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Land der Hemma – Das Gurktal: Geschichte und Geschichten

Erstmals ist ein Buch über die Geschichte des Gurktals erschienen.

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Die Gurker Bischöfe, die auf Schloss Straßburg residierten, hatten es nicht leicht. Drei von ihnen wurden ermordet, einer zweimal überfallen, beraubt und entführt, einige stritten sich mit Gegenbischöfen, andere führten das Bistum fast in den Ruin. Es gab aber auch einzigartige Erlebnisse: Bischof Raimund Peraudi war der einzige Gurktaler, der sich mit Leonardo da Vinci, dem vermutlich genialsten Künstler der Menschheitsgeschichte, unterhalten konnte. Leonardo arbeitete gerade an der Fertigstellung seines berühmten Freskos „Das Abendmahl“ im Kloster St. Maria delle Grazie in Mailand, als ihn Peraudi besuchte.

Nachzulesen sind diese und viele andere Geschichten über das Gurktal im jüngsten Buch des Weitensfelders Werner Sabitzer. Es ist das erste Werk, das sich ausschließlich dem Gurktal und seiner reichhaltigen Geschichte widmet. Das Buch enthält Beiträge, die ein Bild des Gurktals vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert wiedergeben. Beschrieben werden Burgen, Schlösser und Ruinen, alte Kirchen und Kapellen, interessante historische Persönlichkeiten, Rechtsdenkmäler und andere Besonderheiten des Gebiets von der Engen Gurk bis Zwischenwässern. Der romanische Gurker Dom ist das Wahrzeichen des Gurktals, Schloss Straßburg und danach Schloss Pöckstein waren Bischofssitze, die Magdalenenscheibe von Weitensfeld ist die älteste Glasmalerei Österreichs, Kärntens berüchtigster Räuberhauptmann Simon Kramer trieb auch im Gurktal sein Unwesen, in Straßburg wurden noch Mitte des 17. Jahrhunderts Hexen und Zauberer hingerichtet und in das Alpenbad nach Benesirnitz kamen jahrhundertelang prominente Kurgäste aus dem In- und Ausland. Einige Beiträge in diesem Buch befassen sich mit dunklen Seiten der Geschichte des Gurktals: Aufstände von Burgherren gegen die Bischöfe, Kämpfe um Besitz, Macht und Einfluss, die Verwüstungen von Burgen und Orten, Türkeneinfälle, Pestepidemien und andere folgenschwere Katastrophen.

Werner Sabitzer beschreibt auch einzigartige Bräuche, wie das Kugelschlagen, den Bruderschaftsmontag am Zammelsberg und das Kranzelreiten in Weitensfeld mit dem Wettlauf um die Jungfrau. Dazu kommen weitere interessante Facetten aus der Geschichte des Gurktals, das einst Bergbau- und Industrieregion war und in dem sich ein bedeutendes geistliches Zentrum befand.

Das bewaldete Gurktal wurde erst sehr spät von Kelten besiedelt. Die dokumentierte Geschichte des Tales beginnt Ende des 9. Jahrhunderts. Kaiser Arnulf mit dem Beinamen „von Kärnten“ schenkte 898 dem Edlen Zwentibold den Hof Gurk und fast das gesamte Gurktal. Mit einer weiteren Schenkung erhielt Zwentibold das Metnitztal und die Nebentäler. Ein knappes Jahrhundert später hätte im Gurktal ein Machtzentrum entstehen sollen: Die einflussreiche Witwe Imma, eine Nachfahrin Zwentibolds, erhielt im Jahr 975 von Kaiser Otto II. für ein Kloster in Lieding das Markt-, Münz- und Zollrecht. Mächtige Zeitgenossen, darunter wahrscheinlich auch der Salzburger Erzbischof, verhinderten die Errichtung des mit ertragreichen Privilegien ausgestatteten Klosters.

Immas Enkelin Gräfin Hemma ließ eine Reihe von Kirchen errichten und vermachte ihren Besitz der Kirche, nachdem sie Witwe geworden war und keine Nachkommen mehr hatte. Sie gründete 1043 in Gurk ein Nonnenkloster und stattete es mit reichen Besitz aus. Knapp drei Jahrzehnte später drängte der Salzburger Erzbischof die Bedeutung Hemmas zurück. Er ließ ihr Kloster schließen und gründete mit dem Besitz ein von Salzburg abhängiges Bistum in Gurk. Mit den Bestrebungen der Gurker Bischöfe, die Unabhängigkeit vom Erzbistum Salzburg zu erlangen, kam es zur Wiederentdeckung Hemmas von Gurk. In gefälschten Gurker Urkunden wurde sie als Nichte des Kaisers Heinrich II. bezeichnet und ihre Rolle als Stifterin hervorgehoben. Die Urkundenfälschungen führten zwar nicht zum erwünschten Erfolg, dafür aber zur zunehmenden Verehrung Hemmas als Volksheilige.

Werner Sabitzer: Land der Hemma. Das Gurktal: Geschichte und Geschichten. Styria Verlag, Wien/Graz/Klagenfurt, September 2013. ISBN: 978-3-7012-0148-8

http://www.styriabooks.at/article/4437

September 21, 2013 Posted by | Uncategorized | , , | Hinterlasse einen Kommentar