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Rebellische Gurktaler: Der Steueraufstand 1931

Im November 1931 beschlossen die Bürgermeister der sieben Gemeinden des Gurktals bei einer Protestversammlung in Weitensfeld, keine Steuern und Abgaben mehr zu zahlen.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929, die hohe Arbeitslosigkeit in Österreich, hohe Reparationszahlungen als Folge des Ersten Weltkriegs und die enorme Verschuldung des Staates führte zu einer schweren wirtschaftlichen Krise auch im Gurktal. Viele Bauern waren verschuldet, Höfe wurden versteigert und die Gurktaler Gemeinden waren kaum mehr in der Lage, den finanziellen Forderungen nachzukommen.

Im Herbst 1931 eskalierte die Lage. Die Bürgermeister der sieben Gurktaler Gemeinden Albeck, Deutsch-Griffen, Glödnitz, Weitensfeld, Gurk, Straßburg und Pisweg sowie Gemeinderäte, Bauern und Vertreter der Wirtschaft kamen am 11. November 1931 in Weitensfeld zu einer Protestversammlung zusammen. Die Gemeindevertreter erklärten sich für zahlungsunfähig und es wurde der einstimmige Beschluss gefasst, bis auf Weiteres keine Steuern, Abgaben und Kreditzinszahlungen an das Land Kärnten und an den Bund zu entrichten.

Protestbrief an den Innenminister

Bei der Protestversammlung wurde eine Entschließung an den – unter anderem für Gemeindeangelegenheiten zuständigen – Bundesminister für innere Angelegenheiten Franz Winkler gerichtet. Die von den sieben Gurktaler Bürgermeistern unterschriebene Entschließung hatte folgenden Wortlaut:

„Da sämtliche bisher gefassten Entschließungen und Forderungen, die zum Aufleben unserer Wirtschaft und zur Milderung der Wirtschaftsnot beigetragen hätten, bisher ohne jeden Erfolg geblieben sind, und anderseits die von der Regierung getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, uns über das Wirtschaftselend hinwegzuhelfen, sehen sich die Bürgermeister aus dem Gurktale auf Drängen der gesamten Steuerträger ihrer Gemeinden gezwungen, nachstehende Entschließung zu überreichen: Die Steuerträger aus den Gemeinden Albeck, Deutsch-Griffen, Groß-Glödnitz, Weitensfeld, Gurk, Straßburg und Pisweg erklären sich für zahlungsunfähig. Es werden von heute an keinerlei Steuern, Landes- und Bundesabgaben, soziale Lasten, Krankenkassenleistungen, Hypothekarzinsen und Darlehenszahlungen mehr geleistet. Gleichzeitig wird die sofortige Einstellung sämtlicher laufenden obgenannte Zahlungen betreffenden Exekutionen gefordert. Sollten die Exekutionen trotzdem – und wenn auch mit Staatsexekutiven – durchgeführt werden, so lehnen wir jede Verantwortung, die sich aus einer solchen Handlungsweise ergeben sollte, entschieden ab und warnen vor einem solchen Schritt!“

Der letzte Satz enthielt die indirekte Drohung, dass einem behördlichen Zwang mit Gewalt reagiert werden könnte.

Auch in der Steiermark beschlossen einige kleine Gemeinden, Zahlungen von Bundes- und Landesabgaben einzustellen.

Niederschlagung des Steuerstreiks

Der Steuerstreik hielt nicht lange an. Die Kärntner Landessteuerdirektion stellte bald den Großteil des Gurktals unter Zwangsverwaltung, insgesamt waren es über 50 bäuerliche Siedlungen und Gehöfte. Ein Wirtschaftsfachmann aus Klagenfurt wurde zur Vollstreckung der Zwangsverwaltung nach Straßburg geschickt. Wütende Bauern verhinderten aber vielfach die Durchsetzung von Zwangsvollstreckungen. Als etwa 1932 bei einigen Bauern in Glödnitz Vieh beschlagnahmt werden sollte, um Steuerschulden zu begleichen, rotteten sich Bauern zusammen und verhinderten den Abtransport des Viehs.

Die wirtschaftliche Not im Gurktal blieb bestehen. Immer mehr Bauernhöfe wurden zwangsversteigert. Von der wirtschaftlichen Not profitierten die Nationalsozialisten, die vor allem im oberen Gurktal viele Anhänger fanden. Zwei Jahre nach der Niederschlagung des Steuerstreiks kam es im Juli 1934 zu einem Putschversuch der illegalen Nationalsozialisten, der in der Gemeinde Weitensfeld neun Tote forderte. Und als am 12. März 1938 nationalsozialistische Truppen in Österreich einmarschierten, jubelte fast das ganze Gurktal.

Werner Sabitzer

 

 

 

Mai 8, 2016 Posted by | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Geschichte, Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar

Die Leonhardskirche in Höllein

Eine der interessantesten Kirchen im Gurktal ist das romanische Kirchlein St. Leonhard in Höllein.

 

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Unter dem Bergbauernhof vlg. „Fåsch in der Höll“ in Höllein bei Gundersdorf befindet sich eine kleine Kirche, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Das ursprünglich auch dem heiligen Lorenz geweihte Gotteshaus wurde im 11. Jahrhundert errichtet, aber erst 1404 erstmals urkundlich erwähnt. Der breite Vorhallenturm dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen und der hölzerne Aufbau ist jüngeren Datums.

Im Hochmittelalter wurde im Hölleiner Gebiet Silber abgebaut und hier befand sich eine schon 1045 urkundlich erwähnte Knappensiedlung. Als sich Kaiser Friedrich II. Barbarossa 1170 in Friesach aufhielt, gewährte er Bischof Roman I. von Gurk den Besitz der Erzgruben in Höllein und anderen Bergwerken auf Gurker Boden, die bis dahin dem Erzbistum Salzburg vorbehalten waren. Roman I. war der bedeutendste Gurker Bischof im Hochmittelalter. Er begann mit dem Bau des Gurker Doms und ließ die Straßburg errichten. Er gilt auch als Erbauer der ursprünglichen Burg Pöckstein.

 

Leonhardskette

Leonhardskette

Eine Besonderheit der Leonhardskirche ist eine geschmiedete Kette, mit der Kirche umzogen ist – die sogenannte „Leonhardskette“. Der Sage nach soll diese Kette nach dem Türkeneinfall in das Gurktal von 1478 geschmiedet worden sein – als Folge eines Gelübdes und als Dank, dass der Ort von den Eindringlingen verschont worden sei.

In einer Urkunde von 1513 wird der Ort „Dehelen“ genannt. Das Kirchlein war früher eine Filialkirche von Friesach. Im Jahr 1780 wurde beantragt, in Höllein eine eigene Kuratie zu errichten. Die ehemalige Pfarrkirche am Petersberg hätte dazu mit einer höheren Geldsumme beitragen sollen. Da es aber zu wenig und weit verstreute Bewohner für die neu zu errichtende Seelsorgestation gab, kam es nicht dazu.

In den Jahren 1993 und 1994 erhielt die Kirche einen neuen Anstrich. Danach wurde sie neu geweiht. Früher gab es auch einen jährlichen Kirchtag beim „Fåsch in der Höll“.

 

Das Hölleiner Kruzifix

Hoelleiner_Kruzifix

Aus der Kirche stammt eines der berühmtesten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs – das „Hölleiner Kruzifix“ von 1170/80, ein „Vier-Nagel-Typus“. Die Beine des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ursprünglich war eine Fußstütze (Suppedaneum) vorhanden. Das knapp ein Meter hohe Kruzifix ist das einzige erhaltene romanische „Großkreuz“ Kärntens. Dieses Holzkreuz und eine gotische Leonhardsfigur aus der Hölleiner Kirche können seit Mai 2014 in der neuen „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof besichtigt werden, in der sich nun die Exponate des ehemaligen Diözesanmuseums Klagenfurt befinden.

Werner Sabitzer

 

Quellen:

Biedermann, Gottfried: Romanik in Kärnten. Reihe: Die Kunstgeschichte Kärntens, hrsg. von Gottfried Biedermann und Barbara Kienzl. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt, 1994.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Sabitzer Werner: Land der Hemma.Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

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Mai 31, 2014 Posted by | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar

100 Jahre „Kärntner Anzug“

Vor 100 Jahren kreierte der Brauchtums- und Trachtenmaler Leopold Resch im Auftrag der „Kärntner Landsmannschaft“ den „Kärntner Anzug“.

Im Jahr 1910 wurde die „Kärntner Landsmannschaft“ gegründet. Als eines der ersten Vorhaben beschloss der Vereinsvorstand, einen Kärntner Landestrachtenanzug einzuführen. Bis dahin wurde in Kärnten der graue Steirer-Anzug als Tracht getragen.
Die Landsmannschaft beauftragte Prof. Leopold Resch, eine entsprechende Tracht zu entwerfen. Der akademische Maler und Bildhauer war der bedeutendste Trachten- und Brauchtumsmaler Kärntens. 1877 in Weyer an der Enns geboren, wuchs er in Pontafel (Pontebba) im Kanaltal auf, das damals zu Kärnten gehörte. Sein Vater war dort bei der Eisenbahn beschäftigt. Leopold Resch absolvierte die Drechslerschule in Malborghet im Kanaltal die Fachschule für Holzindustrie in Villach und danach die Kunstgewerbeschule in Wien. Ab 1906 war er Lehrer an der Bau- und Kunsthandwerkschule in Klagenfurt. 1910 begann er mit dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in München.1911 wurde die Bau- und Kunsthandwerkschule von Klagenfurt nach Villach verlegt; Resch übersiedelte als Lehrer mit.
Prof. Resch, Mitgründer der „Kärntner Landsmannschaft“ und des Kärntner Heimatmuseums, kreierte einen Entwurf des neuen Kärntner „Trachtengwandls“. Als Vorlage dienten ihm die Kanaltaler und die Gailtaler Tracht. Getragen werden konnte eine braune oder eine schwarze Hose. Der Hut wurde der Farbe des Trachtenrocks angeglichen.
Der Künstler präsentierte den kastanienbraunen Anzug mit grünem Aufputz erstmals öffentlich bei der Landeshandwerker-Ausstellung 1911 in Klagenfurt. Im Lauf der Jahre setzte sich statt der kastanienbraunen die haselnussbraune Farbe durch und das „Steirer-Gwandl“, das auch in anderen Bundesländern getragen wurde, verlor in Kärnten immer mehr an Bedeutung. Es gab auch Änderungen im Design: Anstelle der Brusttaschen mit Klappen traten Einschnitte; die Rückenfalte und die Rückenspange wurden durch einen Schlitz ersetzt.
Resch entwarf auch das Kärntner Blaupunktdirndl, das so genannte „Resch-Dirndl“, bestehend aus einem dunkelblauen Baumwollstoff mit weißen Tupfen sowie einer weißen Schürze mit rot-blauem Streifenmuster. Verheiratete Frauen tragen die Masche rechts, unverheiratete links.
Prof. Leopold Resch starb am 14. November 1937 in Villach, drei Tage nach seinem 60. Geburtstag. In Drobollach bei Villach erinnert der Leopold-Resch-Weg an den bekannten Kärntner Künstler.

Werner Sabitzer

August 21, 2011 Posted by | Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar

200 Jahre „Carinthia“: „Wochenblatt zum Nutzen und Vergnügen“

Vor 200 Jahren, am 1. Juli 1811, erschien die erste Ausgabe der „Carinthia“. Sie ist die älteste ununterbrochen bestehende Zeitschrift Österreichs.

Carinthia 1855

Carinthia 1855

Die „Carinthia“ mit dem Untertitel: „Ein Wochenblatt zum Nutzen und Vergnügen“ wurde von einer Gesellschaft von Vaterlandsfreunden gegründet und erschien erstmals am 1. Juli 1811. Sie ist damit die älteste ununterbrochen bestehende Zeitschrift Österreichs und auch eine der ältesten Publikationen dieser Art im deutschen Sprachraum.
Die ersten periodischen Publikationen mit allgemein wissenschaftlichem Charakter in Europa erschienen Mitte des 17. Jahrhunderts. Als erste Wissenschaftszeitschriften gelten die ab 1665 herausgegebenen Publikationen Journal des sçavans und Philosophical Transaction. Das in Paris herausgegebene Journal des sçavans (1816 umbenannt in Journal des savants) war eine Zeitschrift von Gelehrten für Gelehrte. Der Inhalt setzte sich hauptsächlich zusammen aus Buchbesprechungen, Nachrufe auf Gelehrte sowie aus Forschungsbeiträgen und Informationen über neue Erkenntnisse auf den Gebieten der Naturwissenschaften, der Technik und der Anatomie. Dazu kamen Entscheidungen von geistlichen und weltlichen Gerichten. Herausgeber der Zeitschrift Philosophical Transaction war die „Royal Society of London for the Improvement of Natural Knowledge“.
Die erste im deutschsprachigen Raum erschienene Wissenschaftszeitschrift war die in Leipzig in lateinischer Sprache ab 1682 herausgegebene Publikation Acta eruditorum. Sie entwickelte sich zur führenden Wissenschaftszeitschrift im 18. Jahrhundert. Die „Carinthia“ ist nach den in Deutschland erschienenen Publikationen „Göttingsche gelehrten Anzeigen“ (ab 1738) und „Annalen der Physik“ (ab 1799) die drittälteste deutschsprachige Zeitschrift.
Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe der „Carinthia“ befand sich ein zehnzeiliges Werk von Johann Wolfgang von Goethe und das Gedicht „Deutscher Gruß an Deutsche“.

Gründungsredakteur war Carl Mercy aus Stralsund, Buchhandlungs-Commis und Schauspieler am Ständischen Theater. Ihm folgte im Herbst 1811 Stadtphysikus Dr. Johann Gottfried Kumpf, der „durch gediegene Beiträge dem Blatt einen bleibenden Wert“ verleihen wollte. In einem Beitrag im Gründungsjahr heißt es: „Da Kärnten sowohl Deutsche als Slowenen (slovenzi) bewohnen, so gehört es mit in den Plan der ,Carinthia‘, auch manche slowenische Aufsätze zu liefern, da wo nämlich der Raum der Deutschen dieß zu thun gestatten wird“. Der erste slowenisch-sprachige Beitrag war ein Gedicht.
Kumpf gründete 1818 die „Kärntnerische Zeitung“, die bis 1835 bestand und in der Beiträge über Kultur, Literatur und Landeskunde erschienen. Kumpf schrieb Gedichte und sammelte Römersteine auf, die er dem Geschichtsverein für Kärnten überließ.
1814 gab es bereits 900 Abnehmer der „Carinthia“. Ab 1915 leitete Simon Martin Mayer die Redaktion. Von 1821 bis 1890 lautete der Untertitel „Für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung“.
Im Revolutionsjahr 1848 verstand sich die „Carinthia“ als „Constitutionelles Blatt für Zeitinteressen“; die Redaktion leitete damals Vinzenz Rizzi. Der Humanist Rizzi (1816 – 1856) setzte sich unter anderem für die Gleichberechtigung aller Völker in der österreichisch-ungarischen Monarchie ein. Auch in der „Carinthia“ fanden sich nun Themen wie die Pressefreiheit und andere Errungenschaften der Revolution. Kurz danach übernahm wieder Mayer die Redaktionsleitung, aber 1851 löste ihn wieder Rizzi ab.

Selbstständige Zeitschrift

Ende 1854 kam es zu einem Neubeginn der Publikation. Die „Carinthia“ konnte nicht mehr als Beilage der „Klagenfurter Zeitung“ erscheinen, da in der nun täglich erscheinenden „Klagenfurter Zeitung“ ein eigener Unterhaltungsteil eingerichtet wurde. Die Einstellung der „Carinthia“ konnte aber durch den Einsatz von Simon Martin Mayer und anderer Interessierter abgewendet werden. Mayer führte die Carinthia bis 1863 als selbstständiges Wochenblatt weiter. Gedruckt wurde die Publikation bei Leon in Klagenfurt.
1863 drohte abermals das Ende; diesmal verpflichtete sich der 1844 gegründete „Geschichtsverein für Kärnten“ für die Weiterführung der Publikation – gemeinsam mit dem 1848 gegründeten „Naturhistorischen Landesmuseum“ (später: Naturwissenschaftlicher Verein). Die beiden Vereine gaben von 1864 bis 1890 Monatshefte der „Carinthia“ heraus – Untertitel war „Zeitschrift für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung“; ab 1869 wurden keine belletristische Beiträge mehr veröffentlicht.
Redaktionsleiter waren Ernst Rauscher (1863), Dr. Heinrich Weil (1864/65), Dr. Ludwig Jßleib (1866 bis 1868) sowie J. Leodegar Canaval und Anton Ritter von Gallenstein (1869 bis 1874). Von 1875 bis 1890 redigierte die Fachzeitschrift der Klagenfurter Botaniker und Sammler Markus Freiherr von Jabornegg (1837 – 1910).

„Neue Carinthia“

Kritik an der mangelnden wissenschaftlichen Qualität mancher Beiträge war einer der Ursachen für die letzte große Krise der Zeitschrift im 19. Jahrhundert. 1890 wurde der Titel in „Neue Carinthia. Zeitschrift für Geschichte, Volks- und Altertumskunde für Kärnten“ geändert; allerdings nur für einen Jahrgang. Die Diskussionen führten zu einer grundlegenden Reform: Bei der turbulenten Generalversammlung des Geschichtsvereins für Kärnten im Jahr 1890 wurde eine Trennung in zwei Zeitschriften beschlossen: Ab 1891 veröffentlichte die „Carinthia I“ historisch-volkskundliche Beiträge und die „Carinthia II“ Artikel naturwissenschaftlichen Charakters.

Die „Carinthia I“ wurde von nun allein vom Geschichtsverein herausgegeben und trug bis 1930 den Untertitel „Mittheilungen des Geschichtsvereines für Kärnten“. Es gab sechs Hefte jährlich. Forschungsgebiet war die Landesgeschichte Kärntens.
Simon Laschitzer legte ein Programm für die „neue Carinthia“ vor. Laschitzer, ein Bauernsohn aus Unterbrückendorf bei Launsdorf, maturierte mit Vorzug am k. k. Gymnasium in Klagenfurt, studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Wien und absolvierte 1873 bis 1875 den Institutskurs für österreichische Geschichtsforschung. Von 1888 bis 1897 war er Vorstand der k. k. Studienbibliothek in Klagenfurt. 1890 bis 1897 war er Direktor-Stellvertreter des Geschichtsvereins für Kärnten und Redakteur der „Carinthia I“. Danach zog er wieder nach Wien, wo er Bibliothekar an der k. k. Akademie der bildenden Künste war. Er starb am 10. September 1908 in Wien, wurde aber auf seinen Wunsch auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt begraben.
Auf Laschitzer folgte im Jahr 1898 August von Jaksch als Schriftleiter der „Carinthia I“. Er betreute 15 Jahrgänge bis 1912 und war auch als Autor tätig. Nach seinem Rücktritt war 1913 ein dreiköpfiges Redaktionskomitee für die Herausgabe verantwortlich und 1914 übernahm Gymnasialprofessor Dr. Martin Wutte allein die Schriftleitung. Wutte, geboren 1876 in Obermühlbach, studierte Geschichte und Geografie in Graz (1901 Dr. phil.) und unterrichtete danach in Graz, Marburg und am Staatsgymnasium Klagenfurt. Er war 1919 in Saint Germain Sachbearbeiter für Kärnten in der österreichischen Delegation zur Vorbereitung der Kärntner Volksabstimmung. 1923 wurde er Direktor des Landesarchivs. Wutte, seit 1905 Mitarbeiter der „Carinthia I“, bestimmte die Linie der Zeitschrift während des Kärntner Abwehrkampfs 1918/20: Die „Carinthia I“ habe ihre Spalten der wissenschaftlichen Erörterung von geschichtlichen, siedlungsgeographischen und statistischen Problemen geöffnet, deren Aufhellung zur Verteidigung der Einheit und Freiheit Kärntens notwendig war“, schrieb Wutte 1930 in der Festschrift zur Zehnjahresfeier der Kärntner Volksabstimmung. „Der Wissenschaft dienend, durfte sie gegenüber den Versuchen, die Politik der Gewalt, die da gegen Kärnten eingeschlagen wurde, mit wissenschaftlichen Scheingründen zu rechfertigen, nicht schweigen.“

Martin Wutte betreute die „Carinthia I“ 25 Jahre lang bis 1938. 1939 wurde sein Schüler Gotbert Moro Schriftleiter. Wutte blieb Autor bis zu seinem Tod 1948.
Dr. Gotbert Moro, geboren 1902, war Direktor des Kärntner Landesmuseums und des Landesarchivs und betreute die „Carinthia I“ bis 1970 als Schriftleiter.
Ab 1932 gab es zwei Hefte jährlich, davor wurden schon jeweils drei Hefte zu zwei Bänden jährlich zusammengelegt.
Auf Gotbert Moro folgte 1971 Dr. Wilhelm Neumann. Er war bis 1990 Schriftleiter der „Carinthia I“, mit Ausnahme des Jahres 1975: In diesem Jahr war Dr. Alfred Ogris für die Publikation verantwortlich. 1991 übernahm Ogris die Schriftleitung. Er war von 1960 bis 1963 Volksschullehrer an zweisprachigen Volksschulen in Kärnten, studierte Geschichte und Germanistik in Wien, promovierte 1967 mit einer Dissertation über Völkermarkt und war ab 1968 Archivar am Kärntner Landesarchiv. Sieben Jahre war er an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt tätig, 1983 habilitierte er sich an der Universität Wien. Er hielt Vorlesungen an den Universitäten Wien, Klagenfurt und Graz und von 1981 bis zur Pensionierung 2001 war er Direktor des Kärntner Landesarchivs. Sein Nachfolger als Archiv-Direktor wurde Dr. Wilhelm Wadl, er leitet seit 2008 auch die „Carinthia I“ (Untertitel: „Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten“). Die nun 200 Jahre alte, vom Geschichtsverein für Kärnten herausgegebene „Carinthia I“ blieb die einzige periodische historisch-wissenschaftliche Publikation in Kärnten. Sie dient „Vertretern unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen als Sprachrohr“, wie Dr. Wilhelm Wadl anlässlich des Wechsels des Redaktionsleiters 2008 in der „Carinthia“ anmerkte. Die geschichtliche Landeskunde könne nur dann fruchtbare Ergebnisse hervorbringen, wenn seie möglichst interdisziplinär betrieben werde und wenn ein räumlich begrenztes Gebiet mit verschiedensten Methoden und quer durch alle Zeiträume beforscht werde, betonte Wadl: „Die Carinthia I wird auch weiterhin Vertretern wissenschaftlicher Fachdisziplinen und mit wissenschaftlichen Methoden arbeitenden Laien gleichermaßen offen stehen. Auch im Interesse des Lesepublikums der Carinthia I ist gerade diese Mischung aus wissenschaftlichen Spezialuntersuchungen und gediegener Heimatkunde wichtig.“

Werner Sabitzer

Quellen:
Ogris, Alfred: Die Geschichtsvereins-Zeitschrift „Carinthia I“ unter den Redaktionen Laschitzer, Jaksch, Wutte und Moro (1890/91 – 1970). In: Carinthia I, 184. Jg., Klagenfurt 1994, S. 407-428.
Wadl, Wilhelm: Zum Wechsel in der Redaktion. In: Carinthia I, 198. Jg., Klagenfurt 2008, S. 623-624.

Schriftleiter der „Carinthia I“

Carl Mercy (1811)
Johann Gottfried Kumpf (1811 bis 1814)
Johann Ritter von Jenull (1814/15)
Simon Martin Mayer (1815 bis 1848)
Vinzenz Rizzi (1848)
Simon Martin Mayer (1849 bis 1851)
Vinzenz Rizzi (1851 bis 1854)
Simon Martin Mayer (1855 bis 1862)
Ernst Rauscher (1863)
Heinrich Weil (1864/65)
Ludwig Ißleib (1866 bis 1868)
J. Leodegar Canaval und Anton Ritter von Gallenstein (1869 bis 1874)
Markus Freiherr von Jabornegg (1875 bis 1890)
Simon Laschitzer (1890 bis 1897)
August von Jaksch (1898 bis 1912)
Martin Wutte (1913 bis 1938)
Gotbert Moro (1939 bis 1970)
Wilhelm Neumann (1971 bis 1990, außer 1975)
Alfred Ogris (1975 und 1991 bis 2007)
Wilhelm Wadl (seit 2008)

August 4, 2011 Posted by | Geschichte, Kärnten - Geschichte | | Hinterlasse einen Kommentar

Das Blutwunder von Friesach

In der Heiligblutkirche in Friesach soll sich am Pfingstsonntag des Jahres 1238 ein Blutwunder ereignet haben.

Blutkirche in Friesach

Blutkirche in Friesach

In der mittelalterlichen Stadt Friesach gibt es nicht nur mehrere Burgen, sondern auch eine Reihe interessanter Kirchen – die Peterskirche auf dem Burgberg, die Reste der ehemaligen Kirche auf dem Virgilienberg, die Stadtpfarrkirche zum Heiligen Bartholomäus, die Deutschordenskirche auf dem Krankenhausgelände, die Dominikanerkirche (Kärntens längste Kirche), die neue evangelische Martin-Luther-Kirche und die Heiligblutkirche im „Sack“ genannten Stadtteil oberhalb des Hauptplatzes unter dem Rotturm.

Die Heiligblutkirche, auch Seminarkirche genannt, zählt zu den historisch interessantesten kirchlichen Bauten in Friesach. An der Stelle der heutigen Kirche befand sich eine 1194 geweihte Kapelle der Zisterziensermönche von Viktring; zwischen 1211 und 1215 gab es in der Kapelle einen Brand. 1217 ließen sich neben der Kapelle Dominikanerinnen nieder und errichteten eine Kirche und ein Klostergebäude.

Nach 1255 übersiedelten die Dominikaner in das neue Kloster außerhalb der Stadt; Kirche und Kloster wurden von den Zisterzienserinnen übernommen. Nach einem neuerlichen Stadtbrand im Jahr 1309 wurde die weitgehend zerstörte Kirche wieder aufgebaut. 1340 und 1582 gab es neuerlich schwere Brandschäden. Im Jahr 1608 wurde das Kloster vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau aufgehoben und im Klostergebäude ein Priesterseminar für acht Alumnen eingerichtet. Bereits 1627 wurde das Priesterseminar wieder aufgelassen und das Haus und die Kirche dem Kollegiatstift St. Bartholomäus übergeben; die Kirche wurde restauriert.

Der Verfall des Klosters begann bereits im 17. Jahrhunderts. Die Kirche und die Reste des Klosters fielen 1673 einem neuerlichen Stadtbrand zum Opfer. Daraufhin wurde das Seminargebäue abgetragen, aber die Kirche wurde 1684 wiederhergestellt – vor allem auch wegen des mit dem Gotteshaus verbundenen angeblichen Blutwunders, das sich am Pfingstsonntag des Jahres 1238 ereignet haben soll. Als der Dominikaner Wolbert bei einer Messfeier die Hostie brechen wollte, soll sie sich blutig gefärbt haben. Auch im Hostienkelch soll sich Blut befunden haben. Die Kirche wurde 1761 und zuletzt zwischen 1893 und 1896 restauriert. In der nördlichen Sakramentsnische der Kirche befindet sich das Heiligblutgefäß aus dem 14. Jahrhundert.

Auf einer alten Tafel in der Heiligenblutkirche wird das Blutwunder beschrieben, auf der Tafel ist allerdings (irrtümlich?) das Jahr 1230 angegeben:

„Es hat der göttlichen Allmacht gefallen, den christlichen, alleinseligmachenden katholischen Glauben Jesu Christi zu bestätigen und die wahrhafte Gegenwart der Gottheit und Menschheit, Leibes und der Seele, Fleisches und Blutes Christi unseres Erlösers in dem hochheiligsten Sakramente des Altares durch ein augenscheinliches Wunderwerk in diesem gegenwärtigen Gotteshaus unserer lieben Frau zu erweisen: Daß, als ein Pater Dominikaner an dem heiligen Pflingstsonntag um die dritte Stunde des Tages allda die hl. Messe las und nach dem Paternoster die hl. Hostie aufgehoben, um sie zu brechen, empfand er in derselben eine weiche Zartigkeit, wegen welcher er solche nicht konnte brechen. Schaute derohalben dieselbe mit weinenden Augen was stärker an und befund sie in seinen Händen ganz fleischig und blutfarben. So legte er sie mit Furcht und Zittern auf das Corporale neben den Kelch nieder und sah die andere gleich aufgelegte Hostie. Damit nun der Pater diese konnte angreifen, deckte er den Kelch ab, und wollte seine Finger, so von der wunderbarlich ins Fleisch verwandelten Hostie blutig waren, abwaschen. Und o großes Wunder! Darin ersahe er auch, das rosenfarbene Blut, welches in ihm noch größere Furcht und Entsetzung erweckte, also in großes Seufzen und Weinen ausbrach, auf das dann sein Mitbruder zugeloffen und das große Wunder gesehen. So nicht allein bei ihnen häufige Zäher (Zähren) sondern auch bei dem anwesenden Volk (deren bei 200 Menschen waren) eine große Furcht, Verwunderung und innerliche Bewegung verursacht hat. Es wurde auch berufen und kam darum der Pater Subprior, dem dieses Mirakel zweimal vorhero durch Erscheinung der hl. Bischöfe Nikolai und Udalrici ist offenbart worden; Welcher dann den beängstigten Priester befohlen, die weiße Hostie zu genießen samt dem Wein. Die noch in Fleisch verbliebene Hostie aber mit dem mirakulosen Blut, wie auch das von der Hostie blutig gemachte Corporale haben sie in einer herrlichen Procession, der Herr Propst am Virgilienberg, Herr Dechant zu Barthlmä sammt etlichen Canonicis des deutschen Ritterordens, Ritter, Brüder und Friesacher Bürgerschaft beigewohnt, hinauf in den Chor der Religiosen getragen. Welches wir aus alten Geschichten gezogen und geschehen am hl. Pfingstsonntag wie gemeldt im Jahr nach Christi Geburt 1230.“

 

Das Blutwunder in Stein im Drautal

Zur gleichen Zeit wie in Friesach soll sich bei einer Messe in Stein an der Drau ebenfalls ein Blutwunder ereignet haben. Demnach soll ein zweifelnder Priester am Jahrestag der heiligen Hildegard von Stein im Jahr 1238 bei einer Messe am Altar der Hildegard in der Pfarrkirche St. Laurenz zu Stein bemerkt haben, wie sich eine Hostie in Fleisch und der Wein in Blut verwandelt habe. Die wundersame Verwandlung sei von vierzehn Bischöfen für authentisch erklärt worden. Das Blutwunder von Stein hat wesentlich zum Kult um die heilige Hildegard von Stein beigetragen.

Agatha-Hildegardis von Stein ist neben Hemma von Gurk die bekannteste „Volksheilige“ Kärntens. Sie dürfte zwischen 980 und 990 gestorben sein. Ihr Mann Paulus stammte aus der Grafenfamilie Cilli und war Pfalzgraf in Kärnten mit Sitz auf der Burg Prosnitza auf einem Felsen am Drauufer gegenüber von Möchling. Von der Burg finden sich heute keine Spuren mehr. Der Legende nach soll der Bruder des Grafen seine Schwägerin Hildegard bedrängt haben, als sich der Graf längere Zeit auf einer Reise befunden haben soll. Hildegard habe die Annäherungsversuche zurückgewiesen. Daraufhin habe ihr Schwager mithilfe einer Magd dem zurückgekehrten Grafen eingeredet, seine Frau sei eine Ehebrecherin und habe sich während seiner Abwesenheit mit Liebhabern vergnügt. Daraufhin sei Graf Paulus in Rage geraten und habe seine Frau beschimpft, geschlagen, mit den Füßen getreten und sie schließlich aus einem Fenster der Burg den steilen Felsen hinuntergeworfen. Er habe auch die Kammerjungfrau Dorothea, die die Unschuld ihrer Herrin beteuert hätte, in den Abgrund geworfen. Hildegard und Dorothea seien aber durch Engel vor dem Tod gerettet worden. Die verleumderische Magd sei zu Stein erstarrt worden und der Graf habe sein Augenlicht verloren. Nach Bußreisen nach Rom, Compostela und in das heilige Land habe er wieder sehen können.

Werner Sabitzer

Quellen:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Grabmayer, Johannes: Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen Kärnten. Kulturstudien, Band 24. Böhlau-Verlag, Wien, Köln, Weimar, 1994.

Pagitz-Roscher Magda: Das Kloster der Cistercienserinnen im Sack zu Friesach, in: Carinthia I, 160. Jahrgang, 1970; S. 719-795.

August 3, 2011 Posted by | Kärnten - Geschichte | 1 Kommentar

Der Knappenaufstand in Hüttenberg

Vor 250 Jahren, im November 1759, kam es in Hüttenberg zu einem gewalttätigen Aufstand der Bergknappen. Die aufrührerischen Knappen wurden bestraft und großteils aus Hüttenberg abgeschoben.

Begonnen hatte der Konflikt bereits 1755 mit einem Streit nach einem Tabakschmuggel. Die Hüttenberger Knappen sahen es als „Gewohnheitsrecht“ an, Tabak von Schmugglern zu kaufen. Nachdem die Bergknappen vom „Tabakschwärzler“ Andreas Kreig eine große Menge Schmuggel-Tabak gekauft hatten, schritt die Behörde ein. Kreig wurde festgenommen. Die Bergleute beschuldigten einen ihrer Kumpels, Georg Grillitsch, den Tabakschmuggel verraten zu haben. Die Knappen hinderten Grillitsch an der Arbeit und vertrieben ihn; die Vermittlungen des Bergrichters blieben erfolglos. Der Fall wurde schließlich der „k. k. Repräsentation und Kammer“ in Klagenfurt vorgebracht, diese forderte die sofortige Wiedereinstellung des Vertriebenen, dessen Unschuld sich herausgestellt hatte. Die Knappen verhinderten dies, versammelten sich auf der Kreuztratte, ihrem traditionellen Versammlungsort in Knappenberg, und erklärten, von der Klagenfurter Kammer keine Befehle entgegenzunehmen, zuständig sei ihrer Ansicht nach vielmehr die Hofkammer in Graz. Seit der Verwaltungsreform war aber nicht mehr die Hofkammer für rechtliche Belange der Knappen zuständig, sondern die neue Kammer in Klagenfurt, die aber von den Knappen nicht anerkannt wurde. Einige Vertreter der Knappschaft reisten nach Graz, um gegen die neue Regelung zu protestieren und eine Lösung des Konflikts anzustreben.

Eskalation der Gewalt

Am 15. November 1759 eskalierte der jahrelang schwelende Konflikt. Als Soldaten im Lölling-Graben mehrere Knappen festnahmen und nach Klagenfurt brachten, rotteten sich viele Kumpels zusammen, um die Festgenommenen zu befreien, was aber misslang. Der Bergrichter wurde mit dem Umbringen bedroht. Daraufhin schickte die Regierung 100 Soldaten des k. k. Regiments Harrach von Klagenfurt nach Hüttenberg, kommandiert von Hauptmann Allmayer.
Die Knappen versammelten sich in der Sonngrube und schworen sich in einer Zeremonie auf ein gemeinsames Handeln ein: Zwei Knappen hielten die Hände zusammen und die übrigen Kumpel gingen darunter durch. Die Aufständischen begaben sich auf die Kreuztratte und beschlossen, solange an dieser Stelle zu bleiben, bis ihre Vertreter aus Graz zurückgekehrt waren.
Die Regierung schickte eine Kommission nach Hüttenberg, um zu verhandeln. Gleichzeitig umstellten Soldaten sowie verpflichtete Bürger aus Guttaring und Hüttenberg die Kreuztratte. Dann erfolgte der Angriff. Die Knappen wurden entwaffnet, verprügelt und nach Hüttenberg gebracht – insgesamt waren es über 200. Wehrtaugliche Aufständische wurden in Hüttenberg mit 8 bis 15 Stockstreichen bestraft; die anderen erhielten 20 bis 28 Stockstreiche. Danach wurden die Festgenommenen nach Klagenfurt gebracht.
Alle Knappen in Hüttenberg, Mosinz und Lölling, die keine Legitimation des Bergrichters vorweisen konnten, wurden festgenommen, nach Klagenfurt gebracht, wo sie das „Bergleder“ ablegen mussten. Das halbrund geschnittene Bergleder, auch „Arschleder“ genannt, wurde um die Hüften geschnallt und galt als Zeichen eines Knappen. Bei der Arbeit im Stollen saßen die Bergleute darauf. Mit dem Ablegen des Bergleders wurden ihm die Knappenrechte entzogen.
Insgesamt 245 Aufständische wurden mit Stockschlägen bestraft. Viele Knappen wurden aus Kärnten „abgeschafft“, also des Landes verwiesen. Ihnen wurde angedroht, dass sie vor das Kriminalgericht kämen, sollten sie nach Kärnten zurückkommen. Auf immer „vom Berg verwiesen“ wurden Ruepp Ebner, Paul Reindl und Valentin Hölzl; vier Jahre Bergverbot erhielt der Oberfähnrich Matthias Höritzer. Einige Knappen wurden zum Militärdienst eingezogen. Mit Geldstrafe von 100 Dukaten wurde bedroht, wer einen der „abgeschafften“ Bergleute einstellen sollte. Nach dem Urteil der k. k. Repräsentation und Kammer wurde die gesamte Knappschaft mit einer Geldstrafe bestraft.
Der Abgang der aufständischen Bergknappen hatte große Auswirkungen auf den Bergbau im Raum Hüttenberg. Die Bergrichter versuchten mit Prämien Ersatz zu bekommen. Im Lauf der Zeit wurden etwa 150 Knappen angeworben; diese hatten aber lange Zeit Probleme, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Im ersten Jahr kam es zu vielen Schlägereien zwischen den alten und neuen Kumpels.
Im Jahr 1760 erfolgte eine teilweise Amnestie. Viele weitere bestrafte Knappen forderten immer wieder eine Wiederaufnahme des Verfahrens, sie wurden 1785 mit Strafe bedroht, sollten sie neuerlich Klage erheben.

Aufstände der Bergleute

Der Knappenaufstand von 1759 war nicht der einzige gewaltsame Protest der Hüttenberger Bergleute. Im 17. Jahrhundert kam es mehrmals zu Klagen der Knappen wegen gestiegener Lebenshaltungskosten und dem Mangel an Lebensmitteln – Vieh, Getreide und Schmalz wurden damals in großen Mengen nach Italien exportiert. 1612 richtete etwa Bergrichter Ullrich Engel eine Anzeige an den Vizedom, in der er berechtigte Beschwerden der Knappen anführte. Während des 30-jährigen Kriegs und der damit verbundenen Hungersnot plünderten Knappen aus dem Raum Hüttenberg mehrmals Bürgerhäuser in Treibach und Friesach. Die Obrigkeit bildete Kommissionen, die die Knappen ermahnten.
1678 kam es zu einer weiteren gewalttätigen Auseinandersetzung. Immer wieder gab es Streiks wegen Lohnforderungen und die Einhaltung alter Rechte sowie Schlägereien der Knappen untereinander – manchmal mit tödlichen Folgen.
Maria Theresia hatte bestimmte Rechte der Bergknappen bestätigt – darunter die Mautfreiheit für Lebensmittel, die sie auf dem Rücken mitführen konnten, bestimmte Steuerfreiheiten, das Weiderecht für Kleinvieh, der Bezug von Klaubholz und die Erlaubnis zu Festveranstaltungen wie den Hüttenberger „Reiftanz“.
Ende Mai 1712 legten etwa 300 Bergleute die Arbeit nieder und versammelten sich auf der Kreuztratte. Sie verlangten eine Erhöhung des Lohns und der Lebensmittelzubußen sowie die Absetzung des unbeliebten Bergrichters Franz Ferdinand Rauscher, der die Knappenkirchfahrten nach St. Leonhard und Maria Saal einstellte und die Wochenmärkte sperrte. Rauscher schlug auch einen Knappen nieder, der nicht schnell genug seinen Hut vor ihm abgenommen hatte. Der Knappe erlag den Verletzungen. Die Proteste hatten Erfolg: Bergrichter Rauscher wurde abgesetzt, das „Postgeld“ erhöht und es wurde ein Getreidezuschuss gewährt. Außerdem erhielten die Kumpels kostenlos Sprengpulver und Unschlitt geliefert. Die Knappen verzichteten dafür auf einige „Kündtage“, freie Tage, bei denen die Knappen bei Bauern in der Landwirtschaft arbeiteten und dafür hauptsächlich Holz und andere Naturalien erhielten.
1720 erhoben die Knappen neuerlich Forderungen – eine weitere Erhöhung des „Postgelds“ und die Wiedereinführung aufgehobener „Kündtage“. Der Protest führte diesmal bei der Behörde zu drastischen Maßnahmen: Nachdem die Knappen beim Berggericht nichts erreicht hatten, wandten sie sich an die Hofkammer in Graz. Dort wurden die Knappenvertreter eingekerkert und nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe zu Zwangsarbeit herangezogen. Es wurde eine Verordnung erlassen; sie bestimmte für aufrührerische Knappen die „Abschaffung vom Berge auf ewige Zeiten“.

Werner Sabitzer

Quellen:
Münichsdorfer, Friedrich: Geschichte des Hüttenberger Erzberges. Nachdruck der Originalausgabe von 1870. Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten, Klagenfurt, 1989.
Wießner, Hermann: Geschichte des Kärntner Bergbaues. III. Teil. Kärntner Eisen. Archiv für Vaterländische Geschichte und Topographie, 41. und 42. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten. Klagenfurt, 1953.

Januar 25, 2010 Posted by | Kärnten - Geschichte | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Hochwasser in Weitensfeld im Jahr 1909

Vor 100 Jahren, vom 7. bis 9. Oktober 1909, kam es in Weitensfeld zu einer der größten Überschwemmungen in der Geschichte der Marktgemeinde.

In der Nacht auf den 7. Oktober 1909 regnete es ununterbrochen in Strömen. Die Gurk stieg langsam an, trat an einigen Stellen über die Ufer und am Vormittag wurden die ersten Sägehölzer angeschwemmt. Es regnete weiter. Feuerwehrhauptmann-Stellvertreter Ferdinand Gorton und Oberlehrer Ferdinand Schwarz alarmierten um zehn Uhr die Feuerwehr; Bürgermeister Josef Rettl befand sich nicht in Weitensfeld. Inzwischen stand die Mühlwiese, die Gorton-Mühle, das Elektrizitätswerk, die Säge, die Trattenschmiede und einige Häuser auf der „Tratten“ unter Wasser. Feuerwehrleute, Gendarmeriebeamte und Freiwillige bargen die Getreide- und Mehlvorräte aus der Gorton-Mühle und brachten auch die Bewohner und das Vieh aus dem gefährdeten Gebiet. Urban Begusch, Besitzer des Bärenwirts, rettete Kinder und zwei alte Frauen aus den Fluten, die ihm bis zur Hüfte standen.

Dammbruch wegen Verklausung

Bei den Brücken und Wehren wurde versucht, Verklausungen durch angeschwemmtes Holz zu verhindern. Die Fluten rissen Tausende Sagstöcke von Holzlagern in Kleinglödnitz mit.
Wegen einer Verklausung brach der Damm der Gurk oberhalb der Herzele-Säge und die Fluten strömten an der Kirche vorbei durch die Kirchgasse und die Gärten des Sattler-, Tischler- und Pfandl-Hauses in den Markt – 30 Häuser standen innerhalb einer halben Stunde unter Wasser. Die Bewohner konnten sich in die oberen Stockwerke retten. Die Geschäfte Filipowsky (heute: Mosser), Gutzelnig (heute: Bernhard-Haus) und Großmann (heute: Hlebcar-Haus) wurden überflutet, ebenso die Häuser des Gerbermeisters Veit Anderiasch, des Schuhmachers Eusebius Seitlinger, des Wagnermeisters Anton Burger und des Distriktsarztes Freiherr von Jabornegg (heute: Napotnik-Haus). An vielen weiteren Häusern entstanden große Schäden, unter anderem beim Bärenwirt, beim Gorton-Haus und in der Bäckerei Lukas Smrekar (heute: Hochsteiner-/Ortner-Haus). Die Bäckerei wurde unterspült und musste gegen das Mosser-Haus gestützt werden musste.
Um zwei Uhr stand der Telegraphenapparat in der Post im Kalsberger-Haus (heute: Terkl-Haus) unter Wasser. Es regnete weiter und das Hochwasser stieg an. Um zehn Uhr nachts wurde beim Smrekar-Haus ein Wasserstand von 178 Zentimetern gemessen.
Der Bezirkshauptmann von St. Veit/Glan kam am Abend mit dem Gurktaler Zug nach Weitensfeld; er übernahm die Leitung über den Katastropheneinsatz. Inzwischen war auch Bürgermeister Josef Rettl nach Weitensfeld zurückgekehrt. Mit provisorisch zusammengebauten Flößen wurde versucht, zu den in den Häusern eingeschlossenen Bewohnern zu kommen. Dabei kam es in den reißenden Fluten zu lebensgefährlichen Situationen.
Am 8. Oktober gelang es mutigen Helfern, die Verklausung bei der Herzele-Säge zu lösen, das Hochwasser konnte dadurch besser abfließen. Der Wasserstand begann sich zu senken. Am Nachmittag konnten die Eingeschlossenen im unteren Markt mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden.

Enorme Schäden im Gurktal

Als sich am 9. Oktober die Situation normalisierte, wurde das Ausmaß der Schäden ersichtlich: In vielen Häusern waren Fußboden herausgerissen, Türen und Fenster sowie viele Einrichtungsgegenstände waren fortgeschwemmt. Auch die Gurktalbahn war vom Hochwasser betroffen. Bei der Dürrmühle war der Gleiskörper unterspült.
Auch in Gurk und Strassburg gab es schwere Schäden durch die Fluten. In Mellach wurde ein Müller in der Zechner-Mühle vom Hochwasser eingeschlossen. Drei Tage musste er darin ohne Nahrung ausharren, bis er am 9. Oktober vom Prosseggerwirt Alois Wintschnig gerettet wurde. Wintschnig band sich ein Seil um den Körper und schwamm zur Mühle. Mit dem Strick konnte ein Drahtseil zur Mühle gezogen werden, das Wintschnig auf dem Giebel der Mühle befestigte. Der Müller wurde auf einem Brett festgeschnallt und auf dem Drahtseil in Sicherheit gezogen. Auch Wintschnig rettete sich auf dem Drahtseil ans Ufer.
Am 10. Oktober, einem Sonntag, kam eine Infanterie-Einheit ins Gurktal, später auch ein Pionierzug. Die Soldaten errichteten in Strassburg, Gurk und Weitensfeld Notstege über den Fluss. Von den 18 Brücken und Stegen in Weitensfeld blieben nur die alte Pirkerbrücke in Kleinglödnitz und die Brücke beim Brückenschmied stehen, alle anderen wurden von den Fluten fortgerissen. Zwischen Gurk und Pöckstein blieben ebenfalls nur zwei Brücken stehen – beim Pratz und in St. Magdalen.
Der Kärntner Landespräsident Robert Freiherr von Hein besuchte Weitensfeld und versprach Hilfe des Landes Kärnten und des Reichs. Ferdinand Gorton verzichtete auf seinen Anteil am Entschädigungsgeld zugunsten ärmerer Weitensfelder. Die Reste des Herzele-Wehrs wurden abgebaut.

Bau des Hochwasserschutzdamms

Im September 1919 gab es in Weitensfeld eine weitere schwere Überschwemmung, die wiederum großen Schaden anrichtete. Zwei Jahre später wurde endlich mit dem Bau eines wirksamen Hochwasserschutzdamms begonnen. Der inzwischen zum Landesrat avancierte Josef Rettl und sein Nachfolger als Bürgermeister, Laurenz Knaflitsch, leisteten bei den Landesbehörden Überzeugungsarbeit.
Josef Rettl (1858 – 1945) war Gastwirt, Bürgermeister von Weitensfeld von 1897 bis 1919 sowie Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von 1886 bis 1900 und von 1904 bis 1910, außerdem war er Gründer und Obmann der Raiffeisenkasse Weitensfeld. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in die provisorische Landesversammlung berufen, wo er bis Juli 1921 Landtagsabgeordneter war. Danach war er Landesrat-Stellvertreter und von November 1923 bis Mai 1927 wieder Landtagsabgeordneter. Ab 1919 war er Bezirksvertreter des Landbunds. Oberveterinärrat Laurenz Knaflitsch (1871 – 1945) war Tierarzt und von 1920 bis 1924 Bürgermeister von Weitensfeld.
Im Sommer 1921 begannen etwa 50 Arbeiter mit dem Bau des Uferschutzdamms, der im Spätherbst 1921 abgeschlossen wurde. Gleichzeitig wurde die Gurkbrücke bei der Brückenschmiede erneuert und die Wasserwehre bei der Gortonmühle tiefer gelegt und mit Schleusen versehen. Ein Drittel der Kosten in der Höhe von neun Millionen Kronen musste die Marktkommune beitragen. Josef Rettl wurde wegen seiner Bemühungen zum Dammbau und anderer Verdienste im Jahr 1921 zum Ehrenbürger der Gemeinde Weitensfeld ernannt.
1939/40 wurde der Damm von der Firma Elias Merl verstärkt und erhöht. Dadurch fiel der Schaden beim Hochwasser im Frühsommer 1946, bei dem der höchste jemals gemessene Wasserstand der Gurk erreicht wurde, nicht allzu hoch aus. Nach diesem Hochwasser wurde der Uferschutzdamm um einen halben Meter erhöht – mit Mitteln aus dem Katastrophenfonds des Landes Kärnten und durch Sonderzuteilung von Baumaterial.

Werner Sabitzer

Quellen:
Brachmeier, Hartmut: Hochwässer und Hochwasserschutz in Weitensfeld, in: Weitensfelder Kulturbote, Nr. 4/2001, S. 4-8.
Pirker, Franz: Aus der Ortsgeschichte von Weitensfeld im Gurktale. Sammlung von Geschichtsbildern, 1982 (unveröffentlicht).
Zeloth, Thomas (Hg.): Weitensfeld. Eine Marktgemeinde im Herzen des Gurktales. Klagenfurt, 2008.

September 28, 2009 Posted by | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | , , , , | 1 Kommentar

Minister, Richter und Poet

Vor 200 Jahren wurde in Klagenfurt Adolf Ritter von Tschabuschnigg geboren. Er war einer der bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts in Österreich; heute ist er weitgehend vergessen.

Adolf Ignaz Ritter von Tschabuschnigg wurde am 20. Juli 1809 in Klagenfurt geboren. Sein Vater Leonhard hatte in Klagenfurt ein Haus geerbt. Die kleinadelige Familie Tschabuschnigg stammte aus Oberkärnten. Im Jahr 1637 wurde in Kreuzen Paul Tschabuschnigg geboren, als Sohn eines Hackenschmieds. Mit Unterstützung einer Stiftung des Grafen von Ortenburg konnte der talentierte Bursche im Ausland studieren. Er war wirtschaftlich erfolgreich und wurde 1682 in den Adelsstand erhoben. Einer seiner Söhne, Johann Baptist, war Gewerke und kaufte von den Herren von Leobenegg das Gut Raknitzhof. Er wurde „Reichsritter von Zabuesnig“ und seine Nachfolger waren Handelsherrn in Augsburg und Venedig. Johann Christoph von Zabuesnig (1747 – 1827) war Kaufmann, Schriftsteller, Übersetzer und Bürgermeister in Augsburg. 1817 wurde er mit 72 Jahren zum Priester geweiht.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg studierte ab 1826 Rechtswissenschaften an der Universität Wien und war ab 1832 im Staatsdienst tätig. Er unternahm viele Reisen. 1836 kam er als Gerichtspraktikant nach Triest, wo er acht Jahre blieb und sich mit Francesco Dall’Ongaro anfreundete, einem Lyriker und Herausgeber der Kulturzeitschrift „La Favilla“. Seine Eindrücke in Triest hat Tschabuschnigg in zwei Kapiteln seines 1842 erschienenen „Buchs der Reisen“ festgehalten – einen Beitrag über die „Sartorelle“, die Nähmädchen, und einen Text über den Hafen und den Handel. 1844 kam Tschabuschnigg nach Klagenfurt zurück, wo er eine Stelle bei Gericht bekam.
Im Revolutionsjahr 1848 befürwortete er Reformen. In den „Wiener Sonntagsblättern“ schrieb er angesichts des drohenden Zerfalls der Monarchie einen Essay über die Nationalitätenfrage.
1850 wurde er Oberlandesgerichtsrat in Klagenfurt, ab 1854 war er beim Oberlandesgericht Graz tätig und 1859 wurde er Hofrat beim Obersten Gerichtshof in Wien.

Karriere als Schriftsteller

Seine Karriere als Schriftsteller begann mit der Veröffentlichung seiner „Gedichte“ im Jahr 1833. Weitere Gedichte erschienen ab 1838 in der Zeitschrift „Carniola“, einer deutschsprachigen Publikation in Laibach. Das 1841 erschienene Werk „Ironie des Lebens“ war die erste längere Novelle. Die Werke Heinrich Heines hatten einen starken Einfluss auf den Kärntner Literaten.
1846 erschien Tschabuschniggs Erzählung „Das Haus der Grafen Owinski“. In seinen Romanen „Die Industriellen“ (1854) und „Sünder und Thoren“ (zwei Bände 1875) kritisierte der großbürgerliche Liberale die sozialen Missstände in der Monarchie. In „Sünder und Thoren“ beschreibt Tschabuschnigg neue Formen der Geldwirtschaft und die Folgeprobleme. Die zweite Auflage von „Die Industriellen“ erschien 1876 unter dem Titel „Fabrikanten und Arbeiter“. Weitere Werke waren „Buch der Reisen“ (1842), „Neue Gedichte“ (1851), „Aus dem Zauberwalde“ (1856), „Der moderne Eulenspiegel“ (zwei Bände, 1846) und „Grafenpfalz“ (1862).
Die „Gesammelten Werke“ Tschabuschniggs, der auch unter dem auch dem Pseudonym „A. V. T. Süd“ schrieb, erschienen zwischen 1875 und 1877 in sechs Bänden.

„Im Wandel unwandelbar“

Tschabuschniggs politische Karriere begann im Revolutionsjahr 1848 als Mitglied des Kärntner Landtags. 1861 wurde er von den Großgrundbesitzern Kärntens als Abgeordneter in den Reichsrat gewählt und 1870 wurde er Justizminister der Monarchie im Kabinett des Ministerpräsidenten Alfred Graf Potocki. Ab 1870 war er auch Mitglied des Herrenhauses im Parlament in Wien auf Lebenszeit.
Mit seiner Köchin Maria Stephaner hatte er eine Tochter, die den Königlich-Bayrischen Kommerzialrat Benedikt von Zabuesnig in Landshut heiratete.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg starb am 1. November 1877 in Wien. Er wurde auf dem Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt begraben. Auf dem Grabstein steht: „Im Wandel unwandelbar.“ Die Stadt Klagenfurt benannte eine Straße nach dem fast vergessenen Dichter und Staatsmann.

Werner Sabitzer

Quellen und weiterführende Literatur:
Hügel, Erika: Adolf I. Ritter von Tschabuschnigg: Nachlass und dichterisches Schaffen. Diss. Wien, 1950.
Kabusch, Josef:  Die Chronik von Sachsenburg, 1956.
Kucher, Primus Heinz (Hrsg.): Adolf Ritter von Tschabuschnigg (1809-1877), Wien, 2006.

Adolf Ritter von Tschabuschnigg
Tod und Tödin

Wer ist so spät noch fleißig wach?
und schlägt und plätschert laut im Bach?
Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.

Die Nacht ist schön, voll Mondenschein,
heut mags nicht schwer zu sterben sein.
Die Tödin rührt sich ohne Ruh’n,
als gäb’s noch viel für sie zu tun.

Sie ist ein schönes blasses Weib,
nur fast zu zart der schlanke Leib;
das Aug‘ ist ernst und traurig schön!
hat viele brechend wohl geseh’n.

Doch nie hat’s, wie’s noch nie gelacht,
je eine Träne feucht gemacht.
Die ist so spät noch fleißig wach,
und schlägt und plätschert laut im Bach.

Sterbhemden wäscht die Tödin dort,
und pocht und dreht und bleichet fort.
Da schaut der Tod aus seinem Haus
im Freithofgrün, und ruft heraus:

„Du frommes Weib, bist du bereit?
Nun hab‘ ich Ruh‘, ’s ist Schlafenszeit.“
Leis winkt sie, deckt die Linnen aus,
und schleicht dann still hinein ins Haus.

Der Tod greint sänftiglich sie an,
man sieht’s, er ist ein guter Mann,
Der Haushalt fördert Jahr für Jahr,
’sist gar ein emsig wackres Paar.

Er streckt die Toten in den Schrein,
sie hüllt sie blank in Linnen ein.
Er scharrt sie finster tief hinab,
doch sie pflanzt Blumen auf das Grab.

Mai 2, 2009 Posted by | Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar