem 12. Jahrhundert unterhielt der Bischof – ähnlich wie ein Fürst – die Hofämter Marschall, Truchsess, Kämmerer und Mundschenk. Außerdem gab es den Markt- bzw. Stadtrichter, den bischöflichen Amtmann und neben diesem ab dem 14. Jahrhundert einen Hofamtmann. Dieser war Kellermeister und nach der Verleihung des Blutbanns (Hochgerichtsbarkeit) durch König Rudolf von Habsburg im Jahr 1280 auch Landrichter im Gurktal. Allerdings fällte ab 1494 der kaiserliche Bannrichter des Herzogtums Kärnten die Todesurteile. Die Hinrichtung vollzog der herzogliche Freimann.

Die für Führungsaufgaben in der Verwaltung und zur Verteidigung der Güter eingesetzten Ministerialen des Gurker Bischofs wohnten im Faulturm der Burg oder im und um den Ort Straßburg. Im 12. und 13. Jahrhundert führten einige Ministeriale den Namenszusatz „von Straßburg“. Vinzenz von Straßburg († 1426) stammte aus einer Friesacher Bürgerfamilie und war von 1401 bis 1411 Landesvizedom von Kärnten. Die Buzzonen waren im 13. Jahrhundert die mächtigsten unter den Ministerialen des Gurker Bischofs. Sitz der Familie war ein Gebäude unter dem Schloss Straßburg, der „Putzenhof“, der in einer Urkunde vom 25. März 1408 als „Puczenhof“ bezeichnet wurde. Die Buzzonen hatten eine Reihe von Hofämtern des Bischofs inne. 1212 wurde ein „dominus Engilbertus“ urkundlich erwähnt, sein Bruder „dominus Buzzo“ war 1241 Kastellan auf der Straßburg. 1231 rebellierte Vizedom Hartwig von Buzzo gegen seinen Dienstherrn Bischof Ulrich I. und besetzte die Straßburg. Als Vizedom war er oberster Verwalter der Güter des Bistums. Bei den Auseinandersetzungen ging es auch um den Erwerb der Gerichtsbarkeit, die mit einem Machtzuwachs und zusätzlichen Einnahmen verbunden war.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Buzzonen und dem Bischof fielen in die Zeit der Bestrebungen des Bistums Gurk, sich von Salzburg zu lösen – unter Verwendung von gefälschten Urkunden und auch mit Gewalt. Im Jahr 1247 kam es abermals zu einer Rebellion gegen Bischof Ulrich, und zwar durch die Söhne Hartwigs, Engelram und Engelbert. Die beiden Buzzonen nahmen die Straßburg ein, raubten den Schatz des Bischofs und verwüsteten Bistumsgüter. Bischof Ulrich I. reiste zum Papst nach Rom, um dort eine Lösung des Streits herbeizuführen. Durch die Auseinandersetzungen häuften sich im Bistum hohe Schulden an, so dass Ulrich den Markt Straßburg an Rudolf von Ras verpfänden musste. Die Buzzonen starben im 14. Jahrhundert aus. Nach ihnen amtierten als Hauptleute auf der Straßburg unter anderem Mitglieder der Adelsfamilien Liechtenstein-Murau, Saurau, Welzer und Khevenhüller.

Quelle:

Werner Sabitzer: Land der Hemma – Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz, 2013.

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Juni 29, 2018 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar