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Vor 200 Jahren: Die Abschaffung der Sklaverei

Beim Wiener Kongress 1814/15 wurde nicht nur Europa politisch neu geordnet, sondern auch die Abschaffung des atlantischen Sklavenhandels beschlossen.

 Friedrich Romberg, geboren um 1726 in Westfalen, war ein erfolgreicher Transportunternehmer. Ein Hauptzweig war das Transportgeschäft zwischen den österreichischen Niederlanden und Wien. Seine guten Beziehungen zu den in Brüssel residierenden Ministern der österreichischen Verwaltung und zum Kaiserhof in Wien brachten ihm große Vorteile im Handel. Er errichtete Unternehmen in Ostende, Brügge, Bordeaux und Gent und wurde auch Reeder. Als ihn Kaiser Joseph II. 1781 besuchte, hatte Romberg bereits eine Flotte mit 94 Schiffen. Seine Firma Romberg & Cie in Gent transportierte Sklaven von Afrika nach Santo Domingo und Kuba. Ein Teil seiner Schiffe segelte unter der kaiserlichen Flagge. Auch die Firma Romberg, Bapts & Cie in Bordeaux spezialisierte sich auf den Sklavenhandel. Pro Schiff wurden an der Küste von Mosambik etwa 300 Afrikaner übernommen, in die Karibik verschifft und dort verkauft. Romberg, Bapts & Cie erwarb oder verwaltete in Santo Domingo Baumwoll- und andere Plantagen und brachte die Produkte auf dem Rückweg nach Europa.

Der Habsburger Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation „befreite“ zwar mit dem Untertanenpatent vom 1781 die Bauern in Österreich, er billigte aber den Sklavenhandel. Er adelte 1783 Friedrich Romberg für seine erfolgreiche Wirtschaftstätigkeit und erhob ihn 1784 in den Freiherrenstand. Joseph II. nobilitierte auch einen anderen Teilhaber der Firma Romberg, Bapts & Cie, Johann Jakob Bethmann, der 1776 in den Reichsritterstand erhoben wurde. Der Ausbruch der Revolution in Frankreich und in Haiti sowie Lieferprobleme der Plantagenbesitzer und eine Wirtschaftskrise bedeutete für die Firma Romberg, Bapts & Cie 1793 den Ruin.

22 Jahre nach dem Zusammenbruch der Firma Romberg, Bapts & Cie wurde in Wien die Abschaffung des atlantischen Sklavenhandels beschlossen. Im September 1814 kamen Staatsmänner aus allen Staaten Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reichs zum „Wiener Kongress“, um Europa nach dem Sturz Napoleons I. neu zu ordnen. Die Verhandlungen unter der Leitung des österreichischen Staatskanzlers Klemens Fürst Metternich dauerten bis zur Unterzeichnung der „Wiener Schlussakte“ fast acht Monate.

Beim Wiener Kongress wurde auch ein wichtiger Beschluss gefasst, der sich nicht mit der Neuordnung Europas befasste: Es ging um die Abschaffung des Sklavenhandels über den Atlantik. Im britischen Königreich hatte sich schon Ende des 18. Jahrhunderts die Abolitionsbewegung für ein Verbot des Sklavenhandels eingesetzt und 1807 wurde der Sklavenhandel in Großbritannien gesetzlich untersagt. Der französische Staatsmann und Diplomat Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord unterstützte die Briten und schlug in der Sitzung des „Komitees der Acht“ (Österreich, Preußen, Russland, Großbritannien, das wiederhergestellte Frankreich, Spanien, Portugal und Schweden) am 10. Dezember 1814 in Wien vor, eine Kommission einzurichten, die sich mit einer Einschränkung bis hin zu einer Aufhebung des „Handels mit Negern“ befassen sollte. Die Delegierten der Königreiche Spaniens und Portugals betrachteten den Vorschlag als Einmischung in ihre Kolonialpolitik. In der Achter-Konferenz vom 16. Jänner 1815 regte der britische Außenminister Robert Stewart Viscount Castlereagh an, die Verhandlungen über ein Verbot des Sklavenhandels beim Kongress in gleichrangigen „Sondersitzungen“ der acht Mächte zu führen. Metternich ließ über diese „Frage der öffentlichen Moral und Menschlichkeit“ offen abstimmen, die iberischen Vertreter wurden überstimmt und das Thema wurde im Kongress weiter behandelt.

Die erste Sonderkonferenz zur Abschaffung des Sklavenhandels wurde am 20. Jänner 1815 im Quartier des britischen Außenministers abgehalten – mit hochrangigen Vertretern der acht Nationen. Ab der zweiten Sitzung nahm auch Fürst Metternich an den Verhandlungen teil. Friedrich von Gentz, Berater von Fürst Metternich und Protokollführer beim Kongress, entwarf innerhalb kurzer Zeit einen Entwurf einer Absichtserklärung. Nach vier Sitzungen einigten sich die Mächtevertreter am 8. Februar 1815 auf eine Deklaration. Demnach wurde der Handel mit schwarzafrikanischen Sklaven – als den Prinzipien der Humanität und der allgemeinen Moral Hohn sprechend – stigmatisiert und seine „völlige Abschaffung“ verlangt. Ein zeitliches Limit wurde aber nicht vorgegeben. Die Zustimmung des portugiesischen Delegierten wurde ihm „abgekauft“. Der Text erlangte als Beilage 15 der Wiener Schlussakte Rechtsverbindlichkeit.

Ab 1816 beschäftigte sich eine Botschafterkonferenz in London mit dem weiteren Vorgehen. 1817 wurde Spanien davon überzeugt, den Sklavenhandel bis 1820 einzustellen. Erst nach 1850 ging der Transport von versklavten Schwarzafrikanern über den Nordatlantik zurück.

Schlussakte des Wiener Kongresses („Österreichisches Exemplar“), 1815. Das Dokument ist bis 21. Juni 2015 in der Ausstellung „Europa in Wien. Der Wiener Kongress 1814/15“ im Unteren Belvedere in Wien zu sehen.

Schlussakte des Wiener Kongresses („Österreichisches Exemplar“), 1815. Das Dokument ist bis 21. Juni 2015 in der Ausstellung „Europa in Wien. Der Wiener Kongress 1814/15“ im Unteren Belvedere in Wien zu sehen.

Sklavereiverbot in Österreich

Schon drei Jahre vor der Erklärung beim Wiener Kongress, wurden mit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs (ABGB) am 1. Jänner 1812 in Österreich-Ungarn Sklaverei und Leibeigenschaft verboten. „Jeder Mensch hat angeborne, schon durch die Vernunft einleuchtende Rechte, und ist daher als eine Person zu betrachten. Sclaverey oder Leibeigenschaft, und die Ausübung einer darauf sich beziehenden Macht, wird in diesen Ländern nicht gestattet“, heißt es im § 16 ABGB.

  • 16 AGBG enthielt das weltweit erste Verbot der Sklaverei. In Frankreich war zwar schon während der Revolution die Abschaffung der Sklaverei proklamiert worden, aber 1804 wurde der Sklavenhandel in den französischen Kolonien wieder erlaubt. Und in Großbritannien war 1807 zwar die Sklaverei verboten worden, nicht aber der Sklavenhandel, der bis 1832 erlaubt war.

Mit dem Hofkanzleidekret vom 19. August 1826 wurde klargestellt, dass das Sklaverei-Verbot nach § 16 ABGB auch den Transport von Sklaven auf österreichischen Schiffen einschließt. Jeder Sklave, der österreichisches Gebiet oder ein österreichisches Schiff betritt, erlangt sofort die persönliche Freiheit und wer einen ehemaligen Sklaven in seiner Freiheit hindert, begeht das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit. Mit dieser Klarstellung wollte man vor allem die Beteiligung österreichischer Reeder am lukrativen Transport von Sklaven in das Osmanische Reich über dalmatinische Hafenstädte verhindern. Dalmatien, das an das Osmanische Reich grenzte, war nach dem Wiener Kongress der österreichisch-ungarischen Monarchie zugefallen.

Lukrativer Wirtschaftszweig

Sklavenhandel war bis ins 19. Jahrhundert einer der lukrativsten Wirtschaftszweige. Etwa zehn Millionen Menschen aus Afrika wurden als Sklaven nach Europa und in die Neue Welt verschifft. Ende des 15. Jahrhunderts kamen etwa 1.000 Sklaven aus Afrika nach Europa. Mitte des 18. Jahrhunderts verschifften die Händler etwa 80.000 Sklaven pro Jahr; mehr als die Hälfte davon aus Westafrika. Sklavenhändler-Nationen waren vor allem die Niederlande und Frankreich. 1621 gründeten die Holländer die Westindien-Kompa­nie, die zwei Jahre später bereits 15.000 Sklaven in das eroberte Brasilien brachte. 1646 landeten die ersten schwarzen Sklaven in der holländischen Kolonie Neu Amsterdam, dem heutigen New York. Engländer mischten ab Mitte des 17. Jahrhunderts im Sklavenhandel mit. 1786 verschifften die Engländer 53.000 afrikanische Sklaven in die Neue Welt, die Franzosen 23.000, die Holländer 11.000, die Portugiesen 8.700 und die Dänen 1.250. Auch preußische Unternehmen waren an Sklaventransporten beteiligt.

Darstellung der Hinrichtung des Sklavenhändlers Nathaniel Gordon 1862 in New York.

Hinrichtung des Sklavenhändlers Nathaniel Gordon 1862 in New York (zeitgenössische Darstellung im Zollmuseum in Manhattan).

Als erste Sklavenhandelsnation verbot Dänemark 1792 die Sklaverei über den Atlantik ab dem 1. Jänner 1803. Großbritannien untersagte wie erwähnt 1807 den Sklavenhandel – die Sklaverei selbst verbot das britische Königreich erst 1832. 1823 wurde in Großbritannien eine Anti-Slavery-Society gegründet. Zwischen Frankreich, Portugal und Spanien gab es „gegenseitige Untersuchungsabkommen“. Aufgrund dieser Abkommen konnten verdächtige Schiffe der jeweils anderen Länder kontrolliert werden. Die Niederlande setzten dem Sklavenhandel 1863 ein Ende und in den USA wurde die Sklaverei im Dezember 1865 abgeschafft. Brasilien verabschiedete 1871 ein Gesetz zur teilweisen Abschaffung der Sklaverei und 1880 wurden die letzten 700.000 Sklaven in die Freiheit entlassen. In Kuba endete die Sklaverei 1880.

Werner Sabitzer

 Quellen:

Curtin, Philip D.: The Atlantic Slave Trade. A Census. University of Wisconsin Press, Madison, 1975.

Stauber, Reinhard: Der Wiener Kongress. Böhlau UTB, Wien, Köln, Weimar, 2014.

Zeuske, Michael: Sklaven und Sklaverei in den Welten des Atlantiks. 1400–1940. Umrisse, Anfänge, Akteure, Vergleichsfelder und Bibliographien. LIT, Berlin, 2006.

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Mai 31, 2015 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Khevenhüller auf der Straßburg

Marmorgrabplatte von Christoph Khevenhüller.

Marmorgrabplatte von Christoph Khevenhüller.

Khevenhüllertor auf der Burg Hochosterwitz: 1582 errichtet; mit dem Khevenhüllerwappen und einem Relief des Erbauers der Burg, Georg II. von Khevenhüller.

Khevenhüllertor auf der Burg Hochosterwitz: 1582 errichtet; mit dem Khevenhüllerwappen und einem Relief des Erbauers der Burg, Georg II. von Khevenhüller.

Augustin Khevenhüller war Verwalter auf Schloss Straßburg im Gurktal. Mit seinem in Straßburg geborenen Sohn Christoph begann vor 500 Jahren der Aufstieg der Familie Khevenhüller zu einer der führenden Adelsfamilien in Kärnten.

Die eindrucksvolle Burg Hochosterwitz mit 14 Torbauten in der Gemeinde St. Georgen am Längsee ist das Wahrzeichen Kärntens. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts befand sich die Burg im Besitz des Erzbistums Salzburg; danach fiel sie an den Kärntner Landesfürsten. Lehensnehmer der Burgherrschaft über mehrere Jahrhunderte waren die Schenken von Osterwitz. Georg Schenk von Osterwitz führte 1475 in der Schlacht gegen die Türken bei Rann eine Truppe von Rittern aus Kärnten, der Steiermark und Krain an, wurde gefangen genommen und nach Konstantinopel gebracht, wo er starb – bevor das Lösegeld aufgebracht werden konnte. Sein gleichnamiger Sohn starb am 30. Mai 1478, mit ihm erlosch das Geschlecht der Schenken von Osterwitz. Im November 1541 wurde die Burg vom Landesfürsten an Christoph Khevenhüller zu Aichelberg verpfändet – als Dank für die Unterstützung Khevenhüllers im Kampf gegen die Türken. Seitdem befindet sich die Burg im Besitz der später in den Fürstenstand erhobenen Familie Khevenhüller.

Mit dem im Gurktal geborenen Christoph Khevenhüller zu Aichelberg begann vor 500 Jahren der Aufstieg des Geschlechtes der Khevenhüller zu einer der mächtigsten Adelsfamilien in Kärnten. Schon seine Vorfahren hatten als Handelsherren und Bürger in Villach nach und nach den Besitz in Kärnten vermehrt, Verdienste für das Land Kärnten erworben und in Adelsfamilien eingeheiratet. Der Villacher Bürger Hans Khevenhüller erhielt 1427 vom Landesfürsten die Burg Aichelberg bei Wernberg als Pfand und 1431 als erbliches Lehen. Er führte daraufhin den Namenszusatz „zu Aichelberg“.

Christophs Großvater Hans Khevenhüller zu Aichelberg diente Kaiser Friedrich III. und stand ihm bei, als er in der Burg Wiener Neustadt von aufständischen Bürgern belagert wurde. Hans erlitt bei diesen Auseinandersetzungen schwere Verletzungen. 1452 wurde er von Friedrich III. zum Ritter geschlagen. Hans Khevenhüller zu Aichelberg starb 1480. Mit seiner Frau Christine von Zillnhart hatte er drei Kinder: Ludwig, Augustin und Florentia, die Nonne wurde. Ludwig starb unverheiratet.

Der zweite Sohn Augustin Khevenhüller zu Aichelberg, geboren um 1460 auf Burg Landskron, war Reichshofrat und Kämmerer des Kaisers Maximilian I. Er heiratete Siguna von Weißpriach, die ihr reiches Erbe in die Ehe einbrachte. Das Familienwappen der Weißpriach wurde mit jenem der Khevenhüller vereinigt. Unter Kardinal Raimund Peraudi, dem ersten Ausländer unter den Gurker Bischöfen, war Augustin Khevenhüller Anwalt des Bischofs und hatte einen Wohnsitz auf Schloss Straßburg. Er vertrat den Kardinal bei Streitigkeiten mit dem mächtigen Gurker Dompropst Wilhelm Welzer von Eberstein. Als Kardinal Peraudi 1501 Matthäus Lang von Wellenburg zu seinem Koadjutor ernannte und ihm auch das Recht der Nachfolge einräumte, bestimmte Lang unter anderem Augustin Khevenhüller als seinen bevollmächtigten Prokurator und Anwalt für die Übernahme des neuen Amtes. Matthäus Lang wurde 1505 Bischof von Gurk und 1519 zum Erzbischof von Salzburg ernannt. Er war auch Diplomat am Kaiserhof. Augustin Khevenhüller führte einige Jahre lang mit anderen Räten die weltlichen Regierungsgeschäfte des Bischofs und war auch Verwalter der Gurker Herrschaft Waisenberg im Trixental. Ab 1510 gehörte er als Vertreter Kärntens dem Wiener Regiment an. Augustin besaß neben der Stammburg Aichelberg bei Wernberg und dem Stadthaus in Villach weitere Realitäten. Seine Frau Siguna von Weißpriach brachte die Herrschaft Hardegg bei Zweikirchen in die Ehe ein. Diesen Besitz veräußerte Augustin 1509 an die reiche Villacher Handelsfamilie Leininger (zu Hardegg).

Um den Venezianerkrieg zu finanzieren, berief Kaiser Maximilian im Februar 1519 Delegationen aus den Erbländern nach Salzburg. Der Kärntner Vertretung gehörte Augustin Khevenhüller an.

Augustin Khevenhüller zu Aichelberg hatte mehrere Söhne, darunter Christoph und Siegmund. Christoph wurde der Stammvater der Frankenburger Linie und Siegmund der Stammvater der Hochosterwitzer Linie.

Relief des Christoph Khevenhüller und seiner beider Ehefrauen in der Hauptstadtpfarrkirche Villach (Renaissance-Epitaph).

Relief des Christoph Khevenhüller und seiner beider Ehefrauen in der Hauptstadtpfarrkirche Villach (Renaissance-Epitaph).

Christoph Khevenhüller zu Aichelberg

Augustins Sohn Christoph wurde am 24. Dezember 1503 auf Schloss Straßburg geboren und verbrachte hier seine Kindheitsjahre. Er studierte in Wien und Padua und machte seine Kavalierstour durch Italien, Frankreich, die Niederlande und Deutschland. 1533 heiratete er auf Schloss Straßburg die erst 14-jährige Elisabeth Mannsdorfer, die aus einer sehr vermögenden Oberkärntner Familie stammte. Ihr Vater Hans Mannsdorfer war Vizedom der Grafschaft Ortenburg, danach „Urbarer“ des Landesfürsten in Oberkärnten und schließlich Finanzverwalter des Landes Kärnten. Nach seinem Tod 1535 trat Elisabeth das reiche Erbe an. 1537 ließen Christoph und Elisabeth auf dem ererbten Grundstück in Spittal an der Drau gegenüber dem gerade entstehenden Schloss Porcia einen Wohnsitz erbauen. Das stattliche Anwesen bestand neben der Residenz aus Nebengebäuden, einem Ziergarten und einem „Baumgarten“. Der verbliebene Teil des Haupthauses dient seit 1936 als Rathaus der Stadtgemeinde Spittal an der Drau. In Villach kaufte Christoph zwei weitere Häuser. Eines befand sich am Hauptplatz beim oberen Tor und ging nach der Erbteilung an Christophs Bruder Siegmund. Dessen Sohn Georg, der auch die Burg Hochosterwitz ausbaute, ließ das Haus um 1570 zu einem prächtigen Stadtpalais umgestalten. Es war ab der Mitte des 17. Jahrhunderts Sitz der Familie Canal, ab 1889 Rathaus und wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört.

Christoph Khevenhüller war auch erfolgreicher Unternehmer: Mit anderen Unternehmern betrieb er ab 1538 mit Bewilligung des Salzburger Erzbischofs Matthias Lang von Wellenburg ab 1538 ein Eisenbergwerk in der Krems bei Gmünd. Das Konsortium errichtete in Kremsbrücke den ersten Floßofen in Österreich. Ab 1541 war Christoph Inhaber einer Seifensiederei in Spittal an der Drau, der einzigen in Oberkärnten. Er verpachtete den Betrieb.

Christoph Khevenhüller war ein enger Gefolgsmann des gleichaltrigen Erzherzogs Ferdinand, eines Bruders des Kaisers Karl V. Erzherzog Ferdinand war ab 1521 Erzherzog von Österreich und erhielt durch die Reichsteilung die habsburgischen Erblande, darunter Innerösterreich mit Kärnten. 1526 wurde Ferdinand König von Böhmen und 1527 König von Kroatien und Ungarn. Im Jänner 1531 wurde er in Köln zum römisch-deutschen König gewählt und 1558 folgte er seinem Bruder Karl V. nach dessen Amtsverzicht als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nach.

Erzherzog Ferdinand bestellte Christoph Khevenhüller 1525 zum Verwalter (Vizedom) der bedeutenden Grafschaft Ortenburg. Christoph Khevenhüller war an der Niederschlagung des Bauernaufstands 1525 beteiligt und er erwarb sich Verdienste bei Kämpfen gegen die Osmanen in Ungarn.

Sein Reichtum ermöglichte es ihm, seinem Landesfürsten Ferdinand Kredite zu gewähren, sodass er in dessen Gunst stieg. 1537 wurde er Rat in der Hofkammer und 1546 Hofkammerpräsident. Er war Abgesandter auf den Reichstagen und bei Kaiser Karl V. Er war auch Generalkriegskommissär und 1540 wurde er Landeshauptmann von Kärnten. Da er weiterhin in der Hofkammer diente und auch mit diplomatischen Missionen beauftragt wurde, führte sein späterer Schwiegervater Moritz Welzer auf Frauenstein als Landesverweser die Geschäfte in Kärnten.

Mit Pfandbrief vom 22. November 1541 erhielt Christoph, wie erwähnt, vom Landesfürsten die Burgherrschaft Hochosterwitz und das Amt Kraig als Pfand. König Ferdinand behielt sich das Rückkaufrecht vor, verzichtete aber später mit Zusatzvertrag darauf. Hochosterwitz und Kraig waren 1509 von Ferdinands Vater, Kaiser Maximilian I., an Bischof Matthäus Lang von Wellenburg verpfändet worden.

Am 8. Juli 1542 erhielt Christoph Khevenhüller vom St.-Georgs-Ritterorden die durch einen Brand schwer beschädigte Burg Landskron. Er nannte sich daraufhin „Khevenhüller Freiherr zu Aichelberg und Landskron“ und begann, die Burg Landskron instandzusetzen. Durch Zukäufe wurde Landskron eine große Grundherrschaft. Christoph Khevenhüller vergrößerte seinen Besitz mit den Ämtern Reichenau und Lieserhofen, dem Hof Fresach und weiteren Grundstücken in Oberkärnten. 1551 erwarb er das Amt und Gericht Himmelberg sowie das Amt Sommeregg. Später kamen die Ämter Sternberg und Hohenwart hinzu. Ein Privileg Ferdinands I. aus dem Jahr 1555 berechtigte Christoph, sich „von Aichelberg auf Landskron und Sommeregg“ zu nennen.

In Villach kaufte er 1548 ein stattliches Gebäude am Hauptplatz und 1553 ein angrenzendes Haus. Hier quartierte sich im Mai und Juni 1552 Kaiser Karl V. ein, der sich beim Fürstenaufstand vor seinem Widersacher Moritz von Sachsen auf der Flucht aus Innsbruck befand. Khevenhüller war in Innsbruck gewesen und hatte Karl V. die Zuflucht offeriert. Heute dient das Haus als „Hotel Post“. Der Fürstenaustand wurde mit dem Kompromissfrieden von Passau 1552 beendet.

Christophs Frau Elisabeth starb 1541 in Wiener Neustadt an den Folgen einer schweren Geburt. Vier Jahre später heiratete Christoph Khevenhüller Anna Maria Welzer auf Frauenstein.

Nach dem Tod des Gurker Bischofs Johannes VI. von Schönburg am 9. Jänner 1555 betraute König Ferdinand I. nicht wie üblich den Gurker Dompropst mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Einsetzung des neuen Bischofs, sondern Christoph Khevenhüller und den Vizedom in Kärnten, Georg Paradeiser. Nach einem Protest des Dompropstes wurden die Geschäfte aber diesem übertragen. Christoph Khevenhüller war zu dieser Zeit schon an Gicht erkrankt und hatte deshalb 1555 um seine Entlassung aus seinen öffentlichen Ämtern gebeten. Er starb am 3. April 1557 auf Schloss Landskron und wurde in der Stadtpfarrkirche Villach beigesetzt. In der Khevenhüllerkapelle der Stadtpfarrkirche befindet sich ein Renaissance-Epitaph mit einem Relief, das ihn und seine beiden Ehefrauen darstellt.

Christoph hatte acht Kinder: Aus der ersten Ehe stammten die Söhne Hans und Barthlmä sowie die Töchter Emerentiana, Ursula und Anna. Emerentiana starb als Kind, Ursula heiratete Mauritz Freiherrn von Dietrichstein und Anna wurde die Ehefrau von Achatz Freiherr von Paradeiser. Mit seiner zweiten Frau Anna hatte Christoph den Sohn Moritz und die beiden Töchter Genoveva und Maria. Genoveva heiratete Johann Adam Freiherr von Jörger; Maria ehelichte Bartholomä von Egkh und nach dessen Tod Friedrich Freiherr von Paradeiser.

 

Totenschild Christoph Khevenhüllers (Stadtmuseum Villach).

Totenschild Christoph Khevenhüllers (Stadtmuseum Villach).

Hans Graf Khevenhüller von Frankenburg

Nach dem Tod von Christoph Khevenhüller spaltete sich die Adelsfamilie in zwei Linien: Sein ältester Sohn Hans begründete die Frankenburger Linie. Er wurde am 16. April 1538 in Spittal an der Drau geboren und studierte ab 1549 mit seinem Bruder Barthlmä acht Jahre lang in Padua. 1558 trat er in den Dienst des Erzherzogs und späteren Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian II., dessen Truchsess er im Jahr darauf wurde. 1563 erhielt Hans Khevenhüller die Kämmerer-Würde. Er unternahm mehrere diplomatische Missionen und wurde 1570 Hofmeister und oberster Kämmerer bei den Erzherzögen Matthias und Maximilian, den Söhnen Maximilians II. 1571 reiste er zum vierten Mal als Sondergesandter nach Spanien; 1572 wurde er kaiserlicher Gesandter und ständiger Botschafter am spanischen Hof. 1581 erhielt er anstelle eines Gehalts die Herrschaft Frankenburg mit Kammer und Kogl am Attersee als erbliches Lehen. Die Herrschaft Frankenburg wurde am 19. Juli 1593 zur Grafschaft erhoben. Hans Khevenhüller zu Aichelberg wurde damit zum Reichsgrafen Khevenhüller zu Frankenburg. 1587 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ.

Der kunstsinnige Diplomat starb am 4. Mai 1606 in Madrid, wo er bis zu seinem Tod Botschafter war. Er blieb unverheiratet und war kinderlos. Die Grafschaft Frankenburg und der Grafentitel gingen nach seinem Tod an seinen um ein Jahr jüngeren Bruder Barthlmä über. Die Grafschaft Frankenburg blieb bis ins frühe 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Khevenhüller.

Moritz Khevenhüller zu Aichelberg

Christophs jüngster Sohn Moritz Christoph, geboren am 24. November 1549 in Villach, spielte eine weniger bedeutende Rolle. Er erhielt 1570 bei der Erbteilung die Herrschaft Sommeregg. Er heiratete 1576 in Graz Sybilla von Montfort. 1587 übernahm er die Herrschaft Paternion pfandweise und 1592 erwarb er sie endgültig. Das benachbarte Amt Töplitsch brachte er in die Herrschaft Paternion ein. Als Moritz Christoph Khevenhüller am 7. August 1596 in St. Johann im Pongau starb, hinterließ er seinem Sohn Augustin Schulden. Dieser verkaufte die Herrschaft Paternion 1599 seinem Onkel Barthlmä.

Barthlmä Reichsgraf Khevenhüller

Barthlmä Khevenhüller, geboren am 22. August 1539 Villach studierte mit seinem Bruder Hans in Padua und unternahm eine längere Kavalierstour nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Italien und schließlich in das Heilige Land. Im März 1562 kehrte er nach Kärnten zurück. Wie sein Bruder Hans diente er später am Hof und nahm an den Krönungsfeiern Maximilians II. in Prag und Frankfurt teil. Ab 1563 versah er Dienst bei Erzherzog Karl und 1564 kämpfte er als Rittmeister unter Wilhelm von Grasswein gegen türkische und siebenbürgische Truppen; 1565 gelang dem Regiment die Eroberung von Tokaj.

1566 wurde er Mundschenk und Kämmerer des Erzherzogs und er beteiligte sich am Feldzug Maximilians II. gegen die Türken. 1571 begleitete er Erzherzog Karl nach Gastein zum Empfang von dessen Braut Maria von Bayern. Außerdem begleitete er Kaiserin Maria und Erzherzogin Margarete auf ihren Reisen durch Kärnten. Es folgten diplomatische Missionen und weitere Feldzüge. Barthlmä Khevenhüller, seit 1593 Freiherr auf Landskron und Wernberg, war von 1581 bis 1607 ständiger Burggraf in Klagenfurt. Er ließ zwischen 1590 und 1603 Schloss Velden als Alterssitz errichten.

1605 wurde Barthlmä in den Reichsgrafenstand erhoben.1606 wurde er Sprecher der Landstände. Er baute ein Wirtschaftsimperium auf und führte moderne Methoden im Bergbau ein.

Barthlmä Graf Khevenhüller lebte auf Schloss Landskron und war dreimal verheiratet. 1570 verehelichte er sich mit Anna, geb. von Schernberg-Goldegg, 1582 heiratete er Blanka Ludmilla, geb. Gräfin von Thurn und Valsassina und 1596 Regina, geb. von Thannhausen. Insgesamt hatte er 18 Kinder, aber nur vier Töchter und drei Söhne überlebten ihn.

Als Barthlmä am 16. August 1613 in Spittal starb, war sein Sohn und Haupterbe Hans aus seiner dritten Ehe noch nicht volljährig. Deshalb führte die Witwe Regina die Geschäfte vorerst weiter. Hans heiratete Maria Elisabeth von Dietrichstein.

Schicksalsjahr 1629

Wie ein Großteil des Kärntner Adels waren auch die meisten Angehörigen der Familie Khevenhüller Protestanten geworden. Barthlmä galt als Oberhaupt der Protestanten in Kärnten. Angesichts der Türkengefahr wurde dem Kärntner Adel 1578 die Religionsfreiheit zugesichert. Mächtige protestantische Adelige halfen zudem dem Landesfürsten mit Darlehen aus. 1598 wurde Barthlmä Khevenhüller mit seinem Cousin Franz nach Graz zitiert, weil sie sich geweigert hatten, in Kraig einen katholischen Pfarrer einzusetzen.

Während der Gegenreformation erließ Ferdinand II. 1628 ein folgenschweres Generalmandat. Es sah vor, dass alle Adeligen, die sich weigerten, katholisch zu werden, das Land verlassen mussten.

Barthlmäs Sohn und Erbe Hans Graf Khevenhüller weigerte sich, zum Katholizisimus zu konvertieren und musste 1629 Kärnten verlassen. Seine Herrschaft Paternion erwarb Hans Widmann, ein Kaufmann aus Villach, der als Händler in Venedig reich geworden war. Das Schloss Paternion und großer Grundbesitz im Raum Paternion befinden sich noch heute im Besitz der (Grafen-)Familie Foscari-Widmann-Rezzonico. Das von Christoph erworbene zweite Haus in Villach, das heutige „Hotel Post“, ging nach der Auswanderung Paul Khevenhüllers ebenfalls an Hans Widmann. Von Paul Khevenhüller erwarb Widmann 1628 die Herrschaft Sommeregg. Das Villacher Stammhaus und die Herrschaft Landskron wurden von der Familie Dietrichstein übernommen. Die von Barthlmä Khevenhüller 1591 erworbene Burg Mannsberg wurde 1627 an das Domkapitel Gurk veräußert. Die Stammburg Aichelberg ging in den Besitz von Hans Siegmund Graf von Wagensberg über. Den in Kärnten verbliebenen Khevenhüllers blieben nur mehr Hochosterwitz, Schloss Annabichl und ein Stadthaus in Klagenfurt.

Die Hochosterwitzer Linie

 Christophs Bruder Siegmund, geboren am 2. Mai 1507 auf der Burg Hardegg bei Zweikirchen, war ab 1543 landesfürstlicher Vizedom in Kärnten. 1529 war er unter den Kärntner Adeligen, die bei der Verteidigung der Stadt Wien gegen die türkischen Belagerer unterstützen. 1530 folgte er seinem Bruder Christoph als Hauptmann von Ortenburg nach und heiratete im gleichen Jahr Katharina von Gleinitz. Er war auch Pfleger der Landgerichte Pittersberg und Goldenstein. 1542 erbte er die Stammburg Aichelberg und ließ sie instand setzen. Siegmund erhielt auch eines der Häuser in Villach. Er besaß weiters einen Hof bei St. Martin in Villach, den er 1546 zum Schloss Mörtenegg ausbauen ließ. Ab 1550 hatte er die Herrschaft Karlsberg als Pfand inne.

Das Pfandrecht auf die Burgherrschaft Hochosterwitz ging nach Christoph Khevenhüllers Tod 1557 an seinen ältesten Sohn Hans über. Da sich dieser aber als Diplomat meist in Spanien aufhielt, trat er das Pfandrecht an seinen Cousin Georg II. Khevenhüller ab, den Sohn von Siegmund.

Georg, geboren am 5. März 1534, war einer der bedeutendsten Vertreter der Familie Khevenhüller. Schon als 23-Jähriger wurde er Landesverweser, davor war er Landesvizedom, und von 1565 bis zu seinem Tod am 9. September 1587 in Klagenfurt war er Landeshauptmann von Kärnten. Er machte auch Karriere am Hof des Erzherzogs Karl von Innerösterreich in Graz und wurde 1568 Geheimer Rat. Außerdem war er Präsident der Hofkammer, die für die Finanzen Innerösterreichs zuständig war. Er kaufte von Erzherzog Karl am 18. März 1571 die Burg Hochosterwitz, die er, wie erwähnt, schon als Pfand inne gehabt hatte. Er ließ die Burg von 1570/71 bis 1583 zur heutigen Gestalt um- und ausbauen. 1565 erhielt Georg von Erzherzog Karl II. die Ehrenfunktion des erblichen Oberststallmeisters von Kärnten verliehen – gemeinsam mit seinen drei Cousins Hans, Bartholomäus und Moritz. Solche Hofämter wurden grundsätzlich an alte, verdiente Adelsfamilien vergeben. Kaiser Maximilian II. erhob 1566 Georg und seine drei Cousins in den erblichen Reichsfreiherrenstand mit dem Namenszusatz „auf Landskron und Wernberg“. Die Adelserhebung erfolgte „in Anbetracht der getreuen Dienste, welche die Khevenhüller als ehrliche Ritterliche vom Adel von uralten Zeiten an seinen Vorfahren bewiesen haben“, wie es in der Begründung hieß. Georg war auch Hauptmann der Grafschaft Pisino. Er übernahm das Schloss Mörtenegg in St. Martin bei Villach, das Amt Kraig, Schoss Freyenthurn, die Weidenburg bei Mauthen im Gailtal und das Venezianerhaus am Hauptplatz in Villach. 1586 kaufte er die Herrschaft Karlsberg, die er als Pfand erhalten hatte. 1573 erwarb er die Burg Dürnstein an der kärntnerisch-steirischen Grenze, 1574 die Grafschaft Mitterburg/Pazin in Istrien, 1576 die Herrschaft Obertrixen, 1577 das Gericht zu Annabichl, 1578 Schloss Weißenfels bei Tarvis, 1580 die Herrschaft und Stadt Gmünd, 1581 die Herrschaft Mahrenberg in der Untersteiermark und 1587, kurz vor seinem Tod, die Herrschaft Neudenstein. Am Neuen Platz in Klagenfurt ließ er 1568 als Landeshauptmann seine Residenz errichten. Dazu kamen Mautrechte und andere Privilegien. Schloss Freudenberg verkaufte Georg an seinen Schwager Mechisedech Seenuß und die Herrschaft Himmelberg-Piberstein übergab er seinem Cousin Hans, der dafür auf seinen Anteil an Wernberg verzichtete. Georg wurde Obersthofmeister bei Erzherzog Karl und erwarb sich auch Verdienste bei Kämpfen in Kroatien gegen osmanische Truppen. 1572 wurden ihm die Güter der Propstei Maria Wörth verpfändet.

Für seine zweite Frau Anna ließ er das kleine Schloss Annabichl in Klagenfurt errichten. Auch Georg war Protestant. Auf seiner Burg Hochosterwitz wirkte der Prädikant Michael Gothard Christalnick. Der katholische Erzherzog Karl II. stand seinem protestantischen Obersthofmeister Georg tolerant gegenüber. 1580 quittierte Georg Khevenhüller seine Ämter in der innerösterreichischen Regierung in Graz und blieb in Kärnten.

Schwindel bei der Ahnengalerie

Als Hans Khevenhüller, der spätere Reichsgraf von Frankenburg, von Maximilian II. die Kämmerer-Würde erhalten sollte, wurde er 1562 von Neidern angeschwärzt, er könne die Position nicht bekleiden, weil die Khevenhüller noch nicht lange dem Adel angehörten. Voraussetzung für diese hohe Auszeichnung war neben außerordentlichen Verdiensten der Nachweis von je acht väterlichen und mütterlichen adeligen Ahnen. Hans Khevenhüller reiste daraufhin zu seinem Cousin Georg, der damals noch Landesverweser in Kärnten war. Georg Khevenhüller erstellte einen Stammbaum der Familie mit einer schriftlichen Erklärung, aus der hervorging, dass die Familie Khevenhüller schon seit 300 Jahre lang adelig sei und Angehörige der Familie seit 200 Jahren viele Ehrenämter für die Habsburger innegehabt hätten. In seinem 1568 fertiggestellten Stammbaum, in einem zweiten Stammbaum von 1571 und in seiner 1583/84 verfassten Abhandlung „Der Herren Khevenhüller Lebens-Beschreibung“ setzte Georg Khevenhüller den Beginn der Geschichte seiner Familie in Kärnten im 12. Jahrhunderts an – mit dem „Stammvater Siegmund“. Dass Georg keine Dokumente bzw. andere Quellen nennen konnte, erklärte er damit, dass die Unterlagen beim schweren Erdbeben von 1348 im Raum Villach und beim Villacher Stadtbrand 1524 vernichtet worden seien. Georg stellte fälschlicherweise auch eine Verwandtschaft zum mächtigen Adelsgeschlecht der Aufensteiner her und bezeichnete dieses als Vorbesitzer der Hochosterwitz und Verteidiger der Burg gegen die Truppen der Gräfin Margarete Maultasch. „Stammvater Siegmund“ soll laut Georgs „Ahnenforschung“ mit einer Aufensteinerin verheiratet gewesen sein.

Allerdings kamen die Aufensteiner erst eineinhalb Jahrhunderte später von Tirol nach Kärnten und waren nie auf der Burg Hochosterwitz. Dort saßen, wie erwähnt, bis 1478 die Schenken von Osterwitz. Die Khevenhüller stammen vermutlich aus Khevenhüll in der Oberpfalz und dürften erst im späten 14. Jahrhundert nach Kärnten gekommen sein – als Dienstleute des Bischofs von Bamberg. Das Bistum Bamberg hatte in Kärnten großen Grundbesitz: Villach und das Kanaltal, Feldkirchen, Griffen und das obere Lavanttal.

Dennoch billigte Erzherzog Karl von Innerösterreich Georg Khevenhüller mit dem Kauf der Hochosterwitz zu, das Uhu-Wappen der Aufensteiner zu führen und Hans Khevenhüller erhielt 1563 von Maximilian II. die Kämmerer-Würde.

Hochosterwitz Georg Khevenhüller Tafel 1576

Die katholischen Khevenhüller auf Hochosterwitz

Georg Khevenhüllers Sohn und Erbe Franz II. (1562–1607) übernahm die Burg Hochosterwitz. Sein Vater hatte bestimmt, dass die Burg niemals veräußert werden dürfe. Franz II. hatte drei Söhne: Barthelmä (1594–1649), Siegmund (1597–1656) und Franz III. (1598–1636). Letzterer erbte 1619 die Burg Hochosterwitz und deklarierte sich 1628 als Katholik. Er starb kinderlos. Ehrenreich Khevenhüller (1640–1675), ein Sohn des als Protestant ins Exil gegangenen Siegmund, konvertierte 1666 zum Katholizismus und konnte so den Hochosterwitzer Besitz fortführen. Er wurde am 27. Juni 1673 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Sein Enkel Johann Joseph (1706–1776) Johann Joseph war Diplomat und hatte höchste Hofämter inne. Er war Obersthofmeister in Österreich unter der Enns, Oberstkämmerer und Obersthofmarschall. Zudem war er Mitglied des elitären Ordens zum goldenen Vließ. 1728 heiratete er Karolina, geb. Gräfin von Metsch, Tochter und Erbin des letzten Reichsgrafen von Metsch. 1751 wurde Johann Joseph gestattet, auch den Familiennamen seines Schwiegervaters zu führen. Den Namen Khevenhüller-Metsch führen auch seine Nachkommen.

Oberhaupt der Hochosterwitzer Linie der Khevenhüller ist seit dem Tod seines Vaters Maximilian im Jahr 2010 Johannes (X. Reichsfürst von) Khevenhüller-Metsch, geboren 1956. Da er aber mit seiner Familie in Rom lebt, überließ er die Burg Hochosterwitz und den dazugehörigen Grundbesitz seinem drei Jahre jüngeren Bruder Karl (Graf) Khevenhüller-Metsch.

In Klagenfurt, Villach, Pörtschach am Wörther See und Spittal an der Drau erinnern Straßenbezeichnungen an herausragende Vertreter der einst mächtigen Adelsfamilie Khevenhüller.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:

Aelschker, Eduard: Geschichte Kärntens I und II. Verlag Johann Leon, Klagenfurt, 1885.

Clam-Martinic, Georg: Österreichisches Burgenlexikon. Burgen und Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais. 2. Auflage. Landesverlag, Linz, 1992.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien, 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt, 1994.

Ginhart, Karl: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten. Filser, Wien 1927.

Grueber, Paul: Die Burg Hochosterwitz. Verlag Kollitsch, Klagenfurt, 1925.

Khevenhüller-Metsch, Georg: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten und ihre Geschichte. Selbstverlag. Hochosterwitz, 1953.

Khevenhüller-Metsch, Georg; Ginhart, Karl: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten. Selbstverlag, Klagenfurt, 1939.

Khevenhüller-Metsch, Rudolf; Schlitter, Hanns (Hg.): Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch, Kaiserlichen Obersthofmeisters 1742 – 1776. Verlag Adolf Holzhausen, Wien, 1907.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Leitner, Friedrich W.: Anmerkungen zu den Inschriftenträgern im Bezirk St. Veit an der Glan – die Inschriften an Gebäuden, kirchlicher Ausstattung und Geräten, Rechtsdenkmälern – Flurdenkmälern. In: Rudolfinum, 2004, S. 295-315.

Obersteiner, Jakob: Die Bischöfe von Gurk 1072 – 1822. Reihe: Aus Forschung und Kunst, 5. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 1969.

Sabitzer, Werner: Adelige in Kärnten (unveröff. Manuskript).

Sabitzer, Werner: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten, Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

Webernig, Evelyne: Der Landeshauptmann von Kärnten. Ein historisch-politischer Überblick. Klagenfurt, 1983.

Webernig, Evelyne: Landeshauptmann und Vizedomamt in Kärnten bis zum Beginn der Neuzeit. Ein historisch-politischer Überblick. Klagenfurt, 1987.

Wiessner, Hermann; Seebach, Gerhard: Burgen und Schlösser in Kärnten: Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt (Kärnten II). Wien, 1965.

Wißgrill, Franz Karl; Odelga, Karl von (Fortsetzung): Schauplatz des landsässigen Nieder-Österreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande von dem XI. Jahrhundert an, bis auf jetzige Zeiten. Fünfter Band. Druckerei Christian Fridrich Wappler, Wien, 1804.

Wurzbach, Constantin von: Khevenhüller, Johann (VII.) Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 11. Verlag L. C. Zamarski, Wien, 1864.

Schloss Straßburg

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Teil 19 einer 24-teiligen Serie über Adel im Gurktal in der Quartalszeitschrift „Weitensfelder Kulturbote“.

Mai 31, 2015 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Schatzkammer Gurk: Kunstschätze im Propsthof

In der neuen „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof neben dem Gurker Dom sind 275 sakrale Kunstgegenstände aus dem früheren Diözesanmuseum Klagenfurt ausgestellt.

 

Propsthof Gurk

Propsthof Gurk

Gurker Fastentuch

Pieta

Pieta

Monstranzen und Kelche

Monstranzen und Kelche

Magdalenenscheibe von Weitensfeld: Älteste Glasmalerei Österreichs

Magdalenenscheibe von Weitensfeld: Älteste Glasmalerei Österreichs

Die Magdalenenscheibe aus Weitensfeld, um 1170 entstanden, ist das älteste Glasgemälde Österreichs. Das 58 Zentimeter hohe Kunstwerk stellt Maria Magdalena dar – mit Salbgefäß und einem vergoldeten Weihrauchgefäß, wie es zur Zeit der Entstehung der Scheibe verwendet wurde. Fast wäre die wertvolle Glasmalerei für immer verloren gewesen. Am 12. Jänner 1931 zeigte der Weitensfelder Pfarrer an, dass die Magdalenenscheibe aus der Filialkirche St. Magdalen fehlte. Zunächst verdächtigten die Ermittler den Pfarrer, die Scheibe verkauft zu haben, aber bald wurden die tatsächlichen Täter verhaftet. Das Kunstwerk war im Dezember 1930 gestohlen und nach Berlin gebracht worden, wo die Scheibe sichergestellt wurde. Der Dieb und der Auftraggeber wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Magdalenenscheibe wurde restauriert und kam in das Diözesanmuseum nach Klagenfurt. Im Kirchlein St. Magdalen befindet sich ein Duplikat. Heuer übersiedelte die Magdalenenscheibe wieder in das Gurktal.

Das romanische Glasgemälde ist eines der wertvollsten Exponate in der neuen „Schatzkammer Gurk“, in der sich nun die Schätze des 2012 geschlossenen Diözesanmuseums Klagenfurt befinden. Anlass für die Gründung des Diözesanmuseums im Jahr 1917 war die Bedrohung von kirchlichen Kunstwerken und sakralen Gegenständen durch Verfall, Verkauf und Diebstahl. Aus Dachböden, Sakristeien und entlegenen Kirchen wurden Kunstgegenstände geborgen und restauriert. Ab 1937 war das Museum in der bischöflichen Residenz in Klagenfurt öffentlich zugänglich. 1974 übersiedelte das Museum in das neue Haus beim Dom, das anstelle der alten Jesuitenkaserne errichtet wurde. Die Museumsräume im dritten Stock waren allerdings nur über einen kleinen Lift und eine unansehnliche Stiege erreichbar. Deshalb begab man sich auf die Suche nach einem neuen Quartier für die kirchlichen Schätze.

Als 2008 die Salvatorianer aus Gurk abzogen, suchte man nach einer Nachnutzung des ehemaligen Propsteigebäudes. Die gotisch und barock gewölbten Räume im Erdgeschoß wurden als geeignete Museumsräume betrachtet. Nach einem Architekturwettbewerb wurde 2012 das Siegerprojekt des Architekturbüros „Winkler + Ruck“ präsentiert. Nach der Restaurierung und Adaptierung der Räume im Propsthof wurden die Kunstwerke transportsicher verpackt und in das Gurktal gebracht. Die Kosten für die Errichtung des Museums und der Arrondierungsmaßnahmen im Außenbereich betrugen rund von 1,5 Millionen Euro. Leiter der Schatzkammer ist Diözesankonservator Dr. Eduard Mahlknecht.

„Bereicherung der Seele“

Die Schatzkammer wurde am 30. April 2014 vom Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz und vom Gurker Stiftspfarrer Monsignore Mag. Gerhard Christoph Kalidz offiziell eröffnet. „Mit dieser Schatzkammer sichern wir europäische Kultur und stärken das Selbstbewusstsein, das sich aus der Geschichte der Religion und der Kultur speist“, sagte Bischof Schwarz bei der Eröffnung und Segnung des neuen Museums. Die Exponate würden die „Kraft der Spiritualität vieler Jahrhunderte“ atmen und vor allem auf Jesus Christus verweisen. Die Schatzkammer Gurk solle die Glaubensgeschichte Kärntens in sakralen Kunstwerken sichtbar machen und die Besucherinnen und Besucher sollten eine „Bereicherung der Seele“ erfahren, betonte der Bischof. Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser würdigte bei der Eröffnungsfeier die Bedeutung der Katholischen Kirche als Kunst- und Kulturträger. Das neue Museum sei eine „große Bereicherung für die Kultur unseres Landes“.

275 Exponate in zehn Ausstellungsräumen

Mit der neuen „Schatzkammer“ hat Gurk als Zentrum der Hemma-Verehrung neben dem berühmten romanischen Dom eine weitere bedeutende Kunsteinrichtung und touristische Attraktion. In zehn Räumen sind auf 920 Quadratmetern Fläche 275 Exponate ausgestellt – nach Epochen gegliedert.

Im ersten Raum sind wechselnde Ausstellungen vorgesehen. Derzeit ist hier das Werden der Schatzkammer dokumentiert. Die angrenzende ehemalige Dreifaltigkeitskapelle der Propstei mit dem Sternrippengewölbe beherbergt Glasgemälde und liturgische Kleidung. Bei der Restaurierung der Kapelle wurden Wand- und Dekormalereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert freigelegt.

Im anschließenden Raum wird das wertvolle Gurker Fastentuch aufbewahrt, das in der Fastenzeit im Dom hängt. Es ist das älteste und größte Fastentuch Kärntens. Angefertigt wurde es vom Maler Konrad in Friesach im Auftrag des Gurker Dompropstes Johann III. Hinderkircher. Meister Konrad vollendete das Werk 1458. Das 80 Quadratmeter große Kunstwerk zeigt Bilder aus dem Alten und Neuen Testament.

Im Romanik-Raum befinden sich die wertvollsten Exponate der Schatzkammer. Neben der Magdalenenscheibe ist hier das „Hölleiner Kruzifix“ ausgestellt. Es stammt aus dem ehemaligen Knappenkirchlein Höllein im Gurktal und ist eines der berühmtesten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs. Die um 1170/80 entstandene Figur ist ein „Vier-Nagel-Typus“ – die Füße des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ein weiteres wertvolles romanisches Relikt aus dem Gurktal ist ein Wachssiegel des Gurker Bischofs Roman I., der den Gurker Dom und das Schloss Straßburg erbauen ließ. Das im Durchmesser sieben Zentimeter große Siegel wurde 2013 bei der Sanierung des Hanserkirchleins in Altenmarkt in einem Reliquienbehältnis entdeckt. Das aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Behältnis befand sich in einer Altar-Vertiefung, die mit einem Stein mit römischen Inschriften verschlossen war. Im Romanikraum hängt eine der ältesten Glocken Österreichs. Sie stammt aus der Kirche in Flatschach und wurde im 11. Jahrhundert gegossen.

In der Schatzkammer befinden sich viele weitere sakrale Wertgegenstände aus dem Gurktal, darunter das Fastentuch von Steuerberg. Es entstand um 1530 und zeigt auf 25 Bildern die Passionsgeschichte Christi. Aus der Flattnitzer Kirche stammt eine Kreuzigungsdarstellung und aus dem Schloss Straßburg eine 1490 geschnitzte Figur aus Lindenholz, die den heiligen Sebastian mit Pfeileinschüssen darstellt.

Der fünfte Raum ist der Gotik gewidmet – in Kärnten gibt es viele gotische Fresken und Flügelaltäre. In zwei weiteren Räumen sind Weihnachtskrippen und Heilige ausgestellt. Im Raum acht sind sakrale Kunstwerke aus der Renaissance zu sehen und im neunten Raum befinden sich Exponate aus der Barockzeit, ebenso Gegenstände, die einen Einblick in die Volksfrömmigkeit und Hemma-Verehrung geben. Im letzten Ausstellungsraum gibt es liturgische Kostbarkeiten, wie Monstranzen, Kreuze, Kelche und Messbücher (Missale). Der abschließende Gewölbesaal ist für Vorträge und andere Veranstaltungen gedacht.

Werner Sabitzer

SCHATZKAMMER GURK (Diözesanmuseum): Propsthof, 9342 Gurk, www.dom-zu-gurk.at. Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober: täglich von 10 bis 18 Uhr; 1. November bis 30. April: Besichtigung nur nach Vereinbarung für Gruppen. Eintrittspreise: Erwachsene 6,00 €, ermäßigt 5,00 €, Kinder und Jugendliche (6 bis 16 Jahre) 2,50 €, Familien zahlen nur für ein Kind, Gruppen (ab 15 Personen) 3,50 €, Schulklassen 2 € pro Schüler/-in, mit Führung 3 €, Führungen: 2,50 €, für Gruppen ab 15 Personen: 1,00 €.

Mai 31, 2015 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Die Propstei St. Virgil in Friesach

Auf dem Virgilienberg in Friesach befand sich fast vier Jahrhunderte lang ein Kollegiatstift. 1964 wurde der aus dem Gurktal stammende Villacher Stadtpfarrer Dr. Johannes Sabitzer Propst von St. Virgil. Er war der letzte Propst auf dem Virgilienberg.

In Friesach befindet sich auf dem Virgilienberg die Ruine einer gotischen Kirche. Hier gründete Salzburgs Erzbischof Eberhard II. zwischen 1233 und 1240 ein Kollegiatstift zu Ehren des 1233 heilig gesprochenen Virgil von Salzburg. Virgil stammte aus Irland und ließ im achten Jahrhundert Kärnten missionieren. Mehr als zwei Jahrzehnte vor der Gründung von St. Virgil war in Friesach bereits das Kollegiatstift St. Barthlmä errichtet worden.

Vorsteher des Kollegiats am Virgilienberg war der Propst, dem ein Dekan und sieben Kanoniker unterstanden. Der Dekan und die Kanoniker bildeten das Kapitel, das eine eigene Rechtspersönlichkeit war und das Recht hatte, verbindliche Normen über innere Angelegenheiten zu erlassen. Für die Verwaltung des Kapitels war der Propst zuständig; bei einer Vermögensänderung musste er aber die Zustimmung des Kapitels einholen. Die Stiftsherren wurden in ihrer Abwesenheit von Vikaren vertreten. Beschließendes Organ war die Kapitelversammlung.

Das Kollegiatsstift war mit Grundbesitz und Rechten ausgestattet, aus denen die Stiftsherren die Einkünfte (Pfründe, Präbande) bezogen. Die Kanoniker waren neben ihren Aufgaben im Kollegiatstift als Kapläne, Prediger, erzbischöfliche Notare, Anwälte, Richter, Beichtväter für Honoratioren, Lehrer und Spendeneintreiber für öffentliche Bauvorhaben tätig. Erster Propst auf dem Virgilienberg war Pfarrer Hartwig (Hartewicus) von Lieding im Gurktal. Er starb um 1260.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatten die Pröpste auch das Amt des Vizedoms von Friesach inne. Die Stadt gehörte zum Erzstift Salzburg. Vor hier aus wurden die salzburgischen Besitzungen in Kärnten verwaltet.

In der Propstei befand sich eine bedeutende Bibliothek. Am 24. August 1309 zerstörte ein Brand die Propstei. Die Kirche wurde wieder aufgebaut.

Durch Zwangsverkäufe und hohe Steuern sanken die Erträge des Kollegiatstiftes Mitte des 16. Jahrhunderts beträchtlich. Die Reformation im ausgehenden 16. Jahrhundert führte zu einer schweren Krise für St. Virgil; zudem fiel die Stiftskirche 1582 einem Stadtbrand zum Opfer. Spätestens 1591 wurde der Propst von St. Virgil als grundbesitzender Prälat in die Reihe der geistlichen Landstände Kärntens aufgenommen.

Das Ende des Kollegiatsstiftes

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts drohte wegen Schulden und Steuerrückständen die Exekution des Stiftes; dazu kam ein Personalproblem. Spätestens 1608 verlor das Kollegiatkapitel St. Virgil seine Rechtspersönlichkeit. Die materiellen Rechte (Temporalien) und die geistlichen Befugnisse des Dekans von St. Virgil gingen zum Kapitel von St. Barthlmä über; ebenso das Kapitelgut der sieben Kanoniker, darunter 47 Höfe, Huben, Zulehen und Keuschen. Die geistlichen Befugnisse verblieben bei der Virgilkirche und wurden vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau aufgehoben. Damit hörte das Kollegiatkapitel am Virgilienberg zu bestehen auf. Die Propstpräbende mit den geistlichen Befugnissen und materiellen Rechten blieb bestehen.

Wolf Dietrich von Raitenau

Erzbischof Wolf Dietrich Graf von Raitenau, der das Kollegiatstift St. Virgil aufgehoben hatte, wurde im Oktober 1611 wegen eines Konflikts mit Bayern auf der Flucht nach Kärnten von bayrischen Truppen gefangen genommen und auf die Festung Hohenwerfen und später in die Feste Hohensalzburg gebracht. Er trat 1612 als Erzbischof zurück. Sein Neffe und Nachfolger als Erzbischof, Markus Sittikus Graf von Hohenems, hielt ihn bis zu seinem Tod auf Hohensalzburg weiter gefangen. Wolf Dietrich setzte am 15. April 1600 seinen Bruder Rudolf anstelle des anderen Bruders Hans Ulrich als Vizedom in Friesach ein. Rudolf übersiedelte nach Friesach und hatte dieses Amt bis 1613 inne. Er war Pfleger auf Burg Taggenbrunn von 1589 bis 1600 und er erwarb 1605 von der oberösterreichischen Familie Losenstein die Herrschaft Rosegg mit dem Eigentumsrecht am Faaker See sowie 1610 das Schloss Kronegg im Maltatal von Anton von Kronegg. Er erhielt 1601 die Herrschaft Gmünd als Pfand und kaufte sie 1611 dem Kaiser ab, von 1610 bis 1615 ließ er in Gmünd das neue Schloss erbauen; wurde im Oktober 1612 mit seinem verschuldeten Bruder Wolf Dietrich von bayrischen Truppen gefangen genommen, aber im Jänner 1912 wieder entlassen. Rudolfs Sohn Wolf Dietrich II. Graf von Raitenau (1601 – 1639) erbte unter anderem die Herrschaft Rosegg, wo er zeitweise wohnte und das Schloss renovieren ließ. Nach seinem Tod verkaufte seine Mutter Maria Sidonia die Herrschaft Gmünd an Catharina Gräfin zu Lodron. Der Sohn von Wolf Dietrich II., Rudolf Hannibal Graf von Raitenau, war der letzte männliche Spross der Grafenfamilie Raitenau. Das Erbe ging an die fünf Kinder seiner Schwester Maria Anna Katharina von Welsperg.

Propstei St. Virgil

Der verbliebene Teil des ehemaligen Kollegiatsstiftes wurde als Propstei St. Virgil weitergeführt und der Erzbischof von Salzburg ernannte weiterhin den Propst. 1752 zerstörte ein neuerlicher Brand die Kirche und die anderen Gebäude am Virgilienberg. Zwei Jahre später wurde zwar der Chor der Kirche wieder eingedeckt und es wurden wieder Messen gefeiert; die anderen Gebäude waren aber nicht mehr bewohnbar. Nach einem ersten Versuch 1783 wurde die Stiftskirche St. Virgil unter Kaiser Josef II. 1786 profanisiert (als Kirche aufgelassen). Wohin die Reliquie des heiligen Virgils gebracht wurde, lässt sich nicht mehr eruieren.

Mit der Entweihung der Kirche endeten auch die geistlichen Rechte. Der Propst verlor seine Titelkirche. Ihm verblieb aber der Grund auf dem Virgilienberg, deshalb blieb die Propstei bestehen. Der Propst war aber kein „Titularpropst“, da die Propstei weder untergegangen ist noch formell aufgehoben wurde. Mit dem Tod des Propstes Dominikus Tschernigoy 1789 fiel die Propstpräbende an den Fürstbischof von Salzburg.

Mit der neuen, tief greifenden Diözesanregelung von Kaiser Josef II. wurde aber die Propstei St. Virgil nicht wie andere salzburgische Besitzteile in Kärnten an die Diözese Gurk übergeben, sondern verblieb bei Salzburg, der Erzbischof verlor aber seinen Einfluss in Friesach. Von der Propstei auf dem Virgilienberg war nur mehr eine kleine Grundherrschaft übrig, bestehend aus zehn Huben und drei Zulehen sowie dem kleinen Grundstück auf dem Virgilienberg. Die Grundherrschaft verlor auch als Einnahmequelle für die künftigen Pröpste an Bedeutung, sie warf nur selten Erträge ab.

 St. Virgil, Gmünd und Villach

Mit der josephinischen Kirchenreform 1786 wurde die Kirche dem Staat untergeordnet. Der Kaiser zog 1787 zudem das Ernennungsrecht der Bischöfe, Äbte und Pröpste an sich.

Salzburgs Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo von Waldsee und Mels (1732 – 1812) musste unter anderem die Erzdiakonate Friesach-Kappel und Gmünd an die Diözese Gurk abtreten. Die offizielle Übergabe erfolgte Mitte April 1789. In der Abtretungsurkunde fehlte aber die Propstei am Virgilienberg. Gurks Fürstbischof Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt ernannte am 28. August 1789 Johann Nepomuk Holzer zum Dechanten und Stadtpfarrer von Gmünd, das nun zur Diözese Gurk gehörte. Kurz darauf verlieh Fürsterzbischof Colloredo die Propstei St. Virgil an Dechand Holzer und ersuchte Fürstbischof Salm-Reifferscheidt, die Investitur Holzers als Propst vorzunehmen. Salm setzte daher Holzer am 28. Oktober 1789 als Propst von St. Virgil ein. Die Rechtslage bei der Propsteinsetzung war aber unklar. Es kam zu einer rechtlichen Prüfung. Nach der Säkularisierung (Verweltlichung) des Salzburger Kirchenbesitzes 1806 teilte der Gurker Bischof im Jahr darauf dem zuständigen k. k. Landesgubernium in Graz mit, dass er nun der Rechtsnachfolger für die Verleihung des Metropoliten für alle in seiner Diözese liegenden, „vorbehaltenen“ Benefizien sei und argumentierte, dass der Erzbischof von Salzburg Holzer die Propstei erst nach der Abtretung des Salzburger Diözesenanteils an die Diözese Gurk verliehen habe.

Der Stadtbrand 1816 in Friesach, bei dem 70 Häuser zerstört wurden, bedeutete das endgültige Aus für die Propsteianlage auf dem Virgilienberg. Die Mauersteine des ausgebrannten Propsthofes wurden von den Friesachern abgetragen und für Bauten in der Stadt verwendet. 1823 wollte man die Stiftskirche nochmals eindecken, es kam aber nicht mehr dazu, sodass auch Reste der Kirche ab 1825 als „Steinbruch“ dienten. Von der ehemaligen gotischen Stiftskirche blieben nur das Presbyterium und die nördliche Kapelle übrig.

Nach dem Tod Holzers am 13. November 1818 kam es zu Problemen bei der Nachlassverwaltung. Holzer hatte sich in den letzten Jahren nicht mehr um die Propstei gekümmert, Außenstände ließen sich kaum eintreiben. In den folgenden Jahren beschäftigten sich Behörden und Gerichte mit der Angelegenheit.

Wegen der Ernennung eines Nachfolgers wandte sich der Gurker Fürstbischof Kardinal Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt-Krautheim (1749 – 1822) an das Gubernium in Graz und wies darauf hin, dass die Propstei seit langer Zeit mit der Stadtpfarre Gmünd verbunden sei. Das solle aufrecht erhalten bleiben. Kaiser Franz I. folgte der Empfehlung und ernannte Holzers Nachfolger als Dechant und Stadtpfarrer von Gmünd, Leopold Anton Praskowitz, auch zum Nachfolger als Propst von St. Virgil. Die Investitur (Amtseinweisung) erfolgte von Fürstbischof Salm am 22. März 1820. Praskowitz erhielt vom Kaiser die Auflage, die auf der Propstei lastenden Verbindlichkeiten zu erfüllen. Der neue Propst erhielt die Temporalien.

Praskowitz war der erste vom Kaiser ernannte Propst vom Virgilienberg. In der landesfürstlichen Verordnung vom 14. November 1806 wurde bestimmt, dass jene Benefizien, die der Salzburger Fürstbischof 1789 nicht ausdrücklich dem Gurker Ordinariat abgetreten hatte, dem Landesherrn und Kaiser zukamen.

Probleme mit der Finanzverwaltung gab es auch nach dem Amtsantritt von Praskowitz. Die Propsteiverwaltung wurde nach Straßburg verlegt, Verwalter war Anton Balthasar.

Nach dem Tod von Praskowitz am 18. April 1846 folgte ihm erstmals seit 1606 nicht der Stadtpfarrer von Gmünd als Propst vom Virgilienberg nach, sondern der Klagenfurter Domdechant Johann Michael Achatz. Nach der Revolution 1848 wurde die Grundherrschaft aufgehoben („Bauernbefreiung“). Das bedeutete auch einen beträchtlichen Rückgang der ohnehin schon geringen Einnahmen für den Propst. Achatz wurde 1949 Propst in Straßburg und resignierte als Propst auf dem Virgilienberg. Der einzige Bewerber für die Nachfolge, Alois Zwischenberger, starb, bevor ihn Kaiser Franz Joseph die Propstei verleihen konnte. Neuer Propst wurde 1850 der Gurker Domkapitular Thomas Michael Moser. Nach der Grundentlastung verblieb ihm nur mehr ein 1,4 Hektar großes, teils bewaldetes Grundstück auf dem Virgilienberg mit den Ruinen der Stiftskirche und des Propsthauses. Auf diese kleine Immobilie stützte sich die weitere Vergabe des Propsttitels und der damit verbundenen Rechte. Die Präbande war unbedeutend, der Inhaber bekam Unterhalt aus dem Religionsfonds. Moser verpachtete 1855 die Wiese auf dem Virgilienberg und resignierte 1861. Ihm folgte wieder der Stadtpfarrer von Gmünd, Johann Rauscher, danach der Villacher Stadtpfarrer Johannes Pleschutznig, der 1903 zurücktrat, weil er Propst von St. Barthlmä in Friesach wurde. Sein Nachfolger Dr. Gabriel Lex, Ehrendomherr und Stadtpfarrer von St. Veit/Glan, starb 1909 und im Jänner 1910 übernahm Dr. Hermann Arzlhuber, Dechant und Stadthauptpfarrer von Villach, das Amt des Propstes auf dem Virgilienberg.

Nach der Auflösung der Monarchie 1918 ging das Vergaberecht der Propstei vom Kaiser an den Papst über. Der Propst-Titel war bei vielen Priestern begehrt, auch wenn er wie auf dem Virgilienberg keine besondere Bedeutung mehr hatte.

Ende Dezember 1935 ersuchte der Pfarrausschuss von St. Jakob in Villach den Fürstbischof Adam Hefter, die Propstei für immer mit der Stadthauptpfarre St. Jakob in Villach zu vereinen. Das wurde abgelehnt.

Nach dem Tod Arzlhubers 1941 blieb die Propstei vorerst unbesetzt. Die Verwaltung erfolgte vom Propst von St. Barthlmä in Friesach. Erst 1949 wurde wieder ein Propst auf dem Virgilienberg berufen – der Villacher Stadtpfarrer Franz Ninaus. Das Recht des Propstes, die Inful zu tragen, wurde 1951 aufgehoben. Die Inful war eine Art Bischofsmütze (Mitra), eine um die Stirn gelegte Wollbinde, deren Enden im Nacken herunterhingen. Ninaus war also der letzte infulierte Propst von St. Virgil. Er starb am 14. November 1963.

Johannes Sabitzer – letzter Propst von St. Virgil

Nachfolger von Propst Ninaus wurde der Villacher Stadtpfarrer Monsignore Dr. Johannes Sabitzer. Papst Johannes XXIII. verlieh ihm am 28. Februar 1964 die Propstei auf dem Virgilienberg. Johannes Sabitzer wurde am 15. Mai 1910 in Straßburg im Gurktal geboren. Nach der Priesterweihe am 28. Juni 1934 war er Kaplan in Althofen und ab 1936 studierte er in Rom Choralwissenschaften. Ab 1939 war er wieder Kaplan in Althofen und in St. Johann am Pressen. Danach wurde er Domkapellmeister und Dozent für Choralwissenschaften am Priesterseminar. Am 1. Oktober 1952 erhielt er die Haupt- und Stadtpfarre St. Jakob in Villach übertragen. Von 1952 bis 1979 war er auch Vorsitzender des Dekanats Villach-Stadt.

Bischof DDr. Egon Kapellari würdigte Sabitzer bei dessem 50-jährigen Priesterjubiläum 1984, er habe „viele Brücken zwischen Kirche und kulturellem Leben im Lande gebaut“. Papst Johannes Paul II. kehrte bei seinem Österreich-Besuch auch im Haus des Stadtpfarrers Sabitzer ein.

Fürstbischof DDr. Joseph Köstner ernannte Sabitzer 1964 zum „Konsistorialrat“ und 1982 erfolgte seine Ernennung zum „Päpstlichen Kaplan“. Dr. Johannes Sabitzer starb am 25. August 1992 in Villach. Mit ihm erlosch die Reihe der Pröpste vom Virgilienberg. Die Propstpräbande ruht seit damals.

Der verbliebene Grundbesitz der Propstei umfasste die Wiese auf dem Virgilienberg, auf dem die Chorruine steht. Das Grundstück war verpachtet; es gab fast keine Einkünfte mehr.

Kirchenruine St. Virgil

Wegen Einsturzgefahr begannen bei der Kirchenruine 1894 Sicherungsmaßnahmen. Anfang der 1920er-Jahre drohten Teile der Ruine auf darunterliegende Wohnhäuser zu stürzen. Deshalb erging ein Abbruchbescheid, der allerdings wieder aufgehoben wurde, nachdem 1927 Sicherungsmaßnahmen an der Ruine erfolgten. Ein Jahr davor war der Triumphbogen eingestürzt. Heute sind nur mehr einige Mauerreste des Propsthofes und die Mauern des Chores der Stiftskirche erhalten. 1977 und 1993/94 erfolgten vom Bauorden Konservierungsarbeiten an der Chorruine auf dem Virgilienberg.

Werner Sabitzer

 

Quellen/Literatur:

Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien, 2001.

Hohenauer, Franz Lorenz: Die Stadt Friesach. Ein Beitrag zur Profan- und Kirchen-Geschichte von Kärnten. Mit einem lithographirten Situations-Plane der alten und neuen Stadt. Nebst einem Anhange: Die Olsa, ein Eisenbergbau und Hochofen bei Friesach. Herausgegeben von der Direktion des Historischen Vereines für Kärnten. Klagenfurt, 1847.

Sacherer, Johannes: St. Virgil zu Friesach. Das Kollegiatstift auf dem Virgilienberg und seine Pröpste. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt, 2000.

Zedrosser, Thomas: Die Stadt Friesach in Kärnten. Ein Führer durch ihre Geschichte, Bau- und Kunstdenkmäler. Verlag Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt, 1953.

 

Ruine der Kollegiatskirche St. Virgil in Friesach

Ruine der Kollegiatskirche St. Virgil in Friesach

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Mai 31, 2015 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Der Edelmannsitz Pfannhof an der Wimitz

In Pfannhof am Wimitzbach befand sich schon im 14. Jahrhundert ein Wehrbau. Das Schloss Pfannberg wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet.

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Zwischen Kraig und Meiselding, an einer alten Straße zwischen St. Veit an der Glan und Treibach-Althofen, befindet sich beim Wimitzbach die Ortschaft Pfannhof. Hier sind die Ruinen von Bauwerken aus dem Spätmittelalter zu sehen. Es handelt sich um die Reste eines 1346 urkundlich erwähnten Wehrbaus, eines Wirtschaftsgebäudes und des in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichteten Schlosses.

Der Name des einstigen Edelmannsitzes stammt von seinem Erbauer Simon Pfanner, der hier in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert einen Eisenhammer betrieb. Pfanner stammte vermutlich aus Tirol, war Eisenhändler in St. Veit an der Glan und betrieb auch einen Hammer in Brückl. Während der Besetzung Kärntens durch die Ungarn wurde Pfanner die Herrschaft entzogen. Ihm wurde vorgeworfen, mit den Ungarn konspiriert zu haben. Der Besitz wurde im Februar 1492 dem St.-Georgs-Ritterorden in Millstatt geschenkt. Die Söhne von Simon Pfanner, Balthasar und Lienhart, verzichteten in den folgenden Jahren auf ihr Erbe; sie erhielten aber eine Entschädigung.

Der Erbmarschall in Kärnten, Lassla (Ladislaus) Prager, stiftete im Mai 1495 dem Millstätter St.-Georgs-Ritterorden die Komturei Rechbach bei Eisenkappel. Ihr erster Ordenskomtur Johann Schidmann verkaufte den Pfannhof an Hans Mert, der sich danach „von Pfannhof“ nannte.

Im November 1501 ging das Gut durch Kauf an die Waldenburger. Im späten 16. Jahrhundert befand sich Pfannhof im Besitz der Familie Haßlinger. Barthlmä Haßlinger heiratete Katharina von Seenuss und Freudenberg und war der Stammvater der Adelsfamilie Haßlinger zu Pfannhofen und Seepühl (Seebichl beim Kraiger See). Er vererbte das Gut Pfannhof seinem gleichnamigen Sohn.

Margarethe Haßlinger zu Pfannhof und Seebichl (* 1580, † 1640) war mit dem einflussreichen und vermögenden Hans von und zu Manndorff (* 1571, † 1629) verheiratet, dem kaiserlichen Generaleinnehmer in Kärnten. Die Familie Manndorff (auch: Mandorfer, Manndorf, Mondorf, Monsdorf, Mansdorf und Manstorff) ist eine der ältesten noch bestehenden Kärntner Adelsfamilien. Die Manndorffer besaßen in Kärnten im Lauf der Jahrhunderte unter anderem folgende Herrschaften und Güter: Manndorf, Pfannhof, Wiesenau, Biberstein, Dietrichstein, Flaschberg, Goldenstein, Görtschachhof, Gurnitz, Krastowitz, Neudenstein, Oberfalkenstein, Pittersberg, Rothenthurn, Schüttbach bei Baldramsdorf, Seebichl, Söbriach, Vorderberg, Waldenstein, Winklern und Wulross.

Um 1580 wurde das Schloss im Renaissance-Stil umgestaltet und erweitert. Das Bauwerk hatte damals gekuppelte Renaissancefenster, ein Sgraffito um das Hauptportal und spätgotische Holzdecken.

Kaiser Ferdinand III. erhob die Manndorffer im September 1644 in den reichs- und erbländisch-österreichischen Freiherrenstand mit dem Namenszusatz „Herr auf Pfannhoffen und Wißenau“. Das Wappen der Familie wurde mit den Wappen der beiden erloschenen Adelsfamilien Haßlinger zu Pfannhofen und Seepühl sowie Pibriach zum Biberstein vereinigt.

Ab 1647 gehörte das Gut Pfannhof Hans Balthasar Freiherr von und zu Manndorff, Herr auf Pfannhof und Dietrichstein. Wolfgang Andreas von und zu Manndorff veräußerte Pfannhof mit dem Seebichlhof im Jahr 1682 an den Diplomaten und Fürstbischof von Gurk, Kardinal Johann VII. von Goëss. Dieser vererbte den Besitz seinem von ihm adoptierten Neffen Johann Peter von Goëss, der den beträchtlichen Familienbesitz mit weiteren Gütern, darunter die Herrschaft Ebenthal, erweiterte und von 1712 bis zu seinem Tod im März 1716 Landeshauptmann von Kärnten war.

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Um 1759 betrieb Josef Harmann, Gewerke in Feistritz im Glantal, in Pfannhof einen Brescian- und einen Stahlhammer. Er veräußerte die Betriebe an Karl Rauscher aus Obermühlbach. Unter den späteren Hammerbetreibern befand sich der 1812 im 53. Lebensjahr verstorbene Franz Seraph Michl. Anfang der 1930er-Jahre begann der Verfall des Schlosses Pfannberg; heute sind nur mehr Mauerreste zu sehen.

Pfannhof war ab 1850 eine eigene Gemeinde; sie umfasste das Gebiet der späteren Gemeinden Meiselding und Kraig sowie einen Teil von Pisweg. 1899 wurde die Gemeinde in die Gemeinden Kraig und Meiselding geteilt. Seit 1973 gehört Pfannhof neben sieben weiteren Katastralgemeinden (Dörfl, Graßdorf, Kraig Leiten, Obermühlbach, Steinbichl und Schaumboden) zur Gemeinde Frauenstein.

Werner Sabitzer

 Quellen/Literatur:

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2: Die ständische Epoche. Heyn Verlag, Klagenfurt, 1994.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.

Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt, 1973.

Sabitzer, Werner: Adelige in Kärnten. Unveröff. Manuskript.

Siebmachers Wappenbuch, Band 29: Der Adel in Kärnten, Krain und Dalmatien. Neustadt an der Aisch, 1980.

Wießner, Hermann: Geschichte des Kärntner Bergbaues. III. Teil. Kärntner Eisen. Archiv für Vaterländische Geschichte und Topographie, 41. und 42. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten. Klagenfurt, 1953.

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Mai 31, 2014 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Die Leonhardskirche in Höllein

Eine der interessantesten Kirchen im Gurktal ist das romanische Kirchlein St. Leonhard in Höllein.

 

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Unter dem Bergbauernhof vlg. „Fåsch in der Höll“ in Höllein bei Gundersdorf befindet sich eine kleine Kirche, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Das ursprünglich auch dem heiligen Lorenz geweihte Gotteshaus wurde im 11. Jahrhundert errichtet, aber erst 1404 erstmals urkundlich erwähnt. Der breite Vorhallenturm dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen und der hölzerne Aufbau ist jüngeren Datums.

Im Hochmittelalter wurde im Hölleiner Gebiet Silber abgebaut und hier befand sich eine schon 1045 urkundlich erwähnte Knappensiedlung. Als sich Kaiser Friedrich II. Barbarossa 1170 in Friesach aufhielt, gewährte er Bischof Roman I. von Gurk den Besitz der Erzgruben in Höllein und anderen Bergwerken auf Gurker Boden, die bis dahin dem Erzbistum Salzburg vorbehalten waren. Roman I. war der bedeutendste Gurker Bischof im Hochmittelalter. Er begann mit dem Bau des Gurker Doms und ließ die Straßburg errichten. Er gilt auch als Erbauer der ursprünglichen Burg Pöckstein.

 

Leonhardskette

Leonhardskette

Eine Besonderheit der Leonhardskirche ist eine geschmiedete Kette, mit der Kirche umzogen ist – die sogenannte „Leonhardskette“. Der Sage nach soll diese Kette nach dem Türkeneinfall in das Gurktal von 1478 geschmiedet worden sein – als Folge eines Gelübdes und als Dank, dass der Ort von den Eindringlingen verschont worden sei.

In einer Urkunde von 1513 wird der Ort „Dehelen“ genannt. Das Kirchlein war früher eine Filialkirche von Friesach. Im Jahr 1780 wurde beantragt, in Höllein eine eigene Kuratie zu errichten. Die ehemalige Pfarrkirche am Petersberg hätte dazu mit einer höheren Geldsumme beitragen sollen. Da es aber zu wenig und weit verstreute Bewohner für die neu zu errichtende Seelsorgestation gab, kam es nicht dazu.

In den Jahren 1993 und 1994 erhielt die Kirche einen neuen Anstrich. Danach wurde sie neu geweiht. Früher gab es auch einen jährlichen Kirchtag beim „Fåsch in der Höll“.

 

Das Hölleiner Kruzifix

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Aus der Kirche stammt eines der berühmtesten romanischen Sakralkunstwerke Österreichs – das „Hölleiner Kruzifix“ von 1170/80, ein „Vier-Nagel-Typus“. Die Beine des Gekreuzigten sind nebeneinander ans Kreuz geschlagen. Ursprünglich war eine Fußstütze (Suppedaneum) vorhanden. Das knapp ein Meter hohe Kruzifix ist das einzige erhaltene romanische „Großkreuz“ Kärntens. Dieses Holzkreuz und eine gotische Leonhardsfigur aus der Hölleiner Kirche können seit Mai 2014 in der neuen „Schatzkammer Gurk“ im Propsthof besichtigt werden, in der sich nun die Exponate des ehemaligen Diözesanmuseums Klagenfurt befinden.

Werner Sabitzer

 

Quellen:

Biedermann, Gottfried: Romanik in Kärnten. Reihe: Die Kunstgeschichte Kärntens, hrsg. von Gottfried Biedermann und Barbara Kienzl. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt, 1994.

Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.

Sabitzer Werner: Land der Hemma.Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, 2013.

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Mai 31, 2014 Posted by | Das Gurktal - Geschichte und Geschichten, Kärnten - Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar

Land der Hemma – Das Gurktal: Geschichte und Geschichten

Erstmals ist ein Buch über die Geschichte des Gurktals erschienen.

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Die Gurker Bischöfe, die auf Schloss Straßburg residierten, hatten es nicht leicht. Drei von ihnen wurden ermordet, einer zweimal überfallen, beraubt und entführt, einige stritten sich mit Gegenbischöfen, andere führten das Bistum fast in den Ruin. Es gab aber auch einzigartige Erlebnisse: Bischof Raimund Peraudi war der einzige Gurktaler, der sich mit Leonardo da Vinci, dem vermutlich genialsten Künstler der Menschheitsgeschichte, unterhalten konnte. Leonardo arbeitete gerade an der Fertigstellung seines berühmten Freskos „Das Abendmahl“ im Kloster St. Maria delle Grazie in Mailand, als ihn Peraudi besuchte.

Nachzulesen sind diese und viele andere Geschichten über das Gurktal im jüngsten Buch des Weitensfelders Werner Sabitzer. Es ist das erste Werk, das sich ausschließlich dem Gurktal und seiner reichhaltigen Geschichte widmet. Das Buch enthält Beiträge, die ein Bild des Gurktals vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert wiedergeben. Beschrieben werden Burgen, Schlösser und Ruinen, alte Kirchen und Kapellen, interessante historische Persönlichkeiten, Rechtsdenkmäler und andere Besonderheiten des Gebiets von der Engen Gurk bis Zwischenwässern. Der romanische Gurker Dom ist das Wahrzeichen des Gurktals, Schloss Straßburg und danach Schloss Pöckstein waren Bischofssitze, die Magdalenenscheibe von Weitensfeld ist die älteste Glasmalerei Österreichs, Kärntens berüchtigster Räuberhauptmann Simon Kramer trieb auch im Gurktal sein Unwesen, in Straßburg wurden noch Mitte des 17. Jahrhunderts Hexen und Zauberer hingerichtet und in das Alpenbad nach Benesirnitz kamen jahrhundertelang prominente Kurgäste aus dem In- und Ausland. Einige Beiträge in diesem Buch befassen sich mit dunklen Seiten der Geschichte des Gurktals: Aufstände von Burgherren gegen die Bischöfe, Kämpfe um Besitz, Macht und Einfluss, die Verwüstungen von Burgen und Orten, Türkeneinfälle, Pestepidemien und andere folgenschwere Katastrophen.

Werner Sabitzer beschreibt auch einzigartige Bräuche, wie das Kugelschlagen, den Bruderschaftsmontag am Zammelsberg und das Kranzelreiten in Weitensfeld mit dem Wettlauf um die Jungfrau. Dazu kommen weitere interessante Facetten aus der Geschichte des Gurktals, das einst Bergbau- und Industrieregion war und in dem sich ein bedeutendes geistliches Zentrum befand.

Das bewaldete Gurktal wurde erst sehr spät von Kelten besiedelt. Die dokumentierte Geschichte des Tales beginnt Ende des 9. Jahrhunderts. Kaiser Arnulf mit dem Beinamen „von Kärnten“ schenkte 898 dem Edlen Zwentibold den Hof Gurk und fast das gesamte Gurktal. Mit einer weiteren Schenkung erhielt Zwentibold das Metnitztal und die Nebentäler. Ein knappes Jahrhundert später hätte im Gurktal ein Machtzentrum entstehen sollen: Die einflussreiche Witwe Imma, eine Nachfahrin Zwentibolds, erhielt im Jahr 975 von Kaiser Otto II. für ein Kloster in Lieding das Markt-, Münz- und Zollrecht. Mächtige Zeitgenossen, darunter wahrscheinlich auch der Salzburger Erzbischof, verhinderten die Errichtung des mit ertragreichen Privilegien ausgestatteten Klosters.

Immas Enkelin Gräfin Hemma ließ eine Reihe von Kirchen errichten und vermachte ihren Besitz der Kirche, nachdem sie Witwe geworden war und keine Nachkommen mehr hatte. Sie gründete 1043 in Gurk ein Nonnenkloster und stattete es mit reichen Besitz aus. Knapp drei Jahrzehnte später drängte der Salzburger Erzbischof die Bedeutung Hemmas zurück. Er ließ ihr Kloster schließen und gründete mit dem Besitz ein von Salzburg abhängiges Bistum in Gurk. Mit den Bestrebungen der Gurker Bischöfe, die Unabhängigkeit vom Erzbistum Salzburg zu erlangen, kam es zur Wiederentdeckung Hemmas von Gurk. In gefälschten Gurker Urkunden wurde sie als Nichte des Kaisers Heinrich II. bezeichnet und ihre Rolle als Stifterin hervorgehoben. Die Urkundenfälschungen führten zwar nicht zum erwünschten Erfolg, dafür aber zur zunehmenden Verehrung Hemmas als Volksheilige.

Werner Sabitzer: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, September 2013. ISBN: 978-3-7012-0148-8

http://www.styriabooks.at/article/4437

September 21, 2013 Posted by | Uncategorized | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Justizmord vor 1.000 Jahren

Im Jahr 1012 wurde in Stockerau in Niederösterreich der irische Pilger Koloman ermordet. Er wurde für einen feindlichen Spion gehalten, gefoltert und gehängt.

 

Vor 1.000 Jahren wurde in der Nähe von Stockerau in Niederösterreich ein Fremder angehalten. Der Mann stammte aus Irland und befand sich auf einer Pilgerreise in das Heilige Land. Wegen seines fremdartigen Aussehens wurde er von den Niederösterreichern für einen böhmischen oder ungarischen Spion gehalten und festgenommen.

Politischer Hintergrund waren die Auseinandersetzungen zwischen König Heinrich II. und Herzog Boleslaw I. Chrobry von Polen. Außerdem gab es in dieser Zeit noch immer die Angst vor einen Einfall der Ungarn: Im 10. Jahrhundert waren immer wieder ungarische Truppen in Ostösterreich eingefallen und hatten das Gebiet bis zur Enns besetzt. 955 gelang es in der Schlacht von Lechfeld, die Ungarn dauerhaft zurückzudrängen. Die Gefahr blieb aber.

Koloman, so nannte sich der Fremde, wurde gefoltert und am 17. Juli 1012 laut einer Überlieferung zwischen zwei verurteilten Mördern gehängt. Als zum Tode Verurteilter wurde die Leiche nicht begraben.

Über den irrtümlich Hingerichteten rankten sich bald Mythen: Angeblich soll sich die Verwesung der Leiche verzögert haben. Menschen pilgerten zum Leichnam und es soll zu Wundern gekommen sein. Die Leiche wurde 1013 in der Kirche in Stockerau beigesetzt – an der Stelle, an der sich heute das Kloster St. Koloman befindet. An seinem Grab soll es zu weiteren Wundern gekommen sein, die sich herumsprachen. Eine Kommission ließ das Grab öffnen und überprüfte die Wunden. Dabei soll die Leiche unverwest vorgefunden worden sein.

Der Babenberger Markgraf Heinrich I. ließ die sterblichen Überreste unter Begleitung des Bischofs Megingaud von Eichstätt in seine Residenzstadt Melk überführen und am 13. Oktober 1014 in der St. Peterskirche außerhalb der Melker Burg beisetzen. Dieser Tag ist bis heute der Festtag Kolomans.

Zuerst beschrieben wurde das Ereignis 1017 in der „Chronik“ des Bischofs Thietmar von Merseburg und 1123 in den „Melker Annalen“. Beide Schriften liegen dem zweiteiligen Werk „Passio sancti Colomanni“ des Melker Abtes Echenfried (1122 – 1163) zugrunde, in dem über das Leiden und Wunder am Grab Kolomans in Melk berichtet wird.

 

Koloman-Verehrung

 

Papst Innozenz IV. genehmigte 1244 den 13. Oktober, Kolomans Gedächtnistag, als Feiertag in Österreich und in den benachbarten Provinzen. Für kurze Zeit wurden die Gebeine Kolomans auf Druck des ungarischen Königs nach Stuhlweißenburg gebracht, aber bald wieder nach Melk überführt. Der Schädel soll mit Ausnahme des Unterkiefers in Stuhlweißenburg geblieben sein.

Herzog Rudolf IV. ließ für Koloman 1362 in Melk ein prunkvolles Grabmal errichten. Ein Jahr zuvor war der „Kolomanistein“ in Messing gefasst und in das „Bischofstor“ des Wiener Stephansdoms einmauert worden. Zu dieser Zeit war Koloman Landespatron von Niederösterreich und Schutzpatron der Landsmannschaft „Österreichische Nation“ an der Universität Wien. Als Landespatron wurde er 1663 von Leopold abgelöst.

Koloman wurde nie heilig gesprochen. Er wird aber als „Märtyrer“ bis heute verehrt. Sein Festtag, der 13. Oktober, war Bauernfeiertag und er galt als „Zins- und Diensttag“ – an diesem Tag wurden Schulden zurückgezahlt und auch Urkunden ausgestellt. Kolomans Gebeine befinden sich im linken vorderen Seitenaltar der Melker Stiftskirche. Die älteste Darstellung Kolomans befindet sich in der Kirche St. Coloman bei Schwangau: Die Figur in Mönchstracht ist um 1200 entstanden.

Eine Reihe von Pfarrkirchen in Österreich, Bayern, Südtirol und anderen Ländern sind Koloman geweiht. Einige Orte sind nach ihm benannt, etwa St. Koloman bei Hallein in Salzburg. In Stockerau, dem Ort seiner Hinrichtung, befindet sich das Kloster St. Koloman.

Koloman galt auch als Patron der Gehängten, der Reisenden und des Viehs. Kranke riefen ihn an, wenn sie Kopfschmerzen hatten, sie opferten hölzerne Köpfe. Ein weiterer Brauch war die Opferung von hölzernen Löffeln: Das soll gegen Hals- und Zahnschmerzen gewirkt haben. Die Anrufung Kolomans soll auch bei Ermüdung geholfen haben; für junge Frauen war er Heiratspatron. Früher trugen manche Gläubige ein „Kolomanibüchlein“ mit sich, eine Art „Schutzbrief“. Die Träger glaubten, sie seien geschützt vor Feuer, Dieben, „Hexen“, Gewittern, Gewehrkugeln und Gefahren auf der Reise.

Werner Sabitzer

 

Dezember 30, 2012 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Die „Affäre“ Egon Schiele

Vor 100 Jahren wurde der Künstler Egon Schiele in Neulengbach in Niederösterreich wegen Entführung und Schändung eines minderjährigen Mädchens sowie öffentlicher Unsittlichkeit festgenommen.

 

Der 13. April 1912 sollte das Leben und Wirken Egon Schieles entscheidend ändern. An diesem Tag wurde der 21-jährige Künstler nach einer Einvernahme im Bezirksgericht Neulengbach in Untersuchungshaft genommen. Er stand im Verdacht, ein 14-jähriges Mädchen entführt und geschändet zu haben. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, durch einige seiner Bilder die öffentliche Sittlichkeit verletzt zu haben.

Egon Schiele hatte sich im August 1911 in einem aus zwei Zimmern bestehenden „Sommerfrischehaus“ in Neulengbach eingemietet, „um immer hier zu bleiben“, wie er seinem Neulengbacher Onkel Leopold Czihaczek schrieb. Schiele kannte den Ort, er war ab 1907 immer wieder zu Besuch bei den Czihaczeks. Der Künstler wohnte und wirkte davor mit seinem Modell Walburga „Wally“ Neuzil einige Monate in Krumau in Tschechien, dem Geburtsort seiner Mutter. Weil er dort junge Mädchen zeichnete und mit Wally in „wilder Ehe“ zusammenlebte, war er Anfeindungen der Bewohner ausgesetzt, deshalb beschloss er, nach Niederösterreich zurückzukehren.

 

Neulengbacher „Affäre“

 

In Neulengbach schuf Schiele etwa 40 Werke, darunter die Bilder „Herbstbaum in bewegter Luft“, „Eremiten“ und „Meine Schlafkammer in Neulengbach“ sowie Zeichnungen mit halbnackten Mädchen. Diese Kunstwerke und ein Vorfall führten zu seiner Verhaftung: Die 14-jährige Tatjana von Mossig, die Schiele einige Wochen davor kennengelernt hatte, kam im April 1912 zu Schieles Haus. Das Mädchen schilderte, es habe mit den Eltern gestritten, sei zu Hause weggelaufen und bat, bei Schiele bleiben zu dürfen. Schiele und Wally lehnten das zunächst ab, ließen das Mädchen aber bei sich übernachten, da es stark regnete und Tatjana versprach, am nächsten Tag zu ihrer Großmutter nach Wien zu fahren. Am Morgen brachten Schiele und Wally das Mädchen mit dem Zug nach Wien. Der Künstler verbrachte den Abend bei einer Veranstaltung eines Gönners, des Industriellen Carl Reininghaus. Als Schiele sich Tags darauf wieder mit Wally auf dem Westbahnhof traf, war auch Tatjana dabei. Das Mädchen hatte es nicht gewagt, zu ihrer Großmutter zu gehen. Deshalb hatten Wally und das Mädchen die Nacht in einem Hotel verbracht. Alle drei kehrten nach Neulengbach zurück, wo Tatjana eine weitere Nacht blieb. Inzwischen hatte Tatjanas Vater Theobald Ritter von Mossig, ein k. k. Linienschiffsleutnant und ehemaliger Marineattaché, der im Schloss Neulengbach wohnte, eine Abgängigkeitsanzeige erstattet. Als er erfuhr, dass sich Tatjana bei Schiele aufhielt, kam er zu dessen Haus, drohte dem Künstler mit einer Anzeige wegen Verführung einer Minderjährigen und holte seine Tochter ab.

Aufgrund der Anzeige Mossigs begann die Gendarmerie wegen des Verdachts der Entführung nach § 96 Strafgesetz (StG) und auch wegen Verdachts der Schändung (§ 128 StG) zu ermitteln. Den Behörden war zu Ohren gekommen, Schiele verwende junge Mädchen als Modelle und habe in seinem Atelier Bilder, die nackte Mädchen zeigten. Bei einer Hausdurchsuchung wurden in Schieles Domizil 125 Zeichnungen beschlagnahmt, darunter das „Farbblatt, darstellend ein ganz junges, nur am Oberkörper bekleidetes Mädchen“.

Schon im Jänner 1910 hatte Schiele Ärger wegen seiner Kunstwerke: Bei einer Ausstellung der „Neukunstgruppe“ in einem Kunstsalon in Wien wurden 14 seiner Zeichnungen von der Polizei beanstandet. Sie durften nicht aufgehängt oder in einer Mappe aufgelegt werden.

Nachdem die Gendarmerie der Staatsanwaltschaft St. Pölten über den Stand der Ermittlungen in der Neulengbacher „Affäre“ berichtet hatte, beantragte die Staatsanwaltschaft die Einleitung der gerichtlichen Voruntersuchung, es wurde zusätzlich wegen einer Sittlichkeitsübertretung nach § 512 StG ermittelt, da Schiele zugab, seine Zeichnungen mit den halbnackten Mädchen den Kindermodellen und deren Freunden gezeigt zu haben.

Am 13. April 1912 wurde über Egon Schiele nach seiner Einvernahme wegen Verabredungsgefahr die Untersuchungshaft verhängt – die Staatsanwaltschaft nahm an, Schiele könnte Tatjana zu einer günstigen Zeugenaussage bewegen. Der sensible Künstler wurde in die Zelle Nr. 2 des Gefangenenhauses des Bezirksgerichts Neulengbach gesteckt. Hier schuf er 13 Werke auf Papier (Bleistift, Aquarell und Gouache). Der Großteil dieser Zeichnungen befindet sich im Besitz der Albertina.

Nach 17 Tagen in der Zelle brachte man Schiele am 30. April 1912 zur Gerichtsverhandlung in das Kreisgericht St. Pölten. Wegen des Vorwurfs der Entführung und Schändung wurde Schiele am 4. Mai 1912 freigesprochen, aber wegen „gröblicher und öffentliches Ärgernis verursachender Verletzung der Sittlichkeit oder Schamhaftigkeit“ zu drei Tagen Arrest verurteilt, weil er erotische Zeichnungen in einem Raum aufgehängt hatte, der auch Kindern zugänglich war.

Die Untersuchungshaft und die dreitägige Arreststrafe veränderten das Leben und Wirken Egon Schieles. Unmittelbar nach der Haftentlassung zog er am 7. Mai 1912 nach Wien. Freunde bewogen ihn, keine halbnackten Mädchen mehr zu zeichnen. Schiele zeichnete keine Kinderakte mehr – mit einer Ausnahme, diese betraf ein Berufsmodell und deren Tochter. „Lieber E. S.“, schrieb Arthur Roessler, ein Förderer Schieles, im Mai 1912 in einer Postkarte an den Künstler, „Es freut mich, dass die ,Affäre‘ für sie so glimpflich ablief, leicht hätte es ärger kommen können.“

Egon Schiele starb am 31. Oktober 1918 28-jährig an der „Spanischen Grippe“. Diese Epidemie forderte kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs weltweit 20 Millionen Opfer. Drei Tage vor Schieles Tod war seine Frau der Epidemie erlegen.

 

Schieles „Tagebuch“

 

Im Jahr 1922,zehn Jahre nach Schieles Verhaftung, erschien im Wiener Verlag Konegen das Büchlein „Egon Schiele im Gefängnis. Aufzeichnungen und Zeichnungen“, herausgegeben von Arthur Roessler. Darin wird aus einem „Tagebuch“ Schieles zitiert, in dem der Künstler seinen Gefängnisaufenthalt niedergeschrieben haben soll. Das Werk dürfte aber nicht authentisch sein. Laut dem „Tagebuch“ seien ein Gendarmeriebeamter und ein Gemeindediener zu ihm in das Atelier gekommen, um eine Zeichnung wegen „Unanständigkeit“ zu beschlagnahmen. Schiele habe aus Wut den beiden Amtspersonen weitere Zeichnungen gezeigt. Der Gendarm habe daraufhin erklärt: „Die Zeichnungen sind unanständig, die muss ich zu Gericht bringen. Das Weitere werden Sie schon hören!“ Gehört habe Schiele nichts, „aber eingesperrt haben sie mich …“

In der Wochenzeitschrift „Wienerwald Bote“ Nr. 41 vom 7. Oktober 1922 schrieb Johann Zunzer ein Beitrag „Ueber Egon Schiele“. Darin zitierte Zunzer aus Roesslers „Egon Schiele im Gefängnis“ und erhob Vorwürfe: Der Künstler sei nach seiner Verhaftung nicht über den Grund informiert werden, habe den Haftgrund erst nach seiner Überstellung in das Kreisgericht St. Pölten erfahren und sei in einem „dunklen, feuchten Loch“ eingesperrt gewesen. Er sei erniedrigend behandelt worden und habe erst nach vier Tagen Zeichen- und Schreibmaterial erhalten. Abgedruckt wurde auch eine Textstelle, die Schiele angeblich am 18. April 1912 in sein „Tagebuch“ geschrieben habe: „Ich muss mit meinem eigenen Kot wohnen, giftigen stickigen Dunst einatmen. Ich bin unrasiert – ich kann mich nicht einmal ordentlich waschen …“

Der Beitrag im „Wienerwald Boten“ blieb nicht unwidersprochen. In der Ausgabe Nr. 43 vom 21. Oktober 1922 erschien eine Entgegnung des Funktionärs der Richtervereinigung, Zweigverein St. Pölten, Landesgerichtsrat Dr. Max Scheffenegger. Der Richter zitierte aus dem Gerichtsakt des Kreisgerichts St. Pölten Vr. VI. 201/12 (der Akt ist heute nicht mehr auffindbar). Demnach sei sich Egon Schiele niemals über den Grund seiner Verhaftung im Unklaren gewesen, „denn er wurde erst nach einem eineinhalbstündigen richterlichen Verhör, in dessen Verlauf er sich zu allen ihm kundgegebenen Verdachtsmomenten (es handelte sich um ein schweres Sexualdelikt, das er angeblich an einem unmündigen Kind verübt hatte) geäußert hatte, verhaftet, weil mit Grund zu fürchten war, dass er das Kind beeinflussen werde“. Die Anklage sei Schiele nicht erst nach seiner Überstellung nach St. Pölten mitgeteilt worden, sondern „knapp elf Tage nach seiner Verhaftung, noch in Neulengbach ihrem vollen Umfange nach“. Schiele habe sich während seiner Haft auch niemals beschwert und ihm sei der Wiener Rechtsanwalt Dr. Hans Weiser als Strafverteidiger zur Verfügung gestanden. Der Angeklagte sei nicht wegen seiner „Unschuld“ aus der Haft entlassen worden, sondern nach Verbüßung seiner dreitägigen, rechtskräftigen Arreststrafe. „Egon Schiele wurde nicht wegen des angeklagten Verbrechens verurteilt, weil die hiefür einzig maßgebende Person als Zeuge bei der Hauptverhandlung ihre in der Voruntersuchung abgelegte Aussage in einem entscheidenden Punkte abgeschwächt hatte“, schrieb Richtervertreter Scheffenegger. „Der infolgedessen einigermaßen geringer erscheinenden Schuld, die das Gesetz noch immer mit acht Tagen bis zu sechs Monaten strengen Arrests belegt, wurde das Gericht sodann mit der erwähnten dreitägigen Strafe gerecht, die nur deshalb so gelinde ausgefallen ist, weil auf die 21 Tage Untersuchungshaft Rücksicht genommen wurde.“

Das Gefangenenhausim Bezirksgericht Neulengbach mit den sechs Zellen für Männer und drei für Frauen wurde 1956 aufgelassen. Die Zelle Nr. 2, in der Schiele in Untersuchungshaft saß, diente später als Kohlenlager. Die Kunsthistorikerin Prof. Alessandra Comini beschäftigte sich schon in den 1960er-Jahren mit Schieles Neulengbacher Zeit. Sie fand heraus, welches Haus der Künstler gemietet hatte (Neulengbach, Au Nr. 48) und wies 1963 anhand des von Schiele am 19. April 1912 in der Haft gemalten Bildes „Die eine Orange war das einzige Licht“ nach, dass der Künstler in der Zelle Nr. 2 eingesperrt war. Die Initialen „M H“ auf der Zellentür waren auch auf Schieles Zeichnung zu sehen.

 

Egon-Schiele-Saal im Landesgericht Wien

 

Im Landesgericht für Strafsachen Wien gibt es einen „Egon-Schiele-Saal“. Der Künstler war aber niemals hier. Die Bezeichnung beruht auf folgender Begebenheit: Als die Einrichtung eines Gerichtssaales im „Zweierlandl“ (Wiener Landesgericht II) „zerhackt und verheizt“ werden sollte, bemühte sich ein leitender Richter um die Erhaltung der schönen alten Möbel. Um mehr Eindruck zu hinterlassen, erwähnte er, dass vor diesem Richtertisch der berühmte Künstler Egon Schiele gestanden sei. Daraufhin wurden die Möbel gerettet und in den Raum in das Landesgericht gebracht, der seitdem als Egon-Schiele-Saal bezeichnet wird. Heute finden hier Berufungsverhandlungen von Urteilen der Bezirksgerichte statt.

Werner Sabitzer

Dezember 30, 2012 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Vor 500 Jahren: Rachemord in Villach

Vor 500 Jahren wurde der friaulische Adelige Antonio Savorgnan vor der Pfarrkirche in Villach erschlagen. Es handelte sich um einen Racheakt.

Als Graf Antonio Savorgnan am 27. März 1512 die Stadtpfarrkirche Villach verließ, warteten seine Feinde vor dem Tor. Als ein Schlag seinen Schädel spaltete, fiel der friaulische Adelige zum Boden. Dann soll laut einem zeitgenössischen Bericht ein großer Hund zum Sterbenden gekommen sein und begonnen haben, ausgetretene Gehirnteile zu fressen.
Die Mörder rächten sich mit dieser grausamen Tat für den Tod ihrer Verwandten im Jahr davor.
Im Jahr 1420 hatten venezianische Truppen Udine erobert; seitdem herrschte die Republik Venezien über Friaul. Die meisten adeligen Feudalherren hatten sich aber mit der neuen Macht arrangiert. Aber die Bevölkerung litt unter der Herrschaft, den hohen Steuern, der Wehrpflicht und anderen Auswüchsen des Feudalsystems. Klerus und Adel hatten Privilegien; adelige Familien stritten auch untereinander um Machtzuwachs. So war die friaulische Grafenfamilie Savorgnan mit einer Reihe anderer adeliger Grundbesitzer verfeindet. Die Savorgnans beuteten die Bauern auf ihrem Herrschaftsgebiet aus, umgekehrt sorgten sie aber auch für sie, wenn es beispielsweise eine Missernte gab.
Die Aufstände der unzufriedenen Bauern und Proletarier begannen im Jahr 1509. Bewaffnete Bauern nahmen die Burg Sterpo ein und zerstörten sie. Ein Hauptziel der Aufständischen war die Burg der reichen Adelsfamilie Colloredo. 1510 kam es zu Kämpfen zwischen friaulischen Adeliger, die von Venezien zurückkehrten, und aufständischen Bauern.

Der Faschingsdienstag-Aufstand

Im Jahr darauf eskalierte die Situation. Und der 1457 geborene Antonio Savorgnan wollte durch die Unruhen profitieren. Der charismatische Feudalherr, der sich mit den venezianischen Besatzern arrangiert hatte, inszenierte am Faschingsdienstag, den 27. Februar 1511 einen Angriff vermeintlicher „venezianischer“ Truppen auf Udine. Die Angreifer wurden von seinem Neffen kommandiert. Graf Savorgnan forderte die Bewohner auf, die Stadt zu verteidigen und den Besitz der mit den Savorgnans verfeindeten Familie della Torre zu plündern. Die Bewohner begannen darauf, auch andere Adelspaläste zu plündern, nur der Besitz von Savorgnan blieb verschont. Viele Mitglieder der adeligen Familien von Udine wurden von den Rebellen ermordet, die Leichen wurden geschändet. Dann zogen die Aufständischen die prunkvollen Kleider der Adeligen an und feierten in dieser Maskerade „Fasching“
Antonio Savorgnans hatte ein wesentliches Ziel erreicht – viele seiner adeligen Rivalen waren tot oder geflüchtet. Um zu verhindern, dass seine Aktion, die die blutigen Aufständen ausgelöst hatten, verraten wurde, ermordete er zwei seiner Kämpfer sowie einen dritten Zeugen und warf die Leichen in einen Brunnen.
Einige Tage später kam eine reguläre militärische Truppe nach Udine, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Inzwischen hatten aufständische Bauern eine Reihe von Burgen belagert und eingenommen. Die offiziellen Truppen besiegten nach und nach die Rebellen.
Die venezianische Regierung verurteilte die wesentlichen Führer der Aufständischen zum Tod. Antonio Savorgnan flüchtete in das Herzogtum Kärnten und versteckte sich in Villach. Die friaulischen Adeligen Spilimbergo und Colloredo spürten ihn in der Draustadt auf und erschlugen ihn vor der Kirche.

Werner Sabitzer

Dezember 30, 2012 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar