Sabitzer’s Weblog

Just another WordPress.com weblog

Burgruine Glanegg

Die Burg Glanegg zählt zu den ältesten und imposantesten Wehranlagen Kärntens. Türken und Ungarn scheiterten an der Eroberung der Festung im Glantal.

Auf einem Bergrücken oberhalb des Orts Mautbrücken im Glantal befinden sich die Reste der drittgrößten Burg Kärntens nach den Khevenhüller-Festungen Hochosterwitz und Landskron.
Bereits im 11. Jahrhundert stand hier eine Burg, erbaut vermutlich von den Salzburger Bischöfen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die strategisch wichtige Anlage im Glantal im Jahr 1121; damals kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Truppen des Herzogs von Kärnten, Heinrich III. von Eppenstein, und des Salzburger Erzbischofs Konrad, der von seinem Gurker Hilfsbischof Hiltebold unterstützt wurde. Während sich Erzbischof Konrad im Exil in Bayern befand, konfiszierte Herzog Heinrich Gebiete des Salzburger Bischofs, unter anderem im Kanaltal. Erzbischof Konrad marschierte daraufhin mit 1.000 Mann nach Kärnten. Heinrich hatte die Gegend um Glanegg geplündert und operierte von der Burg Glanegg aus. Im Krappfeld kam es zur Konfrontation. Angesichts der Übermacht des Gegners unterwarf sich Heinrich. Er musste demütigend barfuß und im Büßergewand um Frieden bitten.
Die Burg Glanegg dürfte aber im Besitz der Eppensteiner geblieben sein. Verwaltet wurde die nun landesfürstliche Burg von Ministerialen, die sich „von Glanekke“ nannten.
Das Herzogtum Kärnten (seit 976) reichte damals bis in das Gebiet des heutigen Niederösterreich und war kein politisch geschlossenes Gebiet, sondern aufgeteilt: Das geistige und weltliche Fürstentum Salzburg hatte großen Grundbesitz in Kärnten, dem Bischof von Gurk, zunächst ein Salzburger Hilfsbischof, gehörten unter anderem das Gurk- und Metnitztal; und das Bistum Bamberg besaß große Gebiete im Raum Feldkirchen, Villach und Griffen sowie im Lavanttal. Die Eppensteiner, die bayrischen Adeligen zu Beginn des elften Jahrhunderts als Herzöge von Kärnten folgten, waren das erste einheimische Geschlecht an der Spitze des Herzogtums. Immer wieder kam es in Kärnten zu Auseinandersetzungen zwischen den Herzögen, den Salzburger Bischöfen und den Bambergern.
Im Jahr 1122, nach dem Tod des letzten Eppensteiner Herzogs Heinrichs, übernahmen die Spanheimer die Geschicke Kärntens. Heinrichs Neffe Graf Bernhard von Spanheim erbte die Herrschaft Glanegg, danach ging die Burg wiederum im Erbweg auf Bernhards Neffen Markgraf Ottokar II. von Steyr über, dem späteren Herzog der Steiermark. Die steirischen Ministerialen, die nun die Burg verwalteten, nannten sich „Herren von Glanegg“. 1136 war ein „Walther de Glanheche“ auf der Burg.

Meuchelmord an Reimbert von Glanegg

Nach dem Tod des Markgrafen Ottokar II. im Jahr 1185 erbte der Babenberger Herzog Leopold V. die Burg; er gab sie an Reinprecht von Mureck als Lehen weiter. Ihm folgte als Lehensherr Rudolf von Ras. Stammsitz der Ministerialenfamilie Ras war die gleichnamige Burg bei St. Jakob im Rosental, von der heute noch Gebäudereste zu sehen sind. Der Nachfolger von Rudolf von Ras, Reimbert von Ras, der sich ebenfalls als „von Glanegg“ bezeichnete, fiel einem Mordanschlag zum Opfer: Im Jahr 1292 kam es zu einem Aufstand von Adeligen aus Kärnten und der Steiermark gegen den neuen Landesherrn. König Rudolf I. von Habsburg hatte seinen Schwiegersohn und treuen Gefährten im Kampf gegen Ottokar II. von Böhmen, Graf Meinhard von Görz-Tirol, mit dem Herzogtum Kärnten belehnt. Mit Unterstützung des Salzburger Erzbischofs Konrad überfielen die Aufständischen unter der Führung des bedeutenden Kärntner Grafen Ulrich III. von Heunburg die Herzogstadt St. Veit und nahmen den Sohn des Landesherrn Meinhard von Görz-Tirol, Ludwig, gefangen. Ludwig wurde zunächst auf Burg Taggenbrunn und später auf Burg Werfen festgehalten. Beide Wehranlagen gehörten zu Salzburg. Während des Gegenschlags der Grafen von Görz-Tirol gemeinsam mit dem Habsburger Herzog Albrecht I. wurde Reimbert von Glanegg im März 1293 bei Griffen von einem Speer getroffen. Er hatte das Kommando bei der Belagerung der Bamberger Burg Griffen geführt, auf die sich Ulrich III. von Heunburg zurückgezogen hatte.
In der „Reimchronik“ hieß es über den Meuchelmord an Reimbert von Glanegg:
„Eines tages er reit
für Griven nach gewonheit
und suochte, daz er vant
Do wart er an gerant
Und do er kerte gegen in her,
do stach einer ein sper
hinden durch in,
daz im Kraft unde sin
entweich an der stat
Von dem orse viel er drat
Nider uf daz graz.“
Der Täter blieb unbekannt. Der Umstand, dass der vom Herzog eingesetzte neue Kärntner Landeshauptmann, der Tiroler Konrad von Auffenstein, die Witwe des ermordeten Glanegger Burgherrn heiratete, führte zu Gerüchten, Auffenstein könnte hinter dem Attentat auf Reimbert Ras stecken.
Nach Reimberts Tod übernahm sein Sohn die Burg Glanegg. Im Jahr 1374 starb mit Wilhelm der letzte männliche Nachkomme der Ras. Herzog Leopold III. von Österreich erbte Glanegg. In der Urkunde ist von Vorder- und Hinterglanegg die Rede; mit Hinterglanegg dürfte ein Turm oberhalb von Glanegg in Rothenthurn gemeint gewesen sein. Herzog Leopold III. setzte für die Verwaltung der Burg Pfleger ein.

Landgericht ab 1424

Bis zum Jahr 1424 war die Herrschaft Glanegg an Franz von Carrara verpfändet, danach wurde sie wieder von landesfürstlichen Pflegern betreut. Ab diesem Jahr war Glanegg Landgericht unter dem Habsburger Herzog Wilhelm. Nach Wilhelm folgte Ernst der Eiserne als Besitzer der Burg Glanegg, er vererbte sie seinem Sohn Friedrich III., dem späteren deutschen Kaiser. Unter den Verwaltern der Burg befanden sich Andreas Gutensteiner, Konrad Farbes und Johann Hanneberg. Als kaiserlicher Beamter fungierte damals unter anderem Eberhard von Deutzfeld.
1473 und 1478 versuchten durchs Glantal ziehende Türken, die Burg zu erobern. Später scheiterten auch die Ungarn an der Festung. Von 1478 bis 1492 waren die Färber Pfleger auf Glanegg.

Ernau auf Glanegg

Kaiser Friedrich III. vererbte die Burg seinem Sohn Kaiser Maximilian I. Von diesem ging die Herrschaft an seinen Enkel Kaiser Ferdinand I, der Festung und Landgericht im Jahr 1534 Ulrich von Ernau für seine treuen Dienste als Pfand auf Lebenszeit überließ – für ein Darlehen von 6.000 Gulden. Ulrich von Ernau hatte bereits Kaiser Maximilian I. mit Geld ausgeholfen und dadurch einen Anspruch auf die Burg gewahrt. Er war als kaiserlicher Feldhauptmann Führer der Kärntner Streitmacht. Der neue Burgherr musste sich verpflichten, mindestens 1.000 Gulden in den Aus- und Umbau der desolaten Burganlage zu investieren. Ulrich von Ernau baute zwei Ringmauern, einige Wirtschaftsgebäude und einen Turm beim äußeren Tor. Die Familie Ernau stammte aus der Steiermark.
Nach dem Tod seines Bruders Leonhard im Jahr 1533, der die neue Moosburg ausgebaut hatte, kam Ulrich von Ernau auch in den (Pfand-)Besitz von Schloss und Amt Moosburg.
Nach Zahlung der Ablöse von 6.000 Gulden übernahm Bernhard Khevenhüller kurzzeitig die Burg Glanegg. Er ließ die von Bischof Leonhard von Lavant eingerichtete Kapelle zu einem Prunksaal umbauen. Später kam die Herrschaft wieder an die Familie Ernau. 1573 überprüfte eine Kommission die Anlage, daraufhin musste der baufällige Westtrakt und ein Teil der Ringmauer erneuert werden. Von den alten Gebäuden blieben nur der Bergfried und einige Mauern.
Die protestantisch gewordene Familie Ernau musste wie viele andere adelige Familien Kärnten im Zuge der Gegenreformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts verlassen. Laut einem Visitationsbericht von 1586 hatten die Ernau die Burg Glanegg allen Leuten aus der Umgebung geöffnet, die den protestantischen Gottesdienst besuchen wollten. 1629/30 verließen die Ernau das Herzogtum Kärnten; Hektor von Ernau veräußerte im Jahr 1930 die Burgen Glanegg und Moosburg an den kaiserlichen Rat und Landschaftssekretär Johann Weber von Ehrenthal. Dieser gab die Herrschaft Glanegg an Johann Friedrich Freiherr von Seenuß weiter, dessen Familie auch Liebenfels besaß. Seenuß verkaufte die Burg 1681 an Wilhelm von Kronegg. Die Familie Kronegg besaß nun wie ehemals die Familie Ernau sowohl Glanegg als auch Moosburg.
1688 war Glanegg im Besitz von Georg Ludwig Graf Windischgrätz; 1706 kam die Festung an die Herren von Aschau. Im Jahr 1713 erwarb der Gewerke Graf Stampfer die Liegenschaft. Er besaß in Oberkärnten ein Kupferbergwerk, errichtete unter der Burg einen Kupferhammer und ließ eine Straße durch das Glantal bauen; für die Glanüberquerung wurde bis 1775 Maut eingehoben („Mautbrücken“).
1802 ging die Herrschaft Glanegg durch Kauf an die Familie Kirn. Vier Jahre später besaß Theodor Graf Batthyany die Burg und 1818 schien als Besitzer Hofrichter Hirzegger von Ossiach auf, dessen Tochter Josefine die Herrschaft als Heiratsgut erhielt. Ihr Mann Andreas Klinzer baute 1830 das Gut Mautbrücken, das aus einem Herrenhaus, einer Bierbrauerei, Ställen, einer Kegelbahn, einer Schießstätte und einer Mühle bestand. Das Gut war damals ein beliebtes Ausflugsziel.

Niedergang der Burg

1848, nach Auflösung der Feudalherrschaft, endete auch das Landgericht auf Burg Glanegg. Die Familie Klinzer verkaufte Schloss und Gutshof im Jahr 1860 an den Bregenzer Bürgermeister Ferdinand Kinz. Bilder und Zeichnungen aus Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen die Burg noch als intakt. Die „Dachsteuer“, von Joseph II. eingeführt, besiegelte das Schicksal vieler alter Bauten in Österreich und bedeutete auch das Ende der im 19. Jahrhundert noch bewohnten Burg Glanegg. Kinz ließ die Dächer abtragen, um sich die Steuer zu ersparen. Er ließ auch die Holzteile entfernen. Der rasche Verfall der Anlage begann.
1906 erwarb Josef Odelga die imposante ehemalige Wehranlage, weitere Besitzer waren Marie Edle von Marquet (ab 1915) und Leo Rainer (ab 1918). 1937 kam die Ruine in das Eigentum der Familie Mayer, deren Nachkommen, die Familie Zwillink, die Anlage seit 1982 besitzen.

Burgverein Glanegg

Im Jahr 1996 pachtete die Gemeinde Glanegg die Ruine; seitdem revitalisiert der „Burgverein Glanegg“ die Wehranlage. Viele Tonnen Schutt wurden aus dem Inneren der einst mächtigen Burg entfernt. Einige Räume wurden für Besucher hergerichtet, darunter der ehemalige Speicher und die Säulenhalle im Untergeschoss. Im Burghof finden Veranstaltungen statt. Im Bergfried befinden sich drei Signalfenster. Die Mittelsäule eines romanischen Fensters mit einem dorischen Kapitell wurde vor dem Zweiten Weltkrieg gestohlen. Demnächst soll der Burgbrunnen mit seinen Auswölbungen freigelegt werden. Unmittelbar unterhalb der Burg befinden sich Mauerreste der Meierei, eines Stalles und des Pförtnerhauses.

Werner Sabitzer


Quellen:
Dehio – Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs – Kärnten. 3. Auflage, Wien 2001.
Fräss-Ehrfeld, Claudia: Geschichte Kärntens, Band 2. Die ständische Epoche, Klagenfurt, 1994.
Henckel-Donnersmarck, Hugo: Burgen und Schlösser in Kärnten, 1964.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Erster Teil: Kärntens Burgen, Schlösser, Ansitze und wehrhafte Stätten. Ein Beitrag zur Siedlungstopographie. Zweite Auflage. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Kohla, Franz Xaver; Metnitz, Gustav Adolf v.; Moro, Gotbert: Kärntner Burgenkunde. Ergebnisse und Hinweise in Übersicht. Zweiter Teil: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. Geschichtsverein für Kärnten, Klagenfurt 1973.
Stejskal, Herbert: Kärnten – Geschichte und Kultur in Bildern und Dokumenten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart, Klagenfurt, 1985.
Wiessner, Hermann: Burgen und Schlösser um Klagenfurt, Feldkirchen und Völkermarkt. (Kärnten – II), Wien, 1965.

Dezember 14, 2007 Posted by | Burgen und Schlösser in Kärnten | | Hinterlasse einen Kommentar